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Soziologische Theorien des Sozialisationsprozesses - Einflussreiche soziologische Sozialisationstheorien und ihre Bedeutung für die Analyse und Erklärung von Sozialisationsprozessen

Essay 2004 12 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsangabe

1. Einleitung

2. Der Sozialisationsbegriff

3. Soziologische Sozialisationstheorien
3.1 Die soziologische Systemtheorie
3.2 Die soziologische Handlungstheorie
3.3 Die Gesellschaftstheorien

4. Einordnung, Kritik und Würdigung

5. Schlussteil

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie werden Individuen Mitglieder der Gesellschaft? Wie und warum wird aus einem Neugeborenen ein autonomes, gesellschaftliches Subjekt? Dieses sind die zentralen Fragestellungen der Sozialisationsforschung, welche nach den Auswirkungen sozialer Strukturen und Prozesse auf die individuelle Entwicklung fragt.

Zur Erklärung und Analyse des Sozialisationsprozesses, mit dem die Entstehung und Entwicklung der Persönlichkeit in wechselseitiger Abhängigkeit von der gesellschaftlich vermittelten sozialen und materiellen Umwelt erfasst wird[1], sind neben psychologischen Konzeptionen vor allem soziologische Theorietraditionen elementar und ausschlaggebend. Vor allem die systemtheoretische Konzeption Parsons, die handlungstheoretische Konzeption von Mead und gesellschaftstheoretische Konzeptionen erwiesen sich dabei als bedeutsam, gehen jedoch bei der Erklärung von Sozialisation von unterschiedlichen Mechanismen aus.

Im Fokus dieses Essays sollen die verschiedenen soziologischen Theorien zur Erklärung des Sozialisationsprozesses dargestellt, ihre verschiedenen Akzentuierungen herausgearbeitet, sowie Leistungen und Versäumnisse dieser aufgezeigt werden.

Dazu werde ich im Folgenden auf den Begriff der Sozialisation näher eingehen und diesen erklären. Daran anschließend werde ich die bedeutsamsten soziologischen Theorien aufzeigen und ihre verschiedenen Konzeptionen und Akzentuierungen darstellen. Abschließend sollen in einer kritischen Auseinandersetzung mit diesen Theorien ihre Leistungen, aber auch Versäumnisse hinsichtlich der Erklärung von Sozialisationsprozessen aufgezeigt werden.

2. Der Sozialisationsbegriff

Der Sozialisationsbegriff wurde erstmals durch Emile Durkheim in die Soziologie eingeführt und erfasst nach Durkheim alle Einwirkungen der Erwachsenengeneration auf diejenigen, die noch nicht reif sind für das Leben in der Gesellschaft[2]. Durkheim sah in den Neugeborenen erst noch zu formende Persönlichkeiten, die auf das gesellschaftliche Leben erst noch vorbereitet, also sozialisiert werden müssen und thematisiert damit einen zentralen Aspekt der Sozialisationsforschung, die soziale Bedingtheit von Persönlichkeitsentwicklung. Dabei bestimmte Durkheim Sozialisation in erster Linie als Anpassung an die soziale Umwelt, gedacht als eine Verlängerung der menschlichen Natur. Geulen entwickelte den Sozialisationsbegriff weiter und definierte Sozialisation als einen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, der in Abhängigkeit von der Umwelt historisch-gesellschaftlich vermittelt wird[3]. Damit wandte sich Geulen gegen die Auffassung einer rein biologisch determinierten menschlichen Entwicklung und gegen die idealistische Idee eines freien Individuums, welches sich den gesellschaftlichen Einflüssen entziehen kann, berücksichtigt dabei jedoch schon das der Mensch ein reflektierendes Individuum ist, welches nicht gänzlich durch die soziale Umwelt bestimmt wird.

In der Weiterentwicklung der Sozialisationsforschung wandten sich neuere Konzepte zur Sozialisation zunehmend von der Idee der reinen Anpassung des Individuums an die soziale Umwelt ab und betonten, dass Sozialisation nicht nur als einseitige Prägung des Individuums durch die Gesellschaft verstanden werden darf und lenkten das Erkenntnisinteresse darüber hinaus auf die Frage wie sich Kompetenzen, Eigenschaften und Interessen von Individuen in Auseinandersetzung mit den spezifisch sozialen Lebensbedingungen entwickeln[4].

Sozialisation als Aneignungsprozess wurde nicht mehr mit Anpassung gleichgesetzt, viel mehr wurden Kinder als aktive, veränderungsfähige Subjekte verstanden, die nicht ausschließlich sozialisiert werden, sondern sich zum Teil auch selbst sozialisieren. Ottomeyer spricht, bezogen auf diese Subjektperspektive der Sozialisation, von einer identitätsstiftenden menschlichen Praxis[5] und Hurrelmann sieht das menschliche Subjekt in einem sozialen und ökologischen Kontext, welcher subjektiv aufgenommen und verarbeitet wird, aber zugleich immer auch durch das Individuum beeinflusst, verändert und gestaltet wird[6].

Aus dieser Erkenntnis ergibt sich das zentrale Modell der neueren Sozialisationsforschung, welches Hurrelmann als Modell des produktiv realitätsverarbeitenden Subjektes beschreibt[7]. Sozialisation wird also als interaktiver Prozess verstanden, in dem die Entwicklung der Persönlichkeit in der Auseinandersetzung zwischen Mensch und Umwelt stattfindet. Der Sozialisationsprozess als solcher ist als ein lebenslanger Vorgang zu verstehen, da Sozialisation als Aneinanderreihung von Entwicklungsaufgaben verstanden werden muss, die dem Verlauf des Lebens eine Gliederung geben. Diese Entwicklungsaufgaben unterliegen durch die verschiedenen Lebenszyklen, dem sozialen Wandel und anderen Faktoren einer ständiger Veränderung und sind damit nie zu Ende.

[...]


[1] Vgl. Zimmermann 2000:

[2] Vgl. Durkheim 1972:

[3] Vgl. Zimmermann 2000:

[4] Vgl. Korte / Schäfers 2002:

[5] Vgl. Zimmermann 2000:

[6] Vgl. Hurrelmann 1993:

[7] Vgl. Hurrelmann 1993:

Details

Seiten
12
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638554596
ISBN (Buch)
9783638766944
Dateigröße
468 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v62165
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Sozialwissenschaftliche Fakultät
Note
1,7
Schlagworte
Soziologische Theorien Sozialisationsprozesses Einflussreiche Sozialisationstheorien Bedeutung Analyse Erklärung Sozialisationsprozessen Familie Sozialisation Bevölkerungsentwicklung

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Titel: Soziologische Theorien des Sozialisationsprozesses - Einflussreiche soziologische Sozialisationstheorien und  ihre Bedeutung für die Analyse und Erklärung von Sozialisationsprozessen