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Italiens politische und militärische Ziele in Nordafrika

Hausarbeit 2002 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Zeitalter Weltkriege

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Die Determinanten der italienischen Außenpolitik zur Zeit des Faschismus

2. Mussolinis expansionistische Vorstellungen
2.1. Der "Impero-Gedanke"
2.2. Die Parallelkriegs-Strategie

3. Angenommene Ausgangssituation im Mittelmeer

4. Operative Planungen im Jahre 1ü4ä: "Non belligeranza" und Kriegseintritt Italiens

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Die Determinanten der italienischen Außenpolitik zur Zeit des Faschismus

Mussolini hatte seit seiner Regierungsübernahme mit dem "Marsch auf Rom" im Jahre 1922 den italienischen Großmachtanspruch als außenpolitische Handlungsmaxime fest-geschrieben. Aufgrund der Kraftlosigkeit des eigenen Landes und des Fehlens eigener Machtmittel versuchte er, durch klug betriebene Schaukelpolitik, d.h. durch das wechselseitige Anbieten guter Dienste in Paris, London und Berlin, eine weitgehend friedliche Außenpolitik im Konzert der Großmächte zu führen (Politik des entscheidenden Gewichts in der Waagschale). Das Ziel dieser außen-politischen Strategie war auf der einen Seite eine Verbesserung der kolonialen Position Italiens in Nordafrika und auf der anderen Seite die Vermarktung der imperialen Zielsetzung als innerstaatliches Konservierungs-mittel.[1]

Die italienische Außenpolitik zur Zeit des Faschismus trat mit dem abessinischen Krieg, der am ä5. Mai 1ü36 mit der Eroberung der Hauptstadt Addis Abbeba endete, in eine Phase aktiver imperialer Expansions-bestrebungen. Der Abessinien-Krieg war äußerlich betrachtet ein Kulminationspunkt italienischer Außenpolitik zur Zeit des Faschismus. Es begann ein Stadium sehr reger Außen- und Kriegspolitik, welche letztendlich mit der Niederlage Italiens und dem Untergang des faschistischen Systems enden sollte.[2] Dem Abessinien-Krieg lagen eine ganze Reihe verschiedener Motivationen zugrunde, die ganz generell als Kennzeichen für den faschistischen Kolonialgedanken Geltung haben:[3]

a) Prestigedanke und Machtbewusstsein (insbesondere der system-stabilisierende Effekt einer aktiven Dokumentation des Faschismus als erfolgreiche politische Konzeption spielte dabei eine große Rolle)
b) ökonomische Motive (die bereits bestehenden Kolonialbesitzungen sollten um ein großes, wirtschaftliches Gebiet erweitert werden, welches nach Auffassung der italienischen Führung nicht auf wirtschaftlich-friedlichem Wege gelingen konnte)
c) Bevölkerungspolitische Momente (der italienische Kolonialgedanke war im Gegensatz zu dem Frankreichs oder Großbritanniens, bei denen eher die Ausbeutung der eroberten Kolonien im Vordergrund stand, auf eine Auswanderung von Teilen der italienischen Bevölkerung in die neugeschaffenen Kolonien ausgerichtet. Diese sollten dort bessere Lebensmöglichkeiten [Land, Arbeit] wie in ihrer angestammten Heimat finden).

Für Italien war der Krieg trotz der erheblichen und auf lange Sicht irreparablen Finanzprobleme eine Demonstration italienischer Größe.[4] Man hielt den Zeitpunkt des kriegerischen Handelns in der Abessinien-Frage für gekommen, da das Mitte der Dreißiger Jahre einsetzende ständige Aufrüsten der europäischen Großmächte den erhofften Gewinn zu einem späteren Zeitpunkt immer schwieriger machen würde. In diesem Zusammenhang jedoch unterlag die italienische Führung auf lange Sicht einer eklatanten Fehlkalkulation:[5]

Zwar war die Analyse des europäischen Wettrüstens durchaus zutreffend, man vergaß dabei aber, daß der durch den Abessinien-Krieg und dem zusätzlichen Engagement im Spanischen Bürgerkrieg verursachte Verschleiß der ohnehin schlecht gerüsteten italienischen Streitkräfte (den man vielleicht auch unterschätzte) Italien für die zweite Hälfte der Dreißiger Jahre jegliche machtpolitische Möglichkeiten nahm.

Die italienischen Streitkräfte befanden sich auf einen gefährlich niedrigen Rüstungsstand:[6]

- die Heeresausrüstung war weitgehend veraltet oder im Veralten
- im Spätsommer 1939 verfügte die Armee über gerade einmal 19 kampftaugliche Divisionen (70 sollten es nach Mussolinis Vorstellungen sein)
- die Artillerie benutzte Geschütze aus dem Jahre 1918
- die Luftwaffe hatte weniger als 1äää einsatzfähige Flugzeuge (obwohl von der Luftwaffenführung erklärt wurde, es wären über 3000)
- die Flotte besaß weder Flugzeugträger noch eigene Flugzeuge

Mussolinis Aktion eines schnellen Eingreifens in Abessinien ist also vor allem unter dem Gesichtspunkt einer langsamen Veränderung der außenpolitischen Machtkonstellation der europäischen Großmächte zu betrachten. Die zielstrebig verfolgten politischen Langzeitprogramme eines durch Italien dominierten arabisch-afrikanischen Imperiums einerseits und des Mittelmeeres als primär italienische Einflusszone andererseits konnten nun langfristig nicht mehr mit dem entscheidenden Gewicht in der Waagschale erreicht werden. Die Ausnutzung der Interessengegensätze der europäischen Großmächte und die daraus resultierende "marginale Nützlichkeit" Italiens für diese Staaten konnte dann nicht mehr gelingen, als Deutschland sich mehr und mehr willens und in der Lage zeigte, den großen Krieg zu wagen. Deshalb war für den italienischen Staat in der Folgezeit aufgrund seiner immanenten Schwäche, nationale Ziele mit seinen eigenen Möglichkeiten nicht erreichen zu können, nur noch die Möglichkeit der Option für den einen oder anderen Partner möglich.[7]

"Als er (Mussolini, d.Verf.) sich entschied, gab der Charakter des Regimes - im Verständnis eines situativen Motivs - den Ausschlag. Trotz des Misstrauens und der weiterhin vorhandenen Konfliktstoffe zwischen Rom und Berlin blieb dem faschistischen Italien keine andere Wahl, als sich mit Hitler zu verbünden."[8]

Die politischen Vorstellungen des faschistischen Italiens waren sehr konkret, aufgrund fehlender militärischer Stärke aber konnte Italien nur auf bestimmte Konstellationen reagieren. Wie in der Abessinien-Frage gab es hinsichtlich der operativen Planungen auch in der Folgezeit nur die Möglichkeit der Ausnutzung einer konkreten Situation, um politische Zielvorstellungen zu verwirklichen. Die koloniale Expansion war von Beginn an ein programmatisches Ziel Mussolinis, welches er aber wegen der nach der Machtübernahme zunächst notwendigen Stabilisierung zurückstellte. Insofern lässt sich für die italienische Politik seit dem Abessinien-Krieg konstatieren, daß die Abhängigkeit von der Entwicklung des europäischen Kräfteverhältnisses und den daraus resultierenden Erwägungen eines "Wartens auf die günstige Gelegenheit" den Eindruck eines "planlosen Beutemachens" Mussolinis hinterlässt. Im Grunde aber baute dies alles auf einer langfristigen, politisch sehr konkreten Vorstellung auf, die sich den Entwicklungen in Europa anzupassen hatte.[9]

"Unerheblich ist es im Grunde, wie sich Mussolini letztlich entschied. Es gilt lediglich festzustellen, daß die Politik des peso determinante den Aktionen Mussolinis einen Hintergrund verleiht, die es als wenig wahrscheinlich erscheinen lässt, daß der Kriegseintritt Italiens im Juni 1940 oder andere zentrale Entscheidungen mit einem "planlosen Opportunismus" korrespondieren."[10]

2. Mussolinis expansionistische Vorstellungen

2.1. Der "Impero-Gedanke"

Durch den Widerstand des Westens gegen das Abessinien-Unternehmen wurde zunächst die als taktische Maßnahme bestimmte Entlastungsofferte einer Bereitschaft zur Annäherung an Deutschland betrieben. Es trat eine Tendenzwende in der europäischen Politik ein. Das im Schatten des Abessinien-Krieges erstarkte Deutschland wurde für Mussolini wichtig aus Sorge um die Sicherung seines erweiterten Entscheidungsraumes.[11]

[...]


[1] vgl. Funke 1978, S.829

[2] vgl. Kramer 1968, S.96

[3] vgl. Schreiber, Stegemann u. Vogel 1984, S.102

[4] vgl. Lill 1986, S.338f.

[5] vgl. Schreiber, Stegemann u. Vogel 1984, S.104

[6] vgl. Hibbert 1963, S.133f.

[7] vgl. Schreiber, Stegemann u. Vogel 1984, S.100

[8] ebd., S.107

[9] vgl. ebd., S. 105f.

[10] ebd., S.100

[11] vgl. Funke 1978, S.830

Details

Seiten
16
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638137980
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6162
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Moderne Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Italiens Ziele Nordafrika Zweite Weltkrieg Mittelmeerraum Politik Kriegsführung Achsenmächte Thema Libyen

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Titel: Italiens politische und militärische Ziele in Nordafrika