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Stationen der Philosophie in der Alten Welt - Zur Wanderung und Rezeption von der Antike bis ins 20. Jahrhundert

Hausarbeit 2005 13 Seiten

Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Milet- ein Anfang der Philosophie

2. Athen- anregende Konkurrenz

3. Alexandria- Multikulturalität und Vernetzung des Denkens

4. Bagdad- Kreative Ansätze und Rezeption der Philosophie der „Alten“

5. Al- Andalus- Das Wissen gelangt in den Westen

6. Salerno/ Florenz/ Padova- Neuorientierung in einer “Neuen Zeit”

7. Nordwesteuropa- Das Länderdreieck im 17. und 18. Jh.

8. Wien- Brenn- und Ausgangspunkt im 20.Jh.

9. Abschließende Worte

10. Quellennachweis und Abkürzungsverzeichnis

1. Milet- Ein Anfang der Philosophie

Thales von Milet wird gemeinhin als erster Philosoph angesprochen, dass die Philosophie aber eben an der kleinasiatischen Küste das Licht der Welt erblickt haben soll, mag nicht allzu sehr verwundern, wenn man in Anbetracht zieht, dass hier reger Handelsverkehr mit Ägypten, Phönizien und Persien herrschte. So ist auch in Früharchaischer Zeit (ca. 700- 620 v. Chr.) eine „orientalisierende Phase“[1] in der hellenischen Kultur archäologisch fassbar.

Die Hellenen stießen bei den Phönikern auf Verfassungsstrukturen, bei den Ägyptern, dem Mesopotamiern, den Medern und Persern lernten sie die Anfänge der Wissenschaft, der Medizin, Astronomie und Mathematik, wie spekulative Gedanken über den Ursprung der Welt kennen.[2] Die Verwurzlung in orphische Lehren wie ägyptische Mysterien lässt sich in platonischen Gleichungen nachweisen.[3]

Es darf aber nicht unerwähnt bleiben, dass es sich beim kleinasiatischen hellenischen Raum, nur um einen Ausgangsort der Philosophie handelt.[4]

Als wichtigste Vertreter der hellenischen Philosophie im 6.Jh.v. Chr. sind Thales und Anaximander in Milet und Heraklit in Ephesos zu nennen. Thales wird im heutigen Sinne mehr als Wissenschaftler und Ingenieur gesehen; als Philosoph machte er sich vor allem damit verdient, nach dem Urprinzip allen Seins, arché, zu forschen. Anaximander beschäftigt sich ebenfalls mit dem Ursprungsprinzip führt jedoch den Begriff des Apairon, des Unbegrenzten ein. Heraklit entwirft die Welt als eine Einheit von Gegensätzen und legt so eine dynamische Weltsicht nahe.[5] Relativ schnell verlagerte sich der Schwerpunkt auch in die unteritalischen und sizilischen Kolonien, wobei unter anderem Pythagoras in Kroton und Parmenides in Elea, im 6. und 5.Jh.v. Chr., außerhalb ihres Mutterlandes ihre Lehre verbreitenden.

2. Athen- anregende Konkurrenz

Nach der schwerwiegenden Erschütterung durch die Perserkriege sollte im 5.Jh.v. Chr. Athen seine Vormachtstellung im griechischem Raum behaupten und zum überragenden Zentrum, was Künste, Dichtung, Wissenschaft und Philosophie anbelangte, aufsteigen. Unter Perikles wurden der Parthenon geschaffen, florierte das attische Drama mit seinen Hauptvertretern Aischylos, Sophokles und Euripides und im 4.Jh. v. Chr. erlebte die Philosophie in einer Art „Entfesselung der Lehre“ [6] ihre Blütezeit mit Platon und Aristoteles.

„Eine der spektakulärsten Erscheinungen hinsichtlich der aus der Konkurrenz geborenen Entwicklung ist die divergierende Richtung der Philosophie des Aristoteles gegenüber seinem Lehrer Plato. Zwei Jahrtausende zehrten davon.“[7]

Weiters etablierten sich auch die kynische Schule unter Antisthenes, die des Epikur und die Stoa unter Zenon.

3. Alexandria- Multikulturalität und Vernetzung des Denkens

„Die „europäische Philosophie“ lässt sich als eine Verbindung von hellenistischen und biblischen („orientalischen“) Welt- und Wertvorstellungen beschreiben. Fragt man, wo diese Verbindungen zustande gebracht wurden, lautet die Antwort: nicht in Europa, sondern in SW- Asien und N- Afrika.“[8]

So lag das bedeutende Zentrum der hellenistischen Welt in Alexandria, welches Alexander der Großen im Jahre 331 v. Chr. gegründet hatte.

Alexandria war ein Konglomerat aus einer Vielzahl von Völkerschaften. Neben den ptolemäischen Herrschern und griechischer Siedlern aus den unterschiedlichsten Gebieten des hellenistischen Reiches, fanden sich die eingeborenen Ägypter wie tausende Juden, auf die trotz zeitweiliger antisemitischer Anfeindungen das hellenistische Bürgerrecht übertragen wurde[9], Italer, Einwanderer aus der Levante, Menschen aus den südlich der Sahara gelegenen Teilen Afrikas, und sogar Buddhisten aus Indien.[10] Die Stadt dürfte 600.000 Einwohner gehabt haben, wenn nicht sogar eine Million.[11]

Diese in jeder Beziehung gigantische Metropole beherbergte nicht nur den bereits in der Antike berühmten Pharos, dem um 280 v. errichteten Leuchtturm, der zu den sieben Weltwundern zählte, sondern verdankte ihre herausragende Stellung vor allem dem Museion, deren Mitglieder sich vor allem der Forschung aber auch der Lehre zu widmen hatten, und der Bibliothek von Alexandria. Beide Institutionen dürften auf Anweisungen Ptolemaios I. Soter um 295 v. eingerichtet worden sein. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang Demetrios von Phaleron, Perepatetiker und ursprünglich Politiker in Athen.[12] Auf Grund von Platzmangels wurde in Ergänzung zur Museionsbibliothek eine weitere im Neubau des Serapeums eingerichtet.[13] In und im Umkreis der größten Bibliothek der damalig bekannten Welt arbeiteten die besten Köpfe der hellenistischen Welt. So gelangen unter anderen Praxagoras von Kos, Erasistratos und Herophilos (Sezieren als wissenschaftliche Praxis) Fortschritte im Bereich der Medizin; Euklid, Konon von Samos (Kegelschnitte), Hipparch (Trigonometrie) in der Mathematik; dem Universalgelehrten Erasthodenes von Kyrene (Errechnung des Erdumfanges) und Aristarchos von Samos (heliozentrisches Weltbild) in der Astronomie, um nur einige zu nennen. Denn auch auf dem Gebiet der Ingenieurstechnik, der Poesie und Literaturwissenschaften sind uns vor allem im 3. und 2. Jh. v. Chr. duzende Namen überliefert. Unterstützt und gefördert wurde dieses Klima der wissenschaftlichen Forschung durch die Ptolemäer, die schon als Prinzen die Erziehung durch die ansässigen Wissenschaftler genossen, diese Mentalität verinnerlichten und so Talente der griechischen Welt nach Alexandria einluden, um ihnen Arbeitsmöglichkeiten zu offerieren.[14] Wahrscheinlich war das Bemühen aber nicht nur durch Wissensdrang geleitet, als diesem vielmehr auch die Intension innewohnte, den Ruhm des Herrschenden mit jeder archivierten Schriftrolle zu vermehren. Die Ptolemäer verstanden, dass zur Beherrschung der Untertanen auch das Wissen um ihre Kultur und somit das Sammeln ihrer Bücher von Bedeutung war.[15] So beschränkte man sich nicht auf das Ankaufen von Schriftrollen auf den großen Büchermärkten in Athen und Rhodos und das Kopieren der Texte, welche sich zufällig auf den Schiffen befanden, die im Hafen von Alexandria anlegten (wobei man vorzog, die Originale zu behalten und die Kopien zurückzureichen), also nicht allein auf eine Zusammenstellung und Neuedierung der griechischen Werke, sondern übertrug auch viele der in anderen Sprachen gehaltenen Werke in Griechische. Es wurden eine riesige Anzahl an ägyptischen Manuskripten gesammelt, wie auch der zuvor schon erwähnte Demetrios, selbst Jude und Bevollmächtigter der Bibliothek sich dafür einsetzte, jüdische Gesetzestexte ins Griechische übertragen zu lassen[16] oder aber ein gewisser Berose eine Historie Babylons redigierte. Auch buddhistische Schriften fanden Eingang ins Archiv.

[...]


[1] der Begriff „Orient“ ist ein problematischer, da er ein Konstrukt darstellt, das nach wie vor in den Köpfen präsent ist. Nichts desto trotz hat sich dieser Terminus in der archäologischen Forschungsliteratur bis jetzt gehalten.

[2] vgl. Holenstein 2004, S. 86

[3] vgl. Kimmerle 2002, S. 45; Strohmaier 2003, S. 1-7

[4] siehe zum Eurozentrismus in der Philosophie: Kimmerle 2002, S. 44-55

[5] vgl. zu den Vorsokratikern: Lutz 1995; Frysak 2002

[6] Strohmaier 2003, S. 3

[7] ebenda

[8] Holenstein 2004, S. 84

[9] Droysen 1998, S. 25, zur Situation der Juden siehe auch: Bell 1926

[10] La Riche, 1996, S. 10

[11] vgl. Reemts 2004, S.17

[12] El- Abbadi 1998, S. 111

[13] Hölbl 1994, S.64; El- Abbadi 1998, S. 116.

zur den Schwierigkeit der Lokalisierung der Alexandrinischen Bibliothek siehe: Canfora 1998, S. 144- 155

[14] vgl. Hölbl 1994, S. 64

[15] Canfora 1998, S.34

[16] Aristeasbrief 29-30, 11

Details

Seiten
13
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638590211
ISBN (Buch)
9783638779746
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66424
Institution / Hochschule
Universität Wien
Note
1,00
Schlagworte
Stationen Philosophie Alten Welt Wanderung Rezeption Antike Jahrhundert

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Titel: Stationen der Philosophie in der Alten Welt - Zur Wanderung und Rezeption von der Antike bis ins 20. Jahrhundert