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Welche Faktoren beeinflussen die Lesekompetenz und wie kann sie gefördert werden?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 19 Seiten

Didaktik - Deutsch - Pädagogik, Sprachwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Einflussfaktoren
2.1 Personale Faktoren
2.2 Soziale Faktoren
2.3 Text- und medienseitige Faktoren

3. Praktische Beispiele zur Förderung der Lesekompetenz
3.1 Förderung in der Schule
3.2 Förderung im Elternhaus

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der heutigen Gesellschaft sind vor allem die neuen Medien, wie Computer, Fernsehen etc., gefragt und beliebt. Das Lesen steht nicht mehr alleine im Vordergrund, sondern wird neben anderen Mediumsarten genutzt. Lange wurde aus diesem Grund die Meinung vertreten, dass die neuen Medien das Lesen ganz verdrängen. Diese Auffassung ist aber von der Forschung widerlegt worden. Ich kann mich dieser Meinung nur anschließen. Für mich stellen die neuen Medien eine Ergänzung zur Informationsbeschaffung und Freizeitgestaltung dar.

In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die Wissenschaft jetzt mit der Frage, ob sich die Güte des Lesens im Zusammenspiel mit den neuen Medien gewandelt hat. Diese Untersuchung lässt sich unter dem Begriff der Lesekompetenz zusammenfassen.

Unter Lesen versteht man allgemein eine Informationsaufnahme. Es gibt gravierende Unterschiede in der Art und Weise wie ein Individuum liest. Es gibt schlechte und gute Leser und unterschiedliche Lesegeschwindigkeiten. Lesen ist in unserer Gesellschaft ein wesentlicher Bestandteil, um an der Kommunikation teilnehmen zu können.

Unter Kompetenz versteht man eine Fähigkeit des Individuums. Diese kann in verschiedenen Situationen (z.B. Organisation in Krisenzeiten) auftreten. Kompetenzen sind vom Individuum abhängig.

Meine Hausarbeit beschränkt sich nur auf die Kompetenzen, die für den Leseprozess entscheidend sind.

Im Folgenden werde ich die Einflussfaktoren darstellen, die für die Lesekompetenz grundlegend sind. Anschließend folgen praktische Beispiele, um die Lesefähigkeiten zu fördern. Diese Beispiele sind aus aktuellen Schulzeitschriften entnommen und enthalten auch Tipps für die Eltern.

2. Einflussfaktoren

In diesem Kapitel stelle ich die theoretischen Faktoren, die für die Lesekompetenz eines Individuums eine große Rolle spielen dar. Dabei habe ich folgende Fragen berücksichtigt:

Warum können manche Menschen besser lesen als andere? Gibt es Faktoren, die für die Lesekompetenz verantwortlich sind? Und wenn welche sind es?

Damit ein Individuum Lesekompetenz entwickeln kann, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Zum einen stehen persönliche Wesensmerkmale im Vordergrund. Aber auch die Umgebung des Individuums ist ein entscheidender Faktor für die Lesequalitäten eines Menschen. Das Geschlecht des Individuums wird in dieser Hausarbeit nicht berücksichtigt oder weiter verfolgt. Als letzter Faktor ist die Textsorte zu nennen.

Im Folgenden werden die einzelnen Einflussfaktoren dargestellt und erklärt. Ein praktischer Bezug dazu, folgt im Kapitel 3.

2.1 Personale Faktoren

Eine erste wichtige und entscheidende Gruppe bilden die individuellen Eigenschaften eines Menschen. Jedes Individuum regiert anders auf die Voraussetzungen seiner näheren Umwelt, d.h. selbst bei gleichen Bedingungen (Herkunft, Geschlecht, Schulbildung) kommt es zu unterschiedlichem Lesefähigkeiten.[1]

In der Forschung (Leserpsychologie) wird meistens keine Trennung zwischen dem Individuum und den Einflüssen seiner Umwelt vorgenommen. Diese Tatsache muss bei Forschungsergebnissen berücksichtigt werden. Ein Fazit aus den Befragungen ist: „Immer wieder stellt sich heraus, dass Menschen, die in ihrer Freizeit oft und lange lesen, sich durch ein hohes persönliches Aktivitätsniveau von denen unterscheiden, die dies nicht tun [...], außerdem zeichnet sie eine breite inhaltliche und mediale Interessenvielfalt aus [...], speziell dem Buch begegnen sie mit einer ausdifferenzierten Palette von Gratifikationserwartungen, sowohl im Hinblick auf emotionale als auch distanzierte und reflektierte Leseerfahrungen [...].“[2]

Aus Acht gelassen werden darf nicht, dass ein enger Zusammenhang zwischen Individuum, Gesellschaft und Lesemotivation besteht, „[...] so dass personale Bedingungen der Lesekompetenz in starkem Maße rückverweisen auf Voraussetzungsbedingungen der Sozialisation.“[3] Die für die Lesesozialisation in Frage kommenden Komponenten (individuelle und soziale Faktoren) sind kaum und schwierig voneinander abzugrenzen. Die individuellen Eigenschaften für die Lesekompetenz sind „[...] auch abhängig von textseitigen Voraussetzungen bzw. der Veränderung der medialen Angebote [...].“[4]

Ich stelle es mir in der Praxis äußerst schwierig vor, die verschiedenen Einflussfaktoren (Umwelt und persönliche) voneinander abzugrenzen. Was trage ich persönlich und was meine Umwelt dazu bei? Ich denke alles bedingt sich gegenseitig und ganze genaue Abgrenzungen sind nicht möglich.

2.2 Soziale Faktoren

[5] „Nach übereinstimmender Forschungsauffassung ist die Familie die wichtigste Vermittlerin von Lesekompetenz.“[6] Die Familie ist der erste Berührungspunkt des Kindes mit seiner Umwelt. Sie sind jeden Tag für das Individuum dar und beeinflussen weitläufig und zum Teil planlos die Entwicklung ihres Kindes. Bevor das Kind lesen lernt, findet schon vorher eine Eingliederung zum Thema Lesen durch das Sprechen über und von Literatur seitens der Eltern (z.B. Vorlesen) statt. „Die Häufigkeit und Art solchen Umgangs mit dekontextualisierter Sprache, später die Häufigkeit von Gesprächen mit den Eltern über Gelesenes in Anschlusskommunikation, die Breite gemeinsamer Leseinteresse, die Häufigkeit gemeinsamer Lesesituationen, der Besuch von Buchhandlungen und Bibliotheken zusammen mit den Eltern fördern nachweislich Lesefreude, -dauer und -häufigkeit der Kinder.“[7]

Entscheidend für das Leseverhalten des Kindes ist zusätzlich das Beispiel der Eltern. Die Mutter ist dabei wichtiger, da sie in der Regel den ganzen Tag im Umfeld des Kindes ist. Für die Vorbildfunktion der Eltern spielen folgende Fragen eine Rolle: Wie oft lesen die Eltern selber ein Buch? Erfolgt das Lesen mit Freude? Im positiven wie im negativen Sinn wird das Kind von dem elterlichen Vorbild angesteckt und übernimmt dieses Verhalten. Es ist erwiesen, dass die Vorbildfunktion effektivere Wirkungen erzielt im Gegensatz zu Anordnungen und Belehrungen bezüglich des Leseverhaltens. Wenn die Eltern keine motivierenden Leser sind und trotzdem versuchen ihr Kind dazu zu zwingen, scheitern diese Versuche oft.

Durch die elterliche Unterstützung wird die Lesemotivation der Kinder folglich geweckt und bestärkt. Auch die Wahrnehmungsfähigkeit der Kinder und die anschließende Kommunikation über eine Sache oder einen Gegenstand werden gefördert. Durch diese Kommunikation lernen Kinder „[...] sozial-emotionale Erfahrungen mit Literatur zu verbinden, die die Basis bilden können für die Entwicklung literaturbezogen-reflexiver Fähigkeiten.“[8]

Es ist erwiesen, dass Kinder versuchen den Lesestoff auf ihren eigenen Lebensbereich zu übertragen und nutzbar zu machen. „Stärker als diese [Erwachsene, der Verfasser] suchen sie Identifikationsmöglichkeiten mit den Figuren einer Erzählung, sie suchen in der Lektüre vor allem Phantasie-Welten, Spannung, Humor; außerdem möchten Sie von der Lektüre profitieren.“[9] Sie unterscheiden die ihnen zum Lesen vorgelegten Texte hierbei nicht. Nicht nur die Anzahl der Anstöße von Seiten der Eltern (bei der Eingliederung in den Leseprozess) sind wichtig, sondern auch aus welcher Beschaffenheit diese sind. Ein Kriterium für die Güte ist das soziale Umfeld des Elternhauses. Aus welcher sozialen Klasse stammen die Eltern? Welchen Bildungsweg haben die Eltern genossen? Kommt die Familie aus einer eher niedrigen Schicht der Gesellschaft, dann können die Eltern die Kinder meist aus Zeit- und Geldnot nur wenig oder gar nicht ausreichend im Lesen fördern.

[...]


[1] Die Fußnote bezieht sich auf das gesamte Kapitel 2.1., Vgl. Hurrelmann, „Sozialhistorische Rahmenbedingungen von Lesekompetenz sowie soziale und personale Einflussfaktoren“, S. 141-142

[2] Hurrelmann, „Sozialhistorische Rahmenbedingungen von Lesekompetenz sowie soziale und personale Einflussfaktoren“, S. 142

[3] Ebd., S. 142

[4] Ebd., S. 142

[5] Die Fußnote bezieht sich auf das gesamte Kapitel 2.2., Vgl. Hurrelmann, „Sozialhistorische Rahmenbedingungen von Lesekompetenz sowie soziale und personale Einflussfaktoren“, S. 138-141

[6] Ebd., S. 138

[7] Hurrelmann, „Sozialhistorische Rahmenbedingungen von Lesekompetenz sowie soziale und personale Einflussfaktoren“, S. 138-139

[8] Ebd., S. 139

[9] Franzmann, S. 33

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638581646
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65647
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Schlagworte
Welche Faktoren Lesekompetenz Verstehensprozesse

Autor

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