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Burn Out bei Lehrern

Seminararbeit 2005 18 Seiten

Pädagogik - Der Lehrer / Pädagoge

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Burn Out
2.1 Begriffsbestimmung und Beschreibung
2.2 Das „Integrative Modell“ zu Burn- Out von Cherniss (1980)
2.3 Symptome
2.4 Phasen
2.5 Ursachen
2.5.1 personenbezogene Ursachen
2.5.2 schulbezogene Ursachen

3 Auswirkungen von Burn Out bei Lehrern auf die Schule und jeweilige Klasse, Kollegium und Organisation

4 Maßnahmen zur Vorbeugung gegen Burn Out
4.1 Personenbezogene Burn- Out- Bewältigung
4.2 Schulbezogene Burn- Out- Bewältigung

5 Projekt zur Prävention von Burn- Out Symptomatik

6 Schlussteil

7 Literatur

1 Einleitung

In meiner Hausarbeit beschäftige ich mit dem Thema: Burn Out bei Lehrern und gehe dabei der Fragestellung nach: „Wie kann man Burn Out in einem Projekt entgegenwirken?“.

Ich schreibe diese Hausarbeit im Seminar:„ Praxisseminar Werkstattorientiertes Lernen: Mentorentraining für die Leitung und Durchführung von Einführungstutorien“. Mein Thema ergibt sich: 1. aus der Methode, die wir in diesem Seminar durchgeführt haben: Leitung einer Gruppe und Durchführung von Tutorien; 2. aus einem inhaltlichen Aspekt der Tutorien: Der Beruf des Lehrers.

Meine Motivation sich mit „Burn Out“ zu beschäftigen ergab sich durch diese beiden Aspekte, da ich zum einen gemerkt habe, dass die Leitung einer Gruppe und die Wissensvermittlung mich stark beansprucht und immer wieder neu gefordert hat und zum anderen gehört dieses Phänomen sehr stark zum Lehrerberuf dazu, so dass ich später vielleicht selber einmal davon betroffen sein kann oder zumindest Kollegen habe, die Symptome zeigen.

Mein Interesse für dieses Thema hat sich dann während meines ASPs ausgeweitet, da ich dort immer unter Lehrern war, deren Unterrichtsvorbereitungen mitbekommen habe und auch selber Unterricht vorbereiten musste. So konnte ich mir gut vorstellen, dass man leicht mit den alltäglichen Berufsanforderungen überfordert ist.

Bei der Auseinandersetzung mit diesem Thema erhoffe ich mir, für meinen späteren Lehrberuf, beginnende Anzeichen von Burn- Out besser entgegenzuwirken und eine lockere Einstellung z.B. in Bezug auf Unterrichtsvorbereitungen, zu bekommen.

Zu Beginn meiner Hausarbeit werde ich beschreiben was Burn Out ist, ein Modell vorstellen und die Symptome und Phasen, die es dabei gibt, erläutern. Danach werde ich die Ursachen für Burn Out angeben. Im nächsten Punkt werde ich die Auswirkungen auf die Schule und die Klasse beschreiben um dann zu den Maßnahmen gegen Burn Out kommen. Die Beantwortung meiner Fragestellung erfolgt dann im nächsten Punkt: „Projekt zur Prävention von Burn Out“. Dort werde ich ein mögliches Projekt beschreiben, dass ich durchführen würde, um Burn Out zu vermeiden. Im Schlussteil ziehe ich noch ein Resümee über meine Arbeit.

2 Burn Out

„Ich bin überfordert und ausgebrannt!“ Dieser Satz fällt am häufigsten, wenn Lehrer über ihren Beruf sprechen. Doch erst 1974 wurde von Freudenberger in Amerika dafür die Bezeichnung Burn- Out- Syndrom eingeführt. In Deutschland gibt es sogar erst seit 1983 eine vermehrte Diskussion über Burn- Out in Sozialberufen als ein Bericht darüber in der Zeitschrift „Psychologie heute“ erschien.

2.1 Begriffsbestimmung und Beschreibung

Häufig zeigen besonders pflichtbewusste, engagierte und aufopferungsvolle Menschen körperliche und seelische Symptome von Erschöpfung und Müdigkeit. Sie werden immer mehr zu reizbaren und misstrauischen Menschen, die eine negative Einstellung zur Arbeit haben und erste Anzeichen einer depressiven Verstimmung zeigen.

Burn- Out kommt nicht von heute auf morgen, sondern kündigt sich über die Jahre hinweg an. Somit kann man Burn- Out auch nicht mit „ausbrennen“ übersetzen, da das ein abruptes Ereignis bezeichnet, das danach stillsteht. Burn- Out hingegen ist ein langjähriger Prozess.

„Im psychologischen Sinne ist Burn- Out zunächst als ein Zustand der affektiven, geistigen und körperlichen Erschöpfung anzusehen und tritt im Zusammenhang der Arbeit mit anderen Menschen auf. [Es ist ein] Resultat andauernder oder wiederholter emotionaler Belastung im Zusammenhang mit langfristigem, intensiven Einsatz für andere Menschen.“ (Knauder, Hannelore (1996): Burn- out im Lehrberuf. Verlorene Hoffnung und wiedergewonnener Mut. Graz: Leykam- Verlag, S. 10). Menschen mit Burn- Out haben das Gefühl, dass sie sich völlig verausgabt haben und nichts mehr geben können. Dieses Gefühl entsteht durch chronischen Stress und den Anforderungen des Berufs- und Privatlebens, wobei dann die negativen Aspekte überwiegen. Besonders oft kommt das bei Menschen in helfenden Berufen, wie z.B. bei Lehrern, vor.

Burn- Out ist eine ganzheitliche Befindensbeeinträchtigung eines Individuums aufgrund übermäßiger Belastungen (Knauder 1996, S. 10). So gehen Energielosigkeit, chronische Müdigkeit, Unausgeschlafenheit, unkontrolliertes Essverhalten gleich mit Aufmerksamkeitsstörungen, abrupten Stimmungsschwankungen, Ärger und negativer Einstellung zu sich selber und zu Anderen. Es dominieren negative Gefühle, wie Hilflosigkeit, Ohnmacht, Ausgeliefertsein, Alleinsein, Unzufriedenheit, dass Ziele nicht erreicht werden.

Burn- Out kann Menschen nur treffen, wenn diese in ihrem Beruf aufgehen, sich intensiv einsetzen und anderen Menschen helfen wollen (vgl. Knauder 1996, S. 9- 12).

Pines, Aronson und Kafry (1985) definieren Burn- Out folgendermaßen: „Erfahrung von körperlicher, einstellungsmäßiger und emotionaler Erschöpfung, die aus dem Vorhandensein von Stressoren und dem Nichtvorhandensein von Satisfaktoren in der Arbeitssituation resultiert.“ (Barth 1992, S. 17).

Maslach versteht unter Burn- Out: „Ein Syndrom, zusammengesetzt aus emotionaler Erschöpfung, Dehumanisierung und dem Gefühl reduzierter Leistungsfähigkeit bei der Arbeit.“ (Bath 1992, S. 17).

Es gibt keine einheitliche Definition für den Begriff Burn- Out, jedoch herrscht bei den meisten Forschern die gemeinsame Ansicht, dass Burn- Out ein langwieriger Prozess ist, der sich schleichend einsetzt (Barth 1992, S. 20- 22).

2.2 Das „Integrative Modell“ zu Burn- Out von Cherniss (1980)

Es gibt mehrere Modelle zu Burn- Out, die sich darin unterscheiden dass sie verschiedene Aspekte betonen. Im „Integrativen Modell“ von Cherniss (1980) nimmt, dieser sehr viele Aspekte davon auf, so dass ich mich für dieses Modell als Beispielmodell entschieden habe. Die Darstellung mehrerer Modelle würde den Rahmen der Hausarbeit sprengen. Außerdem lassen sich an diesem Modell viele Strategien zur Prävention und Behandlung ableiten, um die es im weiteren Verlauf meiner Arbeit gehen wird. Das Modell bildet somit eine Art Basis.

In seinem „Integrativen Modell“ gibt er die Interaktion zwischen der Persönlichkeit, den Erwartungen und Zielen der Person (individuelle Faktoren), den institutionellen Zwängen in großen Bürokratien (organisatorische/arbeitsmäßige Faktoren) und der öffentlichen Meinung und öffentlichen Erwartung (gesellschaftliche/ soziale Faktoren) an.

Nach Cherniss wird der Berufsmythos, also die hohe Meinung über Sozialberufe, von Berufsanfängern akzeptiert und bestärkt sie in ihren unrealistischen hohen Erwartungen an ihren Beruf. Diese Erwartungen sind jedoch nicht mit der Realität der bürokratischen Zwänge und dem berufsbezogenen Stress in Einklang zu bringen und führt dann zur Desillusionierung und zum „Ausbrennen“.

Er bezeichnet Burn- Out als einen „transaktionalen Prozess, der durch Stressoren, Stressreaktionen und defensiven Bewältigungsstrategien in Gang kommt.“ (Cherniss 1980, in: Barth 1992, S. 84). Dabei zieht sich der vormals engagierte Arbeitnehmer von seiner Arbeit zurück, als Antwort auf Stress und Belastungen, die dieser in der Arbeit erlebt. Cherniss sieht Burn- Out als „das letzte Stadium nichterfolgreicher Versuche, mit einer Vielzahl negativer Stressbedingungen fertig zu werden.“ (Cherniss 1980, in: Barth 1992, S. 84).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Abb. 1: Der Burn- Out- Prozess nach Cherniss (1982), in: Barth 1992, S. 84)

Erklärung des Modells:

Anforderungen können von außen (extern) oder von der Person selber (intern) gestellt werden. Genauso können Ressourcen extern, z.B. Hilfe von Kollegen und intern, z.B. Motivation, Fähigkeiten, gegeben sein. Wenn die Anforderungen die Ressourcen übersteigen, entsteht Stress, den eine Person zunächst direkt angeht, z.B. Vorgesetztem sagen, dass die Arbeit in der vorgegebenen Zeit nicht zu schaffen ist.

Wenn die direkten Versuche mit Stress fertig zu werden nichts bewirken, wird die Person versuchen den Stress indirekt durch Stress- Management- Techniken zu bewältigen, z.B. Entspannung, körperlicher Ausgleich, Fortbildungen.

Führt diese Bewältigung allerdings auch nicht zum gewünschten Erfolg, so findet ein Rückzug von der Arbeit statt, um sich selber zu schützen. Dies nennt Cherniss dann Burn- Out. Somit ist für ihn Burn- Out ein nicht gelungener Umgang mit Stress.

Zur Prävention und Behandlung von Burn- Out kann man nun zum einen die externen Anforderungen, die zum Stress beitragen und die inneren Anforderungen reduzieren. Zum anderen können die externen Ressourcen gegeben oder vergrößert werden und interne Ressourcen verbessert werden (vgl. Barth 1992, S. 83- 85).

2.3 Symptome

Bei Burn- Out ist die innere Balance von Körper- Geist und Seele verloren gegangen. Dabei treten nicht bei allen Menschen mit Burn- Out alle Symptome auf, sondern das Vorhandensein eines Symptoms erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass andere Symptome ebenfalls auftreten werden.

Geist:

- Konzentrationsstörungen
- Denkhemmung bis –blockade
- Gedankenkreisen
- Unentschlossenheit bis Entscheidungsunfähigkeit
- Merk- und Erinnerungsschwächen
- Interesse- und Leistungsverlust
- Negative Einstellung zu sich selbst, zur Arbeit und zum Leben
Körper:
- Herz- Kreisauf- Probleme, z.B. Stiche in der Brust, Sehstörungen, Herzrasen
- Lungenprobleme, z.B. Infekte, asthmatische Beschwerden, Luftnot
- Hautprobleme, z.B. vermehrtes Schwitzen besonders nachts, häufiges Jucken
- Probleme mit Sinnesorganen, z.B. Hörsturz, Taubheitsgefühl, Verlust von Geruch und Geschmack
- Chronische Ermüdung, Schlafstörungen
Seelische Probleme:
- Hoffnungslosigkeit, sozialer Rückzug, Depression
- Gefühl der Leere, unbeherrschtes Weinen

(vgl. Hagemann 2003, S. 251- 252; Buchka und Hackenberg 1987, in: Barth 1992, S. 18)

2.4 Phasen

Verschiedene Forscher gehen davon aus, dass Burn- Out in mehreren Phasen verläuft, wobei nicht alle Phasen gleich durchlaufen werden, sondern der Burn- Out Betroffene auch eine Phase mehrmals wiederholt oder auf einer Stufe stehen bleibt. Die Intensität einer Phase hängt davon ab, welche Persönlichkeit die Person hat und wie schnell Burn- Out erkannt wird und Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Knauder hat folgende Phasen gekennzeichnet:

1. Phase: Überengagement als Warnsymptom: In diese Phase kommen viele Menschen, die einen Beruf anfangen. Sie gehen mit viel Enthusiasmus, großen Hoffnungen und einem Gefühl der Unentbehrlichkeit an den Start. Man ist neugierig, möchte viel bewirken, Erfahrungen machen und Ideen umsetzen. Dafür nimmt man hohen Arbeitseinsatz und Mehrarbeit in Kauf. Der Beruf füllt einen total aus. Dabei übersieht man allerdings, die realen Anforderungen, Möglichkeiten und Grenzen und man überschätzt sich leicht. Misserfolge und Enttäuschungen werden verdrängt. Diese Phase regeneriert sich allerdings bei den meisten Menschen schnell wieder und sie bekommen wieder einen Blick für die Realität.

2. Phase: Anfangsphase mit allgemeiner Erschöpfung: Diese Phase hat man erreicht, wenn man nach vielen Jahren immer noch ausschließlich für seinen Beruf lebt und man schon Anzeichen von chronischer Müdigkeit, Unausgeschlafenheit und Energiemangel hat. Häufig stehen ein Arbeitsplatzwechsel oder private Veränderungen am Anfang dieser Phase. Entscheidend ist hierbei, wie diejenige Person diesen Einschnitt verarbeitet.

„Werden die ursprünglichen Ziele nicht verwirklicht, kommt es zu Unzufriedenheit mit Aspekten der Arbeitsplatzsituation, wie z.B. Überstunden, niedrige Bezahlung, fehlende Aufstiegsmöglichkeiten, mangelnde Anerkennung, Ausbeutung und zunehmend zu dem Bewusstsein, dass persönliche Bedürfnisse in der Arbeit nicht befriedigt werden können.“ (Knauder 1996, S. 14). Man zieht sich immer mehr zurück und möchte alleine sein.

3. Phase: Weiterführende Phase mit Aggressivität, Frustration und Depressivität: Diese Phase ist gekennzeichnet durch Gefühle der Erfolg- und Machtlosigkeit, des Ausgeliefertseins, des Infragestellens der eigenen beruflichen Kompetenz und des Aufgebens von bestimmten Zielen. Je nachdem wer für den Zustand verantwortlich gemacht wird, reagiert eine Person entweder mit einer Verringerung des Selbstwertgefühls (personenbezogene Ursache) oder Aggressivität (umweltbezogene Ursache), wobei bei letzterem nörgeln, eine pessimistische Einstellung, chronisch gereizte Stimmung und ständige Wutausbrüche beiwohnen. Das führt zu einer Abwendung der Freunde und Kollegen, so dass oft nur noch die Familie bleibt. In dieser Phase kann nur noch Hilfe von außen helfen.

4. Phase: Endphase mit Selbstisolation bis zu Selbstmord(absichten): In dieser Phase isolieren sich die betroffenen Personen von ihrer Umwelt und treten dieser gleichgültig gegenüber. Sie investieren nichts mehr in die Arbeit oder in ihr Privatleben, zeigen Müdigkeit, Zynismus und brechen Kontakte ab. Somit vereinsamt man immer mehr, hat ein immer stärkeres Gefühl der Aussichts- und Hoffnungslosigkeit. Sie sehen oft keinen Sinn mehr im Leben und äußern Selbstmordabsichten, die manchmal auch ausgeführt werden. Es können außerdem psychosomatische Beschwerden auftreten, z.B. Verdauungsbeschwerden, Geschwüre. Oft probieren Menschen in dieser Phase ihre Probleme mit Alkohol, Schlaf- und Beruhigungsmitteln oder anderen Drogen, zu bewältigen (vgl. Knauder 1996, S. 12- 16).

Edelwich und Brodsky (1984) haben die eben dargestellten Phasen in fünf aufgeteilt, die jedoch denselben Inhalt haben, wie bei Knauder:

1. Phase: Enthusiasmus
2. Phase: Stagnation
3. Phase: Frustration
4. Phase: Apathie (Resignation)
5. Phase: Burn- Out

(vgl. Barth 1992, S. 19- 20)

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Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638588331
Dateigröße
576 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66103
Institution / Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
Note
2,0
Schlagworte
Burn Lehrern Praxisseminar Werkstattorientiertes Lernen Mentorentraining Leitung Durchführung Einführungstutorien

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