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Unterrichtseinheit: Erforschung der eigenen Sinneswahrnehmung, der Tastsinn – benötigen wir unsere Augen zum Zeichnen?

©2006 Unterrichtsentwurf 16 Seiten

Zusammenfassung

Wahrnehmung bezeichnet im Allgemeinen den Prozess der bewussten Aufnahme von Informationen eines Lebewesens über seine Sinne und kann durch die Aufmerksamkeit gesteigert werden. Im Kunstunterricht spielt die Wahrnehmung eine zentrale Rolle. Normalerweise basiert sie dort jedoch lediglich auf visuellen Eindrücken, deren Verarbeitung und Umsetzung. Manchmal wird mit Unterstützung von akustischen Impulsen die auditive Wahrnehmung im Kunstunterricht angeregt. Die olfaktorischen oder gustatorischen Wahrnehmungen werden allerdings selten in den Kunstunterricht miteinbezogen.

Einen weiteren Zugang bietet jedoch unser größtes Organ – die Haut. Form, Räumlichkeit, Oberflächenstruktur, Härte, Temperatur oder beispielsweise die materielle Beschaffenheit können auch über den Tastsinn erfahren werden. Sobald man sich von den gewohnten Zugängen löst und sich neuen Arbeitsweisen öffnet, können sehr faszinierende und überraschende Resultate auftreten. Darum möchte ich in dieser Unterrichtsstunde die haptische Wahrnehmung (griech.: haptikos = greifbar) der Kinder schulen. Die Gesamtheit der haptischen Wahrnehmungen erlaubt es dem Gehirn, Berührungen, Druck und Temperaturen zu lokalisieren und zu bewerten. Es wird unterschieden zwischen der taktilen Wahrnehmung (Oberflächensensibilität) und der kienästhetischen Wahrnehmung (Tiefensensibilität). Bei intensiver Auseinandersetzung kann die haptische Wahrnehmung ausdifferenziert werden, was den Kindern auch außerhalb des Kunstunterrichts zu Gute kommen wird.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Zur Ausgangslage des Unterrichts
1.1. Institutionelle Bedingungen
1.2. Anthropologische Bedingungen

2. Überlegungen und Entscheidungen zum Unterrichtsgegenstand
2.1. Klärung der Sache
2.2. Didaktische Überlegungen

3. Intentionen des Unterrichts

4. Überlegungen zum Lehr – Lernprozess

5. Skizze des Unterrichtsverlaufs

6. Mögliche Weiterarbeit

7. Verwendete Literatur und Materialquellen

8. Nachbesinnung

Einleitung

Im Rahmen des Blockpraktikums I vom 21.09.06 – 13.10.06 an der Albert-Schweizer-Realschule in Tübingen hatte ich die Gelegenheit, einen tieferen Einblick in den Schulalltag aus Lehrerperspektive zu bekommen indem ich mehreren Schulstunden beiwohnen konnte sowie 15 Stunden selbst ausarbeiten und halten durfte. Zudem erhielt ich durch die Anwesenheit im Lehrerzimmer und bei Besprechungen die Chance, den Alltag eines Lehrers neben seiner Funktion im Klassenzimmer mitzuerleben. Dabei unterstützten mich die Schulleitung und das Lehrerkollegium, indem auch seitens der Fachlehrer stets das Angebot zur Teilnahme an ihren Stunden ausgesprochen wurde.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Während des Blockpraktikums ergaben sich Unterrichtsversuche in Englisch, Bildender Kunst und Mathematik, sowie die Möglichkeit in den Stunden anderer Lehrer zur Beobachtung anwesend zu sein. Da die genannten Fächer meiner Studienkombination entsprechen, war es von großem Vorteil insbesondere an solchen Schulstunden teilzunehmen. Meine Betreuungslehrer in den entsprechenden Unterrichtsfächern führten mich in die Besonderheiten des jeweiligen Faches ein. Dort boten sich mir stark voneinander unterscheidende Unterrichtssituationen, was von mir als eine große Bereicherung empfunden wurde. Des Weiteren versuchten die Fachlehrer mir ein breites Unterrichtsspektrum vorzustellen, indem sie die von ihnen gehaltenen Stunden nach verschiedenen Prinzipien – wie dem „Ziegésar Modell“ oder eine Grammatikstunde nach dem „Entdeckenden Lernen“ – aufbauten.

Als Ergänzung zur eigentlichen Unterrichtsstunde wurden vorab sowohl der jeweilige Inhalt des Unterrichts als auch dessen Lernziele zusammen mit dem Fachlehrer besprochen. Die daraufhin entstandene Ausarbeitung wurde erneut gemeinsam im Hinblick auf die sinnvolle Gestaltung der Unterrichtsstunde überprüft. Im Anschluss an die gehaltene Schulstunde wurden die positiven und negativen Aspekte reflektiert und wir suchten gemeinsam nach Verbesserungsmöglichkeiten. Durch diese Vorgehensweise konnte ich eine differenzierte inhaltliche und didaktische Analyse nach jeder Stunde vornehmen und deshalb sehr viel aus den einzelnen Unterrichtsversuchen lernen.

Anmerkung zur formalen Gestaltung:

In der vorliegenden Ausführung wird die weibliche und männliche Form zur Geschlechterbezeichnung verwendet. Wird aus Gründen der Vereinfachung nur die männliche Form eingesetzt, gilt sie für beide Formen (Schüler und Schülerinnen).

1. Zur Ausgangslage des Unterrichts

1.1. Institutionelle Bedingungen

- Die Klasse 5c setzt sich aus 17 Mädchen und 14 Jungen zusammen. Die Kinder müssen sich nach der Einschulung in die Sekundarstufe nun neu orientieren und sich untereinander zu Beginn des Schuljahres erst näher kennen lernen. Die Altersstreuung umfasst Schülerinnen und Schüler von 10 bis 12 Jahren. Auch an Nationalitäten ist eine große Vielfalt in der Klasse vertreten. Die Meisten der Kinder mit Migrationshintergrund sind entweder in Deutschland geboren oder sehr früh immigriert, sodass sie die deutsche Staatsbürgerschaft besitzen und ausreichende sprachliche Fähigkeiten vorweisen können. Nur wenige Schüler leben erst seit einigen Jahren in Deutschland. Diese werden auch trotz vereinzelter sprachlicher Probleme in die Klassengemeinschaft sehr gut eingebunden. Die Sprachproblematik erschwert vor allem die Zusammenarbeit mit den Eltern. Zu den Elterngesprächen erscheinen nämlich häufig gerade die Eltern nicht, die selbst und deren Kinder die größten Sprachdefizite aufweisen. Dies kann so weit führen, dass die Eltern bei einem Fehlverhalten der Schülerinnen oder Schüler nur schwer in Kenntnis zu setzen sind und somit die Eltern keine Möglichkeit haben, in der Erziehung ihrer Kinder gegenzusteuern. Auf Seiten der Schüler entfällt eine Motivation, in der Schule ein angemessenes Verhalten an den Tag zu legen. Allerdings zeichnen sich solche Tendenzen noch nicht in der 5. Klassenstufe ab sondern sind eher bei Schülern der höheren Klassen festzustellen. Zur Problematik des Migrationhintergrunds kommen erschwerend noch einige Schüler hinzu, auf die aus familiären Gründen in besonderer Weise Rücksicht zu nehmen ist. Sie verweigern des Öfteren die Mitarbeit, stören das Unterrichtsgeschehen oder üben einen negativen Einfluss auf ihre Klassenkammeraden aus. Auch dies ist häufiger in den höheren Klassen zu finden. Über die familiären Hintergründe der Fünftklässler wird man wohl erst nach einigen Monaten besser informiert sein, sodass man auf manche Kinder und deren Verhaltensweisen entsprechend eingehen kann und präventiv oder intervenierend agieren kann.
- Die Sitzordnung im Kunstsaal besteht meist aus 5 Gruppentischen mit jeweils 3 Zweierbänken, die der Tafel zugewandt sind. Die Raumaufteilung ist jedoch nicht fixiert. Die Großzügigkeit des Raumes ermöglicht weitere Varianten – Gruppenarbeitstische, den Gesprächskreis oder die Konferenzform. Durch die Lage des Zeichensaals im Erdgeschoss, welcher nicht in der Rundbauweise der anderen Stockwerke erbaut ist, muss die Sitzordnung nicht an gebogene Wände angepasst werden. In Blickrichtung zur Tafel befindet sich zur Linken eine lange Fensterreihe. Zur Rechten befindet sich eine lange Wand mit ein paar wenigen Plakaten und einem großen Waschbecken. Bei der Rückwand des Raumes befindet sich das Pult. So kann die Ausrichtung des Klassenzimmers variiert werden und kann den jeweiligen Ansprüchen im Unterricht gerecht werden.
- Die Atmosphäre im Klassenzimmer ist durch die freundliche und helle Gestaltung des Raumes sehr ansprechend. An den Wänden sind wenige Bilder angebracht, sodass die Schüler nicht durch visuelle Vorlagen in ein Schema gedrängt werden. Der positive optische Gesamteindruck kommt auch durch die Sauberkeit des Raumes zu Stande. So ergibt sich im Kunstsaal ein schönes Umfeld, welches die Lernsituation und Kreativität positiv beeinflusst. Die freundlichen Gänge der Schule sind zudem Orte zur unbeschwerten Begegnung außerhalb des Unterrichts.

Die aus Tafelsicht zur Linken liegende Seite des Kunstraumes ist voll verglast, was in der Regel das Arbeiten bei Tageslicht ermöglicht. Allerdings kann dies auch zum Nachteil werden, wenn gleißendes Sonnenlicht blendet, oder sich die Schüler vom Geschehen in der angrenzenden Hauptschule ablenken lassen.

- Die Ausstattung mit Arbeitsmaterialien sowie Lehr- und Lernmitteln ist konventionell mit einer Tafel, einem Overheadprojektor und einem Steckbrett, was verschiedene didaktische Varianten ermöglicht. Ein Kassettenrecorder oder CD-Spieler kann optional verwendet werden. Entsprechend der Ausstattung mit besonderen Arbeitsmaterialien ist dem eigentlichen Kunstraum ein Nebenzimmer angeschlossen, wo bestimmte Papiere, Farben und andere Utensilien gelagert werden.
- Ein großer Vorteil an der Albert-Schweizer-Realschule ist es, dass die konzentrierte Arbeitshaltung der Schüler nicht durch den Pausengong unterbrochen wird. Der jeweilige Lehrer kann die Pause an einer für den Verlauf der Stunde geeigneten Stelle einfügen. Die Schüler wissen um diese Vorgehensweise und drängeln daher nicht nach 45 Min in die Pause. Dies ermöglicht eine andere Zeitplanung innerhalb einer Doppelstunde, welche somit mehr inhaltlich orientiert gestaltet werden kann. Im Fach Kunst bietet sich dies besonders in der Doppelstunde an den Dienstagen an. Allerdings erstreckt sich die Donnerstagsstunde, welche Gegenstand dieses Unterrichtsentwurfs ist, über 45 Minuten, weshalb die flexible Gestaltung der Pause hier entfällt.

1.2. Anthropologische Bedingungen

- Sachstruktureller Entwicklungsstand:

Im Hinblick auf das Thema „Erforschung der eigenen Sinneswahrnehmung: Der Tastsinn – benötigen wir unsere Augen zum Zeichnen?“ verfügen die Schüler über ein großes Vorwissen aus dem eigenen Erfahrungsbereich. Allerdings neigt der Mensch dazu, mit zunehmendem Alter gegenüber seinen Sinneseindrücken auf Grund der kontinuierlichen Reizüberflutung abzustumpfen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken möchte ich die Schüler auf eine andere Art und Weise an alltägliche Gegenstände heranführen und ihnen die Möglichkeit geben, ihre künstlerische Arbeitsweise zu überdenken. Dabei mag dem einen oder anderen Schüler auffallen, dass es ihm nur schwer gelingt sich auf ein solches Konzept einzulassen. Vielleicht wird den Schülern sogar bewusst werden, wie wichtig unsere einzelnen Körperfunktionen zum Gelingen eines motorischen Ablaufes sind.

Die sich für den Inhalt anbietende Arbeitsform in Einzelarbeit sowie die anschließende Besprechung im Sitzkreis wurde in der Klasse bereits praktiziert, weshalb detaillierte Instruktionen nicht nötig sind.

Leider variiert jedoch das Spektrum der Leistungsmöglichkeiten innerhalb der Klasse. Das Zeichentempo der starken Schüler kann von den Langsameren nicht mitgehalten werden, weshalb Arbeitsaufträge unterschiedlich schnell beendet werden. Dadurch kann es zu etwaigen Unruhen im Zeichnsaal kommen, wenn die schnelleren Kinder im Raum umherlaufen oder mit ihren Nebensitzern in ein Gespräch verfallen. Allerdings sprechen diese Aspekte im Fach Kunst nicht gegen die freie Arbeitsform an Gruppentischen. Diese kann nämlich auch äußerst inspirierend sein, wenn die Kinder bei ihren Mitschülern andere Lösungsansätze für das umzusetzende Thema sehen. Darüber hinaus können sie im leisen Gespräch sich über verschiedenen Methoden austauschen und miteinander Ideen sammeln. Langsamere Schüler können sich von den schnelleren Kindern anleiten lassen, oder Hilfestellung durch den Lehrer erfahren. Zudem bleibt optional die Fertigstellung in Heimarbeit.

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Details

Seiten
16
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638608565
ISBN (Buch)
9783640247608
DOI
10.3239/9783638608565
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Erscheinungsdatum
2007 (Januar)
Note
1,0
Schlagworte
Unterrichtseinheit Erforschung Sinneswahrnehmung Tastsinn Augen Zeichnen

Autor

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Titel: Unterrichtseinheit: Erforschung der eigenen Sinneswahrnehmung, der Tastsinn – benötigen wir unsere Augen zum Zeichnen?