Lade Inhalt...

Psychologische Besonderheiten von Menschen mit Depressionen

von Vassilis Anagnostou (Autor) Krystian Kwasnievsky (Autor)

Hausarbeit 2006 29 Seiten

Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

( Anagnostou Kapitel 1-4 und Kwasnievsky Kapitel 5-10)

1. Einleitung

2. Zur Entstehung von Depressionen
2.1 Was versteht man unter einer Depression?
2.2 Arten der Depressionen

3. Unterschiedliche Aspekte von Depressionen
3.1 Biologische Betrachtungsweise
3.2 Phänomen der Stoffwechselveränderung

4. Psychologische Betrachtungsweise
4.1 Konzepte der Psychogenese der Depression
4.2 Vereinfachtes psychodynamisches Modell möglicher 10 Depressionsentwicklung nach Wolfersdorf (1997)
4.3 Das Verstärkerverlustmodell der Depression
nach Lewinsohn (1974)
4.4 Kognitives Depressionsmodell nach Beck (1974)

5. Therapie
5.1 Einleitung

6. Pharmakologische Behandlungen
6.1 Antidepressiva
6.2 Tranquilizer
6.3 Neuroleptika
6.4 Lithiumsalze
6.5 Johanniskraut

7. Psychotherapie
7.1 Soziotherapie
7.2 Verhaltenstherapie
7.3 Interpersonelle Therapie (IPT)

8. Weitere Therapiemethoden
8.1 Elektrische/elektromagnetische Stimulation
8.2 Lichttherapie
8.3 Schlafentzug

9. Sporttherapie
9.1 Einleitung
9.2 Die Bedeutung der Stimmung und der Stimmungsveränderung als
handlungsprozeßregulatorische Funktion
9.3 Stimmungsveränderung durch sportliche Aktivität
9.4 Das Sporttherapeutische Veränderungskonzept

10. Beispiel eines Sporttherapieprogramms
10.1 Die Grobstruktur des Sporttherapieprogramms
10.2 Die Feinstruktur des Sporttherapieprogramms

11. Fazit

12. Abbildungsverzeichnis

13. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Anzahl der Menschen in Deutschland, die an einer behandlungsbedürftigen Depression erkrankt sind, macht etwa fünf Prozent der Bevölkerung aus. Das sind in ganz Deutschland etwa vier Millionen Menschen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Zahl derjenigen, die im Laufe ihres Lebens an einer Depression erkranken werden, etwa drei Mal so groß.

Überdies zählen Depressionen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen in der weltweiten Bevölkerung. Das Phänomen Depression steht vor einem sehr komplexen Hintergrund, welcher unterschiedliche mögliche Ursachen für die Entstehung und Entwicklung heranzieht. Genauer gesagt wird insbesondere zwischen psychologischen, sozialen und biologischen Gründen unterschieden, die aber alle in einem Gesamtgefüge stehen und deshalb niemals getrennt behandelt werden sollten. Depression als „psycho-sozio-biologische Störung“ gilt aufgrund ihrer Suizidmortalität sogar als lebensgefährliche Erkrankung (Wolkersdorf). Ein weiterer Aspekt ist die Tatsache, dass depressive Episoden häufig in Zusammenhang mit anderen schweren psychischen sowie somatischen Erkrankungen stehen, so genannte Ko- und Multimorbilität („sekundäre Depression“), dadurch können Behandlungsweisen zusätzlich erschwert werden. Angesichts der betrachteten multifaktoriellen Intervention ist es notwendig, innerhalb der Therapiemaßnahmen besonders psychotherapeutische (z.B. die kognitive Verhaltenstherapie), psychosoziale (z.B. die Interpersonelle Psychotherapie) und biologische (z.B. antidepressive Medikamente oder Bewegungstherapie) Behandlungsmaßnahmen zu integrieren und mit zu berücksichtigen.

Ein zentrales Ziel in der Sporttherapie bei Depressiven ist, neben einer physiologischen Verbesserung der Leistungsfähigkeit besonders den Kommunikationsbereich der isolierten Patienten zu fördern, sie zu motivieren selbst etwas gegen die Krankheit unternehmen zu können.

In dieser Hausarbeit werden vielmehr psychosoziale Aspekte herangezogen, verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze und bewegungstherapeutische Möglichkeiten dargestellt, und es wird in geringerem Umfang auf medizinische Aspekte und medikamentöse Verfahren eingegangen.

2. Zur Entstehung von Depressionen

2.1 Was versteht man unter einer Depression?

Depression wird in erster Linie als eine affektive Störung bzw. Krankheit beschrieben, die eine typische Leitsymptomatik aufweist (so genanntes „depressives Syndrom“ oder „depressive Episode“). Eine Störung der Affektivität bedeutet, dass die Stimmung und die Gefühle der Bertoffenen beeinträchtigt sind bzw. sich in Form einer „inneren Leere“ und Gefühllosigkeit niederschlagen. Depressionen sind von Geisteskrankheiten stark abzugrenzen. Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Antriebslosigkeit sind nur einige Symptome einer Depression, die bis hin zu Angstzuständen oder Manien führen können. Doch nicht nur die Gefühlswelt der Betroffenen ist dabei gemeint, sondern man spricht von einer „seelisch-körperlichen Herabgestimmtheit“, die den gesamten Menschen, sein Denken, seine Gefühle, seine Bezüge zur Umwelt und besonders zu seiner eigenen Person umfasst. Gedanken von Insuffizienz, Wertlosigkeit und Schuld reduzieren den Antrieb und das Interesse an Beziehung, Arbeit und Umwelt. Dies wiederum führt den Teufelskreis fort, nämlich dass sich erneut Schuldgefühle über Versagen und damit die eigene Selbstentwertung bzw. das Minderwertigkeitsgefühl folglich verstärken. Gedanken des Nichtleistenkönnens (Insuffizienzgefühl), z.B. „Ich bin für nichts zu gebrauchen“ oder „Keiner mag mich, ich bin selber Schuld daran, dass ich Wertlos bin“, sind zentrale Thematiken im Denken Depressiver (Wolfersdorf). Auch im Hinblick auf die Motivation oder besser gesagt die Perspektivlosigkeit und den eigenen Leistungsanspruch, der bei Depressiven entschieden zu hoch angelegt sein kann, kann es zu Hoffnungslosigkeit und Versagensangst kommen, welche dazu führen kann, dass das Vertrauen in Behandlungsmöglichkeiten zusätzlich erschwert wird. Der Übergang bzw. die Grenze vom „normalen“ zu einer Depression verläuft in den meisten Fällen in einem grenzenlosen Übergang, jedoch spricht man von einer Depression, wenn mindestens acht der charakteristischen Symptome in einem Zeitraum von über vier bis sechs Monaten konstant und expressiv vorhanden sind.

2.2 Arten der Depression

Es werden auch verschiedene Arten der Depression unterschieden, die unipolare Depression ist beispielsweise die häufigste depressive Erkrankung. Unipolar (einpolig) nennt man diese Form der Depression deswegen, weil die Patienten vorwiegend depressive, aber keine manischen Phasen erleiden. Die Hauptsymptome sind Morgentief, Schlafstörungen und Niedergeschlagenheit.

Die bipolare ist im Unterschied zur unipolaren Depression durch depressive und zusätzliche manische Phasen gekennzeichnet. In der Manie dominiert bei den Betroffenen ein übersteigertes und hinsichtlich der eigenen Fähigkeiten unangemessenes Selbstverständnis. Das bedeutet, dass die Betroffenen die Müdigkeitserscheinungen ihres eigenen Körpers nicht mehr wahrnehmen, sich damit überstrapazieren und überfordern, hinzu kommt der oben beschriebene Teufelskreis, der die Situation zusätzlich verschlimmern kann, indem das Insuffizienzgefühl verstärkt werden kann. Bei der Dysthymie sind die depressiven Symptome zwar etwas milder ausgeprägt als bei der unipolaren Depression, doch sie beginnen oft schon im Jugendalter und verlaufen meist chronisch, erstrecken sich also über weite Lebensabschnitte hinaus und bleiben in der Regel unbehandelt. Bei der Zyklothymie, dem bipolaren Gegenstück zur Dysthymie, kommt es zu unterschwelligen manischen und depressiven Phasen.

Im Bereich der Klassifizierung depressiver Erkrankungsweisen ist es wichtig zu erkennen, dass hier eine genaue Abgrenzung der unterschiedlichen Ausprägungen nicht möglich ist. Deshalb unterteilt die WHO depressive Episoden bereits beschreibend in leichte, mittelgradige und schwere Episoden. Besonders in den nachfolgenden unterschiedlichen Entstehungsperspektiven von Wolfersdorf und Beck, die hier angeführt werden, ist zu erkennen, dass eine Vielzahl komplexer und zusammenhängender Perspektiven für die Ursachenerklärung herangezogen werden müssen.

3. Unterschiedliche Aspekte von Depressionen

3.1 Biologische Betrachtungsweise

Aufgrund der relativ jungen und neuen Erkenntnisse auf den Gebieten biochemischer und neurophysiologischer Forschung kann die Ursache von Depressionen von einem umfassenderen Blickwinkel betrachtet werden als zuvor. Es werden zunehmend auch Aspekte der Mimik, Gestik und Haltung von Depressiven miteinbezogen und haben auf dem Gebiet der Psychomotorik beispielsweise vielfältige Perspektiven eröffnet. Somit klagen Patienten häufig von subjektiven Beschwerden in den Regionen Herz (Beklemmungsgefühle) und Gehirn (Druck- und Schweregefühl), also die Organe, die symbolisch für das Zentrum von Körper und Geist stehen, obwohl bei objektiven Untersuchungen gerade hier keine Einschränkungen nachvollzogen werden können. Über die Störungen des Bewegungsapparates und eine Hemmung in den Aktivitäten hingegen werden weniger geklagt. Denn gerade auch im Bereich der „Immobilität“ kann nachgewiesen werden, dass „eine Verminderung der Spontanbewegungen nicht einfach durch bloße Entspannung der Muskulatur geschieht, sondern eventuell sogar häufig durch eine Erhöhung der Muskelspannung gegensätzlich wirkender (antagonistischer) Muskelgruppen erfolgt“ (vgl. D. Hell).

3.2 Phänomen der Stoffwechselveränderung

Gerade im Bereich der „Biochemie der Depression“ muss vorweggenommen werden, dass die Komplexität der vorherrschenden Wirkmechanismen am höchsten liegt und bislang keine endgültigen Aussagen zur Entstehung einer Depression gelungen sind.

Bei der Depression vermutet man eine Störung der speziellen Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin (Neurotransmittersubstanzen). Starke oder langandauernde psychische Belastungen, aber auch bestimmte körperliche Erkrankungen können das Gleichgewicht dieser Botenstoffe verändern. Ein Mangel an Serotonin und Noradrenalin im synaptischen Spalt zwischen den Nervenendigungen bewirken Übertragungsstörungen von Informationen im neuronalen Netzwerk des Nervensystems. Der Mangel an Botenstoffen steht in enger Beziehung mit der Symptomatik von Depressiven, beispielsweise der Einschränkung von Gestik und Mimik, der schlechteren Hautdurchblutung und den Appetitstörungen. Darüber hinaus sind bestimmte Regionen im Gehirn zuständig, auch für Gefühle. In der Therapie mit antidepressiven Medikamenten bleibt ein Erfolg für eine effektive Ursachenbekämpfung ebenfalls aus. Es wird vielmehr angenommen, dass Depressive durch eine medikamentöse Therapie ihre körpereigenen Mechanismen zur Selbstheilung anregen, welche positive Heilungsprozesse zur Folge hat. Weiteres zu Therapiemaßnahmen kann in nachfolgenden Punkten dieser Hausarbeit entnommen werden.

4. Psychologische Betrachtungsweise

4.1 Konzepte der Psychogenese der Depression

Wie schon erwähnt reichen einseitige Formulierungen zur Erklärung einer depressiven Disposition nicht aus. Deshalb wird davon ausgegangen, dass sowohl biologische als auch psychologische Ausgangsbedingungen und Entwicklungs-gründe für eine solche Disposition verantwortlich gemacht werden.

Im Folgenden sind zur Übersicht einige Modellvorstellungen von H.S Akisakal (1995) als „Konzepte der Psychogenese der Depression“ aufgezählt und kurz erläutert.

1. Das Konzept der Aggressionsumkehr:

Hierbei handelt es sich um einen „aggressiven Trieb“, der in eine depressive Gestimmtheit umgewandelt wird.

2. Das Konzept des Objektverlustes,

welches auf der Unterbrechung einer engen Beziehung beruht.

3. Das Selbstwert-Konzept:

Ein anzustrebendes „Ich-Ideal“, dass hinsichtlich der Erreichung wichtiger persönlicher Ziele ausbleibt aufgrund einer Hilflosigkeit.

4. Das kognitionstheoretische Konzept,

bei dem es um negative kognitive Schemata im Denken eines depressiv werdenden Menschen geht (siehe Kapitel 4.4).

5. Die „gelernte Hilflosigkeit“:

Diese Deutung beruht auf die Erfahrungsverarbeitung eines Depressiven mit der gleichzeitigen Überzeugung, dass unerwünschte Ereignisse nicht zu beeinflussen sein (so genanntes „Ohnmachtgefühl“).

6. Das Verstärkerkonzept,

welches von einer niedrigen Rate an positiver Verstärkung und von sozialen Defiziten, Verstärkung zu erreichen, ausgeht. (vgl. Magersucht)

7. Das neurobiochemische Modell:

Es beinhaltet das Phänomen der in Kapitel 3.2 beschriebenen Dysregulationen der Neurotransmitter Noradrenalin und Serotonin.

8. Das neurophsychologische Konzept:

Ein Konzept, das von elektrophysiologischen Störungen ausgeht, die zu einer neuronalen Hyperexzitation und zum „Kindling-Phänomen“ führen kann. (D.h. Gehirnzellen, die an einer Episode beteiligt waren, werden das wahrscheinlich wieder tun und im Lauf der Zeit werden immer mehr Zellen sensibilisiert, das bedeutet für die Therapie, dass die Folgeepisoden schwieriger behandelt werden können, man spricht von einer „Behandlungsresistenz". Das Kindling-Phänomen versucht somit zu klären, dass im Laufe mehrerer depressiver Erkrankungsphasen zunehmend geringere Auslöser, zunehmend weniger offensichtliche Belastungsfolgen eine Rolle spielen. (vgl. Wolfersdorf, 2001)

9. Das Konzept des „final common pathway“

Hier handelt es sich eigentlich um ein Diathese-Modell, welches alle psychologischen, psychosozialen und physiologisch-biochemisch Stessoren einbezieht.

Als analoges Beispiel dazu sei das Diathese-Modell anhand chronischer Schmerzen erwähnt. Das Diathese-Stress-Modell besagt, dass aufgrund konstitutioneller Gegebenheiten oder einer lerngeschichtlichen bedingten Bereitschaft eines Organismus zu bestimmten krankhaften Reaktionen (Diathese) eine Prädisposition vorliegt, in Stressreaktionen mit einer Tonussteigerung spezifischer Muskelgruppen zur reagieren. Dieses Modell hat sich weitestgehend in der Therapie von chronischen Schmerzen durchgesetzt, was auch darauf zurückzuführen ist, dass es durch physiologische Befunde an Patienten mit Spannungskopfschmerzen oder Rückenschmerzen gestützt worden ist. Das Modell bietet die Möglichkeit, Schmerzen und deren Ursache auf somatischer Ebene zu erklären und schließlich über Informationen zur Stressbearbeitung auch psychologische Wirkfaktoren auszudrücken. Fast alle schmerztherapeutischen Ansätze orientieren sich am Diathese-Stress-Modell.

Eine vergleichbare Art der Chronifizierung könnte man sich auch bei Depressiven vorstellen.

Bei allen genannten Konzepten werden zwei wesentliche Ansätze verfolgt. Einmal so genannte „psychologische Überlegungen“, die innerhalb der individuellen Entwicklungsgeschichte eines Menschen bei gewissen Ereignissen in allen Lebensabschnitten (Kindheit, Jugend und Erwachsenenalter) eine bestimmte Persönlichkeit entstehen lassen. Diese Persönlichkeit mit ihren mentalen Strukturen ist als Disposition, bzw. als „Vorläuferbedingung“, ausschlaggebend für eine mögliche depressive Symptomatik, die sich gegenüber entsprechenden Ereignissen offenbaren kann. Außerdem entsteht wie oben schon erwähnt eine Sensibilisierung, die nicht nur neuronale Strukturen umfasst, sondern auch die daraus resultierenden kognitiven Auswirkungen verstärkt, d.h. die Schwelle zur Auslösung einer Depression wird von Episode zu Episode geringer.

Die zweite Betrachtungsweise wird dem neurobiologischen Bereich zugerechnet, auf die augenblicklich kein Schwerpunkt gesetzt wird.

4.2 Vereinfachtes psychodynamisches Modell möglicher

Depressionsentwicklung nach Wolfersdorf

Die Entwicklung einer depressiven Persönlichkeit wird wie oben bereits erwähnt in einem Zusammenhang mit der Lebensgeschichte des depressiv Kranken gesehen. Wolfersdorf postuliert in seinem psychodynamischen Modell (Abb. 1) eine „frühkindliche Mangelerfahrung“ welche sich zu einem globalen Gefühl des „existenziellen Zuwenig“ und einem instabilem Selbstwertgefühl äußert (psychologische Disposition). Für Menschen, die in emotionalen Mangelsituationen und in Situationen gestörten Wertegefühls aufwachsen, ist die Welt bzw. ihre Umgebung eine dauernde Wiederholung dieses Mangels. Daraus resultiert eine „emotionale Überbedürftigkeit“, ein starkes Zuwendungsbedürfnis mit verstärktem Bedürfnis nach Wertschätzung, die aus Zuwendung (Wert der eigenen Person durch Wertzuweisung anderer) besteht. Besonders deutlich werden diese Persönlichkeitszüge wenn es um Leistung geht und sich der Fremdwert zum Selbstwert wendet. Nach Wolfersdorf entwickeln Depressive zwei Hauptkompensationsschienen bei denen die Oralität besonders substantiell wird. Einerseits im Bereich von Leistung, indem ein hohes Niveau an Normen entwickelt wird und ein Leben lang versucht wird, diesem selbst uneinholbarem Ziel zu folgen und gerecht werden (siehe Kapitel 2.2).

Andererseits erfolgt eine starke Anpassung an die Familie, den Partner, die Gesellschaft oder an institutionelle Strukturen, alles was Nähe und Geborgenheit vermittelt und Schutz vor Aggression bietet. Schutz vor Aggression bedeutet in diesem Zusammenhang, dass ein hohes Bedürfnis an Harmonie besteht, beispielsweise besteht in der Partnerschaft die Angst vor Alleinsein, vor einer Trennung und besonders vor Verlust von Achtung, Anerkennung und Wertschätzung, gerade alle Faktoren bzw. Aggressionen, welche eine bestehende Harmoniebeziehung aus dem Gleichgewicht bringen könnten. Um diese lebenswichtige, harmonische Geborgenheit nicht zu gefährden, vermeiden Depressive alle erdenklichen Konfrontationen, Belastungen, Bedrohungen und Phantasien, die als „auslösende Ereignisse“ gelten („Aggressionsvermeidung“).

Wolfersdorf beschreibt „auslösende Ereignisse“ als Konfliktfelder, die aber gleichzeitig möglichen Ansatzpunkte in einer Psychotherapie darstellen. Zu den Vermeidungsstrategien der Aggression gehören die folgenden Konfliktfelder: Abhängigkeit vs. Autonomie, Unterwerfung vs. Kontrolle, Versorgung vs. Autarkie, Selbstwertkonflikte (Selbstwert vs. Objektwert), Über-Ich- und Schuldkonflikte (egoistische vs. prosoziale Tendenzen), ödipale-sexuelle Konflikte, Identitätskonflikte (Identität vs. Dissonanz), fehlende Konflikt- und Gefühlswahrnehmung.

Im Prinzip sind alle Zustände gemeint, die mit Veränderungsanforderungen einhergehen, bei denen Depressive neue Wege gehen, sich umorientieren müssen und damit weiterentwickeln. Das Insuffizienzgefühl dagegen führt zu einer „depressiven Gehemmtheit“ und es entstehen Zweifel und Angst, aufgrund fehlender Autonomie und Aggressivität etwas in die Hand zu nehmen und „jemand darzustellen“, eine „eigene Wertigkeit“ zu besitzen.

[...]

Details

Seiten
29
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638579940
ISBN (Buch)
9783638670586
Dateigröße
599 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65426
Institution / Hochschule
Deutsche Sporthochschule Köln – Institut für Rehabilitation und Behindertenspor
Note
sehr gut
Schlagworte
Psychologische Besonderheiten Menschen Depressionen Patientenschulung Rahmen Sporttherapie depressiv melancholie psychosomatisch stressmanagement Achtsamkeit stressreduktion stress

Autoren

Teilen

Zurück

Titel: Psychologische Besonderheiten von Menschen mit Depressionen