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Geschichte der Stadt und Grafschaft Brehna

Ausarbeitung 2003 249 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Karte der Grafschaft Brehna

Vorwort des Bearbeiters

Vorrede des Johann Friedrich Köhler, Sohn des Verfassers

Erster Teil enthält die alte Geschichte der Stadt und Grafschaft Brena
Das I. Kapitel: Von den ersten Bewohnern, von dem Namen, Lage und Größe der Stadt Brena
§ 1. [Erste Bewohner]
§ 2. [Gründung]
§ 3. [Schreibung des Namens]
§ 4. [Herkunft des Namens]
§ 5. [Lage des Ortes]
§ 6. [Beschreibung des Ortes]
Das II. Kapitel: Von der Grafschaftüberhaupt
§ 1. [Enstehungszeit]
§ 2. [Die Grafschaft nach 1290]
§ 3. [Größe]
§ 4. [Lage des Schlosses]
§ 5. [Weitere gräfliche Schlösser]
§ 6. [Rechtsstellung der Grafen]
§ 7. [Gräfliche Wappen]
Das III. Kapitel: Von den Grafen von Brena aus Wettinischem Stamm
§ 1. [Einteilung der gräflichen Geschichte]
Stammtafel der Grafen von Brena aus Wettinischem Geschlecht
§ 2. [Gründung]
§ 3. Dietrich (1071-1106)
§ 4. Konrad (der Große von Meißen, 1106-1156)
§ 5. Friedrich (1157-81)
§ 6. Otto I. (1181-1203)
§ 7. Friedrich II. (1181-1203/21)
§ 8. Otto II. (1221-1234)
§ 9. Dietrich (1221-1234/64)
§ 10. Konrad (1264-1274)
§ 11. Albrecht (1274-1282)
§ 12. Otto III. (1282/82-1290)
Das IV. Kapitel: Von den Grafen von Brena, Herzögen zu Sachsen, aus Askanischem Stamm
§ 1. [Einteilung der Geschichte der Grafen von Brena]
§ 2. [Herzöge von Sachsen: Albrecht II. bis IV.]
Stammtafel der Besitzer der Grafschaft Brene, Herzöge zu Sachsen aus Askanischem Geschlecht
§ 3. [Rudolph I. (1398-1356) {falsche Angabe! 1298-1356}]
§ 4. Rudolph II. (1356-1370)
§ 5. Wenzeslaus (1370-1388)
§ 6. Rudolph III. (1388-1419)
§ 7. Albrecht III.
Das V. Kapitel: Von den Kurfürsten zu Sachsen aus dem markgräflich- meißnischen Hause und von den Herzögen zu Sachsen-Merseburg
§ 1. Friedrich der Streitbare
§ 2. Mauritius [Moritz]
§ 3. Johann Georg I.
§ 4. [Administratoren des Stifts Merseburg 1657-1738]
§ 5. Christian I.
§ 6. Christian II.
§ 7. Mauritius Wilhelm
§ 8. Heinrich
§ 9. [Rückfall an das Kurfürstentum Sachsen]
Das VI. Kapitel enthält die Klostergeschichte
§ 1. [Quellen für die Klostergeschichte]
§ 2. [Stifter des Klosters]
§ 3. [Klostergründung]
§ 4. [Ordenszugehörigkeit]
§ 5. [Schutzpatron]
§ 6. [Zugehörigkeit zum Erzbistum Magdeburg]
§ 7. [Visitation 1332]
§ 8. [Visitation durch die Kommissare]
§ 9. [wie zuvor]
§ 10. [Klostergebäude]
§ 11. [Privilegien des Klosters]
§ 12. [Besitzungen]
§ 13. [Weitere Besitzungen]
§ 14. [Klosterpersonen neben der Priorin]
§ 15. [Die Priorin]
§ 16. [Zahl der Ordensjungfrauen]
§ 17. [Visitation 1531]
§ 18. [Reste von Klosterbauten]

Zweiter Teil: enthält die neue Geschichte der Stadt Brena
Das I. Kapitel: Von der Kirche
§ 1. [Ergebnisse der Visitation von 1531]
§ 2. [Kirchengebäude]
§ 3. [Nebenaltäre]
§ 4. [Die Kanzel]
§ 5. [Die Orgel]
§ 6. [Begräbnisse in der Kirche]
§ 7. [Glockenturm]
§ 8. [Der Kirchhof]
Das II. Kapitel: Von den Predigern seit der Reformation
I. Pastoren
§ 1. [Rieseberg 1526-1527]
§ 2. [Frenzel 1541- ?]
§ 3. [Penzold 1562-1585]
§ 4. [Mirus 1586-1627]
§ 5. [Kreysing 1614-1620]
§ 6. [Hoelzel bis 1676]
§ 7. [Dimpel 1677-1680]
§ 8. [Lysthenius 1680-1698]
§ 9. [König 1698-1728]
§ 10. [Lange 1729-1748]
§ 11. [Hofmann 1749-1754]
§ 12. [Köhler 1754-1771]
§ 13. [Wegner 1771-1794]
§ 14. [Schmidt 1794-1796]
§ 15. [Riecke 1797-1813]
§ 16. [Köpping]
II. Diakone [Nr. 1 - 24]
Das 3. Kapitel: Von den beiden Schulen und deren Lehrern
I. Rektoren [Nr. 1 - 14]
II. Kantoren [Nr. 1 - 25]
III. Custodes und Collaboratores scholae [Nr. 1 - 10]
IV. Lehrer bei der Mädchenschule [Nr. 1 - 9]
Das 4. Kapitel: Von E. E. und Wohlweisen Ratscollegio
I. Ratsinspektoren [Nr. 1 - 4]
II. Bürgermeister
III. Stadtschreiber
IV. Stadtrichter
V. Jungherren
Kirchen- und Kastenvorsteher
Das 5. Kapitel: Von einigen in Kurfürstl. Sächsischen Diensten allhier stehenden Personen
I. Kurfürstl. S. Steuereinnehmer
II. Kurfürstl. S. Offizianten bei d. Generalakzise
III. Geleitsnehmer
Das 6. Kapitel: Von einigen Gelehrten, die in Brena geboren wurden oder sich daselbst aufgehalten haben
Stammtafel der Familie Kronbiegel
Wüste Marken bei Brehna und Roitzsch
Das 7. Kapitel: Von den in die Kirche zu Brena eingepfarrten
Dörfern und deren Besitzern
Das 8. Kapitel: Vermischte Merkwürdigkeiten [1502 - 1811]

Diplomatarium Brenense

[Hier endet die Dresdner Handschrift. Was noch folgt, sind eingeklebte Blätter, nunmmeriert oder als Beilagen:] Brehnensia und Brehnenses

Explorationem ... Brendeliani

Pictor Errans

Johann David König: Die betrübte und Jammer volle Brenische

Marter-Woche, mit einem Gedicht des Pastors Herrman in Alt-Jeßnitz: Nachbarliche Herz- und christliche Werk- und Aufmunterungsstimme an die Stadt Brena und einem Lobgedicht Neanders Bitte um Schulfreistelle (Rat der Stadt an Rektor der Fürstenschule Grimma [1635]): Dresdner Handschrift: Joh. Andr. Schultze an Schulinspektor [1708]:

Viro noblissimo:

Biographische Daten zum Abschreiber der Brehnaer Handschrift Anhang: Urkunde vom 29. September 1053 (lateinisch und deutsch) Anmerkungen

Vorwort

Pastor M. [Magister theologiae = Magister der Theologie] Johann Jakob Köhler war von 1754 bis 1771 Pfarrer in Brehna. In der Zeit hat er eine „Geschichte der Stadt und Grafschaft Brena“ verfasst. Dieser hat er im Anhang 72 Urkunden aus der Zeit von 1209 bis 1671 als „Diplomatarium Brenense“ [Brehnaer Urkundenbuch] beigefügt. Die Urkunden beziehen sich auf die Grafschaft, das Nonnenkloster und die Stadt. Sie waren zum großen Teil zu seinen Lebzeiten noch nicht im Druck erschienen.

Köhlers Sohn Johann Friedrich Köhler, am 08.07.1756 in Brehna geboren, hat die Chronik seines Vaters einige Jahre fortgeführt und sie mit einer so großen Zahl von Randbemerkungen versehen - zahlreiche von ihnen beziehen sich nicht auf Brehna -, dass er als Mitverfasser angesehen werden muss. Er wurde 1780 Magister in Leipzig, dort 1781 Katechet zu St. Petri, 1791 Diakon in Taucha bei Leipzig und 1803 dort Pastor. Bereits 1776 hatte er den Druck der Brehnaer Chronik geplant, der jedoch nicht erfolgte und bis zum heutigen Tage noch nicht erfolgt ist.

Ein Exemplar dieser Köhler-Handschrift befindet sich in der Sächsischen Landesbibliothek- Staats- und Universitätsbibliothek (SLUB) Dresden, ohne dass dort bekannt ist, wie sie in die SLUB gelangte. Johann Friedrich Köhlers Sohn Gustav Friedrich, also ein Enkel des Brehnaer Pfarrers Johann Jakob Köhler und seit 1821 als studierter Jurist Privatsekretär in Dresden, verkaufte 1829 aus dem Nachlass seines Vaters eine Anzahl von Bänden an die SLUB, unter denen sich die hier interessierende Handschrift allerdings nicht befand. Sie ist jedoch in einer „Beschreibung der Königlichen Öffentlichen Bibliothek zu Dresden“ vom Jahre 1839 vorhanden. Ihre Signatur ist Mscr. Dresd. J 265. Sie wird von mir als die „Dresdner Handschrift“ bezeichnet.

Ein zweites Manuskript gibt es in der Stadtverwaltung Brehna, von mir als „Brehnaer Handschrift“ bezeichnet. Diese Abschrift wurde, wie in ihrem Anhang angegeben, von dem Brehnaer Lehrer Wilhelm Hesse († 1916) verfasst, ohne dass mitgeteilt wird, von welcher Vorlage Hesse die Kopie angefertigt hat. Das Diplomatarium Brenense ist in ihr nicht enthalten. Sie muss sich viele Jahre in der Brehnaer Schule befunden haben, wo sie von verschiedenen Rektoren, insbesondere Alfred Schmidt, für ihre heimatgeschichtlichen Arbeiten genutzt wurde. Infolge schwieriger oder teilweise unmöglicher Lesbarkeit konnte Hesse bereits einen Teil der Randbemerkungen, die in der Dresdner Handschrift enthalten sind, nichtübernehmen. Andererseits hat er einen Teil der Randbemerkungen kopiert, die in einer mir zur Verfügung gestellten Kopie der Dresdner Handschrift nicht zu entziffern sind. Das deutet darauf hin, dass ihm ein weiteres, heute unbekanntes Manuskript vorgelegen haben könnte. Das Konsistorium der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen in Magdeburg hatüber die Köhler-Handschrift keine Kenntnisse, ebenso wenig das Landeshauptarchiv Sachsen-Anhalt Magdeburg.

Außer Pastor Köhlers Sohn haben weitere, nicht bekannte Personen Eintragungen in den Handschriften vorgenommen. Die letzte bezieht sich auf das Jahr 1879. In der Dresdner Handschrift steht am Ende der Vorrede, gerichtet auf den Sohn Johann Friedrich Köhler, von unbekannter Hand der kritische Hinweis: „Not. [nota = Wink, Hinweis]. Die Vorrede und das ganze Werk verdienen als die Arbeit eines damals zwanzigjährigen Jünglings mit Vorsicht beurteilt zu werden.“ Es bezieht sich auf das Jahr 1776, als dieser Sohn geplant hatte die Handschrift seines Vaters zu veröffentlichen. Dagegen enthält das „Sächsische Pfarrerbuch, Die Parochien und Pfarrer der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens (1539-1939)“, Freiberg 1939/1940, S. 451, u.a. die Angabe, dass dieser Johann Friedrich Köhler neben seiner Tätigkeit als Geistlicher auch Geschichtsforscher gewesen sei. Das wird aus den Ergänzungen zur Brehnaer Geschichte seines Vaters sehr deutlich. Johann Friedrich Köhler ist 1820 gestorben. Mindestens alle sich auf spätere Jahre beziehenden Angaben haben damit andere, uns unbekannte Autoren.

Der Leiter des Kreismuseums Bitterfeld, Herr Manfred Holz, war bereit, aus Anlass des 950. Jahrestages der Ersterwähnung Brehnas [2003] in einem Sonderheft der „Bitterfelder Blätter“ die Köhler-Chronik erstmals zu veröffentlichen. Ihm und allen, die den Druck ermöglicht haben, gilt mein herzlicher Dank.

Für intensive Unterstützung bei derübersetzung der lateinischen Zitate und Urkunden danke ich meinen Studienfreunden OStR Ingrid Scherping, Golm, und Prof. Dr. Walter Zöllner, Halle (Saale), der mir auch zahlreiche weitere hilfreiche Hinweise gegeben hat. Bei der Transkription des Textes aus der Schreibschrift des 18. Jahrhunderts in die lateinische Schrift - Köhler verwendet gelegentlich bei gleichen Wörtern unterschiedliche Schreibungen - habe ich die heute gültige Orthographie und Interpunktion zugrunde gelegt. Grundlage für die Transkription war die Dresdner Handschrift. Unvollständige Satzstrukturen wurden gegebenenfalls ergänzt. Die Schreibung des Ortsnamens Brene bzw. Brena wurde in der Form, wie sie von Pastor Köhler noch im 18. Jahrhundert verwendet wurde, beibehalten. Die Urkunden des Diplomatarium Brenense wurden in der bei Köhler vorliegenden Form und Orthographieübernommen. Passagen aus der Brehnaer Handschrift, die in der Dresdner nicht vorhanden sind, wurden eingefügt und die Einfügung angemerkt. Von mir eingefügteübersetzungen, Erläuterungen und Bemerkungen stehen in eckiger Klammer [ ... ], solche des Verfassers, seines Sohnes und des Brehnaer Abschreibers Wilhelm Hesse in runder ( ... ); zusätzliche Einfügungen innerhalb dieser Klammern erscheinen in geschweifter Klammer { ... }. Weitere Veränderungen wurden am Text der Dresdner Handschrift nicht vorgenommen. Die zahlreichen Randbemerkungen der Dresdner Handschrift, die Wilhelm Hesse als Anmerkungen an das Ende des jeweiligen Kapitels der Brehnaer Handschrift gesetzt hatte, habe ich, wo es sich anbot, in den Text eingefügt oder fortlaufend nummeriert und als Anmerkungen an das Ende des Textes gesetzt. Ein kleiner Teil dieser Randbemerkungen und vereinzelte Wörter im Text waren infolge ihrer winzigen Schrift und der Qualität der mir vorliegenden Kopie nicht zu verifizieren. Auch eine mehrtätige Einsichtnahme in die Dresdner Handschrift bei der Sächsischen Landesbibliothek ergab nur einen teilweisen Erfolg. Wiederholt erscheinen daher an den betreffenden Stellen des Textes und der Anmerkungen drei Pünktchen in eckiger Klammer [ ... ]. Ein Inhaltsverzeichnis ist in den beiden Handschriften nicht vorhanden; es wurde von mir für diesen Druck zusammengestellt.

Die hiermit vorgelegte Publikation der Köhler-Handschrift erhebt nicht den Anspruch eine geschichtswissenschaftliche Arbeit zu sein. Neuere Editionen der Urkunden wurden nicht berücksichtigt. Historisch irrige Angaben, die die Geschichtswissenschaft heute anders darstellt, wurden nur gelegentlich korrigiert; Hinweise wurden gegeben, wo falsche Jahreszahlen auftauchen. Die Veröffentlichung ist für heutige und ehemalige geschichtsinteressierte Einwohner Brehnas, des Kreises Bitterfeld und darüber hinaus gedacht. Sie soll ein weiteres Ergebnis der Beschäftigung mit der Heimatgeschichte Brehnas sein, die ich als gebürtiger Brehnaer seit den 1980er Jahren betreibe.

Wittenberge, im Frühjahr 2003. Armin Feldmann

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Am Beginn der Vorrede von Köhlers Sohn ist dieses Doppelsiegel abgebildet, links mit der Umschrift SIGILLUM COMITATUS BRENENSIS [Siegel der Grafschaft Brehna], rechts mit der Umschrift SIGILLUM CIVITATIS BRENENSIS [Siegel der Stadt Brehna]. Es sind deutlich zwei unterschiedliche Wappenbilder zu erkennen: links das wiederholt als Schröter- oder Feuerkäferhörner, später als Seeblätter bezeichnete; rechts eindeutig drei Herzen.

Vorrede

Fast zu allen Zeiten ist Sachsen, unser wertes Vaterland, so glücklich gewesen, Männer in seinen Grenzen aufzuweisen, die sich in Aufzeichnung der Geschichte nicht nur um das ganze Land, sondern besonders um einzelne Provinzen und Städte verdient gemacht haben. Zwar in den Zeiten, als noch Aberglauben und Finsternis das Sachsenland bedeckten und die Gemüter des leichtgläubigen Volks nur allzu sehr eingenommen hatten, konnte man unmöglich eine Geschichte erwarten. Denn wie konnten Männer, die nur geschickt waren mit den Waffen umzugehen und nur darauf sannen, wie sie ihre fast unersättliche Begierde nach Menschenblut stillen wollten, der Nachkommenschaft eine Geschichte von der Verfassung ihrer Länder und den Taten ihrer Vorfahren hinterlassen? Würde es nicht ein weit größerer Nachruhm für sie gewesen sein, wenn sie die Merkwürdigkeiten ihres Landes aufgezeichnet hätten, als dass sie die mannigfaltigen Bemühungen Karls des Großen, sie zu Christen und Menschen zu machen, eine Zeit lang vereitelten? Die Einführung des Christentums erweckte endlich in ihnen eine Begierde, die Sprachen und schönen Wissenschaften zu treiben, und nun wurde es auch eines der vornehmsten Geschäfte, die merkwürdigsten Begebenheiten anzumerken. Die Klöster und ihre geistlichen Bewohner haben hierin ein wahres Verdienst. Sie suchten die alte Geschichte sorgfältig auf, aber wenige unter ihnen konnten wegen Mangel an richtiger Beurteilungskraft das Wahre von dem Falschen unterscheiden undüberließen daher der Nachwelt die Bemühung, durch Vergleichung mit anderen Geschichtsbüchern echte Erzählungen von erdichteten abzusondern. Ihre Sammlungen hielten sie sehr geheim, und es schien, als ob sie ihre Geschichte nur zu ihrer Klosterbrüder Nutzen aufgezeichnet hätten, bis sich endlich nach den Zeiten der gesegneten Glaubensreinigung [damit ist die Reformation gemeint] Männer fanden, welche die düsteren Zellen der einsamen Klöster durchsuchten und die gefundenen Nachrichten der gelehrten Welt mitteilten. So hat uns die rühmenswürdige Bemühung dieser Männer ein großes Licht in der Geschichte angezündet, und wir haben auf diese Weise das Petersbergische Chronikon, die Altzellischen Jahrbücher, das kleinere Zellische Chronikon, Joh. Tylichs Meißnische Chronik, Paul Langens [1] (eines Mönchs im Kloster Bosau [2] ) Naumburgische [3] und Zeitzer Chronik, die Goßeckischen Jahrbücher, des pirnischen Mönchs Joh. Lindners Historisches Wörterbuch und andere sehr brauchbare Werke erhalten. Gleiches Verdienst erwarben sie sich durch Herausgebung ganzer Urkundensammlungen, welche Klöster, denen sie gegeben wurden, um ihrer zeitlichen Wohlfahrt willen fleißig aufbewahren mussten. Und hier darf ich einen v. Ludwig, Menke, Schöttgen, Kreysig nur nennen, weil die gelehrte Welt ihre Verdienste kennt und schätzt. Die Reinigung unserer Glaubenslehre war auch der Grund zur Aufnahme und Wachstum der Sprachen und schönen Wissenschaften. Durch sie erhielten diese ihren vorigen Glanz wieder, der in den Zeiten des Papsttums nur matt geschimmert hatte. Nun musste man sich mit größerem Eifer auf die Sprachen und Wissenschaften legen, um die wahre Religion wider die Sophistereien gegenseitiger Gottesgelehrten verteidigen zu können. Selbst unsern teuren Luther unterstützten bei dem wichtigen und bewundernswürdigen Werke der Reformation dieüber das Gemeine weit erhabenen Kenntnisse eines Melanchthon. Das Geschichtsstudium fand nunmehr seine Liebhaber und bald darauf einsichtsvolle Männer, die sich beeiferten die rühmlich geführten Taten ihrer Fürsten, die löblichen Verfassungen ihres Vaterlandes und die Merkwürdigkeiten verschiedener Städte zu entwerfen und der gelehrten Nachwelt zu liefern. Spalatin [4], Fabricius [5], Albinus [6], Dresser [7], alles Männer, die wegen ihrer Kenntnis in dem Fach der Geschichte die Ehre Kurfürstlich Sächsischer Historiographen davontrugen, verdienen eben noch den Beifall, den ihnen bei ihrem Leben ihre teuren Landesväter und das gelehrte Publikum zuerkannten. Ihre Schriften liest man bis jetzt noch mit eben dem Vergnügen, mit welchem man sie damals las. Betrachtet man die folgenden Jahrhunderte, das 17. und jetzige, so findet man eine sehr große Menge Geschichtsschreiber, die sehr genaue und umständliche Beschreibungen von unserm ganzen Lande und verschiedenen Städten geliefert haben. Besonders verdienen in unserem Jahrhundert der Herren v. Ludwig, Menke, Glastey, Schöttgen, Horn, Knaut, Kreysig, Thorschmid etc. genannt zu werden, welche die geistliche und weltliche Geschichte unseres Vaterlandes und einzelner Provinzen bearbeitet und durch Herausgebung nützlicher Urkunden erweitert haben. Doch ich bin nicht willens, von den Schicksalen der sächsischen Geschichte und von den Männern, die in diesem Fache etwas geleistet haben [8], zu handeln, welches Unternehmen die engen Grenzen einer Vorrede weitüberschreiten würde. Meine Absicht geht vielmehr dahin, dem geneigten Leser diejenigen Schriftsteller namhaft zu machen, welche zu der Geschichte der Stadt und Grafschaft Brene etwas beigetragen haben.überhaupt ist es zu bedauern, dass man, was die älteste Geschichte dieser meiner Vaterstadt betrifft, wenig zuverlässige Nachrichten findet, sondern meistens auf wahrscheinliche Mutmaßungen bauen muß. Von unserm ehemals berühmten Augustinerkloster beobachtet man ein fast allgemeines Stillschweigen; von der Grafschaft hingegen kann man doch noch einige Schriften vorzeigen, worin die Geschichte derselben erläutert worden [ist]. Folgende sind bei Ausarbeitung der Geschichte der Grafen von Brene aus Wettinischem Stamm genutzt worden: 1.) Das Peters- oder Lauterbergische Chronikon, von welchem nach Ge. Fabricius und Pet. Albins Bericht ein gewisser Presbyter dieses Klosters mit Namen Konrad Verfasser sein soll [9]. Dieses hat zuerst Joachim Johann Maderus in Helmstädt den Liebhabern der Geschichte bekannt gemacht [10] und Menke [richtig: Mencke] dem zweiten Teil seiner Scriptor. rerum Germ. [Scriptores rerum Germanicarum = Deutsche Geschichtsschreiber] einverleibt. Diese Geschichte hat alle Kennzeichen der historischen Glaubwürdigkeit. Der Verfasser hat alles genau untersucht und das, was er nicht gewiss wusste, sorgfältig geprüft; man hat daher sein Geschichtsbuch in der ältesten Geschichte der Grafen von Brena sehr wohl gebrauchen können [11]. 2.) Die Altzellischen Jahrbücher und 3) Joh. Tylichs [12] Meißnische Chronik verdienen eben den

Beifall, welchen man der Petersbergischen Chronik zugesteht. Es ist sehr wahrscheinlich, dass beide ihre meisten Nachrichten aus dieser entlehnt haben, weil sie einerlei [gleiche] Sachen mit eben den [denselben] Worten ausdrücken. 4) Das Historische Wörterbuch des pirnischen Mönchs Joh. Lindner [13] kann man den 3 jetzt genannten Geschichtsbüchern nicht gleichschätzen. Lindner hat gar zu oft geirrt: Seine Geschichte ist mit vielen Mönchserdichtungen angefüllt, welche er wider sein besseres Wissen als wahr annimmt und für Wahrheit ausgibt. Die Begebenheiten, die sich zu seinen Zeiten zugetragen [haben], ist man noch eher zu glauben schuldig. Das wenige, so er von unsrer Grafschaft sagt, ist meistens unrichtig. Ich will zum Beweis folgendes anführen. Unter der Aufschrift Brene (S. 1535 ap. [apud = bei] Menke) heißt es: „Brene, etwa (ehemals) eine besondre Herrschaft, da Markgraf Friedrich, Markgraf Friedrichs des Ersten zu Meißen Sohn (1200), und seine Fürstin Hedwig, Herzog Dippolds zu Böhmen, Ottocarus Vetter, Tochter, die mit Hilfe ihres Sohnes Dietrich, der 1203 verstarb, das Nonnenkloster daselbst gestiftet hat. Da ist Hilda, eine Fürstin zu Meißen geboren, Äbtissin gewesen.“ Hier soll nach Lindners Meinung Graf Friedrich von Brena ein Sohn Markgraf Friedrichs I. gewesen sein, da doch Markgraf Konrad zu Meißen sein Vater war. Ferner wird bei ihm der Mitstifter des Brenischen Klosters Dietrich genannt, da er doch (wie man aus dem beigesetzten Sterbejahre sieht) Otto im Sinne hatte. Und endlich ist Hilda, wenn sie sich ja in unserm Kloster aufgehalten [hat], nicht Äbtissin (denn das Brenische Kloster war keine Abtei), sondern Priorissin gewesen ist. Unter dem Titel Timothenus will er uns bereden: Thimo, Graf zu Wettin, habe eine Tochter seines Bruders Gero zur Ehe gehabt. (Man sehe die Zusätze in Schöttgens Nachlese II. T. S. 270.) Seine Worte lauten also: „Timothenus, Graf zu Sachsen auf Wettin, Markgraf Konrads I. Vater. Seine Fürstin, Grafens Gero zu Sachsen auf Brehna Tochter, gebar Güntern [14], hernach Bischof zu Naumburg, den andern dieses Namens. Darnach nahm dieser Timothenus zur Ehe Markgraf Ottons von Stade Tochter Uda.“ Dass Thimo seines Bruders Gero Tochter zur Ehe gehabt, ist ganz falsch und wider aller glaubwürdigen Geschichtsschreiber Zeugnis, welche ihm nur eine Gemahlin Uda oder Ida, Ottos von Nordheim (und nicht von Stade) Tochter zuschreiben. 5.) Georg Fabricius verdient unter den Neuern zuerst genannt zu werden, weil er die Geschichte der Grafschaft, die er uns in seinen orig. Sax. [Ursprung Sachsens] (5. B. S. 529 u. 554 ff.) geliefert, sehr fleißig aufgesucht hat. Sehr selten verfehlt er die Zeitrechnung und erzählt nur das, was er zuvor wohl geprüft hatte. Seine Nachfolger, die uns etwas Gutes und Brauchbares in der Sächsischen Geschichte liefern wollten, haben meistens aus ihm geschöpft. 6.) Eine kurze Beschreibung der Grafschaft Brena und ein Verzeichnis der Besitzer derselben hat uns Benj. Leuber (in catalogo Comitum ap. [im Verzeichnis der Grafschaften bei] Menk. III. p. 1838.) entworfen [15]. Er teilt die Grafen von Brene nach ihrem verschiedenen Geschlecht und Herkommen in 3 Abschnitte, in die Grafen aus Wettinischem, Anhältischem [16] und markgräfl. Meißn. Stamm [17]. Diese Einteilung ist richtig und natürlich; allein die Abteilung dieser 3 Abschnitte in 3 verschiedene Decurien [Zehnergruppen; Abteilungen von jeweils zehn Brehnaer Grafen] ist gezwungen und unschicklich [18]. 7.) In des Hrn. Hofrat Böhmens Sächsischem Groschenkabinett, einem Werk, das von der gelehrten Welt hoch geschätzt wird und sich wegen seiner angenehmen Schreibart empfiehlt, liest man (im I. T. von der 145. S. an) kurze und richtige Nachrichten von der Grafschaft Brene und deren Besitzern [19].

Diejenigen, welche die Geschichte der Grafen von Brene aus Askanischem Stamm abgehandelt haben, sind: 1.) Ernst Brotuf in seiner Genealogie und Chronik des Hauses Anhalt [20]. Dieser in der Geschichte sonst fleißige Mann hat in diesem Werke sehr wenig geleistet, und man kann es nunmehr, da man aus Urkunden und Fabricius besser belehrt ist, gänzlich entbehren. Er wirft alles untereinander und beobachtet keine Zeitrechnung, sondern versetzt die Zahlen und Namen ohne allen Grund und nur nach Belieben. Man hat daher seine Geschichte sehr selten gebrauchen können. 2.) Georg Fabricius de Electoribus Saxoniae [Über die Kurfürsten Sachsens]. Bei Ausarbeitung dieser Schrift (welche seinen Meißnischen

Jahrbüchern vorgesetzt ist) bediente er sich echter und glaubwürdiger Nachrichten [21] und wurde dadurch in den Stand gesetzt, eine solche Geschichte zu liefern, die Brotufs und andrer Chroniken weitübertreffen mußte. 3.) Balthasar Menz in s. Stammbuch von Ursprung und Herkommen der Kur- und Fürstl. Häuser Sachsen, Brandenb., Anhalt, Lauenburg (samt Bildnissen), Wittenb. 1598.8 [8 = Oktav: häufigstes Buchformat, bis 22,5 cm Höhe]. Von diesem Werk gilt das Urteil, welches manüberhaupt von seinen Schriften fällt, dass der Verfasser derselben nach Art der damaligen Zeiten leichtgläubig gewesen [sei] [22]. 4.) Joh. Christoph Beckmann in der Anhältischen Chronik. Dieses weitläufige [umfassende] Werk bedarf meines Lobes nicht, weil es sich schon längst den Ruhm eines Hauptbuchs in der Geschichte von Anhalt erworben [hat]. 5.) Unter den Neuern handelt von den Herzögen zu Sachsen aus dem Hause Askanien am ausführlichsten mit sorgfältiger Benutzung versch. Urkunden ein gleichzeitiger Geschichtsschreiber D. Xstian [Christian] Ernst Weiße in s. Gesch. der kursächs. Staaten, Bd. 2 (Leipz. Bitterf. 1803.8.) S. 189-262.

Von der neuren Verfassung der Stadt Brena ist mir zur Zeit noch kein Buch bekannt: Etwas Weniges davon hat der sel. Past. König in seine Brenische Marterwoche eingerückt. In der Neuen Staats- und Reisegeographie 6. T. S. 888 f. findet man auch einige ganz gute Nachrichten. Der ehemalige Superint. in Delitzsch M. Joh. Paul Streng versprach im Jahre 1717 und 1736 eine Geschichte von Delitzsch, Schkeuditz, Zörbig, Landsberg, Bitterfeld, Brena [23], Gräfenhainichen und anliegenden Orten: Allein diese rühmlich unternommene Arbeit ist durch seinen Tod unterbrochen und seine Handschriften zerstreut worden. Man hat sich bemüht, etwas von seinen Sammlungen zu erhalten, wie man aber erfahren, sollen sie nicht mehr vorhanden sein [24]. Der sel. Superint. ist ohngeachtet seiner häufigen Amtsgeschäfte in diesem Teil der Geschichte unermüdet gewesen und man würde ohne Zweifel etwas Gründliches und Gelehrtes erhalten haben, wenn er dieses Werk vollenden und den Liebhabern der Geschichte [hätte] mitteilen können. Da dieses nicht erfolgt und Brena noch nicht so glücklich gewesen ist, die Geschichte seiner ehemaligen Besitzer pp. [usw.] zu lesen, soübernahm mein sel. Vater diese Arbeit. Er sammelte vornehmlich alte Urkunden, ohne deren Beihilfe er in der Geschichte der Grafschaft und des Klosters nichts Gewisses unternehmen konnte. Er zeichnete auch die neuere Geschichte und die Merkwürdigkeiten dieses Ortes auf, und so entstand gegenwärtiges Werk. Nie hatte es mein sel. Vater im Willen, selbiges bei seinem Leben durch den Druck gemeinnützig zu machen, obschon ihn verschiedene Gönner und Freunde darum ersuchten. Auf wiederholtes Verlangen habe ich mich endlich entschlossen, selbiges den Liebhabern der Sächs. Geschichte mitzuteilen und mit einigen Anmerkungen zu versehen. Ich hoffe, meine wertesten Leser werden mir bei diesem Unternehmen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Von der Ordnung und Einrichtung des Werks mag der geneigte Leser selbst urteilen, weil ich, wenn ich zu viel sagte, den Schein einiger Parteilichkeit nicht vermeiden könnte. Die Geschichte der Grafen von Brena aus Wettinischem und Askanischem Stamm ist aus glaubwürdigen Geschichtsschreibern und untrüglichen Dokumenten zusammengesetzt worden. Um alle Besitzer der Grafschaft namhaft zu machen, hat man auch ein Verzeichnis der Kurfürsten zu Sachsen aus dem Geschlecht der Markgrafen von Meißen beigefügt. Es ist aber dieses in möglichster Kürze geschehen, weil man wohl weiß, dass die Geschichte dieses hohen Hauses so bearbeitet worden [ist], dass nichts Besseres zu hoffen ist. Die Merkwürdigkeiten meiner Vaterstadt, die, wie ich vermute, nicht allen Lesern interessant sein werden, sind bloß um meiner Landsleute willen beigebracht worden. Man hat sich aber dabei des gewöhnlichen Chronikentons enthalten und unsre Leser nicht mit Erdichtungen unterhalten, sondern ihnen nur solche Begebenheiten erzählen wollen, die uns glaubwürdige Dokumente an die Hand gegeben haben. Zu Ende des Werks habe ich des sel. Past. M. Königs betrübte und jammervolle Brenische Marterwoche mit beigefügt. Der gen. Leser wird mir dieses verzeihen. Ich hoffe dadurch den Nachruhm des redlichen Past. König zu erhalten und meine Landsleute zu erbauen.

Leipzig, am 1. Sept. 1776.

Not. Die Vorrede und das ganze Werk verdienen als die Arbeit eines damals zwanzigjährigen Jünglings mit Nachsicht beurteilt zu werden.

[Diese Vorrede hat Johann Friedrich Köhler, Sohn des Verfassers, geschrieben. Wieso er sie mit dem Datum 1776 versieht, aber in ihr Angaben bis 1879 enthalten sind, wird nicht ersichtlich. In der Dresdner Handschrift von Johann Jakob Köhler befindet sich am Ende dieser Vorrede die von anderer Hand geschriebene und hier bereits oben wiedergegebene Notiz: „Not. {Nota = Anmerkung} Die Vorrede und das ganze Werk verdienen, als die Arbeit eines damals zwanzigjährigen Jünglings, mit Nachsicht beurteilt zu werden.“ Danach müsste der Sohn Johann Jakob Köhlers, Johann Friedrich Köhler, seine Ergänzungen bereits bis 1776 in das Werk seines Vaters eingearbeitet haben, denn dieser Sohn wurde am 08.07.1756 in Brehna geboren und war also 1776 jener „zwanzigjährige Jüngling“. Das würde mit dem eingetragenen Datum 1776übereinstimmen. Es ist nicht bekannt, von wem diese Notiz und weitere Eintragungen im Text Johann Jakob Köhlers herrühren, soweit sie nicht von seinem Sohn stammen. A. F.]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beispielblatt aus der Dresdner Handschrift, S. 1

Erster Teil enthält die alte Geschichte der Stadt und Grafschaft Brena

Das I. Kapitel. Von den ersten Bewohnern, von dem Namen, der Lage und Größe der Stadt Brena

§ 1. [Erste Bewohner]

Die Sorben [25] - Wenden, ein wildes und kriegerisches Volk, sind die ersten Bewohner hiesiger Gegend, die uns die Geschichte aufweist. Sie waren ursprünglich Slawen und hatten sich bei ihren Wanderungen in Sachsen häufig ausgebreitet undüberall angebaut [26]. Ihre Länder teilten sie nach Art der alten Deutschen in gewisse Pagos oder Kreise ein [27], unter welchen der Pagus Nudzizi [28] in den damaligen Zeiten einer der vornehmsten war. In demselbigen lagen die Städte Wettin [29], Lobechün, und ohne Zweifel auch Brena [30].

§. 2 [Gründung]

Brena hat also, wie andere berühmte Städte Sachsens, seinen Ursprung den Wenden [31] zu danken, welche es entweder völlig erbaut oder doch wenigstens den Grund dazu gelegt haben. Einige setzen zwar den Anfang dieses Städtchens weiter hinaus und wollen (wie der selige Pastor König in der Brenischen Marterwoche S. 9 aus einer Handschrift anführt) behaupten, dass Brennus, der Heerführer der Gallier, als er in Deutschlandüberall herumgeschweift, verschiedene Städte nach seinem Namen, unter andren auch unser Brena und Brene unweit Mons im Hennegauischen, erbaut habe: Es verdient aber diese Erzählung um desto weniger Beifall, je mehr sie mit der Geschichte und Zeitrechnung streitet [32]. Mit mehr Gewißheit kann man die Erbauung den Wenden zuschreiben, wenn man nur die Benennungen der benachbarten Städte und Dörfer etwas genauer betrachtet [33]. Wann es aber erbaut worden und ob man es gleich anfangs für eine Stadt gehalten, kann man wegen Mangel an alten Nachrichten nicht bestimmen. Zuerst wird desselben 1035 gedacht, da Gero die Grafschaft gestiftet. [1035 ist urkundlich nicht belegt, sondern von Köhler im Zusammenhang mit der Ermordung Markgraf Dietrichs von der sächsischen Ostmark, dem Vater der erstgenannten Brehnaer Grafen Gero und Thimo, nur vermutet.] 1142 unterschrieb Markgraf Konrad einen Brief an den Papst: in loco, qui dicitur Brenn [in dem Ort, der Brenn genannt wird], woraus sich wahrscheinlich schließen läßt, dass Brena damals noch keine Stadt war. S. den Brief in Schöttgens Leben Konrads S. 289. Am Schluss [ ... ] die Vergebung des Magdeburgischen Bischofsgerichts an als Beweis, dass Brena und die umliegende Gegend schon damals unter dem Sprengel des Magdeburgischen Bischofs stand. Und 1220 wird es aber in einem Briefe Ottos und Dietrichs, Grafen von Brehna, eine Stadt genannt [34] (es mag aber schon zuvor das Städterecht erhalten haben) [35].

§. 3.[Schreibung des Namens]

In den Urkunden und Jahrbüchern wird Brena sehr verschieden geschrieben, und zwar: Bren, Brenn, Brehn, Brene, Brenhe [36], Brenen, Brehen, Birene [37], Pren [38]. In den neueren Zeiten hat man mit Recht die Schreibart Brene oder gewöhnlicher Brena beibehalten und behält sie noch jetzt bei. Die älteste Schreibart ist Brenn in dem angeführten Briefe Markgraf Konrads an den Papst von 1142 [39]. Ein Dorf Prehna [existiert] im Altenburgischen, nach Dobitzschen gepfarrt. Wenzeslaus wird in einem Briefe Kaiser Rudolphs IV., wo er als Zeuge angeführt wird, Herzog zu Sachsen und Graf zu Pren genannt, ap. Ludw. in reliqu. Ms. I. [bei v. Ludwig, Meißnerüberbleibsel, Teil I] p. 289.

§. 4.[Herkunft des Namens]

Den Namen wollen einige von dem deutschen Worte brennen herleiten, und zwar aus der Ursache, weil es die Wenden in den alten Zeiten öfters abgebrannt [hätten], können aber sonst keinen Beweis aus der Geschichte beibringen. Andere suchen den Grund der Benennung in dem wendischen Worte brannity (beschützen). Und noch andere in Brany oder Breny, welches in der wendischen Sprache einen Wald bedeutet [40]. Diese letztere ist unstreitig die wahrscheinlichste Meinung und behält den Vorzug vor den ersteren, wenn man für wahr annimmt, dass der so genannte Brenische Busch sich in den damaligen Zeiten bis an unsere Stadt erstreckt und dieselbe zum Teil umgeben [hat] [41]. So ist auch bekannt, dass die heidnischen Wenden häufig an Wälder gebaut [haben], um in denselben ihren Gottesdienst zu verrichten und dadurch vor den Anfällen der Feinde gesichert zu sein.

§. 5.[Lage des Ortes]

Sonst liegt Brena in einer gesunden und ebenen Gegend unter dem 51. Grad 31 Min. der Länge und 34. Grad 50 Min. der Breite, 5 Meilen von Wittenberg, 3 von Leipzig und Merseburg, 2 von Halle und 1 Meile von Delitzsch, Zörbig und Bitterfeld. Allenthalben um die Stadt her sieht man fruchtbare Gärten, Wiesen und Felder, und viele in angenehmer Entfernung liegende Dörfer, einige Gebüsche, ingl. [ingleichen = ebenfalls] Landsberg [42], der Petersberg [43] und die Quetzer Berge machen die ohnedem schöne Gegend reizender und anmutiger.

§. 6.[Beschreibung des Ortes]

Die Stadt an sich selbst besteht ungefähr aus 180-90 Häusern, die Vorstädte (worunter ich {den Rhein,} die Freiheit und Zennewitz verstehe) mitgerechnet [44] (und wird daher gemeiniglich für die kleinste Stadt des Kurkreises gehalten). Sie hat 4 Tore, das Bitterfeldische, Delitzscher, Kloster- und Hallische Tor, wovon letzteres in vorigen Kriegen verwüstet wurde [ ... ], und außer dem Markt machen die Bitterfeldische, Hallische, Kloster-, Delitzscher und Pfarrgasse die ganze Stadt aus [45]. In den Zeiten, da noch die Grafen hier residierten, mag sie wohl befestigt gewesen sein, wie man denn hin und wieder Spuren vom Stadtgraben und Festungswerken antrifft, besonders wo das gräfliche Schloß gestanden [hat], die aber nach und nach eingegangen sind, davon im folgenden Kapitel mit mehreren gehandelt werden soll.

Das II. Kapitel. Von der Grafschaftüberhaupt

§. 1.[Enstehungszeit]

Brena war im 11., 12. und 13. Jahrhundert der Sitz der eigentlich so genannten Grafen von Brene, deren Grafschaft von unserm Städtchen den Namen führte. Ihr Geschlecht leiteten sie von den Wettinischen Grafen her, deren Stammvater, wie man insgemein vorgibt, der große Wittekind, ein König der Sachsen, gewesen sein soll [46]. Diese Grafen von Wettin besaßen anfangs, nachdem die Wenden vertrieben worden [waren], hiesige Gegend, bis endlich Gero, ein Sohn Dietrichs II., im Jahr 1035 auf Erlaubnis Kaiser Konrads II. aus seinen ihm in der Teilung zuerkannten Ländern eine neue Grafschaft stiftete und nach unsrem Städtchen, weil er daselbst seinen Sitz nahm, die Grafschaft Brene nannte [47]. Nach seinem Tode beherrschten selbige seine Söhne Wilhelm und Dietrich, und als letzterer 1106 [andere nennen 1116] ohne Kinder verstarb, fiel sie auf Geros Bruders Sohn [richtig: Enkelsohn] Konrad, nachmaligen Markgrafen zu Meißen, der sie bei Teilung seiner Länder unter seine Söhne dem Jüngsten, Friedrich genannt, zueignete, welcher das Geschlecht der Grafen von Brene fortgepflanzt hat. Ihm folgten seine Söhne und Nachkommen Otto I., Fridericus II., Otto II., Dietrich, Konrad, Albrecht [hier fehlt: Konrad II.] und Otto III. [heute oft als Otto IV. bezeichnet], welche in ununterbrochener Reihe von 1181 bis 1290 regierten.

§.2.[Die Grafschaft nach 1290]

Unter letzterem kam die Grafschaft an die Herzöge zu Sachsen aus Askanischem Stamm (wie dieses geschehen, wird weiter unten im 4. Kap. gemeldet werden), welche sie 132 Jahre von 1290 bis 1422 besessen haben, da Albert III. ohne Erben starb. - Und nun kamen die Markgrafen von Meißen, und unter ihnen zuerst Friedrich der Streitbare, in den Besitz der Grafschaft Brene, weil Kaiser Sigismund selbige nebst der Kur etc. obgedachtem Markgrafen im Jahr 1425 verlieh. Diese bedienten sich nicht weiter des gräfl. Titels, und da ohnedem obgenannter Kaiser die Grafschaft zur Kur geschlagen hatte, so verlosch der Name derselben gänzlich. - Im Jahr 1656 teilte Kurfürst Johann Georg seine Länder unter seine Söhne und gab seinem dritten Sohn Christian, Postuliertem Administrator des Stifts Merseburg, unter anderen Städten auch unser Brena, dessen Nachkommen bis 1738 dasselbe besaßen, da es wieder an das hohe Kurhaus zu Sachsen gekommen [ist], unter dessen löblicher Regierung es bis anhero gestanden hat und noch jetzt steht. - Dieses ist die kurze Geschichte unsrer Grafschaft, welche in den folgenden Kapiteln weiter ausgeführt werden soll.

§. 3. [Größe]

Den Umfang und die Grenzen der Grafschaft kann man nicht genau und eigentlich bestimmen. Die Grafschaft Brena bestand aus dem größten und fruchtbarsten Teil des jetzigen Kurkreises und wurde in den ältesten Zeiten zu dem so genannten Osterlande gerechnet [nicht abgeleitet von Ostern, sondern von der Himmelsrichtung Osten]. Auf der Zolmannischen Karte des mittleren Sachsens von 1732 ist die Grafschaft Brena sehr richtig gezeichnet. Auch die meisten Orte sind bemerkt. Die Grafen werden ausdrücklich im Petersbergischen Chronikon osterländische Fürsten genannt. Der Name Osterland kommt schon sec. 8. [im 8. Jahrhundert] vor. S. Abhandlung vom Osterlande in Kreysigs Beiträgen zur Geschichte der Sächsischen Lande, T. 3, S. 369 ff. Sie war (nach einer freilich nur wahrscheinlichen Bestimmung) 11 Meilen lang und enthielt 26 gevierte oder Quadratmeilen [etwa 1500 km²]. Die Grenzen waren gegen Morgen [Osten] das Markgrafentum Lausitz, gegen Mittag [Süden] die Markgraftümer Meißen und Landsberg, gegen Abend [Westen] die Grafschaft Wettin, gegen Mitternacht [Norden] das Herzogtum Sachsen und das Fürstentum Anhalt. - Sie wurde von der Schwarzen Elster, Elbe und Mulde der Breite nach durchströmt, hatte häufige Waldungen, z. B. die Lochauer und einen Teil der Dübenschen Heide, die Goitzsche bei Bitterfeld, die ehemals großen und weitläufigen Gehölze von Liebenwerda, Gräfenhainichen und Brene. Die Fuhne bestimmte die Grenze zwischen der Grafschaft Wettin und Anhalt. Es ist zwar noch ein alter Brief Kaiser Albrechts vorhanden, worin er die Ehestiftung Rudolphs, Herzog zu Sachsen, und Juttas, Markgräfin zu Brandenburg, und die dabei von beiden Seiten einander geschenkten Güter bestätigt [48]. Allein man findet in selbigem nur die vornehmsten Städte und Schlösser oder Burgen (castra) der Grafschaft, welche Rudolph seiner Gemahlin verschrieb, so wie es damals gewöhnlich war, bei Einführung einer Gegend nur die festen Orte oder Burgen zu nennen und die zugehörigen Städteüberhaupt cum munitionibus, villis pp. [mit ihren Befestigungen, Dörfern usw.] anzuzeigen, als [= wie] Schlieben, Löben, Prettin, Bitterfeld und Herzberg. Außer diesen sollen auch die Stadt Clöden und Liebenwerda dazu gehört haben [49]; besonders erhielt sie im Jahr 1217 eine wichtige Erbschaft, als nach dem Tode Heinrichs, des letzten Grafen von Wettin, Graf Friedrich II. die ganze Grafschaft Wettin zufiel; doch bedienten sich weder er noch seine Nachkommen des gräflichen Titels, sondern vereinigten diese Grafschaft mit der Brenischen, bei welcher sie auch bis 1290, 73 Jahre lang, verblieben [ist]. In diesem Jahre starb Otto III. [IV., s. o.], der letzte Graf von Brene, und Wettin kam nunmehr an das Erzbischöfliche Haus zu Magdeburg, wie es ihm obgedachter Otto 1288 vermacht hatte [50].

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Dresdner Handschrift, S. 5

§. 4.[Lage des Schlosses]

Aus vorigem 3. §. erhellt, dass die Grafen von Brene verschiedene Schlösser besaßen, woselbst sie sich auch zuweilen aufhielten, wie man aus alten Briefen und Urkunden ersieht. Ihr Hauptsitz war eigentlich in unserm Städtchen Brena, allwo sie ihr wohlbefestigtes Schloss hatten [51]. - Gegen Abend [Westen] und der Stadt zu diente ihnen ein hoher Berg zu einer Warte und Befestigung [52], gegen Morgen [Osten] schützte sie ein starker Wassergraben und gegen Mittag [Süden] ein Wall und Graben, wovon man noch die Spuren deutlich sieht. Das Schloss lag in einer angenehmen Gegend und war von großem Umfang, denn es begriff das jetzige Großesche und Füßelische Haus und den Beckerischen, Großischen und Müllerischen Garten in sich. Gegenüber stand die gräfl. Kapelle, die Bartholomäus-Kapelle genannt, weil sie dem heil. Bartholomäus zu Ehren erbaut wurde, wovon noch in der Mitte dieses [18.] Jahrhunderts ansehnlicheüberbleibsel in dem Garten des damaligen Besitzers, Hrn. Akzisinspektors Kronbiegel, vorhanden gewesen [sind], welche aber zerstört und der Erde gleichgemacht worden sind.

§. 5.[Weitere gräfliche Schlösser]

Dieübrigen Neben-Schlösser waren folgende:

Wettin. Dieses gehörte seit 1217 unsern Grafen, da sie es nebst der Grafschaft geerbt hatten. Auf selbigem hielten sie sich nach Gewohnheit damaliger Zeiten ihre Burggrafen [53], welche aus Freiherrn oder Edelleuten bestanden und in Abwesenheit der Grafen die Stelle eines Kommandanten vertraten, auch sonst zu allen Zeiten das Schloss wider feindliche Anfälle verteidigen mussten. Um dieses desto besser bewerkstelligen zu können, bedienten sie sich gewisser Burgmänner. Ihnen selbst waren einige Güter zum Unterhalt ausgesetzt [54].

2.) Püchau oder Pichen, unweit Eilenburg, anfangs eine Stadt und Burgwart und von 995 ein Lehen der Bischöfe in Meißen, welche es im 12. Jahrhundert Konrad dem Großen erteilten und, nachdem es die folgenden Grafen von Wettin besessen, den Brenischen Grafen zu Lehn gaben, bei denen es auch bis 1290 verblieben ist [55]. Von den neuern Besitzern dieses Ortes sehe man Dietmanns Sächs. Priesterschaft I. T. II. B. S. 820 f.

3.) Schlieben. Dieses Schlosses wird in oben angeführter Ehestiftungsbestätigung Kaiser Albrechts von 1298 gedacht, und schon 1269 gab Graf Konrad [56] von hier aus dem Kloster Dobrilug einen Konfirmationsbriefüber das Dorf Knußen. Nachher ist dieses Schloss ein Kurfl. Sächs. Amtshaus gewesen, bis es im 30jährigen Kriege, ungefähr 1637, von den Schweden verwüstet wurde, also dass jetzt nichts als einige wenigeüberbleibsel anzutreffen sind.

4.) Löben (Lovania und Lovanium) war in den damaligen Zeiten ein ansehnliches Schloss an der schwarzen Elster zwischen Schweinitz und Herzberg von den ausgewanderten Flamingen oder Niederländern angelegt [57]. Jetzt führt das dabei liegende Dorf den Namen davon. Dass es den Grafen von Brene gehörte, ersieht man aus oben gedachter Ehestiftung und aus den Briefen, die Graf Otto und Theodericus 1226, 1241 und 1242 daselbst ausgestellt haben, davon im folgenden Kapitel umständlicher geredet werden soll.

5.) Prettin oder Prityn. Allhier vereignete Graf Dietrich 1254 dem Kloster Brene 2 Hufen zu Glebitz (S. Diplom 10) und 1259überließ er dem Deutschen Hause zu Halle einen Weinberg zu Prettin: Dipl. Dat. Pretin, per manum Heinrici notarii [eine Urkunde, ausgestellt zu Prettin durch die Hand des Notars Heinrich].

6. Bitterfeld wird in oben gedachter Ehestiftung von 1298 ein Schloss genannt, auf welchem schon 1244 Graf Dietrich dem Kloster zu Brene einen Briefüber eine Hufe zu Thiemendorf erteilt hat (Vid. Dipl. 7). Im Jahr 1407 gab Kurfürst Rudolph III. eben dem Kloster verschiedene Zehnten und Güter; da steht ausdrücklich zu Ende des Briefes: Gegeben in unserm Schloss Bitterfeld (vid. Diplomatar. Brenens. Nr. 59). Kurfürst Ernst verkaufte dasselbe im Jahr 1471 mit Willen seines Bruders Albrecht nebst der Stadt und den Schlössern Zörbig und Gräfenhainichen an Gebhard, Grafen zu Mansfeld, für 14 000 fl. [Florentiner: Goldmünze, zuerst im 13. Jahrhundert unter dem Namen Floren oder Florin in Florenz geprägt.] (Dieser Graf gab 1473 der Stadt Bitterfeld auf 3 Jahre Freiheit von Schoss [eine bestimmte direkte Steuer, z. B. Giebel-Schoss für einen Hausgiebel an der Straßenfront oder Hufen-Schoss je Hufe Ackerland] und Steuern, weil dieselbe zuvor abgebrannt war.)

7.) Klöden, vermutlich ein gräfl. Brenisches Schloss, auf welchem im Jahr 1267 Graf Konrad dem Kloster Dobrilug einen Kaufbrief ausstellte (vid. Dipl. ap. Ludw. in rel. Ms. I. p. 94.).

8.) Löbnitz (oder, wie es in Urkunden geschrieben wird, Lubaniß), ehemals ein ansehnlicher Pagus [Gau], Lubanici genannt, war ohne Zweifel in den mittleren Zeiten ein gräflich Brenisches Schloss und Eigentum, auf welchem Graf Dietrich 1259 den geistl. Klosterjungfrauen zu Brene 3 Hufen zu Schorensee bestätigte [58]. Schon lange vor der Reformation war dieses Schloss der Sitz der Hrn. von Schönfeld, deren Nachkommen bis jetzt Löbnitz gehört. --- Alle diese jetzt beschriebenen gräfl. Brenischen Schlösser liegen nunmehr meistens in ihren Ruinen, also dass man von einigen kaumüberbleibsel entdeckt, welche entweder noch vor der Reformation eingegangen oder im 30jährigen Kriege zerstört worden sind. Dieses sei genug von den Schlössern der Grafen zu Brene.

§. 6.[Rechtsstellung der Grafen]

Was die Rechte derselben betrifft, so waren sieüberhaupt fürstliche Grafen [59], und als solche hatten sie den Rangüber den Grafen von Mansfeld [60], Burggrafen von Magdeburg, Grafen von Schwarzburg etc., und schrieben sich in ihren Briefen und Urkunden: von Gottes Gnaden Graf von Brene. Ferner hatten sie ein großes Vorrecht vor anderen Grafen und Herren, dass sie konnten münzen lassen [61]. Von dergleichen Münzen sind noch einige auf unsere Zeit gekommen, davon der ehemalige Kurkreis-Steuereinnehmer und Bürgermeister Wagner in Wittenberg eine ziemliche Sammlung besaß, aus welcher in des Hrn. Hofrat und Prof. Böhmens Sächs. Groschen-Kabinett 14 solcher Münzen abgebildet zu finden [sind], darunter aber nur 2, nämlich Nr. 29 und 30, echt sind. [Es existieren mehr als diese zwei Brehnaer Münzen, wie in verschiedenen wissenschaftlichen Abhandlungen belegt wird.] Die eine ist ein Dickpfennig, welcher von Friedrich II. herrühren soll. Auf der rechten Seite steht das Bildnis eines Grafen von Brene, in jeder Hand einen Leuchter mit brennendem Lichte oder vielmehr einen Turm haltend, welches vermutlich auf den Klosterbau zielen soll. Auf der linken Seite ein Schild mit den 3 Herzen oder Seeblättern, darüber eine Rose mit der Umschrift: BRENEN. Die andere Münze stellt auf der einen Seite das Bildnis eines Grafen von Brene stehend vor, in jeder Hand einen dreieckigen Schild haltend, hinter welchen zu beiden Seiten eine Lanze hervorragt. Auf der andern Seite sieht man ein Kopfstück, darüber der Name BRENE, und zwischen demselben oben und unten ein Kreuz. Diese letztere Münze zielt vielleicht auf die gemeinschaftliche Regierung Ottos und Dietrichs [62]. Weiter hatten die Grafen von Brene das jus patronatus oder Recht der Beschirmungüber verschiedene Kirchen und Klöster, z. B.über die Kirche zu Schlieben, wie aus einem Briefe von 1292 erhellt, in welchem Albertus, Kurfürst zu Sachsen, auf Bitte seiner Schwester Elisabeth, Graf Konrads zu Brene hinterlassene Witwe, das jus patronatus dieser Kirche den geistl. Jungfrauen des Klosters zu St. Nicolai, Augustiner Ordens in Kosswig, geschenkt hat [63]. So war auch Graf Dietrich Schutzherr des Klosters Dobrilug; Otto II. des Petersbergischen Klosters. Endlich erschienen auch die Grafen von Brene wie andere Fürsten auf den Reichstagen, wovon uns die Geschichte ein merkwürdiges Exempel an Otto, dem letzten brenischen Grafen, aufweist, der 1290 auf dem Reichstag zu Erfurt verstorben ist. Davon im folgenden Kapitel.

§. 7.[Gräfliche Wappen]

Wegen des Wappens der Grafschaft Brene, was dessen Ursprung und Figuren betrifft, sind alle, alte und neue, Geschichtsschreiber uneinig. Einige wollen den Ursprung aus dem Engerischen Wappen herleiten [64], welches der jüngere Wittekind von Karl dem Großen erhalten und statt Westphalen auf Brene gelegt haben soll [65]. Wer kann aber in diesen alten Zeiten etwas Genaues wissen und bestimmen? Vielleicht ist zu Karls d. Gr. Zeiten noch nicht an Brene gedacht worden, und doch gibt man obige Erzählung für wahr aus. Albin [66] ist dieser Meinung nicht geneigt, vielmehr will er es mit dem Ringelheimschen, wie wohl ohne Grund, für eins halten. Vermutlich haben entweder Gero und seine Söhne mit Erlaubnis des Kaisers der Grafschaft Brene Wappen geführt oder Konrad, Markgraf zu Meißen, hat sich dessen zuerst bedient, wie man denn selbiges auf dem Grabmal seines Sohnes Friedrich auf dem Petersberge abgebildet sieht. Es hat zwar der Hr. Kreis-Steuereinnehmer Wagner in seiner Sammlung ein Siegel Graf Friedrichs mit einem fliegenden Drachen (wahrscheinlich ein Löwe, welcher auf noch vorhandenen Münzen einem fliegenden Drachen gleicht) von 1208 besessen [67], daraus notwendig folgen müsste, dass weder Friedrich noch seine Vorfahren, sondern erst seine Nachkommen sich der 3 Herzen oder Seeblätter bedient hätten. Doch da ich dieses Siegel nicht gesehen [habe], kann ich auch nicht urteilen, ob es ein Gräfl. Brehnisches und ob es Friedrich II. zuzuschreiben ist. So unterschieden nun die Meinungen der Geschichtsschreiber in Ansehung des Ursprungs sind, so verschieden sind sie in Bestimmung der in dem Wappen befindlichen Zeichen [68]. Einige halten es für 3 rote Schröterhörner oder halbe Zirkel mit weiß gewinkelt [69], andere für 3 rote Herzen [70], und noch andere für 3 Seeblätter. Die erste Meinung ist ohne Beweis, die beiden letzteren aber sind noch streitig. Um beide Meinungen zu vergleichen, könnte man die Zeichen in dem Brenischen Wappen am bequemsten herzförmige Blätter nennen. Ich will die Gründe von beiden Teilen anführen, mich aber dabei gänzlich meines Urteils enthalten. Der verständige Leser mag selbst urteilen, welche Meinung die Rechte sein könnte. Diejenigen, so [= welche] 3 rote Herzen im weißen Felde für das Wappen der Brenischen Grafen ausgeben, berufen sich auf die Münzen der Herzöge und Kurfürsten zu Sachsen aus Askanischem Stamm, auf das Grabmal Rudolphs I. in der Schloßkirche zu Wittenberg, wo die 3 Herzen deutlich zu sehen seien, ingl. auf die Siegel der zur Grafschaft gehörigen Städte, als [und zwar] Brena, Bitterfeld, Liebenwerda, Prettin. Wegen Veränderung des Brenischen Wappens geben sie diesen Grund an, dass durch öftern Gebrauch und durch die Länge der Zeit eine Tiefe in den Siegeln entstanden [sei], die ihnen die Gestalt der Seeblätter gegeben habe. Die von der gegenseitigen Meinung (so [die] behaupten, dass das Brenische Wappen 3 Seeblätter vorstelle) können zur Bestätigung derselben folgende Gründe beibringen: 1.) Die den gräfl. Brenischen Urkunden angehängten Siegel stellen nicht 3 Herzen, sondern Seeblätter vor. 2.) Die Abschreiber beschreiben allemal das Wappen, dass es gewesen [seien] tria folia lacualia, auf deutsch: 3 Seeblätter. 3.) Auf dem Grabmal Graf Friedrichs auf dem Petersberge stehen ausdrücklich 3 Seeblätter [71]. 4.) An dem Kirchturm in Brena ist gegen Abend das Herzogl. Sächs. und Gräfl. Brenische Wappen in Stein gehauen, worauf die 3 Seeblätter recht natürlich abgebildet zu sehen sind. [Dieser Beschreibung ist zu widersprechen. Das dortige Brehnaer Wappen kann durchaus als drei mit den Spitzen zueinander stehende, mit Stielen versehene Herzen angesehen werden.] Ich vermute hieraus, dass dieser Turm unter der Regierung der Herzöge und Kurfürsten zu Sachsen aus Askanischem Stamm gebaut worden [ist]. Es kann sein, dass diese nachmals anstatt der Seeblätter Herzen erwählt haben, wie auf dem Grabmal Rudolphs III. in Wittenberg zu sehen sein sollen [72], und dass auch angeführte Städte dieselben zu ihren Stadtwappen angenommen haben. Doch wegen Brena könnte man auch vermuten, dass E. E. Rats Wappen aus dem alten Klostersiegel entstanden [ist], welches unten im 4. Kapitel beschrieben werden soll.

Das III. Kapitel Von den Grafen von Brene aus Wettinischem Stamm

§. 1. [Einteilung der gräflichen Geschichte] Stammtafel der Grafen von Brena aus Wettinischem Geschlecht

Die Geschichte der Grafen von Brene wird wegen der verschiedenen Besitzer der Grafschaft füglich in 3 Abschnitte abgeteilt. Der erste enthält die Grafen von Brene aus Wettinischem Stamm; der zweite die Kurfürsten zu Sachsen und Grafen von Brene Askanischen Ursprungs; und der dritte die Kurfürsten zu Sachsen aus dem markgräfl. Meißnischen Hause wie auch die postulierten Administratoren des Stifts Merseburg, welchem Brena in der Teilung zugefallen [ist]. In diesem Kapitel soll der erste Abschnitt oder die Geschichte der eigentlichen gräfl.

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1239, Umschrift: THEODERICUS DEI GRATIA COMES DE BRENEN (Theoderich/Dietrich, von Gottes Gnaden, Graf von Brehna); Nr. 3 von 1271: CONRADUS DEI GRATIA COMES DE BRENEN (Konrad, von Gottes Gnaden, Graf von Brehne). Folgende Münzen zeigen des Brehnaer Wappen: Nr. 7- 9, 15, 17; auch 16, 22-25 werden (wegen der Herzen und der drei Punkte) für Brehnische Münzen gehalten.

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S. 12 b der Dresdner Handschrift: (Fortsetzung nummerierte) Siegel und Münzen der Grafschaft Brehna: Nr. 6 von 1288, Umschrift: SIGILLUM OTTONIS DEI GRATIA COMITIS DE BREN (Siegel Ottos, von Gottes Gnaden, Graf von Brehna); Nr. 11 von 1535: SIGILUM CIVITATIS BITTERFELT (Siegel der Stadt Bitterfeld); Nr. 12: Liebenwerda; Nr. 14: FRIDERICUS COMES (Graf Friedrich)

Familie im Zusammenhange und gleichsam mit einem Blickübersehen könne, so will [ich] zuförderst eine Geschlechtstafel [Stammbaum] voraussetzen. Es haben sich zwar in den alten und neuen Zeiten viele bemüht, eine richtige Tabelle zu entwerfen. Die ältern Geschichtsschreiber, die dieses unternommen haben, sind schon in der Vorrede bemerkt worden; hier sind noch einige der neuern anzuzeigen, und zwar Christoph Cellarius in diss: de originibus et successionibus comitum Wettinens. etc. (Halae 1697) [Über den Ursprung und die Nachfolger der Grafen von Wettin usw. Halle 1697]; Joh. Hübner in seinen Genealogischen Tabellen, Nr. 154; Friedr. Zollmann in Stemmate Buzico Saxonico. s. Saxoniae ducum familia, Lips. et Jen. 1721. [Friedr. Zollmann im Stammbaum des Buzico Saxonicus. S{iehe} die Familie der sächsischen Herzöge. Leipzig und Jena 1721.] Joh. Xstoph [= Christoph] v. Dreyhaupt im Saalkreise II. T. S. 786 ff. und ad [bis] S. 789, wo die Stammtafel der Grafen von Wettin und Bren geliefert wird. Doch verdient unter allen diejenige den Vorzug, welche der Hr. Hofrat und Professor Böhme in Leipzig in sein Sächsisches Münzkabinett eingerückt hat, weil sie am vollständigsten ist und mit der Geschichte vollkommenübereinstimmt. Ich habe dieselbe gegenwärtig mit zu Grunde gelegt [73]. [Vgl. auch den Nachtrag zu dieser Köhlerschen Stammtafel!]

Stammtafel der Grafen von Brene aus Wettinischem Geschlecht.

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[Nach dem heutigen Forschungsstand sind einige Korrekturen an dieser Stammtafel vorzunehmen: 1.) Auf Thimo I. {den Älteren}, Graf zu Wettin, folgte zunächst Thimo II. {der Jüngere}, ebenfalls Graf von Wettin (1091-1104), verheiratet mit Ida. Er fehlt in Köhlers Stammtafel. Markgraf Konrad der Große von Meißen war der Sohn Thimos II. und damit der Enkel Thimos I. von Wettin. 2.) Konrad II. in der vorletzten Generation Brehnaer Grafen aus Wettinischem Geschlecht gilt als Konrad I., sein Sohn, den Köhler nicht nummeriert hat, als Konrad II. Der letzte Graf zu Brehna wird inzwischen meist als Otto IV. bezeichnet, während der Magdeburger Domherr aus der Generation vor ihm, also sein Onkel, als Otto III. von Wettin erscheint.]

§. 2. [Gründung]

Das Leben der Grafen von Brene, welche in angeführter Stammtafel kurz entworfen worden [sind], soll nunmehr so, wie es uns die Geschichte an die Hand gibt, etwas weitläufiger ausgeführt werden.

1. Der erste Graf [74] war Gero, ein Sohn Dietrichs II., Graf von Wettin. Dieser errichtete im Jahr 1035 aus den nach seines Vaters Tode geerbten Ländern die Grafschaft Brene und wählte diesen Ort zu seiner Residenz. Im Jahr 1053, d. 29. Sept., war er nebst seinem Bruder Thimo, Graf von Wettin, bei Einweihung des Benediktinerklosters Goseck zugegen und unterschrieb d. 3. Okt. dieses Jahres den Stiftungsbrief. [Für 1035 gibt es keinen Beleg, sondern die Urkunde mit dem Datum 29. Sept. 1053 ist die erste, in der die beiden zusammen mit einem weiteren Bruder„Dedo marchio et fratres eius Gero, Tiemmo, comites de Bren {Markgraf Dedo und seine Brüder, die Grafen Gero und Thimo von Brehna}“ als Zeugen für die Richtigkeit dieser Urkunde genannt werden.] (Goseck, ein in den alten Zeiten sehr berühmtes Kloster, 1 Meile von Freyburg, wird in den Urkunden Gotzeck, Gossecum, quasi angelus Dei secund., Groithchium in descr. Salae, p. 36, ed. Schamel [gleichsam der zweite Engel Gottes, {bei}Groitzsch in der Beschreibung der Saale, S. 36, herausgegeben von Schamel], geschrieben. Man kann davon die annales Goseccenses apud Hofmann in Scriptor. rer. Lusat. [Jahrbücher von Goseck bei Hofmann in den Schriftstellern der Lausitz] T. IV. p. 106 ff. et Maderum in Chron. M. S. [und Maderus in der Petersberger Chronik], ebenso Schamels Historische Beschreibung {Naumb. 1738.4.} nachlesen.) Im Jahr 1071 begab er sich in Begleitung obgedachten Bruders nach Meißen, wo Kaiser Heinrich IV. einen Konvent hielt [75], in welchem er den Herzögen der Polen und Böhmen, Boleslaus und Wratislaus, von ihren Feindseligkeiten abzustehen befahl. In diesem Jahr mag vermutlich unser Gero gestorben sein, weil man nach der Zeit keine Nachricht von ihm findet. Andern alten Nachrichten zufolge soll er sich in den damaligen unruhigen Zeiten in einem geringen Orte an der Elbe niedergelassen haben und also in die Vergessenheit geraten sein [76] ). Seine Gemahlin war nach der Meinung der älteren [Geschichtsschreiber] [77] Bertha, hinterlassene Witwe Poppos von Wippra (dessen Bruder Cuno der Ältere von Wippra gewesen. Fabricius l. c. nennt diesen Cuno virum strenuum et magnificum [einen tätigen und großartigen Mann]. [In der Brehnaer Handschrift folgt hier:] Er starb 1120.), nach den neuern [78] aber eine Gräfin von Groitzsch. Von dieser hinterließ er 3 Söhne und 2 Töchter:

1.) Dietrich, Graf von Brene,

2.) Wilhelm, Graf von Kamburg, war nach Joh. Tylichs Erzählung (in Chron. Misn. ap. Schannat l. c. p. 76) einer von den Stiftern des Klosters zu Naumburg. Er verteidigte mit seinem Bruder die Rechte der Sachsen wider Heinrich IV. und war 1116 verstorben, und Markgraf Konrad, Graf zu Wettin, erbte von ihm. Seine Gemahlin Geva soll nach Angabe des Monach. Gossec. im Kloster Goseck vom bösen Feinde befreit worden sein. S[iehe] Chronic Gossec ap. Hofmann Script. Rer. Lusat. Tom. III. „Coniux Wilhelmi Comitis de Camburch, quae Jene nuncupatur, in crypta nostra Dei genetricis illis clementissime succurente clementia a daemonio juratissime liberatur.“ [Siehe Chronik von Goseck bei Hofmann, Scriptores Rerum Lusatiae {Schriftsteller der Lausitz} Bd. III. „Die Gattin Wilhelms, Graf von Kamburg, die von Jena feierlich benannt wurde, ist in unserer Krypta der Mutter Gottes durch deren äußerst milde und hilfreiche Gnade von einem sehr mächtigen bösen Geist befreit worden“.] Es soll geschehen sein, da Friedrich, Pfalzgraf von Sachsen, nachmaliger Bischof zu Naumburg, Abt zu Goseck war; also zwischen 1062-1088.

3.) Günther wurde 1079 von Erzbischof Hartwig zu Magdeburg [79] zum Bischof in Naumburg ordiniert und verwaltete dieses Amt bis 1088, da er ohne Zweifel gestorben [ist] [80]. (Verschiedene Neuere geben irrig 1093 für s. Todesjahr an, z. B. Groitsch in Descript. Salae, p. 31. ed. Schamel [Groitzsch in Beschreibung der Saale, S. 31, ed. [ediert = hrsg. von Schamel].)

4.) Willa war gegen das Ende des elften Jahrhunderts Äbtissin in Gerbstädt [81].

5.) Theberga, Priorin im Kloster Gernrode.

§. 3.Dietrich (1071-1106)

Dietrich, Graf von Brena von 1071-1106 (der Graf von Bren war 1099 bei den Reiterspielen, die Herzog Rudolph zu Gotunchen anstellte, [ ... ]), des vorigen erstgeborener Sohn. Im Jahr 1076 half er mit s. Bruder Wilhelm, Markgrafen zu Sachsen, dem Landgrafen zu Thüringen Ekbert II., die Böhmen aus dem Lande vertreiben, deren sich der König Heinr. IV. bediente, Meißen zu verwüsten und zu plündern. Wider gedachten Heinrich IV. hatten sich die Sachsen empört. Er setzte Statthalterüber sie, mit einer starken Befestigung, durch welche sie sehr hart und grausam behandelt wurden. Dietrich und Wilhelm, die in den damals unruhigen Zeitenüber die Elbe geflüchtet waren, bekriegten die königlichen Statthalter in Verbindung mit andern Grafen und zogen mit großer Beuteüber die Elbe zurück [82]. Dietrich starb 1106 ohne Erben, und seine Grafschaft fiel auf Konrad, seines Vaters Geronis Bruders Sohn [Sohn des Bruders seines Vaters Gero] [83]. Nach einigen ist sein Tod 1079, nach andern 1089 erfolgt, und da soll sein Bruder Wilhelm die Grafschaft erhalten haben, nach dessen Tode sie erst Konrad, oder nach Benjam. Leubers Meinung [84] Dedo, und dann erst Konrad zuteil geworden sei. Alle behaupten dieses ohne Grund. Vielleicht haben Wilhelm und Dietrich eine Zeitlang gemeinschaftlich regiert; es kann auch sein, dass ersterer nach Gewohnheit der damaligen Zeiten den gräfl. Titel angenommen [hat], so wie auch Thimo und Dedo taten, obgleich sie keinen Anteil an der Grafschaft gehabt [haben].

§. 4.Konrad (der Große von Meißen, 1106-1156)

3. Konrad [85], Graf von Brene von 1106 bis 1156, führte die Beinamen eines Großen, Reichen und Frommen, weil er in den damaligen Zeiten der Mächtigste unter allen Fürsten war und weil er wegen seiner Frömmigkeit (indem er das Kloster auf dem Petersberg vollendet und 2 Kreuzzüge ins gelobte Land getan hatte) in großem Ansehen stand. Er war, wie aus seinem Sterbejahr erhellt, 1098 geboren; Thiemo, Graf in Wettin, ein Bruder des Grafen Gero in Brehna, war sein Vater [Richtigstellung vgl. Anm. 83]. Im Jahr 1106 erbte er nach dem Tode seines Vetters Graf Dietrich die Grafschaft Brene [86], 1124 die Grafschaft Wettin, 1127 nach dem Tode Heinrichs [87] das Markgraftum Meißen (Vid. Chron. M. S. p. 175), und 1143 schenkte ihm Kaiser Konrad III. die Grafschaft Rochlitz [88]. Im Jahr 1124 setzte er den Bau des Klosters zu Petersberg fort (welches Dedo, sein Bruder, in eben dem Jahre zu bauen angefangen hatte, aber darüber verstorben war) und eignete diesem Kloster viele Güter zu [89]. Selbst seine Gemahlin, die ihn hauptsächlich zu diesem Bau angetrieben [hatte], schenkte dazu 42 Hufen Landes, die sie aus ihren eigenen Mitteln erkauft hatte. Im Jahr 1133 und 1145 begab sich unser Konrad in das gelobte Land und stritt als oberster Feldhauptmann der Christen wider die Sarazenen. Er vermachte daselbst 1145 dem Hospital zu Jerusalem 2 Mark Silbers auf immer, dafür sie ihn und seine Familie in ihre Brüderschaft aufnehmen sollten. Zwei darüber ausgestellte Urkunden vid. ap. Menk I. p. 795. Hier wurde der 5 Kinder seiner Gemahlin Lucardis in folgender Ordnung gedacht: Otto, Theodericus, Henricus, Dedo, Fridericus. Vor seinem Ende berief er im Jahr 1156 den Erzbischof Wichmann zu Magdeburg, den Markgrafen Albrecht zu Brandenburg, alle seine Söhne, viele geistl. und weltl. Personen und seine Hofbedienten in das Kloster des Petersberges [90]: Hier bestätigte er zuvörderst alle Besitzungen dieses Klosters [91] (welche in 182 Hufen Landes bestanden), setzte seinen ältesten Sohn zum Schutzherrn desselben und verordnete zugleich, dass seine Söhne und Hofbedienten ihre Ruhestätte daselbst haben sollten [92]. Hierauf machte er eine richtige Einteilung seiner Länder unter seine 5 Söhne, damit nicht etwa nach seinem Tode Streit entstehen möchte. Der älteste Otto erhielt das Markgraftum Meißen; Theodericus das Markgraftum Lausitz; Dedo die Grafschaft Rochlitz; Heinrich die Grafsch. Wettin und Friedrich die Grafschaft Brene. Nachdem dieses geschehen, ließ er sich noch an dem Tage (es war der 30. Nov.) vom Erzbischof Wichmann in die Zahl der Klosterbrüder aufnehmen und lebte bis an sein Ende im Petersbergischen Kloster, welches bald darauf, 1157 [93] d. 5. Febr, im 59. Jahre seines Alters folgte [94]. Die Aufschrift seines Monuments in dortiger Klosterkirche ist folgende: Conrad der Hochgebohrne Fürst und Herr, Marggrave zu Meißen und zur Lausitz, ein Stiftherr unsers Klosters, leit hie begraben. Verschieden Anno M.C.L.VII an D. Agatha Tag, seines Alters im LIX. Jahre. Seine Gemahlin war Luitgardis (Lukardis), Albrechts Graf in Schwaben Prinzessin Tochter, welche er schon 1119 (in seinem 21. Lebensjahre) gehabt und mit ihr 12 Kinder erzeugt [hat] [95]. Sie starb 1146 d. 19. Juni und zwar nach einigen (Monimenta Landgr. Thur. L. c. p. [Akten der Landgrafen von Thüringen, a.a.O. S.] 837) aus Gram wegen des zweiten Feldzugs ihres Gemahls wider die Sarazenen; nach andern [96] aus Alteration [Verärgerung]über den Propst des Petersberges Meinerus. Das Petersbergische Chronikon und die Altzellischen Jahrbücher erzählen die Sache also:

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Dresdner Handschrift, S. 18

Lukardis sei 1146 auf den Petersberg gekommen und habe den Propst Meinher um etwas gebeten, das er ihr aber abgeschlagen [habe]. Darauf habe sie sich voller Unmut nach Gerbstädt begeben, sei daselbst in eine Verzehrung gefallen und daran am 19. Juni gestorben. Man habe sie auf Graf Hoiers von Mansfeld Rat in dieses Kloster beerdigt. Als Konrad von seinem Feldzug zurückgekommen [sei], habe er dieses sehrübel aufgenommen und dem Graf Hoyer ewige Ungnade zugeschworen, wenn er ihm nicht den Körper seiner Gemahlin wieder verschaffte. Dieser habe sich hierauf mit den Seinigen des Nachts vor Gerbstädt begeben, und nachdem er die Wächter bestochen hatte, den Körper glücklich erhalten, da er ihn denn zu Konrad nach Wettin gebracht [hat], der ihn auf den Petersberg begraben lassen [hat], allwo man folgende Grabschrift liest: „Frau Lukardis ein ehlich Gemahl Marggrav Conrads unsers Stiftherrns, geborene von Schwaben leit hie begraben. Verschieden Anno Dom. M.C.XLVI [anno domini = im Jahre des Herrn 1146] am Tage Gervasii und Protasii“ [97]. Die mit ihr erzeugten Kinder waren 6 Söhne und 6 Töchter, und zwar :

1.) Heinrich starb jung.

2.) Otto, Markgraf zu Meißen, stiftete 1175 das Kloster Altzelle des Zisterzienserordens. Er starb am 12. März 1189 und liegt mit seiner Gemahlin Hedwig, einer Tochter Albrechts, Markgrafen zu Brandenburg, im gedachten Kloster begraben [98].

3.) Dietrich, Markgraf zu Lausitz und im Osterland, der Stifter des Zisterzienserklosters in Dobrilug [heute Doberlug-Kirchhain], baute noch vor 1180 die Burg Landsberg [99] und starb 1184 am 9. Febr. Seine Gemahlin war Dobergena oder nach andern Lukardis, Tochter Mesicos, Herzogs in Polen. Sein Sohn Konrad blieb 1175 im Turnier zu Wien. Diese kriegerischen Spiele und Wettkämpfe kosteten im Mittelalter mehreren Edlen das Leben. In einem Turnier, das am Pfingstfest 1240 zu Nuis in der Gegend von Köln gehalten wurde, blieben 60-80 Ritter und Knappen aus den vornehmsten adligen Häusern. Die Päpste, die diese Spiele für verachtungswürdige teuflische Belustigungen ansahen, verweigerten den getöteten Rittern als Ausgebannten ein ehrliches Begräbnis. Auf der lateranischen Kirchenversammlung 1176 machte man einen förmlichen Schluss wider dieses Unwesen, tat die Turniere in den Bann und erklärte sie der Seligkeit verlustig. Siehe Kurze Geschichte der Turniere in dem Göttinger Historischen Magazin von Priemens und Schöttler B 4. (Hannover 1789 gr. 8) S. 635 - 693. - Dietrichs Tochter Gertraud wurde eine Klosterjungfrau zu Gerbstädt.

4.) Heinrich, vid. Nr. 5 [100].

5.) Dedo mit dem Beinamen Pinguis oder der Feiste, anfangs Graf zu Rochlitz und Groitzsch und nach seines Bruders Dietrich Tode Markgraf im Osterland, stiftete 1184 das Kloster Schillen [101] bei Rochlitz des Ordens geregelter Domherren nach der Regel Augustini (die Urkunde von ihm, ohne Jahr, in welcher er sichüberhaupt nur Comes nennt, in Ludw. II. p. 364) und wurde bei seinem am 15. August 1190 erfolgten Ableben in selbiges beerdigt. Von seinen Söhnen sind besonders Dietrich und Konrad zu bemerken: Ersterer war anfangs Propst zu Magdeburg, hernach Pfalzgraf zu Sachsen, Graf zu Sommerschenburg und Groitzsch, und letzterer Markgraf im Osterlande und zu Landsberg, starb 1210 [102].

5.) Heinrich Graf zu Wettin ist 1181 am 29. August verschieden. Sein Sohn und Nachfolger in der Grafschaft Ulrich starb 1206, und dessen Sohn Heinrich, der letzte Graf von Wettin, 1217 (Vid. Annales V. Cell. ap. Menk l. c. p. 398).

6.) Friedrich Graf von Brehna, von dem im folgenden §. gehandelt wird.

7.) Oda, erst Klosterjungfrau, hernach Äbtissin in Gerbstädt, lebte 1137.

8.) Bertha ist eben dieses gewesen.

9.) Agnes, 1184 Äbtissin in Quedlinburg, starb 1203 [103] und liegt in der Servatiuskirche begraben, wo ehemals folgende Grabschrift auf sie zu sehen gewesen ist: Spiritus Agnetis teneat loca tuta quietis;

Nil perhorrescat, placida sed morte quiescat.

[Der Geist der Agnes möge stillüber dem sicheren Ort walten, Nichts möge erzittern, sanft aber möge der Tod Frieden haben.]

10.) Gertraud war mit Hermann, Pfalzgrafen am Rhein, vermählt. Nach dessen Tode stiftete sie 1155 zu Ehren des heil. Theodor ein Jungfrauenkloster zu Bamberg und lebte in selbigem bis an ihr Ende, welches im Jahr 1177 erfolgte [104].

11.) Adela oder Adelheid, König Suenos in Dänemark, und nachdem dieser von seinen Untertanen umgebracht worden [war], Albrechts, Markgrafen zu Brandenburg, Gemahlin. Sophia verehelichte sich mit Gebhard, Graf in Bayern.

§. 5.Friedrich (1157-81)

Friedrich [105], seines Vaters Konrad Nachfolger in der Grafschaft Brene, besaß dieselbe 24 Jahre von 1157 bis 1181. Ich will dasjenige, was man in der Geschichte und in Urkunden von ihm findet, der Zeitrechnung nach hersetzen. Man findet ihn zuerst 1165, da er als Zeuge eine Urkunde bestätigt, in welcher K[aiser] Friedrich der Kirche zu Meißen das Dorf Prester im Pagus Milzane zu eigen gab (Dipl. dat. [Diplom ausgestellt in] Altlaberg, 26. Februar, in Heinrich von Bunau Leben Kaiser Friedrichs I., 3. Jahrgang, S. 427). War 1173 Zeuge, als Kaiser Friedrich die Besitzungen des Klosters Klösterlein bestätigte [106]. 1170 Zeuge in einer Urkunde Bischof Udos zu Naumburgüber die dem Kloster Bosauüberlassenen Dörfer Provien und Schiltbach. Er folgt auf Heinrich, Graf zu Wettin, und ist der letzte unter den fürstlichen Personen. Im Jahr 1173 kam Walrad von Groitzsch mit einigen Soldaten vor Spören und plünderte dieses Dorf. Unser Graf ging ihm mit Konrad, Sohn Markgraf Dietrichs im Osterland, entgegen, nötigte ihn zu fliehen und nahm viele von den Seinigen gefangen. Dieses geschah am 15. Jan. 1173 [107]. Gedachter Konrad wurde im Jahr 1175 d. 18. Nov. (wie schon oben gemeldet worden [war]) im Turnier zu Wien erstochen [108]. Erzbischof Wichmann schloss ihn von der Kirchengemeinschaft aus und versagte ihm ein ehrliches Begräbnis. Als das Jahr darauf der Erzbischof mit vielen Geistlichen einen Konvent zu Halle anstellte, begaben sich sein Vater Dietrich und dessen Brüder Otto, Dedo, Heinrich und unser Friedrich mit vielen Adligen und Hofbedienten dahin, fielen insgesamt dem Erzbischof und der anwesenden Geistlichkeit vor die Füße und baten sehr kläglich, dass man ihnen das Begräbnis erlauben möchte, schworen auch dabei, sich nebst ihren Hofbedienten künftig von Turnieren gänzlich zu enthalten. Diese Verehrung mochte dem Erzbischof gefallen, er ließ sich erbitten und gestattete ihnen mit Genehmigung des Papstes den Toten zu begraben, welches auch d. 15. Jan. 1176 geschah [109]. Bei seinem Leichenbegängnis in der Petersberger Klosterkirche war Friedrich mit seinen Brüdern und der Erzbischof Wichmann von Magdeburg zugegen. Nach der Bestattungübergab Graf Friedrich dem Propst Günther im Kloster Gottesgnaden 60 Hufen nach Flandrischem Ackermaß [vgl. Anm. 221!] an der Elbe gelegen, die der Konvent von ihm gekauft hatte. (Das Verkaufsdiplom ohne Jahr in Ludw. Rel. Ms. XI. p. 543.) Sein Bruder Dietrich, Markgraf von der Lausitz, bestätigte dem Kloster den Besitz dieser Länder in einer 1177 ausgestellten Urkunde (Schoettgen S. R. T. III. p. 393).

Im Jahr 1179 unterschrieb unser Graf einen Brief Kaiser Friedrichs I., worin dieser das Stift Brandenburg in Schutz genommen [hat] [110]. Im folgenden 1180. Jahre wird er als Zeuge in einem Brief angeführt, welchen gedachter Kaiser dem Kloster Pfortaüber einen Wald bei Rinna und eine Wiese bei Lepitz ausgestellt [hatte] [111]. In diesem 1180. Jahr kommt er auch in einem Freiheitsbrief, welchen Kaiser Friedrich dem Kloster Pforte gegeben hat, als Zeuge vor [112]. Und dieses ist das letzte Mal, dass unser Graf in den Urkunden erwähnt wird. Sonst hat er verschiedene Händel mit dem Kloster des Petersberges gehabt. Demselben verkaufte er 14 Hufen Landes in Niendorf (s. Brotufs Beschreibung des Petersberges S. 50). Der Propst dieses Klosters, Eckhard, versetzte an ihn das Dorf Nochtendorf für 100 Mark gekaufter, aber noch nicht bezahlter Güter; unser Graf war eben so viel seinem Bruder Otto, Markgraf zu Meißen, schuldig,überließ ihm also das Dorf, welcher es dem Kloster Petersberg wiedergab (l. c. p. 75). Neuere Geschichtsschreiber [113] berichten, unser Graf habe im Jahr 1192 das Kloster Buch oder Buchau (bei Leisnig) an der Zschope gestiftet. Wie stimmt aber dieses mit der Geschichteüberein? Damals war ja Friedrich nicht mehr am Leben. Thamm in seiner Colditzer Chronik [114], dem hierin mehr zu trauen ist, gibt den Burggrafen Heinrich zu Leisnig und seine Gemahlin Clara für die Stifter dieses Klosters aus. Andere, ebenfalls neuere [115], wollenüberdies behaupten, er habe wegen seiner Verdienste die Ehre eines Vizedominus am Erzbischöflichen Hofe zu Magdeburg erlangt. Dass er aber dieses nicht könne gewesen sein, weil Robert und Gero zu s. Zeit dieses Amt verwaltet haben, hat Lenz (in seiner Stifts- und Landes Historie von Magdeburg S. 190) deutlich bewiesen. Die Gemahlin unsers Friedrichs [116] ist Hedwig gewesen, Tochter Theobalds oder Dippolds, eines Böhmischen Fürsten. Dieser besaß einen Strich Landes in Böhmen, wo sein ältester Bruder Herzog war. Er stand bei K[aiser] Friedrich I. in großem Ansehen, begleitete ihn auf seinen italien. Feldzügen und starb in Italien an einer 1167 unter der kaiserl. Armee herrschenden Seuche. S. von ihm und s. Familie Gelas. Dobners historische Nachricht von dem herzogl. Geschlecht der böhmischen Theobalde, in den Abhandlungen der böhm. Gesellsch. der Wissensch. auf das Jahr 1187 oder dritter Teil (Prag u. Dresd. bei Walther 1788.4.), wo auf S. 12 der Vermählung Hedwigs mit Friedrich I. gedacht wird. Zur nähernübersicht dieser Familie diene folgender Entwurf.

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Nach Friedrichs Tode hat sie das Kloster zu Brehna gestiftet und in selbigem bis an ihr Ende gelebt. Sie starb d. 22. Febr. 1210 [wieder der Fehler wegen des anderen Jahresbeginns, richtig ist: 1211] und liegt in der Kirche zu Brehna begraben [117]. Man erzählt von ihr [118], dass sie, als sie einst am Fieber gelegen habe, dem heiligen Lambert [119] ein Gelübde getan habe, und nachdem sie wieder hergestellt war, sei sie zu dem Grabmal desselben gereist und habe ihm nebst Gott dafür gedankt. Unser Friedrich hinterließ von ihr 2 Söhne, Otto u. Friedrich [120], und eine Tochter Sophia. Diese war von 1203 Äbtissin des Augustinerklosters in Quedlinburg, wurde aber 1224 wegen vieler begangenen Verbrechen [121] (Widersetzlichkeit gegen den Bischof zu Halberstadt, unnötige Streitigkeiten mit dem Kapitel, Strenge gegen die Bürger und verdächtigen Umgang mit dem Abt Gernot zu Nienburg [ ... ], wessen man sie beschuldigte) abgesetzt, so dass sie nie wieder zu einer solchen Würde gelangen sollte. Graf Hoyer von Falkenstein erbte 1222 Quedlinburg. Nun erzählt diese Sophia eine Vermutung, und der Verdacht war nicht ganz unbegründet. Sie habe zwar auch Streit mit dem Bischof Konrad von Halberstadt. Man gab ihr auch Schuld, dass sie die Bürger zu hart behandelt hätte. Andere glauben, aus Missgunst habe man es dahin gebracht, dass sie zu Nordhausen ihrer Würden entsetzt wurde. Graf Hoyer von Falkenstein und Graf Heinrich von Anhalt trugen das meiste zu ihrer Absetzung bei. Viele, besonders Otto [122], Dompropst zu Magdeburg, bemühten sich, sie wieder in ihr voriges Amt einzusetzen, und es gelang ihnen auch durch Vermittlung des päpstl. Legaten, der einen Vergleich zwischen ihr und dem Kapitel traf [123]. Denn im folgenden 1225. Jahre wurde sie wieder aufgenommen und der neuerwählten Bertrade, Schwester des Bischofs zu Halberstadt, anderweitige Genugtuung verschafft. Ihre Verleumder wurden bestraft und ihr vorzügl. Feind Heinrich, Graf von Anhalt, vom Erzbischof Albrecht zu Magdeburg in den Bann getan. Ihr Todesjahr ist unbekannt. Was endlich den Tod unsers Grafen betrifft, so setzen ihn einige [124] in das Jahr 1181, andere [125] 1186. Jene berufen sich auf das Petersbergische Chronikon, auf die Altzellischen Jahrbücher und auf Tylichs Meißnisches Geschichtsbuch (S. 77), welche in Ansehung des Jahres einig, in Ansehung des Tages aber streitig sind. Diese, welche sich auf das Petersbergische Monument berufen, haben sonst keinen Grund. Erstere Meinung behält allerdings den Vorzug, weil sie dreifachen Beweis alter und bewährter Geschichtsschreiber für sich hat, auch, wenn man die Sache genau untersucht, mit dem Petersbergischen Monument gar wohlübereinstimmt. Denn, wie ich schon oben bemerkt habe, sind 1565 die alten Epithaphia bei entstandener Feuersbrunst zerschmolzen und 1567 steinerne gesetzt worden. Die neuere Aufschrift auf Graf Friedrichs Monument hat zwar das Jahr 1186 als das Sterbejahr desselben angegeben; allein die ältere setzt 1181. Ich will zum Beweis beide hersetzen: Die ältere lautet also: „Friedrich, Grav zu Brene, ein Sohn unsers Stiftherrns Marggrav Conrads leit hie begraben, Verschieden Anno Dom. M.C.LXXXI. am VIII. Tage der unschuldigen Kindlein, und ist ein Mitstifter des Klosters Doberlugk“ [126]. Die neuere beim v. Dreyhaupt [127] ist folgende: „Friedrich, Grav zu Bren, ein Sohn Marggrav Conrads liegt hie begraben, Verschieden 1186. am Tage innocentum [der Unschuld].“ Hieraus sieht man, dass aus einem Versehen die Jahreszahl 1186 auf das neuere Monument gekommen und die ältere die richtige [ist]. Es ist also unser Friedrich 1181 den 4. Jan. gestorben, in einem Alter von ungefähr 56 Jahren. [Wie in Anmerkung 91 erläutert, war es der 4. Januar 1182. Da er nach Posse, Anm. 73, zwischen 1142 und 1145 geboren wurde, stimmt auch die Altersangabe nicht.]

§. 6. Otto I. (1181-1203)

Otto I., der älteste Sohn Friedrichs I., regierte mit seinem Bruder Friedrich II. von 1181 bis 1203, 22 Jahre gemeinschaftlich, stiftete nebst seiner Mutter Hedwig das Kloster zu Brene und warüberhaupt damals wegen seiner Tapferkeit sehr berühmt. Folgendes erzählt uns das Petersbergische Chronikon von ihm [128]: Guido, des Papsts Innocentius III. nuncius Cardinalis und Pränestinischer Bischof, wollte ihn mit Gewalt auf die Seite des Gegenkaisers Otto ziehen, allein er nahm die Partei des Erzbischofs Ludolph von Magdeburg und hielt es mit dem Kaiser Philipp. Guido sammelte daher einige Mannschaft aus Böhmen und Thüringen, fiel in die Länder des Erzbischofs zu Magdeburg ein und lagerte sich zwischen Merseburg und Halle. Von hier aus streiften sie bis an die Burg Zörbig, und er plünderte und verwüstete 9 Wochen lang die ganze umherliegende Gegend und schonte auch die Kirchen und Klöster nicht. Alles fürchtete sich vor ihm, so dass sich viele nicht einmal in Magdeburg sicher trauten, sondern mit Weib und Kindernüber die Elbe zogen. Als einst ein Teil von seinen Leuten die Gegend um die Fuhne [129] herum zu plündern gekommen waren, ging ihnen unser Graf Otto mit wenig Bewaffneten entgegen, griff sie bei dem Schlosse Landsberg so mutig und beherzt an, dass 400 gleich auf der Stelle blieben, dieübrigen aber flüchtig werden mussten. [Dieübersetzung „Chronik vom Petersberg“ von Wolfgang Kirsch, Halle 1996, S. 87, schreibt das etwas anders: „Derselbe Legat versuchte mit vielen Drohbriefen, Erzbischof Ludolf von Magdeburg auf die Seite Ottos hinüberzuziehen; weil er das aber nicht vermochte, rief er ein Heer von Böhmen, Thüringern und anderen Helfern des Königs herbei, um den Bischof niederzuzwingen. Sie kamen und lagerten im Gebiet zwischen den Städten Merseburg und Halle. Neun Wochen lang verwüsteten sie die ganze Gegend Als aber eines Tages ein Teil von ihnen die Fuhneüberschritten hatten, um Beute zu machen, trat ihnen auf dem Rückmarsch Graf Otto von Brehna mit einigen bewaffneten Gefährten im Grenzgebiet der Burg Landsberg entgegen ...; die anderen wurden in die Flucht geschlagen.“] Nach einer alten Lüneburg. Chronik ap. Eccard, Corpus Script. med. aevi, [Sammlung von Schriften des Mittelalters] nahm Graf Ulrich von Wettin an diesem Feldzug teil. Beide, Otto (der hier irrig Graf von Bremen genannt wird) und Ulrich, trafen, wie hier gesagt wird, bei Zörbig auf die Böhmen und erschlugenüber 300 Mann. Die Böhmen kehrten dann in ihr Land zurück. Der päpstliche Legat Guido kehrte unverrichteter Sache nach Köln zurück und tat den Magdeburgischen Erzbischof in den Bann. Dieses geschah 1203. Noch zuvor traf unser Graf mit dem Propst des Petersberges, Walter, einen Tausch: Er gab ihm nämlich das Dorf Glebitzsch [130] für das Dorf Tornitz bei Niemeck, welches Heinrich, Graf von Wettin, 1187 vor s. Tode gedachtem Kloster zugeeignet hatte [131]. Graf Otto starb im Jahre 1203 d. 23. Dez. (male 1210, uti Gabr. Bucelinus in German. sacra [fälschlich 1210, wie Gabr. Bucelinus mitteilt] T. II. p. 17) und wurde von seiner Mutter Hedwig in die Kirche zu Brehna begraben [132]. Man findet nicht, dass er sich vermählt gehabt [hätte], sondern nur dieses, dass er in seiner Jugend gestorben ist. Er mochte, wenn man nachrechnet, ungefähr 30 Jahre alt sein.

§. 7.Friedrich II. (1181-1203/21)

6. Friedrich II. [133] regierte von 1181-1203 mit seinem Bruder Otto und von der Zeit bis 1221 allein, zusammen 40 Jahre. Er vermählte sich im Jahr 1186 mit Jutta od. Judith [134], Tochter Friedrichs, Graf von Zigenhain [135], mit welcher er 2 Söhne und 3 Töchter gezeugt hat. Diese waren: Otto u. Dietrich, Grafen von Brena, Hedwig und Eugenia [136] wählten den geistl. Stand, Lukardes (in Urkunden Lukardis od. Lynkardis) trat 1220 in den Orden der Klosterjungfrauen zu Brena (Vid. Diplom. [Nr. 2]). Seine zweite Gemahlin soll Agnes aus dem Hause Brandenburg gewesen sein. Das Petersbergische Chronikon und andere alte Jahrbücher verschweigen dieselbe; allein bei den Neuern findet man sie. Es ist möglich, dass diese Agnes seine zweite Gemahlin gewesen ist. Die alten Chroniken gedenken ihrer um deswillen nicht, weil unser Friedrich bald darauf gestorben ist und sie sich vermutl. anderweitig vermählt hat. Von ihr erzählen zwei Gmelium Ritters [Älteste] Meißn. Geschichte S. 322. Er muß sich 1220 mit ihr vermählt haben. Heinrich, Dompropst zu Magdeburg, soll von ihr entsprossen sein. Zuerst wird unser Friedrich als Graf von Brena im Jahr 1190 erwähnt, da er einen Brief Graf Dietrichs von Sommerschenburg als Zeuge unterschrieben hat, in welchem dieser dem Kloster Altzelle mit Willen seiner Erben (unter welchen auch unser Graf war) das Dorf Altranstädt für 300 Mark Silbers verkaufte [137]. In dem Bittschreiben, welches mehrere Reichsstädte 1199 an Papst Innocentius III., die Krönung König Philipps betreffend, ergehen ließen, werden auch die Grafen von Bren und Wettin genannt (Lünigs Reichsarchiv T. 4. S. 1519). Im Jahr 1207 kaufte der Propst des Petersberges, Rudolph, 24 Hufen im Dorfe Niendorf von ihm: Der Graf schenkteüberdies diesem Kloster die Kirche des Dorfes mit 4 dazugehörigen Hufen, welche nach dem Tode des Domherrn Hartwich zu Merseburg ein Eigentum des Klosters sein sollte. Das Chronicon Mont. Ser. p. 224. erzählt dieses und setzt hinzu: Dieser Kauf war zwar dem Kloster schwer geworden, doch habe er großen Nutzen geschafft, denn seit der Zeit hätten die Brüder besseres Brot und Bier erhalten. Im Jahr 1208 war er nebst Konrad, Markgraf im Osterlande, bei der Wahl des Johannes, Propst des Petersberges, zugegen (Vid. Chron. M. S. p. 225). Im folgenden Jahr 1209 forderte er einige Güter in Lubarisdorf (Löbesdorf) vom gedachten Propst Johannes zurück wegen des Streites, den er um die Kirche zu Niendorf gehabt [hatte], und gab vor, sie gehörten zu seinem Eigentum und wären ohne seinen Willen verkauft worden. Der Propst gab ihm 50 Mark dafür und kaufte nochüberdies 3 Hufen Landes für 70 Mark, zahlte auch einen Teil Geldes, welches der Propst Rudolph für das Dorf Niendorf schuldig geblieben war (Vid. Chron. M. S. p. 234). In eben dem Jahre schenkte unser Friedrich das Kloster zu Brene mit allem Zubehör seiner Schwester Sophia und unterwarf es dem Quedlinburgischen Kloster. Diese Schenkung bestätigte der Erzbischof Albrecht von Magdeburg (Vid. Diplomat. Bren. Nr. 1.). Im Jahr 1214, d. 27. Nov., verkaufte unser Graf mit Willen seines Vetters, des Markgrafen Dietrich, den deutschen Rittern einen Hof zu Wolfshain für 400 Mark [138]. Graf Friedrich schlichtete 1216 nebst dem Erzbischof Albrecht zu Magdeb. und Bischof Eckhard zu Merseburg die weit ausstehende Streitigkeit zwischen Markgraf Dietrich zu Meißen und der Stadt Leipzig. Der Vergleich ist 1216 d. 13. Kal. Aug. [20. Juli] unterzeichnet, steht in Schneiders Leipziger Chronik. S. 408 ff. Unter den anwesenden Zeugen stehen viele gräfl. Hofbediente, auch zwei

Kastellane von Wettin. Im Jahr 1217 bot ihm Propst Dietrich auf dem Petersberge die 24 Hufen in Niendorf wieder an, welche Propst Rudolph von ihm gekauft hatte, so dass er ihm 200 Mark bares Geld geben und dasübrige an Gütern ersetzen sollte, was auch vermutlich geschehen ist (Vid. Chron. M. S. p. 250.). In eben dem Jahr tauschte unser Graf mit dem Kloster Dobrilug und gab selbigem für das Dorf Zisau 12 Hufen in Kukuxdorf und 7 ½ Hufen zu Münchsdorf, verkaufte ihm auch die Dörfer Friedrichsdorf, Kamenitz und Falkenberg [139]. Dieses Jahr 1217 war für unsere Grafschaft sehr merkwürdig und vorteilhaft: Denn in selbigem starb Heinrich, letzter Graf v. Wettin, am 24. März und wurde auf dem Petersberg begraben. Unser Friedrich war der nächste Erbe zu dieser Grafschaft und erhielt sie auch, nachdem er einen Vergleich mit dem Markgrafen Dietrich zu Meißen getroffen [hatte] (man sehe das Petersbergische Chronikon S. 50 f, ebenso in Hofmann, Scriptor. Lusat. IV p. 169). Einige dazugehörige Güter, z. B. Schloß Püchau bei Eilenburg mit dem umliegenden Gebiet, mußte er vom Bischof von Meißen zu Lehen nehmen ( S. supra [Vgl. oben] Kap. II. §. 5 im 1. T.). Nach der Zeit haben sie unsere Grafen bis 1290 ungehindert und ruhig besessen. 1219 bestätigte Friedrich als Zeuge die von Markgraf Dietrich zu Meißen vollzogene Stiftung des Klosters Eisenberg (Dipl. ap. Horn. Henric. illustr. p. 333. [Diplom bei Horn: Der berühmte Heinrich S. 333]. Er steht unter den weltlichen Zeugen oben an. Auf ihn folgt Meinher, Burggraf zu Meißen).

Nunmehr kommen wir auf die letzten Zeiten unsers Friedrichs: Ungefähr 1220 begab er sich mit Kaiser Friedrich II. ins gelobte Land, um dasselbe wider die ungläubigen Sarazenen zu beschützen, wurde daselbst krank (Neuere geben vor, er wäre vor Ptolomais verwundet worden), trat kurz vor seinem Ende in den Orden der Tempelherren [140] und starb 1221 am Tage Gallus (d. 15. Okt.) in der ehemaligen berühmten Stadt Ptolomais (Vid. Chron. M. S. p. 265; Annal. V. C. p. 399), welche nachmals Akaron [141] genannt wurde. 1221 im Mon. April [war er noch] Zeuge, als Kaiser Friedrich II. dem deutschen Ritterorden alle bisher erhaltenen Privilegien, Rechte und Besitzungen bestätigte. Datum Tarenti [Gegeben zu Tarent]. Er folgt auf die Herzöge und steht unter den Grafen oben an: Fridericus Comes de Brenen [Friedrich, Graf von Brehna]. Vid. Diplom. Ludw. Rel. Ms. Bd. VI p. 46.

§. 8.Otto II. (1221-1234)

Otto II., Graf v. Brene, Friedrichs II. erstgeborener Sohn, regierte von 1221 bis 1234 mit seinem Bruder Dietrich gemeinschaftlich. Er war Advokat oder Schutzherr des Klosters auf dem Petersberg (Vid. Chron. M. S. p. 278.) und bestätigte 1220 nebst seinem Bruder dem Kloster Brene verschiedene Güter, die sie ihrer Schwester Lukardis mitgegeben hatten [vgl. Anm. 35]. 1222 war er mit s. Bruder Dietrich auf dem Landtage (placito provinciali) zu Delitzsch, den Landgraf Ludwig von Thüringen hielt. Sie erneuerten hier unter anderem die Belehnung einiger Güter, die zur ererbten Grafschaft Wettin gehörten und die sie vom Bischof und Domstift zu Meißen zu Lehen trugen. Die dabei beobachteten Zeremonien und Feierlichkeiten s. in Schöttgens Inventar. Diplomat. Histor. Saxon. Super. Halae [Historische Urkundensammlung von Obersachsen. Halle] 1747. [ ... ] Beide Grafen eigneten auf diesem Landtag von neuem die ihrem Vater vom Bischof in Lehn zu Püchen gehörigen Güter dem Bischof und der Stiftskirche zu und erkannten also hiermit in Absicht auf diese Güter den meißnischen Bischof für ihren Lehnherrn. Es waren: Greiz mit 12 Hufen, Kusiz mit 32 Hufen, Cozele mit 14 Hufen, Lobeln mit 12 Hufen, Seliem mit 15 Hufen und 2 Wäldern, Friedrichsdorf mit 7 Hufen, Cesne mit 7 und Hungersdorf mit 15 Hufen. Landgraf Ludwigs Konfirmationsbrief dat. Delitz MCCXXII. 5 Id. Jun. [9. Juni 1222] ist noch vorhanden und von 32 Grafen und Rittern bestätigt. „Delecti cognati nostri Otto & Theodericus, filii nobilis viri Domini Friderici Comitis de Brenne nostrium praesentiam accedentes.“ [Unsere geliebten Verwandten Otto und Dietrich, Söhne des edlen Mannes Herrn Friedrich, Graf von Brehna, haben in unserer Gegenwart zugestimmt.]. (Horn, Vita Henrici. Illustr. p. 294 und in Schötterns Historie der Stiftsstadt Wurzen S. 729 f.) 1224 eigneten beide dem Kloster zum Neuen Werke bei Halle eine Verschreibungüber 3 Hufen im Dorf Hotsitz. Dat. Bitterfeld in Pomario [im Obstgarten]. Die Urkunde ist nicht mehr vorhanden. Dreyhaupt I S. 707. 1228 bestätigten beide Grafen dem neu errichteten Jungfrauenkloster zu Mühlberg verschiedene Güter und Zinsen: das Dorf Merinardiz einschließlich 2 Vorwerken und 50 Mark, was [das] Kloster von Bodo und Otto von Ileburg zum Geschenk erhalten hatte. (Kreysigs Beiträge zur Geschichte des sächsischen Landes T. 1 S. 108, wo aber Graf Dietrich unrichtig Friedrich genannt wird.) Im Jahr 1226 hielt er sich mit seinem Bruder in Löben auf und gab mit ihm dem Kloster Doberlug einen Bestätigungsbrief [142]über alle Schenkungen und Kaufungen des Klosters. Er muß ungefähr 1234 gestorben sein (Fabricius orig. p. 554 gibt unrecht 1223 als sein Todesjahr an, alii [andere] 1232), denn man findet von 1235 Urkunden, die sein Bruder Dietrich für sich allein gegeben hat; und von 1234 an nennt Markgraf Heinrich in verschiedenen Urkunden diesen Dietrich allein seinen Miterben (coheredem), während in den vorhergehenden Urkunden Otto u. Dietrich zugleich als coheredes [Miterben, gemeinsame Erben] vorkommen.

§. 9 Dietrich (1221-1234/64)

8. Dietrich [143], welchen einige unrecht Friedrich nennen, regierte von 1221 bis 1234 mit seinem Bruder gemeinschaftlich und von dieser Zeit an allein, zusammen 43 Jahre und also am längsten unter unsern Grafen. Schon 1198 kommt Theodericus Comes de Bren als Zeuge vor in von Gleichenhain Primitiis abbatiae Burgelens. [Erste Ergebnisse der Abtei Burgelens] im Anhang S. 82. Dies könnte nun (wenn in dem Namen Brene ein Fehler liegt und man in der Urkunde statt Fridericus Theodericus las) kein anderer als der Unsrige sein. Und es ist beinahe wahrscheinlich, dass er damals in seinen Jugendjahren dieses Zeugnis abgegeben hat, weil er in der Reihe der Zeugen auf Godebald, Burggraf von Neuenburg (de Novo Castro) und Volkheim, Graf von Osterfeld folgt, vor welchen die Grafen zu Brehn den Vorzug hatten. Auch müsste er unter diesen Umständen ein Alter vonüber 80 Jahren erreicht haben. Die erste Urkunde, die man von ihm findet, ist von 1220. Ich habe ihrer schon im vorigen §. gedacht, wo ich auch das von ihm 1226 dem Kloster Dobrilug gegebene Privilegium erwähnt [habe]. Im Jahr 1230 bewilligte er, dass Markgraf Heinrich der Erlauchte, dessen mitbelehnte Erben die Grafen von Brena waren, den Nonnen zu Eisenberg verschiedene Güter zu Slaßkow zueignen möchte [144]. Eben dieser Heinrich gab 1232 mit Bewilligung seiner mitbelehnten Erben, unserer Grafen Otto und Dietrich, dem Kloster zu Buchau das Dorf Ridnitz zu eigen [145],überlies 1234 mit Dietrichs Bewilligung den Ordensbrüdern zu Dobrilug tertiam partem advocatiae [den dritten Teil der Vogtei], und bestätigte 1235 mit eben dessen Bewilligung dem Kloster Dobrilug den Markt zu Kirchhayn [146]; ferner bewilligte er in einem Brief dieübergabe des Dorfes Ammelgossewiz und 3 Hufen im Dorfe Stele an das Kloster Buch, das Heinrich dem Kloster geschenkt hatte (Diplom dat. M.CC.XXX.V. Nonis Martii [am 7. März] ap. Judagine(u)m Mantinonis (Hayenstein Markgrafenhayn) ap. Schoettgen S. R. G. II. p. 182). Im Jahr 1237 d. 23. März bestätigte unser Graf Dietrich mit dem Erzbischof Willebrand zu Magdeburg der Kammer der Jungfrau Maria oder dem Kloster zu Glaucha das jus patronatus [Patronatsrecht, Schutzherrschaftüber diese Kirche, auch das Recht den Pastor vorzuschlagen]über die Kirche zu Zschernitz und das dabei gelegene Spittel [Spital = Krankenhaus] mit allem Zubehör [147]. 1239 schenkte er seinen treuen Bürgern zu Herzberg eine waldige Gegend zwischen dem Penetsee und der Elster mit dem darauf befindlichen Holz und Wiesewachs. Das Diplom, von mehreren Zeugen bestätigt, unter welchen Hermann, Burggraf zu Wettin, und Ulrich Dapifer de Pach die ersten und vorzüglichsten sind, hat der Gräfl. Notar Konrad zu Herzberg ausgestellt 18. Kal. Juli [14. Juni 1239] (eingerückt in Schöttgen S. R. G. III. p. 393).

Im Jahr 1240 konfirmierte er zu Leipzig nebst Markgraf Heinrich zu Meißen dem Kloster Dobrilug das Dorf Grautitz, welches ihm Ulrich von Pack für 140 Mark verkauft hatte [148]. In eben dem Jahr bestätigte er den Klosterjungfrauen zu Brene 5 ½ Hufe, welche zur Pfarrkirche in Merzyn gehörten (Vid. Dipl. 4 und Horn, Vita Henr. Illustr. p. 301, ebenso Eccard. l. c. p. 87). Im Jahr 1241 d. 7. Mai unterschrieb er nebst Herzog Albrecht zu Sachsen und anderen den Brief, in welchem König Wenzeslaus in Böhmen die bisher streitigen Grenzen von Zagosta und Budissin festsetzte [149]. In eben dem Jahre, am 5. Dez., verlegte er von Löben aus mit Heinrich, Markgraf zu Meißen, auf des Abts zu Dobrilug Bitte den Markt zu Kirchhayn vom Freitag auf die Mittewoche [150]. An eben dem Tage dieses Jahres gab er ein Privilegium wegen Verlegung der Fähre zu Grautitz nach Doberthau [151]. Im Jahr 1242 erscheint er als Zeuge, als Markgraf Heinrich der Erlauchte dem Kloster zu Mühlberg das Dorf Dolganewitzüberließ. Diplom. Dat. XII. Kal. April [Diplom unter dem Datum des 21. März]. Er steht unter den Zeugen oben an und sogarüber dem Abt zu Dobrilug und Domprobst zu Merseburg, dann steht Gerhardus, Comes de Brene [Gerhard, Graf zu Brehna], derüber dem Burggrafen Meinher zu Meißen steht. Dieser Graf Gerhard, der mir sonst nie vorgekommen ist, könnte ein noch unbekannter Sohn Dietrichs sein; wahrscheinlich aber liegt hier eine falsche Lesart zu Grunde: Gerhardus für Conradus, so wie man für Dietrich nachmals Friedrich las. (S. Kreysigs Beiträge, Teil 1. S. 110 f.) Im Jahre 1242, d. 15. Mai, schenkte er dem Kloster in Brena die Kirche zu Merzyn. (Man sehe den Schenkungsbrief Nr. 6 und die Bestätigung Nr. 7.) In eben dem Jahre bestätigte er mit Genehmhaltung [Genehmigung, Zustimmung] Markgraf Heinrichs zu Meißen den Klosterbrüdern in Dobrilug 5 Hufen Landes zu Kranewitz, welche sie von seinem Truchseß Ulrich von Pack (der sie von ihm zu Lehen gehabt [hat]) für 140 Mark gekauft hatten. Aus dem Bestätigungsbrief sieht man, dass unser Graf Dietrich Advokat oder Schutzherr des Klosters Dobrilug gewesen [ist] [152]. Im Jahr 1244 vereignete er den geistl. Jungfrauen zu Bren eine Hufe Landes zu Thiemendorf (vid. Dipl. Bren Nr. 7), 1248 dem Kloster zu St. Moritz in Halle 5 Hufen Landes und 1252 eben dem Kloster 9 Hufen und 6 Höfe im Dorf Ride (Siehe v. Dreyhaupts Saalkreis II. T. S. 748). Beide Urkunden sind nicht mehr vorhanden. Die erste, dat. ante castrum Arkintel [ausgestellt vor der Burg Arkintel]. Eine andere verlorene Urkunde des letzten Grafen vom Jahr 1260 wird eben daselbst bemerkt. In eben dem Jahre, am St. Margarethen-Tag, gab er den Klosterbrüdern in Dobrilug für 38 Mark die Eigenschaft [das Eigentum] und das Recht der Besitzung (Vogteigerechtigkeit)über das Dorf Koßmatitz, welches sie von Hermann v. Wesenig für 49 Mark gekauft hatten [153]. Im folgenden 1253. Jahre, d. 15. Mai, schenkte er dem Kloster zu Brene 1 ½ Hufe zu Rödichen, und 1254, d. 24. April, bestätigte er eben dem Kloster 2 Hufen zu Glebitzsch (vid. Dipl. Bren. Nr. 8 und 10). 1258 vereignete er dem Nonnenkloster zu St. Georgen in Glaucha vor Halle eine Hufe Landes zu Gestitz, so Heinrich von Hirsleben diesem Kloster verkauft hatte [154]. Im Jahr 1259, am 27. Febr., bestätigte er von Löbnitz aus den Klosterjungfrauen zu Brene 3 Hufen, so ihnen Friedrich und Johann, Gebrüder von Schowrensee, für 30 Mark gelassen [hatten] (Dipl. Nr. 12). In eben dem Jahr, am 30. Juni,übergab er dem deutschen Ordenshause St. Kunigund an der hohen Brücke zu Halle einen Weinberg bei Wettin, Datum [ausgestellt in] Prettin [155]. 1261überließ er das Dorf Hartmannsrode mit dem Kirchenpatronat und 12 Schock Zehnten von dem Vorwerk daselbst dem Kloster zum Neuen Werk zu Halle. Dat. in villa Pubitz. Die Urkunde ist nicht mehr vorhanden, bemerkt Dreyhaupt l. c. S. 707 in der Registratur gedachten Klosters. Im Jahr 1263 d. 12. Jan. vereignete er mit Genehmigung seiner Erben, Konrads und Dietrichs, Grafen von Brene, der Kirche zu Bitterfeld eine Hufe zu Pomlyn (Vid. Diplom. Bren. Nr. 14 und Schöttgen S. R. G. III. p. 394). Dieses ist der letzte Brief, den man von ihm findet, und so ist zu vermuten, dass er in diesem Jahr 1263 oder im folgenden gestorben [ist][156]. Seine Gemahlin ist unbekannt. Von ihr hat er 3 Söhne hinterlassen, nämlich: Dietrich trat in den Orden der Tempelherren. Man findet unter den Naumb. Bischöfen einen Dietrich, den Dresser für einen Grafen von Brena und Wettin ausgibt, der von 1245 bis ins Jahr 1270 mit großem Ansehen regiert hat. Der Erzbischof von Magdeburg war ihm bestens zu dieser Würde behiflich. Ist Dressers Angabe begründet, so müsste es dieser Tempelherr sein, dem diese Dresdner Handschrift S. 32 Ehre widerfuhr (S. Sagittarii Hist. episcop. Numb. [Sagittarius, Geschichte der Naumburger Bischöfe] p. 77).

Allein dies lassen diplomatatische Gründe nicht zu. Noch 1278 kommt er als Zeuge unter der Benennung vor: Frater Theodericus de Bren, ordinis Templariorum, Comitis Bren [Bruder Theodor von Brehna, Graf von Brehna, vom Orden der Templer]. Ein Diplom von ihm (Ludwig II. p. 235) wirft seine Abstammung auf. Er nennt denselben Dietrich, Markgraf zu Landsberg, seines Vaters Bruder. Konrad war sein Nachfolger und Otto wurde Kanonicus oder Domherr zu Magdeburg und kommt öfters in Urkunden vor, wie etwa 1288 in Ottos, Graf von Brehna, Schenkung der Stadt Wettin an das Erzstift; 1291 im Brief Erichs, Erzbischofs, dem Kloster Neuwerk gegeben (Ludw. Rel. Ms V p. 38) [157].

§. 10.Konrad (1264-1274)

9. Konrad [158], Graf von Brehna, regierte von 1264 bis ungefähr 1274, ein Sohn des vorigen Grafen Dietrich, wird von einigen [159] unrecht für einen Sohn Albrechts gehalten, da doch ver- schiedene Urkunden [160] just das Gegenteil lehren. Im Jahr 1267, die Benedicti [am Tage Benedikts] d. 21. März verkaufte er dem Kloster Dobrilug das Vorwerk Schakow mit 2 ½ Hufe Landes mit allen Freiheiten und Zubehör für 85 Mark [161]. Im Jahr 1269 d. 8. März od. den Tag nach St. Agatha bestätigte er den Klosterbrüdern zu Dobrilug den Besitz des Dorfes Knußen an der Elbe, welches sie von ihm für 40 Mark gekauft [hatten] [162]. Im Jahr 1271 schenkte er den Bürgern zu Herzberg ein Holz zwischen der Gräfendorfer Mühle und der Stadt gelegen [163]. Im Jahr 1274 vereignete er den Klosterjungfrauen in Brena ein Vorwerk bei Brena gelegen mit allen dazugehörigen Rechten [164]. Die Gemahlin unsers Grafen war Elisabeth, Tochter Herzog Albrechts I. zu Sachsen (der 1260 verstarb) und der Helena, geb. Herzogin zu Braunschweig und Lüneburg. Sie begab sich wahrscheinlich 1290 nach dem Tod ihres Sohnes Otto in das Nonnenkloster zu Coswig und bewog ihren Bruder Albrecht II., Herzog zu Sachsen, dass er 1292 den Nonnen zu Coswig das jus patronatusüber die Kirche und Propstei Schlieben erteilte und im folgenden Jahr zwei Hölzer, Wolfslug und Balduinslug, zum Geschenküberließ (Orig. Sax. l. c.). Fabricius und andere schreiben ihm nur einen Sohn Otto zu, von denübrigen wissen sie entweder gar nichts oder geben Albrecht, der doch sein Sohn war, für seinen Vater aus. Ich will hier bloß den Urkunden nachgehen, wo man folgende 4 Söhne findet: Albrecht war sein Nachfolger, Otto letzter Graf von Brene, Konrad starb jung noch vor Albrecht, Dietrich starb nach Albrecht und noch vor Otto. Seiner wird im Brenischen Urkundenbuch Dipl. 32 gedacht. Noch dieses wäre von unserm Grafen zu merken, dass ihn einige [165] für den letzten Grafen von Brene halten, deren Meinung jedoch die ältesten Geschichtsschreiber und alle Urkunden widersprechen. Das Jahr seines Todes ist ungewiss; vermutlich ist er 1274 erfolgt. Nach Fabricius‘ Bericht [166] soll er in der Kirche zu Brena begraben liegen.

§. 11.Albrecht (1274-1282)

10. Albrecht, Graf von Brene, des vorigen Sohn, reg. von 1274 bis 82. [ ... ] [Er] gab zu Dresden 1278 dem Bischof Witigo zu Meißen die Vogtei zu Mücheln zurück (advocatiam in Mugelin), worunter ich die Schutzgerechtigkeitüber die Kirche verstehe, die er und seine Vorfahren von den Bischöfen zu Meißen in Lehen gehabt hatten (Secund. Fabric. Orig. l. c. p. 1554). Im Jahr 1279 wird er als Zeuge in einer Urkunde Sifrieds, Graf von Askanien, angeführt (Vid. Diplomatar. Brenens. Nr. 21) und 1282 in einem Brief Graf Albrechts zu Anhalt/Zerbst auf dem Schloss Lippena (in Sagitt. Histor. Principe Anhalt. [Sagittarius, Geschichte des Fürsten von Anhalt] p. 74). Er soll Konrads und Heinrichs [167], eines Franziskaner od. Barfüßer Mönchs, Vater gewesen sein, so sprechen die Neuern. In Urkunden hingegen findet man weder von einer Gemahlin noch Kindern etwas. Er soll auch, wie Fabricius meldet, in der Brenischen Kirche begraben worden sein. Bischof Witigo zu Meißen tat ihn mit Markgraf Heinrich zu Meißen einige Male in den Bann, weil sie sich seine gewaltsamen Eingriffe in ihre landesherrlichen Rechte nicht wollten gefallen lassen und es für nötig hielten, sich ihm gemeinschaftlich mit bewaffneter Hand zu widersetzen. (S. Ursini Geschichte der Domkirche zu Meißen [Johann Friedrich Ursinus, Der Ursprung der Kirche und des Klosters St. Afra in Meißen, Leipzig 1780] S. 69 - Leben des Vittigo) [168].

§. 12 Otto III. (1282/82-1290)

11. Otto III. (alii malum [andere geben ihm unrichtigerweise die Zahl]: IV.) [in heutigen Stammtafeln ist er Otto IV., während als Otto III. ein o. g. Sohn des Grafen Dietrich gezählt wird, der Domherr in Magdeburg wurde], letzter Graf von Brene, Albrechts Bruder, besaß von 1282 od. 83 bis 1290 die Grafschaft und regierte anfangs vermutlich mit seinen beiden Brüdern Konrad und Dietrich zugleich, da diese aber bald darauf verstarben, allein. (Fabricius im angeführten Werk rechnet ihn gar nicht unter die Grafen, sondern glaubt, seine Mutter Elisabeth habe nach dem Tod ihres Gemahls Konrad die Grafschaft allein beherrscht und selbige 1290 Rudolph, Herzog Albrechts Sohn, geschenkt.) Im Jahr 1285 d. 6. Juli verkaufte er mit Willen seines Bruders Konrad den Klosterbrüdern in Dobrilug 8 Hufen und 2 Höfe in Schakow für 50 Mark Freibergischen Silbers und schenkte ihnen den beständigen Besitz davon und bestätigte zugleich die Schenkungen seiner Vorfahren [169]. In eben dem Jahre vereignete er dem Jungfrauenkloster zu Glaucha vor Halle eine halbe Hufe zu Naundorf am Petersberg, und 1286 d. 11. Dez. schenkte er der Kirche zu Wettin eine halbe Hufe und einen Hopfenberg zu Döbelitz (vid. Dipl. 22 et 23, infra hac pag. [22 und 23, innerhalb dieser Seiten]). Dem Jungfrauenkloster Sitzenrode bestätigte er eine Malter Korn [Getreidemaß sehr unterschiedlicher Größe, in Sachsen 12,62 hl] und ein Talent Goldes zu Cholm, das einer seiner Lehnsleute Gerhard von Muckernell (in andern Urkunden Mucomel) diesem Kloster verkauft hatte. Da von dem Diplom nur ein Auszug ohne Jahresanzeige vorhanden ist, schreibt es Seyffarth in den Diplomatischen Nachrichten von dem Jungfrauenkloster zu Sitzenrode (Torgau 1773.4.) S. 9, Otto III. (eigentlich II.) zu und setzt es ins Jahr 1230. Allein da das Sitzenröder Nonnenkloster erst gegen 1250 entstanden ist (Ursin, Geschichte der Kirche und ihres Klosters St. Afra, S. 57), ob es sich Seyffarth eingestehen will, so kommt das Diplom unstreitig Otto III. zu. Im Jahr 1288 gegen Weihnachten begab sich unser Otto auf den Konvent nach Grimma, wo sich auch Markgraf Friedrich zu Meißen, Markgraf Dietrich zu Landsberg, Albrecht, Graf zu Anhalt, ingleichen die Bischöfe von Meißen, Merseburg und Naumburg versammelt hatten. Sie beratschlagten sich wegen einer Befehdung, die nach Markgraf Heinrichs des Mächtigen Tode, gegen dessen Macht sie nicht aufkommen konnten, aus Böhmen in Sachsen eingefallen [war], die Straßen unsicher machte und die offenen Städte in Meißen plünderte, und trugen die Exekution wider sie ihren Lehnsleuten auf, welche waren Graf Otto von Arnshaug, Meinher und Albero, Burggrafen zu Meißen und Leisnig, der Voigt zu Plauen, der Herr von Waldenburg, und Heinrich, Herr von Kolditz [170]. Auch dieses Jahr war es, in welchem unser Graf Otto am 18. Dezember Stadt und Schloss Wettin dem Erzbischof Erich zu Magdeburg mit dem Bedinge [unter der Bedingung] vermachte, wenn er ohne Erben sterben würde. Wettin fiel also, da dieses so erfolgte, 1290 auf das Erzstift Magdeburg, bei welchem es bis 1446 verblieb, da Graf Friedrich XII. von Beichlingen, Erzbischof zu Magdeburg, d. 8. September Wettin an Koppen v. Ammendorf und Kaspar aus dem Winkel verkaufte und sie damit als Mannslehen belehnte [171]. Er verkaufte 1288 Schloß und Stadt Wettin und Schloß Saltemünde cum comitia et districtu [mit der Grafschaft und dem dazugehörigen Gebiet] mit allen dazugehörigen Dörfern, von welchen 59 außer mehreren Feldern in verschiedenen Briefen angegeben werden, dem Erzbischof Erich von Magdeburg für 800 Mark Stendalischen Silbers. Graf Ottos darüber ausgestellter Brief ist unterzeichnet Witin. 18. Kalend. Decemb. [Wettin, den 18. November] (steht in Schöttgens S. Rel. III. p. 395 f.). Zu gleicher Zeit gab er dem Erzbischofüber Schloss und Stadt Wettin eine besondere schriftliche Versicherung, dass ihm diese Besitzungen, wenn er ohne Erben mit Tod abgehen sollte, von dem Voigt und Burgwarten (Capellanis) zu Wettinübergeben werden sollten.

[...]

Details

Seiten
249
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638589901
Dateigröße
4.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66370
Schlagworte
Geschichte Stadt Grafschaft Brehna

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Titel: Geschichte der Stadt und Grafschaft Brehna