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Einfluss von Branchenstrukturen und nationalen Rahmenbedingungen auf IOIS in der englischen Buchindustrie

Seminararbeit 2006 62 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Datenquellen
1.1 Abgrenzung und Definition der Analyseeinheit
1.2 Abgrenzung und Definition der Beobachtungseinheiten
1.2.1 Verlage
1.2.2 Großhändler
1.2.3 Einzelhandel
1.2.4 Informationsintermediäre
1.2.5 Standardisierungsorganisation

Branchenstruktur
1.3 Überblick
1.4 Verlage
1.5 Großhändler
1.6 Einzelhandel
1.7 Marktanteile
1.8 Weitere Institutionen
1.9 Historische Entwicklung

Beschreibung der elektronischen Systeme
1.10 Kommunikation in der Vergangenheit
1.11 Nachrichtenstandards
1.11.1 BIC Basic
1.11.2 ONIX
1.11.3 TRADACOMS
1.12 „Backbone“-System
1.13 Systeme der Verlage
1.14 Systeme der Großhändler
1.15 Systeme des Einzelhandels
1.16 Systeme der Informationsintermediäre

Einfluss der Branchenstruktur auf die IOIS
1.17 Wegfall des „Net Books Agreement“
1.18 Einzelhandel
1.18.1 Wettbewerbsvorteile
1.18.2 Systemvielfalt als logische Folge
1.19 Großhandel
1.20 Verlage
1.21 Informationsintermediäre

Ausblick
Anhang A: Abbildungen
Anhang B: Tabellen
Anhang C: Zusatzinformationen

Einleitung

Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Branchenstrukturen und nationalen Rahmenbedingungen auf die Entwicklung und Struktur von Inter-organisationalen Informationssystemen (IOIS) in der englischen Buchindustrie. Ziel dieser Arbeit ist die Herleitung möglicher kausaler Beziehungen zwischen der Branchenstruktur des englischen Buchhandels und den dort eingesetzten IOIS sowie deren Entwicklung. Die in der Forschungsfrage genannten nationalen Rahmenbedingungen wurden als gesetzliche Vorschriften interpretiert. Da das englische Recht keine speziellen Regelungen in Bezug auf IOIS enthält, wurde dieser Teil der Fragestellung in der weiteren Ausarbeitung nicht berücksichtigt.

Um dem Ziel dieser Studie gerecht zu werden, wurden Teilnehmer des englischen Buchmarktes befragt. Interviewpartner waren daher Vertreter aktiver Marktteilnehmer von Verlagen, Groß- und Einzelhändlern sowie Vertreter von Institutionen, die unabhängig von Akteuren der Supply Chain agieren.

Nachfolgend werden zunächst die Analyseeinheit und Beobachtungseinheiten eingegrenzt und definiert. Schließlich erfolgt eine Beschreibung der Branchenstruktur sowie der genutzten IOIS, um in einem letzten Schritt im Rahmen einer Analyse mögliche Kausalitäten zwischen Branchenstruktur und der Entwicklung als auch der Struktur jener IOIS aufdecken zu können. Abschließend erfolgt ein Ausblick auf die mögliche zukünftige Entwicklung von IOIS in der betrachteten Branche.

Datenquellen

1.1 Abgrenzung und Definition der Analyseeinheit

Im Rahmen der vorliegenden Fallstudie wurde die englische Buchindustrie untersucht. Ausgehend von der Handelsstufe der Großhändler wurden sowohl die vor- und nachgelagerten Stufen des Einzelhandels und der Verlage betrachtet.

Die Untersuchung fand ausschließlich im Großraum London statt, jedoch sind die Beobachtungen durchaus auf den gesamten englischen Markt übertragbar, da die Bedürfnisse des englischen Buchmarkts sich nicht von denen im Großraum der Hauptstadt unterscheiden. Dies wurde auch im Verlaufe eines Interviews bestätigt (vgl. Interviewprotokoll BIC, Nr. 7).

Von der Untersuchung von Online-Buchhändlern wurde abgesehen. Zwar sind diese Markteilnehmer, sie bauen jedoch nicht auf dem klassischen Großhändler-Einzelhändler-System auf, sondern nutzen vielmehr direkte Vertriebswege, ohne das physische Handling der Ware zwangsläufig selber auszuführen.

Nachfolgend werden die betrachteten Beobachtungseinheiten näher definiert sowie voneinander abgegrenzt.

1.2 Abgrenzung und Definition der Beobachtungseinheiten

1.2.1 Verlage

In England gilt jede Institution oder Person als Herausgeber, die jemals ein Buch veröffentlicht hat. Im Rahmen dieser Studie werden unter Verlagen jedoch ausschließlich Unternehmen verstanden, deren Ziel nicht das Schreiben und Verfassen eines Buches ist, sondern die mit der Auflage eines Buches eine Gewinnerzielungsabsicht verfolgen.

Des Weiteren wurden auch Unternehmen von der Betrachtung ausgeschlossen, die Printmedien wie etwa Tageszeitungen und Zeitschriften herausgeben. Der Fokus bzgl. der Betrachtung von Verlagen liegt demnach auf Unternehmen, die in der Supply Chain der Buchindustrie die Rolle der „Produktion“ von Büchern innehaben.

1.2.2 Großhändler

Als Großhändler werden Unternehmen verstanden, welche ausschließlich Bücher weiterverkaufen, also diese bei einem Verlag einkaufen und anschließend an den Einzelhandel, oder direkt im Namen des Einzelhandels an den Endkunden, verkaufen. Nicht in die Betrachtung einbezogen werden „unechte“ Großhändler. Damit sind Marktteilnehmer gemeint, die sich auf bestimmte Marktnischen spezialisiert und dabei ihr Warensortiment um zu den Printmedien passende themenspezifische Artikel erweitert haben.

1.2.3 Einzelhandel

Dem Einzelhandel werden Unternehmen zugeordnet, die sich hauptsächlich auf den Vertrieb von Büchern fokussieren. Das bedeutet, dass z.B. Supermärkte, Kaufhäuser und Kioske nicht untersucht werden, wenngleich diese oftmals über ein ausgeprägtes Buchsortiment verfügen.

Weiterhin kann der Einzelhandel auf der Basis von Vertriebs- und Eigentumsform genauer klassifiziert werden, so dass sich eine Vier-Felder-Matrix ergibt (vgl. Anhang A, Abbildung 1.1).

Die dort vorzufindende Ausprägung „abhängig“ bedeutet, dass das Unternehmen Eigentum eines anderen Unternehmens ist. Dahingegen ist ein unabhängiges Unternehmen Eigentum einer oder mehrerer natürlicher Personen.

Eine Kette besteht aus mindestens zwei Filialen, die unter demselben Namen firmieren. Demgegenüber existieren Einzelhändler, welche genau ein einziges Ladenlokal unterhalten.

1.2.4 Informationsintermediäre

Zusätzlich wurden auch Informationsintermediäre zur Untersuchung der Buchhandelsindustrie herangezogen. Im hiesigen Kontext sind Informationsintermediäre Akteure, die eine optionale aber häufig genutzte Schnittstelle zwischen Verlagen und der nachfolgenden Supply Chain darstellen. Sie bereiten bibliografische Daten sowie Informationen hinsichtlich der Lagerbestände und Buchpreise der Verlage und Großhändler auf und stellen diese dem Handel zur Verfügung.

Da die vollständige Relevanz dieser Akteure erst im Verlauf der in London geführten Gespräche deutlich wurde, war es nicht mehr möglich, ein direktes Interview zu führen. Daher beziehen sich die nachfolgenden Aussagen über Informationsintermediäre ausschließlich auf Literatur- und Internetquellen.

1.2.5 Standardisierungsorganisation

Ein weiterer für die Beobachtungen relevanter Akteur ist die Book Industry Communication (BIC). BIC ist eine nationale Organisation, die das Ziel hat, den Standardisierungsprozess in der englischen Buchindustrie aktiv voranzutreiben. Die BIC richtet den Fokus ihrer Arbeit auf die Prozesse innerhalb der Supply Chain. Dies bedeutet, dass sie bestrebt ist, die Aktivitäten für alle Beteiligten zu optimieren, um eine effiziente und reibungslose Kommunikation innerhalb der Beschaffungskette zu gewährleisten. Somit nimmt die BIC die allgemeinen Brancheninteressen wahr und ist nicht an einen oder mehrere Marktsektoren und dessen/deren Interessen gebunden. Ihr gehören Mitglieder aller oben aufgeführten Marktteilnehmer an, welche zum Großteil durch die entsprechenden Verbände vertreten sind.

Branchenstruktur

1.3 Überblick

Die englische Buchindustrie hat im Jahr 2004 einen Gesamtumsatz von 2,44 Mrd. £ (ohne Exporte) erwirtschaftet (Quelle: Website der Booksellers Association). Das entspricht etwa 3,66 Mrd. €.

Jährlich erscheinen etwa 150.000 neue Titel von ca. 42.000 Herausgebern (Tendenz stark steigend, vgl. dazu Anhang A, Abbildung 2.1). Die Distribution von Büchern kann in England über drei Stufen erfolgen: vom Verlag über den Großhändler an den Einzelhändler und dann schließlich an den Endkunden. Dieser Distributionsweg wird oftmals aber auch nur in zwei Stufen beschritten, indem der Großhändler einfach übersprungen wird und der Einzelhändler seine Waren direkt vom Verlag bezieht.

1.4 Verlage

Unter die o.g. Definition von Verlag fallen etwa 3.000 Unternehmen, die sich weiter anhand ihres Zielmarktes unterteilen lassen. Als wichtigste Märkte sind dabei zu nennen: Schulbücher, Hochschulbücher, Fachliteratur und Belletristik. Überschneidungen bei Bedienung der angesprochenen Zielmärkte sind dabei jedoch nicht unüblich. Große Verlage haben oftmals ihre eigene Distributionsabteilung bzw. ein ihnen angeschlossenes Distributionsunternehmen. Über diese verteilen sie direkt ihre Waren an den Einzelhandel ohne den Großhändler einzubeziehen. Dabei ist es in der Buchbranche üblich, dass die großen Verlagshäuser für kleine Verlage ohne eigene Distribution diese Aufgabe mit übernehmen.

1.5 Großhändler

Von den existierenden Großhändlern dominieren drei Unternehmen, - Gardners Books, Bertram Books und THE -, den Markt.

Dieser wird unter ihnen wie folgt aufgeteilt: Gardners Books hat sich primär auf die Belieferung von Buchhandelsketten spezialisiert, wohingegen Konkurrent Bertram Books sich mehr auf die Versorgung der unabhängigen Buchhändler konzentriert. THE bietet neben Büchern auch noch Multimediaprodukte wie DVDs und Computersoftware an.

Nach der Aussage des Interviewpartners von Bertram Books sehen diese drei Unternehmen sich, aufgrund der sehr klaren Marktaufteilung, nicht als direkte Konkurrenten.

1.6 Einzelhandel

Ebenso fragmentiert wie die schon dargestellte Verlagsseite ist die Sparte des Einzelhandels. Einerseits gibt es mehrere große und auch marktdominierende Ketten wie z.B. Waterstone’s und Ottakar’s (vgl. Anhang B, Tabelle 2.1), andererseits gibt es eine enorme Vielzahl an kleinen Buchhändlern, die sich mit ihrem Angebot in einem Nischensegment niedergelassen haben (vgl. dazu Interview Nr. 11, Murder One).

Dazwischen existieren einige unabhängige Ketten wie z.B. Foyles oder Daunt Books. Allerdings betreiben diese teilweise enorm große Filialen.

1.7 Marktanteile

Sowohl bei Verlagen als auch bei Buchhändlern ist erkennbar, dass der Grad der Spezialisierung und die physische Größe des Unternehmens negativ korrelieren. Insgesamt teilen sich sowohl auf Verlags- als auch auf Einzelhandelsseite zehn bis 12 Teilnehmer ca. 60 – 70% des Gesamtmarktes (vgl. Anhang B, Tabellen 2.1 und 2.2).

Betrachtet man die Umsätze, so ist Gardners Books bei den drei Großhändlern der Spitzenreiter mit knapp 53 % Marktanteil, Bertram Books folgt auf dem zweiten Platz mit 29 % und THE kann 18 % auf sich vereinigen. (vgl. Interview Nr. 11, Bertram Books)

1.8 Weitere Institutionen

Zusätzlich zur hohen Dichte in den Beteiligungsfeldern der Akteure weisen auch die zur Kommunikation verwendeten Softwarelösungen und Nachrichtenformate im täglichen Handelsgeschehen eine große Vielfalt auf. Diese Tatsache ruft eine weitere Institution in die Verhandlungsarena der Marktteilnehmer, die schon erwähnte BIC (vgl. auch schon 1.2.5), auf die im weiteren Verlauf der Beschreibungen im Zusammenhang mit der Standardisierung von elektronischen Nachrichten näher eingegangen wird. Weiterhin muss auch die mit dem Erscheinen von neuen Titeln ständig wachsende Informationsmenge akkurat aufbereitet werden und den Verkaufseinheiten auf Groß- und Einzelhandelsebene zur Verfügung stehen.

Dies bedeutet wiederum den Eintritt einer neuen Institution in den Kreis der Marktteilnehmer, Nielsen, welche im weiteren Verlauf der Ausführungen ebenfalls weiter vorgestellt wird (vgl. auch schon 1.2.4).

1.9 Historische Entwicklung

Aufgrund der hohen Anzahl von möglichen Handelspartnern an beiden Enden der Supply Chain war der Bestellvorgang in der Vergangenheit von einer intensiven Suche nach dem adäquaten Handelspartner charakterisiert. Es liegt daher nahe, dass der einzelne Buchhändler bzw. Verlag jeweils eine große Anzahl von Geschäftskontakten zu seinem jeweiligen Pendant unterhalten musste. Bestellungen zur Abdeckung des Sortiments erfolgten somit häufig und meist nur in kleinen Mengen.

Da die Anzahl der Verlage bzw. Einzelhändler im Verlauf der Zeit stetig zunahm und damit der Bestellvorgang immer komplexer wurde (hier besonders der Suchvorgang nach dem richtigen Partner), erleichterte sich der Markteintritt für potentielle Großhändler.

Ihr Mehrwert besteht darin, dass sie Angebot und Nachfrage physisch bündeln, sowie für Verlage den Distributionsprozess übernehmen. Damit bieten sie dem Buchhändler die Möglichkeit, Waren einfach und bequem zu bestellen und durch die fast lückenlose Verfügbarkeit der Produkte an ihrem Lager auch schnell zu erhalten (meist am folgenden Werktag).

Trotzdem existieren noch heute die direkten Verbindungen zwischen Einzelhandel und Verlag. Der Großhändler ist also kein Absatzmittler in letzter Konsequenz (vgl. Anhang A, Abbildung 2.2).

Im Zuge der immer weiter fortschreitenden Technisierung in allen Bereichen der Industrie und damit auch ständig wachsenden Anzahl von Publikationen (neben den jährlich neu erscheinenden Titeln finden zusätzlich jedes Jahr ca. fünf Millionen Änderungen in den Detailinformationen älterer Titel statt; Quelle: Website Nielsen), wurde aus Gründen der Vereinfachung eine akkurate Informationsbereitstellung über die verfügbaren Produkte nötig, so dass so genannte Informationsintermediäre in den Markt eintraten. Diese bündeln in umfangreichen Datenbanken bibliografische Informationen (beispielsweise Attribute wie Autor, Buchtitel, Verlag, ISBN, Edition) über die am Markt erhältlichen Titel sowie deren Preis und Verfügbarkeit bei den Anbietern.

In diesem Bereich dominiert Nielsen den Gesamtmarkt mit seinem Produkt BookData. Die Firma erhält die detaillierten Informationen zu den Titeln von den Verlagen und stellt diese den Buchhändlern auf verschiedenen Wegen zur Verfügung (siehe hierzu auch Kapitel 3.7).

Zusammenfassend können sowohl die Großhändler als auch die Informationsinter

mediäre mit ihrer spezifischen Bündelungsfunktion als eine Art Aggregator betrachtet werden. Dabei aggregieren die Großhändler Angebot und Nachfrage auf physischer Ebene und die Informationsintermediäre vollziehen diese Aufgabe mit den bibliografischen Informationen der Titel.

Neben den Firmen, die als Informationsintermediäre in der Supply Chain der Buchindustrie operieren, existieren noch andere Organisationen, die eine Art Vermittlerfunktion zwischen den Marktteilnehmern einnehmen.

Der Vorteil dieser Organisationen besteht darin, dass sie einen guten Überblick über die Supply Chain als Ganzes haben. Es existieren zwei bedeutende Organisationen im Umfeld der Buchindustrie: zum einen die BAtch, die ein Zahlungs-Abwicklungs-System betreibt. Dieses System bündelt alle Rechnungen der Lieferanten an einen Buchhändler, so dass dieser nur eine Rechnung zahlen muss. Darüber hinaus bündelt BAtch auch sämtliche Zahlungen von Buchhändlern an einen Lieferanten, so dass dieser nur einen Zahlungseingang zu bearbeiten hat (nähere Informationen zu BAtch, siehe Anhang C).

Weiterhin gibt es di e BIC, deren Aufgabe darin besteht, die Operationen innerhalb der Wertschöpfungskette positiv zu fördern. Im Weiteren wird diese Institution im Hinblick auf ihren Beitrag zur Standardisierung von elektronischen Nachrichten in der Buchindustrie näher betrachtet.

Unterstützt und mitbegründet wurde die BIC als eine Standardisierungsorganisation für den lokalen Buchhandel Großbritanniens im Jahre 1991 von der Publishers Association (PA), der Booksellers Association of Great Britain and Ireland (BA), dem Chartered Institute of Library and Information Professionals und der British Library. Dabei repräsentiert die BA über 3.900 Einzelhandelsgeschäfte mit Mitgliedern großer Buchhandelsketten als auch kleiner unabhängiger Buchhändler. In der PA sind dementsprechend die Verlage zu einem Großteil vertreten. Die BIC bietet ihren Mitgliedern ein umfangreiches Angebot an technischen Schulungen, Seminaren und Versammlungen, wovon die meisten Services kostenlos sind.

Vor der Gründung gab es keine lokale Institution, die sich um eine Standardisierung in der Buchbranche hinsichtlich der eingesetzten Technologien kümmerte (Anmerkung: Bemühungen zur Standardisierung erfolgten nicht nur ausschließlich im Buchhandel, sondern generell in der gesamten Industrie. Es fand eine Abkehr vom Ansatz des Best-of-Breed statt, hin zu zentralisierten Systemen mit einer Vielzahl an Funktionen in sich vereinigt.).

Zusätzlich verwaltet die BIC die internationale Standardisierungsorganisation EDItEUR, welcher eine immer größere Bedeutung zukommt, da in Zukunft immer mehr neue Standards direkt auf internationaler Ebene entworfen und verabschiedet werden. Ebenso hat das Wachstum des Internets und des WWW s zu einer schneller fortschreitenden Globalisierung und damit gesteigertem Bedarf nach Informations­standards geführt.

Ziel der BIC ist die Zusammenarbeit mit Verlagen und Einzelhändlern, um deren eingesetzten Technologien zu verbessern – elektronisch als auch bei der physischen Handhabung der Produkte.

Dabei können zwei Hauptaktivitätsfelder identifiziert werden: erstens die Instandhaltung und Förderung der Nutzung von Standardnachrichten für eCommerce Transaktionen zwischen den Handelspartnern und zweitens die kontinuierliche Arbeit an der Verbesserung der Qualität und Aktualität der Produktinformationen im Verlauf der Supply Chain.

Die Standardisierung der elektronischen Nachrichten und damit die adäquate Bereitstellung von Informationen innerhalb der Lieferkette bildet den Schwerpunkt der Bemühungen.

Beschreibung der elektronischen Systeme

Im weiteren Verlauf wird die geschichtliche Entwicklung der genutzten Informationssysteme kurz beschrieben. Dann erfolgt zunächst die Darstellung der in der Buchindustrie existierenden Standards und in den letzten Absätzen dieses Kapitels dann letztlich die Vorstellung der bei den Marktteilnehmern vorgefundenen IOIS.

1.10 Kommunikation in der Vergangenheit

Die Kommunikation zwischen Verlagen, Großhändlern und Einzelhandel erfolgte früher zum überwiegenden Teil per Telefon oder Telefax. Bestellungen wurden vom Einzelhändler per Fax direkt an den Verlag bzw. Großhändler geschickt. Eine Bestätigung erfolgte dann entweder per Telefon oder durch ein Antwortfax. Rechnungen wurden auf dem Postweg zugestellt. Wie sich im Verlauf der Interviews gezeigt hat, ist dieser Weg der Kommunikation zwischen den Handelspartnern zwar in der heutigen Zeit nicht mehr aktuell, wird aber dennoch erstaunlich intensiv genutzt.

1.11 Nachrichtenstandards

1.11.1 BIC Basic

In einem ersten Schritt hin zur Standardisierung der Nachrichten entwickelte die BIC einen abgestimmten Satz von Kerndatenelementen und begleitenden verfahrenstechnischen Prozeduren zur Festlegung von Produktdaten. Diese werden an Informationsintermediäre wie Nielsen’s BookData übermittelt. BIC Basic besteht aus vier Elementen, wobei der Standard für die Basisdatenelemente eines Produktdatensatzes das Wichtigste dieser Elemente darstellt. Erarbeitet wurde dieses Standard-Element in Zusammenarbeit mit Whitaker (nun mit Nielsen fusioniert) und Nielsen und stellt ein abgestimmtes Minimum von Produktinformationen dar, welches Verlage und bibliografische Agenturen korrekt und zeitnah den Einzelhändlern zur Verfügung stellen sollten (ein Ausschnitt der möglichen Datenelemente zeigt Anhang B, Tabelle 3.1).

Dabei umfasst BIC Basic insgesamt drei Gruppen von verwandten Datenelementen: erstens bibliografische Datenelemente (Stammdaten), welche die Basisbeschreibung eines Buches bilden, zweitens die Datenelemente der Transaktionsphase (Bewegungsdaten), welche die Bezugsquellen, Verfügbarkeiten und Preise beschreiben und häufigen Änderungen unterworfen sind und drittens Copyrigh­informationen. (Quelle: BIC)

1.11.2 ONIX

ONIX steht für ON line I nformation e X change. ONIX für Books Product Information Message ist der internationale Standard, welcher Produktinformationen der Buchindustrie in elektronischer Form repräsentiert und kommuniziert. Er wurde von der EDItEUR geschaffen und wird ständig weiterentwickelt.

Es handelt sich um ein auf Webtechnologie basierendes Standard-Datenformat für den Austausch von bibliografischen Informationen und Produktdaten über die gesamte Wertschöpfungskette im der Buchindustrie. ONIX verwendet XML, womit es möglich ist, sämtliche Zusatzinformationen wie Texte, Bilder, Video- und Audiodateien einzubinden. Der Standard definiert eine Liste der Datenfelder über ein Buch – dabei sind mehr als 200 Datenelemente spezifiziert, von denen jedes eine Standarddefinition hat. Einige dieser Felder sind Pflichtfelder (das sind die BIC Basic Kernelemente), andere optional auszufüllen.

1.11.3 TRADACOMS

TRADACOMS ist ein britischer Handelsstandard, der aber branchenübergreifend im gesamten britischen Einzelhandel genutzt wird. Er wurde von der Article Number Association (heutiges e-Centre) entwickelt. TRADACOMS Standards umfassen fünf Hauptebenen eines EDI Datenaustausches: Übertragung, Datei, Nachricht, Segment und Datenelement. Eine EDI -Übertragung kann einige Dateien umfassen, für gewöhnlich wird aber nur eine Datei pro Vorgang übertragen. Jede Datei kann eine unbegrenzte Zahl an Nachrichten enthalten, die sich allerdings alle nach dem Transaktionstyp, der im Dateikopf angegeben ist, richten müssen. Eine Nachricht besteht aus Segmenten und ein Segment umfasst eine Anzahl von Datenelementen. TRADACOMS zielt auf eine klare eins-zu-eins Beziehung zwischen Bestellung, Empfangsbestätigung und Rechnung, wobei die ursprüngliche komplette Bestellnachricht als fundamentale Einheit behandelt wird.

Neben den drei vorgestellten Nachrichtenstandards werden noch der internationale Standard EDIFACT und ANSI X12 als US-Standard verwendet. Da diese nicht speziell in der englischen Buchindustrie eingesetzt werden, wird hier von einer weiteren Beschreibung abgesehen.

1.12 „Backbone“-System

Ein wichtiges System, welches eher im „Hintergrund“ des Bestellvorgangs arbeitet ist TeleOrdering, eins der so genannten Trade Ordering Systems. Zwar existieren noch mehr solche Systeme, jedoch soll an dieser Stelle nur das Produkt des bereits vorgestellten Anbieters Nielsen näher beschrieben werden, da es das am häufigsten genutzte System ist.

TeleOrdering stellt sowohl dem Einzel- als auch dem Großhandel einen Service zur Verfügung, welcher die Bestellungen automatisch „routet“. Dies bedeutet, dass es die Order automatisch an den passenden Verlag weiterleitet, der den in der Bestellung enthaltenen Titel publiziert. Dazu wird eine Container-Datei erzeugt, die meist mehrere Bestellungen enthält und mindestens einmal am Tag versandt wird. Dabei sind als Parameter lediglich die ISBN, sowie die gewünschten Quantitäten der Artikel erforderlich. Die Bestellungen werden mit Hilfe einer täglich aktualisierten Datenbank auf ISBN -Level weiterverarbeitet, worüber dann das Routing erfolgt. Der Absender erhält eine elektronische Bestätigung, dass die Bestellung verarbeitet wurde, zusammen mit Angaben zum Autor, Titel und aktuellem Preis. Bei diesem Vorgang hat der Besteller jedoch nicht die Möglichkeit, aktiv auf die Wahl der Bezugsquelle einzuwirken. Bestellt wird einfach dort, wo die Ware in ausreichender Stückzahl vorhanden ist.

Aktuell wird dieses System an seiner Web-Schnittstelle massiv weiterentwickelt. Dazu wurde die bestehende Technologie des ehemaligen Konkurrenten Whitaker, welcher nun mit Nielsen fusioniert hat, genutzt und weiterentwickelt. Nielsen BookNet’s Web Services umfasst drei Schlüsselkomponenten. Dazu zählt ein Benutzerinterface, auf welches von jedem Standard-Webbrowser zugegriffen werden kann, um die Bedienung auch für nicht IT-Fachleute möglichst einfach zu gestalten. Für versierte Nutzer besteht die Möglichkeit, über ein Application Programme Interface (API) direkt Daten aus den Web Services in sein eigenes System zu importieren. Weiterhin wird der Zugriff auf eine umfassende zentrale Datenbank möglich, welche ausschließlich Bestellstatusberichte von führenden Großverlagen enthält und die Verfolgung von allen über TeleOrdering getätigten Bestellungen erlaubt. Die letzte Komponente ist eine Abfragefunktion in Echtzeit, welche es dem Benutzer ermöglicht, die Verfügbarkeit und Nettopreise inklusive Preisnachlässe online zu prüfen. (Quelle: Website Nielsen)

Obwohl dieses System als Backbone des englischen Buchhandels gilt (hier v.a. das traditionelle, nicht-webbasierte System), ist anzumerken, dass die Nutzung dieses Trade Ordering Systems nicht zwingend notwendig ist, da die im Folgenden beschriebenen Systeme, v.a. die der Großhändler, die Routing-Funktion überflüssig machen. Dadurch, dass der Einzelhändler über den Großhandel bestellt, entfällt für ihn insbesondere die Suche nach dem Verlag, der das gewünschte Buch bereit hält.

1.13 Systeme der Verlage

Kleine Verlage (die keine eigene Distributionsabteilung besitzen) nutzen gar kein IOIS, sie geben lediglich ihre „Daten“, wie Titel, Autor, Kurzbeschreibung, empfohlener Verkaufspreis und Seitenzahl der Neuerscheinungen an einen größeren Verlag per eMail weiter. Dieser wiederum gibt seine „Daten“ und die der kleinen Verlage an BookData weiter. Der wohl wichtigste Anbieter für Software in diesem Bereich ist Softshare (US - Amerikanisches Unternehmen), der die zum Standard gewordene Software Vista (Quelle: Harper Collins) anbietet.

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Details

Seiten
62
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638563956
DOI
10.3239/9783638563956
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Operations Research
Erscheinungsdatum
2006 (November)
Note
1,0
Schlagworte
Einfluss Branchenstrukturen Rahmenbedingungen IOIS Buchindustrie Einfluss Branchenstrukturen Rahmenbedingungen IOIS Buchindustrie

Autor

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Titel: Einfluss von Branchenstrukturen und nationalen Rahmenbedingungen auf IOIS in der englischen Buchindustrie