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Verhaltensauffälligkeiten

Hausarbeit 2005 30 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Unterschiedliche Definitionen von Verhaltens- auffälligkeiten und Erscheinungsformen

2. Ursachen von Verhaltensstörungen
2.1 Die Familie als Bedingungsfaktor für Verhaltensstörungen

3. Interventionsmöglichkeiten

4. Präventionsmöglichkeiten

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Im Rahmen meiner Hausarbeit über Verhaltensauffälligkeiten bei (Schul-)Kindern und Jugendlichen bin ich zunächst über die vielfältigen Bezeichnungen von Verhaltensauffälligkeiten gestoßen. Sie reichen von psychischer Störung, Schwererziehbarkeit, Verhaltensstörung bis zu Verhaltensauffälligkeit. Dies warf die Frage auf, ob diese Bezeichnungen alle das selbe meinen und war Anlass, wieso ich mich im ersten Teil mit den unterschiedlichen Definitionen von Verhaltensauffälligkeiten und deren Erscheinungsformen beschäftigen werde. Innerhalb dieses ersten Punktes werde ich verschiedene Definitionen über Verhaltensstörungen mittels einiger Erarbeitungen zu diesem Thema von verschiedenen Autoren darstellen. Diese Vorgehensweise soll es ermöglichen den gesamten Umfang des Themas „Verhaltenssauffälligkeit“ zu begreifen und einen ersten Eindruck zu vermitteln, was mit diesem Terminus gemeint ist. Meine Ausführungen zum ersten Teil wird ein kurzer theoretischer Einblick in die Erscheinungsformen von Verhaltensstörungen abrunden.

Im zweiten Teil meiner Hausarbeit möchte ich eine Einführung in mögliche Ursachen und Bedingungen für Verhaltensauffälligkeiten geben um auch hier deutlich zu machen, wie vielseitig Bedingungsfaktoren für Störungen des Verhaltens sein können. Dabei werde ich mich spezialisieren und zwar auf die Familie als Umwelteinfluss und Risikofaktor in der Umwelt des Kindes. Ich möchte diskutieren, inwieweit Familie Ursache für gestörtes Verhaltens sein kann. Vor weg werde ich kurz die Funktion der Familie darstellen und ihre Angriffspunkte und Gefahren erläutern. Ausgehend davon werde ich unterschiedliche Unterkategorien erarbeiten, wie: den Einfluss von zerbrochenen Familien auf das Kind; Auswirkungen durch Dominanzmuster eines Elternteils; Wohngegend der Familie und den Einfluss der Schule auf das Kind u. v. m.. Dabei wird klar werden, welche speziellen Einflüsse der Familie negativ auf ein Kind einwirken können und welche Aspekte keine evidenten Auswirkungen haben. Daneben werde ich immer wieder mögliche Erscheinungsformen benennen, die aus dem jeweiligen Problem resultieren und so zu auffallendem Verhalten werden können.

Der dritte Aspekt meiner Erläuterungen betrifft Interventionsmöglichkeiten. Dazu werde ich kurz auf tiefenpsychologische, kognitive, humanistisch- psychologische Ansätze eingehen. Ausführlicher beschäftige ich mich im Anschluss mit der Verhaltenstherapie. Ich werde dabei zunächst die theoretischen Grundlagen erläutern und an Beispielen erklären, wie eine verhaltenstherapeutische Intervention in speziellen Fällen aussehen könnte. Abschließend möchte ich kurz die Bedeutung der Schule als Interventionsmöglichkeit diskutieren.

Danach komme ich zum vierten Aspekt, den Präventionsmöglichkeiten. Dabei werde ich eine theoretische Grundlage schaffen, (welche Formen von Prävention gibt es?) um darauf aufbauend zu erläutern, ob diese realistisch sind und wie sie konkret aussehen könnten.

Meine Hausarbeit wird mit einem Resümee in Form einer Zusammenfassung meiner erarbeiteten Feststellungen enden.

1. Unterschiedliche Definitionen von Verhaltensauffälligkeiten und Erscheinungsformen

In der von mir ausgewählten Literatur lässt sich eine Vielzahl von unterschiedlichen und ähnlichen Definitionen über Verhaltensauffälligkeiten bzw. Verhaltensstörungen feststellen. Dem liegt wohl zugrunde, dass der Begriff „verhaltensgestört“ verschiedenste theoretische Annahmen impliziert. Je nach dem ob er von psychoanalytisch, verhaltenstheoretisch, organologisch oder sozialpädagogisch orientierten Fachvertretern gebraucht wird variieren die Definitionen von Verhaltensstörungen. Jede Begriffsverwendung spiegelt damit eine bestimmte Sicht wieder und vermag das Ganze nie zu umfassen. Aus diesen Gründen verzichten bzw. umgehen einige Autoren häufig eine eindeutige Definition.

Thomas B. Ludwig stellt dar, dass sich der Begriff Verhaltensstörung als Sammelbegriff für die unterschiedlichsten Formen psychischer Störungen und Auffälligkeiten eingebürgert hat und dieser Meinung nach im deutschen Sprachraum vor allem verwandt wird um psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen zu bezeichnen.[1] Ludwig zitiert Wiesenhütter, welcher meint: „Mit Verhaltensstörungen sind Abwegigkeiten der Handlungen und Haltungen von der einfachsten `Ungezogenheit`, dem Ungehorsam, dem Jähzorn, den Tics, den Ess- und Schlafstörungen bis zu den schwersten Formen der Verwahrlosung und Kriminalität gemeint“[2].

Die Arbeitsgruppe Kinder- und Jugendpsychiatrie der Enquéte ist der Meinung, dass der Begriff Verhaltensstörungen zu einer diskriminierenden und stigmatisierenden Bezeichnung geworden ist und kennzeichnet aus diesem Grund Verhaltensauffälligkeiten als Verhaltensweisen eines Kindes, welche den Erwartungen der Erziehungs- oder Bezugsperson(en) zuwiderlaufen und die Kinder nur deshalb auffallen.[3]

So wurde der Begriff Verhaltensstörung, der einmal den Begriff Schwererziehbarkeit abgelöst hatte, durch die neutralere Bezeichnung Verhaltensauffälligkeiten ersetzt. Peter Schmid diskutiert gerade diese verschiedenen Begriffe und stellt fest, dass sich die Bezeichnung Störung wie auch die Benennung Auffälligkeit an dem Begriff Normalität orientiert.[4] Das Anliegen kann es nicht sein, dass Augenmerk auf alle Menschen zu richten, die in irgendeiner Weise vom Mittelwert abweichen, denn das Durchschnittliche kann nicht das pädagogische Ziel sein, so Schmid.[5] Ein Mensch kann ja auch positiv durch seine Leistungen abweichen oder auffallen.

In erster Linie werden also Verhaltensauffälligkeiten als Abweichung von den Normen der sozialen Umwelt verstanden, also von Eltern, Lehrern, Experten u. a. . Diese Meinung vertritt auch Ross: „A psychological disorder is said to be present when a child emits behaviour that deviates from a discretionary and a relative social norm in that it occurs with a frequency or intensity that authoritative adults in the childs` environment judge, under the circumstances, to be either too high or too low”[6].

Weiter führt Ludwig die Meinung von Kohlscheen et al. an, welche als Kriterium für Auffälligkeit das Vorhandensein behandlungsbedürftiger Störungen anführen.[7]

Auch P. Schmid scheint es nahe liegend, von einem gestörten Verhalten zu sprechen, wenn dieses gegenüber üblichen Normen und Häufigkeiten als verändert, auffällig oder abweichend erscheint.[8] Dabei beruft er sich auf Denk: „Mit der Feststellung, dass es sich um ein verhaltensgestörtes Kind handelt, ist zunächst nichts anderes ausgesagt als die Tatsache, dass das Verhalten des Kindes gegenüber der mitmenschlichen und dinglichen Umwelt, oft aber auch sich selbst gegenüber, wesentlich von der Real- erst recht aber von der Idealnorm abweicht, und zwar nach der negativen Seite hin“[9] und er setzt bei der Verwendung des Begriffes verhaltensgestört voraus, „dass es sich nicht um ein von der üblichen Norm abweichendes Verhalten in einer einzelnen Situation handelt, sondern das dieses Verhalten immer wieder auftritt“[10]. Schumacher erweitert diese Meinung, dass Verhalten dann als gestört gilt, wenn es habituelle Form annimmt. Er hält außerdem das Ausmaß der Abweichung für ausschlaggebend: „Verhaltensgestört, sollte man einen Schüler bzw. Jugendlichen nennen, dessen Gesamtverhalten (…) von dem des durchschnittlichen Schülers bzw. Jugendlichen in habitueller Form abweicht“[11].

Auch Kobi bezeichnet Verhaltensstörung als prägnantes, verhärtetes und persistierendes Fehlverhalten, so Schmid.[12]

Weiterhin stellt Schmid Loofs Definition dar, der seinen Schwerpunkt beim betroffenen Individuum setzt: „Von Verhaltensstörung ist dann zu sprechen, wenn der geordnete, persönliche Verhaltensablauf im Zusammenspiel mit dem Verhalten der Mitmenschen dauernd misslingt oder erheblich beeinträchtigt ist“[13].

Letztlich zitiert Schmid die Definition von Kirk: „Als Verhaltensstörung wird dasjenige Verhalten eines Kindes bezeichnet, das einen ungünstigen Einfluss auf die Entwicklung und Anpassungsfähigkeit des Kindes selbst hat, und es mit anderen Personen in Konflikt bringt“[14]. Er problematisiert und diskutiert diese, wie auch alle anderen von ihm angeführten Definitionen. Schlussendlich kommt Schmid selbst zu einer eigenen Gegenstandsbeschreibung: „Unter einer Verhaltensstörungen verstehen wir ein andauerndes, mehr oder weniger verhärtetes Verhalten, das Ausdruck oder Anlass für eine seelisch- geistige Fehlentwicklung ist“[15].

Hans- Peter Nolting und Peter Paulus erarbeiten, dass der Begriff Verhaltensauffälligkeit bzw. Verhaltensstörung „in der Psychologie häufig als Oberbegriff für problematisches Verhalten und Erleben von Kindern und Jugendlichen verwendet“[16] wird. Auch diese beiden Autoren verweisen auf die Abhängigkeit der Definition von „Normalität“, wenn man klären will, wann Verhalten oder Erleben „auffällig“ ist.[17] Für manche Personen sind Leistungsmängel, aggressive und störende Verhaltensweisen auffällig, für andere ist ängstliches und zurückgezogenes Verhalten problematisch- das hängt u. a. von den jeweiligen Verhaltensnormen ab.[18] „Bei der Frage nach der Normalität ist des weiteren die Perspektive des Urteilers wichtig“[19], d.h.: ist die einschätzende Person ein Familienmitglied, ein Lehrer, ein Psychologe oder ein Psychiater? Nolting und Paulus stellen fest, dass sich Verhaltensauffälligkeiten inhaltlich nach verschiedenen Kriterien einordnen lassen, auch wenn es noch kein einheitliches Klassifikationssystem gibt.[20] Ein Beispiel für ein Kriterienraster geben die beiden Autoren dennoch:

Man kann

1. Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen unterscheiden,
2. Lern- und Leistungsprobleme,
3. geistige Behinderungen,
4. emotionale Störungen,
5. soziale Störungen,
6. sexuelle Probleme,
7. psychosomatische Beschwerden,
8. schizophrene Störungen und außerdem
9. Substanzmissbrauch- und abhängigkeit.[21]

Gustav Keller beginnt seine Ausführungen zum Thema Verhaltensstörung mit einem Zitat von Helmut Heid: „Zur Verhaltensauffälligkeit gehören immer zwei, und zwar derjenige, der sich verhält, und derjenige, dem das Verhalten auffällt“[22]. Er nennt folgend typische Erscheinungsformen wie Hyperkinese, verbale Aggressionen, Sachbeschädigungen und Stehlen.[23] Diese Erscheinungsformen äußern sich natürlich gerade in der Schule deutlich und problematisch.[24] Weiter stellt Keller dar, dass Verhaltensstörungen entweder isoliert oder in Kombination mit anderen Auffälligkeiten auftreten.[25] Man unterscheidet dabei leichtgradige, mittelgradige und schwergradige Formen je nach Störungsintensität.[26]

[...]


[1] Ludwig, Thomas B.: Verhaltensstörungen bei Vorschulkindern; Formen und Ursachen: soziale Schicht, Erziehungsstil und Persönlichkeit der Eltern. Fachbuchhandlung für Psychologie, Verl.- Abt., Frankfurt am Main 1985, S. 6 ff.

[2] Wiesenhütter, zitiert nach Ludwig, Thomas B., a. a. O., ebd., S. 6

[3] vgl. ebd., S. 7

[4] Schmid, Peter: Verhaltensstörungen aus anthropologischer Sicht. Elemente einer Psychologie und Pädagogik für Verhaltensgestörte; Verlag Paul Haupt Bern Stuttgart 1985, S. 17 ff

[5] vgl. ebd., S. 19

[6] Ross, zitiert nach Ludwig, Thomas B., a. a. O., ebd., S. 8

[7] Kohlscheen at al., zitiert nach Ludwig, Thomas B., a. a. O., S. 8

[8] vgl. Schmid, Peter; a. a. O., S. 22

[9] Denk, zitiert nach Schmid, P.; a. a. O., S. 22

[10] Denk, zitiert nach Schmid, P.; a. a. O., S. 23

[11] Schumacher, zitiert nach Schmid, P.; a. a. O., S. 22

[12] vgl. Schmid, Peter; a. a. O., S. 23

[13] Loofs, zitiert nach Schmid, P.; a. a. O., S. 24

[14] Kirk, zitiert nach Schmid, P.; a. a. O., S. 26

[15] Schmid, Peter; a. a. O., S. 27

[16] Nolting, Hans Peter; Paulus, Peter; Pädagogische Psychologie. –„2., korrigierte Aufl.- Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer, 1996; S. 110 ff.

[17] vgl. ebd., S. 110

[18] vgl. ebd., S. 111

[19] ebd.

[20] vgl. ebd.

[21] vgl. ebd.

[22] Keller, Gustav; Pädagogische Psychologie griffbereit- ein schulpraktisches Handbuch; Verlag Ludwig Auer Donauwörth. 1994; S. 158 ff.

[23] vgl. ebd.; S. 158

[24] vgl. ebd.

[25] vgl. ebd.

[26] vgl. ebd.

Details

Seiten
30
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638567251
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63758
Institution / Hochschule
Universität Lüneburg
Note
1,7
Schlagworte
Verhaltensauffälligkeiten Sozialpädagogik

Autor

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Titel: Verhaltensauffälligkeiten