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Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit. Ein Projekt zur Sozialisation und Gewaltprävention

Hausarbeit 2001 24 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

1. EINLEITUNG

2. HAUPTTEIL
2.1 Begriffe und Definitionen
2.1.1 Gewalt und Aggression
2.1.2 Prävention
2.1.3 Sozialisation
2.2 Lebenssituation von heutigen Kindern und Heranwachsenden
2.2.1 veränderte Familienformen
2.2.2 Funktionalisierung und Terminierung
2.2.3 Mediatisierung
2.2.4 Wandlungen in der Jugendphase
2.2.5 Situation in sozialen Brennpunkten
2.3 Sport und Sozialisation
2.3.1 Legitimation des Sports
2.3.1.1 Funktionen des Sports
2.3.1.1.1 sozio- emotionale Funktion
2.3.1.1.2 Sozialisationsfunktion
2.3.1.1.3 sozial- integrative Funktion
2.3.1.1.4 politische Funktion
2.3.1.1.5 Sport als Instrument sozialer Mobilität
2.3.2 Sport als Spiegelbild der Gesellschaft
2.3.3 Eigenweltcharakter des Sports
2.4 Gewaltprävention durch Sport
2.4.1 Einleitung
2.4.2 Möglichkeiten einer Gewaltprävention
2.4.2.1 Präventionsmöglichkeiten
2.4.2.1.1 Primärprävention
2.4.2.1.2 Sekundärprävention
2.4.2.2 sozialpädagogisches Sportmodell
2.4.3 Grenzen von Sport
2.5 Das Projekt „Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit“ als Beispiel zur Gewaltprävention durch Sport
2.5.1 Geschichte und Kooperationspartner des Projekts
2.5.2 Ziele und Zielgruppen
2.5.3 Umsetzung

3. ZUSAMMENFASSUNG

LITERATURVERZEICHNIS

Anmerkung: im folgenden wird die männliche Form stellvertretend für beide Geschlechter benutzt.

1. Einleitung

In der folgenden Hausarbeit „Sport als Mittel zur Sozialisation, Gewaltprävention und die praktische Umsetzung in dem Projekt „Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit“ geht es hauptsächlich um die Möglichkeiten des Sports, der zunehmenden Gewalt vorzubeugen und die Sozialisationsfunktionen des Sports aufzuzeigen. Daneben gehe ich auf die heutige Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen ein, die sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm verändert hat. Schließlich stelle ich das Projekt „Sport gegen Gewalt, Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit“ vor, in dem das sogenannte sozialpädagogische Sportmodell umgesetzt wird.

2. Hauptteil

2.1 Begriffe und Definitionen:

2.1.1 Gewalt und Aggression:

Es ist schwierig eine eindeutige Definition von Gewalt und Aggression zu geben, da es in der Literatur verschiedene Auffassungen darüber gibt, wie weit diese Begriffe greifen. Oft wird Gewalt mit dem Begriff „Aggression“ gleichgesetzt, eine klare Abgrenzung findet nicht statt.

Unter Aggression versteht Janssen „...eine absichtliche Schädigung (materiell, körperlich, seelisch) einer anderen Person oder auch die Androhung von Schäden, Verletzungen, Beeinträchtigungen“ (JANSSEN 1995, 287). Aggression kann sich aber auch gegen ein sog. Organismussurrogat (Photo, Sache) richten. Weiterhin unterscheidet man offene (physisch oder verbal) von verdeckten (phantasierten) und positive (von der Kultur gebilligte) von negativen (von der Kultur missbilligte) Aggressionen.

Während Aggression die Realisierung oder das Ausleben von aggressivem Verhalten meint, bezeichnet Aggressivität die Bereitschaft zu aggressivem Verhalten und zur Provokation.

Gewalt wird als Mittel dazu ge- und missbraucht, eigene Ziele auch gegen den Willen anderer durchzusetzen. Im Vordergrund steht dabei vor allem die körperliche Gewalt gegen Personen, die auch als manifestierte Aggression bezeichnet wird. Grundsätzlich lassen sich physische (gegen Personen oder gegen Sachen, auch Vandalismus genannt) und psychische Gewalt (Beleidigung, Erpressung, Bloßstellen) unterscheiden. Daneben gibt es auch noch die strukturelle Gewalt und die Gewalt gegen sich selber.

Der Landessportverband Schleswig- Holstein (LSV) geht von einem „umfassenden“ Gewaltbegriff aus, wonach Gewalt „...jegliche Handlungen von Personen gegen Personen und Sachen, die in aggressiver, destruktiver Intention angelegt sind, um den Menschen gegenüber oder auch Sachen (Umwelt) zu verletzen oder zu zerstören [bedeutet]“(LSV 2000, 3). Gewalt kann dabei in psychischer und physischer Form geäußert werden. Charakteristisch sind hierbei vorsätzliches Verhalten und Schädigungsabsicht.

2.1.2 Prävention

Der Begriff Prävention wird häufig im Zusammenhang mit Gesundheit oder Strafrecht verwandt. Allgemein sind darunter vorbeugende Maßnahmen zu verstehen, um künftige schädliche Faktoren, Straftaten oder Missstände auszuschalten (primär- präventiv). Es soll gehandelt werden, bevor etwas passiert. Bezogen auf Gewalt, soll also Gewalt verhindert werden, bevor sie entsteht.

Daneben gibt es die sekundäre Prävention, die eine frühzeitige Erkennung und Behandlung von Missständen gewährleisten soll. Dieser Ansatz zielt bezüglich der Gewaltprävention vor allem auf Kinder und Jugendliche in den sog. „sozialen Brennpunkten“ und dient auch der Integration von ausländischen Kindern und Jugendlichen.

Als tertiär- gewaltpräventive Maßnahmen bezeichnet man z.B. die Integration von jungen, straffälligen Menschen mit dem Schwerpunkt der Resozialisierung.

2.1.3 Sozialisation

Zum Begriff Sozialisation gibt es je nach Gesichtspunkt viele verschiedene Definitionen und Konzepte. Nach Heinemann soll die Sozialisation als „...ein sozialer Prozess verstanden werden, durch den einzelne Individuen einer Gesellschaft oder einzelner gesellschaftlicher Daseinsbereiche in die Lage versetzt werden, in normativ und symbolisch strukturierten Handlungssituationen zu interagieren“ (HEINEMANN 1983, 164). Er unterscheidet dabei vier Dimensionen der Sozialisation.

Die erste Dimension wird als normative Konformität bezeichnet und besagt, dass die in einer Gesellschaft vorherrschenden Normen, Werte, Symbole und Techniken vermittelt, verbindlich gemacht und anerkannt werden.

Als „Ich- Identität“ (zweite Dimension) wird die Fähigkeit bezeichnet, „...die Rollenerwartungen und Ansprüche der sozialen Umwelt und die individuelle Persönlichkeit mit ihren Wünschen, Vorstellungen und Erfahrungen so in Einklang zu bringen, dass die Einzigartigkeit der Person bewahrt bleibt, ohne dass sie sich von Kommunikation und Interaktion ausschließt“(HEINEMANN 1983, 165).

Die Fähigkeit zu autonomem Handeln und reflektierter Anwendung von sozialen Normen heißt „Ich- Stärke“ und bildet die dritte Dimension.

Durch den Prozess der Sozialisation soll der einzelne lernen, Identität und Ich- Stärke mit sozialer Verpflichtung gegenüber anderen zu verbinden. Daher wird diese vierte Dimension als „Solidarität“ bezeichnet.

Klein sieht in der Sozialisation einen „...Oberbegriff für die verschiedenen Aspekte der zweiten, soziokulturellen Geburt des Menschen...“(KLEIN in BECKER (Hg.) 1982, 49). Es handelt sich um eine Persönlichkeitsentwicklung, bei der „...sich der Mensch in zunehmender Bewusstheit mit den sozialen und materialen Gegebenheiten seiner Lebenswelt auseinander [setzt]...“ (KLEIN in BECKER (Hg.) 1982, 49) und sie schließlich verinnerlicht und aneignet. Diese Aneignung ist ein lebenslanger Prozess, da immer wieder neue Lebensbedingungen entstehen und sich Werte und Normen der Gesellschaft im Laufe der Zeit verändern können.

Weiß definiert Sozialisation als einen „...Prozess der Internalisierung (Verinnerlichung von Werten, Normen, Verhaltensmustern und sozialen Rollen), um dadurch Aufnahme (Integration) in eine Gesellschaft oder in einen Teil der Gesellschaft zu finden“ (WEIß 1999, 67)

Aufgrund der Abhängigkeit von Gesellschaft und Kultur sowie deren verschiedenen Rollenerwartungen, ist es nicht verwunderlich, dass sich die „soziokulturelle Geburt“ eines Menschen in anderen Kulturen nach anderen Maßstäben vollzieht, da es in jeder Gesellschaft eigene Werte, Normen und Moralvorstellungen gibt.

2.2 Lebenssituation von heutigen Kindern und Heranwachsenden

2.2.1 Veränderte Familienformen

„Erfahrungen im familialen Kontext sind ein wichtiger Baustein in der Lebens- und Erfahrungswelt von Kindern. Einerseits ist die Familie der Ort, an dem Kinder Liebe, Geborgenheit und Zuwendung erfahren, andererseits ist sie ein bedeutender Lernort, somit also auch grundlegend für eine erfolgreiche Bildungskarriere“ (BRÜCKEL 1999, 239). In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich die Familienstruktur erheblich gewandelt, was sich natürlich auch auf die Sozialisation der Kinder und Jugendlichen auswirkt.

So hat heute ein Großteil (fast 40%) der Familien nur noch ein Kind. Dadurch kommt es, dass immer weniger Kinder Erfahrungen mit Geschwistern machen können. Daher fehlen wertvolle Spielpartner, mit denen man sich nicht extra verabreden muss, sondern spontan spielen könnte (vgl. BRÜCKEL 1999, 239/240).

Hinzu kommt, dass heute beinahe jede dritte Ehe geschieden wird. Die dadurch erlittenen Trennungserfahrungen „...können die Ursache für die reale Angst vieler Kinder sein, geliebte Erwachsene zu verlieren und bedeuten in der Regel Bedrohung oder eine tiefgreifende Unsicherheit“ (BRÜCKEL 1999, 240), was sich natürlich negativ auf die ohnehin schon vorhandene Orientierungslosigkeit vieler Kinder und Jugendlicher auswirkt.

Eine weitere Folge dieser enorm gestiegenen Anzahl von Scheidungen ist, dass Kinder oft nur noch von einem Erwachsenen großgezogen werden. Durch die Doppelbelastung von Beruf und Erziehung kann es zu erheblichen Problemen in der Erziehung und zur Überbeanspruchung des Alleinerziehenden führen, was sich wiederum negativ auf das Kind auswirkt. Außerdem fehlt dem Heranwachsenden eine dauerhafte weibliche oder meist männliche Bezugsperson. Auch dies hat Konsequenzen für die Sozialisation, da ein Vorbild und ein mögliches Modell für das entsprechende Rollenverhalten des Kindes nicht vorhanden ist.

2.2.2 Funktionalisierung und Terminierung

„Kinder leben heute in einer zunehmend funktionsgebundenen und spezialisierten räumlichen Umwelt. Große Teile ihres Lebensraumes sind Erwachsenenwelten, Kinder finden immer weniger freie Räume, die im nahen Wohnumfeld vielfältige Nutzungsformen zulassen“ (BRÜCKEL 1999, 240). Dies führt zu einer Verinselung oder Inselstruktur des Lebensraums, der aus verschiedenen, weit verstreuten Funktionsräumen (Inseln) besteht.

Um zu den verschiedenen Inseln zu gelangen, müssen die Kinder und Jugendlichen Zwischenräume durchqueren, welche zum Lebensbereich der Erwachsenen gehören. So werden Eltern „...in ihrer Transportfunktion wichtig für das Inszenieren und Organisieren von sozialen Erfahrungsfeldern...“ (BRÜCKEL 1999, 241).

Durch den verinselten Lebensraum ist ein neues Zeitraster moderner Kindheit entstanden. Der Alltag der Kinder wird durch Termine bestimmt, was zur Folge hat, dass „...wichtige Freiräume für ungeplante Tätigkeiten [...] immer mehr in den Hintergrund gedrängt werden“ (BRÜCKEL 1999, 245). Insgesamt kommt es zu einer Verhäuslichung des Kinderalltags, begünstigt auch durch die familiären Veränderungsprozesse und die Tendenz zur Institutionalisierung.

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Details

Seiten
24
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638138109
ISBN (Buch)
9783638908436
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6177
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel – Institut für Sport und Sportwissenschaften
Note
keine Note (bestanden)
Schlagworte
Sozialisation Gewaltprävention

Autor

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