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Der Einfluss Martin Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache

Eine sprachgeschichtliche Analyse

Seminararbeit 2006 26 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Index

Vorwort.

I. Hintergründe
1. Zur Person Martin Luthers
1.1. Leben
1.2. Ausbildung
1.3. Literarisches Schaffen
2. Die sprachliche Situation in frühneuhochdeutscher Zeit
2.1. Der Aufstieg der Städte und eine neue Bevölkerungsschicht
2.2. Die Zersplitterung des Sprachgebiets
2.3. Der Beginn der Sprachlichen Einigung
3. Luthers (günstige) Ausgangsbedingungen
3.1. Luthers sprachgeographische Herkunft
3.2. Die Erfindung und Verbreitung des Buchdrucks
3.3. Kirchenpolitische Missstände

II. Sprache
4. Luthers Übersetzungspraxis
4.1. Die Sprache des „gemeinen Mannes“
4.2. Einfachheit und Lebendigkeit
4.3. Sprachausgleich
4.4. Arbeit an der äußeren Sprachform
5. Luthers Sprache und Sprachmächtigkeit
5.1. Wortschatz zwischen Nord und Süd
5.2. Semantische Unterschiede
5.3. Wortbildungen
5.4. Modalpartikel
5.5. Syntax

III. Wirkung
6. Luthers Bibelübersetzung
6.1. Entstehung
6.2. Verbreitung
6.3. Wirkung
7. Martin Luther – ein Glücksfall in der deutschen Sprachgeschichte

IV. Bibliographie
8. Bibliographie

Vorwort

Martin Luther wird sehr oft als die Zentrale Figur in der Entwicklung der deutschen Sprache beschrieben, beinahe glorifiziert. An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass wann immer im Folgenden von „Sprache“ gesprochen wird, die Schriftsprache gemeint ist. Denn Gegenstand dieser Arbeit ist der Einfluss Luthers und seiner Bibelübersetzung auf die Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache. Nun soll gleich im Vorhinein festgestellt werden, dass erst durch Luther und seine Bibelübersetzung eine Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache möglich war. Diese Aussage muss jedoch differenzierter betrachtet werden. Deshalb soll diese Arbeit einen kritischen Blick auf Luthers Sprachschaffen und vor allem auf die Hintergründe, vor welchen dieses geschah, werfen. Viele Faktoren, teils glückliche Zufälle, trugen dazu bei, dass Luthers Bibel eine Resonanz erhielt und somit als Grundstein für eine vereinheitlichte deutsche Schriftsprache dienen konnte. Diese werden im Verlauf dieser Arbeit erläutert und schließlich soll das Resultat des Zusammenwirkens dieser Faktoren dargestellt werden.

1. Zur Person Martin Luthers

Auch wenn Hauptgegenstand dieser Arbeit Luthers Einfluss auf die deutsche Sprache ist, sollen hier dennoch kurz einige Informationen über Luthers Person gegeben werden, zumal diese auch zum Verständnis von Luthers Schaffen und seiner Wirkung beitragen und verdeutlichen welch eine herausragende Persönlichkeit er war.

1.1. Leben

Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben als Sohn einer bäuerlichen Familie geboren, die in Möhra bei Eisenach lebte. Sein Vater Hans Luther, Sohn einer Bauernfamilie aus Möhra, wurde Bergmann, worauf die Familie 1484 nach Mansfeld zog. Luthers Mutter Margaretha Luther (geborene Ziegler) war gebürtige Eisenacherin. Der neue Beruf des Vaters ermöglichte der Familie ein gewisses Maß an Wohlstand. Nach abgeschlossener Ausbildung (s. Kapitel 1.2.) trat Luther am 17. Juli 1505 dem Kloster der Augustinereremiten zu Erfurt bei, nachdem ihn auf einer Reise nach Mansfeld ein Blitz traf, was in ihm eine „tief verwurzelte Seelenangst vor Ziel [und] Ende des [menschlichen] Lebens“ (Killy, 403) erweckte. In diesem Kloster lebte er in Askese und studierte mit großer Sorgfalt die Heilige Schrift. Am 3. April 1507 wurde er schließlich zum Priester geweiht. Im Jahr 1525 heiratete Luther Katharina von Bora. Luther verstarb am 18. Februar 1548 in Eisleben, seinem Geburtsort (er durchquerte diesen Ort auf einer Reise, als er starb). Seine Grabstätte befindet sich in der Schlosskirche von Wittenberg (vgl. Killy, 403-404; Eggers 161-162).

1.2. Ausbildung

In der Literatur über Martin Luther wird oft über dessen „Sprachmächtigkeit“ geschrieben. Hier möchte ich kurz einige Hintergrundinformationen anführen, einige Faktoren, die zu Luthers hervorragendem sprachlichen Ausdruck und seiner einzigartigen Rhetorik beigetragen haben. Hier ein Überblick über Luthers Ausbildung.

Luther besuchte eine Schule in Magdeburg und darauf 1497 ein Gymnasium in Magdeburg. Hierbei ist wichtig zu erwähnen, dass in Mansfeld wahrscheinlich, in Magdeburg jedoch sicher, das Niederdeutsche die Unterrichtssprache war. In der Domschule St. Georg in Eisenach, die Luther ab 1498 nach dem Gymnasium besuchte, wurde ostmitteldeutsch (thüringisch) gesprochen. Luther hatte also schon in seiner Jugend Kontakt mit den verschiedenen Variationen des Deutschen, was in seinem späteren Leben von Vorteil sein sollte. Ab Mai 1501 besuchte er die Artistenfakultät der Universität Erfurt. Hier erhielt er eine gute Ausbildung in den Bereichen Grammatik, Logik, Rhetorik und Philosophie. „Sicherlich ist hier auch ausführlich in Quintilian eingeführt worden. […] die Beachtung des „aptum“ [=Angemessenheit] [und] die Rücksicht auf die Adressaten“ (Killy, 403), die hier eine große Rolle spielten, sollten Luther in seiner weiteren literarischen Tätigkeit prägen. Im Januar 1505 absolvierte er das Magisterexamen und begann darauf im Juli auf Drängen seines Vaters das Studium der Rechte, brach dieses jedoch ab und trat ins Kloster ein. Im Jahr 1511 promovierte er zum Doktor der Theologie und wurde Professor für Bibel-Exegese (vgl. Killy 403-404; Eggers, 162).

1.3. Literarisches Schaffen

Eine von Luthers frühesten und wohl wichtigsten Produktionen ist die Veröffentlichung der 95 Thesen, die am Portal der Schlosskirche zu Wittenberg anschlug. Diese brachte die Reformation in Bewegung. Luther begann jedoch erst im Alter von 33 Jahren zu publizieren (d.h. im Jahr 1516). Luther wollte nie als „Poeta“ (Killy, 405) betrachtet werden und selbst durch seine dichterischen Texte wie Lieder und Fabeln wollte er einzig und allein bestimmte Gedanken seinem Publikum näher bringen. Die Ästhetik stand nicht im Mittelpunkt (vgl. Killy, 404-405).

„Luther war konsequent ein Prosaautor, der das poetische Element für seine Wirkungsabsichten nicht benötigte [und] sich absichtlich konventioneller Formen bediente: des Traktats in Latein [und] Deutsch, der Erörterung, Abhandlungen von Themen, Problemen, Vorgängen […]; des Sermons, einer [schriftlichen] Fixierung der eigentlichen [mündlichen] Redegattung der Predigt und Oratio […]; gelegentlich begegnet das Sendschreiben; […] Außerdem schrieb er Postillen, Liturgica, Kommentare [und] Disputationen.“ (Killy, 405)

Bis kurz vor seinem Tod schrieb Luther 467 Einzelschriften verschiedenen Umfangs, immer wieder überarbeitete Bibelübersetzungen sowie Lieder. Hinzu kommen über 2500 Briefe und über 2000 Predigten. Luther schrieb etwa ein Viertel seiner Texte in lateinischer Sprache und hinzu kommen Texte, die er vom Lateinischen ins Deutsche oder umgekehrt übersetzte (vgl. Killy 405).

Hier sollen Luthers wichtigste Werke Kurz angeführt werden:

- Pragmatische Reformationsschriften (1520):
- Von den guten Werken
- An den christlichen Adel deutscher Nation
- Von der Freiheit eines Christenmenschen
- De captivitas Babylonica ecclesiae
- Bibelübersetzung (Neues Testament) (1922): September-Testament
- 24 geistliche Lieder (1523/24): u.a. Neues Lied, Ein feste Burg
- Sermon (1525): Wider die räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern
- Sendbrief (1930): Sendbrief vom Dolmetschen (vgl. Killy, 406-408)

2. Die Sprachliche Situation in frühneuhochdeutscher Zeit

Da nun Luthers persönliche Hintergründe im Groben bekannt sind, soll nun kurz die sprachliche Situation in der frühneuhochdeutschen Zeit erläutert werden. Dies soll helfen zu zeigen, mit welchen Umständen Luther konfrontiert wurde, in welchem Umfeld er sich bewegte.

2.1. Der Aufstieg der Städte und eine neue Bevölkerungsschicht

Ab dem 14. Jahrhundert gewannen die Städte im deutschen Sprachgebiet immer größere Bedeutung. Es entstand die neue Schicht der Bürger, die jedoch in sich weitere Schichten wie Handwerker, reiche Patrizier, Tagelöhner etc. aufwies. „Die Städte waren Zentren für Verwaltung (die Kanzleien), Bildung und Kultur“ (Stedje, 117). Es wurden Universitäten gegründet, Schreibunterricht wurde von städtischen Elementarschulen angeboten. So entstand eine neue Mittelschicht als Lesepublikum, wenn auch der Großteil der Bevölkerung Analphabeten blieben. Doch immerhin war Bildung nicht mehr bloß der Oberschicht vorbehalten (vgl. Stedje 116-117).

2.2. Die Zersplitterung des Sprachgebiets

Der Tod Friedrichs II. (1250) resultierte in einer Zersplitterung des Reichsgebiets. Die Einzelterritorien wurden immer selbstständiger, mit der Zeit entstanden sogar kleine Fürstentümer. Durch diese Selbstständigkeit beharrte jedes Land auf seine Sprachgewohnheiten (vgl. Stedje, 117).

Luther sagte, Deutschland habe so viele Dialekte, dass sich Menschen aus Gebieten, die auch nur 30 Kilometer voneinander entfernt lagen, nicht verstehen könnten. Dies gilt natürlich für die gesprochene Sprache und Dialektunterschiede kennen wir heute noch. Doch in der frühneuhochdeutschen Zeit gab es noch keine vereinheitlichte Schriftsprache. Die Schriftsprachen waren zwar großräumig, aber dennoch regional gebunden. (vgl. Besch 7-8). „Texte [mussten sogar] von einer landschaftlichen Schreibsprache in die andere umgeschrieben oder gar übersetzt werden, wenn der sprachliche Abstand zu groß war, etwa zum Niederdeutschen“ (Besch, 8).

2.3. Beginn der sprachlichen Einigung

Die frühneuhochdeutsche Zeit ist eine Zeit des Übergangs. Es sind erste Tendenzen einer sprachlichen Einigung zu erkennen. Auf dem Weg zur einheitlichen deutschen Sprache nahmen viele Faktoren Einfluss: die großen Kanzleien, Handelsinteressen, die Erfindung des Buchdrucks und schließlich die Bibelübersetzung Luthers, deren Einfluss Gegenstand dieser Arbeit ist (vgl. Stedje, 115).

In den Kanzleien der Städte und Territorialstaaten entwickelten sich eigene lokale Schreibtraditionen. Einige dieser Kanzleien sind jene von Thüringen, Nürnberg, Bayern, Schwaben, Köln, der Schweiz (Hochalemannisch) und dem Elsass (Niederalemannisch). Doch trotz der lokalen Schreibtraditionen machten bestimmte Umstände ein gewisses Maß an Vereinheitlichung unumgänglich. Handelsbeziehungen und die Verwaltung ließen die Kanzleien besonders regionale Merkmale vermeiden, sodass ihre Schriftstücke in einem größeren Umkreis verstanden werden konnten. Dennoch blieb ein regionaler Charakter erhalten (vgl. Stedje 120, Eggers 63-72).

Neben der neuen Mittelschicht als neues Lesepublikum war vor Allem auch der Buchdruck, der von Johannes Gutenberg um 1440 erfunden wurde, hilfreich, Sprache zu verbreiten. In den Druckereien lehnte man sich an die größeren Kanzleisprachen an und so entstanden verschiedene Druckersprachen. Durch den Einfluss des Buchdruckes kam es allmählich zu einer Vereinheitlich in der Orthographie der geschriebenen Sprache, doch von einer Vereinheitlich in den anderen sprachlichen Bereichen war man noch weit entfernt (vgl. Stedje 122).

3. Luthers (günstige) Ausgangsbedingungen

Nun wurden die wichtigsten Punkte zu Luthers Leben und seiner Zeit angeführt und somit soll nun endlich das Augenmerk auf dem Einfluss von Luther und seiner Bibelübersetzung auf die Entwicklung der deutschen Sprache liegen. Luther trat also in dieser Zeit der Entwicklung und des Übergangs auf. Er hatte mit seiner Bibelübersetzung wie kein anderer Einfluss auf die Vereinheitlichung der deutschen Sprache. Doch hier spielten mehrere Faktoren zusammen, man könnte fast von einem glücklichen Zufall sprechen.

[...]

Details

Seiten
26
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638583244
ISBN (Buch)
9783638670951
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v65851
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Institut für deutsche Sprache, Literatur und Literaturkritik
Note
1
Schlagworte
Eine Analyse Einflusses Martin Luthers Bibelübersetzung Vereinheitlichung Schriftsprache Sprachgeschichte Kulturgeschichte Bibel Mittelhochdeutsch Frühneuhochdeutsch Neuhochdeutsch

Autor

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