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Suizidalität im Kindes- und Jugendalter

Hausarbeit 2000 34 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Definition

4. Suizidaler Weg
4.1. Einengung
4.1.1. Situative Einengung
4.1.2. Dynamische Einengung
4.1.3. Wertmäßige Einengung
4.2. Aggressionsumkehr
4.3. Suizidphantasien

5. Suizidale Anzeichen
5.1. Auffälliges Verhalten
5.1.1. Weglaufen
5.1.2. Trebegehen
5.1.3. Schuleschwänzen
5.1.4. Rückzug
5.1.5. Änderung der Essgewohnheiten
5.1.6. Missbrauch von Alkohol, Drogen und Medikamenten
5.1.7. Verwahrlosungstendenzen
5.2. Sprachliche und bildliche Ebene
5.2.1. Verbale Äußerungen
5.2.2. Philosophisches Interesse
5.2.3. Schriftliche Äußerungen
5.2.4. Suizidale Zeichen bildlicher Art
5.3. Psychische Veränderungen
5.3.1. Niedriges Selbstwertgefühl
5.3.2. Gleichgültigkeit
5.3.3. Stimmungsschwankungen
5.3.4. Konzentrationsschwierigkeiten
5.4. Körperliche Beschwerden
5.6. Verlusterfahrungen
5.7. Praktische Schritte

6. Suizidales Verhalten
6.1. Suizidales Verhalten bei Kindern
6.2. Suizidales Verhalten bei Jugendlichen

7. Statistische Werte

8. Hilfen für suizidgefährdete Kinder und Jugendliche

9. Quellenverzeichnis

Suizidalität im Kindes- und Jugendalter

1. Vorwort

Wenn Menschen, die mit bestimmten Krisen in ihrem Leben nicht mehr zurechtkommen und nur noch einen Ausweg sehen, der Linderung verspricht, das Leid und die Hoffnungslosigkeit beendet, den selbstherbeigeführten Tod, ist dies ein kaum nachvollziehbarer Zustand für die meisten von uns.

Wenn Kinder und Jugendliche, die doch im Schoße der Familie sicher aufgehoben scheinen, aus freier oder besser gesagt, scheinbar freier Entscheidung, denn sie sind doch genötigt worden, für sie gibt es kein Entrinnen, keine andere Möglichkeit mehr ihr Leben wieder zu ordnen, den Tod wählen - das Unumgängliche - dann ist dies an Dramatik und Tragik kaum zu überbieten und zeigt uns unser Versagen auf. Zu allen Zeiten haben sich Menschen in ausweglosen Krisensituationen das Leben genommen.

Die Deutsche Graphikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz, hat in den 30er Jahren (des zwanzigsten Jahrhunderts) eine ganze Reihe von ausdrucksvollen Kohlezeichnungen zu dieser Thematik geschaffen. Sie zeigen die Ausweglosigkeit und Verelendung der Arbeiterklasse in Deutschland. Sie nannte diesen Zyklus: „Der Tod ist mein bester Begleiter“.

In den achtziger Jahren hatte der Kalte Krieg einen neuen Höhepunkt erreicht, Pershing 2 Raketen und SS 20 wurden in den beiden Deutschen Staaten durch die dortigen Supermächte stationiert. In der DDR lernten die Schüler im Wehrkundeunterricht der neunten Klasse, wie man Schutzräume baut und möglichst lange überlebt. Neue Hochzeiten generationeller, besonders kindlicher und jugendlicher Verunsicherungen waren danach die Klima- und Umwelt-verschmutzung, hier besonders das sich vergrößernde Ozonloch, Pers-pektivlosigkeiten aufgrund von Lehrstellen- und Arbeitsplatzmangel und nunmehr die überaus starke Verunsicherung vieler Kinder und Jugendlicher durch die aktuellen BSE Fälle in Deutschland.

Die Thematik des Suizides ist sehr komplex, sich anzunähern schwierig, besonders im Bereich der Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen.

Die grundlegendsten Aspekte sollen nachfolgend genannt werden, jedoch kann dem Anspruch der allumfassenden Erarbeitung des Themas, aufgrund des zur Verfügung stehenden Umfanges, leider nicht entsprochen werden.

So wird nachfolgend nicht auf die verschiedenen Suizidtheorien eingegangen. Es kann auch nur in Ansätzen auf suizidfördernde Strukturen in Familie, Schule und anderen Bereichen eingegangen werden, auch Therapieformen werden nicht eingehender beleuchtet, dies würde einfach den Rahmen sprengen.

Es wird einerseits mit dem Begriff des Suizides gearbeitet, in bestimmten Zusammenhängen aber auch der des Selbstmordes verwendet, wenn es beispielsweise um Äußerungen von Kindern und Jugendlichen geht.

In einigen Bereichen wird grundsätzlich von Kindern und Jugendlichen gesprochen, andernorts aber speziell nur von der einen oder der anderen Gruppe, als Scheidepunkt soll hier keine Altersgrenze festgelegt, statt dessen der Beginn der pubertären Entwicklung gelten.

Fettgedruckte Beispiele die gelegentlich im Text erscheinen, sollen die Aussagen unterstützen und dem Verständnis dienen. Ich denke sie haben ihre Berechtigung um die Dramatik suizidalen Handelns von Kindern und Jugendlichen zu beleuchten.

Suizidalität im Kindes- und Jugendalter

Man sieht oft etwas hundertmal, tausendmal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht.

Christian Morgenstern

2. Einleitung

Unter Selbsttötung oder Suizid versteht man das freiwillige Ausscheiden aus dem Leben; Selbstmord- oder Suizidversuche sind davon zu unterscheiden. Suizid-versuche sind etwa sieben bis zehn mal so häufig wie die Anzahl durchgeführter Suizide.

Die Erforschung des Suizides wurde schon früh von der Soziologie aufgegriffen. Der französische Soziologe Emil Durkheim (1858-1917) beschäftigte sich in seinem, auch heute noch bedeutsamen Werk „Der Selbstmord“ (1897), mit dem Zusammenhang zwischen der gesellschaftlichen Entwicklung und der Entwicklung der Suizidhäufigkeiten. Durkheim bezieht dabei die Zahl der Suizide auf das Vorhandensein oder Fehlen gemeinsamer gesellschaftlicher Werte und berichtet bereits 1896 von der relativ hohen Zahl von Kinder-/Jugendsuiziden in Städten und schreibt dazu: „Man darf nämlich nicht übersehen, dass auch das Kind sozialen Bedingungen unterworfen ist, die es durchaus zum Selbstmord bestimmen können.“ Der Wiener Psychiater Professor Erwin Ringel formulierte Anfang der fünfziger Jahre die psychiatrische Grundauffassung, dass der Suizid der „Abschluss einer krankhaften Entwicklung“ sei. Ringel untersuchte 750 Krankengeschichten von suizidalen Patienten und formulierte aus den be-schriebenen Auffälligkeiten das präsuizidale Syndrom, eine Entwicklung, die schon einige Zeit vor dem Suizidversuch einsetzt und als Alarmzeichen einer suizidalen Gefährdung gesehen werden kann.

Die Psychologie hat sich dem Problem der Depression und des Selbstmordes mit der Arbeit des österreichischen Arztes, Neurologen und Psychoanalytikers Sigmund Freud (1856-1939) zu „Trauer und Melancholie“ (1916) und in bezug auf Kinder und Jugendliche, mit der Debatte über die Schülerselbstmorde in der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung zu Beginn des 20. Jahrhunderts ange-nommen. Die Psychoanalyse verstand den Selbstmord zunächst hauptsächlich im Zusammenhang mit einer depressiven Störung.

Spätere analytische Arbeiten setzten sich intensiv mit der narzisstischen Krise als Ausgangspunkt suizidaler Handlungen auseinander. Der Mensch in der narzisstischen Krise ist in seinem Selbstwertgefühl so stark beeinträchtigt, dass alle Verluste und Kränkungen als Katastrophe erlebt werden. Der Suizident sieht sich dem Leben in der Auseinandersetzung und Konflikthaftigkeit nicht mehr gewachsen. Konflikte werden als unerträgliche Zumutung äußerer Lebens-umstände oder Bezugspersonen empfunden.

Die Selbsttötung ist in vielen westeuropäischen Ländern nach Verkehrsunfällen die häufigste Todesursache von Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Suizidalität ist keine Krankheit, sondern Symptom einer zugrundeliegenden Beziehungsstörung, die in ihrem Ausmaß und ihrer Dynamik in sehr unter-schiedlicher Weise gestaltet werden kann.

Toni, 15 Jahre alt, hat wenig Freunde und ist ein mittelmäßiger Schüler. Seine Eltern erwarten von ihm, dass er es weiter bringt als sie selbst. Deshalb soll er nach dem Wunsch seiner Eltern das Gymnasium erfolgreich durchlaufen. Diesen Leistungsdruck spürt Toni schon lange, und er hat niemanden, mit dem er darüber reden kann. Er fühlt sich alleine und zunehmend erschöpft, er hält diese Belastung nicht mehr aus. Obwohl Toni sehr viel lernt und in der Schule sehr bemüht ist, wird er nicht versetzt. Am Tag der Zeugnisausgabe nimmt Toni eine Überdosis Schlaftabletten.

Suizide kommen bei Kindern seltener vor als bei Jugendlichen. Wahrscheinlich hängt dies damit zusammen, dass entwicklungsbedingt erst ein etwa zehnjähriges Kind ein Verständnis vom Tod entwickelt. Bis zum vierzehnten Lebensjahr treten deshalb kaum Suizide auf, konzentriert kommen sie aber in den Lebens-abschnitten von fünfzehn bis etwa vierundzwanzig Jahren vor. In den letzten dreißig Jahren haben sich Suizide bei Jugendlichen fast verfünffacht. Dabei suizidieren sich Jugendliche in Großstädten häufiger als in ländlichen Gebieten, wobei hier allerdings in letzter Zeit eine prozentuale Angleichung zu bemerken ist.

3. Definitionen

Suizidgedanken: Verbale und nichtverbale Anzeichen, die direkte oder indirekte Beschäftigung mit Selbstmordideen anzeigen.

Parasuizid: Begriff, der den des Suizidversuches ersetzt, als Handlung mit nicht tödlichem Ausgang, bei dem ein Individuum absichtlich ein nicht habituelles Verhalten beginnt, das ohne eine Intervention von dritter Seite eine Selbstschädigung bewirken würde und zum Ziel hat, durch die aktuellen oder erwarteten Konsequenzen Veränderungen zu bewirken. Appellative Handlung, die indirekt auf eine Änderung der persönlichen oder der sozialen Verhältnisse abzielt.

Suizid: Handlung mit tödlichem Ausgang, die häufig überlegt begonnen und durchgeführt wird, in Wissen oder Erwartung des tödlichen Endes. Auch der Suizid kann als partiell appellative Methode betrachtet werden, Änderungen im eigenen Befinden oder in sozialen Beziehungen herbeizuführen.

4. Suizidaler Weg

Mit dem Begriff des präsuizidalen Syndroms beschrieb 1953 der Wiener Psychiater Erwin Ringel die Entwicklung von Menschen, die auf eine suizidale Handlung zusteuern. Ringel spricht von verschiedenen Bereichen, die sich gegen-seitig begünstigen und eng zusammenhängen. Er beschreibt drei Bereiche von Einengung, die Aggressionsumkehr und die Suizidphantasien von Kindern und Jugendlichen.

4.1. Einengung

4.1.1. Situative Einengung:

Darunter lässt sich der Verlust bestimmter Handlungsmöglichkeiten eines Menschen verstehen, beispielsweise durch den Tod eines Angehörigen. In der situativen Einengung wächst die Hilflosigkeit und der Eindruck, einer Situation ohne eigene Einflussmöglichkeiten ausgeliefert zu sein, das Wahrnehmungsvermögen verengt sich, selektiv werden nur noch bedrohliche Ereignisse aufgenommen und positive verdrängt. Gefühle von Bedrückung, Melancholie und Hoffnungslosigkeit machen sich breit. Verglichen mit nichteingeengten Menschen, die täglich ein Spektrum von Gefühlen wie Freude, Langeweile, Traurigkeit und so weiter erleben, ist die Gefühlswelt von präsuizidal eingeengten Menschen majoritiv auf negative Gefühlslagen beschränkt.

Die situative Einengung allein, löst jedoch keinen Suizidversuch aus, erst durch die Wechselwirkungen mit den anderen Dimensionen von Einengung kann suizidales Handeln zustande kommen.

4.1.2. Dynamische Einengung:

Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung, spezifische Stimmungen von jungen Menschen, auch gerade in depressiven Gefühlswallungen während der Pubertät, bezeichnet man als dynamische Einengung.

Ulrike, 16 Jahre, ist zwar eine ganz gute Schülerin, traut sich aber zu wenig zu. Ihre guten Schulleistungen führt sie darauf zurück, dass sie Glück hatte und in einer leistungsschwachen Klasse ist. Ulrike sieht die Zukunft düster und weiß nicht, was sie nach der Schule machen soll. Die Mitschüler von Ulrike verstehen nicht, warum sie so traurig und manchmal schon gleichgültig wirkt. In der Klasse hat zwar niemand so richtig Kontakt zu ihr, aber sie wird auch von niemandem abgelehnt. Ulrike geht zwar von sich aus nie auf andere zu, ist sehr still und möchte schon bei kleinen Fehlern im Erdboden versinken. Seit einiger Zeit leidet Ulrike an Schlafproblemen und hat kaum noch Appetit.

Depression: Bei manchen Jugendlichen wachsen sich Gefühle von Trauer, Bedrückung und Hilflosigkeit, die üblicherweise die Pubertät begleiten, zur Depression aus. Die ganze Welt sieht, genau wie ihre Zukunft, trübe aus. Gerade in der Zeit, die sie vor so viele Aufgaben stellt, nehmen Angst und Verzweiflung ihnen Schwung und Mut.

Nach außen kann sich eine Depression in Appetit- und Schlaflosigkeit, schlechter Laune, Reizbarkeit und Unrast zeigen, in Apathie, Konzentrationsschwäche und plötzlicher Aggressivität, die die Betroffenen in der Peergroup unbeliebt machen, und damit das Gefühl der Selbstverachtung forciert. Viele vernachlässigen Schule und Freunde und bringen sich bei riskanten Abenteuern in Gefahr. Häufig bringen depressive Jugendliche eine negative Selbsteinschätzung schon aus der Kindheit mit und fühlen sich mit dem Absprung in das Leben der Erwachsenen überfordert. Hier führen Erfolglosigkeit in der Schule oder bei der Suche nach Liebe und Anerkennung in die Depression, aber auch Konflikte mit der Familie oder belastende Vorfälle mit scheinbar unmöglicher Bewältigung, beispielsweise Tod oder Scheidung der Eltern, eigene Krankheit oder ein Umzug und die damit verbundene Trennung von engen Bezugspersonen wie Freunden.

Quelle: Nietsch/Beil 1995

In der dynamischen Einengung verengt sich die Wahrnehmung, selektiv werden nur noch bedrohliche Ereignisse und Nachrichten wahrgenommen und positive Informationen verdrängt, Kontakte zu anderen Menschen werden vermindert und Freundschaften abgebrochen.

Werden diese Stimmungen nicht rechzeitig erkannt und aufgefangen können sie eine machvolle Eigendynamik entwickeln und schließlich einen Suizidversuch auslösen.

Diese Gefühle von Kindern und Jugendlichen sollten deshalb ernst genommen werden. Kinder und Jugendliche ernst zu nehmen bedeutet auch, dass sie Freiräume und die Akzeptanz erhalten müssen, ihre Gefühle auszuleben.

4.1.3. Wertmäßige Einengung:

Die Fähigkeit des Hinterfragens zu entwickeln, setzt das Bewusstsein voraus dass der Mensch selbst von Wert ist. Es sind insbesondere Schulkinder, die in den Teufelskreis des Nicht-mehr-an-sich-Glaubens, den Verlust des Selbstwert-gefühles also, kommen können. Kinder müssen an sich glauben können und spüren, dass sie geliebt und wertgeschätzt werden. So können sie im geliebt werden einen Sinn für ihre Existenz finden .

WEIL MEINE ELTERN MICH LIEBHABEN; BIN ICH VIEL WERT!

Manche Kinder hingegen haben das Gefühl, dass sie nur eine Last sind, andere vermuten, dass ihre Eltern gar nicht wahrnehmen würden, wenn sie nicht mehr lebten. Sie fühlen sich so einsam und wenig beachtet, dass sie testen wollen, ob überhaupt irgend jemandem ihre Abwesenheit auffällt.

Die Beziehung zum eigenen Wertsein gehört zu den wichtigsten Themen des menschlichen Lebens und sind Grundvoraussetzung einer psychischen Gesundheit! Wenn es gelingt, Kindern von klein auf zu vermitteln, dass sie von allergrößter Bedeutung für uns sind, wird ihnen damit ein zentrales Fundament gegeben, spätere Lebensprobleme bewältigen zu können.

4.2. Aggressionsumkehr

Alle Menschen haben unterschiedlichste Gefühle, ein wichtiges Gefühl im Zu-sammenhang mit suizidalem Verhalten ist die Aggression.

Der zwölfjährige Michael bestimmt in seiner Klasse immer „was läuft“. Da er stärker als seine Mitschüler ist, zwingt er diese, für ihn seine Hausaufgaben zu erledigen. Er bestimmt, welcher Lehrer „fertig gemacht wird“. Michael freut sich, dass ihn alle bewundern und dass er Macht auf andere ausüben kann. Er weiß genau, dass die anderen seine körperliche Überlegenheit fürchten.

Aggression: ist ein Verhalten, das darauf abzielt, einen Anderen absichtlich oder hinterhältig zu schädigen.

Aggressives Verhalten richtet sich demnach gegen andere Personen, also auch Kinder und Jugendliche, aber auch Gegenstände, die den Personen gehören.

Es gibt auch aggressives Verhalten gegen die eigene Person (Autoaggression). Aggression kann sich über Worte oder Verhalten äußern.

Massive Formen der Aggression sind: schimpfen, anschreien, mit Schimpfnamen beleidigen oder verleumden, schadenfroh sein, spotten, ironisch sein. Bei Kindern bestehen noch massivere Formen in aggressivem Verhalten: gezieltes kör-perliches Verletzen wie schlagen, treten, beißen, kratzen, spucken, würgen, Haare ziehen oder Beinstellen uns so weiter.

Es gibt unterschiedliche Theorien darüber, wie unsere Angriffslust zu erklären ist. Sigmund Freud spricht von einem Todestrieb, Konrad Lorenz erklärt die Aggression als Ausdruck eines auf die Artgenossen gerichteten Kampftriebes. Die Ursachenforschung kann dabei auf eine lange Tradition und vielfältige Aktivitäten zurückblicken, andere Forscher sehen in der Aggression eine Reaktion auf äußere Hindernisse und Bedrohungen.

Die Ergebnisse sind jedoch umstritten. Am wahrscheinlichsten scheint es sich bei Aggression um gelerntes Verhalten zu handeln. Dabei ist davon auszugehen, dass es sich bei der Entstehung von Aggression um ein Vielfältiges von Ursachen handelt, wie beispielsweise dem Erziehungsverhalten der Eltern, Mängeln in der Wahrnehmung und im Sozialverhalten der Kinder, sowie Verstärkungs-bedingungen bei aggressivem Verhalten.

Menschen die versuchen etwas zu erreichen oder zu bekommen, und es gelingt ihnen nicht, reagieren darauf frustriert. Dabei hängt es von der Persönlichkeit des Einzelnen und seinen Erfahrungen ab, wie schnell und tief er enttäuscht ist, bedeutet wie niedrig seine Frustrationsschwelle ist.

Quelle: Petermann 1991

Das Kind, das immer wieder versucht, die Aufmerksamkeit und Wertschätzung der Eltern zu erlangen und keinerlei Erfolg dabei hat, wird immer ruhiger und frustrierter werden, es kann irgendwann der Punkt kommen, wo sich seine Aggression nach innen wendet und das Kind sich selbst verletzt.

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Details

Seiten
34
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638104159
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v630
Institution / Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen – Soziale Arbeit und Gesundheit
Note
1,3
Schlagworte
Suizidalität Kindes- Jugendalter

Autor

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Titel: Suizidalität im Kindes- und Jugendalter