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SpongeBob Schwammkopf - Faszination und Philosophie

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 29 Seiten

Medien / Kommunikation - Massenmedien allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. SpongeBob Schwammkopf – die Serie
2.1 Inhalt der Serie
2.2 Erfolg der Serie
2.3 Kinder und SpongeBob
2.4 Ästhetik der Serie

3. SpongeBob Schwammkopf – Einschätzungen und Interpretationen
3.1 Interpretationen der Figuren
3.2 Faszination der Serie
3.3 Einschätzungen der Fans
3.4 Anspielungen in der Serie

4. SpongeBob und Philosophie oder: Hillenburg und Cavell
4.1 Kurze Biographien
4.2 Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte

5. Fazit

6. Literatur

7. Internetquellen

1. Einleitung

Diese Hausarbeit ist ein Abschluss des Seminars über „Andere Lesarten des Populären“, das ich im Sommersemester 2005 bei dem Dozenten Herbert Schwaab besuchte. Wir sprachen darin über den Philosophen Stanley Cavell, über Theorie, Ästhetik und versuchten Fernsehtexte (Serien) in vielerlei Hinsicht zu interpretieren und interessante Diskussionen hinsichtlich Inhalt, Ästhetik, aber auch persönlichem Geschmack, subjektivem Empfinden und Philosophie zu untersuchen.

Ich habe mir die Zeichentrickserie SpongeBob Schwammkopf (im Original: SpongeBob Squarepants) ausgesucht und möchte darüber schreiben, nachdenken und philosophieren, d.h. Antworten auf viele Fragen finden. In Hausarbeiten sollte man eigentlich immer eine zentrale Fragestellung haben, aber bei diesem Thema, finde ich, muss man über den Tellerrand schauen und sich auf verschiedene Fragestellungen einlassen. Gibt es Anknüpfungspunkte zu Cavells Theorien und Arbeiten? Warum ist SpongeBob auf der ganzen Welt erfolgreich? Was macht diese Serie aus, was macht sie liebens- oder hassenswert und last but not least: wie könnte eine medienwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Cartoonserie aussehen?

2. SpongeBob Schwammkopf – die Serie

„SpongeBob Schwammkopf“ wurde 1998 von Stephen Hillenburg erdacht. Hillenburg ist ausgebildeter Meeresbiologe und gleichzeitig Cartoonzeichner. So kam ihm bei seinen zahlreichen Taucheinsätzen die Idee einer Unterwasserwelt als Ort einer Trickreihe. Alle seine Figuren, wie Schwämme, Tintenfische, Krabben, Seesterne, Plankton oder andere Fische, kommen im Meer vor. Das Eichhörnchen Sandy bildet die Ausnahme, aber dazu an anderer Stelle mehr. Vorher arbeitete Hillenburg für die Zeichentrickserie „Rockos Modernes Leben“, welche ebenfalls von Erwachsenen und Kindern gleichermaßen geliebt wurde und auch bei Nickelodeon ausgestrahlt wurde bzw. wird.

2.1 Inhalt der Serie:

„SpongeBob Schwammkopf“ ist die Hauptfigur und lebt in dieser Unterwasserstadt namens Bikini Bottom mit seiner Hausschnecke Gary in einem Ananas-Haus und arbeitet mit Nachbar Thaddäus, dem miesgelaunten Tintenfisch, als Krabbenburgerbrater im Schnellimbiss „Krosse Krabbe“. Sein Chef ist der geizige Mr. Krabs, dessen geheimes Krabbenburger- Rezept sein Kapital ist. Erzfeind und Bösewicht „Plankton“ versucht es ihm von Zeit zu Zeit zu stehlen, doch die Ausführung seiner habgierigen Pläne, scheitert regelmäßig an seiner winzigen Größe und seiner Selbstüberschätzung. SpongeBobs Freunde sind der debile, aber herzliche und kollegiale Seestern Patrick und das Eichhörnchen Sandy. Sie stammt aus Texas und lebt unter einer wasserdichten Kuppel. Außerhalb der Kuppel trägt sie einen Raumanzug mit einem kugelförmigen Helm.

„SpongeBob Schwammkopf“ ist eine Serie, die bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen Erfolg hat. Sie wird oft mit ähnlichen Formatserien wie „Die Simpsons“, „Ren und Stimpy“ und „Familie Feuerstein“ verglichen. In den Episoden mischen Hillenburg und seine Mitarbeiter Situationskomik, Anspielungen, Botschaften und Nonsens zu einer unterhaltsamen, oft lehrreichen Serie.

2.2 Erfolg der Serie:

Seit 1999 läuft die Serie im amerikanischen Fernsehen auf dem Sender „Nickelodeon“. In Deutschland begann „Super RTL“ am 26.08.2002 mit der Ausstrahlung. Von Juni bis September 2003 lief die Serie dann Sonntags um kurz nach Mitternacht bei „RTL“. (vgl. www.wunschliste.de)

Ein Freund machte mich darauf aufmerksam und so entdeckte auch ich „SpongeBob Schwammkopf“. Im Laufe der Zeit steigerten sich die Einschaltquoten, die Popularität für die Serie und die Verkaufszahlen der unzählbaren Merchandising – Artikel. In Deutschland schalten regelmäßig 300.000 Fans ein, wenn der gelbe, viereckige Schwamm seine Abenteuer erlebt und sorgt für den Spartensender „Super RTL“ für Quotenerfolge.

74 % aller Kinder im Alter von 3-13 Jahren in Deutschland kennen SpongeBob. Bisher wurden über 270.000 Hörspiele, ca. 300.000 CD-ROM-Spiele, über 50.000 Videos und mehr als 40.000 DVD´s verkauft. In Deutschland wurden mittlerweile 33 Lizenzen für 140 Produkte vergeben. Für den Sender Nickelodeon, oder nur kurz „Nick“ ist "SpongeBob Squarepants" die erfolgreichste Show: sie wird in 25 verschiedenen Sprachen übersetzt, hat seit der Erstausstrahlung mehr als 4 Milliarden Dollar Umsatz an Merchandising erzielt und erreicht auch die für den Kindersender nicht ganz gewöhnliche Zielgruppe der Erwachsenen, die 25 % der SpongeBob - Zuschauer ausmachen. Das meldete die Associated Press (AP) am 9. November 2005 und war auf der Seite der CBS News zu lesen. „It's the kid-oriented network's most popular show. Last week, for example, the 4.5 million people who watched "SpongeBob" on Saturday morning made it the most popular event on cable after football. Four episodes of the cartoon ranked among Nielsen Media Research's top 15 cable shows.”

(http://www.cbsnews.com/stories/2005/11/09/ap/entertainment/mainD8DP4OC00.shtml)

Die Nickelodeon- Chefin Cyma Zarghami hat ihre eigene Ansicht, warum Spongebob zu einem großen Erfolg wurde: „SpongeBob' came at a time when the country was maybe a little bit blue, and SpongeBob was an endlessly optimistic character that came along and gave us a boost And maybe it's just because he's plain funny." (ebd.)

In den USA ging der Hype um die Serie sogar so weit, dass es mittlerweile eine Kirchengemeinschaft namens „Church of SpongeBob“ gibt, die nach den guten Eigenschaften des Schwammes lebt und betet, dass die Welt doch so gutmütig sein sollte, wie es der quirlige SpongeBob vorlebt. „US fans of the flamboyant cartoon character SpongeBob Squarepants have set up a church in his name. More than 700 members of the Church of SpongeBob meet for services in New York, Texas and California. The church's manifesto says it wants to push "simple things like having fun and using your imagination", and offers study courses on the cartoon. A spokesman for Nickelodeon, which makes the cartoon, said: "SpongeBob's appeal is extraordinary." (http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/3906687.stm)

Außerdem wurde SpongeBob gar Held der Schwulenbewegung, weil er so quirlig, tolerant und weltoffen ist, sein Haus (seine Ananas) so bunt eingerichtet hat und Patrick sein enger Freund ist, doch Erfinder und Regisseur Hillenburg meint, dass alle Figuren asexuell seien, Hillenburg hatte nie beabsichtigt, dass SpongeBob ein schwuler Charakter sei.

Im Jahre 2004 gab es sogar einen „SpongeBob Schwammkopf – Film“ im Kino, der in Deutschland über 1,5 Millionen Zuschauer in die Filmtheater lockte, während in den USA sensationelle 14 Millionen den SpongeBob- Kinofilm sahen. (vgl. http://www.insidekino.com/DBO.htm)

2.3 Kinder und SpongeBob:

SpongeBob ist für viele Kinder, aber auch Erwachsene zu einem Begleiter geworden. Für die jüngsten Fernsehzuschauer ist die Serie meines Erachtens zu komplex und anspruchsvoll, aber ab sechs oder sieben Jahren dürfte sie schon Spaß bereiten. Kleine Kinder sehen allerdings die Serie mit anderen Augen. Ich denke, dass die Kleinen einfach Freude an den gezeichneten Figuren haben und an den Gesichtsausdrücken der Charaktere, während ältere Zuseher eher an den Details, den Anspielungen und Wortwitzen Spaß haben. Bereits in der Studie „Kinder und Cartoons“, die zwischen 1991 und 1996 durchgeführt wurde und an der Kinder zwischen vier und vierzehn Jahren aus Bayern teilnahmen, rückten Zeichentrickserien in den Fokus. Die Untersuchung wurde für die Bayerische Landeszentrale für neue Medien erstellt. Die Autoren kategorisierten die Serien in fünf Serientypen, wobei „SpongeBob“ nach den damaligen Vorgaben, wie „Die Simpsons“ und „Familie Feuerstein“ in Typ 1: „Bewegter Alltag“ eingeordnet werden dürfte. Dieser Serientyp war bei der Studie in allen Altersgruppen der populärste Typ. Bei 52 % ( 100%=659 Stimmen) der 7- bis 14jährigen Kinder sind Serien aus dem Genre „Bewegter Alltag“ beliebt. ( vgl. Theunert/ Schorb 1996, S. 32)

Bei den Eltern haben Zeichentrickserien einen schweren Stand. Während sie Kinder im Grundschulalter noch Regelungen aufdrücken und sich Gedanken über die Fernsehgewohnheiten ihrer Sprösslinge machen, so werden ihre älteren Kinder beim Konsum von Zeichentrickserien belächelt bzw. angewiesen, doch einer sinnvollen Beschäftigung nachzugehen.

„Ihre Haltung vermitteln sie mit liebevollem Spott. „Eigentlich haben sie nichts dagegen; Mutter sagt, ich bin ein Baby!“, so eine 14jährige.“ (Theunert/ Schorb 1996, S.54). Dies kann ich übrigens bestätigen. Auch in meiner Familie konnte, bis auf meinen Vater, niemand nachvollziehen, warum ich mir (bis heute) die Serie „Die Simpsons“ anschaue. Wichtig ist den Eltern jedoch, dass keine explizite Gewaltdarstellung in den Comicserien vorkommt. Hier könnte auch ein Schlüssel des Erfolges von „SpongeBob“ gefunden werden, da diese Serie ja ohne Gewalt auskommt und Botschaften wie Moral, Freundschaft und Fröhlichkeit zum Inhalt hat. Interessant finde ich folgendes Zitat, welches auch für die Hauptfigur meiner untersuchten Serie gleichermaßen gilt: „Das Element, das für Kinder jeden Alters und Geschlechts in den Zeichentrickangeboten im Zentrum steht, sind die Figuren. An ihnen entscheidet sich maßgeblich Mögen bzw. Nichtmögen der Serien und Akzeptanz bzw. Ablehnung präsentierter Verhaltens- und Handlungsmuster. Selbst Mängel in der Gestaltung geraten den Kindern am ehesten an den Figuren in den Blick. Ihre ungenügende Animation oder Synchronisation können mit ein Ablehnungsgrund für die gesamte Serie sein.“ (Theunert/ Schorb 1996, S. 143)

Die Protagonisten der Serien spielen auch als Anregung zur Ausformung der Leitbilder der Heranwachsenden eine große Rolle. Die Kinder jeden Alters nehmen Charakter und Handlungsmuster der Hauptfiguren genau ins Visier und prüfen, ob sie diese in der Realität anwenden können. „Rezeption und Aneignung der Zeichentrickangebote weisen in der Kindheit Konstanten und Differenzen auf, die entweder über die Altersstadien hinweg für alle Kinder gelten oder jeweils für ein bestimmtes Alter und/oder Geschlecht Relevanz besitzen. Übergeordnet sind diesen Konstanten zwei Wünsche der Kinder: Sich zu amüsieren und sich zu orientieren. “ (Theunert/ Schorb 1996, S.208)

Gerade bei „SpongeBob Schwammkopf“ werden diese beiden Wünsche in jeder Folge erfüllt. Doch es bleibt ja nicht beim Anschauen der Episoden, die Einbindung der Serie in die kommerzielle Unterhaltungs- und Werbeindustrie erfüllt den Zweck der Anbindung an die Serie bzw. ihrer Figuren.

2.4 Ästhetik der Serie:

Schon im 1981 erschienenen Werk „Trickfilm-Serien im Fernsehen“ beschreibt Jens Thiele: „[…]zum anderen sind Figuren und Kulissen dieser Filme Auslöser für Nachbildungen in anderen Materialien und Medien, z.B. in Holz, Plastik, Papier oder Plüsch. Hier sind es die Nachbildungen, die als Derivate des Animationsfilms auftreten. Für kindliche Rezipienten und Konsumenten wird somit ein multimediales Angebot bereitgestellt, in dem gleiche und ähnliche syntaktische und semantische Merkmale erscheinen; sie dürften die ästhetischen Wertkategorien und Normen des Kindes schon frühzeitig mitprägen.“

(Thiele 1981, S. 11)

Dieser Aussage stimme ich zu und bin überrascht, wie Ergebnisse von Studien von vor zehn Jahren oder der Untersuchung zur Didaktik der Ästhetischen Erziehung von vor 25 Jahren (!) heute noch ihre Berechtigung haben bzw. heute auf die derzeitigen Gegebenheiten und Verhältnisse übertragen, immer noch gültig sind. Ökonomisch und psychologisch gesehen, ist die Fortsetzungsserie die effektivste Form massenmedialer Aussagen. Sie ist kostengünstiger als eine Einzelproduktion herstellbar und effizient und erfolgreich in der Bindung an den Zuschauer. Wiedererkennung und Rückerinnerung durch die gleichen Anfänge (Vorspann mit Musik) und Enden (Abspann mit Musik) und die immer gleiche Anfangszeit der Serie halten die Zuschauer bei ihrer Lieblingsserie und binden sie durch die Gewöhnung an das Programm. Auch in Anlehnung an die frühen Erfolge der Cartoons von Tex Avery in den 50er Jahren, die zwischen fünf und 15 Minuten lang waren, im Kino liefen und einzig auf Komik und Pointe zielten, ist die Frage, ob Animationsserien für Kinder oder Erwachsene gemacht wurden ein alter Hut. „Daß der Animationsfilm im veränderten Präsentationsmedium Unterhaltung bieten will, kann nicht Anlaß zur Kritik sein; auch die frühen Filmstreifen wollten das Publikum in erster Linie unterhalten. Kommerzielle Animationsproduktionen waren seit jeher von der Vorstellung geprägt, „dass der Trickfilm etwas für Kinder ist, oder für Erwachsene, die sich wie Kinder vergnügen wollen“. Unterhaltung wurde aber mit den technischen und ästhetischen Möglichkeiten des Genres geboten. Die auf Heiterkeit und Überraschung abzielenden Episoden wurden primär aus der Zeichnung und der Animation heraus entwickelt. Speziell im Zeichentrickfilm lassen sich alle nur denkbaren formalen Veränderungen in Sekundenschnelle herbeiführen: eine Figur kann sich unverhofft dehnen oder stauchen, sie kann ihre Gestalt beliebig verändern, sie kann sich in Luft auflösen…[…]“

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Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638545273
Dateigröße
551 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v60972
Institution / Hochschule
Hochschule für Bildende Künste Braunschweig – Institut für Sozialwissenschaften
Note
2,3
Schlagworte
SpongeBob Schwammkopf Faszination Philosophie Hauptseminar Andere Lesarten Populären

Autor

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