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Jugendliche im Hochleistungssport - Chancen und Risiken

Seminararbeit 2006 12 Seiten

Didaktik - Sport, Sportpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Einführung in die Problematik
2.1 Jugendliche Entwicklungsaufgaben
2.1.1 Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben
2.1.2 Stressful life events
2.1.3 Ressourcen zur Bewältigung der Belastungen

3 Das Selbstkonzept
3.1.1 Das schulische Selbstkonzept

4 Chancen und Risiken
4.1 Empirische Befunde

5 Resümee

6 Abbildungsverzeichnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Über die Chancen und Risiken der Jugendlichen, die Hochleistungssport betreiben, wird in der Öffentlichkeit vielfach kontrovers diskutiert. Einerseits begegnen uns Argumente, wonach sich sportliches Engagement positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung niederschlägt und somit vorteilhaft für das Leben ist. Dem gegenüber stehen allerdings Auffassungen, vor allem von kritischen Sportpädagogen, dass die leistungssportliche Aktivität zu schwerwiegenden Entwicklungsdefiziten in sozialer, intellektueller und emotionaler Hinsicht für Jugendliche führen kann und somit den Aufbau von Persönlichkeit und Identität der jugendlichen Leistungssportler beeinträchtigt und gefährdet. Sportliche Höchstleistungen auf internationaler Ebene kann nur durch langjähriges Training erreicht werden. Außerdem ist eine breite Basis leistungssportlich engagierter Jugendlicher die Voraussetzung für den Erfolg eines nationalen Spitzensportkonzepts. Aus dieser Basis gilt es dann die Besten der Besten auszuwählen und zu fördern. Im Folgenden möchte ich, neben den nicht wissenschaftlich belegten Argumentationen zu den Chancen und Risiken der jugendlichen Hochleistungssportler, auch auf wissenschaftlich gestützte Studien zum Selbstkonzept der Athleten und Athletinnen eingehen. Erst durch empirische Befunde einzelner Studien ist es möglich eine Basis zu schaffen, mit deren Hilfe man die mit dem leistungssportlichen Engagement verbundenen Chancen und Risiken überhaupt angemessen bilanzieren kann.

2 Einführung in die Problematik

„Die Jugend bezeichnet den Lebensabschnitt zwischen Kindheit und Erwachsenenalter“ (Röthig & Prohl, 2003, S.283), gerade in dieser Lebensphase gilt es eine Vielzahl von Anforderungen, so genannte Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Neben diesen jugendtypischen Entwicklungsaufgaben müssen von den Jugendlichen auch vielfältige Alltagsprobleme und kritische Lebensereignisse, wie der Tod eines Angehörigen, Ortswechsel, Rollenkonflikte etc. gelöst werden. Für jugendliche Hochleistungssportler, deren Alltag durch den Leistungssport nachhaltig bestimmt ist, kommen zu diesen Aufgaben und Problemen, zusätzliche Schwierigkeiten hinzu.

2.1 Jugendliche Entwicklungsaufgaben

Nach Röthig & Prohl (2003) werden unter Entwicklungsaufgaben die psychisch und sozial vorgegebenen Erwartungen und Anforderungen verstanden, die an Personen in einem bestimmten Lebensabschnitt gestellt werden (S.172). Zu den Entwicklungsaufgaben der Jugendlichen zählen die Akzeptanz der eigenen körperlichen Erscheinung, die Ablösung vom Elternhaus und dem Aufbau eines eigenen Freundeskreises, die Vorbereitung einer beruflichen Karriere durch eine Ausbildung oder ein Studium und schließlich, als dominierende Entwicklungsaufgabe die Entwicklung eines positiven Selbstbildes, d.h. zu wissen, wer man ist, wie man ist und was man zu leisten vermag. (vgl. Brettschneider, 1996)

2.1.1 Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben

Bei jugendlichen Hochleistungssportlern treten in Folge der leistungssportlichen Aktivität Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben auf. Der Körper, der dem jungen Sportler zu Erfolg und Ruhm verhelfen kann und somit sein Kapital darstellt, kann im Gegenzug auch zum Risiko werden. Bedroht wird dieser durch Verletzungen, Gewichtszunahme oder der Verschiebung der Körperproportionen. Hier muss der Athlet, mit der Unterstützung seines Trainers, eine Balance zwischen körperlicher Belastung durch Training und Regeneration finden. Nur so kann das Verletzungsrisiko verringert und das Kapital erhalten werden. Ein weiteres Beispiel für Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben ist das soziale Netzwerk: Einerseits sind die Eltern eine der wichtigsten sozialen Ressourcen bei der Doppelbelastung, andererseits kann zu viel Fürsorge der Eltern auch hinderlich bei der Identitätsentwicklung sein. (vgl. Brettschneider, 1996). Auch die Vorbereitung einer beruflichen Karriere bringt Schwierigkeiten für junge Hochleistungssportler mit sich: Zum einen gilt es die schulischen Anforderungen, die an einen gestellt werden zu erfüllen, zum anderen versucht man seinem Traum vom sportlichen Erfolg näher zu kommen. Und dazu ist zeitintensives und zeitraubendes Training erforderlich.

2.1.2 Stressful life events

Zu den Belastungen, die eng verknüpft sind mit der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben kommen bei den jugendlichen Hochleistungssportlern leistungssportindizierte „stressful life events“ hinzu. Dies sind Ereignisse, die durch die sportliche Aktivität auftreten können. Hierzu zählen sportliche Erfolge, wie auch Misserfolge, körperliche Belastung und Verletzungen, das Ausscheiden von Trainern oder die Auflösung der Trainingsgruppe. (vgl. Brettschneider, 1996). Wichtig sei hier anzumerken, dass die genannten Belastungen für die Jugendlichen unterschiedlich subjektiv wahrgenommen und gewichtet werden. Die subjektive Bewertung hängt zusätzlich vom Grad der objektiven Anforderung, z.B. durch Schule und Training ab. Für die Bewältigung der Entwicklungsaufgaben und der „stressful life events“ stehen dem Leistungssportler verschiedene Ressourcen zur Bewältigung der Belastungen zur Verfügung.

2.1.3 Ressourcen zur Bewältigung der Belastungen

Junge Hochleistungssportler müssen neben den jugendtypischen Entwicklungsaufgaben zusätzliche Belastungen, die das leistungssportliche Handeln mit sich bringt bewältigen. Zur Bewältigung dieser Anforderungen stehen ihnen objektive, soziale, subjektive und personale Ressourcen zur Verfügung. Unter den objektiven Ressourcen können Rahmenbedingungen verstanden werden, auf die das Subjekt keinen unmittelbaren Einfluss hat, so zum Beispiel schulische oder sportorganisatorische Rahmenbedingungen. Soziale Ressourcen sind beispielsweise Unterstützungsleistungen durch das soziale Netzwerk, also Eltern, Geschwister, Freunde, Trainer, Lehrer. (vgl. Brettschneider, 1996). Zu dezn subjektiven Ressourcen, die das Subjekt direkt beeinflussen kann, gehören das Selbstkonzept, also das innere Bild der eigenen Person, die schulischen und beruflichen Ambitionen und die sportlichen Erfolge und Ziele. Durch diese Ressourcen ist es dem jungen Sportler möglich, die Vielzahl von Anforderungen, die an ihn gestellt werden zu bewältigen. In wie fern dies gelingt hängt von der Wirksamkeit der verfügbaren personalen und sozialen Ressourcen ab. (vgl. Brettschneider, 1996). Gelingt es also dem Sportler, im Zuge seiner Entwicklungsaufgaben, sich ein positives Selbstkonzept aufzubauen, so wird er leichter mit Problemen und Risiken des Hochleistungssport fertig.

3 Das Selbstkonzept

„Als Selbstkonzept wird allgemein das Bild bezeichnet, welches eine Person von sich hat. Es entwickelt sich in der Auseinandersetzung mit der Umwelt und ist das Ergebnis von Rückmeldungen durch die Umwelt sowie von eigenständigen Interpretationsleistungen einer Person. Nach heutiger Auffassung wird das Selbstkonzept als hierarchisch strukturiert und mehrdimensional angesehen (Röthig & Prohl, 2003, S. 469).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Das multidimensional-hierarchisch organisierte Selbstkonzeptmodell (aus Shavelson, Hubner & Stanton, 1976, S. 413)

An oberster Stelle des Selbstkonzeptes steht das generelle Selbstkonzept. Unterteilt wird dieses allgemeine Selbstkonzept in ein akademisches beziehungsweise intellektuelles Selbstkonzept und in ein Nicht-akademisches bzw. nicht-intellektuelles Selbstkonzept. Das nicht intellektuelle Selbstkonzept wird gebildet, durch ein soziales Selbstkonzept, welches durch die Eltern und Freunde repräsentiert wird, ein emotionales Selbstkonzept, das sich durch Stabilität und Zuverlässigkeit aufbaut und ein körperliches oder physisches Selbstkonzept. Auf dieser zweiten Ebene werden also emotionales, soziales und physisches Selbstkonzept unterschieden. Alle Teilbereiche sind dem allgemeinen Selbstkonzept untergeordnet und werden auch Subdimensionen genannt. (vgl. Röthig & Prohl, 2003, S. 469) Man nimmt an, dass das Selbstkonzept in den Subdimensionen dynamisch, nach oben hin aber sehr stabil ist. Dies bedeutet, dass der Einfluss auf eine Subdimension des Selbstkonzeptes nicht zu einer Beeinflussung des allgemeinen Selbstkonzeptes führen muss. Ob etwas im generellen Selbstkonzept geschieht ist davon abhängig, wie die betroffene Person die Handlung individuell gewichtet und bewertet. Laut Rötig & Prohl (2003) zeigt sich, dass physische Aktivität das Selbstkonzept verbessert, sportlicher Erfolg ein positives Selbstkonzept begünstigt, und dass insgesamt bei Kinder und Jugendlichen sowie bei älteren Erwachsenen durch (subjektiv erfolgreiche) physische Aktivität positiv beeinflusst wird (S. 470). Hinweisend muss gesagt werden, dass sportlicher Misserfolg im Umkehrschluss auch ein negatives Selbstkonzept begünstigt. Dies zeigt deutlich, dass der Hochleistungssport neben den Chancen und Möglichkeiten, auch zu Problemen und Risiken bei Jugendlichen führen kann.

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Details

Seiten
12
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638546829
ISBN (Buch)
9783640209521
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61170
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Sport und Sportwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Jugendliche Hochleistungssport Chancen Risiken Proseminar

Autor

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