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Prostitution im Mittelalter

Hausarbeit 2005 17 Seiten

Kulturwissenschaften - Europa

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemein
2.1 Prostitution
2.2 Konkubinat

3. Vier Ebenen städtischer Prostitution

4. Das Dirnenhaus als Inbegriff der Sittenlosigkeit der mittelalterlichen Gesellschaft?
4.1 Sexuelle Gewalt
4.2 Wege in die Prostitution
4.3 Kunden

5. Gesellschaftliche Notwendigkeit der Prostitution

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im folgenden möchte ich die wahrhaft große Bedeutung, die der Prostitution, und der mit ihr verbundenen Institutionalisierung im Spätmittelalter zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert beigemessen wurde, darstellen. Die von „fahrenden Frauen“ ausgeübte frühstädtische Prostitution wurde durch die, seit dem 13. Jahrhundert belegte sesshafte Prostitution überwiegend ersetzt.

Da sich Historiker mit der Geschichte der Prostitution im Mittelalter kaum befassten, muss ich mich in dieser Arbeit auf die wenige, mir verfügbare Literatur beschränken. Die in dieser Arbeit angeführten Beispiele konzentrieren sich überwiegend auf die südostfranzösischen Städtelandschaften Burgunds und der Provence, die Jacques Rossiaud in seinem Buch „Dame Venus“ aus zuvor unberührten Archivalien zusammengetragen hat. Jedoch lassen sich in Deutschland und dem Rest Italiens Parallelen zu den Entwicklungen in Frankreich ziehen. „Die Entwicklung der institutionalisierten Formen der Prostitution im deutschsprachigen Raum während des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, dies sei als ein wesentliches Ergebnis der Untersuchung herausgestrichen, nahm den gleichen Verlauf wie in Oberitalien und Südfrankreich.“[1]

Von diesen Informationen ausgehend versuche ich in dieser Arbeit verschiedene Formen der Prostitution darzustellen, und erkläre welche Funktionen sie in der spätmittelalterlichen Gesellschaft hatten. Wer ging ins Bordell, wer arbeitete im Bordell, warum hatte das Bordell eine wichtige gesellschaftskonstituierende Funktion in der Gemeinschaft und welche kulturellen Werte bestimmten die Mentalitäten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, sind Fragen, die ich zu beantworten versuche.

2. Allgemein

2.1 Prostitution

In den meisten Gesellschaften haben Prostituierte einen niedrigen sozialen Status. Die unterschiedlichen, sich entwickelnden Formen von Prostitution hingen maßgeblich von den wirtschaftlichen, sozialen und ethischen Werten einer Gesellschaft ab.

Bereits im Altertum und in der Antike zeigten sich, in Form der Tempelprostitution erste Anzeichen für eine aufkommende Prostitution. Die weiblichen Prostituierten nannte man Kurtisanen. Ihnen war das möglich was anderen Frauen verwehrt blieb. Sie hatten den Zugang zu den schönen Künsten, nicht selten waren sie begabte Tänzerinnen, Sängerinnen, Komponistinnen und Dichterinnen. Es wurde geglaubt, dass sexueller Verkehr mit den Kurtisanen eine Vereinigung mit den Göttinnen ermöglichte.

„Im alten Rom war die Prostitution trotz starker gesetzlicher Einschränkungen weit verbreitet. Sklavinnen, die die römischen Heere in fremden Ländern gefangen genommen hatten, wurden in städtische Bordelle gebracht oder dienten als Prostituierte in Privathäusern. Meretrices (Prostituierte) wurden amtlich registriert. Sie hatten blonde Perücken oder andere auffällige Kleidung zu tragen, verloren alle bürgerlichen Rechte und mussten hohe Steuern zahlen.“[2]

Das Spätmittelalter entwickelte sich zu einer besonderen Epoche der Prostitution. Vor dem 13. Jahrhundert wurden Prostituierte als Untergruppe des fahrenden, umherschweifenden Volkes angesehen. Vagantentum und Prostitution gehörten zusammen. Das Wachsen des Städtewesens im Hochmittelalters bewirkte eine Veränderung im sozialen Leben der Individuen. Ein Wandel von familialen Gesellschaftsverbänden zur gesellschaftlichen Kontrolle des Einzelnen, sowie die damit einhergehende individuelle Freiheit, Verantwortung, aber auch Vereinsamung ermöglichte erst die Existenz von Freiern und sich prostituierenden Frauen.

Seit dem 13. Jahrhundert belegen Quellen erste Anzeichen für sesshafte Prostitution in Städten Diese Organisation in Bordellen wurde erst durch die Urbanisierung im Spätmittelalter möglich, da nun eine gleichbleibend hohe Nachfrage nach Prostituierten gewährleistet war.[3] Nicht zu verwechseln mit Prostitution war das Konkubinat, da in den Quellen eine deutliche Trennung zwischen Prostituierten und Frauen mit einem sogenannten unsoliden Lebenswandel nicht immer klar ist.

2.2 Konkubinat

Im Römischen Reich bezeichnete concubinatus eine rechtlich nicht anerkannte Lebens- und Geschlechtsgemeinschaft von Mann und Frau. Kinder aus diesem Verhältnis galten als unehelich. Das Konkubinat fand früh innerhalb der weltlichen und kirchlichen Eherechtsforschung Erwähnung. Als Konkubinat kann man das informelle Zusammenleben eines Freien mit einer Sklavin bezeichnen. Nach Siegmund Hellmann bestand das Konkubinat neben der rechten Ehe als weitere Form der geschlechtlichen Verbindung als kurzfristiges Verhältnis, welches sich von der rechten Ehe durch fehlende Dotierung und der Illegitimität der Kinder unterschied. Die Qualität frühmittelalterliche Konkubinate ist im Bereich der sexuellen Leidenschaft zu suchen und mit einer fürsorglichen Beziehung kaum zu vergleichen. Auffallend viele Konkubinen waren Frauen niedrigen Standes. Eine Konkubine war immer unfrei. Nach zeitgenössischen Empfinden bewies ein Mann seine eheliche Liebe zu einer Frau in der Höhe der Dotierung und einer respektvollen Behandlung als Familienmutter. Das Verhältnis des Konkubinats beruhte allein auf der sexuellen Anziehung, die ein Mann für eine Frau empfand, über die er aufgrund ihrer Lebensumstände als Objekt seiner Begierde verfügen konnte. Die Kirche nahm an der Rechtsform des Konkubinats zunächst keinen Anstoß, solange es sich nicht um eine monogame Verbindung handelte und die Partner nicht grundsätzlich jeden Nachwuchs ausschlossen.[4]

Nur sehr wenige Abhandlungen befassten sich in diesem Jahrhundert bis in die jüngste Zeit hinein mit der Geschichte des Konkubinats.

3. Vier Ebenen städtischer Prostitution

Die von Dorf zu Dorf fahrenden Frauen, die ihre Reisen nach den wichtigsten Terminen der Messen, Jahrmärkten und Pilgerfahrten ausrichteten zeigten, dass sich auf Grund von Verarmung auch auf dem Lande Hinweise für eine gedeihende Prostitution zeigten.

Jedoch entwickelte sich die Prostitution in den Städten seit dem 13. Jahrhundert weitaus stärker, und verbreitete sich rascher. Im städtischen Umfeld entstand Prostitution auf mehreren, im gesellschaftlichen Ansehen jedoch strikt voneinander getrennten Ebenen. Prostitution und Prostituierte gehörten zum festen Bestandteil der städtischen Kultur.

Die Institutionalisierteste Ebene der Prostitution zeigte sich in Form von öffentlichen Dirnenhäusern (Prostibulum Publicum), welche unter der Kontrolle von Organen der städtischen Obrigkeit standen. Im 14. und 15. Jahrhundert wurden in nahezu jeder europäischen Großstadt Frauenhäuser von der Obrigkeit gebaut, unterhalten und geleitet. „Diese – sicher noch weitere Gebiete des gesellschaftlichen Lebens umfassende – Aufgabenerweiterung der städtischen Obrigkeit muss als Resultat der gesellschaftlichen und mentalen Folgen der Pestzüge verstanden werden.“[5] Sie versuchte somit den äußeren Einwirkungen eine innere Stabilität entgegenzusetzen. Das Dirnenhaus, oder umgangssprachlich Bordell genannt, wurden zumeist an eine Äbtissin verpachtet, der praktisch das Berufsmonopol zukam. Sie hatte die Aufgabe die Einhaltung bestimmter Regeln zu beachten, die Mädchen auszusuchen und aufzunehmen, sowie für eine gewisse innere Ordnung zu sorgen. Ob es sich bei den Dirnenhäusern um ein imposantes Gebäude, oder einen bescheidenen Bau handelte, unterschied sich gravierend, und hing maßgeblich von der Bedeutung der Stadt ab. Jedoch ist zu erwähnen, dass sich der Tätigkeitsbereich der im Dirnenhaus beschäftigten Prostituierten nicht ausschließlich auf das Gebäude beschränken ließ. Vielmehr konnten sie ihre Kunden auf offener Straße, oder in den zahlreichen Wirtshäusern der Städte suchen. Jedoch waren sie dazu verpflichtet diese zurück ins Dirnenhaus zu führen, um ihre Dienstleistung zu verrichten.

[...]


[1] SCHUSTER, Peter (1992): Das Frauenhaus – städtische Bordelle in Deutschland (1350 – 1600 S.209

[2] Microsoft Encarta Enzyklopädie 2001

[3] SCHUSTER S.26

[4] Vgl. ESMYOL, Andrea (2002): Geliebte oder Ehefrau? – Konkubinen im frühen Mittelalter S.6

[5] SCHUSTER S.210

Details

Seiten
17
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638590938
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66519
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Institut für Europäische Ethnologie
Note
1,9
Schlagworte
Prostitution Mittelalter Alltag

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Titel: Prostitution im Mittelalter