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Moderner Fremdsprachenunterricht: Spanisch. Lehrwerkanalyse und -vergleich. Puente nuevo 1 und Caminos 1

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 23 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil
1 Theoretischer Hintergrund zur Lehrwerkanalyse
.1.1 Literatur zum Thema Lehrwerkanalyse
.1.2 Überblick über die Historie der Lehrwerkforschung und Lehrwerkanalyse
.1.3 Kriterien zum Vergleich von fremdsprachlichen Lehrwerken
2. Lehrwerkanalyse
2.1. Puente Nuevo 1
2.1.1. Auf den ersten Blick: Aufbau, Design & optischer Eindruck
2.1.2. Textsorten: Auswahl und Authentizität
2.1.3. Struktur und Progression in Grammatik und Übungen
2.1.4. Landeskunde und Kultur
2.1.5. . Methodik
2.2. Caminos 1
2.2.1. Auf den ersten Blick: Aufbau, Design & optischer Eindruck
2.2.2. Textsorten: Auswahl und Authentizität
2.2.3. Struktur und Progression in Grammatik und Übungen
2.2.4. Landeskunde und Kultur
2.2.5. Methodik
3. Vergleich und Begutachtung

III. Schlussbetrachtung
1. Schlussfolgerung
2. Ausblick

IV. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Die vorliegende Arbeit wird sich mit der Analyse und dem Vergleich zweier Lehrwerke für den modernen Spanischunterricht beschäftigen. Eine exhaustive Analyse sämtlicher auf dem deutschen Markt erschienenen Werke wäre nicht sinnvoll, da es in erster Linie zu viele und in zweiter Linie zu schlechte Beispiele gibt, um an dieser Stelle bearbeitet zu werden. Ich werde mich also auf diejenigen Lehrwerke, die mir erwähnenswert scheinen, beschränken. Es handelt sich um die Titel Puente Nuevo 1 und Caminos, die für den Anfängerunterricht vorgesehen sind.

Da es sich bei der von mir vorgenommenen Lehrwerkanalyse nicht um eine sich ausschließlich auf Literatur beziehende Arbeit handelt, werden vermehrt Vermutungen formuliert werden und Fragen offen bleiben. Die aus einer Themenpräsentation im Wintersemester 2003 im Fachdidaktikseminar hervorgegangenen Resultate basieren lediglich auf der Zusammenarbeit und den Überlegungen meiner Kommilitonen und mir, so dass eine Überprüfung der Ergebnisse in der Praxis nicht möglich ist, sondern sich lediglich vermuten lässt.

Ziel der Analyse ist es, zu zeigen, welches Lehrwerk aus welchem Grund für den Spanischunterricht im Anfängerbereich geeignet ist.

Zunächst wird ein kurzer historische Überblick über die Lehrwerkforschung gegeben, die einhergeht mit der Bedeutung und dem Wandel von Lehrwerken im Fremdsprachenunterricht in der letzen Hälfte der 20. Jahrhunderts bis heute.

Danach wird ein Überblick gegeben über den Teilbereich der Lehrwerkanalyse und –kritik anhand seiner Entwicklung. Hieraus lässt sich ein Kriterienkatalog erstellen, mithilfe dessen eine Analyse von Lehrwerken durchgeführt werden kann.

Im praktischen Teil werden die genannten Lehrwerke unter Berücksichtigung der erarbeiteten Kriterien untersucht. Nach der Analyse der einzelnen erfolgt ihr Vergleich mit einer Beurteilung.

II. Hauptteil

1 Theoretischer Hintergrund zur Lehrwerkanalyse

.1.1 Literatur zum Thema Lehrwerkanalyse

Während meiner Recherchen zum Thema stellte ich fest, dass der Bereich Lehrwerkanalyse in der Literatur keine besonders große Bedeutung hat. Zwar finden sich einige theoretische Abhandlungen, diese sind jedoch so alt, dass sie für den heutigen Spanischunterricht kaum relevant sind, bzw. höchstens als Grundlage dienen können. Hinzu kommt, dass es kein Grundwerk o. ä. gibt, welches sich ausschließlich mit der Analyse von Spanischlehrwerken beschäftigt. Die Werke, die sich speziell dem Spanischen widmen, sind zumal sehr alt[1], so dass die aktuellen didaktischen Zielsetzungen nicht einbezogen sein können. Die einzige Möglichkeit, sich eine gute theoretische Basis zu verschaffen, ist, die didaktischen Überlegungen aus anderen modernen Fremdsprachen, also Englisch und im Idealfall auch noch Französisch[2] auf das Spanische zu übertragen und mit eigenen Ideen und Erfahrungen zu vervollständigen.

In den wenigen Fachzeitschriften für Spanischunterricht finden sich vereinzelt Arbeiten zum Thema. Diese sind jedoch wieder so speziell auf ein Lehrwerk bezogen, dass auch sie sich nur zur Verallgemeinerung eignen. Um an neue Aspekte zum Thema zu gelangen, ist es sinnvoll, das Internet zu Hilfe zu nehmen.

.1.2 Überblick über die Historie der Lehrwerkforschung und Lehrwerkanalyse

Der Bereich Lehrwerkanalyse und –kritik, der einen Unterbereich der Lehrwerkforschung darstellt, gliedert sich unter den großen Bereich der Fachdidaktik. Erst nach dem zweiten Weltkrieg gab es in der Wissenschaft den Impuls, sich intensiv mit der Didaktik von Lehrwerken für den fremdsprachlichen Unterricht zu befassen.

In den späten 40er Jahren und die 50er Jahre hindurch steckte die Lehrwerkforschung noch in ihren Kinderschuhen und hatte auch keinen rechten Gegenstand, da das bis dahin gebräuchlichste Lehrwerk für den Fremdsprachenunterricht[3] (Green Line) eine Art Monopolstellung inne hatte, somit auch nicht mit anderen verglichen werden konnte. „Von dem Versuch einer systematischen Analyse fremdsprachlicher Lehrwerke kann man erst seit der Mitte der 60er Jahre sprechen.“[4] Denn hier bekam Green Line Konkurrenz und wurde somit vergleich- und analysierbar. Die Lehrwerke mussten an unterschiedlichste Bedürfnisse wie verschiedene Schultypen, unterschiedliche Lernergruppen usw. angepasst werden. Auch unterschiedliche Lehrstile und Lernziele erforderten eine große Varietät an Lehrwerken.[5]

In den 70er Jahren wurde bereits erkannt, dass die immer größer werdende Anzahl von Lehrwerken und besonders die sich immer schneller wandelnden Prinzipien ihrer Gestaltung es fast unmöglich macht, eine Analysegrundlage festzusetzen, nach der Lehrwerke zu beurteilen seien.

Die Grundlagen der Lehrwerkkritik – so wird formuliert – können nicht sicherer sein als die Grundlagen der Fachdidaktik es insgesamt sind. Die durch Rückkopplung mit der Schulpraxis entwickelten Kriterien zur Lehrwerkbegutachtung seien als Funktionen ihrer Zeit aufzufassen und seien – wie die Lehrwerke selbst - wandelbare und wandlungsfähige Phänomene.[6]

Gleichzeitig werden zwei Zielsetzungen der Lehrwerkanalyse festgelegt, nämlich sowohl eine praktische, die dem Benutzer in der Schule, also dem Lehrer, der die Aufgabe hat, ein passendes Lehrwerk für seinen Unterricht auszusuchen, helfen soll, die richtige Wahl zu treffen, als auch eine theoretische, die den Erstellern von Lehrwerken dienen soll, mit gewissen universellen Bedingungsfaktoren zu arbeiten. Dieser theoretische Teil scheint eine größere Bedeutung zu haben als der praktische, da z.B. erstellte Kriterienkataloge zur Analyse von Lehrwerken so sehr ins Detail gehen, dass es für einen Lehrer nicht praktikabel ist, auf alle Punkte einzugehen.[7]

Ab hier wird es schwierig, die Entwicklung der Lehrwerkforschung festzuhalten, da zwar Fortschritte zu verzeichnen waren, diese aber nicht dokumentiert sind. Sogar noch Ende der 90er Jahre bezeichnet Neuner das Gebiet der Lehrwerkanalyse als „schlecht fundiertes“ Terrain.[8] Die Erfassung des aktuellen Forschungsstandes ist demnach defizitär.

Fest steht, dass, sobald ein Lehrwerk auf dem Markt erscheint, es auch schon wieder veraltet ist.

Die in den 70er Jahren geltenden Prinzipien und Forderungen nach kommunikativer Kompetenz lediglich in linguistischer Hinsicht, wandelten sich dahin gehend, dass auch Landeskunde und Geschichte eine Rolle im Lehrwerk zu spielen haben. Sowohl sich rasch ändernde Bildungspolitik, als auch wirtschaftliche Konjunktur haben Einfluss auf die Gestaltung von Lehrwerken. Der Gestalter eines solchen hat es demnach schwer, dem Tempo Schritt zu halten.

Was bleibt dem Nutzer, sei es dem Praktiker, sei es dem Theoretiker, also übrig? Durch genaue Analyse der eigenen Rahmenbedingungen und Ansprüche muss er das in Frage kommende Lehrwerk begutachten, mit anderen vergleichen und durch Eigeninitiative zu einem Ergebnis kommen.

.1.3 Kriterien zum Vergleich von fremdsprachlichen Lehrwerken

Dem Vergleich von zwei oder mehreren Lehrwerken muss eine Analyse der einzelnen voranstehen. Hier ist zu beachten, dass eine sehr detaillierte Analyse der einzelnen dazu führen kann, das Ziel aus den Augen zu verlieren, nämlich das für den vorgesehenen Zweck geeignetste Werk zu finden. Vielfach findet man Verweise auf das sog. „Mannheimer Gutachten“, in dem sehr genau die Kriterien für eine gute Lehrwerkanalyse dargestellt werden.[9] Analysiert man ein Lehrwerk nach dieser ausführlichen und detailgetreuen Liste aus dem Jahre 1977, so erhält man zu jedem Lehrwerk eine Flut an Informationen, die im Vergleich kaum zu bewältigen ist.[10]

Die für meinen Zweck sinnvollste Methode, einen Vergleich zweier Spanischlehrwerke vorzunehmen, ist, eine eigene Kriterienliste zu erstellen[11] und anhand dieser die Analyse durchzuführen.

Die im Seminar bereits erprobte Methode, die Lehrwerke in direkten Vergleich zu stellen, scheint mir sinnvoll, da so auf der Hand liegende Vor- und Nachteile unmittelbar erkennbar sind.[12]

Nach meiner persönlichen Meinung wird es heutzutage immer wichtiger, dem optischen Aspekt bei Lehrwerken Bedeutung zuzumessen. In einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche sehr viel Freizeit vor dem Fernseher und dem Computer verbringen, also visuellen Medien, muss man auch Lernmedien diesem Niveau anpassen, damit sie vom Schüler angenommen werden. Dieser Aspekt wird zwar in den belegten Kriterienlisten nur kurz behandelt, verdient aber große Aufmerksamkeit, da auch ein Lehrer, der vor einer Buchwahl steht, sich sehr vom äußeren Eindruck leiten lässt. Ein modern aufbereitetes Lehrwerk muss verschiedenartigste Grafiken und Bilder bieten, die mit unterschiedlichen Textsorten verknüpft sind, damit ein abwechslungsreiches Lehrwerk entsteht. Jeder Schüler sollte sich und seine Interessen in irgendeiner Weise wiederfinden, was nur durch eine große Vielfalt gegeben sein kann. Diesem Aspekt wird ein besonderes Augenmerk zugemessen, ebenso wie der Auswahl und Authentizität der Textsorten und Übungen. Es wird immer mehr davon abgesehen, Texte und Übungen für den Unterricht künstlich zu erstellen, da nur eine natürlich Darstellung von Sprache den Anknüpfungspunkt an das wirkliche Leben bieten kann. Es müssen hier sowohl die Texte als auch die dazugehörigen Aufgaben beleuchtet werden, da erst eine authentische Aufgabenstellung den Text authentisch macht.[13]

Die Struktur und der Aufbau des Grammatikteils mit Rücksicht auf die grammatische Progression müssen dahin gehend beleuchtet werden, ob sie für den Nutzer durchsichtig und anwenderfreundlich sind. Zudem ist zu untersuchen, wie die verschiedenen Grammatikteile aufeinander aufbauen. Die Bedeutung der landeskundlichen Informationen, die in einem Lehrbuch enthalten sind, ist nicht zu unterschätzen. Durch die Darstellung von Land und Leuten in der ersten Phase des Fremdspracherwerbs prägt sich ein Bild beim Schüler, welches zu ändern einige Mühe kostet. Um dieses Bild nicht korrigieren zu müssen, sollten Informationen nicht stereotypenbildend sein und sich im Falle des Spanischen sowohl auf Spanien als auch auf Lateinamerika beziehen, damit Gemeinsamkeiten und Unterschiede früh klar werden.

Natürlich ist auch hier die wichtig, dass die gegebenen Informationen authentisch und damit glaubwürdig sind. Schließlich muss analysiert werden, welche Methode dem Lehrwerk zugrunde liegt. Muss der Lerner sich viel selbstständig erarbeiten? Wie stark muss der Lehrer in die Arbeit mit dem Buch eingreifen? Nach einer solchen Analyse, die je nach Stärken und Schwächen der Bücher, ganz unterschiedlich ausfallen kann, ist es sinnvoll, eben diese Stärken und Schwächen gegeneinander aufzuwiegen und abzuschätzen, ob sie dem verfolgten Ziel, nämlich, sie im Anfängerunterricht in der gymnasialen Oberstufe einzusetzen, dienlich sind.

[...]


[1] Siehe z.B. Neuner, G.: „Zur Analyse fremdsprachlicher Lehrwerke“; Frankfurt, 1979.

[2] Italienisch findet in der Literatur ebenso wenig Erwähnung wie Spanisch.

[3] Man muss hier ausschließlich von Englisch ausgehen, da weitere Fremdsprache nicht Gegenstand der Forschungen waren, bzw. nicht genannt sind.

[4] Neuner, G.: Lehrwerkanalyse und –kritik als Aufgabenfeld der Fremdsprachendidaktik; in: Fremdsprachliche Lehrwerke; Frankfurt; 1979; S. 5.

[5] Um genau zu sein, darf ab diesem Zeitpunkt erst von Lehrwerk, statt Lehrbuch gesprochen werden, da bis zu diesem Zeitpunkt die zu einem Lehrwerk dazugehörigen Zusatzmaterialien und Medien noch nicht standardisiert waren. Man arbeitete fast ausschließlich mit einem Buch als Unterrichtsgrundlage.

[6] Neuner, G.: Lehrwerkanalyse und –kritik als Aufgabenfeld der Fremdsprachendidaktik; in: Fremdsprachliche

Lehrwerke; Frankfurt; 1979; S. 8.

[7] Da diese Arbeit eher eine praktische Ausrichtung hat, wird dieser Bereich im folgenden weitgehend ausgespart.

[8] Neuner, Gerhard: “Lehrmaterialforschung und -entwicklung - Zentrale Bereiche der Theorie und Praxis des Fremdsprachenunterrichts”, in: Bausch, Karl-Richard/Christ, Herbert/Königs, Frank G./Krumm, Hans-Jürgen (Hrsg.): Die Erforschung von Lehr- und Lernmaterialien im Kontext des Lehrens und Lernens fremder Sprachen. Arbeitspapiere der 19. Frühjahrskonferenz zur Erforschung des Fremdsprachenunterricht s, Tübingen 1999, S.158-167, hier S.161 und 163. , in: Gerdes, Joachim: Lehrbuchanalyse zum Anfängerlehrwerk für Deutsch als Femdsprache „Themen neu !“; auf: www2.facli.unibo.it/Postlaurea/Dilm/ tesine/gerdes- themenneu1.pdf

[9] Allerdings handelt es sich hier um eine Kriterienliste für Lehrbücher für Deutsch als Fremdsprache. (siehe Anhang.)

[10] Wenn ein Lehrer in der Praxis vor der Aufgabe steht, ein Lehrwerk für den Unterricht auszusuchen, hat er meist nur einen begrenzten Zeitraum, kann die möglichen Lehrwerke somit nicht einer extrem langwierigen Untersuchung unterziehen.

[11] Es handelt sich hier um eine Vermischung des Kriterienkatalogs zur Lehrwerkanalyse und Lehrwerkkritik von Hartmut Weber (siehe Anhang) und den vorgeschlagenen Anhaltspunkten aus Carmen Ramos Méndez / Mercedes Rodríguez Castrillón: Análisis de algunos manuales de españo l, in: Voigt, B.(Hrsg.): Spanischunterricht heute; Bonn, 1998, S. 251-252. (im Folgenden immer Méndez/Castrillón)

[12] Hierzu ist das mit aus der Präsentation mit Resultaten versehene Handout zu beachten. (siehe Anhang).

[13] Trotz allem darf nicht vergessen werden, dass ein Text, auch wenn es noch so authentisch ist, in einem Lehrbuch bzw. im Fremdsprachenunterricht in einer vollkommen künstlichen Situation ist.

Details

Seiten
23
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638592598
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66877
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Romanisches Seminar
Note
1,0
Schlagworte
Lehrwerkanalyse Spanische Lehrwerke Fremdsprachenunterricht Titeln Fachdidaktik Spanisch

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Titel: Moderner Fremdsprachenunterricht: Spanisch. Lehrwerkanalyse und -vergleich. Puente nuevo 1 und Caminos 1