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Märchen. Ursprung, Unterschiede und Merkmale

Seminararbeit 2004 20 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Thema

1 Einleitung

2 Definitionsversuche

3 Ursprung & Geschichte
3.1 Die Entstehungsgeschichte
3.1.1 Forschungsmethoden zur Bestimmung des Ursprunges eines Märchens
3.2 Begriffs- & Namensgeschichte

4 Unterscheidung zwischen Volks- & Kunstmärchen
4.1 Das Volksmärchen
4.1.1 Das Buchmärchen (Besondere Form des Volksmärchens)
4.2 Das Kunstmärchen

5 Abgrenzung gegen benachbarte literarische Gattungen
5.1 Abgrenzung gegen die Sage
5.2 Abgrenzung gegen den Schwank
5.3 Abgrenzung gegen die Fabel

6 Charakteristische Merkmale des europäischen Volksmärchens
6.1 Der Verlauf der Handlung
6.2 Die Figuren und der Requisitenbestand
6.3 Die Darstellungsart (der Stil)
6.3.1 Charakteristische Zahlen & Formeln

7 Analyse eines konkreten Volksmärchens in Bezug auf seine charakteristischen Merkmale
7.1 „Die sieben Raben“
7.2 Die Analyse
7.2.1 Analyse des Handlungsverlaufs
7.2.2 Analyse der Figuren und des Requisitenbestandes
7.2.3 Analyse der Darstellungsart (des Stils)

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit der Analyse der literarischen Gattung des Märchens. Dabei steht zu Beginn der Versuch, anhand einiger Definitions-beispiele eine erste Annäherung an die epische Kurzform zu bewirken (siehe 2). Anschließend geht der Abschnitt Ursprung und Geschichte auf die Entstehungs- und Namensgeschichte des Märchens ein und bemüht sich auf diese Weise die Anfänge der literarischen Gattung zeitlich einzugrenzen (siehe 3).

Zur Präzision des Märchenbegriffs soll die darauf folgende Unterscheidung zwischen Volks- und Kunstmärchen beitragen (siehe 4).

Auch die anschließende Abgrenzung des Märchens gegen benachbarte literarische Gattungen wie Sage, Schwank und Fabel soll helfen, ein genaueres Bild des Märchens zu erhalten (siehe 5).

Des weiteren geht diese Hausarbeit auf die charakteristischen Merkmale des europäischen Volksmärchens (siehe 6) ein um diese anschließend anhand des Beispielmärchens >Die sieben Raben< noch einmal zu präzisieren (siehe 7).

Den Abschluss bildet das Fazit, in welchem versucht wird die wichtigsten Erkenntnisse der Hausarbeit noch einmal auf den Punkt zu bringen (siehe 8).

Auf der letzten Seite befindet sich das Literaturverzeichnis, in welchem, alle zu Grunde liegende Literatur aufgeführt wird (siehe 9).

Anmerkung: Ein Großteil dieser Hausarbeit bezieht sich auf die Forschungs-

ergebnisse Max Lüthi:

Der Schweizer Märchenforscher (am 20.Juni 1991 verstorben)

verfasste viele Bücher über die literarische Gattung >Märchen< u. a.:

- „Das europäische Volksmärchen“ 1947;
- „Volksmärchen und Volkssagen“ 1961;
- „Märchen“ 1962

(Die Jahresangaben beziehen sich jeweils auf die Erstausgabe)

2 Definitionsversuche

Die Bezeichnung „Märchen“ ist ein vieldeutiger Begriff, für den es keine allgemeingültige Definition gibt.

Allerdings wurden bis heute zahlreiche Versuche unternommen, das Märchen, mit all seinen charakteristischen Merkmalen, treffend zu definieren.

Im folgenden werden einige aussagekräftige Definitionsversuche angeführt:

- „Das Märchen ist eine Kunstform der Erzählung, die neben Gemeinschaftsmotiven auch in einer, die Entwicklung der Handlung bestimmenden Weise Wundermotive verwendet.“[1]
- „Unter einem Märchen verstehen wir seit Herder und den Brüdern Grimm eine mit dichterischer Phantasie entworfene Erzählung besonders aus der Zauberwelt, eine nicht an die Bedingungen des wirklichen Lebens geknüpfte wunderbare Geschichte, die hoch und niedrig mit Vergnügen anhören, auch wenn sie diese unglaublich finden.“[2]
- „Das Märchen ist eine Liebesgeschichte mit Hindernissen, die ihren Abschluss in der endgültigen Vereinigung des Paares findet. Der eigentliche Gehalt des Märchens liegt in seinen Jenseitsmotiven.“[3]

Anhand dieser Definitionsversuche, von welchen es noch viele weitere gibt, lässt sich erahnen, was unter der Bezeichnung „Märchen“ zu verstehen ist.

Gleichzeitig wird aber auch deutlich, dass dieser Begriff bzw. diese „Gattung“ so umfassend und vielseitig ist, dass es keine allgemeingültige, für jedes Märchen zutreffende, Definition geben kann.

3 Ursprung & Geschichte

3.1 Die Entstehungsgeschichte

In welcher Zeit genau der Ursprung des Märchens anzusiedeln ist, liegt bis heute im Unklaren. Man neigt allerdings inzwischen dazu, seine Entstehungszeit sehr früh anzusetzen, in jüngerer Steinzeit, während der vorindogermanischen Pflanzer- und Stadtkultur. Diese Vermutung scheint Bestätigung in der Tatsache zu finden, dass heutzutage das Kind, „der legitimste Märchenhörer ist (...)“[4]. Zwar sind „die Märchen (…) nicht für Kinder geschaffen worden, aber für Menschen, deren geistig-seelische Entwicklung der des heutigen Kindes im Märchenalter ungefähr entsprach. Doch dies ist nur ein Indiz für das Alter der Gattung „Märchen“.

Gleichzeitig wird Indien als ein „(...) wichtiger Quell der international verbreiteten Märchen (...)“ gesehen und auch „(...) europäischen Völkern, insbesondere den Kelten, wird die Kraft zu eigener Märchenbildung zugestanden.“[5]

Allerdings sind all diese zeitlichen Bestimmungen zur Entstehung und Entstehungszeit des Märchens umstrittene Hypothesen geblieben.

3.1.1 Forschungsmethoden zur Bestimmung des Ursprunges eines Märchens

Wie schon erwähnt, so ist es sehr schwierig den historischen Ursprung eines Märchens genau zu bestimmen. Doch gerade aufgrund dieser Herausforderung wurden im Laufe der Zeit verschiedene Methoden entwickelt um die Herkunft und das Alter eines Märchens herauszufinden.

Im Folgenden werden die zwei bekanntesten Verfahrensweisen kurz vorgestellt:

1. Untersuchung der historischen und geographischen Verbreitung eines Märchens.

- Die historische Methode: Bei dieser Forschungsmethode wird der Versuch unternommen in Märchen „Überreste von vergangenen Kulturen (…) zu belegen und Parallelen zu anderen Kulturen zu finden (…).“[6] Auf diese Weise kann die Entstehungszeit der Märchen rekonstruiert werden.[7]
- Die historisch – geographische Methode: Versucht man das Märchen mithilfe dieser Verfahrensweise einzuordnen, so wird es einem bestimmten Typus zugeteilt. Damit ist gemeint, das die Gattung „Märchen“ in verschiedene Kategorien bzw. Typen eingeteilt und somit klassifiziert wird. Aufgrund der großen Anzahl unterschiedlicher Typen von Märchen (etwa 2500) ist die Einteilung allerdings nicht immer einfach und eindeutig.

2. Untersuchung des Inhaltes eines Märchens

Konzentriert man sich bei der Analyse des Märchens auf dessen Inhalt, so können Märchenfiguren symbolisch gedeutet werden oder „die Handlungen eines Märchens (werden) in Beziehung zu rituellem Verhalten gesetzt (…)“[8], um so Anhaltspunkte für den historischen Ursprung zu finden.

Mithilfe dieser Verfahrensweisen stellen sich also, auch heute noch, viele Forscher der Herausforderung, welche die Ermittlung von Herkunft und Entstehungszeit eines Märchens in sich birgt.

3.2 Begriffs- & Namensgeschichte

Ursprünglich kommt das deutsche Wort Märchen von den veralteten Begriffen „Mär“ oder „Mare“, welche die Bedeutungen Kunde, Bericht, Erzählung oder Gerücht hatten. Somit steht das „Märchen“ im Ursprung für eine kurze Erzählung. Die Tatsache, dass der Begriff „Mare“ auch im Sinne von Gerücht benutzt wurde, lässt verstehen, warum das Märchen „früh einer Bedeutungsverschlechterung (unterlag) und (…) auf erfundene, unwahre Geschichten angewendet (…)“[9] wurde.

Im 18 Jh. verlor das Märchen, dank der „Volksdichtung“ und „Geschichten aus >Tausendundeiner Nacht< seinen negativen „Beigeschmack“. Auch der Erfolg der Sammlungen der Brüder Grimm trug erheblich dazu bei, das Ansehen des Märchens zu stärken und es als eine epische Kurzform zu etablieren. Dank dieser Entwicklung „bezeichnen die Ausdrücke „Volksmärchen“ und „Kunstmärchen“ (heute) wertungsfrei bestimmte Erzählgattungen.“[10]

[...]


[1] Wesselski, Albert: Versuch einer Theorie des Märchens. 1994 (Originalausgabe 1931), S.104

[2] Bolte, Johannes / Polivka, Georg: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. S.4

[3] Berendsohn, Walter A.: Grundformen volkstümlicher Erzählkunst in den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. 1921, S.29 f

[4] Lüthi, Max: Volksmärchen und Volkssage. Zwei Grundformen erzählender Dichtung. 3.Aufl., Bern: A. Franke AG Verlag, 1975, S.19 (künftig zitiert als „Volksmärchen und Volkssage 1975“)

[5] Lüthi, Max: Märchen. 9. Aufl., Stuttgart: Verlag J.B. Metzler , 1996, S.70 (künftig zitiert als „Märchen 1996“)

[6] Spörk, Ingrid: Studien zu ausgewählten Märchen der Brüder. Frauenproblematik – Struktur – Rollentheorie – Psychoanalyse – Überlieferung – Rezeption. Königstein: Hain 1986, S.14

[7] Vgl.: Ebd.

[8] Ebd.

[9] Märchen 1996, S.1

[10] Ebd.

Details

Seiten
20
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638568821
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v63956
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für deutsche Sprache, Literatur und ihre Didaktik
Note
1,3
Schlagworte
Märchen Proseminar Epischen Kurzformen

Autor

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Titel: Märchen. Ursprung, Unterschiede und Merkmale