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Die Firma Fried. Krupp unter Friedrich Alfred Krupp und der deutsche Flottenbau 1887-1901

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 28 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. F. A. Krupp und Kaiser Wilhelm II.. Patriotismus – Kaisertreue – „Herr im Haus Prinzip“
2.1 Der Kaiser, die Flotte und F. A. Krupp
2.2 Die „Süddeutsche Reichskorrespondenz“ und der „Deutsche Flottenverein“
2.3 Der Reichstagsabgeordnete F. A. Krupp und die Militärvorlage

3. Die Firma Krupp und das Reichsmarineamt
3.1 Krupp als vom Kaiser befohlener „Bewahrer der nationalen Wehrkraft“
3.2 Das Panzerplattenmonopol der Firma Krupp und das Reichsmarineamt

4. Der kruppsche Flottenbau und die Öffentlichkeit
4.1 Die Panzerplattenpreise und die öffentliche Stimmung
4.2 Die Auseinandersetzungen zu den Rüstungsgüterpreisen im Reichstag

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wenn in der Öffentlichkeit überhaupt ein Bild von Friedrich Alfred Krupp vorhanden ist, dann das eines kränklichen, nicht besonders charismatisch wirkenden Industriebarons des ausgehenden 19.Jahrhunderts und das eines fatalen Produzenten deutscher Kriegsmaschinerie für die „Urkatastrophe des 20.Jh.“, den 1.Weltkrieg. So finden sich denn auch in Fest- und Jubiläumsschriften von oder über den Kruppkonzern und die Familie Krupp selten ausführlichere Betrachtung zum Leben und Wirken des F.A. Krupp. „Sein Lebenswerk wurde, sofern es nicht überhaupt in den Archiven verblieb, gewissermaßen entpersönlicht, objektiviert, in eine überindividuelle Firmengeschichte eingeschmolzen“[1]. Zu sehr scheint der überragende Vater und Firmenpatriarch Alfred Krupp alles zu überlagern. Diese Perspektive zur Person des F.A. Krupp entsprach schon zu seinen Lebzeiten der allgemeinen Meinung. Nach dem Tod Alfred Krupps 1887 und der Übernahme der Firmenspitze stand F.A. Krupp weiter im Schatten seines Vaters. Von seinem Umfeld wurde er als wenig durchsetzungsfähig und lenkbar angesehen, dessen Aufgaben im ererbten Konzern sich auf repräsentative Tätigkeiten beschränken würden. Wie von seinem Vater empfohlen suchte F.A. Krupp die Nähe zum Kaiser und hielt am Führungsprinzip des „Herr im Hause“ fest. Gerade diese beiden Vermächtnisse trugen jedoch auch zum negativen Bild des F.A. Krupp in der Öffentlichkeit bei. Die Loyalität gegenüber dem Kaiser und die Unterstützung von dessen Flottenbaupläne, brachten ihm in der breiten Bevölkerung den Ruf eines gewinnsüchtigen Kapitalisten ein, welcher mit vorgetäuschtem Patriotismus und seinem patriarchalischem Führungsstil Gewinne auf Kosten des Staates machte. In dieser Zeit des Übergangs vom Agrar- zum Industriestaat erreichte auch die Kluft zwischen Bildungs- und Wirtschaftsbürgertum ein kaum noch zu übersehendes Niveau. Die Industrialisierung Deutschlands führte in vielen Bereichen zu Veränderungen in der Struktur des Kaiserreichs und die damit verbundenen Auseinandersetzungen bündelten sich in der Diskussion um den Ausbau der Flotte. Die „Marinerüstung und die damit einhergehende, weite Teile der Bevölkerung erfassende Marinebegeisterung waren zugleich aber auch der vielleicht deutlichste Ausdruck des gewachsenen deutschen Weltmachtstrebens, des sich seit dem Ende der Ära Bismarck wandelnden Selbstverständnisses Deutschlands. An die Stelle der Parole von der außenpolitischen Saturiertheit des Reiches trat die Forderung, ins Konzert der Weltmächte einzutreten und ebenfalls einen Platz an der Sonne, Kolonien zu erringen. Auch meinte man, die bestehenden Kolonien und Handelsstützpunkte ebenso wie den zunehmenden Außenhandel nur mit einer eigenen Schlachtflotte wirksam schützen zu können“[2]. Die Firma Krupp als der wichtigste Lieferant der Marine, und somit Friedrich Alfred Krupp als alleiniger Inhaber, waren seit den 1890´er Jahren starken Angriffen aus dem Reichstag und der Presse ausgesetzt. Es wurde F.A. Krupp und seinem Unternehmen vorgeworfen „den Flottenbau aus geschäftlichem Eigennutz zu fördern, wenn nicht gar voranzutreiben, und die eigene Monopolstellung für die Forderung überhöhter Preise auszunutzen“[3].

In dieser Abhandlung soll die These aufgestellt und untersucht werden, ob F.A. Krupp vom Reichsmarineamt und Wilhelm II. mehr gedrängt und getrieben als aus eigenem Antrieb und wirtschaftlichem Gewinnstreben zum Flottenrüstungslieferanten Nr.1 für die Expansions- und Weltmachtträume des Deutschen Reichs und des Kaisers wurde.

2. F.A. Krupp und Kaiser Wilhelm II.. Patriotismus – Kaisertreue – „Herr im Haus – Prinzip“

2.1 Der Kaiser, die Flotte und F.A. Krupp

Zum Vermächtnis Alfred Krupps an seinen Sohn Friedrich Alfred gehörte der Ratschlag: „ Du musst beim künftigen Kaiser sein, was ich beim jetzigen, … dann kann auch kein Schwindler der Fabrik schaden.“[4] In der Tat verband Friedrich Alfred und Wilhelm II. nicht nur die Tatsache Erben einer großen Dynastie zu sein. So verstanden sich beide auch als „Vertreter einer neuen, aufstrebenden Generation, die sich nicht mit einer Art Rentnerdasein zufrieden geben, sondern neue Ziele und Ufer ins Auge fassen wollte.“[5] Der Generationenwechsel fand bei Krupp 1887 und nur ein Jahr später auch auf dem deutschen Thron statt. Dieser Wechsel an der Spitze des Reiches und an der Spitze des Kruppkonzerns spiegelte auch zugleich den Zeitenwechsel der damit einherging wider. Während Alfred Krupp und das „politische Maß der Dinge“ dieser Zeit, Bismarck, eine Saturiertheit erreicht hatten, welche sowohl die Ansprüche des Deutschen Reichs auf internationaler politischer Bühne als auch die Expansion des Kruppbetriebs beinhaltete, waren dessen Erben von „größeren Zielen“ getrieben. Wenn Friedrich Alfred auch nicht in seinem eher zurückhaltenden Auftreten dem „geltungssüchtigem, Auftritt und Pose liebendem und zudem sprunghaftem“[6] Kaiser glich, so verkörperte er dennoch dass, was man einen „Wilhelminer“ nannte. Zur Haltung des Kaisers und Krupps gehörte das Bewusstsein, etwas Neues, eine „letztlich unüberholbare Moderne“[7] zu repräsentieren, was mit einem Absolutheitsanspruch einherging, welcher die Welt in schwarz und weiß aufteilte. Doch außer den übereinstimmenden Weltanschauungen waren sich die beiden Männer auch persönlich sympathisch. Ein häufiger Vorwurf seiner Zeit war die Vermutung der politischen Einflussnahme Friedrich Alfreds auf den Kaiser. Zwar gehörte Krupp zu einem sehr kleinen Kreis von Wirtschaftsvertretern im Umfeld des Kaisers, aber politischen Einfluss übten meist nur die Offiziere aus der kaiserlichen Umgebung aus[8]. Krupp und der künftige Kaiser hatten sich 1869 in Essen kennen gelernt und trafen sich gelegentlich in den folgenden Jahren. Ab dem Jahr 1890 stattete Wilhelm II. fast jährlich Krupp auf der Villa Hügel einen Besuch ab, während Krupp bei seinen Berlinaufenthalten regelmäßig Audienzen beim Kaiser erhielt. Weitere Treffen fanden bei der Kieler Woche und bei Übungsschiessen auf dem Kruppschen Gelände in Meppen statt. Die Leidenschaft für die Marine und das beiderseitige Interesse an der deutschen, und somit fast ausschließlich der Kruppschen Rüstungsforschung waren ein weiteres Band zwischen Friedrich Alfred und dem Kaiser.

Im Bereich des Schlachtflottenbaus, des Kaisers „liebstes Kind“, ist eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Krupp und dem Kaiser zu erkennen. Der Schlachtflottenbau stärkte zusätzlich die streng hierarchische, auf den Eigentümer-Unternehmer ausgerichtete Struktur der Firma Krupp, das so genannte „Herr im Haus – Prinzip“. Dieses Prinzip hatte bei Krupp Tradition und war in starkem Maße von Alfred Krupp verkörpert worden. Da dieses Prinzip bei Alfred Krupp vor allem auf seinem Charakter und seiner Persönlichkeit fußte und zudem der Gewissheit, dass er Krupp zu dem gemacht hatte was es war, fehlten diese „genuinen Elemente“[9] bei Friedrich Alfred weitgehend. Trotzdem übernahm er diese Position und das sie innerlich begründende Prinzip und orientierte sich auch in dieser Hinsicht an Wilhelm II. und dessen „persönlichem Regiment“. Die Betrachtung des Kaisers, aber auch eines großen Teils der Bevölkerung, der Firma Krupp als „Nationalwerk“ stellte ein gegenseitiges Treuebündnis nach feudalem Muster dar, dessen Fortsetzung sich auch im Verhältnis von Krupp zu seinen Arbeitern fand. Dieses Prinzip enthielt nach der Vorstellung Friedrich Alfreds, auch ein Vermächtnis seines Vaters, aber auch zugleich die Fürsorgepflicht des „Herrn“ für seine „Untergebenen“, bzw. Arbeiter. Durch das Beharren auf dieses monarchische Prinzip schien die Wahrnehmung für die immer komplexer werdenden Problemlagen dieser Zeit, verbunden mit einer „ständig wachsenden Zahl von Faktoren und Kräften beeinflusster Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse“[10] leicht in ein die Wirklichkeit verschleierndes Bild zu führen. Die Unterstützung Friedrich Alfreds für die kaiserlichen Pläne zum Ausbau der Schlachtflotte empfand dieser in erster Linie als seine patriotische Pflicht dem Vaterland und als unbedingte Loyalität dem Kaiser gegenüber[11]. Dass die hierbei entstehenden Rüstungsaufträge und Gewinne für die Firma Krupp nicht auf seine Ablehnung stießen, ergibt sich wohl aus der Natur eines kapitalistischen Industriellen, welcher nach Gewinn maximierenden Aspekten handelt. Dennoch war sein ursprüngliches Engagement im Bereich des Schiffsbaus und der Ausweitung der Rüstungsproduktion - wie die der Panzerplatten - eher zurückhaltend. Wie diese Abhandlung noch zeigen soll, musste Friedrich Alfred zum Erwerb der Germaniawerft in Kiel und der Ausweitung der Rüstungsproduktion vor allem im Bereich der Panzerplatten aber auch der Geschützproduktion von seinem Direktorium und dem Reichsmarineamt bedrängt werden. Aber auch der Kaiser trat persönlich mit diesen Anliegen an Krupp heran, was für diesen mindestens genauso ausschlaggebend war sich für den weiteren Einstieg in die Rüstungsproduktion zu entscheiden wie die doch recht riskanten Aussichten auf hohe Gewinne durch die Rüstungsproduktion und den Flottenbau. Der propagandistische Einsatz Krupps für die kaiserlichen Flottenpläne ist mit als Grundstein für das negative Bild Friedrich Alfreds in der Öffentlichkeit zu sehen. Obwohl - wie schon erwähnt - es Krupp hierbei vor allem um einen Prestigegewinn des Kaisers vor allem in Süddeutschland ging, wo die Begeisterung für die Flotte auf wenig Gegenliebe stieß.

2.2 Die „Süddeutsche Reichskorrespondenz“ und der „Deutsche Flottenverein“

Um das stark gesunkene Ansehen des Kaisers und dessen Flottenbaupläne vor allem in Süddeutschland zu steigern, versuchte F.A. Krupp seit der Mitte der 1890´er Jahre aus dem Hintergrund mit publizistischen Mitteln auf den politischen Willensbildungsprozess Einfluss zu nehmen. Dieser „Ausflug in die politische Öffentlichkeit stellte ein persönliches Engagement dar, über das noch nicht einmal die Direktoren der Firma immer informiert waren“[12], und stand ganz im Gegensatz zu der von Alfred Krupp vertretenen Einstellung sich aus dem politischem Tagesgeschäft herauszuhalten. Für Friedrich Alfred sollte vorrangig der Berliner Journalist Victor Schweinburg als Krupps Vertrauensmann dessen Interessen und Ziele vorantreiben. Wobei dieser nicht nur Krupps Vorgaben ausführte sondern oftmals auch selbst initiierte. So verstand sich Schweinburg denn auch mehr als Propagandist für die Regierung denn als freier Journalist, und die Arbeit außerhalb der offiziellen Pressestellen schien auch weit effektiver zur Durchsetzung seiner Vorhaben.

[...]


[1] Gall, Lothar: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Frankfurt a. M. 2000. S.251

[2] Wolbring, Barbara: Krupp und die Öffentlichkeit im 19.Jahrhundert. Selbstdarstellung, öffentliche Wahrnehmung und gesellschaftliche Kommunikation. Schriftenreihe zur Zeitschrift für Unternehmensgeschichte Band 6, München 2000. S.262

[3] Wolbring, Barbara: Krupp und die Öffentlichkeit im 19.Jahrhundert. S.253

[4] Wolbring, Barbara: Krupp und die Öffentlichkeit im 19.Jh. S.200

[5] Gall, Lothar: Krupp. Der Aufstieg eines Industrieimperiums. Frankfurt a. M. 2000. S.249

[6] Wolbring, Barbara: Krupp und die Öffentlichkeit im 19.Jh. S.200

[7] Gall, Lothar: Krupp S.250

[8] Epkenhans, Michael: Großindustrie und Schlachtflottenbau 1897 - 1914, in: Militärgeschichtliche Mitteilungen 43, 1988, S. 73 Im Gegensatz dazu Boelcke, Krupp und die Hohenzollern, S 108. Hier spricht Boelcke davon, dass „die Kaiserbesuche auf dem Hügel nicht zuletzt die vielfältigsten Möglichkeiten der persönlichen Einflussnahme auf den ruhmredigen Monarchen boten.“

[9] Gall, Lothar: Krupp. S.274

[10] ebd.. S.274.

[11] Boelcke, Willi A.: Krupp und die Hohenzollern in Dokumenten. Krupp-Korrespondenz mit Kaisern, Kabinettschefs und Ministern 1850 – 1918. Kassel 1970. S 161. In seinem letzen Brief an Wilhelm II. versteht F.A. Krupp sich als „alleruntertänigsten Diener“ des Kaisers

[12] Wolbring, Barbara: Krupp und die Öffentlichkeit im 19. Jh. S. 254: demnach soll Jencke von der Beteiligung F.A. Krupps an der „Süddeutschen Reichskorrespondenz“ nichts gewusst haben.

Details

Seiten
28
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638548281
ISBN (Buch)
9783638752961
Dateigröße
544 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61354
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Schlagworte
Firma Fried Krupp Friedrich Alfred Krupp Flottenbau Krupp Kaiserreich Unternehmer Unternehmen

Autor

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Titel: Die Firma Fried. Krupp unter Friedrich Alfred Krupp und der deutsche Flottenbau 1887-1901