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Weblogs als neue Herausforderung für das Corporate Issues Management: Eine Fallstudie zum Sony BMG XCP-Kopierschutz Skandal

von Matthias Gerber (Autor) Urs Langenegger (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 37 Seiten

Medien / Kommunikation - Public Relations, Werbung, Marketing, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit

2 Forschungsstand

3 Theoretische Grundlagen
3.1 Issues Management
3.1.1 Definition und Begriffsabgrenzung
3.1.2 Was ist ein Issue?
3.1.2.1 Relevanzkriterien
3.2 Weblogs
3.2.1 Definition und Begriffsabgrenzung
3.3 Weblogs als Herausforderung fur das Issues Management
3.3.1 Blog Monitoring als Fruhwarnsystem
3.4 Der Issue-Lebenszyklus

4 Der Lebenszyklus eines Issues am Beispiel des Sony BMG Kopierschutz-Skandals
4.1 Falldarstellung
4.1.1 Erste Anzeichen in Diskussionsforen
4.1.1.1 Geschehen
4.1.1.2 Einordnung im Lebenszyklus
4.1.2 PC Spezialist John Guarino entdeckt XCP
4.1.2.1 Geschehen
4.1.2.2 Einordnung im Lebenszyklus
4.1.3 F-Secure und Sony BMG/First4Internet im Dialog
4.1.3.1 Geschehen
4.1.3.2 Einordnung im Lebenszyklus
4.1.4 Mark Russinovich bloggt
4.1.4.1 Geschehen
4.1.4.1.1 Aktivitatsentwicklung im Ursprungsblog
4.1.4.1.2 Verbreitung des Blogs
4.1.4.2 Einordnung im Lebenszyklus
4.1.5 Von der Blogsphere in die Online Medien
4.1.5.1 Geschehen
4.1.5.2 Einordnung im Lebenszyklus
4.1.6 Institutionen und Politiker schalten sich ein
4.1.6.1 Geschehen
4.1.6.2 Einordnung im Lebenszyklus
4.1.7 Auf der Suche nach einer Losung
4.1.7.1 Geschehen
4.1.7.2 Einordnung im Lebenszyklus
4.1.8 Weiterfuhrende Metadiskussion
4.1.8.1 Geschehen
4.1.8.2 Einordnung im Lebenszyklus
4.2 Bewertung der Fallstudie
4.2.1 Interpretation und Beurteilung unter Einbezug der diskutierten Theorie
4.2.2 Das Issue im Lebenszyklus-Modell
4.2.3 Einschrankungen der Untersuchungsmethode

5 Fazit und Ausblick

6 Bibliographie:
6.1 Literatur
6.2 Internetquellen

7 Abbildungsverzeichnis
7.1 Tabellenverzeichnis

8 Anhang
8.1 Auswertung der Blogeintrage von Mark Russinovich

1 Einleitung

Die Welt der Kommunikation erlebt momentan einen bedeutenden Wandel. Mit der zunehmenden Digitalisierung und der Ausweitung des Internets verlagert sich auch die Quelle offentlicher Themen zunehmend in Richtung World Wide Web. Im Zusammenhang mit einigen neuen Kommunikationsformen im Internet kann von einer Personalisierung der Information und Kommunikation gesprochen werden. Das World Wide Web wird zunehmend personlicher und zu einer Kommunikationsplattform, indem benutzerfreundliche Anwendungen theoretisch jedem User die Publikation von individuellem Inhalt ermoglichen. Eine dieser neuen Plattformen der Kommunikation stellen Weblogs dar. Diese konnen als niedergeschriebene Gedanken, Ansichten und Meinungen von privat oder professionell tatigen Online Schreiberlingen betrachtet werden. Die kollektive Meinungsbildung im Internet gewinnt durch die zunehmende Diskussion offentlicher Themen noch mehr an Bedeutung.

Was bedeutet dies nun fur die Public Relations? Zum einen ergeben sich daraus neue Wege der internen und vor allem externen Kommunikation fur Organisationen, zum anderen sieht sich das Corporate Issues Mangement (CIM) zunehmend neuen Herausforderungen gegenubergestellt. Mit diesen neuen Herausforderungen, welche Weblogs fur das Issues Management1 darstellen, setzt sich die vorliegende Arbeit auseinander.

1.1 Problemstellung und Zielsetzung

Weblogs als junge Erscheinung der Kommunikation im Internet stellen fur das Corporate Issues Management eine neue Herausforderung dar. Durch aufwandiges Blog Monitoring konnen diese als Fruhwarnsystem nutzlich sein, aufgrund der Schnelligkeit und rasanten Vernetzung jedoch auch als Gefahrenquelle auftreten. Welche Probleme tauchen dabei fur das CIM auf und wie konnen diese reduziert werden?

Primar soll anhand der Fallstudie des Sony BMG Kopierschutz-Skandals aufgezeigt werden, wie sich das Issue im Verlauf seines Lebenszyklus entwickelt hat. Durch die Analyse der entsprechenden Internet-Kommunikationsplattformen soll dieser Werdegang rekonstruiert werden. Andererseits soll im theoretischen Teil der Arbeit das Phanomen ,Weblog’ aufgearbeitet und in den Kontext des CIM eingebettet werden. Der theoretische Teil der Arbeit soll die Bedeutung der Weblogs fur okonomische Unternehmen und deren Kommunikationsmanagement (Issues Management) aufzeigen.

Mit der Fallstudie des Sony BMG Kopierschutz-Skandals soll anhand eines Beispiels aus der Praxis aufgezeigt werden, wie sich ein Issue entwickeln und was es fur Auswirkungen auf ein Unternehmen haben kann.

1.2 Aufbau der Arbeit

Angesichts der Vielzahl von unterschiedlichen Definitionen und Begrifflichkeiten wird im ersten Teil der Arbeit nach einem kurzen Uberblick uber den aktuellen Forschungsstand im Bereich des jungen Untersuchungsgegenstands der Weblogs und deren Bedeutung fur das Issues Management eine definitorische Abgrenzung der verwendeten Begriffe vorgenommen. Dabei wird auch auf die theoretischen Grundlagen der einzelnen Begriffe eingegangen, anhand derer das Fallbeispiel zum Sony BMG Kopierschutz-Skandal in einem spateren Kapitel interpretiert und bewertet werden soll. Nach dieser theoretischen Fundierung wird im Hauptteil der Arbeit der genannte Fall detailliert umschrieben und im Bezug auf die Theorie des Issue Lebenszyklus dargestellt. Der Forschungsfrage Rechnung tragend werden die Ergebnisse dargestellt, interpretiert und bewertet. Das abschliessende Resumee soll zugleich einen Ausblick auf die kunftige Entwicklung bieten.

2 Forschungsstand

Die vorhandene Literatur uber Weblogs und deren Bedeutung fur das Issues Management ist eher dunn gesaht. Fachspezifische Bucher sind zwar vorhanden, drehen sich jedoch oftmals um Anwender-spezifische Problemstellungen2 oder die digitale ,Medienrevolution’ an sich3. Grossere Bedeutung betreffend des Forschungsstandes haben eher die zahlreichen Artikel in Fach- Magazinen wie dem PR-Guide, dem Kommunikationsportal der „Gesellschaft Public Relations Agenturen". Oftmals sind Artikel dieser Art online zu finden. Einen guten Uberblick uber aktuellen Entwicklungen in den Public Relations allgemein bietet beispielsweise das angesprochene Kommunikationsportal der GPRA4, auf welchem zahlreiche Autoren vertreten sind. Als nennenswerte Experten in Sachen Weblogs und der damit verbundenen Problematik sind Thomas Pleil5, Klaus Eck6 oder Ansgar Zerfass7 zu nennen, welche interessanterweise selbst Weblogs unterhalten8. Artikel jener Autoren werden auch in den theoretischen Teil dieser Arbeit mit einbezogen.

Des Weiteren sind an dieser Stelle einige aktuelle Studien zum Themenbereich zu erwahnen. Als bekanntestes Beispiel zum Issues Management ist der Fall „Shell/ Brent Spar" zu nennen, welcher mit einer Auseinandersetzung zwischen dem Olkonzern und der Umweltschutzorganisation Greenpeace begonnen und sich schon kurz darauf zu einem politisch-sozialen Grossereignis entwickelt hatte.9

Im Hinblick auf Forschungsarbeiten zum Themenbereich der Weblogs zeigen sich in den meisten Fallen methodische Probleme, welche mit der schlechten oder beinahe unmoglichen Erfassbarkeit der Grundgesamtheit aller existierenden Weblogs und deren Verknupfungen zusammenhangen. Aus diesem Grund sind quantitative Studien beinahe ein Ding der Unmoglichkeit, weshalb sich eine Fokussierung auf einzelne Fallstudien anbietet. Als Beispiel hierfur ist die Fallstudie zum „Jamba"-Issue zu nennen. Diese hat deutlich gezeigt, wie schnell sich ein Thema in der Blogsphere verbreiten und zu einem ernst zu nehmenden Issue werden kann.10

3 Theoretische Grundlagen

3.1 Issues Management

In der heutigen Zeit rucken Unternehmen und deren Verhalten mehr und mehr ins Rampenlicht der offentlichen Diskussion. Selten bleiben relevante Schritte - nicht nur von Grosskonzernen - undiskutiert. Aus dieser Gegebenheit resultiert eine zunehmende Wichtigkeit fur Unternehmen, offentliche Akzeptanz zu erhalten und Vertrauen zu gewinnen. Bei einem wachsenden Wettbewerbsdruck auf den Absatzmarkten, bei welchem Wettbewerber gezwungen sind, ihre einzigartigen Leistungsversprechen zu kommunizieren und wahrzunehmen sowie sich gegenuber der Konkurrenz zu behaupten, wird das gleichzeitige Streben nach Vertrauen immer schwieriger. Meist reicht es in den ,Schlachtfeldern’ heutiger Markte nicht mehr aus, ein innovatives und qualitativ hochstehendes Serdukt11 anzubieten; es kommt je langer je mehr darauf an, gesellschaftlichen Wertvorstellungen zu entsprechen und einen hohen ethischen Standard zu erfullen. Die offentliche Meinung gegenuber einer Unternehmung spielt hierbei eine zentrale Rolle. Aus einem okonomischen Blickwinkel betrachtet hat dieser Wettbewerb um Information, Kommunikation und Transparenz wesentliche Auswirkungen auf eine im Wettbewerb stehende Unternehmung.

„Je langer eine falsche oder kritische Information uber ein Unternehmen in den Medien ohne Reaktion bleibt, desto schneller verbreitet sich die Information, und erhoht sich damit die Aufmerksamkeit um das Thema, desto schneller kann die Reputation des Unternehmens Schaden nehmen und umso hoher sind die Kosten der Richtigstellung und Bewaltigung.“12

Andererseits kann aus der fruhzeitigen Entdeckung einer entsprechenden Information im Dschungel der offentlichen Kommunikation unter Umstanden ein bedeutsames Gewinnpotenzial resultieren. Eine Unternehmung, welche ein entsprechend gewichtiges Thema zu einem fruheren Zeitpunkt entdeckt als ihre Mitstreiter, kann sich durch zielgerichtete Kommunikation und systematischem Stakeholder13 Management im Sinne eines First-Mover Advantage14 von der Konkurrenz absetzen. An dieser Stelle setzt das Issues Management an.

Folgend wird versucht, den Begriff des Issues Management anhand verschiedener Autoren zu klaren um anschliessend auf den Terminus des Issues einzugehen.

3.1.1 Definition und Begriffsabgrenzung

Grob umschrieben ist das Issues Management (IM) ein systematisch geplanter Kommunikationsprozess einer Unternehmung, mit dem Ziel, unternehmensrelevante Issues zu beobachten, entsprechende kommunikative Reaktionen zu planen, durchzufuhren und zu evaluieren, welche die Unternehmung an sich und deren Teiloffentlichkeiten betreffen.15 Dabei muss jedoch beachtet werden, dass der Begriff des Management nicht in seiner ursprunglichen Bedeutung als Regelungs-, Kontroll- und Steuerungsmechanismus16 verstanden werden kann, da im Falle des ,Managen’ eines Issues dieser nicht wirklich unter Kontrolle gebracht, sondern hochstens beeinflusst werden kann. Aus diesem Grund sollte Issues Management auch eher als Fruhwarn- oder Reaktionssystem betrachtet werden, das die relevante Umwelt beobachtet, analysiert und allfallige Problemlosungen entwickelt. Dabei dient dieser Prozess aquivalent der Krisenpravention wie auch der Chancenkommunikation.17 Letztlich zielt das IM auf die Sicherung der Unternehmensreputation ab. Die Reputation einer Organisation jeglicher Art gilt im modernen Wettbewerb als zentrales Gut der Erfolgssicherung.

Eisenegger versteht unter dem Terminus der Reputation „ [...] das offentliche Ansehen, das eine Person, Institution, Organisation oder allgemeiner ein (Kollektiv-)Subjekt mittel- oder langfristig geniesst und das aus der Diffusion von Prestigeinformation an unbekannte Dritte uber den Geltungsbereich personlicher Sozialnetze hinaus resultiert."18

Keine andere Teildisziplin innerhalb der Unternehmenskommunikation ist so eng mit ethischem Verhalten, offentlicher Meinung, Reputationskonstitution, oder mit der Absicht verbunden, relevante Stakeholder uber positives Verhalten und Absichten zu informieren, wie diejenige des Issue Managements.19

Um die Begriffsklarung abzuschliessen wird an dieser Stelle eine zusammenfassende Definition angefugt. Merten bezeichnet Issues Management als „ [...] strategisch geplante Entdeckung, Analyse und Behandlung von unvorhersehbar, aber laufend eintretenden Bedingungen mit latenten offentlichen Wirkungspotenzialen in Form von neuen Schlagworten, Ideen, Themen, Ereignissen oder Problemen, die von den Medien thematisiert werden und in dem Mass soziale Wucht und temporale Dynamik entfalten in dem handlungsrelevante Bezuge zu Personen, Organisationen und Institutionen unterstellt werden."20

Nachdem nun das Management eines Issues ausfuhrlich umschrieben wurde, soll im folgenden Abschnitt der Terminus des „Issue" kurz definiert und erlautert werden.

3.1.2 Was ist ein Issue?

Wie bei den meisten sozialwissenschaftlichen Begriffsdefinitionen besteht auch in diesem Fall kein Konsens zwischen den verschiedenen Autoren. Grundlegend unterscheidet Ingenhoff zwischen einer kommunikationswissenschaftlichen und einer betriebswirtschaftlichen Sichtweise. Aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive betrachtet handelt es sich bei einem Issue um ein soziales, gesellschaftspolitisches oder allgemein offentliches Anliegen, das in der Offentlichkeit kontrovers diskutiert wird. Unter Autoren der betriebswirtschaftlichen Garde liegt der Fokus eher auf einem nutzenorientierten strategischen Management. Hierbei werden Issues als strategierelevante Ereignisse, Entwicklungen oder Trends betrachtet, welche einen potenziellen Einfluss auf die Unternehmensleistung haben.21

Um einen Issue wirklich als einen solchen bezeichnen zu konnen, der ausserdem einen gewissen Grad an Relevanz aufweist, sollte zumindest ein potenzielles Anliegen durch eine Organisation und deren Anspruchsgruppen wahrnehmbar sein. Ein Issue ist von offentlichem Interesse bzw. kann eine gewisse Zahl von direkt oder indirekt Betroffenen mobilisieren und weist im Bezug auf die betroffene Organisation einen Konfliktcharakter auf, der Risiko- aber auch Chancenpotential mit sich fuhrt. Des weiteren fuhrt ein Issue betroffene Teiloffentlichkeiten zusammen, welche dann als Anspruchsgruppe auf die Unternehmung einwirken. Schliesslich tangiert ein Issue per Definition die betroffene Organisation und deren Handlungsspielraum. Weist ein Issue diese genannten Merkmale auf, kann er im Bezug auf die jeweilige Organisation als strategisch relevant bezeichnet werden.22

Zusammenfassend sind unternehmensrelevante Issues „die von den Anspruchsgruppen und Organisationsakteueren interpretierten und gestalteten Themen(komplexe) uber ein aktuelles oder angekundigtes Ereignis, die offentlich und kontrovers diskutiert werden und eine Strategierelevanz infolge eines Organisationsbezugs aufweisen."23 Demzufolge ist jeder Issue ein Thema, aber nicht jedes Thema ein Issue (vgl. Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Der Zusammenhang von Themen und Issues (Quelle: Ingenhoff, 2004, S. 34.)

3.1.2.1 Relevanzkriterien

Damit ein Issue den Weg aus dem ursprunglichen in weitere Blogs und daruber hinaus in die klassischen Massenmedien schafft, sollte er einige wenige Voraussetzungen erfullen.24 Unter anderem spielt es eine Rolle, ob es bereits bestehenden Themen zugeordnet werden kann, ob ein Kontext vorhanden ist. Des weiteren erhoht sich die Wahrscheinlichkeit einer Verbreitung, wenn das Issue von Meinungsfuhrern wiederholt thematisiert wird. Schliesslich kann auch auf Weblogs bezogen die etablierte Nachrichtenwerttheorie25 angewandt werden. Je eher bei einem in Weblogs aufkommenden Issue die Nachrichtenfaktoren erfullt sind, desto eher wird es beachtet und verbreitet. Nennenswerte Nachrichtenfaktoren waren beispielsweise Betroffenheit, Relevanz, Sensationalismus, Uberraschung, Emotionalisierung oder Negativitat.26

3.2 Weblogs

Inhaltlich sind den - bis anhin - uberwiegend von Privatpersonen gefuhrten elektronischen Tagebuchern keine Grenzen gesetzt. Nebst privaten Blogs werden zunehmend auch journalistische Beitrage publiziert oder von Unternehmen als Mittel der internen und externen Kommunikation genutzt. Weblogs sind meist sehr einfach zu erstellen und zu aktualisieren und bieten somit als sogenannte ,Mini-Content-Management-Systeme’27 auch Kommunikatoren welche nicht der Medienindustrie angehoren die Moglichkeit, Themen vorzugeben und sich an der offentlichen Kommunikation zu beteiligen.28 Ein zentraler Punkt hierbei ist - nebst der Blog- typischen themenbezogenen Verlinkung zu anderen Websites bzw. Blogs - die Moglichkeit, vorhandene Blog-Eintrage zu kommentieren; dadurch wird die klassische ,One-to- many’-Kommunikation durch eine netzwerkartige Kommunikationsstruktur ersetzt.29

3.2.1 Definition und Begriffsabgrenzung

Bis anhin gibt es keine allgemein gultige Definition fur den Begriff ,Weblog’. Je nach Blogger30 sieht die Auffassung daruber, wie ein Weblog aussehen sollte, was seine Hauptmerkmale sind und wie man diesen nun definieren sollte ein wenig anders aus. Aus diesem Grund wird in diesem Teilkapitel auf einige unterschiedliche Definitionen verschiedener Autoren verwiesen.

,Weblog’ ist eine Derivation aus den beiden Begriffen ,Web’ und ,Log’. Mit ,Web’ wird die Tatsache angesprochen, dass diese neuartigen Kommunikationsplattformen im World Wide Web anzutreffen sind. ,Log’ ist eine Abkurzung des Begriffes ,Logbuch’ (engl. logbook). Wahrend Segelschiffsfahrten vergangener Jahrhunderte wurden so genannte Logbucher gefuhrt, eine Art Tagebuch auf der Reise durch die hohe See. Eine gewisse Analogie zum heutigen Reisen - oder auch Surfen - durch den Ozean der Online-Information ist zweifellos vorhanden; daher ruhrt auch der simultan verwendete Begriff.

Ein viel zitierte Definition ist diejenige von Zerfass, welcher Weblogs als „private oder thematische Nachrichtendienste" bezeichnet, „die als Website publiziert und ahnlich wie ein Tagebuch (daher der Name ,Web-Logbuch’) in regelmassigen Abstanden erganzt werden."31 Eine etwas andere Auffassung vertritt der Blogger Jurgen Albrecht. Fur ihn sind Weblogs Nachrichtenborsen. „Das Internet wird 'gefiltert' und die (subjektive) Selektion wird der Weblog Community online mitgeteilt. Weblogs sind deshalb das schnellste Medium fur die Verbreitung von Nachrichten im Internet."32

[...]


[1] Im weiteren Verlauf der Arbeit werden die Begriffe ,Corporate Issues Management’ und ,Issues Management’ simultan verwendet. Weil der Fokus vor allem auf okonomischen Organisationen liegt, wurde die Arbeit mit ,Corporate Issues Management’ betitelt.

[2] Vgl. Alphonso, Don/Pahl Kai (Hrsg.): Blogs! Text und Form im Internet. Berlin 2004.

[3] Vgl. Moller, Erik: Die heimliche Medienrevolution: Wie Weblogs, Wikis und freie Software die Welt verandern. Hannover, 2005.

[4] Vgl. GPRA - Gesellschaft Public Relations Agenturen. URL: http://www.gpra.de (22.2.06).

[5] Vgl. Pleil, Thomas: Meinung machen im Internet? Personal Web Publishing und Online-PR. In: PR-Guide, Nr. 9/2004. URL: http://www.oj.h-da.de/fileadmin/dokumente/Pleil_OnlinePR_Blogs.pdf (21.2.06).

[6] Eck, Klaus/Pleil, Thomas: Public Relations beginnen im vormedialen Raum. Weblogs als neue Herausforderung fur das Issues Management. In: Picot, Arnold/Fischer, Tim (Hrsg.): Weblogs professionell. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld. Heidelberg 2006

[7] Zerfass, Ansgar: Meinungsmacher im Internet. Weblogs und Peer-to-Peer-Dienste als Herausforderung fur die PR. In: PR-Guide, Nr. 6/2004. URL: http://www.zerfass.de/Zerfass-Meinungsmacher-0604.pdf (21.2.06).

[8] Vgl. Zerfass, Ansgar: Die neuen Meinungsmacher. Weblogs als Herausforderung fur Kampagnen, Marketing, PR und Medien. URL: http://www.meinungsmacherblog.de (24.2.06); Eck, Klaus: PR Blogger. Die Welt der Corporate Communications. URL: http: //klauseck.typepad.com/prblogger (24.2.06).

[9] Vgl. Ludke, Britta: Symbole in der offentlichen Kommunikation. Eine Untersuchung zum Fall Brent Spar. In: pr magazin, 12/97: S. 49-58; Brand, Carola: Die Affare Brent Spar. Der Kampf von Shell und Greenpeace um die offentliche Meinung. Eine Fallstudie unter besonderer Berucksichtigung der Rolle der Medien in der Risikokommunikation. [Diplomarbeit]

[10] Vgl. Fischer, Tim: Die Entwicklung von Weblog Issues am Beispiel des Klingeltonanbieters Jamba. In: Picot, Arnold/Fischer, Tim (Hrsg.): Weblogs professionell. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld. Heidelberg 2006, S. 247ff.

[11] Der Begriff „Serdukt“ ist ein Derivat aus „Service und Produkt“. In modernen Unternehmen gelangt materieller Output in Form von physischen Produkten oftmals mit integrierten Services kombiniert auf den Markt. Daher kann nicht langer von Produkten allein gesprochen werden.

[12] Ingenhoff, Diana: Corporate Issues Management in multinationalen Unternehmen. Eine empirische Studie zu organisational Prozessen und Strukturen. Wiesbaden 2004, S. 2.

[13] Als Stakeholder’ werden jene Personen und Gruppen bezeichnet, welche Ressourcen zur Verfugung stellen, die fur den Erfolg des Unternehmens von Bedeutung sind (z.B. Kapital, Arbeitskraft, „licence to operate“, soz. Akzeptanz), deren Wohlergehen vom Schicksal des Unternehmens direkt abhangig ist (z.B. Beschaftigung, Umweltbedingungen, Produkte) und die genugend Macht haben, die Leistung des Unternehmens zu dessen Vorteil oder Nachteil zu beeinflussen (z.B. Mobilisierung sozialer Krafte, Zuruckhaltung von Ressourcen).

[14] Damit ist der Vorteil gemeint, den ein Unternehmen hat, wenn es als erstes in einen neuen Markt eintritt oder auf eine gewisse Umweltgegebenheit reagiert. Als First Mover hat das Unternehmen ein Pionier-Image und einen Zeitvorteil, woraus ublicherweise ein Gewinnvorteil resultiert.

[15] Vgl. Bentele, Guter/Rutsch, Daniela: Issues Management in Unternehmen: Innovation oder alter Wein in neuen Schlauchen? In: Rottger, Ulrike (Hrsg.): Issues Management. Theoretische Konzepte und praktische Umsetzung. Eine Bestandsaufnahme. Wiesbaden 2001, S. 141-160.

[16] Vgl. Arrington, Charles B., Jr./Sawaya, Richard N. (1984): Managing public affairs. Issues management in an uncertain environment. California Management Review 26 (4) 1984, S. 148-160.

[17] Vgl. 4managers (Hrsg.): Issue Management. Krisenpravention aber auch Chancenkommunikation. URL: http://www.4managers.de/10-Inhalte/asp/issuemanagementasp (22.2.06)

[18] Eisenegger, Mark: Reputationskonstruktion, Issues Monitoring und Issues Management in der Mediengesellschaft. Eine theoretische und empirische Untersuchung mit besonderer Berucksichtigung okonomischer Organisationen. Zurich 2004, S. 19.

[19] Vgl. Rottger, Ulrike: Issues management - Mode, Mythos oder Managementfunktion? Begriffserklarung und Forschungsfragen - eine Einleitung. In: Rottger, Ulrike (Hrsg.): Issues Management. Theoretische Konzepte und praktische Umsetzung. Eine Bestandesaufnahme. Wiesbaden 2001, S. 11-39.

[20] Merten, Klaus: Determinanten des Issues Managements. In: Rottger, Ulrike (Hrsg.): Issues Management. Theoretische Konzepte und praktische Umsetzung. Wiesbaden 2001, S. 41-57.

[21] Vgl. Ingenhoff, 2004, S. 30ff.

[22] Vgl. Ingenhoff, 2004, S. 32ff.; Rottger, 2001, S. 18ff.

[23] Ingenhoff, 2004, S. 34.

[24] Vgl. Rottger, Ulrike/Zimmermann, Sahra: Weblogs - unentbehrlich oder uberschatzt fur das Kommunikationsmanagement von Organisationen? In: Picot, Arnold/Fischer, Tim (Hrsg.): Weblogs professionell. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld. Heidelberg 2006, S.35ff.

[25] Vgl. Staab, Joachim Friedrich: Nachrichtenwert-Theorie. Formale Struktur und empirischer Gehalt. Munchen 1990.

[26] Vgl. Staab, 1990.

[27] Ein Content-Management-System (CMS) ist ein Anwendungsprogramm, das gemeinschaftliche Erstellung und Bearbeitung von Text- und anderen Multimedia-Dokumenten (,Content’) ermoglicht und organisiert.

[28] Picot, Arnold/Fischer, Tim (Hrsg.): Weblogs professionell. Grundlagen, Konzepte und Praxis im unternehmerischen Umfeld. Heidelberg 2006.

[29] Plake, Klaus/ Jansen, Daniel/ Schumacher, Birgit: Offentlichkeit und Gegenoffentlichkeit im Internet - Politische Potenziale der Medienentwicklung, Wiesbaden 2001.

[30] Die Autoren von Weblogs werden als ,Blogger’ bezeichnet.

[31] Zerfass, Ansgar: Meinungsmacher im Internet. Weblogs und Peer-to-Peer-Dienste als Herausforderung fur die PR. In: PR-Guide, Nr. 6/2004. S. 5ff. URL: ht.t.p://www.zerfass.de/Zerfass-Meinungsmacher-0604.pdf (21.2.06).

[32] Albrecht, Jurgen: What's a Weblog, a Blogger or a Logger? Online-Dokument vom 12.05.2002, http://www.storyal.de/story2002/weblogstory.htm (21.2.06)

Details

Seiten
37
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638573191
Dateigröße
4.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64529
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,5
Schlagworte
Weblogs Herausforderung Corporate Issues Management Eine Fallstudie Sony XCP-Kopierschutz Skandal

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