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Körper & Rhythmik - Rhythmische Erziehung in verschiedenen Einsatzbereichen

von Anke Hartwig (Autor) Stefanie Grönniger (Autor)

Referat (Ausarbeitung) 2004 25 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung - Inhaltsverzeichnis

Vorwort/ Einleitung

1. Die Bedeutung von Rhythmik in der Erziehung

2. Der rhythmische Erziehungsbereich
2.1 Der pädagogische Ansatz – rhythmische Erziehung
2.2 Der rhythmische Erziehungsbereich…
…lässt sich durch die folgenden drei Mittel
ausgestalten, bzw. umsetzen
2.2.1 Bewegung
2.2.2 Musik
2.2.3 Sprache
2.3 Die sechs inhaltlichen Kriterien rhythmischer Arbeit
2.3.1 Sensibilisierung
2.3.2 Orientierung
2.3.3 Expressivität
2.3.4 Flexibilität
2.3.5 Kommunikation und Interaktion
2.3.6 Phantasie und Kreativität
2.4 definierte Ziele der Rhythmik

3. Rhythmische Erziehung in verschiedenen Einsatzbereichen
3.1 Elementarbereiche
3.2 Schulkindalter
3.3 Heilpädagogik
3.4 Heimpädagogik
3.5 Jugendliche

4. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Körper und Rhythmik

Vorwort/ Einleitung

Es gibt eine Vielzahl von Bedeutungen für den Begriff „Rhythmus“. In den unterschiedlichsten Bereichen lässt sich für diesen Begriff eine Verwendung finden, so z.B. in der Biologie, in der Medizin, der Psychologie, der Soziologie und letztendlich auch in der Musik… Biorhythmus, Tagesrhythmus, Herzrhythmus usw.

Rhythmus ist ein zeitlich gegliederter Ablauf, gekennzeichnet durch ständige Bewegungen, durch die ein stetiges Hin und Her, Auf und Ab entsteht. Wobei die eine Bewegung bereits die andere vorbereitet. So zum Beispiel in der regelmäßigen Struktur von Naturvorgängen; der Rhythmus von Ebbe und Flut, von Tag und Nacht oder auch der Jahresrhythmus. Auch unsere Atmung ist rhythmisch.

Aber was hat nun unser Körper mit Rhythmus oder Rhythmik zu tun,

speziell in der rhythmischen Erziehung ?

Diese zentrale Frage stellten wir in den Fordergrund und möchten wir versuchen im folgenden Text näher zu belichten.

Wahrnehmung und Bewegung sind eng mit dem Rhythmus verbunden, dies drückte schon Platon mit seiner Feststellung: „Rhythmus ist Ordnung in der Bewegung“ aus. Die heutige Ansicht oder Vorstellung von Rhythmus beschreibt es ähnlich: Ein Rhythmus ist die Ordnung von sinnlich wahrnehmbaren Teilen. Diese gliedern die Zeit in Abschnitte. Ein Rhythmus entsteht jedoch nur dann, wenn die Teile geordnet werden (können).

1. Die Bedeutung von Rhythmik in der Erziehung

Die rhythmische – musikalische Erziehung stellt sich heute die Aufgabe, den Menschen durch die Medien Musik und Bewegung zu erziehen, zu bilden und zu beeinflussen.

„Rhythmik ist Gestaltpädagogik, die ihren Auftrag in der Dynamisierung und Potenzierung von biologisch-leiblichen, geistigen und psychosozialen Bewegungsprozessen sieht“ (Hoellering, 1982).

Rhythmik aktiviert Entwicklungsprozesse. „… Rhythmik ist Erziehungsgeschehen, das sowohl musik- und bewegungserzieherische Ziele anstrebt, ist Erziehungsgeschehen, das menschliche Entwicklungsprozesse aktiviert, unterstützt, fördert, lenkt, korrigiert, d.h. als Erziehungsgeschehen, Erziehungsmaßnahmen, Erziehungshilfen leisten kann“ (Vogel – Steinmann, 1979).

Dem Begriff der Rhythmik begegnen wir in vielen musisch-pädagogischen und therapeutischen Ansätzen, z.B. in der Eurythmie*, in der rhythmischen Sportgymnastik, in der Rhythmustherapie usw. Die Übergänge dieser Bereiche sind fließend.

2. Der rhythmische Erziehungsbereich

Mit ihren Zielen, Inhalten und Methoden bildet die Rhythmik einen Erziehungsbereich, der sich an der ganzheitlichen Daseinsform des Kindes orientieren soll:

>> Ganzheitliches Lernen durch Erleben <<

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mit einer naturgegebenen Antriebskraft setzt sich das Kind mit den sinnlich wahrnehmbaren Erscheinungen seiner Umwelt auseinander. Indem es beobachtet, horcht, riecht, schmeckt, mit Gegenständen hantiert, sie befühlt und begreift, vermitteln ihm die Sinnesorgane Eindrücke. Diese fließen in sein Spiel ein und kommen dort im Verhalten und Handeln zum Ausdruck. Nach diesem sensomotorischem Prinzip macht es seine Erfahrungen und lernt daraus, zu unterscheiden, zu ordnen, zu erkennen und zu benennen. Auf diese Weise entwickeln sich aus dem Handeln das Denken und das Wissen.

Mit den Sinnestätigkeiten wie mit den Handlungen sind auch unmittelbare Empfindungen verbunden, die mit den Erlebnisinhalten gespeichert werden. Sie beeinflussen nicht nur das Interesse und die Motivation des Kindes in fördender oder hemmender Weise, sondern bilden auch die Voraussetzung für die innere Bereitschaft, Beziehungen zu Menschen, Tieren und Dingen aufzubauen. Dieses Zusammenspiel der körperlichen, seelischen und geistigen Kräfte will die Rhythmik mit ihren erzieherischen Methoden erhalten und fördern.

2.1 Der pädagogische Ansatz – rhythmische Erziehung

Rhythmus ist ein ordnendes Lebensprinzip, welches das Prinzip der Ganzheitlichkeit unterstützt, bzw. fördert oder fördern will. Die „Rhythmik“ oder die „rhythmische Erziehung“ nutzt die Erkenntnisse über Rhythmus und schafft auf der Basis von Wahrnehmung und Bewusstheit, von Bewegung in Verbindung mit dem Klang ihren ganzheitlichen pädagogischen Bildungsansatz. Die rhythmische Erziehung ist jedoch keine neue oder modernere Erziehungsform. Sie wurde bereits um die Jahrhundertwende von dem Genfer Musikprofessor Emil Jaques- Dalcroze (1921) entwickelt. Die rhythmische Erziehung hat viele pädagogische, musisch-künstlerische, therapeutische Ansätze erlebt/ überlebt oder diese zum Teil im Laufe der Jahrzehnte in ihre Arbeitsweise mit aufgenommen.

Lernen in der Rhythmik ist ganzheitlich und findet als Prozessgeschehen im „aktiven Tun“ statt. Die Wahrnehmung der Gegebenheiten von Raum, Kraft, Zeit und Form in Verbindung mit Bewegung und Experimentieren sind grundlegende Elemente und werden durch strukturieren und ordnen in eine rhythmische Form gebracht.

Der Mensch nimmt Eindrücke über die Sinne auf, verarbeitet sie und verleiht ihnen Ausdruck, der dann sichtbar wird. Von Bedeutung sind dabei die persönliche Stimmung und die individuelle Ausdruckskraft, nicht das genormte Produkt.

Die Rhythmik kann Basisarbeit für künstlerisch-ästhetische Bereiche, wie Musik, Tanz, Drama, Pantomime usw. bedeuten. Amelie Hoelering (1982) verwendet dafür das folgende Bild vom fruchtbaren Talgrund, auf dem sich die Hügel, Berge, Gebirge der Künste erheben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die rhythmische Erziehung will die kreativ, schöpferischen Kräfte, die jeder Mensch in sich trägt mobilisieren, fördern und unterstützen.

2.2 Der rhythmische Erziehungsbereich…

…lässt sich durch die folgenden drei Mittel ausgestalten, bzw. umsetzen

2.2.1 Bewegung

Durch Bewegung werden Beschaffenheiten und Eigenschaften aufgenommen, das Kind macht damit Lernprozesse durch, die es wiederholt und übt, dadurch kann es sie später immer wieder abrufen. So lernt es greifen, sitzen, krabbeln, gehen und auch sprechen uvm. Gibt man Kindern also die Möglichkeit sich mit Spaß, z.B. durch Rhythmik, körperlich zu betätigen, so werden sie schnell geschickter und dadurch auch mutiger und selbstsicherer. Dies baut Selbstständigkeit, Selbstvertrauen, Mut und Neugier auf.

Ein Professor (Bach, 1970) der Universität Mainz hat bei einem Vortrag mal gesagt: „Bewegungen sind mehr als ‚bloße’ Bewegungen, sie sind Urformen der Begriffe, des Denkens und der Haltungen des Menschen. Insofern ist motorische Erziehung eine besondere Form der geistigen Bildung; …“.

Bereits vor Jahrhunderten war schon Friedrich Fröbel (*1782 (Oberweißbach/ Thüringen) †1852 (Marienthal)) der Annahme: erst greifen - dann begreifen! Auch Immanuel Kant (*22.04.1724 (Königsberg) †12.02.1804 (Königsberg)) äußerte sich dazu wie folgt: „Die Hand ist das äußere Hirn des Menschen“. Und auch Maria Montessori (*31.08.1870 (Chiaravalle bei Ancona/ Italien) †06.05.1952 (Nordwijk aan Zee / Niederlande)), die Begründerin der Montessori-Pädagogik legte große Bedeutung darauf: begreifen entsteht - im wahrsten Sinne des Wortes - durch greifen. So hat der Begriff „be-greifen“ in der heutigen Zeit eine wichtige Bedeutung in eigentlich jeder bekannten Pädagogik bekommen.

Bei Vorschulkindern lassen sich z.B. im rhythmischen Erziehungsbereich wunderbar Finger- und Handgestenspiele mit musikalisch-gestalteter Sprache anbieten. Sie machen den Kindern besonders viel Freude und regen häufig zu neuen, kreativen oder schöpferischen Prozessen an. Die Hand- und Fingerbewegungen verbessern nicht nur die Geschicklichkeit/ Feinmotorik, sie wirken sich auch auf die Sprachentwicklung aus. Denn das Zentrum der Hand und des Handgelenks liegen im menschlichen Gehirn nahe dem Sprachzentrum. Bei Forschungen mit Sprachgestörten Kindern wurde festgestellt, „ …dass der Stand ihrer Sprachentwicklung immer im direkten Verhältnis zum Entwicklungsstand und der Feinmotorik der Finger stand.“ (Kolzowa, 6/ 1975)

[...]


* Eurythmie heißt übersetzt soviel wie: „EU“ für schön und „RYTHMIE“ für Rhythmus

= Schöner Rhythmus! Eine Bewegungskunst - entwickelt von Rudolf Steiner (Begründer der

Waldorfpädagogik). Rudolf Steiner war der Ansicht: da der Mensch im Leben vom Rhythmus

geprägt ist, umgeben ist vom Rhythmus, so braucht er auch etwas, um wieder in diesen Rhythmus

zurück zu kommen, wenn er einmal aus diesem Kreislauf hinaus geraten ist

Details

Seiten
25
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638588812
ISBN (Buch)
9783640860883
Dateigröße
627 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66201
Institution / Hochschule
Fachhochschule Oldenburg/Ostfriesland/Wilhelmshaven; Standort Oldenburg
Note
1,0
Schlagworte
Körper Rhythmik Musiktherapeutische Ansätze Arbeit

Autoren

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Titel: Körper & Rhythmik - Rhythmische Erziehung in verschiedenen Einsatzbereichen