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Jugendsprache im Deutschunterricht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 22 Seiten

Didaktik - Germanistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärungen
2.1 Definition Jugend
2.2 Begriff der Jugendsprache

3 Funktionen sprachlicher Merkmale

4 Jugendsprache im Deutschunterricht
4.1 Mögliche Probleme bei der Integration von Jugendsprache in die schulische Praxis
4.2 Thematische Vielfalt von Jugendsprache im Unterricht

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1 Einleitung

Immer wieder versuchen Erwachsene das Geheimnis der für sie meist unverständlichen Sprache von Jugendlichen und Kindern zu ergründen. Damit einher geht oftmals parallel eine Klage über einen Verfall und Verarmung der Sprache und die Verflachung der Inhalte. Teilweise wird sie sogar mit einem Sittenverfall gleichgesetzt.[1] Der Forschungsgegenstand der Jugendsprache unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten ist aber keinesfalls ein Phänomen der heutigen Zeit.

In einem Literaturbericht zur Jugendsprache unterscheidet Edgar Lapp[2] mehrere historische Phasen der Jugendsprachforschung:

Bereits seit Anfang der 50er Jahre wird gezielt die Sprache der Jugendlichen betrachtet und untersucht, auch wenn dies zunächst unter anderen Bezeichnungen geschieht.[3] So wird diese damals noch als „Sprache der Halbstarken“[4] (Halbstarken-Chinesisch) bezeichnet. Vorher gab es bereits Untersuchungen, die sich mit Studenten- bzw. Schülersprache („Pennälersprache“)[5] beschäftigten.

In den 60er Jahren machte sich der steigende anglo-amerikanische Einfluss auch in diesem Bereich bemerkbar, jetzt rückte die „Teenagersprache“[6] in den Fokus des Interesses. In den folgenden Jahrzehnten wurden eher spezielle Untergruppen der Jugendsprache genauer untersucht, wie beispielsweise die APO- oder Szenesprache der 70er Jahre, in den 80er Jahren die Sprache der Punks oder Ökos und in den 90er Jahren die Sprachen verschiedener Jugendgruppen, welche sich vor allem durch die Zugehörigkeit zu verschiedenen Musikrichtungen unterschieden (z.B. Techno, HipHop, Rap usw.).

Auch heute versuchen eine Vielzahl von unterschiedlichen Werken uns die Sprache der Jugend verständlich zu machen. Beispielsweise gibt es ein spezielles Wörterbücher der Jugendsprache von Pons[7] oder die diversen Lexika von Hermann Ehmann zum Thema Jugendsprache, deren Titel von „Affengeil“[8], über „Oberaffengeil“[9] und „Voll Konkret“[10], bis hin zu „Endgeil“[11] reichen.

Alle diese Sachbücher aber haben eins gemein. Sie suggerieren den verzweifelten Eltern pubertierender Kinder und Jugendlicher, dass sie durch die Lektüre endlich die eigenen Kinder wieder verstehen könnten. Ist es aber überhaupt möglich die Sprache „der Jugend“ zu erfassen und auf bestimmte Begrifflichkeiten und Ausdrucksformen zu reduzieren?

Zu Beginn der Hausarbeit möchte ich mich kurz mit den Begriffen Jugend und Jugendsprache befassen und versuchen eine Definition zu finden. Außerdem soll versucht werden die Jugendsprache linguistisch einzuordnen. Anschließend sollen im Hauptteil verschiedene allgemeine Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie Jugendsprache in den Deutschunterricht integriert werden könnte.

2 Begriffsklärungen

2.1 Definition Jugend

Eine einheitliche Definition für die Lebensphase der Jugend zu finden ist nur schwer möglich. In der vorliegenden Literatur existieren eine Vielzahl von unterschiedlichen Definitionsansätzen zum Begriff der Jugend.

Eine Möglichkeit die Jugend zu beschreiben wäre es den Begriff anhand des Alters zu definieren. Allerdings wird hierbei schnell klar, dass es nur sehr schwer möglich ist eine allgemein gültige Altersgrenze zu bestimmen. Klar ist lediglich, dass die Jugend im Bereich zwischen der Kindheit und dem Eintritt ins Erwachsenenleben anzusiedeln ist.

Eine umfassende Definition des Jugendbegriffs versucht Neidhardt zu geben:

In Abgrenzung gegenüber Kindern und Erwachsenen lassen sich Jugendliche als diejenigen bezeichnen, welche mit der Pubertät die biologische Geschlechtsreife erreicht haben, ohne mit Heirat oder Berufsfindung in den Besitz der allgemeinen Rechte und Pflichten gekommen zu sein, welche die verantwortliche Teilnahme an wesentlichen Grundprozessen der Gesellschaft ermöglichen und erzwingen.“[12]

Oftmals wird, wie auch in o.g. Definition, der Beginn der Jugend mit dem Eintreten von Kindern in die Pubertät gleichgesetzt.[13] So nennt z.B. Augenstein konkret das Alter von 12 oder 13 Jahren als Beginn, da dort erstmals eine intensivere Beschäftigung mit dem eigenen Selbst beginne.[14] Allerdings muss dabei auch angemerkt werden, dass sich diese Altersgrenze immer weiter nach unten verschiebt. Mittlerweile gehen Forscher davon aus, dass sich der Anfang der Pubertät zum 7. Lebensjahr vorverschoben hat.[15]

Das Ende des Lebensabschnittes der Jugend ist dagegen weitaus schwieriger zu bestimmen und nicht einfach an biologischen Kennzeichen festzumachen. Einige Wissenschaftler dehnen die Phase der Jugend bis zum Ende des dritten Lebensjahrzehnts[16], welches vor allem durch Veränderungen unserer heutigen Gesellschaft, wie z.B. sehr lange Schul- und Ausbildungszeiten begründet werden kann. Mit 18 Jahren ist ein junger Mensch zwar rechtlich volljährig und für seine Taten selbst verantwortlich, aber oftmals aufgrund von schulischer oder beruflicher Ausbildung weiterhin finanziell und persönlich abhängig von seinen Eltern.[17] Der Eintritt ins Berufsleben muss also nicht mehr zwangsläufig den Beginn des Erwachsenenlebens und damit gleichbedeutend das Ende der Jugend bedeuten.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Anfang und Ende der Jugendphase heute schwieriger anhand von eindeutigen Definition bestimmt werden kann, da diese starren Eingrenzungen, durch ein sich wandelndes Wertesystem und die damit verbundene Veränderung der persönlichen Lebensumstände, ständig verschoben werden. Vielmehr ist für eine Betrachtung der Jugendsprache ein soziokultureller Jugendbegriff sinnvoll, der nicht zwangsläufig an ein bestimmtes Lebensalter gebunden ist.[18] Vielmehr ist er abhängig von der jeweiligen persönlichen Lebensphase. Wobei diesem Konzept der Bestimmung der Jugend anhand der jeweiligen Lebensphase auch Grenzen hat. Vor allem aufgrund der Unwiderlegbarkeit des hohen Stellenwerts von „Jugend“ in unserer heutigen Gesellschaft gibt es auch eine Vielzahl von Menschen, die sich trotz eines Alters jenseits der 50 oder 60 noch jung fühlen, sich jugendlich verhalten, modernen Trends folgen und sich vielleicht auch noch durch die Benutzung von speziellen, scheinbar jugendsprachlichen Begriffen, versuchen sich von ihren übrigen Altersgenossen abzugrenzen. Aber sind dies aufgrund der aufgezählten Merkmale dann auch noch Jugendliche? Ich denke eher nicht. Es ist also nicht möglich von einer homogenen Gruppe der Jugend, welche durch ein bestimmtes Alter gekennzeichnet ist, zu sprechen. Vielmehr ist die Phase der Jugend bei jedem Menschen unterschiedlich und vor allem abhängig von seinen ganz persönlichen Lebensumständen.

2.2 Begriff der Jugendsprache

Aus der oben versuchten Definition lässt sich erkennen, dass es problematisch werden dürfte einen einheitlichen Begriff von Jugendsprache zu definieren, wenn die Jugend als homogene Gruppe selbst gar nicht existiert. Jugendsprache ist somit also nicht die „Sprache der Jugend“ und kann nicht dem Sprachverhalten von Jugendlichen schlechthin gleichgesetzt werden.[19]

Der in der Öffentlichkeit häufig benutzte Begriff der Jugendsprache ist vielmehr das Resultat der bereits in der Einleitung aufgeführten Vielzahl an populärwissenschaftlichen Publikationen zum Thema Jugendsprache. Vor allem aus kommerziellen Interessen suggerieren diese Werke, dass es eine einheitliche und allgemein gültige Jugendsprache gäbe. Bereits seit einigen Jahren wird das öffentliche Interesse an der Jugendsprache durch diese scheinbaren Nachschlagewerke gefördert.[20] In diesen Werken wird allerdings meist lediglich ein Teil des sprachlichen Registers der Jugendlichen betrachtet, da meistens eine Reduktion der Jugendsprache auf bestimmte Ausdrücke und Redewendungen vorgenommen wird.

In der empirisch arbeitenden Wissenschaft ist der Begriff Jugendsprache dagegen umstritten. Teilweise wird er sogar klar abgelehnt.[21] Oft wird er auch ausschließlich in Anführungszeichen verwendet oder durch Begriffe, wie „Jugendkommunikation“ oder bedeutungsähnliches ersetzt.[22] Dies löst das Problem einer Definition allerdings nicht, sondern verschiebt es lediglich auf eine andere Begrifflichkeit. Dennoch versuchen einige Wissenschaftler eine Definition des Begriffes zu geben. So schlägt Androutsopoulos z. B. vor Jugendsprache als „Sammelbegriff für sprachlich-kommunikative Muster, die in der Jugendphase habituell verwendet und in der Regel auch von der Gemeinschaft als solche anerkannt werden“ zu verstehen.[23]

[...]


[1] vgl. Schlobinski, Peter: Jugendsprache und Jugendkultur. In: Aus Politik und Zeitgeschichte. Band 5. Berlin 2002. S. 16.

[2] vgl. Lapp, Edgar: Jugendsprache: Sprechart und Sprachgeschichte seit 1945. Ein Literaturbericht. In: Sprache und Literatur in Wissenschaft und Unterricht. Nr. 63. Paderborn 1989. S. 53-73. (im Folgenden zitiert: als Lapp 1989)

[3] vgl. Neuland, Eva (Hg.): Jugendsprache – Jugendliteratur – Jugendkultur. Interdisziplinäre Beiträge zu sprachkulturellen Ausdrucksformen Jugendlicher. Frankfurt a. M. 2003. S. 131 ff. (im Folgenden zitiert als: Neuland 2003a)

[4] vgl. Lapp 1989. S. 59.

[5] vgl. z.B. Eilenberger, Rudolf: Pennälersprache. Entwicklung, Wortschatz und Wörterbuch. Straßburg 1910.

[6] vgl. Lapp 1989. S. 63.

[7] vgl. Pons Wörterbuch der Jugendsprache. Stuttgart 2001.

[8] vgl. Ehmann, Hermann: Affengeil: Ein Lexikon der Jugendsprache. München 1992.

[9] vgl. Ehmann, Hermann: Oberaffengeil: Neues Lexikon der Jugendsprache. München 1996.

[10] vgl. Ehmann, Hermann: Voll Konkret: Das neueste Lexikon der Jugendsprache.

München 2001.

[11] vgl. Ehmann, Hermann: Endgeil: Das voll korrekte Lexikon der Jugendsprache.

München 2005.

[12] vgl. Neidhardt, Friedhelm: Bezugspunkte einer soziologischen Theorie der Jugend. In: Jugend im Spektrum der Wissenschaften. München 1972. S. 14.

[13] vgl. Nowottnick, Marlies: Jugend, Sprache, Medien: Untersuchung von Rundfunksendungen für Jugendliche. Berlin 1989. S. 21. (im Folgenden zitiert als Nowottnick 1989)

[14] vgl. Augenstein, Susanne: Funktionen von Jugendsprache. Studien zu verschiedenen Gesprächstypen des Dialogs Jugendlicher mit Erwachsenen. Tübingen 1998. S. 26 (im Folgenden zitiert als: Augenstein 1998)

[15] vgl. Meinke, Carsten: Pubertät zunehmend verfrüht. In: http://www.morgenwelt.de/index.php?id=155&backPID=115&tt_news=1638 (Stand 22.01.2006)

[16] vgl. Androutsopoulos, Jannis: Von fett zu fabelhaft. Jugendsprache als Sprachbiographie. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie. Heft 62. Osnabrück 2001. S. 55-78. (im Folgenden zitiert als Androutsopoulos 2001)

[17] vgl. Augenstein 1998, S. 28.

[18] vgl. Januschek, Franz: Die Erfindung der Jugendsprache. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie. Heft 41. Osnabrück 1989. S. 129.

[19] vgl. Androutsopoulos, Jannis: Deutsche Jugendsprache. Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktionen. Frankfurt a. M. 1998. S.4.

[20] vgl. Neuland, Eva: Spiegelungen und Gegenspiegelungen – Anregungen für eine zukünftige Jugendsprachforschung. In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik. Heft 15.1. Berlin 1987. S. 58-82.

[21] vgl. Neuland 2003a. S. 131.

[22] vgl. Androutsopoulos 2001. S. 57.

[23] vgl. ebenda.

Details

Seiten
22
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638587167
ISBN (Buch)
9783656058663
Dateigröße
524 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66117
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Institut für Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Jugendsprache Deutschunterricht Sprachliche Varietäten Deutschen

Autor

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