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Berlinisch, die Vorstellung eines Dialektes

von Sandra Mäusling (Autor) Nadine Töpsch (Autor)

Hausarbeit 2006 20 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliches zum Berliner Dialekt

3. Lautliche Besonderheiten des Berlinischen

4. Abstufungen des Berlinischen

5. Die Lexik des Berlinischen

6. Flexion, Wortbildung und Syntax

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Berliner Dialekt, kurz das Berlinische, ist einer der am besten untersuchten Stadtsprachen im deutschsprachigen Raum.[1] Jener Dialekt war im Laufe der Zeit vielen Veränderungen unterworfen. Besonders stark äußerten sich diese in den letzten Jahrzehnten.

Dieser erste Teil der Arbeit wird sich mit den grundlegenden Merkmalen des Berliner Dialektes beschäftigen. Dabei sollen beispielsweise Fragen wie „ Was genau ist das Berlinische?“ oder „Welche grammatikalischen Besonderheiten weißt das Berlinische auf?“ beantwortet werden.[2]

Dazu soll sich zuerst in die Problematik „Dialekt“ hineingedacht werden.

Ein Dialekt ist eine nicht kodifizierte Sprachform, die beispielsweise zur nicht- formellen Kommunikation innerhalb einer lockeren Sprachgemeinschaft verwendet wird; es kann sich um die lokale oder regionale Varietät einer Sprache handeln. Obwohl die Sprachform im Dialekt nicht formell kodifiziert ist, gibt es trotzdem im Dialekt strenge grammatische und phonetische Regeln, die sich von der Standardsprache in verschiedenem Grade unterscheiden.[3]

Es ist auf Grund eines Dialektes sehr leicht möglich herauszufinden, aus welcher Region ein Mensch stammt. Beim Berlinischen ist die Zuordnung besonders einfach. Bezeichnend für diese Aussage ist folgender Vers:

Icke, ditte, kiecke mal,

Oogen, Flesch und Beene!

(Nee, mein Kind so heißt dit nicht:

Augen, Fleisch und Beine.)[4]

Anhand dieses Beispieles werden bereits bestimmte lautliche Besonderheiten aufgezeigt, welche in den nächsten Kapiteln genauer bestimmt und beschrieben werden soll.

2. Geschichtliches zum Berliner Dialekt

Die heutige Sprachvarietät Berlinisch ist das Produkt einer 500 Jahre langen Entwicklung. Ihre Grundstruktur entstand als Mischung aus dem niederdeutschen Dialekt (Mittelbrandenburgerisch), der gesprochenen obersächischen Umgangssprache und der hochdeutschen Schriftsprache im damaligen Stadtgebiet Berlins.[5]

Das Berlinische verdrängte im 18. Jahrhundert den niederdeutschen Dialekt und es wurden fortwährend neue sprachliche Elemente aufgenommen und abgelegt. Eine Lexemaufnahme erfolgte unter anderem aus dem Jiddischen, dem Rotwelschen, aus der Schüler- und Studentensprache, sowie aus dem Vokabular der Zugezogenen. Wie bei jeder sprachlichen Varietät erfolgte ebenso eine Bildung von Neologismen, die den Sprachschatz erweiterte.

Die Forschung um das Berlinische geht weit zurück, denn bereits Ende des 19. Jahrhunderts begann man den lokalen Wortschatz in Berlin zu sammeln und zu dokumentieren. So erschien 1873 ein „Glossarium der Berliner Wörter und Redensarten.“[6]

In den 1980er Jahren ist eine verstärkte Beschäftigung mit dem Berliner Dialekt zu verzeichnen. Es erwies sich für Wissenschaftler schwierig einheitlich zu forschen, denn Berlin war politisch geteilt. Aus diesem Grunde wurden Wörterbücher für das Ost- und das Westberlinische verfasst. Ein Beispiel für ein Ostberlinisches Wörterbuch ist das von Joachim Wiese. Es trägt den Titel: „Berliner Wörter und Wendungen“ und wurde 1987 veröffentlicht.

Eine Untersuchung, welche das Berlinisch auch im angrenzenden Land Brandenburg untersucht, wurde 1989 begonnen. Seit der Grenzöffnung arbeiten die Wissenschafter um die Kenntnisse des Berlinischen zusammen und ergründen die Unterschiede der ehemals getrennten Berliner Kommunikationsgemeinschaft in Lexik und lautlichen Varianten.[7]

Die Sprachvarietät Berlinisch erweist sich in der Forschung als sehr heterogen und auf Grund von historischen Einflüssen und Veränderungen unterscheidet sich das heutige Berlinisch erheblich von dem der früheren Generationen.

3. Lautliche Besonderheiten des Berlinischen

Der „Deutsche Sprachatlas“[8] weißt darauf hin, dass sich die phonetischen Merkmale des Berlinischen in unterschiedlichem Maße zur Abgrenzung des Berliner Dialektes zu anderen Dialekten eignen. So gibt es beispielsweise Entrundungen und Abschwächungen unbetonter Endsilben auch in anderen Dialekten und Umgangssprachen.

Aus diesem Grunde wird diese Arbeit zwar einige Merkmale beschreiben, aber nicht auf alle genauer eingehen.

Das Berlinische kann als eine substitutionelle Sprache beschrieben werden, denn viele Laute werden durch andere ersetzt. Dabei ist das Ersetzen des schriftsprachlichen Verschlusslautes g durch den Reibelaut j oder durch ch besonders charakteristisch. So spricht der Berliner: „Das jeht doch jar nich.“ anstelle von „Das geht doch gar nicht.“ Es ist zu beachten, dass die Aussprache des Lautes g immer von seiner Stellung im Wort abhängt. Zwischen hellen Vokalen (e, i, ei) und nach l beziehungsweise r spricht man ein stimmhaftes j anstelle eines g s . Das wird in den Beispielen „Kejel“, „Felje“ und „Morjen“ deutlich. Vor stimmlosen Konsonanten (s,t), sowie im Wortauslaut wird g zu einem stimmlosen ch, beispielsweise in „fliecht“ und „saacht“.[9]

Eine weitere Lautregel ist das Ersetzen von au durch doppeltes o oder einfaches o. Diese Regel wird veranschaulicht am Beispielwort „laufen“. Im Berlinischen wird „laufen“ zu „loofen“.[10] Dabei ist zu beachten, dass au nur zu o wird, wenn ein „altes au“ [11] zugrunde liegt.

Im bereits zitierten Vers der Einleitung werden weitere phonetische Phänomene aufgezeigt. Die Wörter „Beene“ und „Nee“ verdeutlichen, dass ei im Berlinischen als ee gesprochen wird.

Weiterhin ist im Berliner Dialekt die Erscheinung der Entrundung zu beobachten. Die Vokale ö, ü, eu und äu werden von Berlinern als e, i und ei ausgesprochen. So wird der „Löffel“ zum „Leffel“ und „neue“ zu „neie“.[12] Diese Entrundung ist jedoch in schriftlichen berlinischen Texten oftmals nicht ausgedrückt worden und kann somit mehr als ein sprachliches denn als ein schriftliches Phänomen angesehen werden.

Die Vokalkürzung ist bei einsilbigen Substantiven und Adjektiven, sowie in einigen Verbformen zu erkennen. „Kricht“ und „jekricht“ sind folglich die verkürzten Formen vom Verb „kriegen“.[13] Im Berlinischen wird allerdings nicht nur gekürzt, sondern häufig schwinden auch Laute in den Endsilben. Ein Beispiel dafür wäre das Wort „gefallen“. Es verändert sich durch zu den Endsilbenschwund zu „jefalln“.[14]

Zu den lautlichen Phänomenen gehört die Intonation im Satz. Nicht betonte Wörter werden in der Satzkonstruktion des Berliner Dialektes geschwächt. Liegt also im Satz keine Betonung auf „die“ oder „du“ wird es als „de“ gesprochen. Das gleiche Prinzip erfolgt bei Wörtern wie „eine“ und „mir“, welche zu „n“ und „ma“ geschwächt werden. Sogar Wortgruppen werden in ihrer Betonung verändert. „Hast du es“ wird lediglich als „hast't“ gesprochen.[15]

Einige Merkmale, die noch zu nennen sind , aber nicht weiter erläutert werden sollen, sind folgende: Beim Berliner Dialekt verwendet man konsequent „dit“ anstelle von „das“. Ähnliches kann vergleichend im Mecklenburger Raum nachvollzogen werden. Dort wird „das“ zu „dat“. Die Verwendung von „ick“ anstatt „ich“ hat Signalwirkung zur Erkennung des Berlinischen.[16]

Beim Berlinischen verändern sich nicht nur die Vokale, sondern auch die Konsonanten. So spricht man beispielsweise am Anlaut f ( Fennich) , wo eigentlich pf ( Pfennig) geschrieben wird. Im In- und Auslaut dagegen steht p statt pf. So wird der „Apfel“ zu „Appel“, der „Kopf“ zum „Kopp“ und die „Strümpfe“ werden zu „Strümpe“.[17]

Bei einigen Wörtern ist für das schriftsprachliche t noch die Aussprsche als dd üblich. Im Winter geht man beispielsweise im Berliner Raum „schliddern“ und nicht „schlittern“.[18]

Es wird oft darauf hingewiesen, dass man bei Sprechern des Berlinischen auch nuscheln, schnelles und nachlässiges Sprechen feststellen kann.

Berlinisch sprechen, auch berlinern genannt, läuft beim Sprachbenutzer unbewusst ab, und nur wenige können die lautlichen Phänomene tatsächlich benennen. Ein Proband aus einer Untersuchung bezüglich des Berliner Dialektes meinte zu diesem Thema: „Naja, saren wa mal so. Es is mehr, man spricht dit ja unbewusst un jar nich mal bewusst. Kann ick eigentlich wenich zu saren, jetzt auf mich selbst bezorn. Ick büld mir ein jedenfalls richtich zu berlinern.“[19]

[...]


[1] Klaus – Peter Rosenberg: Der Berliner Dialekt und seine Folgen für die Schüler. Geschichte und Gegenwart der Stadtsprache Berlins sowie eine empirische Untersuchung der Schulprobleme dialektsprechender Berliner Schüler. 1986, S.56

[2] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.215

[3] www.diplomarbeiten.de/vorschau28788.html

[4] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.217

[5] Norbert Dittmar und Peter Schkobinski (Hrsg.): Wandlungen einer Stadtsprache. Berlinisch in Vergangenheit und Gegenwart. 1988

[6] www.fbls.uni-hannover.de/sdls/schlobi/berlinisch/lexikon/literatur.htm

[7] Klaus – Peter Rosenberg: Der Berliner Dialekt und seine Folgen für die Schüler. Geschichte und Gegenwart der Stadtsprache Berlins sowie eine empirische Untersuchung der Schulprobleme dialektsprechender Berliner Schüler. 1986, S.176

[8] www.sprachatlas.de

[9] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.229

[10] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.226

[11] Ebd.

[12] Ebd.

[13] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.227

[14] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.227

[15] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.227

[16] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.233

[17] Ebd.

[18] Joachim Schildt und Hartmut Schmidt (Hrsg.) : Berlinisch. Geschichtliche Einführung in die Sprache einer Stadt. 1986, S.228

[19] Helmut Schönfeld: Berlinisch heute: Kompetenz – Verwendung – Bewertung. 2001, S. 35

Details

Seiten
20
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638551496
Dateigröße
511 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61763
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Schlagworte
Berlinisch Vorstellung Dialektes Sprachliche Varietäten Deutschen

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