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Sonderpädagogik in Russland

Seminararbeit 2001 13 Seiten

Pädagogik - Heilpädagogik, Sonderpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Grundzüge der russischen Sonderpädagogik
2.1. Krise der russischen Sonderpädagogik
2.2. Tendenzen zur Überwindung der Krise

3. Zur Situation der sonderpädagogischen Einrichtung in der Stadt Perm
3.1. Die Schüler
3.2. Die Mitarbeiter

4. Ausblick für Perm

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Erst seit 1993 tauchen in den russischen Gesetzen auch spezielle Paragraphen für Menschen mit Behinderungen auf. Bis 1979 gab es den Begriff „behinderte Kinder“ überhaupt noch nicht.

Durch das Gesetz, welches den Schutz behinderter Menschen beinhaltet, haben benachteiligte Kinder und Jugendliche die Möglichkeit zu entscheiden, wo sie zur Schule gehen wollen. Sie lernen entweder in normalen Schulen mit nicht benachteiligten Kindern zusammen, in speziellen Schulen , zu Beispiel Lernbehindertenschulen oder zu Hause. Die Eltern haben die Wahl der Schulen, wenn sie damit nicht einverstanden sind, dass ihr Kind eine spezielle Schule besucht. Es werden auch an Regelschulen Klassen mit individuellen Förderbedarf eingerichtet.

Es gibt besondere Bildungspläne für seh-, sprach-, hör-, lern- und geistigbehinderte Kinder und Jugendliche. Die Klassenstärke in Spezialschulen beträgt 12 Kinder. Außerdem werden sie von Therapeuten, Psychologen und Ärzten betreut. Die dort arbeitenden Lehrer müssen in besonderem Maße im Umgang mit benachteiligten Kindern geschult sein.

Auch für schwer geistigbehinderte oder mehrfach behinderte Kinder und Jugendliche gibt es Einrichtungen, die etwa mit unseren „Schulen zur individuellen Lebensbewältigung“ vergleichbar gemacht werden können.

Da ich sehr wenig Literatur zu diesem Thema zur Auswahl hatte, möchte ich dennoch versuchen, einen kleinen Einblick in das System Sonderpädagogik in Russland zu geben. Besonders gehe ich da auf die Krise der Sonderpädagogik ein, und versuche am Beispiel Perm auf die Situation der Sonderpädagogik einzugehen.

2. Grundzüge der russischen Sonderpädagogik

Im folgenden möchte ich erst einen allgemeinen Überblick über die Situation der russischen Sonderpädagogik in Russland geben und gehe dann auf die Krise in diesem System ein.

2.1. Krise der russischen Sonderpädagogik

1995 stellte Malofeev, Leiter des Forschungsinstitutes für Korrektiverziehung (früher wissenschaftliches Forschungsinstitut für Defektologie an der APW), fest, dass der Zustand des Systems der Sonderpädagogik der 90er Jahre als Krise des staatlichen Systems der sonderschulischen Bildung und als Krise der Korrektionspädagogik als Wissenschaft charakterisiert werden muss.

Aus den historischen Entwicklungsbedingungen können daher folgende Merkmale der Krise skizziert werden:

1. In der Tradition der russischen Defektologie wurde davon ausgegangen, dass Behinderungen immer durch pathologische Störungen, Defekte bedingt sind; die sozialen Ursachen wurden weitgehend ignoriert. „Die kommunistische Ideologie zeichnete ein Bild einer glücklichen, gesunden Gesellschaft, in welches Behinderte nicht hineinpaßten“ (Perm, 1994). Die einseitige klinische Auslegung von Behinderung bis hin zur Verdrängung von Behinderung aus dem gesellschaftlichen Bewußtsein prägten die Einstellung der Bevölkerung und der Spezialisten.
2. Kinder mit Entwicklungsabweichungen waren ausschließlich Gegenstand der staatlichen Fürsorge und damit stark separiert in großen Internatseinrichtungen untergebracht. Die Folgen dieser Separierung sind in ihrem gesamten Ausmaß noch nicht absehbar, Malofeev und Korkunov nannten unabhängig voneinander folgende:

- durch die Separierung wurde in der Bevölkerung das Bewußtsein geschaffen, dass Behinderung keinen Platz im Leben der Gesellschaft hat;
- durch die Zentralisierung der sonderpädagogischen Einrichtungen wurde die regionale Bildungspolitik kaum mit dem Problem der Behinderung konfrontiert, so konnte auch keine Kompetenzen im Umgang mit Behinderung erwerben;
- durch die zentralisierte staatliche Fürsorge geben Eltern ihre Kinder mit Behinderungen in die staatlichen Internate, ein Leben mit diesen Kindern fand kaum statt;
- durch die wenigen zentralen Internatseinrichtungen – sicher auch der Größe des Landes geschuldet – und der geringen Akzeptanz von Behinderung, gab es nur wenig ausgebildete Experten. Nur 9% der Lehrer an Sonderschulen in Russland hatten 1998 eine sonderpädagogische Qualifikation.

2. In der sowjetischen Schule galt ein Bildungsziel für alle Schüler. Jedes Kind, welches als bildungsfähig anerkannt wurde, sollte den Schulabschluß einer Regelschule erreichen, mit dem Ziel, „ein nützliches Mitglied der Gesellschaft zu werden“. Daraus ergab sich ein enormer Leistungsdruck, aber auch ein hohes theoretisches Niveau der Unterrichtsfor- schung und der Unterrichtsmethodik.

3. Durch die starke klinische Begründung von Behinderung und der Konzentration auf die Anerkennung von Schulbildungsfähigkeit fielen alle Kinder mit leichter, medizinischer nicht nachweisbarer Behinderung und Kinder, die nicht in irgendeiner Weise den Regel- schulanforderungen gerecht werden konnten, aus dem sonderpädagogischen Bildungssystem heraus. Der Begriff der Behinderung wurde sehr eng gefaßt.

4. Für die Bildung und Erziehung existierte nur die staatliche Einheitsschule und das staat- liche Fürsorgesystem. In den 90er Jahren wurde das staatliche Monopol aufgegeben, das Sozialwesen entwickelte sich als ein Markt, auf dem sich die unterschiedlichsten Anbieter drängten, größtenteils ohne jegliche Kompetenzen im Umgang mit Behinderung. Der Umgang mit Pluralität in Theorien, Ideologien, Paradigmen ist unbekannt, bereitet Große Verunsicherung und führt zum Rückgriff auf ehemalige Sicherheiten.

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638140041
ISBN (Buch)
9783638756754
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6436
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Pädagogik
Note
2,0
Schlagworte
Sonderpädagogik Russland Seminar Sonderpädagogische Förderung Vergleich

Autor

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Titel: Sonderpädagogik in Russland