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Das Heilige bei Rudolf Otto

Seminararbeit 2006 13 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Das „Heilige“ bei Rudolf Otto
II.1. Das Numinose und das „Heilige“
II.2. Entwicklungsgeschichtliche Vorstufen und Stufen der Religion nach Otto
II.3. Apriorität und der Begriff der „Anlage“
II.4. Das Heilige als Kategorie a priori

III. Kritik an Rudolf Ottos Schrift
III.1. Das Numinose Gefühl
III.2. Apriorität

IV. Fazit

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Das Heilige, seit jeher, gerade im Deutschen, ein schwer zu fassender Begriff, ist Gegenstand des gleichnamigen Buches aus dem Jahre 1917 von Rudolf Otto. Der bekannte Theologe Otto versucht in seinem viel rezipierten Buch seinen Lesern und zugleich der religionswissenschaftlichen und theologischen Welt, die Entstehung und Bedeutung des Heiligen oder des Numinosen (eine Wortschöpfung, die von Otto selbst stammt) zu erklären und damit die wahrscheinlich ewig währende Definitionsfrage des Heiligen einen entscheidenden Schritt nach vorne zu bringen.

Otto bestimmte das Heilige als ein Apriori, das aller religiösen Erfahrung zugrunde liegt. Er umschrieb es mit mystisch und fasste seine wichtigsten irrationalen Momente wie das fascinans und das tremendum zum Numinosen zusammen. Über diese Kategorie des Numinosen versuchte Otto das allem Natürlichen gegenüberstehende „Ganz Andere“, also das Objekt der Religion zu erreichen. Gleichzeitig glaubte Otto erkannt zu haben, dass das Heilige eine zusammengesetzte Kategorie sowohl aus irrationalen als auch aus rationalen Momenten sei.

Mit dieser Arbeit soll nun der Versuch unternommen werden, den Begriff des Heiligen bei Rudolf Otto in dessen gleichnamigen Werk näher zu beleuchten. Besonderes Augenmerk liegt hierbei auf der apriorischen Kategorie, die Otto zu beweisen versucht. Die interessante historische Entwicklung des Begriffes des Heiligen in der Sprache muss hierbei allerdings ausgelassen werden, da diese den Rahmen dieser Arbeit unheilsam sprengen würde.

Wie bereits angedeutet hat Ottos Werk nicht nur in der wissenschaftlichen Welt große Bedeutung gewonnen und analog dazu einige Kritiker auf den Plan gerufen. Ihre Anmerkungen zu Ottos Religionsbegriff sollen ebenso wie Otto selbst ihren Platz in dieser Arbeit finden.

In dem ersten Teil dieser Arbeit soll nun neben Ottos Wirken seine Kategorie des Heiligen vorgestellt werden.

Im zweiten Teil dieser Arbeit sollen exemplarisch einige Gegenpositionen zu Ottos Werk beleuchtet werden.

In Anbetracht des Erscheinungsdatums des Werkes von Otto bewegt sich auch die verwendete Literatur zum großen Teil in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, namentlich Schriften von Joseph Geyser, Walter Baetke und Friedrich Karl Feigel. Aber auch Literatur neueren Datums soll hier ihre Verwendung finden, so zum Beispiel „Philosophie und Theologie bei Rudolf Otto“ von Tomislav Tribuljak.

II. Das Heilige bei Rudolf Otto

II.1. Das Numinose und das „Heilige“

Von entscheidender Wichtigkeit für den weiteren Verlauf dieser Arbeit ist die Unterscheidung zwischen den Begriffen des „Heiligen“ und des Numinosen bei Otto.

Ottos Begriff für das Göttliche ist der aus dem Lateinischen stammende Terminus des „Numen“ oder des „Numinosen“, das eine Eigenkreation Ottos ist[1]. Das mit diesem Terminus versehende Göttliche ist für das menschliche Denken „irrational“ und „ganz Anders“[2]. Der theistische „Gott“ dagegen ist dem rationalen Denken zuzuschreiben, ist also einer rationalen Kategorie zugehörig[3]. Sowohl „Gott“ als auch das „Göttliche“ sind Bestandteile der „Idee des Göttlichen“[4]. Das Numinose ist für Otto ein Grundgefühl, das aus dem von ihm selbst so benannten „Seelengrunde“ stamme und das den Menschen erst dazu befähige das Heilige zu erkennen[5].

Das Heilige ist für Otto eine zusammengesetzte Kategorie aus rationalen und irrationalen Bestandteilen[6]. Nach beiden Momenten ist diese Kategorie eine „Kategorie a priori“[7], die, was Otto mit diesem Kantischen Ausdruck sagen möchte, sich nicht aus den Sinneserfahrungen ableiten lässt, die vielmehr im Geiste selbst, der eine spezifische Anlage dazu empfangen hat, entspringt[8].

„Wir nennen diesen Quell eine verborgene Anlage des menschlichen Geistes, die, durch Reize geweckt, wach wird. Anlagen für etwas in gesteigerter Form sind Talente für etwas. Anlage als „Veranlagung“ für etwas ist zugleich eine teleologische Determinante, ein a priori der Richtung von Erleben Erfahren Verhalten – ein a priori Eingestellt sein auf etwas.“[9]

Diese Anlage wird im Menschen teils durch äußere Reize, teils durch eigenen inneren Druck zum religiösen Triebe, der religiöse Vorstellungen und Gefühle bildet und sich allmählich über sich selber klar wird durch Explikation der dunklen Ideengrundlage a priori selber, aus dem er auch selber entsprang[10]. Im Suchen und Drängen dieses Triebes liegt die Wurzel für die geschichtliche Entwicklung der Religion[11].

„Um aber erklären zu können muß man Erstgegebenes haben, aus dem man erklären kann. Aus nichts erklärt sich nichts.“[12]

II.2. Entwicklungsgeschichtliche Vorstufen und Stufen der Religion nach Otto

Rudolf Otto beginnt seine Ausführungen zur Entstehung der Religion mit „seltsame[n] Dinge[n], die sehr wenig nach „Religion“ im heutigen Sinne aussehen.“[13] Für Otto sind Dinge wie Totenglaube und Totendienst, Seelenglaube und Seelenkult, Zauber, Märchen und Mythos, Verehrung von Naturobjekten, Fetischismus und Totemismus, Tier- und Pflanzenkult, Dämonismus und Polydämonismus eine Art von Vorhof der Religion[14].

All diesen Vorhöfen ist nach Otto ein numinoses Moment gemein, durch welches sie zu einer Vorstufe der Religionsgeschichte werden. Otto beschreibt weiter, dass die diese Vorhöfe der Religion einen „gewissen Einschlag“ erhalten, der sich in einer einheitlichen numinosen Art äußere, und den er im weiteren Verlauf des siebzehnten Kapitels seines Textes über das „Heilige“ zu erkennen sucht[15].

[...]


[1] Tribuljak, Tomislav: Philosophie und Theologie bei Rudolf Otto, Osijek 2000, S. 228. Im Folgenden zitiert als: Tribuljak: Philosophie.

[2] Tribuljak: Philosophie, S. 228.

[3] Tribuljak: Philosophie, S. 228.

[4] Tribuljak: Philosophie, S. 228.

[5] Otto, Rudolf: Das Heilige. Über das Irrationale in der Idee des Göttlichen und sein Verhältnis zum Rationalen, Breslau 1917, S. 137f. Im Folgenden zitiert als: Otto: Das Heilige.

[6] Otto: Das Heilige, S. 137.

[7] Otto: Das Heilige, S. 137.

[8] Geyser, Joseph: Intellekt oder Gemüt? In: Colpe, Carsten (Hrsg.): Die Diskussion um das „Heilige“, Darmstadt 1977, S. 326f. Im Folgenden zitiert als: Geyser: Intellekt.

[9] Otto: Das Heilige, S. 140.

[10] Geyser: Intellekt, S. 327.

[11] Geyser: Intellekt, S. 327.

[12] Otto: Das Heilige, S. 139.

[13] Otto: Das Heilige, S. 143.

[14] Otto: Das Heilige, S. 143.

[15] Otto: Das Heilige, S. 143.

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638581998
ISBN (Buch)
9783638918909
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65690
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Fakultät für Religionswissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Heilige Rudolf Otto Texte Grundbegriffen Religionswissenschaft

Autor

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Titel: Das Heilige bei Rudolf Otto