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Akteure deutscher Kolonialherrschaft

Referat (Ausarbeitung) 2006 25 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Afrika

Leseprobe

Gliederung

I. Einleitung
I.1. Vorbemerkung
I.2. Gegenstand des Vortrages und Zeitraum der Betrachtung
I.3. Stand der aktuellen Diskussion
I.4. Arbeitshypothese
I.5. Methoden und Quellen
I.6. Differenz zu anderen Vorgehensweisen

II. Hauptteil
II.1. Kolonialismus / Imperialismus Begriffsklärung und historische Kontinuität
II.2. Akteure
II.2.a. Geistige Brandstifter
- von der Oelsnitz
- Marquard Barth
- Wilhelm Hübbe-Schleiden
- Ernst von Weber
- Friedrich Fabri
- Ernst Haeckel
II.2.b. In Afrika
- Lüderitz
- Peters
- Nachtigal
- Wissmann
- Lettow – Vorbeck
II.2.c. Im Reich
- Woermann
- Wilhelm II.
- von Bülow

III. Fazit
III.1. Kritische Stellungnahmen zu anderen Ergebnissen
III.2. Verifikation der Arbeitshypothese.

I. Einleitung

I.1. Vorbemerkung

„The Germans to the Front !“ ist der Untertitel eines Gemäldes von Carl Röchling aus dem Jahre 1902. Es zeigt deutsche Kolonialtruppen an der Spitze einer internationalen Allianz anlässlich des chinesischen Boxeraufstandes im Jahre 1900.

Dieses Gemälde war das Lieblingsmotiv des deutschen Kaisers Wilhelm II.. Deutschland als Führer der Welt, war sein Credo. „Mit Volldampf voraus.“[1], so seine Worte im Jahre 1890, wollte er, mit den Worten des damaligen Staatsekretärs Bernhard v. Bülow gesprochen, „….einen Platz an der Sonne“[2], erobern und Deutschland herrlichen Zeiten entgegenführen[3].

Welch verhängnisvollen Weg der Größenwahn des letzten deutschen Kaisers und seine nicht weniger von missionarischem Eifer beseelten Untertanen einschlugen, versuche ich im Laufe des Vortrages zu klären.

I.2. Gegenstand des Vortrages und Zeitraum der Betrachtung

Die Geschichte des Kontinents Afrika ist wesentlich länger und vielfältiger, als die Menschen im Norden der Welt auch nur ahnen[4]. Sie beginnt nicht erst vor 500 Jahren mit dem Anlanden europäischer Handelsschiffe.

Das Meiste und Wichtigste ist jedoch verloren oder wurde bislang ignoriert, einfach deshalb, weil es nicht in die heute vorherrschende Weltsicht passt[5].

An dieser Entwicklung haben die europäischen Kolonialmächte der Neuzeit – Portugal, Spanien, Niederlande, England, Frankreich, Belgien, Deutschland und Italien – ihren gehörigen Anteil.

Es war historisch gesehen nur eine kurze Zeitspanne, in der die Europäer den gesamten Kontinent Afrika in Kolonien untereinander aufteilten, ohne auf die Bewohner auch nur die geringste Rücksicht zu nehmen[6]. Die Folgen dieser Zeit sind allerdings auch heute noch tief in der Realität verankert und nahezu allgegenwärtig.

Der vorliegende Vortrag befasst sich nun exemplarisch mit einigen Akteuren des deutschen Kolonialismus. Diese sind bis auf wenige Ausnahmen auch heute noch im deutschem Geschichtsbewusstsein und vor allem im öffentlichen Leben präsent.

Der maßgebliche Zeitraum deutscher Beteiligung an kolonialer und imperialer Herrschaftsgerierung erstreckt sich auf die Jahre 1880 – 1914.

Zwar gab es bereits vorher deutsche Kolonien in Venezuela (Klein – Venedig als Lehen des Kaisers Karl V. an die Augsburger Kaufmannsfamilien Fugger und Welser) und auf dem Gebiet der Republik Ghana (Feste Groß-Friedrichsburg als Brandenburgische Kolonie 1682 – 1717), doch diese Abenteuer waren zum Einen recht zügig vorüber und spielen des Weiteren keine solche Rolle für das, was später deutsche Weltpolitik ausmachen sollte.

I.3. Stand der aktuellen Diskussion

Die Behandlung der Kolonialzeit oder das Phänomen des Imperialismus ist in der aktuellen Diskussion eher ambivalent und bipolar.

Es gibt Rechtfertigung und Relativierung[7] auf der einen Seite sowie Verurteilung[8] auf der anderen Seite. Beide Positionen zeichnen sich durch ideologische Färbungen aus, die eine Berücksichtigung des Tatsächlich Gewesenen nicht zulässt. Eine Einbeziehung afrikanischer Positionen wird so gut wie nie vorgenommen[9].

Über die Schlachten der Europäer wird meist berichtet als eine Art Notwehr, um die bedrohten eigenen Frauen und Kinder in den Kolonien zu schützen. Die Verteidigungsformen der Afrikaner, die ihres eigenen Bodens beraubt waren, werden hingegen als „Massaker“ beschrieben und ihre ermordeten Frauen und Kinder sind kaum einer Erwähnung wert[10].

Weiterhin gibt es eine ganze Fülle von Theorien aus dem Bereich der Internationalen Beziehungen, die zu erklären suchen, warum Afrika der Hilfe durch die internationale Gemeinschaft[11] und damit gerade der Länder bedarf, die für seine derzeitige Lage verantwortlich sind.

Imperialismustheorien sind hingegen das Spielfeld der großen Theoretiker des Marxismus[12]. Am Imperialismus zeigen sie den zwangsläufigen Untergang des Kapitalismus auf, der in der Realität nie erfolgt.

Um der Fülle der Informationen und Aspekte Herr zu werden, ist, im Hinblick auf Diskussion und Beantwortung der untersuchungsleitenden Fragestellung, Vieles gestrafft dargestellt, das bereits an anderer Stelle eine ausführlichere Behandlung erfahren hat[13].

I.4. Arbeitshypothese

Dieser Vortrag untersucht die Handlungsweisen deutscher Kolonialakteure unter der Fragestellung: Folgte der Kolonialismus / Imperialismus deutscher Prägung einzelnen Akteuren nach oder folgten die Akteure einer Entwicklung nach?

Als untersuchungsleitende Hypothese stelle ich daher Folgendes in den Raum:

Die Akteure des deutschen Kolonialismus waren Getriebene des Geistes der Moderne. Politische und kulturelle Kleingeister, deren Bestrebung es war, um jeden Preis aus dem langen Schatten ihrer Überväter nationaler und internationaler Prägung herauszutreten.

I.5. Methoden und Quellen

Mein Erkenntnisinteresse ist emanzipatorisch und praktisch. Ich betrachten die Ereignisse aus einer historisch-analytischen Perspektive. Diese ist auf der Ebene des Politischen Systems angesiedelt.

Die verwendete Methode ist interpretativ, d. h. sie ist historisch-kritisch und hermeneutisch. Dabei stützt der Vortrag sich ausschließlich auf die Analyse von Sekundärmaterial.

I.6. Differenz zu anderen Vorgehensweisen

In Abgrenzung zu den meisten Literaturfundstellen löst sich der Vortrag aus der Akteurperspektive und betrachtet die Systemebene. Er weist nach, dass die Kolonialpolitik des Deutschen Reiches und seiner maßgeblichen Akteure keine Einzelaktionen waren, sondern einerseits dem fehlenden Kulturempfinden der Nation geschuldet ist, einhergehend mit einem Minderwertigkeitsgefühl gegenüber dem britischen Empire und andererseits der verzweifelte Versuch einer Antwort auf die Proletarisierung der Politik innerhalb der modernen Gesellschaft ist.

II. Hauptteil

II.1. Kolonialismus / Imperialismus Begriff und historische Kontinuität

Kolonialismus, ist definiert als politische Herrschaft,[14] die den Superioritätsanspruch eines Volkes über ein anderes einschließt[15].

Unter Imperialismus wurde zunächst die Ausweitung des Herrschaftsgebietes über die Siedlungsgebiete des Staatsvolkes hinaus verstanden, so dass der Begriff transformierte zur Charakteristik der Politik der bisherigen europäischen. Kolonialmächte und der Nachzügler Belgien, Deutschland und Italien in den drei Jahrzehnten vor dem I. Weltkrieg, die noch nicht unter Kolonialherrschaft gefallenen Territorien unter sich aufzuteilen[16].

Kolonialismus wird allgemein beschränkt auf die europäischen Kolonialmächte der Neuzeit (Portugal, Spanien, Niederlande, England, Frankreich, Belgien, Deutschland, Italien) sowie Russland und die USA.

Man muss sich aber darüber im Klaren sein, dass er weder auf diesen Kreis begrenzt ist, noch nur in dem angesprochenen Zeitraum des 19. Jahrhunderts stattfand. Entsprechende Phänomene begegnen einem im Altertum bei den Phönikern, Griechen und Römern, im Mittelalter in der iberischen Reconquista und in den italienischen Kolonien des weiteren Mittelmeerraumes.

Hier wurden die Formen ausgebildet, deren sich die Portugiesen, Kastilier und nach ihnen die Nordwesteuropäer anfänglich bedient haben, um ihre überseeische Expansion zu organisieren.

Nationalgestimmter Heldenkampf gegen einen religiös definierten Erbfeind mit dem Ziel, Beute zu machen oder gar eine eigene Feudalherrschaft zu erobern. Befestigte Handelsstationen zum Erwerb von Luxusgütern und Sklaven[17].

Gegen den religiös legitimierten Monopolanspruch der iberischen Mächte, empört sich das aufstrebende Nordwesteuropa im Zeichen seiner Alternativideologie, des Protestantismus.

In parasitärer Weise[18] versuchen die Nordwesteuropäer zunächst durch Raub von den Errungenschaften ihrer Vorgänger zu profitieren, dann, indem sie sich in Bereichen niederlassen, wo der Arm der alten Imperien nicht hinreicht:

Im »Zeitalter des Imperialismus« ging es dann um Afrika (scramble for Africa), das der Kolonialismus bisher fast nur am Rande berührt hatte. In rascher Folge wurde alles, was noch zu haben war, unter die bisherigen Kolonialmächte sowie die drei Neuankömmlinge Belgien, Deutschland und Italien aufgeteilt wurde.

Nachdem Italien 1911 Tripolitanien erworben hatte und Marokko im selben Jahr französisches Protektorat geworden war, besaß auf dem ganzen Kontinent außer Äthiopien nur noch Liberia seine Unabhängigkeit.

[...]


[1] Stier, Hans Erich; Deutsche Geschichte im Rahmen der Weltgeschichte; Darmstadt 1958, S. 876

[2] Fröhlich, Michael; Imperialismus, Deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880 – 1914; München 1994, S. 75

[3] Fröhlich, Michael; a. a. O. S. 47

[4] v. Dijk, Lutz; Die Geschichte Afrikas; Bonn 2005, S. 9

[5] v. Dijk, Lutz; a. a. O. S. 9

[6] v. Dijk, Lutz; a. a. O. S. 75

[7] Stier, Hans Erich; a. a. O. S. 876 ff.; Weber Max; Wirtschaft und Gesellschaft. Grundriss der verstehenden Soziologie; Lizenzausgabe für Zweitausendeins; Neu Isenburg 2005, S. 667 ff.; Reinhard, Wolfgang; in: Nohlen, Dieter (Hrsg.); Lexikon der Politik; Band.4: Die östlichen und südlichen Länder: Kolonialismus/Imperialismus; Berlin 2004, S. 4930; als Übersicht: Fröhlich, Michael; a. a. O. S. 178 ff.

[8] Aurich, Katharina; Kaiserlich Deutscher Kolonialismus, Seine Kritiker und seine Reformer. Eine Untersuchung zu den Reichtagswahlen von 1907; Berlin 1984

[9] als Ausnahme: v. Dijk, Lutz; a. a. O.

[10] v. Dijk, Lutz; a. a. O. S. 76

[11] Boeckh, Andreas; in: Nolden, Dieter (Hrsg.); Lexikon der Politik; Band 6: Internationale Beziehungen; Berlin 2004, S. 6.455 ff.

[12] als Überblick: Elsenhans, Hartmut; in: Nolden, Dieter (Hrsg.); Lexikon der Politik; Band 1: Politische Theorien; Berlin 2004, S. 483 ff.

[13] statt Vieler: Fröhlich, Michael; Imperialismus, Deutsche Kolonial- und Weltpolitik 1880 – 1914; München 1994, S. 75; Stier, Hans Erich; Deutsche Geschichte im Rahmen der Weltgeschichte; Darmstadt 1958, S. 876

[14] als Übersicht: Reinhard, Wolfgang; a. a. O. S. 4930

[15] Reinhard, Wolfgang; a. a. O. S. 4930

[16] Nohlen, Dieter; in: Nohlen, Dieter (Hrsg.); Lexikon der Politik; Band 7: Politische Begriffe: Imperialismus; Berlin 2004; S. 8659

[17] Reinhard, Wolfgang; a. a. O. S. 4931

[18] Reinhard, Wolfgang; a. a. O. S. 4935

Details

Seiten
25
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638587358
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67521
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto-Suhr-Institut
Schlagworte
Akteure Kolonialherrschaft Seminar Afrika Berlin

Autor

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Titel: Akteure deutscher Kolonialherrschaft