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Schulfach 'Soziales Lernen' - Frieden und Toleranz an der Schule? Politische Kompetenz?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 14 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Das Unterrichtsfach „Soziales Lernen“ in der Schule
2.1 Fachunterricht vs. Sozialerziehung
2.2 Sozialerziehung im außerunterrichtlichen Bereich
2.3 Curriculare Ansätze für das Fach „Soziales Lernen“
2.4 „Soziales Lernen“ als Konfliktprävention in der Schule

3 Die politische Funktion
3.1 Demokratisches Handeln durch „Soziales Lernen“

4 Was kann erreicht werden? –ein Fazit

5 Literatur- und Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Spätestens seit Veröffentlichung der Pisa-Studie verlangt unsere Gesellschaft nach deutlichen Reformen im deutschen Schulwesen. Es besteht allgemein die Sorge, dass deutsche Schüler bei ihren internationalen Kollegen in ihrer ökonomischen Entwicklung hinten anstehen und die Ihnen gestellten Aufgaben der alltäglichen Arbeitswelt nicht oder nur bedingt zu lösen im Stande sind. Ebenso bedenklich sind die durch die öffentliche Diskussion bekannt gewordenen Fälle von massiver Gewalt in deutschen Schulen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Es wird also einerseits verlangt, dass Schüler mehr wissen und können und dass sie die Bereitschaft und Fähigkeit besitzen, sich auf lebensnahe Aufgaben einzulassen, wenn sie ihre Schullaufbahn erfolgreich abgeschlossen haben. Andererseits soll eben diese Schullaufbahn möglichst gewaltfrei ablaufen, sodass das Erlernen des Wissens und der verlangten Schlüsselqualifikationen erst möglich wird.

Den Schülern soll ein verantwortungsbewusstes Handeln auf der Basis der Kommunikation vermittelt werden, mit dem sowohl während der Schulzeit, wie auch im außerschulischen Bereich und im späteren Berufsfeld Gewalt vermieden und Sozialkompetenzen gefördert werden sollen. Um diese schwierigen Aufgaben anzugehen haben bereits einige Schulen sozialpädagogische Maßnahmen ergriffen.

Ich möchte mich in dieser Arbeit mit der Einführung des Schulfaches „Soziales Lernen“, dass an einigen Schulen angeboten wird, beschäftigen und versuchen herauszufinden, wie und inwieweit dieses Fach die oben genannten Aufgaben löst.[1]

2 Das Unterrichtsfach „Soziales Lernen“ in der Schule

Soziales Lernen wird in der Schule seit einiger Zeit durch verschiedene Praktiken und Übungen wieder vermittelt. Allerdings reicht es bei den heutigen Aufgaben und Problemen nicht aus, hin und wieder eine Übung in den Fachunterricht einzubauen, einen Schülerrat einzurichten oder die Schülerinnen und Schüler auf richtiges Sozialverhalten hinzuweisen. Um sozial kompetente Persönlichkeiten zu schaffen, bedarf es einer kontinuierlichen Einübung und Erlernung von sozialem Verhalten. Hierzu wurde an einigen Schulen, besonders häufig jedoch an ‚Problemschulen’ das Unterrichtsfach „Soziales Lernen“ eingeführt, dass den Schülern eben diese Kompetenzen auf kontinuierliche Weise vermitteln soll.[2]

2.1 Fachunterricht vs. Sozialerziehung

Ich möchte hier nun kurz das Verhältnis von Fachunterricht zu Sozialerziehung problematisieren, damit ich in einem weiteren Schritt darstellen kann, auf welche Art und Weise man sozialerzieherische Komponenten in den Fachunterricht einbauen kann.

Natürlich kommt es im Fachunterricht immer auch zu bewussten und unbewussten sozialerzieherischen Maßnahmen. Es hängt vom unterrichtenden Fachlehrer und seiner Kompetenz im Sozialpädagogischen und –psychologischen Bereich ab, inwiefern diese Maßnahmen greifen und tatsächlich die Sozialkompetenz der Schüler beeinflussen oder verändern. Es ist jedoch höchst fragwürdig, ob ein als Fachlehrer ausgebildeter Pädagoge solche Kompetenzen mit in sein Berufsleben bringt, oder die schwierigen und folgenreichen Maßnahmen in wenigen Fortbildungen erlernen kann. Ich spreche mich an dieser Stelle ausdrücklich für einen ausgebildeten Sozialpädagogen oder Sozialpsychologen aus, der in einem gesondert unterrichtetem Fach „Soziales Lernen“ die gewünschten Kompetenzen vermittelt.

Auf einer tieferen Ebene können natürlich zu jeder Zeit, auch im Fachunterricht Sozialkompetenzen beeinflusst werden. Um dies in einem für Schülerinnen und Schüler als positiv zu bewertendem Maße zu schaffen sollte der Lehrer sich um ein kooperatives Lehrer-Schüler-Verhältnis bemühen. Dabei sollten dem Schüler mehr Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zugestanden werden. Der Lehrer sollte immer die psychosoziale Situation seiner Schüler im Auge haben und des Weiteren die sozialen Leistungen seiner Schüler in die Leistungsbewertung - neben der Sachlichen- für die Schüler spürbar mit einfließen lassen.[3]

2.2 Sozialerziehung im außerunterrichtlichen Bereich

Der außerunterrichtliche Bereich von Schule beschränkt sich momentan auf Schul- und Klassenfeste und auf Klassenfahrten. Die historisch organisierte Schule beschränkt sich hauptsächlich auf die Organisation von Unterricht. Sie hat die Funktionen der Qualifikation, Selektion und Integration. Ein sozialpädagogischer Ansatz versucht diese Beschränkungen aufzubrechen, um eine innere Reform der Unterrichtsstrukturen und eine Ausweitung der Schule über den Unterrichtszweck hinaus zu erlangen. Dies soll durch Aufnahme sozialerzieherischer Funktionen, Themen, Spiel- und Arbeitsformen, ferner durch Verbesserung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses geschehen. Eine solche Ausweitung des Einflussgebietes von Schule stößt auf viele Probleme und Widerstände.

Zuerst sind wohl die gesellschaftspolitischen Widerstände zu erwähnen, die durch erhöhte finanzielle Mittel und die nur langsam mögliche Aufbrechung von traditionellen Funktionen der Schule zu begründen ist.

Das Hauptproblem ist auch hier der Funktionsbereich und das Selbstbild der Lehrer. Sie orientieren sich hauptsächlich auf die erwähnten traditionellen Funktionen der Schule und sind weder ausgebildet noch zeitlich dazu in der Lage umfangreichere sozialpädagogische Maßnahmen zu ergreifen, die die Sozialkompetenz der Schülerinnen und Schüler maßgeblich beeinflussen würde.

Aus diesem Grund halte ich es im Gegensatz zu Harm Prior ausdrücklich für richtig, die sozialen Kompetenzen in einem fachunterrichtsfernen eigenständigen Fach zu schulen, auch wenn dies den Anschein einer Alibifunktion für die (Problem-)Schule und die Schüler selbst haben könnte. Die Nachhaltigkeit eines solchen Faches würde sich positiv auf den Fachunterricht auswirken. Dort könnte ein geschulter Fachlehrer die gewonnenen Kompetenzen in seinem Unterricht aufgreifen und festigen.[4] Ein solcher Sozialpädagoge müsste auch an Klassenfahrten teilnehmen und Schulfeste mit den Schülern organisieren, da hier eine Anhäufung von Konflikten besteht.

[...]


[1] Roth, Wolfgang: Sozialkompetenz fördern. Bad Heilbrunn, 2006, S. 7.

[2] Prior, Harm: Soziales Lernen. Düsseldorf, 1976, S.7f.

[3] Prior, Harm: S. 134

[4] Prior, Harm: S. 144

Details

Seiten
14
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638592611
Dateigröße
508 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v66879
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
2,3
Schlagworte
Schulfach Soziales Lernen Frieden Toleranz Schule Politische Kompetenz Lernen“

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