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Analyse des Fragmentes "Der Jäger Gracchus" von Franz Kafka

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 27 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Jäger Gracchus
2. 1. Entstehungsgeschichte, die Fragmente
2. 2. Motive, Quellen und Inspiration für die Entstehung
2. 3. Kafka und Riva

3. Arbeit mit Text
3. 1. Die Erzählstruktur
3. 2. Namen im Text
3. 3. Spiel mit biblischen Motiven
3. 4. Spiel mit weiteren Motiven

4. Ist das etwa eine Schuld?
4. 1. Gemse oder Julia, ist das etwa eine Schuld?
4. 2. Schreiben, ist das etwa eine Schuld?
4. 3. Erlösung, Tod

5. Zusammenfassung

6. Abbildungen

7. Literaturverzeichnis
7. 1. Werke und Quellen
7. 2. Forschung
7. 3. Internet
7. 4. Abbildungen

1. Einleitung

Franz Kafka zählt zu einem der bedeutendsten Autoren des 20. Jahrhunderts. Sein Werk gehört zu der Prager Deutschen Literatur. Es handelt sich um Literatur, die von den in Prag lebenden Autoren auf Deutsch verfasst wurde.

Die vorliegende Arbeit konzentriert sich auf sein Fragment Der Jäger Gracchus, das zu dem Spätwerk Kafkas gehört. Für den Zweck dieser Arbeit bezeichne ich den Jäger Gracchus als Fragment, weil es sich um einen unvollendeten Text mit offenem, plötzlich abgebrochenem Schluss handelt, der Fragen hinterlässt.

Zu den Schwerpunkten dieser Arbeit gehören drei Themen, die in diesem Fragment eine zentrale Rolle spielen. Es handelt sich um: Tod, Erlösung und Strafe. Um diese Themen richtig verstehen zu können ist es nötig, sich mit der Entstehungsgeschichte, Erzählstruktur, Personen und einzelnen Motiven sowie mit dem Begriff der Schuld und der biografischen Lage Kafkas auseinanderzusetzen. Im Vordergrund steht die Arbeit mit dem Text dieses Fragments (B 40 – 43)[1] und mit einigen biografischen Werken Kafkas (BM, BW, RA, T). Somit soll das Ziel erreicht werden, dieses Fragment und vor allem den Schuldbegriff und die drei Hauptthemen im Lichte Kafkas Lebenssituation zu sehen und zu verstehen.

2. Der Jäger Gracchus

2. 1. Entstehungsgeschichte, die Fragmente

Zum ersten mal wurde der Jäger Gracchus in dem Band Beim Bau der Chinesischen Mauer veröffentlicht. Es handelte sich um zuvor ungedruckte Erzählungen und Prosa aus dem Nachlass, herausgegeben von Max Brod und Hans Joachim Schoeps beim Gustav Kiepenheuer Verlag in Berlin, im Jahr 1931.

Das Fragment wurde im Winter 1916/17 geschrieben und ist im Oktavheft B überliefert

(B 40 – 43). Der Titel stammt von Max Brod.

In der Entstehungszeit wohnte Kafka in einer stillen Wohnung in der Goldenen Gasse. Ende November setzte bei ihm eine produktive Phase ein, entstanden sind u. a. ein Textstück Auf dem Dachboden, das eine Vorfassung der Gracchus-Fragmente darstellt, und das Drama Gruftwächter. Diese Texte sind in dem Oktavheft A niedergelegt. Man kann also ziemlich genau die Anfangsphase des Jäger Gracchus bestimmen.

Es ist noch eine zweite Variante der Erzählung bekannt. Der Beginn dieser Variante ist in der Tagebuchniederschrift vom 6. April 1917 erhalten. Nach Max Brod gehört dieser Anfang zu einem Dialogstück, das Max Brod als Fragment zum Jäger Gracchus bezeichnet hat und das in dem Oktavheft D überliefert ist (B 96 – 100). Diese zweite Variante präzisiert vor allem das Gespräch zwischen dem Jäger und dem Bürgermeister von Riva.

Um die Datierung der Manuskripte zu präzisieren und die Phasen der Entstehung dieser Erzählung zu schildern führt Frank Möbus (Sünden-Fälle, S. 12) eine Übersicht zur Textgeschichte des Jäger Gracchus ein. Er unterscheidet sechs Fragmente oder Schreibversuche.

Der erste Versuch (T 452), datiert 21. 10. 1913, fängt mit den Wörtern „Im kleinen Hafen eines Fischerdorfes[...]“ an. Hier wird die Topographie des Hafens geschildert, jedoch wird der Jäger nicht erwähnt.

Das zweite Fragment (B 40 – 43) entstand im Januar/Februar 1917. Es handelt sich um das erste Hauptfragment, mit dem Erzähleingang: „Zwei Knaben saßen auf der Quaimauer[...]“ Es handelt sich um eine personale Erzählung, in der die Ankunft des Jägers geschildert wird, weiter findet das Gespräch mit dem Bürgermeister statt.

Das dritte Fragment (B 44 f.) fängt mit den Wörtern „Niemand wird lesen, was ich schreibe[...]“ an und stellt eine Variante zum Gespräch mir dem Bürgermeister aus dem zweiten Fragment. Er entstand ebenfalls im Januar/Februar 1917.

Der vierte Versuch (T 627) steht im Tagebuch am 6. April 1917 und stellt eine Variante des Beginns vom zweiten Fragment dar. Der Erzähleingang lautet: „Im kleinen Hafen, wo außer Fischerbooten [...]“

Das fünfte Fragment (B 96 - 100) wird als zweites Hauptfragment oder Fragment zum Jäger Gracchus bezeichnet. Dieses entstand im Mai/Juni 1917 und es stellt eine rein dialogische Variante zu dem ersten Hauptfragment dar. Es beginnt mit der Frage „Wie ist es Jäger Gracchus, [...]?“

Die Entstehung des letzten Fragments (E 125 f.) wurde erst im Dezember 1922 datiert. Es handelt sich um eine Ich-Erzählung, um eine Variante der Erzähleingänge der Fragmente eins und vier. Dieses fängt mit den Wörtern „Wir legten an [...]“ an.

Die großen Unterschiede der zwei Hauptfragmente, deren stark fragmentarischer Charakter und große Anzahl der Schreibanläufe, sind die Ursache für die Uneinigkeit in der Forschung.

Eine andere Einteilung in Fragmente führt Binder (Kafka-Handbuch, Bd. 2, Das Werk und seine Wirkung S. 336 f.) ein. Er unterscheidet vier Fragmente.[2]

In der vorliegenden Arbeit konzentriere ich mich an den, von Möbus wie auch von Binder[3] bezeichnete Fragment Nummer Zwei (B 40 – 43), der mit dem Erzähleingang „Zwei Knaben...“ beginnt.

2. 2. Motive, Quellen und Inspiration für die Entstehung

Das Bruchstück spielt sich in einer kleinen Hafenstadt am Gardasee – in Riva del Garda ab. Kafka besuchte diese Stadt zweimal[4], jeweils in einer anderen Lebenssituation.[5]

In der Forschung herrscht Uneinigkeit, was die Vorlage und Inspiration für die mystische Figur, des sich zwischen Leben und Tod bewegendem Jäger Gracchus, angeht.

Frank Möbus (Sünden-Fälle, S. 14 f.) erwähnt in seinem Werk Anthony Northey, der behauptet, dass dieses Fragment eine Reaktion auf einen Selbstmord sei, den der pensionierte österreichische Generalmajor Ludwig von Koch während seines Aufenthaltes in Riva beging und mit dem Kafka im Sanatorium seinen Esstisch teilte. Nach dem Volksglauben finden die Seelen von Selbstmördern keine Ruhe.

Ein wichtiger Aspekt stellt das Motiv des wilden Jägers dar.[6] Binder (Kafka-Kommentar zu sämtlichen Erzählungen, S. 194) berichtet, dass Kafka mit diesem Motiv durch eine Natursagensammlung von P. Zaunert, Von Nixen und Kobolden und anderen Geistern bekannt wurde. In dieser Sage sei die Ursache für die, sich im siebenjährigen Zyklus vollziehende ewige Wanderung, eine freventliche Verfolgung des Wildes.

Möbus (Sünden-Fälle, S. 20 ff.) sieht als Vorlage, besonders für das Fragment zum Jäger Gracchus (B 96 – 100), das Motiv des wilden Jägers Theoderichs in der christlichen Legende, der „[...]als ruheloses Gespenst[...]von nun an für alle Zeiten die Wälder durchstreifen [muß].“[7]

Die Ursache dafür sei sein ketzerisches Leben und eine Jagd auf einen schönen Hirschen, die er als einen bösen Ritt bezeichnet.[8]

Eine weitere Quelle, die sich ebenfalls um eine ewige Wanderung dreht, welche auch im siebenjährigem Abstand stattfindet, stellt die Sage vom fliegenden Holländer[9] dar.

Heinrich Heine beschreibt den fliegenden Holländer und sein Schiff wie folgt:

„Es ist die Geschichte von dem verwünschten Schiffe, dass nie in den Hafen gelangen kann und jetzt schon seit undenklicher Zeit auf dem Meere herumfährt. [...] jenes grauenhafte Schiff führt seinen Namen von seinem Kapitän, einem Holländer, der einst bei allen Teufeln geschworen, dass [...] Der Teufel hat ihn beim Wort gefaßt, er muß bis zum Jüngsten Tage auf dem Meere herumirren, es sei denn, daß er durch die Treue eines Weibes erlöst werde. Der Teufel, [...] erlaubte daher dem verwünschten Kapitän, alle sieben Jahre einmal ans Land zu steigen und zu heiraten und bei dieser Gelegenheit seine Erlösung zu betreiben."[10]

Als weitere Quellen führt Binder (Kafka-Kommentar zu sämtlichen Erzählungen, S. 195f.) die Erzählung von Ernst Hardt: Priester des Todes, der Holländer-Sage ähnliche Sippurim-Sage und die Dialog-Erzählung Nachrichten von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza von E. T. A. Hoffmann an. In der letztgenannten Erzählung finde ein Hund durch einen falsch vollzogenen Verwandlungszauber seit mehreren hundert Jahren keine Ruhe.[11]

Krusche (Die kommunikative Funktion der Deformation klassischer Motive: ‚Der Jäger Gracchus‘, S. 135 f.) nennt dagegen zwei Beispiele für den wilden Jäger: den im Judaismus bekannten Nimrod und den Orion. Der letztgenannte war ein leidenschaftlicher Jäger den Pleijaden. Der Jäger und die Gejagten wurden von den Göttern unsterblich gemacht. Nach ihnen wurden Sternenbilder benannt.

In beiden Fällen stellt das Nicht-zur-Ruhe-kommen, nach dem irdischen Leben, die Lage zwischen Diesseits und Jenseits eine Strafe für ein übermäßiges, schuldhaftes Jagen dar.

Als ein weiteres Motiv für den Jäger Gracchus lässt sich das Motiv des ewigen Juden bezeichnen.[12] Kafka selbst bezeichnet sich als ewiger Jude. Er schreibt z. B. an Milena: „Bedenken Sie auch Milena, [...] welche 38 jährige Reise hinter mir liegt (und da ich Jude bin, ein noch so viel längere)[...]“ (BM 42). Seine Sehnsucht nach „einer kleinen [...] ganz bestimmten Abscheulichkeit“ (BM 182) bezeichnet Kafka als einen Trieb, der etwas „vom ewigen Juden [hatte].“(BM 182) Darauf, was Kafka mit der kleinen Abscheulichkeit meint, wird später, im Zusammenhang mit der Frage nach der Schuld des Jägers, eingegangen.

Im Zusammenhang mit dem Motiv des Jägers, der „eine Gemse verfolgte“ (B 42) erwähnt Binder (Kafka-Kommentar zu sämtlichen Erzählungen, S. 199) Schillers Alpenjäger und die, zur Zeiten Kafkas sehr verbreitete Illustration „Kaiser Franz Joseph als Gemsjäger auf Ischl“, in der dieses Motiv auch vorkommt.

Zu den möglichen Vorlagen für den Jäger Gracchus lässt sich zusammenfassend sagen, dass die Person und Geschichte des Jägers sehr mystisch ist und märchenhafte Züge hat. In der Forschung herrscht eine Vielfalt an Interpretationen dieses Bruchstücks und damit auch unterschiedliche Sichtweise, was die Motive und Quellen angeht.

2. 3. Kafka und Riva

Wie bereits erwähnt wurde, besuchte Kafka Riva del Garda zweimal. Diese Hafenstadt[13] liegt am nördlichsten Ende des Gardasees. Gardasee, italienisch Lago di Garda ist ein 61,6 km langes, maximal 17,2 km breiter See, an der tiefsten Stelle 346m tief.[14] Riva ist von allen Seiten durch hohe, an einigen Stellen steil ins Wasser abfallende Berge umgeben.[15] Besonders die steile dunkle Felswand „Rocchetta“ kontrastiert mit der sonnigen, südeuropäischen Atmosphäre des Hafens.[16] Dieser Kontrast, der Kafka bei seinen beiden Riva Aufenthalten vor den Augen hatte, konnte für ihn eine weitere Inspiration und Anstoß gewesen sein, über der Lage zwischen Leben und Tod nachzudenken und diese weiter literarisch zu verarbeiten.

Bei der ersten Reise, die vom 4. bis 14. September 1909 dauerte, begleiteten ihn Max und Otto Brod.[17] Über Vorbereitungen dieser Reise berichten zwei kurze Briefe Kafkas an Max Brod, von August und Anfang September 1909.[18] Weiter schreibt Kafka einen Reisebericht: „Die Aeroplane in Brescia“ (RA 17 – 26), in dem er über einen Ausflug nach Brescia berichtet, den sie während dem ersten Aufenthalt in Riva unternahmen.

Zum zweiten mal besuchte Kafka Riva alleine. Er blieb vom 22. September bis 13. Oktober 1913, um sich einer Kur zu unterziehen.[19] Der Aufenthalt im Sanatorium des Doktors von Hartungen war jedoch nicht der einzige Grund seiner Reise.

Zu dieser Zeit dachte Kafka sehr über seine Beziehung mit Felice Bauer und die Ehe nach. Im Juli 1913 schreibt er dies in seinem Tagebuch „Zusammenstellung alles dessen, was für und gegen meine Heirat spricht“ (T 438 f.) nieder. Und am 14. August des gleichen Jahres beschreibt er im Tagebuch seine damaligen Gefühle für Felice Bauer wie folgt: „Möglichst asketisch leben, asketischer als ein Junggeselle, das ist die einzige Möglichkeit für mich, die Ehe zu ertragen. Aber sie?“ (T 442)

An dem gleichen Tag fügt er noch folgende Bemerkung zu diesem Thema hinzu:

„Und trotz allem, wären wir, ich und Felice, vollständig gleichberechtigt, hätten wir gleiche Aussichten, und Möglichkeiten, ich würde nicht heiraten. Aber diese Sackgasse, [...] macht es mir zur unausweichlichen, wenn auch durchaus nicht etwa unübersehbaren Pflicht.“ (T 443)

Ein paar Tage später, am 21. August widmet er sich in seinem Tagebuch auch der möglichen Ursache seiner Probleme mit Beziehung und Ehe:

„Alles was nicht Litteratur ist, langweilt mich und ich hasse es, denn es stört mich oder hält mich auf, [...] Für Familienleben fehlt mir daher jeder Sinn außer der des Beobachters im besten Fall. Verwandtengefühl habe ich keines, [...] Eine Ehe könnte mich nicht verändern, ebenso wie mich mein Posten nicht verändern kann.“ (T 447).

Es scheint, dass Kafka durch seine zweite Reise nach Riva räumlichen und gedanklichen Abstand von Felice und allen bestehenden Erwartungen und Eheplänen gewinnen wollte.

Im Brief vom 28. September 1913 an Max Brod schreibt er über seine Trennung von Felice und über eine damit zusammenhängenden psychischen Krise:

„[...]ich möchte am liebsten mitten in die Stille mich hineinsenken und nicht mehr herauskommen. [...] Ich merke gerade, daß ich nicht nur nicht reden, sondern auch nicht schreiben kann, [...] Ich habe auch wirklich seit etwa 14 Tagen gar nichts geschrieben, ich führe kein Tagebuch, ich schreibe keine Briefe, je dünner die Tage rinnen, desto besser. [...] Wenn mich nur das Eine losließe, wenn ich nur nicht immerfort daran denken müßte, [...] Und es ist doch alles ganz klar und seit 14 Tagen vollständig beendet. Ich habe [Felice] sagen müssen, daß ich nicht kann und ich kann auch wirklich nicht. [...] Daneben hat nichts Bedeutung und ich reise eigentlich nur in diesen Höhlen herum. [...] Ich bin gierig nach Alleinsein, die Vorstellung einer Hochzeitsreise macht mir Entsetzen, [...] Ich kann mit ihr nicht leben und ich kann ohne sie nicht leben.“ (BW 129 ff.)

Diese und weitere Gedanken begleiteten Kafka vor und während der zweiten Reise nach Riva. Bereits im Jahr 1913, als Kafka aus Riva zurückkehrte, begann er die Arbeit an dem ersten Schreibansatz zum Jäger Gracchus. Wie es sein Tagebuch und Briefe dokumentieren, befand er sich in dieser Zeit in einer sehr unruhigen psychischen Lage. Er war innerlich gespalten, hin und her gerissen, sehnte sich nach Alleinsein und Ruhe. Die Figur des nicht lebendigen und nicht toten Jägers, der Jenseits und Ruhe anstrebt, scheint einige von Kafkas Gefühlen widerzuspiegeln.

Weiter reflektiert der Jäger Gracchus bezüglich der erzählerischen Topographie Kafkas Aufenthalte in Riva. Diese Topographie wird in der Exposition des Bruchstücks präzis und konkret beschrieben.

3. Arbeit mit Text

3. 1. Die Erzählstruktur

In der Exposition des Fragments schildert Kafka ganz realistisch die Situation im Hafen von Riva. Hierzu benutzt er einen personalen Erzähler. Der Erzähler hat die Funktion eines Beobachters stellt also nicht eine der handelnden Personen dar. Er beschreibt die Situation sozusagen aus einem Außensichtstandort. Er beschreibt sachlich, was er sieht, bewertet jedoch nicht Handlungen seiner Figuren. Die im Bruchstück vorkommenden Personen werden von diesem Ich-Erzähler vorgestellt, indem er sie in seinem Blickwinkel bemerkt und beschreibt.

Am Anfang ist der Blick dieses Erzählers vom Wasser auf das Land gerichtet. Erst sieht er auf der Quaimauer zwei Knaben, die Würfel spielen, in der Mitte dann „auf den Stufen eines Denkmals im Schatten des säbelschwingenden Helden“ (B 40) einen Mann, der eine Zeitung ließt. Ein Mädchen schöpft an einem Brunnen Wasser und ein Obstverkäufer liegt neben seine Ware und blickt auf den See hinaus. Im Hintergrund sieht man zwei Männer in einer Kneipe beim Wein und einen Wirt, der auf einem Tisch sitzt und schlummert.[20]

Es wird hier eine alltägliche, ruhige und verschlafene Atmosphäre beschrieben. Die beschriebenen Personen üben ruhige Tätigkeiten aus, es herrscht eine kontemplative Stimmung. Kafka verwendet in diesem Teil des Fragments einen regelmäßigen Satzbau, das Subjekt wird vorangestellt. Es kommen Verben wie sitzen, liegen, füllen vor, die eine bestimmte statische Körperposition oder eine Tätigkeit beschreiben. Diese Verben verbinden sich mit Präpositionen, welche die Lage der Personen und Gegenständen noch näher bestimmen.

[...]


[1] Zitate aus den Werken, Briefen, Tagebüchern oder Reiseaufzeichnungen Franz Kafkas, sowie weitere Verweise an

diese werden innerhalb der vorliegenden Arbeit durch folgende Abkürzungen belegt:

B Kafka, Franz: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Nach der Kritischen Ausgabe hg. v. Hans-Gerd Koch,

Frankfurt am Main. 1994. Bd. 6: Beim Bau der chinesischen Mauer und andere Schriften aus dem Nachlaß.

BM Kafka, Franz: Briefe an Milena. Hg. v. Willy Haas. Frankfurt am Main 1952

BW Brod Max Kafka Franz: Eine Freundschaft. Bd. II. Briefwechsel, hg. v. Malcolm Pasley. Frankfurt am Main

1989

E Kafka, Franz: Gesammelte Werke in zwölf Bänden. Nach der Kritischen Ausgabe hg. v. Hans-

Gerd Koch. Frankfurt am Main. 1994. Bd. 8: Das Ehepaar und andere Schriften aus dem Nachlaß.

H Kafka, Franz: Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande und andere Prosa aus dem Nachlaß

RA Brod Max Kafka Franz: Eine Freundschaft. Bd. I. Reiseaufzeichnungen, hg. unter Mitarbeit von Hannelore

Rodlauer von Malcolm Pasley. Frankfurt am Main 1987

T Kafka, Franz: Tagebücher 1909 – 1923. Kritische Ausgabe, hg. v. Hans-Gerd Koch, Michael Müller und

Malcolm Pasley. Frankfurt am Main. 1997

[2] Für die genaue Einteilung und Beschreibung der vier Fragmente siehe Binder 1979, S. 336 f.

[3] Vgl. Möbus 1994, S. 12, Binder 1979 S. 336

[4] Vgl. Binder 1971, S. 381, 385

[5] Auf Kafkas Aufenthalte in Riva und seine Beziehung zu dieser Stadt gehe ich detailiert im Gliederungspunkt

3. Kafka und Riva in dieser Arbeit.

[6] Vgl. Binder 1977, S. 194 ff.; Möbus 1990, S. 257; Krusche 1973, S. 135 f.

[7] Möbus, Frank: Sünden-Fälle. Die Geschlechtlichkeit in Erzählungen Franz Kafkas. Diss. Göttingen. 1994, S. 21

[8] Vgl. Möbus 1994, S. 20

[9] Vgl. Binder 1977, S. 196; Möbus 1990, S. 257

[10] Heine, Heinrich: Aus den Memoiren des Herren von Schnabelewopski. Stuttgart. 1973, Kap. VII, S. 35

[11] Vgl. Binder 1977, S. 195

[12] Vgl. Binder 1966, S. 176

[13] Siehe Abb. 1 und 2: Blick auf Riva del Garda aus der Felswand Rocchetta und dem Gipfel Cimma SAT

[14] Vgl. Helmut Dumler: Gardasee, Wandern und Erleben. München. 1999

[15] Siehe Abb. 3: Blick an die steilen Felswände vom Hafen in Riva del Garda

[16] Siehe Abb. 4: Blick an den Hafen in Riva und Beginn der Felswand Rocchetta

[17] Vgl. Binder 1971, S. 381

[18] Vgl. BW 65

[19] Vgl. Binder 1971, S. 385

[20] Vgl. B S. 40

Details

Seiten
27
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638574020
ISBN (Buch)
9783656071419
Dateigröße
587 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64644
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Philosophische Fakultät II. Philosophische Fakultät II.
Note
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Schlagworte
Franz Kafka Jäger Gracchus Spätwerk

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