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Kreativitäts- und Moderationstechniken - Darstellung und Beurteilung

Hausarbeit 2006 21 Seiten

BWL - Personal und Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleit ung

2. Begriff sdef inition Kreat ivität
2.1 Kreativer Prozess
2.2 Umset zung im Unternehmen

3. Kreativit ät stechniken
3.1 Intuitiv-kreative Methoden
3.1.1 Brainstorming
3.1.1.1 Ablauf
3.1.2 Mindmapping
3.1.2.1 Ablauf
3.1.3. Brain Writing
3.1.3.1 Ablauf
3.1.4 Methode 635
3.1.4.1. Ablauf
3.2 Systematisch-analytische Kreativitätstechniken
3.2.1 Morphologischer Kast en
3.2.1.1 Ablauf
3.2.2. Attribute-Listing
3.2.2.1 Ablauf

4. Moderationstechniken

5. Zusammenfassung

6. Lit erat urangaben

7. Anhang

1. Einleitung

In einem sich immer schneller wandelnden wirtschaftlichen Umfeld versuchen Un- ternehmen und Organisationen sich diesem Tempo anzupassen. Neben der Entwicklung von Produktinnovationen gewinnt die Entwicklung der Mitarbeiter einen immer höheren Stellenwert, da in den Mitarbeitern das schlummernde Po- tenzial für die Gestaltung der Zukunft vermutet wird. Doch in den traditionell organisierten Konferenzen und Workshops wird dieses schlummernde Potenzial nur unzureichend ausgeschöpft, da oft die Rahmenbedingungen und der Ablauf eher kreativitätsbremsend sind.

Aus diesem Grund soll im Zentrum dieser Arbeit die Darstellung einiger Kreativitäts- und Moderationstechniken stehen, die im oben angesprochenen organisationalen Kontext zu einer innovativen Stimmung führen.

Zunächst werde ich mein Verständnis von Kreativität darlegen, so dass für diese Arbeit Klarheit über den verwendeten Kreativitätsbegriff herrscht. Danach werde ich ausgewählte Kreativitätstechniken vorstellen und ihren Einsatz in Personal- entwicklungsmaßnahmen darstellen. Um den zur Verfügung stehenden Rahmen nicht zu sprengen, werden nur Kreativitätstechniken dargestellt, die in einer kleinen Kreativitätsgruppe ohne intensive Vorbereitung durchgeführt werden können. Großgruppenmethoden können somit in dieser Arbeit keine Berücksichti- gung finden. Schließlich wird am Ende dieser Arbeit eine in Deutschland noch nicht weit verbreitete Moderationstechnik vorgestellt, mit deren Hilfe die Ergeb- nisse einer Kreativsitzung weiter bearbeitet werden können.

2. Begri f f sdefin itio n Kreativität

In der Fachliteratur sind sich alle Autoren einig, dass die Kreativitätsentwicklung beim Menschen mit zunehmenden Alter und zunehmender Erfahrung abnimmt.1 Während Kleinkinder als höchst kreativ beschrieben werden, verlernt der erwachsene Mensch diese Fähigkeit zum Teil. Johansson hat dieses „Kreativitäts- “ zwischen der mit dem Alter ansteigenden Erfahrung und der gleichzeitig schwindenden Kreativität anschaulich dargestellt.2

Da das ursprüngliche kreative Potenzial weiterhin im Menschen vorhanden ist, durch schulische Erziehung und Ausbildung aber verkümmert ist, zielt die Förderung durch Kreativitätstechniken auf eine Reaktivierung und sinnvolle Nutzung dieser Fähigkeiten. Den Unternehmen entsteht heute ein großer Verlust durch diese nicht genutzten Ressourcen. Dieses Defizit findet sich in dem nicht ausgeschöpften Problemlösungspotenzial wieder, das in Unternehmen nur zu 30- 40 % genutzt wird.3 Doch was wird heute einheitlich unter dem Begriff Kreativität verstanden? Schlicksupp definiert folgendermaßen:

„Kreativität ist die Fähigkeit von Menschen, Kompositionen, Produkte oder Ideen gleich welcher Art hervorzubringen, die in wesentlichen Merkmalen neu sind und dem Schöpfer vorher unbekannt waren Das kreative Ergebnis muss nützlich und zielgerichtet sein und darf nicht in reiner Phantasie bestehen - obwohl es nicht unbedingt sof ort praktisch angewendet zu werden braucht oder perfekt und vollständig sein muss.“4

Diese sehr treffende Definition wird von West durch die Einbeziehung einer Gruppe als Keimzelle einer kreativen Idee erweitert.5 Somit lässt sich unter Kreativität zusammengefasst die menschliche Begabung verstehen, allein oder in einer Gruppe Neues hervorzubringen, was einem selbst oder der Gruppe vorher unbekannt war.

2.1 Kreativer Prozess

Ein kreatives Ergebnis fällt im Normalfall nicht vom Himmel, sondern wird in einem mehrstufigen Prozess erarbeitet. Dieser kreative Prozess besteht aus vier Phasen, der Vorbereitung, der Inkubationsphase, der Erleuchtung und der Verifikation.6 Andere Quellen7 definieren 6 Phasen, die hier aber in einen Innovationszyklus in- tegriert sind.

Der Ausgangspunkt eines kreativen Prozesses besteht immer aus einer detaillierten und umfassenden Vorbereitungsphase, in der eine Problemanalyse erfolgt. Die Genauigkeit und Ausführlichkeit dieser Vorbereitung des eigentlichen kreativen Prozesses ist entscheidend für den späteren Problemlösungsprozess. Denn je ge- nauer das Problem umschrieben und definiert wird, um so genauer kann die Fragestellung für die Kreativsitzung definiert werden. Mit dieser Analyse der Pro- blemstellung vertieft der Teilnehmer die Kenntnisse des Problems und erkennt Ursachen und Gründe für die Problemstellung. Häufig findet in dieser Prozesspha- se die Entwicklung erster Teillösungen statt, die aber in der Regel noch kein befrie- digendes Ergebnis darstellen und im Gegenteil sogar zu Stagnation führen.

Um diese Phase der Stagnation zu verlassen, ist es sehr ratsam, die intensive Problemlösungstätigkeit zu unterbrechen und andere, entspannende Tätigkeiten auszuüben. Dabei wird die noch nicht befriedigend gelöste Problemstellung im Unterbewußtsein weiter bearbeitet, so dass diese Phase treffend als Inkubationsphase bezeichnet wird.8

In der dritten Phase, der Erleuchtungsphase, erscheint dem mit anderen Themen und Tätigkeiten beschäftigten Menschen ganz zufällig die Lösungsidee. Diese ist noch nicht vollkommen ausgearbeitet und zunächst sehr vage und hat oft den Anschein eines „Geistesblitzes“. Eine extremes Beispiel für eine Idee während der Erleuchtungsphase stellt das Träumen der Lösung im Schlaf dar.9

Diese Idee sollte zunächst schriftliche fixiert werden und erst danach einer intensiven Überprüfung unterzogen werden. In dieser Phase der Verifikation ist wichtig, dass der Lösungsvorschlag aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und umfassend analysiert wird.10 Im Rahmen dieser Überprüfung werden sich schnell die entsprechenden Punkte herausbilden, die eine Aussage über die Umsetzungsmöglichkeit der Idee zulassen.

2.2 Umset zung im Unternehmen

Bei der Betrachtung von Kreativitätsprozessen in Unternehmen lässt sich feststellen, dass die angesprochenen Phasen 1 und 4 sehr ausführlich und umfassend durchgeführt werden, während die Inkubations- und die Erleuchtungsphase zu kurz kommen.11 Johansson spricht in diesem Zusammenhang sogar von einem „ Kreativitätsmobbing“ , das durch strukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen den kreativen Prozess aktiv behindert.12 Hier liegt ein Ansatzpunkt für die Personalentwicklung der Zukunft, in deren Verantwortungsbereich die Erschaffung und Sicherstellung von Freiräumen für die Gestaltung kreativer Prozesse liegt. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Veranke- rung von kreativitätsfördernden und qualitätsorientierten Rahmenbedingungen in der Kultur des gesamten Unternehmens.13 In der Vergangenheit wurden die meis- ten kreativ-innovativen Ideen nicht im Unternehmen, sondern in der Freizeit entwi- ckelt. Aus diesem Grund erscheint es für die Zukunftsfähigkeit eines Unter- nehmens um so wichtiger, eine kreative Arbeitsumwelt zu schaffen, so dass Inno- vationen und neue Ideen bereits im Unternehmen selbst geschaffen werden.14

Deshalb erscheinen mir folgende Punkte für die oben angesprochene Schaffung eines kreativitätsfördernden und qualitätsorientierten Klimas wichtig:

- Schaffung und Pflege einer offenen Kommunikation
- Das Topmanagement dient als Vorbild im Innovationsprozess
- Im Unternehmen werden herausfordernde Standards gesetzt
- Im Unternehmen wird Fehlertoleranz gelebt
- Institutionelle Einrichtung von Kreativräumen im Unternehmen.15

3. Kreativitätstechniken

Bei der Betrachtung der Fachliteratur fällt auf, dass über die Anzahl und Unterscheidung der Kreativitätstechniken unterschiedliche Aussagen getroffen werden.16 So unterscheiden einige Autoren bzgl. der Einsatzmöglichkeit der jeweiligen Kreativitätstechnik17, andere dagegen stellen die dahinterstehenden Denkmuster in den Vordergrund.18

Um eine möglichst effektive Einsatzweise in der betrieblichen Personalentwicklung sicherzustellen, erscheint mit die Unterscheidung zwischen intuitiv-kreativen und systematisch-analytischen Kreativitätstechniken19 sinnvoll. Je nach Anforderung und Lage der Problemstellung kann somit der Trainer und Personalentwickler aus dem Methodenkoffer der Kreativitätstechniken die entsprechenden Methoden nutzen und bereits in der Vorbereitung eines Workshops entsprechend der Teil- nehmer und der Problemstellung die passenden Methoden auswählen. Von Vorteil ist häufig die Kombination verschiedener Kreativitätstechniken, da zum einen die Methodenvielfalt motivierend auf die Teilnehmer wirkt, zum andern aber die Ergebnisse einer Sitzung in der Folge mit einer anderen Technik gewinnbringend weiterentwickelt werden kann.

3.1 Intu itiv-kreative Methoden

Als die intuitiv-kreativen Methoden sind die Methoden definiert, die im engeren Sinne als Kreativitätstechniken bezeichnet werden. Durch Schaffen einer entspannten und stressfreien Problemlösungsatmosphäre soll der Teilnehmer Denkblockaden abbauen und zu freiem und ungehemmten Denken ermutigt werden.20 Eine wichtige Voraussetzung für alle intuitiv-kreativen Methoden ist die Beachtung folgender methodischer Grundlagen:

- Keine Kritik während der Sammelphase,
- Freier Lauf der Phantasie und Assoziation,
- Vorschläge aktiv aufgreifen und weiterentwicklen,
- Quantität geht zunächst vor Qualität der Ideen.21

Schon in dieser sehr kurzen Übersicht wird deutlich, dass in einigen als kreativ beschriebenen Meetings und Workshops in Organisationen diese elementaren Grundregeln nicht beachtet werden, und somit häufig nicht die erwünschten Ideen entwickelt werden.

3.1.1 Brainsto rm ing

Brainstorming wird in der gesamten Literatur als die klassische Ideenfindungsme- thode bezeichnet, auf deren Grundlage andere Methoden entwickelt wurden. Ursprünglich wurde Brainstorming zur Ausschaltung von Konferenzblockaden und zur besseren Strukturierung von Meetings entwickelt. In der Folgezeit aber setzte es seinen Erfolgsweg aus den USA auch nach Europa fort und ist heute die am häufigsten angewandte Problemlösungsmethode. Der Erfolg beruht darauf, dass

„zur Lösung eines Problems das Wissen mehrerer Personen genutzt wird, denkpsychologische Blockaden ausgeschaltet werden, durch die Ausgrenzung restriktiver Äusserungen die Lösungsvielfalt erweitert wird, das Kommunikationsverhalten der Beteiligten gestrafft und „ demokratisiert“ wird, unnötige Diskussionen vermieden werden. “22

Somit können in einer Brainstormingsequenz sehr schnell an die 100 Ideen entwi- ckelt werden, wobei hier zunächst die Quantität der Ergebnisse vor der Qualität wichtig ist.

3.1.1.1 Ablauf

Die optimale Gruppengröße für eine Brainstormingsitzung beträgt fünf bis sieben Teilnehmer. Bei einer kleineren Gruppe fehlt häufig das kreative Potenzial, bei einer größeren Gruppe besteht die Gefahr des Durcheinanderredens.23 Zur Samm- lung der Ideen und zur Gruppensteuerung ist ein Protokollant und eine Moderator zu empfehlen, so dass die Gruppe sich ganz auf den kreativen Prozess kon- zentrieren kann. Nach der Definition der Problemstellung, der Erläuterung der Grundregeln (vgl. 3.1 dieser Arbeit) kann sofort mit dem Brainstorming begonnen werden. Wichtig ist dabei, dass die geäußerten Ideen sofort auf einem Flipchart oder einer Metaplan-Wand visualisiert werden, so dass bei nachlassender Ideen- produktion die Teilnehmer sich von den bereits geäußerten Ideen weiter anregen lassen können.24 Mehlhorn empfiehlt für die Ideensammlung neben einem ruhigen Raum auch eine andere Arbeitsatmosphäre, die im offenen Halbkreis um das Flip- chart oder die Metaplanwand stattfinden soll, so dass den Teilnehmern auch hier- durch signalisiert wird, dass eine anderer Denkstil gefragt ist.25 Der größte Fehler neben der Verletzung der Grundregeln ist eine zu kurze Zeitspanne für die Ideen- sammlung. Oft wird bei nur noch tröpfelndem Ideeneingang die Sammlungsphase abgeschlossen. An dieser Stelle ist der Moderator gefordert, die Gruppe immer wieder durch Reizfragen zu stimulieren und weiter am Thema zu halten. Als optimale Dauer der Ideensammlung werden 20-40 Minuten veranschlagt.26

Nach der Sammlungsphase, die im Regelfall die Teilnehmer sehr fordert, folgt die Sichtung und Bewertung der einzelnen Ideen, die dann weiter bearbeitet werden.

[...]


1 Backerra, Hendrik, Malorny, Christian, Schwarz, Wolf gang (2002), S. 7. gap

2 Johansson (1997), S. 12.

3 Schlicksupp (2004), S. 10.

4 Ebenda, S. 32.

5 West (1999), S. 11.

6 Backerra, Malorny, Schwarz, (2002), S. 26ff. Johansson (1997), S. 30ff . West (1999), S. 42.ff. West hat zwar andere Bezeichungen für seine Phasen gefunden, von Kern der Aussage ist er aber identisch mit Backerra und Johansson.

7 Schlicksupp (2004); S.

8 Backerra, Malorny, Schwarz, (2002), S. 28.

9 Ebenda, S. 29.

10 Ebenda, S. 29.

11 Ebenda, S. 29.

12 Johansson (1997), S. 14.

13 Backerra, Malorny, Schwarz, (2002), S. 35.

14 Johannson (1997), S. 34.

15 Backerra, Malorny, Schwarz, (2002), S. 35f.

16 Ebenda, S. 42ff. sprechen von 7 Kreativität swerkzuegen, die ggf. noch im Detail Unterscheidungen in sich bergen. Erweiternd dazu benennt Schlicksupp (2004), S. 63 bereits 101 Problemlösungstechniken und weist darauf hin, dass es ggf. auch noch mehr gebe. Auf eine ähnliche Anzahl (107) verweisen Higgins, Wiese (1996) und nennen ihre Lösungsvorschläge KPL (Kreative Problemlösungstechniken).

17 Higgins, Wiese (1996)

18 Mehlhorn (2000), S. 33f.

19 Ebenda, S. 33ff.; Schlicksupp (2004), S. 58f.

20 Schlicksupp (2004), S. 59.

21 Mehlhorn (2000), S. 34f.; Backerra, Malorny, Schwarz, (2002), S. 56ff.

22 Schlicksupp (2004), S. 101.

23 Ebenda, S. 105; Backerra, Malorny, Schwarz, (2002), S. 54.

24 Backerra, Malorny, Schwarz, (2002), S. 54f.

25 Mehlhorn (2000), S. 36.

26 Schlicksupp (2004), S. 107. Mehlhorn (2000), S. 36 definiert einen Zeitraum von mindest ens 30-60 Minuten. Unbestrit t en ist bei allen Autoren, dass neben einer kurzen „Verklappungsphase“, in der die naheliegenden Ideen geäußert werden, auch eine Zeit für assoziative Ideen eingeplant wird. Oft werden die endgültigen Problemlösungen erst in dieser Phase geschaf fen.

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638593502
ISBN (Buch)
9783638768160
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67056
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
1,3
Schlagworte
Kreativitäts- Moderationstechniken Darstellung Beurteilung

Autor

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Titel: Kreativitäts- und Moderationstechniken - Darstellung und Beurteilung