Lade Inhalt...

Die Pflegevisite als qualitätssichernde Maßnahme in der Pflege und Betreuung

Studienarbeit 2006 30 Seiten

Pflegemanagement / Sozialmanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Pflegevisite
1.1 Was ist eine Pflegevisite und wozu dient sie
1.2 Die Pflegevisite als Steuerungs - und Kontrollinstrument

2. Definitionen von Pflegevisite

3 Vor - und Nachteile der Pflegevisite
3.1 Vorteile der Pflegevisite
3.1.1 Im Zusammenhang mit der Qualität der Pflege
3.1.2 Im Zusammenhang mit der Einbeziehung des Bewohners
3.2 Nachteile der Pflegevisite
3.2.1 Die Pflegevisite zur Erfüllung der fachlichen Aufsicht gegenüber Pflegekräften und Pflegehilfskräften

4. Ziele der Pflegevisite
4.1 Bezogen auf die Pflegequalität
4.2 Bezogen auf die Pflegefachkraft
4.3 Bezogen auf den Bewohner/Patienten

5 Strukturen der Pflegevisite
5.1 Der Zeitrahmen
5.2 Die Teilnehmer
5.3 Die Festlegung der Bewohner

6 Der Prozess der Pflegevisite
6.1 Praktische Anwendung der Pflegevisite
6.2 Vorbereitung
6.3 Durchführung
6.4 Nachbereitung

7 Einsatzmöglichkeiten der Pflegevisite
7.1 Die Pflegevisite zur Zielevaluation im Rahmen des Pflegeprozesses
7.2 Die Pflegevisite zur Erfüllung der fachlichen Aufsicht gegenüber Pflegekräften und Pflegehilfskräften
7.3 Die Pflegevisite als Instrument der internen Qualitätssicherung

8 Schlusswort

Einleitung

In der deutschsprachigen Literatur ist der Begriff der Pflegevisite seit

den 1980er Jahren zu finden, aber die ersten konzeptuellen Definitionen wurden erst Anfang der 1990er Jahre vorgestellt. Die Pflegevisite wird unterschiedlich definiert und hat mehrere Anwendungsbereiche. Sie reichen von der Pflegevisite als Führungsinstrument, der Pflegevisite als Qualitätsinstrument bis hin zur Pflegevisite als Instrument der Bewohnerpartizipation. Unter einer Visite stellt man sich gewöhnlich den Besuch des Arztes am Krankenbett vor. Pflegevisiten sind aber die logische Fortsetzung der Pflegeplanung, weil Pflegeplanung nicht statisch, sondern dynamisch ist, d.h. der Pflegebedarf oder die Pflegeprobleme des Bewohners ändern sich, Pflegeziele werden erreicht usw.. Ein wichtiger Aspekt ist auch das Selbstbestimmungsrecht unserer Bewohner, sie müssen Gelegenheit erhalten, seine Wünsche zu artikulieren und Informationen über die geplanten Ziele zu erhalten. Pflegevisite ist damit eine eigenständige Leistung der Pflege.

Der §4 Krankenpflegegesetz und der §3 Altenpflegegesetz fordern eine sach - und fachkundige, umfassende, geplante Pflege. Dies beinhaltet insbesondere,

sich für die Pflege am einzelnen Patienten sachkundig zu machen

(Informationsbeschaffung);

die Informationen möglichst umfassend zu erheben (z.B. im Gespräch mit dem Patienten);

auf Grundlage der Informationen die Pflege zu planen und zu dokumentieren;

im ambulanten Bereich mit dem ersten Hausbesuch eine Pflege einzurichten.

In der Ihnen vorliegenden Arbeit werde ich erörtern was eine Pflegevisite ist und wozu sie dient. Des weiteren werde ich mich mit den Vorteilen und Nachteilen der Pflegevisite auseinander setzen und werde Im Anschluss die Struktur der Pflegevisite erläutern. Zuguterletzt werde ich noch auf die verschiedenen Einsatzgebiete der Pflegevisite eingehen.

1 Die Pflegevisite

1.1 Was ist eine Pflegevisite und wozu dient sie

Die Pflegevisite ist einer von unzähligen Bestandteilen der Qualitätssicherung in der Pflege. Unter einer Visite stellt man sich gewöhnlich den Besuch des Arztes am Krankenbett vor. Ein wesentlicher Unterschied zwischen der Arztvisite und der Pflegevisite sind die zu erfüllenden Aufgaben.

In der Arztvisite geht es um die Diagnosen, um Vitalwerte wie Blutwerte, Blutdruck oder Puls. Darüber hinaus geht es um die Therapie, die dem Patienten im Umgang mit seiner Erkrankung helfen soll. Die Pflegevisite dient jedoch durch regelmäßige Besuche bei dem Bewohner dazu, Probleme und Ressourcen im Bereich der Pflege zu erkennen, sich daraus ergebende Maßnahmen und Ziele festzulegen und diese immer wieder zu überprüfen. Die Pflegevisite kann sowohl im stationären wie auch im ambulanten Bereich zu einer unabhängigeren und auch effizienteren Pflege führen.

Kommt ein Bewohner z.B. in ein Krankenhaus, hat er oft das Gefühl seinen gewohnten Lebensrhythmus aufgeben zu müssen. Plötzlich spielt es keine Rolle mehr, dass er gern etwas länger als bis 6.30 Uhr schläft und die Körperpflege am Morgen erfolgt, obwohl er sie am Abend bevorzugt. Der Bewohner gibt seine Eigenverantwortung ab, das Pflegepersonal plant und organisiert die Arbeit häufig im Dienstzimmer.

Das Konzept der Pflegevisite setzt auf Kommunikation und möchte dem Bewohner seine Eigenverantwortung nicht absprechen. Allen am Pflegeprozess Beteiligten, muss jedoch klar sein, dass ein Bewohner ein Laie ist und bleibt und somit auf genaue Information und Aufklärung angewiesen ist.

Wir Pflegende schätzen die Pflegesituation unserer Bewohner ein.

Angehörige, meist in der ambulanten Pflege, Wundmanager, Therapeuten, etc. nehmen nur in besonderen Fällen und/oder auf Wunsch des zu pflegenden Bewohners teil.

In der zeitlichen Abfolge ist es nicht notwendig sich zu sehr festzulegen. Die Pflegevisite soll zu einer Überprüfung der Pflegeplanung dienen. Maßnahmen und Ziele müssen gemeinsam kontrolliert und korrigiert werden. Durch die Pflegeplanung soll es allen Beteiligten möglich sein, jederzeit die notwendigen Informationen zur Durchführung der Pflegemaßnahmen nachzulesen.

1.2 Die Pflegevisite als Steuerungs - und Kontrollinstrument

Folgt man dem Prinzip des Pflegeprozesses als Regelkreis, dann stellt man fest, dass es sich dabei um einen sich selbst steuernden Prozess handelt. Die Selbststeuerung ergibt sich aus der Durchführung von regelmäßigen Evaluationen und aus der Anwendung der Prozessschritte. Mit der Pflegevisite wird dem Pflegeprozess ein weiterer Evaluationsprozess übergestülpt, sozusagen eine Metaevaluation (eine Überprüfung der Überprüfung des Pflegeprozesses).

Die Pflegevisite ist nicht nur für das „Leitende Pflegepersonal“ ein wichtiges Instrument um die individuelle Pflege (Pflegeprozess) zu gewährleisten und zu steuern, sondern für das gesamte Pflegepersonal.

Wenn die Pflegevisite richtig angewendet wird, lassen sich daraus die Sicherung der Pflegequalität und mögliche Umstrukturierungen, welche der Mitarbeiterzufriedenheit und der Organisation dienen, ableiten. Die Pflegevisite sollte jedoch niemals ein Druckmittel vonseiten des visitierenden Mitarbeiters (meistens sind es Vorgesetzte WBL/PDL)[1] gegenüber der Pflegepersonen sein, um den Pflegeprozess umzusetzen. Auch darf es kein Kritikgespräch sein, da sich dadurch keine qualitativen Maßnahmen ableiten lassen, welche für die Umsetzung des Pflegeprozesses und die Betreuung unserer Bewohner notwendig sind.

2. Definitionen der Pflegevisite

Bei meiner Literaturrecherche habe ich festgestellt, dass es keine einheitliche Definition der Pflegevisite gibt.

Nachfolgend habe ich einige fachspezifische Definitionen der Pflegevisite aufgeführt. Sie stehen stellvertretend für viele andere.

„Die Pflegevisite ist eine Form des strukturierten Klientenbesuchs mit dem Ziel der Überprüfung von pflegerischen Leistungen und deren Qualität.“[2] (Böllicke/ Panka 2004, S.59)

Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit der/dem Klienten/in über ihren/seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient der gemeinsamen

- Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen beziehungsweise der Pflegediagnose
- Vereinbarung der Pflegeziele
- Vereinbarung der Pflegeinterventionen
- Überprüfung der Pflege.“ (Heering/Heering 1994, S. 376)[3]

Die Definition der Pflegevisite nach Heering/Heering wurde im Pflegelexikon (Georg/Frohwein1999) übernommen und lautet:

Pflegevisite: regelmäßiger Besuch und Gespräch mit dem Patienten über seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient der Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen bzw. der Pflegediagnose, der Vereinbarung der Pflegeziele, Pflegeinterventionen und der Evaluation der Pflege (Georg, F. /Frowein, M., 1999)[4]

Die angeführten Definitionen lassen erkennen, dass die Pflegevisite es auf den Pflegeprozess absieht. Es geht aus den Definitionen nicht hervor, wie sich dieser Zusammenhang in der praktischen Arbeit gestaltet.

Je nach dem zugrunde liegenden Konzept kann die Pflegevisite Teil des Pflegeprozesses sein oder diesem übergestülpt werden.

Betrachtet man jedoch die Pflegevisite als Prüf- oder Kontrollinstrument zur Ausführung des Pflegeprozesses, dann handelt es sich im Prinzip um zwei verschiedene Abläufe. Erst die Zielsetzung bestimmt, wie der Pflegeprozess in der Pflegevisite verankert wird. Das bedeutet aber nicht, dass die Pflegevisite nur dem einen oder dem anderen Zweck folgen kann sondern das der Zweck oder die Zielsetzung eindeutig benannt werden muss. Eine Kombination der beiden Zielsetzungen finde ich vor allem im Zusammenhang mit der qualitätssichernden Funktion der Pflegevisite sinnvoll. Im folgenden Zitat ist beispielsweise die Notwendigkeit der Zusammenführung von der Pflegequalität, der Pflegeleistung und der Mitarbeiter klar und deutlich formuliert.

Mit der Pflegevisite kann die fachliche Überprüfung der Pflege durch Pflegefachkräfte gewährleistet werden. [...] Die Pflegevisite wird beim Pflegebedürftigen durchgeführt und dient unter anderem auch zur Erörterung des Befindens des Pflegebedürftigen, seiner individuellen Wünsche und seiner Zufriedenheit mit der Pflegeeinrichtung sowie der Erstellung, kontinuierlichen Bearbeitung und Kontrolle der Pflegeprozessplanung und -Dokumentation. Gleichzeitig bietet sie die Möglichkeit, die Qualität der Pflege zu beurteilen und zu optimieren. Die Pflegevisite wird hier als Planungs- und Bewertungsinstrument verstanden, sie kann aber auch als mitarbeiterzentriertes Instrument verstanden werden.

(Brüggemann 2002, S. 346)[5]

3 Vor und Nachteile der Pflegevisite

Aus meiner eigenen Erfahrung und den Erkenntnissen aus der mir vorliegenden Literatur fasse ich zusammen, dass die Vorteile einer Pflegevisite überwiegen.

Dies mag daran liegen, dass die meisten Veröffentlichungen der Autoren auf Erfahrungsberichten nach erfolgter Einführung beruhen.

Die Einrichtungen, so auch meine Einrichtung, die die Pflegevisite eingeführt haben, werden im Vorfeld Vor- und Nachteile abgewogen haben und hätten die Pflegevisite nicht eingeführt, wenn die Nachteile überwiegen würden.

3.1 Vorteile einer Pflegevisite

1. Im Zusammenhang mit der Qualität der Pflege
- in der Unterstützung und Präzisierung des Pflegeprozesses
- in der verbesserten Informationsweitergabe, vorwiegend innerhalb der
eigenen Berufsgruppe
- in der Einbeziehung unserer Bewohner in den Pflegeprozess
2. Im Zusammenhang mit der Einbeziehung des Bewohners
Entscheidend für die Einbeziehung ist die Abhängigkeit vom Gesundheitszustand des Bewohners.

Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die Pflegevisite bei unseren Bewohnern gut ankommt. Es entsteht für den Bewohner ein Klima des Angenommenseins und der Wertschätzung, wenn die PDL kommt und sich für den Bewohner Zeit nimmt. Während dieser Zeit besteht die Möglichkeit in einem Gespräch über positives oder auch über Wünsche (z.B der Bewohner äußert den Wunsch zum Abendessen ein Bier zu trinken) und Probleme (z.B. ein Bewohner sagt „Schwester meine Kleidung ist schon seit 3 Wochen in der Wäsche“ obwohl erst 2 Tage vergangen sind) zu sprechen.

Ich halte es auch für unverzichtbar, den Termin für die Pflegevisite durch den Mitarbeiter bekannt zu geben, der den Bewohner betreut.

3.2 Nachteile einer Pflegevisite

3.2.1 Die Pflegevisite zur Erfüllung der fachlichen Aufsicht gegenüber Pflegekräften und Pflegehilfskräften

Was man auf jeden Fall nicht unter dieser Art Pflegevisite zu verstehen hat ist folgendes:

•- Überprüfung der Sauberkeit des Zimmers
•- Überprüfung der Fachkraftquote
•- Überprüfung, ob Betäubungsmittel verschlossen aufbewahrt werden
•- Überprüfung der Temperatur des Medikamentenkühlschranks
•- Überprüfung, ob der Name des Heimbewohners an der Tür steht

Mit diesen und anderen Überprüfungen wird diese Art der Pflegevisite mit fremden Aufgaben so überlastet, bis schließlich das Wesentliche völlig aus dem Blickfeld verschwindet. Das ist nämlich die Überprüfung der fachlichen Richtigkeit der ausgeführten Maßnahmen. Bei meiner Literaturrecherche ist mir ein besonders negatives Beispiel einer Pflegevisite aufgefallen. Bei einem privaten Träger mit mehreren Heimen ist bekannt geworden: Dem Altenpfleger X wird mitgeteilt, dass am nächsten Morgen bei Bewohner Y eine Pflegevisite stattfindet. Vor der Pflegevisite fragt die PDL noch, ob Herr X den Bewohner lieber waschen oder baden möchte. Altenpfleger X entschied sich für das Waschen des Bewohners Y. Nach gut 1 Stunde Pflege unter Aufsicht der PDL findet eine Nachbesprechung statt. Die Auswertung der Pflegevisite ähnelte einem Kritikgespräch in der nur die Mängel der durchgeführten Pflege des Altenpflegers X kritisiert wurden. Auf den Bewohner Y wurde diesbezüglich gar nicht eingegangen. Das Ergebnis der Pflegevisite wird in einem Protokoll festgehalten, das der Altenpfleger X gegenzeichnen sollte. Als Begründung für diese "Pflegevisite" wird behauptet, der MDK[6] habe den Träger angewiesen, diese Pflegevisiten zur Sicherung der Pflegequalität einzuführen. Das mag ja sein, aber hat der MDK das auch so gemeint ? Solche durchgeführten "Pflegevisiten" entsprechen nicht meiner Vorstellung von einer Pflegevisite, da diese überaus schikanös und demütigend für den Betroffenen sind.

[...]


[1] WBL Wohnbereichsleiter/in

PDL Pflegedienstleiter/in

[2] Bölicke, C/ Panka, Ch.: Die Pflegevisite als Instrument der internen Qualitätssicherung in der extramuralen Pflege. In: Heering, Ch. (Hrsg): Das Pflegevisiten-Buch. Bern, (Verlag Hans Huber), 2004, S.59

[3] Heering, Ch. /Heering, K.: Theorie & Praxis in der Pflegevistite. In: Die Schwester/ Der Pfleger 33. Jahrgang 5/94, S. 376

[4] Georg, F. /Frowein,M.: PflegeLexikon. Wiesbaden, (Ulstein Medical), 1999

[5] Brüggemann, J.: Der Pflegeprozess in der Altenpflege – eine umfassende Herausforderung; In: Igl, G., Schiermann, D., Gerste, B., Klose, J. (Hrsg.): Qualität in der Pflege, Betreuung und Versorgung von pflegebedürftigen alten Menschen in der stationären und ambulanten Altenhilfe. Stuttgart, (Schattauer), 2002, S. 346

[6] MDK Medizinischer Dienst der Krankenkassen

Details

Seiten
30
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638575973
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v64901
Institution / Hochschule
BAK Die Bildungsakademie, Frankfurt
Note
2,0
Schlagworte
Pflegevisite Maßnahme Pflege Betreuung

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Die Pflegevisite als qualitätssichernde Maßnahme in der Pflege und Betreuung