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Petron - Cena Trimalchionis; Interpretation der Kap. 65,3-67,13

Hausarbeit (Hauptseminar) 2002 22 Seiten

Klassische Philologie - Latinistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Interpretation der Kapitel 65,3-67,13
65,3-8
65,9-66,7
67,1-5
67,6-13

Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Cena Trimalchionis bildet den Hauptteil Petrons sonst nur in Bruchstücken erhaltenen Romans Satyricon, dessen Entstehungszeitpunkt unbekannt ist.

Der Held und Erzähler ist Encolpius, ein junger gebildeter Mann. Zusammen mit seinen zwei Gefährten Giton und Ascyltos erlebt er viele erlebnisreiche Abenteuer. Mit Agamemnon, einem Bekannten, gelangen sie schließlich zu einem Gelage von Trimalchio, der sich als Freigelassener zu einem schwerreichen Mann emporgearbeitet hat. An dieser C ena nehmen neben den oben erwähnten Gefährten ehemalige Schicksalsgenossen Trimalchios, also ebenfalls Freigelassene, die aber nicht wie er die Höhen und Tiefen des Lebens erlebt haben, teil.

Gegen Ende des Gastmahles, also an der von mir zu interpretierenden Stelle erscheint der Steinmetz Habinnas mit seiner Frau, ein ebenfalls zu Ansehen und Reichtum gelangter Freigelassener, der von dem Leichenschmaus, von dem er gerade kommt, erzählt. Auf seinen Wunsch wird auch Fortunata, Trimalchios Gattin gerufen, aufgedonnert und nicht auf den Mund gefallen.

Die von mir zu behandelnde Textstelle hat eine interessante Stellung in Petrons Cena Trimalchionis: Sie stellt einen Teil des vierten, somit letzten Hauptgangs dar, welcher durch das plötzliche Auftreten Habinnas und seiner Gemahlin Scintilla unterbrochen wird.

Ich habe mich für diese Stelle entschieden, da sie meiner Meinung nach einen guten Einblick in die Cena Trimalchionis gewährt. Außerdem lässt sich an dieser von mir zu analysierenden Textstelle die Borniertheit und das Halbwissen der Gäste festmachen. Des weiteren bietet sich dieser Textausschnitt an, das von Habinnas bei seiner Erzählung verwendete Vulgärlatein genauer zu untersuchen.

Ich habe die Interpretation der Kapitel 65,3-67,13 in vier sinngemäße Abschnitte gegliedert und gehe in jedem einzelnen Abschnitt auf unterschiedliche Besonderheiten des Textes ein. Dabei versuche ich, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Inhalt und Sprache zu finden.

Interpretation der Kapitel 65,3-67,13

65,3-8 Ankunft des Steinmetz Habinnas

Mit dem plötzlichen Erscheinen Habinnas wird die Cena in ihrem Verlauf für einige Zeit erst einmal unterbrochen. Denn gerade als Trimalchio „matteae“ (65,1), also Appetithappen, herumreichen lässt, poltert es an der Tür und Habinnas, begleitet von einem Liktor und vielen Menschen, tritt ein. Encolpius ist so perplex über das plötzliche Erscheinen eines so großen Aufzuges, dass er Habinnas für den Prätor hält und somit in Panik aufspringt. Erst als Agamemnon daraufhin zu lachen anfängt und ihm sagt, dass Habinnas „sevir“ (65,5), also ein Mann vom Sechserrat und dazu Steinmetz sei, kann Encolpius staunend seinen Einzug beobachten.

Die erste und von den Kommentatoren viel diskutierte Frage, die bei diesem Abschnitt auftritt, ist, warum und mit welcher Intention Petron die Figur des Habinnas verspätet auftreten lässt. Ist es, wie z. B. Walsh[1], Slater[2] und Boyce[3] denken, eine von Petron so gewollte Verbindung zu Platons Symposium, wo Alcibiades auch verspätet, von einer anderen Feier kommend, eintrifft. Oder ist es eher, wie Smith denkt, zwar eine Parallele, aber dennoch ein aus anderen Gründen gewählter Einschub in den Ablauf des letzten Hauptgangs der Cena.

Ich stimme beiden Interpretationsmöglichkeiten in gewisser Weise zu. Einerseits bin ich der Meinung, dass es für Petron wichtiger gewesen ist, eine neue und überraschende Szene in den letzten Hauptgang einzubringen als auf Platons Symposium anzuspielen. Denn durch den Auftritt des Habinnas kommt gegen Ende der Cena ein neuer Charakter hinzu, der auch ein wenig Abwechslung mit sich bringt. Des weiteren denke ich - genauso wie Smith -, dass es zu der damaligen Zeit sicherlich üblich war, dass Gäste später oder auch ungeladen zu einer Feier erschienen.

Andererseits könnte ich mir aber auch vorstellen, dass, wie es Boyce z. B. sieht, Petron bewusst diese Verbindung zu Platons Symposium hergestellt hat, um die elevanten Unterschiede dieser beiden Festgelage zu betonen und somit im Vergleich zu den Charakteren bei Platon die des Petron als borniert und unwissend darzustellen:

„In place of the aristocratic milieu of the Symposium we find the vulgar company of the freedmen; in place of the charming Alcibiades, the crude Habinnas; (...) in place of the philosopher Socrates with his scorn for the material world, Trimalchio, who „sertertium reliquit trecenties, nec umquam philosophum audivit“ (71,12).“[4]

Ein weiterer, sehr interessanter Aspekt des ersten Abschnitts ist Encolpius’ Reaktion auf das plötzliche Erscheinen Habinnas. Er hält ihn direkt für den Prätor und wird erst durch Agamemnon eines Besseren belehrt. Hier wird Encolpius zwar von Agamemnon ausgelacht („risit hanc trepidationem Agamemnon“ - 65,5), und als „homo stultissime“ (65,5) bezeichnet, doch wie sich später herausstellt, hat er nicht ganz unrecht mit dem Gefühl, einen Prätor vor sich zu haben. Denn Habinnas, obgleich kein Prätor, setzt sich auf den „praetorio loco“ (65,7), nimmt also den Platz der höchsten anwesenden Magistratsperson ein. Hier kann man durchaus eine Parallele zu der einzig anderen Stelle der Cena ziehen, nämlich dem Kapitel 29,1, wo der Erzähler Encolpius die Situation ebenfalls missversteht und daher über ihn gelacht wird. Bei beiden Situationen, also einerseits dem plötzlichen Auftreten Habinnas in 65,5 und andererseits dem Erblicken des - an die Wand gemalten - Kettenhundes in 29,1 kommt der Erzähler mit dem plötzlichen und unerwarteten Szenenwechsel nicht zurecht und reagiert panisch und ängstlich, bevor er überhaupt die Gelegenheit hat, die Situation zu überdenken: Bei Habinnas‘ Einzug springt Encolpius auf („itaque temptavi assurgere et nudos pedes in terram deferre“ – 65,4), beim Erblicken des Hundes dagegen fällt er fast hin („paene resupinatus crura mea fregi“ – 29,1). In beiden Fällen kann man davon ausgehen, dass Encolpius, verglichen mit den anderen anwesenden Gästen, mit den Begebenheiten des Festmahls bei Trimalchio überfordert ist, denn er wird bei beiden Stellen von seinen Begleitern bzw. Agamemnon ausgelacht. Aber in beiden Situationen entsteht aus der anfänglichen Angst interessierte Neugierde: „Ego autem collecto spiritu non destiti totum parietem persequi“ (29,2); „Recreatus hoc sermone reposui cubitum, Habinnamque intrantem cum admiratione ingenti spectabam“ (65,6).

Nun möchte ich näher auf einzelne Wörter dieses Abschnitts eingehen, welche auf den ersten Blick und ohne Kenntnis der Sitten und Bräuche der Römer merkwürdig erscheinen.

Da wäre einmal das „veste alba“ in 65,3: Habinnas erscheint, obwohl er von einem Leichenschmaus („lautum novendiale“ – 65,10) kommt, in festlicher weißer Kleidung. Obwohl damals die Farbe der Trauerkleidung - wie heute auch - schwarz war, kam man zu Feiern, die zu Ehren eines Toten gehalten wurden, in weißer Kleidung, welche für jede Art von Festen üblich war.

Des weiteren ist auch „nudos pedes“ (65,4) zu klären. Es war üblich, seine Schuhe vor dem Abendessen abzulegen und seinem Sklaven zu geben, bis es Zeit war, nach Hause zu gehen.[5] Dennoch kommen Encolpius sowie Habinnas beim Verlassen der Cena nicht dazu, ihre Schuhe wieder anzuziehen.[6]

[...]


[1] vgl. Walsh, P.G.: Petronius: The Satyricon, translated with Introduction and Explanatory Notes, Oxford 1996

[2] vgl. Slater, Niall W.: Reading Petronius, Baltimore / London 1990

[3] vgl. Boyce, B.: The language of the freedmen in Petronius‘ Cena Trimalchionis, Leiden 1991

[4] Boyce, S. 88

[5] vgl. Smith, S. 182

[6] vgl. 72,4

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638140539
Dateigröße
562 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6499
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Institut für Altertumskunde
Note
2,0
Schlagworte
Petron Cena Trimalchionis Interpretation

Autor

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Titel: Petron - Cena Trimalchionis; Interpretation der Kap. 65,3-67,13