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Charakteristik und Entwicklungslinien des Täufertums von den Ursprüngen bis zur Errichtung des Königreichs in Münster

Hausarbeit 2004 17 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Von den Anfängen des Täufertums bis zum tausendjährigen Reich in Münster
2.1 Die Schweizer Brüder
2.2 Das Täufertum unter Hans Hut
2.3 Das Huterersche Täufertum in Mähren
2.4 Die Melchioriten

3. Kennzeichen der Bewegung
3.1 Verschiedene Auffassungen zur Einheitlichkeit der Bewegung in der Literatur
3.2 Charakteristika des Täufertums
3.3 Das Gemeindeverständnis der Täufer
3.4 Die Verfolgung durch die Obrigkeit

4. Das Taufverständnis der Täufer
4.1 Vergleich mit der Taufvorstellung von Zwingli
4.2 Unterschiedliche Taufauffassung Luthers

5. Schluss

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Hausarbeit basiert auf einem Referat aus der Veranstaltung „Umbruch und Erneuerung: Das Zeitalter von Reformation und Gegenreformation“, das das Königreich der Täufer in Münster von 1534/35 thematisierte.

Der Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung des Täufertums, um die in dem Referat nur am Rand behandelte Vorgeschichte näher zu beleuchten. Darüber hinaus werden Kennzeichen der Bewegung, speziell die Tauflehre, die die zeitgenössische Welt polarisierte (s. 4.1 und 4.2) und maßgeblicher Grund für die Verfolgung der Täufer war (s. 3.4), dargestellt.

Es wird nur die Entwicklung der Täufer bis zur Errichtung des Königreichs von Münster behandelt. Die nach dem Täuferführer Menno Simons benannte Bewegung der Mennoniten findet daher keine Beachtung, da sie erst nach dem Täuferreich in Erscheinung tritt. Auch die täuferische Herrschaft in Münster spielt nur eine unter-geordnete Rolle, da wesentliche Aspekte des Königreichs schon in dem Referat an-gesprochen wurden.

Im ersten und dritten Kapitel war besonders Goertz´ umfangreiche Darstellung über die Täufer nützlich. Für das Herausarbeiten der gemeinsamen, täuferischen Kenn-zeichen waren insbesondere die Einleitung aus dem von Heinold Fast herausgegebe-nen Buch „Der linke Flügel der Reformation“, sowie das von Andrea Strübind verfasste Buch „Eifriger als Zwingli. Die frühe Täuferbewegung in der Schweiz“ hilfreich.

Bei der Vorgehensweise stand zunächst die Entwicklung innerhalb der täuferischen Bewegungen im Vordergrund. Anschließend folgte die Suche nach Gemeinsamkei-ten zwischen den Gruppierungen. Zuletzt versuche ich anhand ihrer Tauflehre zu zei-gen, wie sehr sich die Täufer von den führenden Persönlichkeiten der Reformation, Luther und Zwingli, entfernt haben.

2. Von den Anfängen des Täufertums bis zum tausendjährigen Reich in Münster

2.1 Die Schweizer Brüder

Die erste Ausformung der Täufer entstand in Zürich, wo Zwingli und seine Anhänger die Reformation prägten. „Zwingli war besonnener, seine Freunde gingen radikaler vor; doch die einen konnten mit dem Schutz des Reformators rechnen, (...) und der andere konnte die radikalen Aktionen innerlich begrüßen, weil sie ihm immer wieder die Gelegenheit verschafften, sein reformatorisches Ziel in kleinen Schritten durch einen zögernden Rat (der Stadt) absichern zu lassen.“1)

Die Forderung nach Abschaffung des Zehnten ging Zwingli zu weit, so dass sich Reublin, Grebel, Stumpf und andere seiner Gefolgsleute von ihm distanzierten. Die

vorsichtige Haltung Zwinglis in der Auseinandersetzung mit dem Rat verstanden Grebel und seine Gefolgsleute „,als Verrat am Evangelium´“2). Hinzu kommt noch, dass Zwingli im Gegensatz zu seinen ehemaligen Weggefährten die Umsetzung der Reformation nicht den Gemeinden übergeben, sondern in den Händen des Rates be-

lassen wollte.

Grebel und weitere übernahmen von den Gemeinden die Abschaffung der Kindstau-fe. Die Ablehnung der Säuglingstaufe forderte den Rat heraus, doch eine Disputation zwischen den Parteien am 17. Januar 1525 blieb erfolglos. Vier Tage später tauften die Brüder um Grebel und Manz die ersten Erwachsenen, was die Obrigkeit hart be-strafte.3)

Aufgrund der Verfolgung durch den Rat und nach der Niederlage im Bauernkrieg brachen den Täufern große Teile ihrer Anhängerschaft weg, weshalb sie ihr Selbst-verständnis in der brüderlichen Vereinigung von Schleitheim 1527 neu definierten. In den Schleitheimer Artikeln sind die Grundgedanken des Täufertums festgehalten: Sie enthielten unter anderem neben der charakteristischen Glaubenstaufe, die Verweigerung des Wehrdienstes, die Möglichkeit eines Ausschlusses aus der Gemeinde durch den Bann sowie die Abschottung gegenüber der Welt. Die von Mi-chael Sattler verfassten Artikel dienten vor allen Dingen dem äußeren und inneren Schutz des Täufertums.

2.2 Das Täufertum unter Hans Hut

Auf der sogenannten Märtyrersynode im August 1527, ein Treffen mehrerer Täufer, die „bald darauf fast alle den Märtyrertod starben“4), entstand ein Täufertum, das weniger von den Schleitheimer Artikeln als von den mystisch-apokalyptischen Vorstellungen Hans Huts geprägt wurde.

Für ihn stand die Christianisierung der Gesellschaft im Mittelpunkt des Interesses. Aus diesem Grund kritisierte Hut Luthers Vorstellung von der „bedingungslose(n) Annahme des Sünders durch Gott“5) und sah sich eher in der mystischen Tradition Thomas Müntzers. Im Gegensatz zu diesem überlebte er 1525 die Bauernschlacht bei Frankenhausen und verbreitete Müntzers Gedankengut. Allerdings reduzierte Hut die Zahl der Auserwählten auf 144000, prophezeite das jüngste Gericht für Pfingsten 1528 und rief dazu auf den gewaltsamen Widerstand auf den bevorstehenden Welt- untergang zu verschieben.6)

Hut entwickelte sich zum führenden „Apostel der Wiedertäufer im oberdeutschen Raum“7) sowie in Österreich und Mähren. Als er jedoch 1527 im Gefängnis starb und das von ihm prophezeite Endgericht Pfingsten 1528 nicht eintrat, ging die Bewegung unter.

2.3 Das Huterersche Täufertum in Mähren

In Mähren konnte das Hutsche Täufertum überleben, weil sich der dortige Adel eine

weitgehende Autonomie in religiösen Fragen erkämpft hatte, so dass sich das Gebiet zu einer Enklave verfolgter süddeutscher und tiroler Täufer entwickelte, die vor allem seit 1524 nach Nikolsburg flüchteten. Goertz spricht in diesem Zusammenhang von einer „Metamorphose des Hutschen Täufertums“8).

Im Gegensatz zu den Schwertlern, den Gefolgsleuten des täuferischen Missionars Balthasar Hubmaier, beharrten die sogenannten Stäbler auf der Verweigerung des Wehrdienstes. Die Stäbler zogen daraufhin nach Austerlitz, wo sie sich 1533 unter Jakob Huter vereinten und die ersten Brüderhöfe gründeten. Dort praktizierten sie auf der Basis der ersten urchristlichen Gemeinde eine Gütergemeinschaft, die sowohl Verbrauch als auch Produktion für die Landwirtschaft und vor allem das handwerkliche Gewerbe regelte.9)

Obwohl Jakob Huter 1536 in Südtirol hingerichtet wurde, überlebten die huterischen

Gemeinden. Aufgrund der Repressalien der Gegenreformation flüchteten sie in die Ukraine, nach Ungarn, Rußland und sogar nach Nordamerika und Kanada, wo sie teilweise heute noch leben.

2.4 Die Melchioriten

Die Täufer von Münster gehörten zu den Melchioriten, die nach dem schwäbischen Kürschner Melchior Hoffman benannt wurden. Dieser kam in Straßburg mit dem Täufertum in Kontakt, von wo aus er die Lehre 1530 radikalisiert nach Ostfriesland trug.

Durch eine Konjunkturkrise gewann das Täufertum mit seiner Auserwählten- und Weltuntergangsvorstellungen auch für untere Schichten in Holland an Bedeutung. Seine Anhängerschaft nahm so stark zu, dass die Melchioriten in Holland verfolgt

[...]


1) Goertz, Hans-Jürgen: Die Täufer. Geschichte und Deutung, München 1980, S.16

2) Mattern, Marlies: Leben im Abseits. Frauen und Männer im Täufertum (1525-

1550). Eine Studie zur Alltagsgeschichte. Frankfurt a. M./Berlin/Bern/u.a., S.17

3) vgl. Mattern, a.a.O., S. 17

4) Fast, Heinold (Hg.): Der linke Flügel der Reformation. Glaubenszeugnisse der

Täufer, Spiritualisten, Schwärmer und Antitrinitarier, Bremen 1962, S.17

5) Hong, Ji-Hoon: Luthers Auseinandersetzung mit dem täuferischen Taufverständnis, Bonn 1995, S.62

6) vgl. Goertz, Hans-Jürgen: a.a.O., S. 24

7) Hong, Ji-Hoon: a.a.O., S.61

Details

Seiten
17
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638561495
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63017
Institution / Hochschule
Technische Universität Dortmund – Historisches Institut
Note
2,5
Schlagworte
Charakteristik Entwicklungslinien Täufertums Ursprüngen Errichtung Königreichs Münster Zeitalter Reformation Gegenreformation

Autor

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Titel: Charakteristik und Entwicklungslinien des Täufertums von den Ursprüngen bis zur Errichtung des Königreichs in Münster