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Ein Vergleich der "Neuen Frau" mit dem "Girl" bei Gabriele Tergit und Irmgard Keun

Hausarbeit 2001 18 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Die „Neue Frau“ und das „Girl“ in der Weimarer Republik
2.1. Die „traditionelle Frau“
2.2. Gesellschaftliche Veränderungen nach dem 1. Weltkrieg und Ursachen für die Entwicklung der „Neuen Frau“ und des „Girls“
2.3. Die „Neue Frau“ und das „Girl“ und was sie kennzeichnete
2.4. Unterschiede innerhalb der Gruppe der „Neuen Frau“

3. Dr. Kohler und Gilgi als Vertreterinnen der „Neuen Frau“ bzw. des „Girls“
3.1. Dr. Kohler und Gilgi als berufstätige Frauen
3.2. Das „Girl“ als eine Unterform der „Neuen Frau“
3.3. Die äußeren Merkmale Kohlers und Gilgis
3.4. Die Moralvorstellungen von Dr. Kohler und Gilgi
3.5. Zum Vergnügen ins Café oder Kino

4. Fazit

Quellen

Literatur

1. Vorwort

Diese Arbeit hat einen Vergleich der „Neuen Frau“ mit dem Girl“ bei Gabriele Tergit und Irmgard Keun zum Thema. Dazu werden die Werke „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ von Tergit aus dem Jahre 1931 und „Gilgi – eine von uns“ von Keun aus demselben Jahr herangezogen.

Die beiden ausgewählten Personen, an denen die Merkmale der „Neuen Frau“ und des „Girl“ nachgewiesen werden sollen, sind Dr. Charlotte Kohler aus „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ und Gisela Kron aus „Gilgi – eine von uns“.

In beiden Werken gibt es noch weitere Frauen, die ebenfalls als eine Art der „Neuen Frau“ oder des „Girls“ dargestellt sind, hier aber außer acht gelassen werden sollen.

Nun stellt sich die Frage, inwiefern Dr. Kohler eine Vertreterin der Generation der „Neuen Frau“ ist und welche dazugehörigen Merkmale sie in sich vereint.

Unter dem gleichen Aspekt soll das „Girl“ Gilgi und ihre typischen Eigenschaften und Kennzeichen untersucht werden.

Nachdem eine Definition der Begriffe „Neue Frau“ und „Girl“ vorgenommen wurde, soll textanalytisch vorgegangen werden, um mit der Hilfe von Sekundärliteratur die „Neue Frau“ Kohler und das „Girl“ Gilgi zu untersuchen.

2. Die „Neue Frau“ und das „Girl“ in der Weimarer Republik

2.1. Die „traditionelle“ Frau

Um zu erläutern, wie die „Neue Frau“ und das „Girl“ in der Weimarer Republik definiert wurden, soll zunächst einmal umrissen werden, wie die Frau im Privaten sowie in der Öffentlichkeit in Deutschland vor dem ersten Weltkrieg gesehen wurde.

Im 19. Jahrhundert stand der Mann mit seiner Arbeit in der Gesellschaft im Mittelpunkt. Er gab seiner Familie den Namen, war ihr moralisches Oberhaupt und sicherte die Ernährung. Die Frau trat hinter den Mann zurück und war das behütete, reine, mütterliche, schwache und liebende Weib[1]. Es war üblich, daß die Frau bis zur Heirat von ihrer Familie und anschließend von ihrem Ehemann versorgt und ernährt wurde.[2] Deshalb galt es als verpönt, wenn eine Frau, vor allem, wenn sie aus dem Bürgertum stammte, mit Berufsarbeit eigenes Geld verdiente.[3]

Ebenfalls war es ein moralischer Skandal, wenn eine Frau vor oder außerhalb der Ehe ein sexuelles Verhältnis pflegte.[4]

2.2. Gesellschaftliche Veränderungen nach dem 1. Weltkrieg und Ursachen für die Entwicklung der „Neuen Frau“

Bereits vor dem 1. Weltkrieg mußten zahlreiche Frauen durch den Verkauf von Handarbeiten hinter den Kulissen einen Teil zur Versorgung der Familie beitragen.[5] Als die männliche Bevölkerung in den Krieg zog, sicherten viele Frauen durch die Beschaffung von Lebensmitteln und Kleidung den Unterhalt der Familie oder übernahmen sogar ganz offiziell Arbeitsplätze, die zuvor von Männern besetzt worden waren.[6]

Auch, wenn sie diese nach Kriegsende für die Heimkehrer wieder freimachen mußten[7], bot die Weimarer Republik den Frauen viele neue Möglichkeiten, die essentiell zur Entwicklung der „Neuen Frau“ beitrugen.[8]

So durften Frauen zum Beispiel ab dem Jahre 1918 wählen. Zusätzlich waren die Universitäten sowie andere Ausbildungsstätten ab sofort auch für den weiblichen Teil der Bevölkerung zugänglich.[9]

Eine weitere Ursache für die Entwicklung eines neuen Frauentypus waren die ökonomischen Veränderungen, die nach dem Krieg eintraten. Die Produktion per Hand wurde vielerorts durch Maschinen ersetzt. Nun „arbeitete der Mann nicht mehr für die Frau“, sondern die Maschine übernahm die Herstellung und bediente somit die Frau sowie den Mann.[10]

In dieser industriellen Welt wurde die Frau bald zu einem wichtigen Faktor, war sie doch für die Werbung und als Kunde viel bedeutsamer als der Mann.[11]

2.3. Die „Neue Frau“ und das „Girl“ und was sie kennzeichnete

Im Jahre 1920 bejubelte die russische Kommunistin Alexandra Kollontai einen neuen Frauentypus, der an die Öffentlichkeit getreten war.[12]

Dieser neue Typ wurde nach Kollontai von Frauen verkörpert, die selbständige Anforderungen an ihr Leben hatten, ihre Persönlichkeit behaupteten, gegen die allseitige Versklavung der Frau im Staat, der Familie und der Gesellschaft protestierten und um ihre Rechte als Vertreterinnen ihres Geschlechts kämpften.[13]

Dieser Frauentypus konnte allen sozialen Schichten und den unterschiedlichsten Berufsgruppen, von der einfachen Arbeiterin bis zur Wissenschaftlerin, angehören.[14]

Kollontais Traum war der einer neuen Frau, die ledig, berufstätig, emanzipiert, selbstbewußt, politisch aktiv und unbeugsam war und für ihr Geschlecht kämpfte. Auch wenn dies nur eine Vision blieb, so entwickelte sich in der Weimarer Republik zumindestens eine neue Generation von Frauen[15] - die hier schon mehrfach erwähnte, sogenannte „Neue Frau“.

Zunächst soll nun dargestellt werden, welche Lebenseinstellung diese „Neue Frau“ hatte, welche Äußerlichkeiten sie kennzeichnete und wie ihre beruflichen Aktivitäten aussahen – allerdings wird hier von einem Idealfall gesprochen.

Es waren vor allem junge, um 1900 herum geborene Frauen, die zu den „Neuen Frauen“ gezählt wurden.[16] Bedingt durch die Modernisierung des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens in der Weimarer Republik gab es in den 20er Jahren einen Traditionsbruch[17], der dazu führte, daß die Moral- und Lebensvorstellungen vieler junger Frauen sich sehr von denen der vorherigen Generationen unterschieden.[18]

Neu in der Weimarer Republik war vor allem, das nun viele Frauen berufstätig waren. Ein Großteil der Frauen arbeitete als Angestellte[19], die als angelernte Hilfskräfte[20] meist Stellen als Stenotypistinnen und Verkäuferinnen besetzten.[21]

Neben den Angestellten gab es aber auch studierte Frauen, die zum Beispiel Berufe im medizinischen, juristischen oder journalistischen Bereich ergriffen.[22]

Doch abgesehen von den unterschiedlichen Bildungsgrundlagen dieser Frauen war ihnen vieles gemeinsames, was sie als „Neue Frauen“ kennzeichnete.

Vor allem durch die verbesserten beruflichen Chancen entwickelte sich bei vielen von ihnen ein neues weibliches Selbstbewußtsein.[23] Die „Neuen Frauen“ hatten den Wunsch nach Selbstverwirklichung im Berufs- und Privatleben[24]. Sie wollten sich selbstbewußt im Berufsleben durchsetzen und beweisen, daß eine Frau die gleichen Leistungen wie ein Mann erbringen kann.[25]

Darüber hinaus besaßen die „Neuen Frauen“ ein verändertes Verhältnis zum eigenen Körper.[26] Eine neue Moralvorstellung erlaubte somit auch sexuelle Verhältnisse vor und außerhalb der Ehe.[27]

Doch nicht nur an der veränderten inneren Einstellung war die „Neue Frau“ zu erkennen. Auch äußerlich hatte sich die Frau gewandelt. Mit einer schlanken, sportlichen Figur[28] sah man die Frauen nun im kurzen Rock[29] und Kleidern und Kostümen, die die Beine bis zum Knie, Arme sowie Dekolleté zeigten. Die früher üblichen dicken, schwarzen Wollstrümpfe wurden durch Seidenstrümpfe ersetzt. Die Damenmode orientierte sich an der Herrenmode, um das androgyne Element der Frau in ihrem äußerlichen Erscheinungsbild zu verstärken.[30] Die Haare wurden zum kurzen Bubikopf getragen[31] und die Frauen trugen verstärkt Make-up.[32]

Neu war auch die Möglichkeit der autonomen Freizeitgestaltung, denn nach dem Krieg war es den Frauen erstmals möglich, sich ohne männliche Begleitung in der Öffentlichkeit zu bewegen, um Cafés, Tanztees oder Kinos zu besuchen. Ebenfalls wurde es weitgehend toleriert, daß Frauen öffentlich rauchten und Alkohol tranken.[33]

[...]


[1] Huelsenbeck: Bejahung, S. 18.

[2] Bock: Zeiten, S. 25.

[3] Dorner u. Völkner: Lebenswelten, S. 87.

[4] Das läßt sich aus der Tatsache schließen, daß sich Frauen in der Weimarer Republik erstmals größere sexuelle Freiheiten erlauben durften. Lohschelder: Knäbin, S. 65.

[5] Bock: Zeiten, S. 16.

[6] Ebd., S. 18.

[7] Ebd., S. 17.

[8] Ebd.

[9] Ebd.

[10] Huelsenbeck: Bejahung, S. 21 f.

[11] Ebd., S. 22.

[12] Bock: Zeiten, S. 14.

[13] Ebd., S. 15.

[14] Ebd.

[15] Bock: Zeiten, S. 15.

[16] Ebd., S. 18.

[17] Ebd., S. 19.

[18] Ebd., S. 18.

[19] Ebd., S. 19.

[20] Dorner u. Völkner: Lebenswelten, S. 88. Nach dem Volksschulabschluß hatten die Angestellten keine weiterführende Ausbildung erhalten, sondern lediglich in Lehrgängen die erforderlichen Kenntnisse in Maschineschreiben und Stenographie erlangt. Dorner u. Völkner: Lebenswelten, S. 88.

[21] Dorner u. Völkner: Lebenswelten, S. 89.

[22] Bock: Zeiten, S. 14.

[23] Wedepohl: Frau, S. 126.

[24] Bock: Zeiten, S. 25.

[25] Schellenberg: Cafétisch, S. 221.

[26] Bock: Zeiten, S. 25.

[27] Ebd., S. 25 f.

[28] Rosenstein: Erzählwerk, S. 15.

[29] Bock: Zeiten, S. 22.

[30] Lohschelder: Knäbin, S. 60.

[31] Ebd., S. 61 f.

[32] Ebd., S. 62.

[33] Ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638139755
ISBN (Buch)
9783638864329
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6394
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Deutsche und Niederländische Philologie
Note
2,3
Schlagworte
Vergleich Neuen Frau Girl Gabriele Tergit Irmgard Keun Grundkurs Romane Weimarer Republik

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