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Angriff und Apologie - Die Geschichtswissenschaft im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst: Mit Hayden White auf der Suche nach einem neuen Paradigma

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 33 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Angriff und Apologie

Die Geschichtswissenschaft im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst.

Mit Hayden White auf der Suche nach einem Paradigma.

Den Anfang nahm diese Arbeit in der Auseinandersetzung mit den Positionen des amerikanischen Literaturwissenschaftlers Hayden White. 1973 hatte dieser ein Buch mit fast schon revolutionärer Wirkung veröffentlicht, welche sich in emphatischer Zustimmung und ebenso kämpferischer Ablehnung ausdrückte. Angriff und Apologie wurden in Bezug auf diesen postmodernen Denker zu zwei wesentlichen Grundaxiomen der Diskussion. Seine Metahistory erweckte im ersten Moment den Eindruck „Geschichtsschreibung sei nichts weiter als ein Spiel mit literarischen Fiktionen.“[1] Hayden White ging es jedoch um viel mehr als den alten philosophischen Kampf zwischen Wissenschaft und Kunst, auf den man in der Diskussion immer wieder stößt.[2] Er wollte mit seinen Buch gedankliche Anstöße zur Geschichtswissenschaft selbst und ihrer paradigmatischen Grundlegung liefern. Letztendlich sollte es darum gehen, herauszufinden, was der Gegenstand der Geschichtswissenschaft ist und wie wir mit ihm umzugehen haben, kurz: wie ist historische Erkenntnis eigentlich möglich und wie konstituiert sie sich? Dies ist eine der ältesten und am meisten diskutierten Fragen der Geschichtswissenschaft und freilich war Hayden White nicht der einzige Denker, der sie stellte. Die Wirkung macht ihn nachträglich jedoch mit zu einem der bedeutendsten.[3] In seiner Nachfolge gab und gibt es kaum ein historisches Werk, welches sich nicht bemüßigt fühlte, sich mehr oder weniger kritisch mit ihm auseinander zusetzen.[4]

Das Besondere bei Hayden White ist, dass er seine Theorie um die Frage der Historiographie zentriert. Unruhe erzeugte er damit, dass er der Geschichtswissenschaft den Status einer Wissenschaft absprach, die Geschichtsschreibung mit der (schönen) Literatur gleich setzte und in den Augen seiner Kritiker damit den historischen Referenten, also die objektive Realität der Vergangenheit leugnete. Zu diesen Vorwürfen muss man sich nun positionieren. Der Autor gedenkt sie, wenn auch nicht vollständig zu entkräften, so doch zumindest abzuschwächen.

Denn die Abrede eines wissenschaftlichen Status’ für die Geschichtswissenschaft lässt sich aus der Kuhn’schen Definition einer Wissenschaft ableiten.[5] Dort formuliert Kuhn, dass jede (normale) Wissenschaft ein Paradigma benötigt. Dieses „ist die Gesamtheit der theoretischen Überzeugungen, welche die scientific community der jeweiligen Disziplin teilt, und auf dem ein Konsens darüber aufgebaut ist, welche Probleme für das Fach als grundlegend angesehen werden und was für Lösungswege möglich sind.“[6] Das Paradigma ist also die wissenschaftliche Matrix der Wissenschaft selbst und definiert Grundlagen und Inhalte. White spricht der Geschichtswissenschaft nun eine solche Matrix ab, da sich noch kein Paradigma entwickelt hat und die Geschichtswissenschaft im Status einer Protowissenschaft verharrt. Deutlich wird das für ihn daran, dass in wesentlichen Fragen der Disziplin noch keine Einigkeit erzielt wurde. Stattdessen müssen sich Historiker immer wieder damit auseinandersetzen, was »Geschichte« eigentlich sei und wie man sie schreiben könne. Dies ist wahrhaftig eine richtige Beobachtung und die Diskussion um Hayden White zeugt hinlänglich vom Unvermögen der Disziplin, sich über den grundlegenden Gegenstand klar zu werden.[7]

An diesem Punkt ist White also zuzustimmen. Dennoch wird diese Arbeit, obwohl zum Teil apologetisch, nicht frei von Angriffen sein. Die Feststellung eines fehlenden Paradigmas wird der Autor als Ausgangspunkt nehmen, anhand der Überlegungen Hayden Whites ein solches zu suchen. Denn nichts anderes stellt das Werk Whites dar, als den Versuch, der Geschichtswissenschaft eine verbindliche wissenschaftliche Matrix zu verleihen. Jedoch wird dem Autor die Theorie der Tropen, der wesentliche Kern der Überlegungen Whites, als nicht geeignet erscheinen, ein solches zu begründen. Aus diesem Grund soll im letzten Teil der Arbeit versucht werden, die Gedanken Whites mit denen von Hans Michael Baumgartner bezüglich einer transzendentalen Historik zu verknüpfen.

Zur Forschungsdiskussion hier Stellung nehmen zu wollen, würde bedeuten eine weitere Arbeit zu verfassen. Ein Blick in das beigefügte Literaturverzeichnis, welches eine Auswahl darstellt, mag verdeutlichen, wie präsent und umkämpft die Thematik in der Geschichtswissenschaft ist. In der Arbeit wird deswegen auch immer wieder auf miteinander konkurrierende Meinungen der Disziplin einzugehen sein. Beschränkungen konnten jedoch nicht ausbleiben. So werden die Positionen von Franklin R. Ankersmit und Paul Ricœur, die wichtige Stellungnahmen zu der Problematik verfasst haben, nicht berücksichtigt.[8]

Die Gedanken des Autors selbst, werden in der Form eines wissenschaftlichen Aufsatzes ohne feste Gliederung entwickelt. Aufgrund dessen, dass der Verfasser sich sowohl dem Angriff als auch der Apologie verpflichtet fühlt, ist dieser Aufsatz mit vielen Zitaten aus der primären Literatur, also von Hayden White selbst, und ebenso Nachweisen aus der sekundären Literatur versehen worden. Dies soll der Entwicklung einer Position dienen und die folgende Argumentation zusätzlich absichern.

I.

Im Jahr 1973 entwarf Hayden White mit der Veröffentlichung seines Werkes Metahistory. The Historical Imagination in Nineteenth-Century Europe[9] ein Modell dessen, was der Historiker tut, wenn er »Geschichte« schreibt. Die dort entwickelte Theorie, welche von vielen eher als Typologie betrachtet wird, sorgte für große Aufregung in der Zunft der Geschichtswissenschaft, stellte sie doch existentielle Fragen an diese. In den folgenden Jahren erweiterte Hayden White sein Modell immer wieder durch die Publikation neuer Aufsätze. Als maßgebend betrachtet der Autor dabei Der historische Text als literarisches Kunstwerk, Literaturtheorie und Geschichtsschreibung, sowie den vieldiskutierten Aufsatz Historische Modellierung (emplotment) und das Problem der Wahrheit.[10]

Was war das Ziel von Hayden White? Der von ihm geprägte und in die Diskussion eingeführte Begriff »Metahistory« gibt darauf eine Antwort. Eine Translation in das Deutsche erscheint schwer, denn es ist fragwürdig, ob der Begriff »Metahistorie« sich in der Diskussion jemals so etablieren würde wie das englische Original. Aus diesem Grund soll hier künftig von »Metahistory« gesprochen werden.

»Metahistory« bezeichnet ein Verfahren. Dabei geht es um die Untersuchung der Geschichte der Geschichtswissenschaft selbst. Dies ist eine Möglichkeit für eine Forschungsdisziplin, sich über sich selbst Rechenschaft abzulegen.[11] Im Jahr 1970 publizierte der deutsche Philosoph und Soziologe Hans Albert einen Aufsatz mit dem Titel Theorie, Verstehen und Geschichte. Zur Kritik des methodologischen Autonomieanspruchs in den sogenannten Geisteswissenschaften.[12] Darin erhob er den Vorwurf des Theoriedefizits für die Geschichtswissenschaft: „Relativ selten aber findet man bei ihnen [d.h. den Historikern – E.F.] ein Interesse an Problemen, die in der allgemeinen Methodologie der Wissenschaften analysiert werden, etwas an Problemen der Theoriebildung, der Erklärung, der Prüfung von Theorien und ihrer Bewährung […].“[13] Die Arbeiten von Hayden White sind ein Versuch, dieses Theoriedefizit zu beheben und ein Paradigma für die Geschichtswissenschaft zu kreieren. Die »Metahistory« soll dazu der Schlüssel sein, sie soll die theoretischen Grundlagen der Geschichtswissenschaft erschließen. Nach White muss das Ziel dabei sein, Fragen an die Disziplin zu stellen, die sich nicht in ihrer praktischen Arbeit ergeben. Man muss versuchen, die Grundlagen der Disziplin zu erfassen und damit herausfinden, warum sie zur Lösung bestimmter Probleme in einer konkreten Art und Weise entwickelt worden ist.[14] White entwirft aus diesem Grund einen Katalog von Fragestellungen:

„Welcher Art ist die Struktur eines spezifisch historischen Bewusstseins? Welcher Art ist der erkenntnistheoretische Status historischer Erklärungen im Vergleich zu anderen Arten von Erklärungen, die für das historische Material, mit dem sich Historiker für gewöhnlich befassen, gegeben werden könnten? Welches sind die möglichen Formen historischer Darstellung und welches ihre Grundlagen? Welche Geltung können historische Darstellungen als Beitrag zu einem gesicherten Wissen von Realität überhaupt und zu den Humanwissenschaften im Besonderen für sich behaupten?“[15]

Hayden White betrachtet also seine Arbeit als Beitrag zu einer Theorie historischer Erklärung, Darstellung und letztendlich Erkenntnis.[16] Durch die Untersuchung von Historikern und Geschichtsphilosophen des 19. Jahrhunderts will er zeigen, was eine historische Erklärung ist und wie sie zustande kommt. Es geht ihm dabei um eine neue Perspektive bei der Betrachtung des Problems, die vor allem durch den linguistic turn [17] und die Vorarbeiten von Arthur C. Danto[18] geprägt ist. White erschließt „das Geschichtswerk in seinem offensichtlichsten Aspekt […], nämlich als sprachliches Gebilde in der Form alltäglicher Rede, welches ein Modell oder Abbild vergangener Strukturen und Prozesse zu sein und auf dem Weg ihrer Darstellung das ‚wirkliche Geschehen’ zu erklären beansprucht.“[19] Deutlich wird hier also die Fixierung auf die Sprache und ihre strukturierenden Fähigkeiten.[20] Sie ist in der Lage ein Modell vergangener Prozesse und Strukturen zu entwerfen, das dann durch eine narrative Modellierung die Darstellung und auch Erklärung eben dieser Prozesse und Strukturen ermöglicht. Hayden White reflektiert damit auf eine Grundeinsicht der Geschichtswissenschaft: »Geschichte« ist nur über die Sprache zugänglich. „Unsere Erfahrung von Geschichte lässt sich nicht von dem Diskurs über sie trennen. Der Diskurs aber muss geschrieben werden, bevor er als Geschichte verarbeitet werden kann […].“[21]

Eine wichtige begriffliche Unterscheidung ist bereits hier zu treffen, denn sie führte oft zu Missverständnissen im Bezug auf die Überlegungen Hayden Whites. »Geschichte« und »Vergangenheit« sind zwei voneinander zu trennende Sinnbereiche. Die Vergangenheit besteht aus der Summe von Strukturen, Prozessen und Ereignissen, die für die Gegenwart nicht mehr erfahrbar sind. Die Vergangenheit ist vergangen.[22] Hier liegt der Unterschied zur »Geschichte«, die stets eine Konstruktionsleistung der Gegenwart ist, genauer eine retrospektive Sinnkonstruktion.

„Die Ereignisse der Vergangenheit bilden zunächst nur ein Geschehen; Geschichte hingegen ereignet sich oder geschieht nicht eigentlich, sondern stellt eine spezifische Kohärenzstruktur dar, die einem Geschehen und dessen Ereignis erst retrospektiv zugeschrieben wird. Sie ist daher – anders als das historische Geschehen – ein Produkt der mit ihr beschäftigten Texte: ‚Sie kommt in einem Schreiben zustande, das den Gegenstand konstituiert, indem es über ihn spricht.’“[23]

Die Frage ist nun also, was »Geschichte« konstituiert. Bei der Beantwortung dieser Probleme rücken zunächst die Texte in den Vordergrund, die der Historiker produziert. Der Textbegriff ist hierbei ein doppelter. Einmal ist das was auf uns gekommen ist, was aus der Vergangenheit in die Gegenwart hineinragt – die Quellen – zum größten Teil Texte, oder textlich verfügbar gemachte Entitäten. Sie gehören einer vergangenen, uns nicht mehr zugänglichen Zeit an und sind aus diesem Grund unserem Verstehen entrückt.

Zum anderen sind Texte das Medium, in dem der Historiker seine Erkenntnisse formuliert, präsentiert und damit vollzieht. „Das Wissen, das [der Text] repräsentiert, ist daher nirgends außerhalb dieses Textes zu finden, jedenfalls nicht in derselben Ausprägung.“[24] Und so entsteht auch die Geschichtswissenschaft als ein „kollektives Unternehmen“[25] erst im Austausch der Texte der Historiker untereinander. Daniel Fulda stellt somit fest: „Der Historiker arbeitet also auf Grundlage von Texten, und er produziert Texte.“[26]

[...]


[1] Baberowski, Jürgen, Der Sinn der Geschichte. Geschichtstheorien von Hegel bis Foucault, München 2004, S. 204.

[2] Vgl. Gross, Mirjana, Von der Antike bis zur Postmoderne. Die zeitgenössische Geschichtsschreibung und ihre Wurzeln, Wien u.a. 1998.

[3] So wurde Hayden White in der Auseinandersetzung einmal als „einer der Kirchenväter der Postmoderne“ bezeichnet. (Oexle, Otto Gehard, Im Archiv der Fiktionen, in: Kiesow, Rainer Maria/Simon, Dieter (Hrsgg.), Auf der Suche nach der verlorenen Wahrheit. Zum Grundlagenstreit in der Geschichtswissenschaft, Frankfurt am Main 2000, S. 87-103, hier: S. 102.)

[4] Selbst in einem Tagungsband zur Zukunft der Mediävistik im 21. Jahrhundert nimmt man Stellung zu ihm: „Unser Fach, die Mediävistik, und deren Teilfächer gehören weder zu den ‚sciences’ – obwohl die Grenze zwischen den scheinbar exakten Naturwissenschaften und den so unexakten, dafür aber wortreichen Geisteswissenschaften wenigstens von der Methode her eigentlich langsam verblassen sollten – noch sind sie ‚fiction’ – obwohl postmoderne Angriffe um den viel berufenen, aber auch einseitig zitierten Hayden White auch unsere Erzeugnisse zu ‚verbal fictions’ machen wollten.“ (Goetz, Hans-Werner, Die Aktualität des Mittelalters und die ‚Modernität’ der Mediävistik, in: Ders./Jarnut, Jörg (Hrsgg.), Mediävistik im 21. Jahrhundert. Stand und Perspektiven der internationalen und intedisziplinären Mittelalterforschung (MittelalterStudien 1), München 2003, S. 11-18, hier: S. 11, Hervorhebungen E.F.) An diesem Zitat sind gleich mehrere Sachverhalte aufschlussreich: Einmal ist Hans-Werner Goetz der Meinung, dass Hayden White einseitig zitiert und so auch verstanden wird. Er räumt also Vorurteile gegenüber diesem Denker ein. Trotzdem verfällt auch er in klassisches Denken bezüglich der White’schen Position. Auch für ihn macht White die Erzeugnisse der Historiker – hier speziell der Mediävisten – zu „verbal fictions“, zu Fiktionen und damit zu schöner Literatur. Auch ist es immer wieder bezeichnend, was in einem solchem Fall zitiert wird, vor allem die große apologetisch-polemische Schrift von Richard Evans (Evans, Richard J.: Fakten und Fiktionen. Über die Grundlagen historischer Erkenntnis, Frankfurt am Main/New York 1998.), sowie der lakonische Kommentar von Otto Gerhard Oexle (Oexle 2000). Zum anderen erscheint es spannend, dass Hans-Werner Goetz im Jahr 2003, dem Erscheinungsjahr des Bandes, die Probleme um Hayden White und seine Theorie für erledigt hält. Das zeigt sich einmal darin, dass er sehr schnell über ihn hinweggeht und in der Vergangenheit spricht.

[5] Zuerst veröffentlich 1962 als Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen.

[6] Derschka, Harald R., Hayden Whites „Metahistory“ und Thomas S. Kuhns „Struktur wissenschaftlicher Revolutionen“. Die Wissenschaftlichkeit der Geschichtswissenschaft zwischen postmoderner Dekonstruktion und wissenschaftstheoretischer Rekonstruktion, in: Bär, Katja (Hrsg.), Text und Wahrheit: Ergebnisse der interdisziplinären Tagung Fakten und Fiktionen der Philosophischen Fakultät der Universität Mannheim, 28.-30. November 2002, Frankfurt am Main 2004, S. 17-26, hier: S. 21.

[7] Mit dem Satz „Die Geschichtswissenschaft ist unsicher geworden“ eröffnet dann auch Hans-Jürgen Goertz seine Abhandlung über die modernen Probleme der Disziplin. Goertz, Hans-Jürgen, Unsichere Geschichte. Zur Theorie historischer Referentialität, Stuttgart 2001, S. 7.

[8] Vgl. Ricœur, Paul, Gedächtnis, Geschichte, Vergessen (Übergänge 50), München 2004 und Ankersmit, Franklin R., History and Tropology: The Rise and Fall of Metaphor, Berkeley u.a. 1994, sowie das beigegebene Literaturverzeichnis.

[9] White, Hayden, Metahistory: The Historical Imagination in Nineteenth-Century Europe, Baltimore u.a., 1973; dt.: Ders., Metahistory: die historische Einbildungskraft im 19. Jahrhundert in Europa, Frankfurt am Main 1991a.

[10] White, Hayden, Der historische Text als literarisches Kunstwerk, in: Ders., Auch Klio dichtet oder Die Fiktion des Faktischen. Studien zur Tropologie des historischen Diskurses (Sprache und Geschichte 10), Stuttgart 1991b, S. 101-122. Ders., Literaturtheorie und Geschichtsschreibung, in: Nagl-Docekal, Herta (Hrsg.), Der Sinn des Historischen. Geschichtsphilosophische Debatten, Frankfurt am Main 1996, S. 67-106. Ders., Historische Modellierung (emplotment) und das Problem der Wahrheit, in: Kiesow, Rainer Maria/Simon, Dieter (Hrsgg.), Auf der Suche nach der verlorenen Wahrheit. Zum Grundlagenstreit in der Geschichtswissenschaft, Frankfurt am Main 2000, S. 142-167.

[11] Vgl. White 1991b, S. 101.

[12] Albert, Hans, Theorie, Verstehen und Geschichte. Zur Kritik des methodologischen Autonomieanspruchs in den sog. Geisteswissenschaften, in: Zeitschrift für allgemeine Wissenschaftstheorie 1 (1970), S. 3–23.

[13] Ebd., S. 17.

[14] Vgl. White 1991b, S. 101. Das Programm erinnert bereits hier sehr stark Thomas S. Kuhn und seine Überlegungen. Der Autor möchte die Parallelen später noch deutlicher machen.

[15] Ebd. Vgl. auch Baberowski 2004, S. 204-205.

[16] Vgl. White 1991a, S. 15: „Dieses Buch (gemeint ist Metahistory) ist eine Geschichte des europäischen Geschichtsdenkens im 19. Jahrhundert, doch zugleich ist es auch ein Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion über das Problem der historischen Erkenntnis.“

[17] Vgl. Rorty, Richard (Hrsg.), The Linguistic Turn. Recent Essays in Philosophical Method, Chicago 1967.

[18] Danto, Arthur C., Analytische Philosophie der Geschichte, Frankfurt am Main 1979 (zuerst erschienen auf Englisch 1965). Vgl. zu Danto: Baumgartner, Hans Michael, Kontinuität und Geschichte. Zur Kritik und Metakritik der historischen Vernunft, Frankfurt am Main 1997, S. 269-294.

[19] White 1991a, S. 16.

[20] Vgl. Daniel, Ute, Kompendium Kulturgeschichte. Theorien, Praxis, Schlüsselwörter, Frankfurt am Main 42004, S. 430-443.

[21] White 1996, S. 67. Hayden White führt den Satz noch weiter aus. Den Schluss, den er aus dieser Einsicht zieht, wird an späterer Stelle relevant. Vgl. dazu Angehrn, Emil, Vom Lesen und Schreiben der Geschichte. Dekonstruktion und historischer Sinn, in: Selbstorganisation. Jahrbuch für Komplexität in den Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften 10 (1999), S. 217-236, bes. S. 217-218.

[22] Vgl. Droysen, Johann Gustav, Historik. Band 1: Rekonstruktion der ersten vollständigen Fassung der Vorlesung (1857). Grundriss der Historik in der ersten handschriftlichen (1857/58) und der letzten gedruckten Fassung (1882), hrsg. von Peter Leyh, Stuttgart 1977, S. 421-422. In aller Schärfe auch Goertz 2001, S. 7.

[23] Fulda, Daniel, Strukturanalytische Hermeneutik: Eine Methode zur Korrelation von Geschichte und Textverfahren, in: Ders./Tschopp, Silvia Serena (Hrsgg.), Literatur und Geschichte. Ein Kompendium zu ihrem Verhältnis von der Aufklärung bis zur Gegenwart, Berlin 2002, S. 39-59, hier: S. 40. Daniel Fulda nimmt hier eine Korrektur an dem missverstandenen strukturalistischen Diktum „Geschichte ist ein Text“ vor. Dieses kann sich natürlich nur auf die Geschichtsdarstellung und die Geschichte als Objektbegriff beziehen. Eine radikale textualistische Position, wie die von Jacques Derrida, wird somit für die Geschichtswissenschaft abgelehnt. Die vergangenen Ereignisse, welche wir nachträglich als »Geschichte« begreifen, werden in ihrer Faktizität dadurch nicht in Frage gestellt. Ebenso wenig bedeutet dieses Diktum, dass Texten und Diskursen ein Primat in der menschlichen Praxis zukommt – diese Überstrapazierung des linguistic turn wird nur von radikalen Postmodernisten vertreten, wie z.B. Jacques Derrida. „Was in der Geschichte geschieht, ist nicht Gegenstand [einer] textualistischen Geschichtstheorie; sie ist keine materiale Theorie der ‚objektiven Geschichte’.“ (40) Damit entlastet Daniel Fulda auch Hayden White.

[24] Fulda, Daniel, Die Texte der Geschichte. Zur Poetik modernen historischen Denkens, in: Poetica 31 (1999), S. 27-60, zitiert nach: http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/PDF/db/wiss/epoche/fulda_texte.pdf, 23. Mai 2006, S. 5.

[25] Ebd., S. 6.

[26] Ebd. Ebenso auch Emil Angehrn: „Zu historischen Entitäten werden vergangene Ereignisse und Konstellationen ‚allein dadurch, dass sie Gegenstände einer spezifisch historischen Art des Schreibens aufgefasst werden.’ Geschichte wird uns zugänglich im historiographischen Text. Sie ist Gegenstand des Schreibens und Lesen: Sie kommt in einem Schreiben zustande, das den Gegenstand konstituiert, indem es über ihn spricht; und sie wird in einer Lektüre angeeignet, welche Berichte, Dokumente und Spuren entziffert und auslegt.“ (Angehrn 1999, S. 217-218) Und Erich Kleinschmidt: „Die Artikulation von Geschichte als einer Wahrnehmungsgröße setzt die Abfassung von Texten voraus, die sprachlichen Gegebenheiten und den daran geknüpften Apperzeptionsweisen notwendigerweise verpflichtet sind.“ (Kleinschmidt, Erich, Der ästhetische Gewinn der Geschichte. Zur Poetik historischen Erzählens in der Moderne, in: Zeitschrift für Germanistik 3 (1993), S. 120-133, hier: S. 120) Vgl. auch Maier, Franz G., Der Historiker und die Texte, in: HZ 238 (1984), S. 83-94.

Details

Seiten
33
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638584630
Dateigröße
612 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66346
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Angriff Apologie Geschichtswissenschaft Spannungsfeld Wissenschaft Kunst Hayden White Suche Paradigma Theorien Methoden Neueren Kulturgeschichte

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Titel: Angriff und Apologie - Die Geschichtswissenschaft im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Kunst: Mit Hayden White auf der Suche nach einem neuen Paradigma