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Integration durch Sprache in der Schule

Hausarbeit 2006 16 Seiten

Pädagogik - Interkulturelle Pädagogik

Leseprobe

1 Inhaltsverzeichnis

2 Einleitung

3 Problemfeld Sprachbarrieren

4 Integration und Zweitsprache Deutsch
4.1 Zweitspracherwerb und Probleme des Kindes
4.2 Aufgaben und Möglichkeiten der Schule
4.2.1 Verbindung aus Interkulturellem Lernen und Bilinguismus
4.2.2 Sprachmotivation durch Zwang? Deutschpflicht auf dem Schulgelände

5 Fazit und Ausblick

6 Literatur

2 Einleitung

Die Frage nach der richtigen Integration von Ausländern in die Gesellschaft ist derzeit ein hochaktuelles (z.B. Rütli-Schule im Berliner Bezirk Neukölln), brisantes und vielschichtiges Problem und nimmt im öffentlichen, politischen, gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Diskurs eine bedeutende Stellung ein. Zuletzt hat dies die Diskussion um die so genannten Einbürgerungstests gezeigt. Auch und besonders „nicht-deutsche“ Kinder und Jugendliche in den Schulen zählen heute oft zu den „Problemgruppen“. Nicht selten basiert dies auf falschen oder fehlgeschlagenen Integrationsmaßnahmen. Neben der immer stärker werdenden Forderung nach Kultur- und Staatskenntnis als Voraussetzung für einen deutschen Pass, wird der Beherrschung der deutschen Sprache eine zentrale Bedeutung beigemessen. Darzulegen, dass Sprachkenntnis indes nicht nur Einbürgerungsbasis, sondern auch Grundvoraussetzung für eine gelungene Integration sein sollte, ist das Hauptanliegen der vorliegenden Arbeit. In dieser soll es um die Integration durch Sprache in der Schule gehen. Im Mittelpunkt stehen dabei Kinder und Jugendliche ohne Deutsch als Muttersprache, also in gewisser Weise „Sprach-Fremde“. Für den Gegenstand der Arbeit ist es daher nicht notwendig, zwischen Ausländern, Migranten, Asylanten oder Aussiedlern zu differenzieren, da weniger Herkunft oder rechtlicher Status im Vordergrund stehen, sondern vielmehr deren ihnen gemeinsamen Probleme mit der deutschen Sprache und der damit verbundenen Frage, wie dieses Problem im Sinne der Integration gelöst werden kann. Wie wichtig eine wirksame Integration durch Sprache ist, belegen als Beispiel die folgenden alarmierenden Zahlen aus Berlin: Fast 60 Prozent der ausländischen Kinder müssen in Deutsch gefördert werden. 25 Prozent können nicht genug Deutsch, wenn sie eingeschult werden.[1]

Im ersten Teil der Arbeit werden einleitend mangelnde Sprachkenntnisse und die damit verbundenen Barrieren als Problemfeld in der Schule dargestellt. Anschließend soll im Hauptteil der Arbeit die Integrations-Schlüsselfunktion der Sprache herausgestellt werden, die andere Integrationsebenen erst ermöglicht. Dort geht es um vielschichtige Probleme und Ansätze des Zweitsprachenerwerbs. Abschließend steht die Frage im Mittelpunkt, welche Möglichkeiten „die Schule“ zur (Sprach)-Integration hat auf didaktisch-pädagogischer (Stichwort: Interkulturelles Lernen und bilinguale Erziehung), aber auch auf schulpolitischer Ebene: Hier soll der aktuelle Fall, Deutschpflicht auf dem Schulgelände einer Berliner Schule, erwähnt und betrachtet werden.

3 Problemfeld Sprachbarrieren

Die Beherrschung der deutschen Sprache zeigt sich als Grundvoraussetzung für eine gelingende Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, scheint aber in der Praxis gleichzeitig eines der Hauptprobleme für diese zu sein.[2] Sprachbarrieren führen schnell zu Barrieren auf anderen Ebenen, auch und vor allem – wie für das Thema dieser Arbeit entscheidend – im schulischen Bereich. Die (deutschen) Mitschüler werden nicht verstanden, die Lehrer ebenso wenig. Dies schlägt irgendwann um auf die Leistung, führt zur Abschottung. Man versteht nicht und fühlt sich nicht verstanden – einen Abwärtsspirale, die mit fortgeschrittenem (Schul-)Alter kaum noch gestoppt werden kann und in die Nach-Schulzeit übergeht: „Fakt ist, dass Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Muttersprachen […] noch immer weit überproportional die deutschen Schulabschlüsse verfehlen und bei der Suche nach Ausbildungsplätzen benachteiligt sind.“[3] Je größer die Sprachbarrieren sind und bleiben, desto schwieriger wird die Teilnahme am schulischen Leben innerhalb des Klassenraumes (also am fachlichen Unterricht) und auch außerhalb (in der Kommunikation mit den Mitschülern). Dies wird an einer Definition darüber, was Sprache an sich eigentlich auszeichnet, deutlich:

Sprache ist ein „auf kognitiven Prozessen basierendes, gesellschaftlich bedingtes, historischer Entwicklung unterworfenes Mittel zum Ausdruck bzw. Austausch von Gedanken, Vorstellungen, Erkenntnissen und Informationen […]“[4]. All diese Grundfunktionen der Sprache sind beim Nicht-Muttersprachler um so eingeschränkter, je weniger die Kompetenz in der „Zweitsprache“ ausgeprägt ist. Als Schlussfolgerung bedeutet dies auch, dass Kinder mit Migrationshintergrund „ausreichende Deutschkenntnisse benötigen, [wenn ihnen] die Möglichkeit einer gleichwertigen Schulkarriere offen stehen soll […]“[5].

Eine wichtige Frage besteht hingegen darin, warum mangelnde Sprachkenntnisse und die damit verbundenen Barrieren in der Schule bei Schülern mit Migrationshintergrund derart ausgeprägt sind, wenn „Kinder, die in Deutschland in Familien aufwachsen, in denen einen andere Sprache als Deutsch Familiensprache ist, [doch eigentlich] eine gute Chance haben, zweisprachig zu werden […]“[6] Gewiss mag dies auf die rein sprachpsychologische Ebene zutreffen, doch die Realität, sprich die Lebenswirklichkeit der Kinder, sieht oft anders aus. Viele nicht-deutsche Familien leben in eigenen Wohnvierteln unter sich, kommen wenig oder gar nicht in Kontakt mit der deutschen Sprache. Da muss es den betroffenen Schülern schwer fallen, den Hebel für den Schulvormittag auf „Deutsch“ umzulegen. Krumm kritisiert deshalb auch die Politik, die […] „seit Jahren eher die Separierung der ausländischen von der deutschsprachigen Wohnbevölkerung […]“ betreibe und sieht gerade in der „Kontaktqualität“ mit Deutschsprachigen eine „positive Auswirkung“ für die eigene Sprachentwicklung[7], die aber somit fehlt. Diese Forderung nach Kontakten zur deutschen Sprache sprächen – führt man Krumms These weiter – in der Schule für möglichst heterogene Klassen, in denen alle von allen – auch sprachlich – lernen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass mangelnde Sprachkenntnisse Barrieren in der Schule begünstigen, die dann wiederum das Erlernen der Zweitsprache immer schwieriger machen. Deshalb kommt dem schnellen Spracherwerb eine herausragende Funktion zu.

4 Integration und Zweitsprache Deutsch

4.1 Zweitspracherwerb und Probleme des Kindes

„[…] Der Wechsel der Sprache ist eines der wichtigsten Probleme, mit denen der Immigrant konfrontiert ist […]“.[9] Nach Deutschland kommen heißt für das Kind auch, sich mit zwei scheinbar konkurrierenden Sprachen auseinanderzusetzen. Der eigenen Muttersprache tritt plötzlich die deutsche Sprache gegenüber, deren Erlernen oft als auferlegte Pflicht gesehen wird, weil die Bedeutung und Reichweite des Zweitspracherwerbes nicht sofort überblickt wird.[8]

[...]


[1] Vgl. DER SPIEGEL 12/2006, 24.

[2] vgl. auch Dietz 1999 am Beispiel jugendlicher Aussiedler in Deutschland.

[3] Barkowski 2003, 149.

[4] Bußmann 1990, 699.

[5] Luchtenberg 2003, 239.

[6] Luchtenberg 2003, 241.

[7] Krumm 2003, 26.

[8] Bewusst soll in dieser Arbeit von “Deutsch als Zweitsprache“ (DaZ) gesprochen werden in Abgrenzung zu „Deutsch als Fremdsprache“ (DaF). Zur Unterscheidung siehe auch die Arbeiten von Schweckendiek 2003 und Barkowski 2003.

[9] Grinberg; Grinberg 1990, 113.

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638566391
ISBN (Buch)
9783638753388
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63635
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
1,0
Schlagworte
Integration Sprache Schule

Autor

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Titel: Integration durch Sprache in der Schule