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Aktives Zinsmanagement bei der Unternehmensfinanzierung von KMU

Diplomarbeit 2006 76 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

1 Einleitung, Problemstellung und Zielsetzung

2 Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung
2.1 Begriffsbestimmung und Definition
2.2 Zinsrisikoarten
2.2.1 Variables Zinsrisiko
2.2.2 Festzinsrisiko
2.2.3 Kalkulationsrisiko bei zukünftigen Finanzierungen
2.3 Erkennen von Zinsrisiken
2.3.1 Rolle der Zinserwartungen
2.3.2 Betrachtung der Zinsstrukturkurve
2.4 Erfassung und Quantifizierung der Zinsrisiken

3 Grundlagen eines aktiven Zinsmanagements
3.1 Motive
3.2 Strategien zur Absicherung von Zinsrisiken
3.2.1 Hedging-Strategien im Einzelnen
3.2.2 Beurteilung der Strategien für die Anwendung in KMU

4 Zinsinstrumente für ein aktives Zinsmanagement
4.1 Einteilungsmöglichkeiten der Zinsinstrumente
4.1.1 Einteilung in Kassa-, Termin und Optionsgeschäfte
4.1.2 Einteilung in maßgeschneiderte (nicht börsengehandelte) und standardisierte (börsengehandelte) Zinsinstrumente
4.1.3 Einteilung in symmetrische und asymmetrische Zinsinstrumente
4.1.4 Einteilung nach den Einsatzmöglichkeiten
4.2 Erklärung und Einsatzmöglichkeiten der Zinsinstrumente im Einzelnen
4.2.1 Zinsswaps
4.2.1.1 Grundprinzip
4.2.1.2 Anwendung in der Praxis
4.2.1.3 Swap-Produktvarianten
4.2.1.4 Preisquotierung
4.2.1.5 Technische Abwicklung
4.2.1.6 Abrechnung
4.2.1.7 Auflösung
4.2.2 Zinswährungsswaps
4.2.2.1 Grundprinzip
4.2.2.2 Anwendung in der Praxis
4.2.2.3 Preisquotierung
4.2.2.4 Technische Abwicklung, Abrechnung und Auflösung
4.2.3 Forward-Swaps und Forward-Darlehen
4.2.4 Forward-Rate-Agreements (FRAs)
4.2.5 Swaptions, Ungebundene-Forward-Darlehen und XL-Kredite
4.2.6 Zinsbegrenzungsvereinbarungen (Caps/Floors/Collars)
4.2.6.1 Caps
4.2.6.2 Floors und Collars
4.2.7 Zinsfutures
4.3 Bilanzielle Aspekte der Zinsinstrumente
4.3.1 Einführung
4.3.2 Bilanzierung und Bewertung ausgewählter Zinsinstrumente
4.3.2.1 Zinsswaps und Forward-Swaps
4.3.2.2 Forward-Rate-Agreements
4.3.2.3 Zinsbegrenzungsvereinbarungen (Caps/Floors/Collars)
4.3.3 Schlussbemerkung und Ausblick zur Bilanzierung von Zinsinstrumenten

5 Fazit, Ausblick und Schlussbemerkung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in ieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Formen der Zinsstrukturkurve

Abb. 2: Einteilung der Finanzmärkte

Abb. 3: Beispiel Zinsswap zur Absicherung einer variablen Verzinsung

Abb. 4: Zinsstrukturkurve und Zinslaufzeitverkürzung

Abb. 5: Beispiel Zinsswap zur Reduzierung der Finanzierungskosten

Abb. 6: Step-Down-Swap

Abb. 7: Annuitäten-Swap

Abb. 8: Step-up-Swap

Abb. 9: Roller-Coaster-Swap

Abb. 10: Callable/Puttable-Swap

Abb. 11: Extendable-Swap

Abb. 12: Kapitalaustausch bei Zinswährungsswaps am Laufzeitbeginn

Abb. 13: Kapitalaustausch bei Zinswährungsswaps am Laufzeitende

Abb. 14: Zinsaustausch bei Zinswährungsswaps während der Laufzeit

Abb. 15: Beispiel Fix-fixer-Zinswährungsswap

Abb. 16: Beispiel Variabel-variabler-Zinswährungsswap

Abb. 17: Beispiel Fix-variabler-Zinswährungsswap

Abb. 18: Beispiel für den Kapitalaustausch bei einem Zinswährungsswap

Abb. 19: Beispiel für Zinszahlungsströme bei einem Zinswährungsswap

Abb. 20: Beispiel Kapitalrücktausch bei einem Zinswährungsswap

Abb. 21: Forward-Swap

Abb. 22: Grundstruktur eines Forward-Darlehens

Abb. 23: Chancen/Risiken bei Forward-Swaps und Forward-Darlehen

Abb. 24: Grundstruktur eines Forward-Rate-Agreements

Abb. 25: Grundstruktur einer Payer-Swaption

Abb. 26: Verlauf einer variablen Verzinsung mit Cap

Tab. 1: Mittelstandsdefinition des IfM Bonn

Tab. 2: Bedeutung von Bankkrediten für Investitionen

Tab. 3: Gewinn- bzw. Verlustpotential bestehender und geplanter Kredite

Tab. 4: Handlungsalternativen für den Inhaber einer Swaption

1 Einleitung, Problemstellung und Zielsetzung

Die letzen Jahre waren geprägt von weltweiten, wirtschaftlichen Turbolenzen. Seit Mitte des Jahres 2000 führte das Platzen der spekulativen Blase in der so genannten „new economy“ zu einem dramatischen Crash an den weltweiten Aktienmärkten, mit erheblichen gesamtwirtschaftlichen Folgen. Die Notenbanken, vor allem die Federal Reserve Bank in den Vereinigten Staaten und die Europäische Zentralbank, senkten als Reaktion mehrfach die Leitzinsen. Hohe Schwankungsbreiten an den Zinsmärkten waren die Folge. Sowohl die kurzfristigen Zinsen auf dem Geldmarkt, als auch die langfristigen Zinsen auf dem Kapitalmarkt sanken stetig, und befinden sich bis heute auf dauerhaft niedrigem Niveau.[1]

Das Management von Zinsrisiken ist daher ein wichtiger Bestandteil des Risikomanagements in Unternehmen geworden.[2] Aber auch die Optimierung von Finanzierungszinsen ist immer wichtiger geworden, da in Zeiten knapper Margen und verstärktem Wettbewerb die Kosten gering gehalten werden müssen.[3] Laut einer Umfrage des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn steht für mittelständische Unternehmen als Maßnahme zur Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit die Kostenreduzierung an oberster Stelle.[4]

Der Bedarf an Zinsinstrumenten ist aufgrund dieser Motive stetig gestiegen[5] und Zinsderivate haben im Rahmen des Zinsmanagements stark an Bedeutung gewonnen[6]. Die deutsche Bundesbank spricht in ihrem Monatsbericht Januar 2003 sogar von „…unentbehrlichen Instrumenten der Risikosteuerung an den Finanzmärkten…“[7]. Durch den sich stetig verbreiternden Markt für Zinsderivate findet sich für die meisten Interessentengruppen eine optimale Lösung für ein individuelles Zinsmanagement.[8] Zinsderivate gehören schon seit vielen Jahren zum Standardrepertoire bei Finanzierungsentscheidungen von Banken, Versicherungen und Großunternehmen. Durch immer geringer werdende erforderliche Mindestvolumina haben nun auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) die Möglichkeit ein aktives Zinsmanagement zu betreiben und Zinsderivate gezielt einzusetzen.[9] Als KMU gelten Unternehmen, die eine bestimmte Beschäftigungszahl und/oder einen bestimmten Jahresumsatz nicht überschreiten. Eine betriebswirtschaftlich sinnvolle Einteilung dazu zeigt die folgende Tabelle des Instituts für Mittelstandsforschung Bonn.

Abbildung in ieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Mittelstandsdefinition des IfM Bonn[10]

Für KMU ist die Entwicklung zu geringer werdenden Mindestvolumina für Zinsderivate besonders interessant, da sie ihren Kapitalbedarf für Investitionen und Betriebsmittel primär durch klassische Bankkredite decken, die 91% des Fremdkapitals ausmachen. Gerade kleine Unternehmen haben nicht wie Großunternehmen den Zugang zu alternativen Finanzierungsquellen, wie z.B. Börsengang, Private Equity oder Emission von Unternehmensanleihen.[11] Von daher ist, wie die folgende Tabelle zeigt, die Bedeutung von Bankkrediten als Hauptfinanzierungsquelle für KMU weiter gestiegen. Die Tabelle zeigt die Ergebnisse einer Umfrage unter Unternehmen zur Wichtigkeit von Bankkrediten bei der Unternehmensfinanzierung.

Abbildung in ieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 2: Bedeutung von Bankkrediten für Investitionen[12]

Ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang ist, dass die Sensibilität von Unternehmen gegenüber Marktzinsänderungen in der Regel durch die Höhe des Verschuldungsgrades beeinflusst wird.[13]

Aufgrund dieser großen Bedeutung von Bankkrediten soll diese Arbeit speziell für KMU Grundlagen und Möglichkeiten des Zinsmanagements und der Absicherung von Zinsrisiken bei ihrer Finanzierung aufzeigen.

Zunächst findet eine Begriffsbestimmung und eine Definition von Zinsrisiken statt. Außerdem erfolgen ein Überblick und die Erklärung der verschiedenen Arten von Zinsrisiken. Das Erkennen von Zinsrisiken mit Hilfe der Zinsstrukturkurve spielt im weiteren Verlauf ebenfalls eine Rolle. Darauf folgend werden Begriff, Motive und Möglichkeiten des Zinsmanagements erklärt, sowie verschiedene Hedging-Strategien vorgestellt und für die Anwendung in KMU bewertet. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen Überblick, Beschreibung und Anwendungsmöglichkeiten der verfügbaren Zinsderivate, sowie deren mögliche Risiken. Außerdem erfolgt eine bilanzielle Betrachtung einzelner Zinsinstrumente. Den Abschluss bilden Fazit, Ausblick und Schlussbemerkung.

2 Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung

2.1 Begriffsbestimmung und Definition

In der Literatur finden sich synonym die Begriffe Zinsrisiko[14] und Zinsrisiken[15], sowie Zinsänderungsrisiko[16] und Zinsänderungsrisiken[17]. In dieser Arbeit wird von Zinsrisiken oder synonym von Zinsänderungsrisiken gesprochen, da gezeigt wird, dass es bei der Unternehmensfinanzierung nicht nur ein Zinsrisiko, sondern verschiedene Zinsrisiken zu beachten gibt.

Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung sind Marktpreisrisiken, d.h. wenn sich der Marktpreis, also bei Fremdkapitalaufnahmen der Marktzins, zu ungunsten des Kreditnehmers entwickelt.[18] Die Zinsrisiken des Unternehmens lassen sich also definieren als die Unsicherheit der Nettozinszahlungen einer Periode, welche aus Marktzinsänderungen resultieren.[19] Allerdings können Sie nur dann entstehen, wenn Unternehmen Fristentransformation betreiben, d.h. sich die Zinsbindungsdauern der Passivseite von den Kapitalbindungsdauern auf der Aktivseite unterscheiden.[20]

Kapitalbindung und Zinsbindung können gleich sein, müssen aber wie die Praxis es zeigt nicht gleich sein.[21]

2.2 Zinsrisikoarten

Wenn ein Unternehmen Fristentransformation betreibt, ergeben sich aus Sicht des Kreditnehmers Zinsrisiken aus folgenden Finanzierungssituationen.

2.2.1 Variables Zinsrisiko

Bei Aufnahme eines variabel verzinsten Kredits führt ein Zinsanstieg zu steigenden Kreditkosten.[22] Kennzeichen der variablen Verzinsung ist die (regelmäßige) Anpassung des Zinssatzes an die Entwicklung der kurzfristigen Zinsen des Geldmarktes, unter Einrechnung eines Referenzzinssatzes, z.B. EURIBOR[23]. Zu meist viertel- oder halbjährigen Terminen findet die Anpassung statt.[24] Fremdkapitalaufnahmen mit variabler Verzinsung geben dem Finanzmanagement daher keine genaue Kalkulationsgrundlage. Investitionen können unter Umständen aufgrund unerwartet hoher Kapitalkosten unrentabel werden und damit zu einer geringeren Finanzierungskraft des Unternehmens führen.[25]

2.2.2 Festzinsrisiko

Bei einem langfristigen Festzinskredit[26] liegt das Zinsrisiko auf der einen Seite in der Zukunft, und zwar wenn der noch nicht zurück gezahlte Kredit zu neuen Konditionen verlängert werden muss, und der dann gültige Zinssatz zu einer Mehrbelastung führen würde.[27] Auf der anderen Seite ergibt sich ein Nachteil für das Unternehmen, wenn während der Laufzeit der Festzinsvereinbarung die Marktzinsen fallen. Es würde so nicht in den Genuss der Zinssenkung kommen, wie es bei einer variablen Verzinsung der Fall wäre.[28]

2.2.3 Kalkulationsrisiko bei zukünftigen Finanzierungen

Eine in der Zukunft geplante Kreditaufnahme birgt das Risiko einer unsicheren Kalkulationsbasis, da der Kreditnehmer nicht die zukünftigen Finanzierungskosten kennt.[29] Beispielsweise können sich bei der Bewerbung an einer Ausschreibung dann Zinsrisiken ergeben, wenn die Rentabilität des Angebots auf Grundlage bestehender Finanzierungskosten kalkuliert worden ist. Bis zur Entscheidung des Ausschreibungsgewinners besteht für das Finanzmanagement ein Zinsrisiko, da sich durch zwischenzeitliche Zinssteigerungen die Kalkulationsbasis für die Rentabilität ändern würde.[30]

Gewinn- bzw. Verlustpotentiale (auch unter Opportunitätsüberlegungen) bestehender oder geplanter Kredite, aufgrund von Zinsrisiken, lassen sich in Abhängigkeit unter-schiedlicher Zinsbindungsfristen wie folgt zusammenfassend darstellen.

Abbildung in ieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 3: Gewinn- bzw. Verlustpotential bestehender und geplanter Kredite[31]

2.3 Erkennen von Zinsrisiken

Die beschriebenen Zinsrisiken ergeben sich aus einer Veränderung des Zinsniveaus. Daher ist die Erwartung des zukünftigen Zinsniveaus ein entscheidender Faktor für das Zinsmanagement. Für die Meinungsbildung zur Zinsentwicklung, ist die Betrachtung der Zinsstrukturkurve wichtig. Die Rolle der Zinserwartungen und die Betrachtung der Zinsstrukturkurve werden im Folgenden behandelt.

2.3.1 Rolle der Zinserwartungen

Es lässt sich festhalten, dass Zinsänderungen Risiken und Chancen beinhalten können. Die Gefahr für den Kreditnehmer besteht immer dann, wenn die Zinsentwicklung entgegen seiner Zinserwartungen und der eingegangenen Finanzierung läuft. D.h. wenn Zinserwartungen und Finanzierung mit der tatsächlichen Zinsentwicklung übereinstimmen, ergibt sich für den Kreditnehmer ein Zinsvorteil. Die Unterscheidung zwischen Risiko und Chance bedarf der Festlegung eines Referenzwertes bzw. eines Nullpunkts seitens des Entscheidungsträgers, von dem seine Erwartungen ausgehen.

Risiko bezieht sich somit auf die negative Entwicklung, Chance auf die positive Entwicklung seiner Erwartungen.[32]

Beispiel:

Ein Unternehmer hat in der heutigen Zeit die Erwartung, dass die zurzeit historisch tiefen Zinsen[33] in Zukunft steigen werden, und nimmt einen langfristigen Festzinskredit auf. Bestätigen sich seine Erwartungen während der Laufzeit, hat er auf der einen Seite eine Zins-Chance gegenüber einer variablen Verzinsung genutzt, bei der die Zinsen angestiegen wären. Auf der anderen Seite hat er das Risiko, dass die Zinsen bei Verlängerung seines Kredits höher sind, und er somit eine höhere Belastung zu tragen hätte.

2.3.2 Betrachtung der Zinsstrukturkurve

Es hat sich gezeigt, dass Unsicherheit und Erwartungen eine große Rolle bei Finanzierungsentscheidungen spielen. Damit ein Unternehmen Aussagen zu den Zinserwartungen treffen kann, muss es zunächst Zinsrisiken erkennen und bewerten. Die Quantifizierung von Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung setzt genaue Kenntnisse über die Höhe und Volatilität der momentanen Zinssätze für verschiedene Zinsbindungsfristen, sowie Einschätzungen über die zukünftig erwarteten Zinssätze verschiedener Fristigkeiten und deren Volatilität voraus. Erst dann können daraus die richtigen Maßnahmen ergriffen werden.[34]

Im Folgenden werden die sich verändernden Situationen des Zinsniveaus beschrieben. Die Veränderung des Zinsniveaus kommt in der Verschiebung der Zinsstrukturkurve zum Ausdruck. Die Zinsstrukturkurve besteht aus einer Vielzahl von aneinander gereihten Zinssätzen für eine Laufzeit bis zehn Jahre. Jeder Punkt der Kurve gibt einen bestimmten Zinssatz zu einer bestimmten Laufzeit an. Die Verbindung der Punkte ergibt die Kurve. Der Verlauf der Zinsstrukturkurve hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Eine entscheidende Rolle unter anderem spielen das gesamtwirtschaftliche Umfeld und die Erwartungen der Marktteilnehmer. Es werden drei bekannte Verlaufsformen unterschieden: Normal, Flach, und Invers.[35]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Formen der Zinsstrukturkurve[36]

Bei normalem Verlauf der Zinsstruktur liegen die kurzfristigen Zinsen unter den langfristigen Zinsen, und der Markt befindet sich gewöhnlich in einer Niedrigzinsphase. Die Vergangenheit des Zinszyklus hat gezeigt, dass der Verlauf anschließend in eine flache Kurve übergeht, und dann oft inverse Strukturen in einer Hochzinsphase folgen. Eine Drehung, genau wie eine Verschiebung der Kurve, kann je nach Finanzierungswahl zu Chancen oder Risiken führen.[37]

Ein Unternehmen sollte bei der Finanzierung die jeweilige Zinsstruktur beachten, und in seine Entscheidung mit einbeziehen. Im obigen Beispiel in Abschnitt 2.3.1 beeinflusst die Zinsstrukturkurve die Erwartungen und die Finanzierungsentscheidung. Der Kreditnehmer weiß, dass momentan eine Niedrigzinsphase mit flachem Verlauf der Zinsstrukturkurve herrscht, d.h. die Höhe der langfristigen Zinsen und die der kurzfristigen Zinsen liegen sehr nah aneinander. In einer solchen Phase fällt die Entscheidung zumeist auf einen langfristigen Festzinskredit, da allgemein davon ausgegangen wird, dass die Zinsen eher in Zukunft ansteigen als sinken.[38] Dies soll allerdings nicht bedeuten, dass es keinen Nachteil geben kann. Auch wenn aus der Vergangenheit des Zinszyklus die Wahrscheinlichkeit sinkender Zinsen gering ist, ist es dennoch möglich, dass die allgemeinen Erwartungen der Marktteilnehmer nicht erfüllt werden, und die Zinsen weiter zu neuen Tiefs fallen. Der Kreditnehmer hätte somit nicht die optimalen Finanzierungskosten erreicht.

2.4 Erfassung und Quantifizierung der Zinsrisiken

Nachdem die Zinsrisiken im Unternehmen erkannt wurden, wird eine Quantifizierung derer vorgenommen. In der Literatur findet sich eine Vielzahl von Messmethoden, z.B.:

- Durationsanalyse (Macauly Duration, Effective Duration)[39],
- Barwertkonzept (Value-at-Risk, Cashflow-at-Risk)[40],
- Zinsbindungsbilanz[41],
- Nettozinsauszahlungs-Messung,

wobei die Durationsanalyse, das Barwertkonzept und die Zinsbindungsbilanz zur Zinsrisikenmessung bei Banken verwendet werden. Die Nettozinsauszahlungs-Messung findet Anwendung bei Unternehmen im Nichtbankensektor. Da in dieser Arbeit die Zinsrisiken bei der Unternehmensfinanzierung von KMU im Vordergrund stehen, wird im Folgenden die Nettozinsauszahlungs-Messung bei Kreditportfolios näher betrachtet.

Die Nettozinsauszahlungen ergeben sich aus Zinsauszahlungen abzüglich Zinseinzahlungen, wobei hier unterstellt wird, dass KMU üblicherweise höhere Zinsauszahlungen als Zinseinzahlungen haben.[42] Gerade kleinere Unternehmen haben in der Regel ein überschaubares Kreditportfolio, so dass sich die Zinszahlungen einer bestimmten Periode problemlos ermitteln lassen. Betreibt ein Unternehmen die bereits beschriebene Fristentransformation, ergibt sich so bei Ablauf der Festzinsvereinbarung für einen Kredit das Zinsrisiko. Sollte der Marktzins bis dahin gestiegen sein, wird das Unternehmen mit zusätzlichen Finanzierungskosten belastet. Um das einzelne Zinsrisiko zu quantifizieren, werden die prognostizierten zukünftigen Nettozinsauszahlungen mit den Gegenwärtigen verglichen. Bei der Prognose des zukünftigen Marktzinses spielen wiederum die allgemeine und vor allem die eigene Zinserwartung eine Rolle. Es sollten verschiedene Zinsänderungsszenarien durchgespielt werden, um festzustellen welches Szenario ein nicht tragbares Risiko darstellt.[43] D.h. nicht jede Zinsänderung stellt eine Gefahr dar und muss so nicht unbedingt abgesichert werden. Ob und in welchem Umfang eine Absicherung von Zinsrisiken geschehen sollte wird in Abschnitt 3.2 näher erläutert.

3 Grundlagen eines aktiven Zinsmanagements

Wie in Abschnitt 2.3 gezeigt wurde baut ein aktives Zinsmanagement auf einer kontinuierlichen Beobachtung der Zinslandschaft auf. Entwicklungen des Marktes können so zum eigenen Vorteil genutzt werden.[44] Zinsmanagement mit modernen Zinsinstrumenten bietet Unternehmen folgende Möglichkeiten:[45]

- Optimierung der Zinskosten von bestehenden Festzinskrediten.
- Begrenzung der Zinsrisiken von variablen Verzinsungen und Schaffung einer festen Kalkulationsgrundlage.
- Sicherung von Zinsen für die Zukunft und Schaffung einer sicheren Kalkulationsgrundlage für zukünftige Finanzierungen.
- Erzielung von zusätzlichen Gewinnen durch Spekulation[46].

3.1 Motive

Grundsätzlich gibt es also drei Motive für ein aktives Zinsmanagement:

- Spekulationsmotiv:

Die Spekulation mit derivativen Finanzinstrumenten stellt gewissermaßen den Gegenpart zur Absicherung dar, da Spekulanten bewusst Zinsänderungsrisiken übernehmen, um daraus überdurchschnittliche Gewinne zu erzielen. Gewinne werden dann erzielt, wenn ihre Erwartungen über Ausmaß und Richtung der Veränderung der relevanten Zinssätze eintreffen, und sie damit die zukünftigen Zinsen besser voraus gesagt haben als andere Marktteilnehmer. Das Spekulationsmotiv hat einerseits die wichtige Funktion bei normalem Funktionieren für eine ausreichende Marktliquidität zu sorgen, andererseits wird durch die bewusste Übernahme von Zinsrisiken erst auch deren Absicherung möglich.[47]

Da die Spekulation auch hohe Verlustrisiken mit sich bringt, und nicht im direkten Zusammenhang mit der Unternehmensfinanzierung steht, wird im weiteren Verlauf dieser Arbeit nur auf die folgenden beiden Motive des Zinsmanagements eingegangen.[48]

- Arbitragemotiv:

Arbitrage bedeutet in diesem Zusammenhang, Preisdivergenzen auf verschiedenen Zinsmärkten zu nutzen, um eine Optimierung der Fremdkapitalkosten zu erreichen.[49]

Beispiel:

Bei langfristigen Festzinskrediten ist eine vorzeitige Auflösung nur unter bestimmten Vorraussetzungen und einer Vorfälligkeitsentschädigung möglich. Möchte ein Unternehmen aber von einem momentan niedrigen Zinsniveau profitieren, können je nach Zinsmarktlage die Finanzierungskosten gesenkt werden. Von der Finanzierung losgelöst kann ein Zusatzgeschäft getätigt werden, das einen Kostenvorteil bewirkt. Diese Ergänzung kann mit einer beliebigen Bank geschlossen werden, da die Kreditvereinbarung davon unberührt bleibt.[50] Die genaue Erklärung, die Möglichkeiten und die Risiken eines so genannten Zinsswaps werden in Kapitel 4.2.1 beschrieben.

- Absicherungsmotiv:

Absicherung („hedging“[51]) im Zinsmanagement bedeutet, ein gegebenes Zinsrisiko durch Abschluss eines Zusatzgeschäfts zu reduzieren bzw. zu eliminieren. Dies geschieht im Grunde durch die Übernahme eines entgegen gerichteten Risikos, wobei bei einigen Finanzinstrumenten durch Zahlung einer einmaligen Risikoprämie die Höhe des entgegen gesetzten Risikos auf die Höhe der Prämie beschränkt werden kann. Andere Finanzinstrumente bieten dagegen keine Verlustbegrenzung an, allerdings ist hier auch ein zusätzlicher Gewinn möglich.[52] Die genaue Erklärung, die Möglichkeiten und die Risiken der verschiedenen Instrumente werden in Abschnitt 4.2 beschrieben.

3.2 Strategien zur Absicherung von Zinsrisiken

Das im vorherigen Abschnitt beschriebene Absicherungsmotiv kann mit verschiedenen Strategien in der Praxis umgesetzt werden. Im Folgenden werden grundsätzliche Strategien vorgestellt und für die Anwendung in KMU bewertet.

3.2.1 Hedging-Strategien im Einzelnen

Für das Absichern von Zinsrisiken gibt es folgende drei Handlungsstrategien:

1. Laisser Faire:

Eine Absicherung der Zinsrisiken erfolgt nicht, z.B. weil die Höhe des Verschuldungsgrads eines Unternehmens gering ist und es somit nicht sensibel auf Zinsänderungen reagiert.[53] D.h. die Gefahr von Zinsänderungen ist vernachlässigbar klein. Man spricht hier auch von einem „tragbaren Risiko“[54]. Oder ein Unternehmen geht bewusst Zinsrisiken ein, und erhofft sich so einen Finanzierungsvorteil. Es gibt allerdings auch Unternehmen, für die eine Absicherung sinnvoll wäre, die aber ein aktives Zinsmanagement bewusst oder unbewusst vernachlässigen.

2. Selective Hedging:

Eine genaue Risikoanalyse identifiziert und misst relevante Risiken. Unter Kosten-Nutzenaspekten wird entschieden welche Risiken vernachlässigt werden und welche abgesichert werden sollen.[55] Einzelne Risikopositionen, die einem hohen Zinsrisiko ausgesetzt sind und nicht als tragbar erscheinen, werden in jedem Fall gezielt mit den richtigen Finanzinstrumenten reduziert bzw. eliminiert. So ergibt sich ein kalkulierbares Zinsrisikoprofil der risikobehafteten Positionen.[56]

3. Total Hedging:

Es werden alle Zinsrisikopositionen im Unternehmen gegen Zinsänderungen abgesichert. Es soll eine vollkommene Risikoeliminierung erzielt werden. In diesem Fall spricht man von einer „perfekten Sicherung“.[57] Die Sicherung wird demnach als eine „Versicherung“ gegen Preisrisiken angesehen.[58]

Diese Strategie stammt von den Warenterminmärkten und wird in der Literatur als „Traditioneller Ansatz“ bezeichnet.[59]

[...]


[1] Vgl. Jacobs/Piesskalla 2003, S. 5.

[2] Vgl. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 1.

[3] Vgl. Jacobs/Piesskalla 2003, S. 6.

[4] Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Vorträge: Archiv Vorträge und Präsentationen: Mittelstandsfinanzierung in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Bankkredit und öffentlichen Finanzierungshilfen; in: http://www.ifm-bonn.de; Bonn 2003; (08.12.2005).

[5] Vgl. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 1.

[6] Vgl. Deutsche Bank AG 2001, S. 1.

[7] Deutsche Bundesbank 2003, S. 31.

[8] Vgl. Jacobs/Piesskalla 2003, S. 6.

[9] Vgl. Bickers/Henning 2004, S. 3.

[10] Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Ergebnisse: Die Forschungsergebnisse des IfM Bonn: Forschungsergebnisse des Jahres 2003: Unternehmensgrößenstatistik 2001/2002 – Daten und Fakten; in: http://www.ifm-bonn.de; Bonn 2003; (08.12.2005).

[11] Institut für Mittelstandforschung Bonn: Vorträge: Archiv Vorträge und Präsentationen: Geld für morgen: wie die Mittelstandfinanzierung der Zukunft aussieht; in: http://www.ifm-bonn.de; Bonn 2001; (08.12.2005).

[12] Institut für Mittelstandsforschung Bonn: Vorträge: Archiv Vorträge und Präsentationen: Mittelstandsfinanzierung in der Bundesrepublik Deutschland zwischen Bankkredit und öffentlichen Finanzierungshilfen; in: http://www.ifm-bonn.de; Bonn 2003; (08.12.2005).

[13] Vgl. Arnoldi 1993, S. 27.

[14] Vgl. z.B. Bessler 1989, S. 2f; Stocker 1997, S. 45; Wiedemann 1998, S. 7.

[15] Vgl. z.B. Arnoldi 1993, S. 23; Bessler 1989, S. 1.

[16] Vgl. z.B. Bangert 1987 S.1; Büschgen 1988, S.15; Hanker 1998, S. 25.

[17] Vgl. z.B. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 6; Wiedemann 2005, S. 141ff.

[18] Vgl. Wiedemann 1998, S. 7.

[19] Vgl. Wittleder 1988, S. 23.

[20] Vgl. Schierenbeck 1997, S. 213.

[21] Vgl. Wiedemann 1998, S. 7.

[22] Vgl. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 6.

[23] Der Referenzzinssatz EURIBOR (European Interbank Offered Rate) ist der täglich festgestellte Zinssatz für kurzfristige Kredite zwischen Banken; vgl. z.B. Bickers/Henning 2004, S. 11; Wurm/Wolff/Ettmann 2002, S. 174.

[24] Vgl. Büschgen 1997, S. 1303.

[25] Vgl. Demuth 1988, S. 120.

[26] Festzins: Zinssatz, der für eine bestimmte Laufzeit nicht veränderlich ist; vgl. Büschgen 1997, S. 451.

[27] Vgl. Bickers/Henning 2004, S. 13.

[28] Vgl. Wimpffen 1989, S. 194.

[29] Vgl. Bickers/Henning 2004, S. 20.

[30] Vgl. Arnoldi 1993, S. 25.

[31] Arnoldi 1993, S. 26.

[32] Vgl. Wittleder 1988, S. 20f.

[33] Vgl. Europäische Zentralbank, EZB-Zinssätze: Mindestbietungssatz der Hauptrefinanzierungsgeschäfte: 2,25 % , gültig seit 06.12.2005; in: http://www.bundesbank.de/ezb/ezb.php; (08.12.2005).

[34] Vgl. Arnoldi 1993, S.27.

[35] Vgl. Hanker 1998, S. 26.

[36] Hanker 1998, S. 26.

[37] Vgl. Hanker 1998, S. 27.

[38] So auch Hanker 1994, S. 27.

[39] Für eine genaue Erläuterung und Anwendung der Durationsanalyse vgl. Drosdzol 2005, S. 87ff.

[40] Für eine genaue Erläuterung und Anwendung des Barwertkonzepts vgl. Drosdzol 2005, S. 111ff.

[41] Für eine genaue Erläuterung und Anwendung der Zinsbindungsbilanz vgl. Hanker 1998, S. 31ff.

[42] Vgl. Wittleder 1988, S. 23.

[43] So auch Wiedemann 1998, S. 324ff.

[44] Vgl. Dresdner Bank: Produkte: Firmenkunden: Zinsmanagement; in: http://www.beraterbank.de/

produkte/firmenkunden/zinsmanagement/index.html; (08.12.2005).

[45] Vgl. z. B. Nassauische Sparkasse: Zinsmanagement; in: http://www.naspa.de/firmenkunden/

produktefinanzierungen/zinsmanagement.html; (08.12.2005); Sparkasse Aachen: Firmenkunden: Finanzierung: Zinsmanagement; in: http//: http://www.sparkasse-aachen.de/frames.html?/pages/

firmenkunden/finanzierung/zinsmanagement/; (08.12.2005).

[46] Vgl. Büschgen 1988, S. 115f.

[47] Vgl. Büschgen 1988, S. 115f.

[48] Vgl. Jacobs/Piesskalla 2003, S. 107.

[49] So auch Büschgen 1988, S. 114.

[50] Vgl. Landesbank Berlin: Firmenkunden: Kredite und Finanzierung: Zinsmanagement; in: http://www.lbb.de/firmenkunden/kredite_und_finanzierung/zinsmanagement/; (08.12.2005).

[51] Zum Begriff des Hedging vgl. Büschgen 1997, S. 610.

[52] Vgl. Büschgen 1988, S. 102.

[53] Vgl. Arnoldi 1993, S. 27.

[54] Vgl. Stocker 1997, S. 46.

[55] Vgl. Wiedemann 1998, S. 8f.

[56] Vgl. Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG 2001, S. 2ff.

[57] Vgl. z.B. Gay/Kolb/Chiang 1983, S. 189; Kolb/Chiang 1981, S. 73.

[58] Vgl. Gray/Rutledge 1971 S. 79; Johnson 1960, S. 140.

[59] Vgl. z.B. Ederington 1979, S. 159ff; Nelson/Collins 1985, S. 45f; Powers/Vogel 1984, S. 179; Teweles/Harlow/Stone 1974, S.33ff; Wardrep/Buck 1982, S. 249.

Details

Seiten
76
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638552592
Dateigröße
747 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v61909
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
2,3
Schlagworte
Zinsmanagement Unternehmensfinanzierung Zinsänderungsrisiken Zinsänderungsrisiko

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Titel: Aktives Zinsmanagement bei der Unternehmensfinanzierung von KMU