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Was ist Wissenschaft? – Was ist Pflegewissenschaft?

von Steve Strupeit (Autor) Kreske Sieling (Autor)
Referat (Ausarbeitung) 2006 16 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in die Thematik

2 Wissenschaften
2. 1 Erklärungsversuche und Definitionen von Wissenschaft
2.2 Einteilungen der Wissenschaftszweige
2.3 Unterscheidung Alltagserkenntnis und wissenschaftliches Wissen
2.4 Klassische Gütekriterien einer Wissenschaft

3 Pflegewissenschaft
3.1 Quellen des Wissens in der Pflege (-Wissenschaft)
3.2 Was ist Pflegewissenschaft? – Ein Erklärungsversuch
3.3 Gegenstandsbereiche der Pflegewissenschaft und Pflegeforschung
3.4 Aufgaben der Pflegewissenschaft
3.5 Exkurs Paradigmen
3.6 Metaparadigmen in der Pflege

Anlagen

Literaturverzeichnis

Power Point Präsentation

1. Einführung in die Thematik

„Bloßes Wissen, Bloße Kenntnis von Dingen und Tatsachen allein ist noch keine Wissenschaft; erst wer etwas über Entwicklung und ursächlichen Zusammenhang der Dinge erforscht, was bisher unbekannt war treibt Wissenschaft“ (Pettenkofer zit: nach Brandenburg, 2003, 22).

Was ist eigentlich Wissenschaft? Schafft Wissenschaft Wissen (an Stelle von Glauben)? Erklärt Wissenschaft die Welt? Ist Wissenschaft ein Privileg? Wissenschaft die Suche nach Antworten? Es gibt neben diesen Fragen noch viele andere mehr die man sich stellen mag und doch werden wir nicht alle Fragen dieses komplexen Themas detailliert beantworten können. Jedoch wollen wir versuchen sie zu streifen.

Die Aufgabenstellung dieser Arbeit ist es eine Einführung in die Thematik „Was ist

Wissenschaft?“ zu geben. Dabei soll diese Fragestellung immer wieder durch die Brille der Pflegewissenschaft näher betrachtet und erläutert werden.

Im ersten Abschnitt der Arbeit geht es zunächst darum ganz allgemein zu klären was Wissenschaft überhaupt ist. In welche Bereich die Wissenschaft sich einordnen lässt und es soll ganz bewusst auch die Frage nach dem verorten der Pflegewissenschaften in diesem Klassifizierungssystem aufgeworfen werden. Da die Pflegewissenschaft noch eine sehr junge Wissenschaft in Deutschland ist, soll geklärt werden was der Unterschied zwischen Alltagserkenntnis und wissenschaftlichen Wissen ist. An diesem Punkt werden wir aufzeigen, wie examinierte Pflegekräfte und wie Pflegewissenschaftler mit ein und derselben Situation umgehen würden. Anschließend werden die klassischen Wissenschaftlichen Gütekriterien exemplarisch dargestellt.

Der zweite Teil der Arbeit widmet sich dann der Pflegewissenschaft „an sich“. Was ist Pflegewissenschaft, welche Aufgaben hat die Pflegewissenschaft zu leisten. In diesem Teil gehen wir auch kurz auf Paradigmen und Metaparadigmen der Pflegewissenschaft ein. Jedoch soll diese nur als abschließende Ergänzung dienen.

2. Wissenschaft

2.1 Erklärungsversuche und Definitionen von Wissenschaft

Wissenschaft ist ein Begriff unter dem jeder etwas anderes versteht, es gibt sehr viele Definitionen von Wissenschaft. Was sagt das Lexikon zum Thema Wissenschaft? Wissenschaft ist eine „Bezeichnung für eine Lebens- und Weltorientierung, die auf eine spezielle, meist berufsmäßig ausgeübte Begründung der Praxis angewiesen ist…“ (Enzyklopädie Philosophie, zit. Nach Brandenburg/Dorschner, 2003, 22) Aus der Pflegewissenschaftlichen Perspektive betrachtet, ist „eine Wissenschaft … die Zusammenfassung von Wissen über ein Phänomen, die durch allgemein anerkannte Beweise gestützt wird. (Sie) liefert Antworten auf … zentrale Fragen (Meleis, 1999, 40).

So einfach wie sich die Frage auf den ersten Blick anhört, was Wissenschaft eigentlich ist, ist sie also nicht zu beantworten. Jedoch kann als sicher gelten, dass Wissenschaft:

1. eine systematische Tätigkeit ist (es geht um ein „System von Sätzen“, bzw. um ein „System der Erkenntnis“);
2. auf die Wirklichkeit (Empirie) gerichtet ist - im Gegensatz zu Metaphysik und Spekulation (sie ist „empirisch“, bzw. auf „Natur, Gesellschaft und Denken“ gerichtet);
3. mit Hilfe von Hypothesen, Theorien und anderen Mittel arbeitet ; und
4. zu generellen Aussagen gelangen will („Theoriesysteme“ werden aufgestellt und überprüft, bzw. „kausale Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten“ und werden für ein „System der Erkenntnis“ fixiert)(vgl. Alemann/Forndan, 2002,44).

Rechtlich gesehen sind „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei“ (GG Art. 5, 3). Dies garantiert uns das Grundgesetz. Ebenfalls ist die institutionelle Verortung an Hochschulen gegeben.

2.2 Einteilungen der Wissenschaftszweige

Nach ihren Methoden lassen sich drei große Zweige von Wissenschaften unterscheiden (vgl. Mühlbauer, 2003, 153ff; Brandenburg/Dorschner, 2003, 26ff; Benedikter, 2001, 137ff):

1. Strukturwissenschaften (Mathematik, Informatik): sie zeichnen sich durch vollständige Formalisierbarkeit ihres Untersuchungsobjektes aus. Zudem beschäftigen sie sich nur mit theoretischen Konzepten, nicht mit im eigentlichen Sinn „realen“ Gegenständen. Ein strenger Beweis der Fehlerfreiheit vorausgesetzt, für alle Zeiten gilt, ist nur in diesen Wissenschaften möglich.
2. Naturwissenschaften (Physik, Chemie, Biologie, Medizin, …): sind die Wissenschaften, die der erwachsene Mensch noch am ehesten als Wissenschaften erkennen würde. Sie zeichnen sich in der Regel durch experimentelle Arbeiten aus. Beweise können diese Wissenschaften jedoch im streng mathematischen Sinn nicht liefern. Denn auch ein Naturgesetz ist nur ein Erfahrungsgesetz, dass darauf gründet, das es bislang keine anderweitigen Erfahrungen gibt und aus verschiedenen Gründen auch sehr wahrscheinlich in Zukunft nicht geben wird. Hier geht es um das Allgemeine der Welt.
3. Geisteswissenschaften und/oder Sozialwissenschaften (Philosophie, Geschichte, Politik, Pflege, …): Auch hier ist das Ziel, mit Hilfe des Verstandes und unter Anwendung bestimmter mehr oder weniger allgemein anerkannter Methoden zu Aussagen zu gelangen, die vom Betrachter möglichst unabhängig sind. Hier geht es um das Besondere und Einmalige des Menschlichen.
Demnach verstehen sich die Pflegewissenschaften als einen Zweig der Geisteswissenschaften. Jedoch erfordert die Komplexität der Pflegewissenschaften einen Dialog des „Pluralismus“ (Käppli, 1996, 156) zwischen den Bezugswissenschaften. Eine völlige Abgrenzung als Pflegewissenschaft –im Singular- scheint zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich. Eine Beantwortung was für eine Wissenschaft die Pflege darstellt ist somit eine mit „praktischen Folgen“ (Käppli, 1999, 157). Mögliche wäre es aber auch, dass die Pflegewissenschaften weiterhaft standhaft bleibt und sich gegen „Ordnungsprinzipien“ (Krüger, 1996, 39) durchsetzten vermag, zugunsten eines „eigenständigen Wissenschaftskanons“ (Krüger, 1996, 39).

2.3. Unterscheidung Alltagserkenntnis und wissenschaftliches Wissen

Anhand eines Beispiels möchten wir den Unterschied zwischen Alltagstheorie und wissenschaftlichen Wissen herausarbeiten.

Beispiel: Wartezeiten im Stationsalltag

Pflegekräfte (z.B. einer chirurgischen Station) stellen fest, dass bei Patienten vor verschiedenen Behandlungen immer wieder Wartezeiten im Stationsalltag entstehen. Diese Wartezeiten sind ein Problem in verschiedener Hinsicht: Für den jeweiligen Patienten, der dadurch in eine Situation der Ungewissheit gebracht wird, für die Pflegekräfte, für die sich aus diesen Wartezeiten und den resultierenden Fragen des Patienten zusätzliche Belastungen entstehen und für den Ablauf von Behandlungen im Krankenhaus allgemein. Schließlich produzieren diese Wartezeiten zusätzliche Kosten für das Krankenhaus bzw. für die Krankenkassen.

In unserem Beispiel wird die Pflegekraft herausfinden wollen, bei welchen Behandlungen Wartezeiten entstehen und bei welchen nicht, ob sie immer entstehen oder nur zeitweise und ob es bestimmte Bedingungen gibt, die vorherrschen wenn das Problem auftaucht (z.B. immer montags nach dem Wochenende). Aufgrund der Erfahrung die die Pflegekraft hat, wird sie eine Vorstellung davon haben, warum dieses Problem hier und jetzt auftaucht oder warum es bei einer bestimmten Behandlung oder Patientengruppe häufiger oder stärker als sonst auftritt. Diese Erklärung kann man als Alltagstheorie bezeichnen (Vgl. Flick, 2001, 8). Man löst das Problem nicht bewusst sondern eher intuitiv. Ob ihre Erklärung nun richtig oder falsch ist, zeigt sich dann erst später im Umgang mit dem Problem, indem sich die Wartezeiten verringern oder eben nicht. In diesem Fall ist von einer „ pragmatischen Theorieprüfung “ (Flick, 2001, 8) zu sprechen. Jedoch hat man in der Praxis das Problem, dass man das Problem schnell lösen muss, zum unendlich lange überlegen fehlt die Zeit. Dieser Handlungsdruck führt dazu, dass für eine allgemeine Auseinandersetzung mit dem Problem keine Zeit bleibt. Die routinierte Pflegekraft wird eine Handlungsroutine entwickeln, über die sie nicht viel nachdenken muss – außer das Problem lässt sich damit nicht lösen (Vgl. Flick, 2001, 8). Diese Problemlösungsansätze funktionieren in der Praxis meist recht gut, sind jedoch nur auf die konkrete Situation anwendbar.

Bei einem wissenschaftlichen vorgehen, würden den Pflegekräften ähnliche Fragen gestellt werden wie bei der intuitiven Erkenntnisgewinnung. Jedoch „ unter Verwendung von Forschungsmethoden “ (Flick, 2001, 8). In diesem Fall würde man auf Beobachtungen, Fragebögen und andere Untersuchungsmethoden zurückgreifen. Bei wissenschaftlicher Forschung steht man auch nicht unter ständigem Zeitdruck, da eine Problemlösung nicht ad hoc erfolgen muss, so wie in der Praxis. Zudem muss das Problem systematisch analysiert werden, dabei sollen die Analysen „ verallgemeinerbar sein “ (Flick, 2001, 8). Die Problemlösung soll nämlich später in vielen anderen vergleichbaren Situationen anwenden lassen.

Darin liegt auch begründet, warum viele wissenschaftliche Theorien eher abstakt formuliert und nicht auf konkrete Situationen bezogen sind. Beide Ansätze sind jedoch geeignet um zu Wissen und Erkenntnissen zu gelangen. Dabei können Alltagserkenntnisse als Ausgangspunkt für Theoriebildung und empirische Forschung verwendet werden. Zum anderen sind Alltagstheorien zunehmend von wissenschaftlichen Theorien und Forschungsergebnissen beeinflusst (Vgl. Flick, 2001, 8ff.).

Nachfolgende Abbildung stellt die Unterschiede zwischen Alltagerkenntnis und wissenschaftlicher Erkenntnis noch einmal gegenüber:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Verhältnis zwischen Alltagserkenntnis und wissenschaftlicher Erkenntnis lässt sich wie folgt beschreiben: 1. „Alltagserkenntnisse können als Ausgangspunkt für Theoriebildung und empirischer Forschung verwendet werden“ und 2. „Alltagserkenntnisse sind zunehmend … von wissenschaftlichen Theorien und Forschungsergebnissen [beeinflusst](Flick, 2001, 9).“

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638584241
DOI
10.3239/9783638584241
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66129
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
1,0
Schlagworte
Wissenschaft Pflegewissenschaft Wissenschaftliches Arbeiten

Autoren

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Titel: Was ist Wissenschaft? – Was ist Pflegewissenschaft?