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Verlorengegangene Ethik? Betrug und Fälschung in der Wissenschaft

Hausarbeit 2007 37 Seiten

Ethik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS:

1 Einleitung

2 Definitionen
2.1 Verortung der Wissenschaft
2.1.1 Schulwissenschaft
2.1.2 Populärwissenschaft
2.1.3 Parawissenschaft
2.1.4 Pseudowissenschaft
2.2 Arten wissenschaftlichen Fehlverhaltens
2.2.1 Täuschung
2.2.2 Betrug
2.2.3 Fälschung
2.2.4 Plagiat
2.2.5 Wissenschaftlicher Witz

3 Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens
3.1 Herrmann/Brach/Mertelsmann
3.2 Ausnahmefall oder Regel?

4 Gründe für wissenschaftliches Fehlverhalten
4.1 Freiheit von Forschung und Lehre
4.2 Publish or Perish
4.3 Zitations-Kartelle
4.4 Forschungsgelder
4.5 Unübersichtlichkeit

5 Maßnahmen gegen wissenschaftliches Fehlverhalten
5.1 Whistle Blowers
5.2 Peer Review-Verfahren
5.3 Ehrenkodex deutscher Wissenschaftsorganisationen
5.4 Maßnahmen zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten
5.5 Blick ins Ausland
5.5.1 USA: National Science Foundation/National Institutes of Health
5.5.2 Dänemark: Danish Committee on Scientific Dishonesty

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Internetquellenverzeichnis

„Traue keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast.“

Sir Winston Churchill zugeschriebenes Zitat, das möglicherweise von der Nazi- Propaganda erfunden wurde, um ihn in der Öffentlichkeit als Lügner und Fälscher von Kriegsstatistiken darzustellen

1. Einleitung

Im November des Jahres 2005 stockt der »scientific community« der Atem: Ersten Presseberichten zufolge gibt es Unstimmigkeiten in den Arbeiten des weltweit anerkannten Genforschers Hwang Woo-Suk. Der Südkoreaner kann auf zwei Bahn- brechende Veröffentlichungen zurückblicken, die ihm weltweite Anerkennung und den Status eines Nationalhelden eingebracht haben: 1999, zwei Jahre, nachdem der Weltöffentlichkeit das Klonschaf »Dolly« präsentiert wurde, macht der einstige Tierarzt mit der Präsentation geklonter Rinder von sich reden. Der weltweite Durchbruch gelingt ihm 2004, als das Wissenschaftsmagazin »Science« eine Studie publiziert, in der beschrieben wird, wie er aus Körperzellen des Menschen Embryonen klont, aus denen sich Stammzellen entwickeln. Diese Sensation macht den Koreaner weltberühmt und weckt neue Hoffnung in der Bekämpfung schwerer Krankheiten. Zudem publiziert er im Jahre 2005 elf embryonale Stammzelllinien mit dem Erbgut kranker Menschen und stellt der Öffentlichkeit »Snuppy« vor, den Klon eines Afghanischen Windhundes.

Der »Paukenschlag« folgt nur ein knappes Jahr nach der Stammzell-Publikation in »Science«: Im November 2005 erhebt der amerikanische Wissenschaftler Gerald Schatten schwere Vorwürfe gegen Hwang. Er soll gegen fundamentale bioethische Grundregeln verstoßen haben, indem er Frauen zur Eizellenspende gezwungen hat.1 Zu dieser Zeit ist der Glaube der Koreaner an ihren Hoffnungsträger auf den Nobelpreis jedoch noch lange nicht gedämpft: Zahlreiche Frauen bieten sich demonstrativ zur Eizellenspende an und demonstrieren vor Hwangs Institut an der Seoul National University. Dabei gilt die klinische Prozedur der Eizellenspende als äußerst unangenehm und nicht risikolos. Nur wenig später teilt Roh Sung Il, ein Mitautor des in »Science« veröffentlichten Forschungsberichtes, der Öffentlichkeit mit, dass neun der elf publizierten Stammlinien erfunden sind und löst damit einen der größten wissenschaftlichen Fälschungsskandale unserer Zeit aus.

In der Folgezeit bricht Hwangs Klon-Imperium in sich zusammen: Eine umgehend gebildete Expertenkommission der Seoul National University bestätigt Ende 2005, dass Hwang in erheblichem Umfange gefälscht hat.

Zuvor waren ihm bereits sein offizieller koreanischer Titel »Oberster Forscher« aberkannt, Fördergelder gestoppt und die Verleihung des ihm zugedachten Titels »Research Leader of the Year 2005« der amerikanischen Fachzeitschrift »Scientific American« aufgehoben worden.2 Anfang Januar 2006 wird auch seine erste Veröffentlichung in »Science« als Fälschung enttarnt.

Neben dem ruinierten Ruf der koreanischen Wissenschaft und dem Schaden für die internationale Stammzellforschung ergeben sich aus diesem Fall auch weitreichende Fragen an das allgemeine System der Wissenschaft. Vielerorts spricht man von einer »verloren gegangenen Wissenschaftsethik«. Wie war es Hwang möglich, seine gefälschten Forschungsergebnisse in renommierten Fachzeitschriften wie »Nature« und »Science« zu publizieren? Wie und warum kommt es überhaupt zu Betrug und Fälschung in der Wissenschaft? Welche Möglichkeiten haben Betroffene und Institutionen, zu reagieren oder Fehlverhalten von vornherein auszuschließen? Die vorliegende Arbeit widmet sich dieser Problematik. Dabei wird die klassische Frage der Wissenschaftsethik nach der Verantwortung des Wissenschaftlers für die außerwissenschaftlichen Folgen seiner Forschung weitgehend ausgeklammert. Stattdessen steht die Frage nach dem Motiv von wissenschaftlichen Betrügereien im Mittelpunkt. Dabei wird zunächst der grundlegenden Frage nachgegangen, wie sich Wissenschaften heute definieren und welche Formen wissenschaftlichen Fehlverhaltens sich voneinander unterscheiden lassen. Anschließend wird ein Fälschungsfall in der deutschen Wissenschaft vorgestellt und der Frage nachgegangen, wie weit wissenschaftliches Fehlverhalten heutzutage verbreitet ist. Zuletzt werden Gründe wissenschaftlichen Fehlverhaltens gesucht und Maßnahmen diskutiert, die zur Qualitätssicherung im heutigen Wissenschaftssystem beitragen.

2 Definitionen

Im Folgenden geht es zunächst darum, wichtige definitorische Abgrenzungen als Grundlage für das weitere Textverständnis zu schaffen. Dabei werden der Wissenschafts-Begriff und die zu unterscheidenden Tatbestände wissenschaftlichen Fehlverhaltens konkretisiert.

2.1 Verortung der Wissenschaft

In der heutigen Zeit stellt sich die Wissenschaft facettenreich dar. Ihre Einteilung kann nach vielen unterschiedlichen Gesichtspunkten erfolgen.3 In diesem Abschnitt werden diejenigen Varianten der Wissenschaft voneinander unterschieden, die Aufschluss über ihren Grad an Seriosität geben.

2.1.1 Schulwissenschaft

Über den Begriff der akademischen Wissenschaft herrscht in der »scientific community« keine Einigkeit. Am besten lässt sie sich durch ihre charakteristischen Methoden und Prinzipien definieren. Zwei Definitionsmöglichkeiten für »Wissenschaft« sind beispielsweise Folgende: Wissenschaft ist der „Prozess der Sammlung, Vertiefung, Ordnung und laufenden Verbesserung des Wissens […] unter Einsatz der jeweils angemessenen Forschungsmethoden“4 oder „intersubjektiv kommunizierbares und nachprüfbares Wissen, das bestimmten wissenschaftlichen Kriterien […] folgt“5. Dabei wird diese »reine« Form der Wissenschaft häufig als Schulwissenschaft bezeichnet, was ausdrückt, dass aus ihr hervorgebrachte, als gesichert geltende Ergebnisse zum Bestandteil von schulisch vermitteltem Wissen werden können. Es geht hier also, wie Eberlein vorschlägt, um in der „universitären Forschergemeinschaft akzeptierte und bewährte Fragestellungen, Theorien, Methoden und Ergebnisse“6.

2.1.2 Populärwissenschaft

Als populärwissenschaftlich lässt sich die fachexterne Vermittlung wissenschaftlichen Wissens bezeichnen.7 Praktisch findet diese Vermittlung vor allem durch einen unkomplizierten und verständlichen Bericht in der Öffentlichkeit statt. Niederhauser spricht in diesem Zusammenhang von den Bestrebungen der „Popularisierung wissenschaftlichen Wissens“8. Hier besteht die Gefahr, dass die für den Laien aufbereiteten Fachinformationen in einem publizistischen und journalistischen, und damit übertreibenden und missverständlichen Sprachstil vermittelt werden. Die Zitierfähigkeit populärwissenschaftlicher Populationen wird deshalb im Allgemeinen bezweifelt. Sie grenzen sich durch ihren Bezug zu Erkenntnissen aus der Schulwissenschaft jedoch von den Para- und Pseudowissenschaften ab.

2.1.3 Parawissenschaft

Zu den Parawissenschaften zählen unter anderem Disziplinen wie Astrologie, Parapsychologie, Homöopathie und Psychotronik.9 Hier geht es vor allem darum, unerklärte Phänomene unter Zuhilfenahme anerkannter wissenschaftlicher Methoden zu untersuchen. Resch beschreibt sie treffend als die „Wissenschaft von den paranormalen [Grenz-]Phänomenen“10. Parawissenschaftler verstehen sich als bewussten Gegenpol zur rein rationalistisch-materialistischen »Normalwissenschaft« und sind einer großen Akzeptanzproblematik innerhalb der »scientific community« ausgesetzt. Dennoch gibt es vereinzelt Institute, Lehrstühle und Vereine, die diese Form der Wissenschaft institutionell verankern.11

2.1.4 Pseudowissenschaft

Die Bezeichnungen Para- und Pseudowissenschaft werden oft synonym verwendet. Beispielsweise bezeichnet Holton beide Varianten der Wissenschaft zusammenfassend als »Anti-Wissenschaft«12 und Robert Park fasst falsche, Pseudo- und betrügerische Wissenschaft unter dem Oberbegriff »Voodoo Science« zusammen.13 Auch wenn sich Para- und Pseudowissenschaften nicht präzise voneinander trennen lassen, besteht jedoch ein grundlegender Unterschied in den jeweiligen Methoden: Pseudowissenschaften geben sich nach außen hin zwar den Anschein von Wissenschaftlichkeit, sind es im Grunde genommen jedoch nicht, da sie mit einem wissenschaftlich nicht anerkannten Methodenrepertoire aufwarten. Parawissenschaftliche Aussagen hingegen erweisen sich zumindest teilweise als anwendbar.14 Pseudowissenschaftliche Publikationen siedeln sich vorrangig im Bereich der Lebenshilfe und der Esoterik an. Ihr Inhalt richtet sich vor allem an ein nicht-wissenschaftliches Publikum, an so genannte »belief systems«. Zu den landläufig als pseudowissenschaftlich bezeichneten Lehren zählen unter anderem die Phrenologie, die Antroposophie und die Radiästhesie

2.2 Arten wissenschaftlichen Fehlverhaltens

Wissenschaftlichem Fehlverhalten liegen verschiedene Tatbestände zu Grunde. Diese sind teilweise unpräzise und schwer fassbar, so dass sich ihre Abgrenzung im Einzelfall ebenfalls schwierig gestaltet. Im folgenden Kapitel werden hier grundlegend zu unterscheidende Tatbestände charakterisiert.

2.2.1 Täuschung

Bei einer Täuschung handelt es sich um eine bewusst irreführende Darstellung. Im Zusammenhang mit diesem Tatbestand wird dabei der jeweilige »Tatsachenkern« berücksichtigt. Es werden drei Möglichkeiten der Täuschung voneinander unterschieden: Die ausdrückliche Täuschung, die konkludente Täuschung und die Täuschung durch Unterlassen. Zwischen diesen drei Arten bestehen dabei fließende Übergänge.15

2.2.2 Betrug

Gemäß dem Paragrafen 263 des Strafgesetzbuches betrügt, „wer in der Absicht, sich oder einem Dritten einen rechtswidrigen Vermögensvorteil zu verschaffen, das Vermögen eines anderen dadurch schädigt, dass er durch Vorspiegelung falscher oder durch Entstellung oder Unterdrückung wahrer Tatsachen einen Irrtum erregt oder unterhält“16. Bei einem Betrug geht es also um eine bewusst irreführende Darstellung zur Erlangung eines Vermögensvorteiles, was definitorisch eine Erweiterung zum Tatbestand der Täuschung (Kapitel 2.2.1) darstellt.

2.2.3 Fälschung

Um eine Fälschung handelt es sich, wenn der eigenen Leistung zum Nachteil anderer eine fremde Urheberschaft unterstellt wird. Im Strafgesetzbuch finden sich eine Reihe spezieller Definitionen in den Paragrafen 267 bis 282.17 Daraus ergibt sich, dass Fälschung im Allgemeinen die Vorspiegelung von Echtheit oder fremder Urheberschaft ist. Nach Finetti und Himmelrath ist die vorsätzliche Fälschung das schwerwiegendste Vergehen, das Wissenschaftler begehen können, da sie damit gegen das oberste Gebot ihrer Zunft, die wissenschaftliche Redlichkeit, verstoßen.18

2.2.4 Plagiat

Als Plagiat beschreibt man die Übernahme fremden geistigen Eigentums beziehungsweise das Ausgeben eines fremden Werkes als das Eigene. Es geht hier also im Gegensatz zur Fälschung (Kapitel 2.2.3) um die Vortäuschung eigener Urheberschaft. Der Begriff an sich wird im Strafgesetzbuch nicht genannt, ergibt sich aber aus dem Sinn der Erläuterungen zur Täuschung (Kapitel 2.2.1) im Zusammenhang mit dem Urheberrecht. Eine oft vertretene These lautet, dass der Wissenschaft durch Plagiate kein unmittelbarer Schaden entsteht, da zu Grunde liegende Daten nicht erfunden oder manipuliert werden. In wissenschaftlichen Arbeiten lässt sich der Vorwurf des Plagiates, und damit der der Verletzung des Urheberrechtes vermeiden, in dem man von anderen wörtlich oder indirekt übernommene Textstellen kenntlich macht und sie entsprechend zitiert.

2.2.5 Wissenschaftlicher Witz

In Abgrenzung zu den bisher beschriebenen Tatbeständen definiert sich der »Wissenschaftliche Witz«. Hierbei handelt es sich um eine Art der Parodie oder Satire, die sich den Anschein von Wissenschaftlichkeit gibt und deshalb auf den ersten Blick meist nicht als solche erkennbar ist. Publikationen dieser Art zeigen den Medien und der Wissenschaft ihre Grenzen auf. Beispielsweise sorgt 1996 die »Sokal-Affäre« für Aufsehen: Der New Yorker Physiker Alan D. Sokal veröffentlicht in der Zeitschrift »Social Text« einen Beitrag zur Postmoderne- Diskussion. Der Titel seines völlig unsinnigen Aufsatzes lautet: »Die Grenzen überschreiten: Auf dem Weg zu einer transformativen Hermeneutik der Quantengravitation«. Wenig später publiziert er in »Lingua Franca« einen Artikel, in dem er bekannt gibt, dass sein Aufsatz lediglich eine Parodie darstellt und löst damit eine wissenschaftliche Debatte um die Leistungen postmoderner Philosophen und den Missbrauch der Wissenschaft aus.19 Als »Nihilartikel« wird in diesem Zusammenhang ein frei erfundener Lexikoneintrag bezeichnet. Bei Zeitungen spricht man umgangssprachlich vom »Grubenhund« oder allgemeiner von einer »Zeitungsente«, bei falschen Meldungen im Internet von »hoaxes«.

3 Fälle wissenschaftlichen Fehlverhaltens

In der Einleitung (Kapitel 1) wurde bereits auf einen der jüngsten Fälschungsfälle in der internationalen Forschung eingegangen. Im ersten Teil dieses Kapitels wird sich einem erschütternden Fall zugewandt, der 1997 in Deutschland für Aufsehen gesorgt hat. Im darauf folgenden Abschnitt wird der Frage nachgegangen, ob und in wie weit wissenschaftliches Fehlverhalten zum routinemäßigen Geschäft eines Wissenschaftlers gehört.

3.1 Herrmann/Brach/Mertelsmann

Auch die deutsche Forschungsgemeinschaft hat ihren »Paukenschlag« bereits hinter sich. Der liegt mittlerweile knapp neun Jahre zurück und hat einen nicht weniger brisanten Inhalt als die Fälschungen des koreanischen Hwang Woo Suk:

Seit Anfang der 1990er Jahre verzeichnet man erstaunliche Fortschritte in der deutschen Krebsforschung. Neben Studien des renommierten Heidelberger Krebsforschungszentrums versetzt das Forscherduo Friedhelm Herrmann und Marion Brach die internationale Fachwelt in Staunen. Ansehen gewinnt es vor allem durch Studien zu Genen und zellulären Botenstoffen, durch die sie weltweit Hoffnung im Kampf gegen Krebs wecken. Herrmann hatte 1986 beim „Pionier der Gentherapie in Deutschland“20, Professor Doktor Roland Mertelsmann, habilitiert und trifft 1988 erstmals die Doktorandin Brach, die er in seine Abteilung an der Mainzer Universitätsklinik aufnimmt. Zwischen beiden entwickelt sich auch eine private Beziehung. 1995 stößt der junge Molekularbiologe Doktor Eberhard Hildt zur Arbeitsgruppe Herrmann/Brach am Max-Delbrück-Zentrum in Berlin. Er wechselt, wie viele Mitglieder der Forschungsgruppe, Anfang 1996 mit Brach und Herrmann zur Ulmer Universität. Hier fallen ihm Ungereimtheiten auf Bildern einer 1995 im »Journal of Experimental Science« publizierten Studie auf. Zudem wird ihm durch Kollegen zugetragen, dass Brach vermutlich Ergebnisse einer japanischen Forschungsgruppe unter ihrem Namen veröffentlicht hat. Da die beiden Forscher Hildt auf seine Anschuldigungen hin unter Druck setzen, wendet dieser sich Anfang 1997 an seinen Doktorvater Professor Peter Hans Hofschneider vom Max-Planck Institut für Biochemie. Hofschneider bestätigt die Manipulationen und bittet Claus Bartram, Leiter des Heidelberger Instituts für Humangenetik, um eine Stellungnahme. Auch dieser attestiert der 1995 veröffentlichten Studie Fälschungen.21 Hofschneider und Bartram unternehmen zunächst einen weiteren klärenden Schritt, in dem sie sich an Brach wenden und sie zu einer Stellungnahme auffordern. Zur Überraschung der beiden Wissenschaftler gesteht Brach und belastet gleichzeitig Herrmann als Initiator der Fälschungen. Dieser wiederum weist alle Anschuldigungen von sich.22

Mitte März 1997 erhalten die Universität Ulm, die Medizinische Hochschule Lübeck und das Max-Delbrück-Zentrum in Berlin gleich lautende Schreiben, in denen Hofschneider und Bartram ihren schwerwiegenden Verdacht äußern. In der Folge werden an diesen drei Wissenschaftseinrichtungen Untersuchungskommissionen gebildet, die sich mit den Vorwürfen befassen.23 Da es im untersuchten Fall nicht nur um die Fälschungen an sich, sondern in der Folge auch um den Missbrauch von Forschungsgeldern in erheblichem Umfange geht, informiert die Ulmer Universität nach ersten Ermittlungen die »Deutsche Krebshilfe« und die »Deutsche Forschungsgemeinschaft«. Diese stoppen sofort die Zahlung laufender Fördergelder und versehen schon ausgezahlte Gelder mit Rückzahlungsvorbehalten. Noch bevor die Untersuchungskommissionen ihre Berichte offiziell in der Öffentlichkeit präsentieren können, erscheinen im Mai 1997 erste Artikel in »Südwest Presse« und »Focus«. Nachdem auch die »Deutsche Presseagentur« die Meldung aufgreift, folgt in den kommenden Monaten eine ausführliche Berichterstattung über den zum Medienereignis herangewachsenen Skandal.

[...]


1 Vgl. Gottweis 2006, S. 29

2 Vgl. Evers 2005, S. 146

3 Vgl. Brockhaus 1996, S. x

4 Schaub 2004, S. 594

5 Brockhaus 1996, S. x

6 Eberlein 1991, S. 7

7 Vgl. Niederhauser 1999, S. 231

8 Niederhauser 1999, S. 15

9 Vgl. Eberlein 1991, S. 7

10 Resch 1991, S. 119

11 Vgl. Bauer 1991, S. 136f.

12 Vgl. Holton 2000, S. 169

13 Vgl. Park 2002, S. 19

14 Vgl. Eberlein 1991, S. 8

15 Vgl. Jähnke 2005a, §263

16 Jähnke 2005a, § 263

17 Vgl. Jähnke 2005b, § 267ff.

18 Vgl. Finetti 1999, S. 37

19 Vgl. http://www.physics.nyu.edu/faculty/sokal/+sokal&hl=de [2006-01-23]

20 Finetti 1999, S. 36

21 Vgl. Finetti 1999, S. 34ff.

22 Vgl. Finetti 1999, S. 40f.

23 Vgl. Finetti 1999, S. 34f.

Details

Seiten
37
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638588423
ISBN (Buch)
9783638671156
Dateigröße
631 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66118
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg – Professur für Katholische Theologie unter besonderer Berücksichtigung der Sozialwissenschaften und der Sozialethik
Note
1,0 (sehr gut)
Schlagworte
Verlorengegangene Ethik Betrug Fälschung Wissenschaft Typen Argumentation Thema Plagiat

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