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Ansätze zu Fiskes Fernsehtheorie unter dem Schwerpunkt Bedeutungsproduktion und Intertextualität

Seminararbeit 2001 20 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Hintergründe für Fiskes Arbeiten
2.1. Anfänge der Rezeptionsforschung in den Cultural Studies
2.2. Encoding/Decoding

3. John Fiske
3.1. Fiskes Verständnis vom Zuschauer
3.1.1. Das Subjekt
3.1.2. Active Audience
3.2. Populäre Texte
3.2.1. Produzierbarkeit populärer Texte
3.2.2. Bedeutungsproduktion und Intertextualität

4. Ethnographische Rezeptionsforschung
4.1. Feldstudie zu Star Trek von Henry Jenkins und John Tulloch
4.2. Eine allgemeine Studie zur Rezeption von Soap Operas

5. Schlußbemerkungen

6. Literaturangaben

1. Einleitung

John Fiske ist seit Jahren einer der bekannten Fernsehtheoretiker der Cultural Studies. Seine Arbeiten befassen sich oftmals mit der Untersuchung der Rezeption und Aneignung von verschiedenen Fernsehtexten. Seine Ansicht über Rezeptionsforschung umfaßte stets auch die Berücksichtigung des Zuschauers und gab diesem eine relativ wichtige Rolle.

Diese Ausarbeitung wird sich im folgenden mit dieser Thematik beschäftigen. Als Ausgangspunkt dieser Arbeit wird Fiskes Artikel Populäre Texte, Sprache und Alltagskultur1dienen, aber auch seine anderen theoretischen Ansätze werden im Fokus dieser Ausarbeitung stehen. Sein Verständnis von Rezeption und Aneignung sowie die Rolle, die er dem Zuschauer und einer ‘Active Audience’ dabei zuspricht, sollen auf den nächsten Seiten beleuchtet werden. Unter Rückgriff auf die Theorien anderer Fernsehwissenschaftler der Cultural Studies sollen Fiskes Arbeiten konkretisiert und seine Argumentation belegt werden, vor allem was aneignungs- und rezeptionsspezifische Begriffe anbelangt. Dabei stehen insbesondere die Bedeutungsoffenheit von populären Texten, Intertextualität und Bedeutungsproduktion durch den Rezipienten im Vordergrund.

Zur Untermauerung dieses vorwiegend theoretischen Hintergrunds sollen verschiedene Rezeptionsstudien betrachtet werden, die die Zusammenhänge zwischen Fernsehtext und Zuschauer, im Kontext von Fiskes Arbeiten, verdeutlichen sollen.

Ziel dieser Arbeit soll es sein, ein Verständnis für die oben genannten, fernsehtheoretischen Begriffe im fiskschen Sinne zu schaffen, sowie seinen wissenschaftlichen Kontext genauer zu umreißen.

2. Theoretische Hintergründe für John Fiskes Arbeiten

Dieser Abschnitt wird nun verschiedene Theoretiker aufführen und deren Arbeiten beleuchten, um zu verdeutlichen, in welcher Form Fiskes Arbeiten auf diese Ansätze und Grundlagen aufbaut, bzw. diese erweitert. Des weiteren soll hiermit sein Wirkungsfeld genauer determiniert und seine Forschungsarbeit im Kontext der Cultural Studies eingeordnet werden.

2.1. Anfänge der Rezeptionsforschung in den Cultural Studies

Die Anfänge der Rezeptionsforschung in den Cultural Studies entsprechen zwar nicht mehr in allen Details der heutigen Sichtweise, aber dennoch sind diese Wurzeln nicht ganz unwichtig für die weitere Betrachtung dieser Forschungsrichtung.

Die Fernsehforschung innerhalb der Cultural Studies stand zunächst in der Tradition von Louis Althusser. Er stellte die Theorie auf, daß verschiedene gesellschaftliche Institutionen wie Familie, Medien, Sprache u.a. das Denken und Verhalten der Menschen innerhalb der Gesellschaft beeinflussen. Alle diese gesellschaftlichen Institutionen sind ideologisch miteinander verknüpft, wodurch gesellschaftliche Normen ständig neu ausgehandelt und neu definiert werden. Er bezeichnet diese Verknüpfung mit dem Begriff ‘overdetermination’. Die Normen werden also in einem gesellschaftlich-kollektiven Vorgang ausgehandelt.2

Auf der Basis dieser Überlegungen hat sich in den Cultural Studies der Begriff des Subjekts3etabliert. Als Gegensatz zum Individuum, welches sich durch die Unterschiede zu anderen Individuen determiniert, zeichnet sich das Subjekt durch gemeinschaftliche Erfahrungen mit anderen Subjekten aus.

Die Aushandlung von Normen ist jedoch auch stetig durch hegemonielle Strukturen in der Gesellschaft beeinflußt. Althusser sieht Hegemonie allerdings nicht als einen ausschließlich durch die dominante Klasse determinierten Begriff an:

„So, like Althusser’s theorie of ideology, hegemony is not a static power relationship, but a constant process of struggle in which the big guns are on the side of those with social power, but in which victory does not necessarily go to the big guns - or, at least, in which victory is not necessarily total.”4

Somit kann festgehalten werden, daß Althusser die gesellschaftlichen Vorgänge differenzierter betrachtet als die marxistische Theorie mit dem Model des Über- und Unterbaus.

Seine Ansätze wurden zu einer Basis für weitere Theorien, wie zum Beispiel Stuart Halls Modell Encoding - Decoding.

2.2. Encoding/Decoding

Stuart Halls Modell kann als ein erster Wendepunkt der Rezeptionsforschung gesehen werden. Sein Ansatz gibt erstmals dem medialen Text keine festgeschriebene Bedeutung. Vielmehr gibt der Text den Rezipienten die Möglichkeit, verschiedene Lesarten zu entwickeln.

Somit unterscheidet sich dieses Modell sehr stark von den Ansätzen der Screen Theory.

„Screen Theory draws upon a combination of structuralism and semiotics with psycholanalysis and Marxism to argue the power of the text over the viewing subject, with great theoretical sophistication, the textual stategies that operate to position the viewing subject within dominant ideology.”5

Im folgenden soll nicht beschrieben werden wodurch sich Halls Theorie auszeichnet, aber es soll aufgezeigt werden welchen Einfluß dieses Modell auf die weitere Forschung hatte.

Stuart Hall hat in seinem Modell drei verschiedene Rezeptionsarten determiniert, wobei festgehalten werden muß, daß die Lesart des ‘negotiated readings’6die am weitesten verbreitete Lesart ist. Wichtig bei der Anwendung dieser Theorie ist, daß sie weitestgehend als eine Theorie zur Erforschung des Rezeptionsverhaltens bei Nachrichten- und Informationssendungen zu verstehen ist. Um das Rezeptionsverhalten der Zuschauer bei anderen Fernsehformaten zu analysieren, reicht dieses Modell nicht aus. Um für Fernsehformate aus dem Bereich der Unterhaltung ein geeignetes Analysemodell zu finden, ist es notwendig, das Encoding-Decoding-Modell zu erweitern.

Dabei kann es nicht ein ‘negotiated reading’ und auch nicht nur ein ‘oppositional reading’ geben. Die Bandbreite zwischen ‘dominant-hegemonial reading’ und ‘oppositional reading’ muß sehr viel detaillierter und differenzierter sein und somit eine nahezu unendlich große Anzahl an Zwischenstufen enthalten, die nicht mit diesem einen Begriff des ‘negotiated readings’ bezeichnet werden können, vor allem dann nicht, wenn man bedenkt, daß, laut Halls eigener Feststellung, das ‘negotiated reading’ bei den Rezipienten am häufigsten auftritt.

David Morley und Charlotte Brunsdon kamen in ihrer Studie7zu genau diesem Ergebnis. Die drei Kategorien Stuart Halls sind zu vereinfachend und müssen erweitert werden, um dem Rezeptionsvorgang gerecht zu werden.

„Morley defines reading a television text as that moment when the discourses of the reader meet the discourses of the text. Reading becomes a negotiation between the social sense inscribed in the Programm and the meanings of social experience made by ist wide variety of viewers; this negotiation is a discoursive one.”8

[...]


1John Fiske, „Populäre Texte, Sprache und Alltagskultur”, in: A. Hepp/R.Winter (Hg.), Kultur Medien - Macht: Cultural Studies und Medienanalyse, Opladen 1997.

2Siehe dazu: Fiske, John, „British Cultural Studies and Television”, in: R.C. Allen (Hg.), Channels of Discourse, Chapel Hill 1987, S. 257.

3Auf diesen Begriff wird im folgenden noch näher eingegangen (Kap. 3.1.1.)

4John Fiske, „British Cultural Studies and Television”, in: Robert C. Allen (Hg.), Channels of Discourse, Chapel Hill 1987, S. 259.

5John Fiske, „British Cultural Studies and Television”, in: Robert C. Allen (Hg.), Channels of Discourse, Chapel Hill 1987, S. 267.

6Siehe dazu: Hall, Stuart, „Encoding / Decoding”, in: Ders. u.a. (Hg.), Culture, Media, Society. Working Papers in Cultural Studies 1972-1979, London 1980, S. 128-138.

7Die Studie an dieser Stelle zu erörtern, würde den Rahmen der Arbeit sprengen. Ausführungen dazu finden sich in: Hepp, Andreas, Cultural Studies und Mediananalyse, Opladen/Wiesbaden 1999, S. 165-185.

8Fiske, John, „British Cultural Studies and Television”, in: R.C. Allen (Hg.), Channels of Discourse, Chapel Hill 1987, S. 268-269.

Details

Seiten
20
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638141277
ISBN (Buch)
9783640746668
Dateigröße
431 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6591
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Film- und Fersehwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Ansätze Fiskes Fernsehtheorie Schwerpunkt Bedeutungsproduktion Intertextualität Aneignung

Autor

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Titel: Ansätze zu Fiskes Fernsehtheorie unter dem Schwerpunkt Bedeutungsproduktion und Intertextualität