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Aristoteles' Ursachenlehre und die Kritik des Aristoteles in der Auseinandersetzung mit den Prinzipien seiner Vorgängern

Hausarbeit 2006 10 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Einleitung

2. Aristoteles’ kritische Auseinandersetzung mit den Prinzipien seiner Vorgänger und seine Schlussfolgerungen

3. Die Ursachenlehre

4. Schlussbetrachtung

5. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Von Wissen und Weisheit wird oft und leichtfertig gesprochen. Es wird heutzutage mit Intelligenz, Alter oder auch dem sozialen Status bemessen. Jedoch was bedeutet Wissen und Weisheit für die, welche sie am meisten besitzen, die Philosophen? Der griechische Philosoph Aristoteles (384v.Chr.- 322v.Chr.) beantwortete diese grundlegende Frage damit, dass die Erkenntnis des „Woraus“, des „Wozu“, des „Woher“ und des „Was“ der einzelnen Naturdinge eine notwendige und hinreichende Bedingung für das Wissen ist. Das Entstehen und Vergehen der Naturdinge, Charakteristiken, welche der prozesshaften Natur eigen sind, erschloss Aristoteles in seinen naturphilosophischen Überlegungen folglich auf ihre Ursachen hin und schuf so mit seiner Vier- Ursachen- Lehre[1] eines seiner „geschichtlich wirksamsten Lehrstücke“[2]. Dabei ging er systematisch vor, indem er sich zunächst mit den Positionen seiner philosophischen Vorgänger wie Empedokeles, Demokrit und Platon auseinandersetzte und diese dazu verwendete, seine eigene Naturtheorie zu entwickeln und zu rechtfertigen, indem er die älteren Auffassungen als untauglich oder nicht ausreichend entlarvte. Doch hat er damit eine gültige Theorie entwickelt, die die Wahrheit über das Wirken der Natur beschreibt?

Diese Seminararbeit befasst sich zunächst mit der kritischen Auseinandersetzung des Aristoteles mit seinen Vorgängern, wie sie in Metaphysik Buch A Kapitel 3- 9 zu finden ist, da sich seine Lehre auf diese Untersuchung stützt. Im Folgenden wird auf die Begriffs- beziehungsweise Bedeutungsklärung von „Ursache“ und auf die Ursachen im Einzelnen eingegangen, wobei die Materie und Form als innere Ursachen besonders beleuchtet werden sollen. Abschließend wird die Bedeutung und Gültigkeit der Ursachenlehre des Aristoteles aufgezeigt und somit ihre Reichweite hervorgehoben.

Da der vorgegebene Rahmen dieser Arbeit sehr begrenzt ist, beschränke ich mich nur auf das Wesentlichste und berühre einige Punkte von nicht geringerer Relevanz kaum. Dennoch sollen die grundlegenden Punkte der Ursachenlehre des Aristoteles und der gedankliche Prozess des Fortschritts von seinen Vorgängern bis hin zu ihm selbst deutlich werden.

2. Aristoteles’ kritische Auseinandersetzung mit den Prinzipien seiner Vorgänger und seine Schlussfolgerungen

„(…) so wollen wir (…) doch auch diejenigen hinzuziehen, welche vor uns das Seiende [griech. on] erforscht und über die Wahrheit philosophiert haben. (…) denn entweder werden wir noch eine andere Gattung der Ursache finden oder den jetzt erwähnten mehr vertrauen.“[3][4] Aristoteles kündigt an, einen Blick auf die Theorien seiner Vorgänger zu werfen, um so entweder noch weitere Ursachen zu entdecken oder eine Bestätigung für seine vier vorher angenommenen zu erlangen.

Zusammenfassend ergibt diese Auseinandersetzung, dass es seinen Vorgängern zufolge einerseits ein Prinzip, welches veränderlich oder unveränderlich ist, andererseits mehrere begrenzt oder unbegrenzt viele Prinzipien der Natur geben muss.[5] Die eleatische[6] Theorie beispielsweise bestritt die Vielheit, Veränderlichkeit und Prozesshaftigkeit des Seienden und nahm eine absolute Unveränderlichkeit des einen Seins an. Nach Aristoteles ist diese Auffassung jedoch ungeeignet und wird der Natur nicht gerecht. Genauso unzulässig war für ihn die Annahme eines einzigen veränderlichen Prinzips der Natur, wovon es zwei Varianten gab. Einerseits ging man von einem einzigen Prinzip als Grundkörper aus, welcher durch seine wechselnden Zustände die Vielfalt und Prozesshaftigkeit der Natur bewirkt. In dem, was dieses erste Prinzip sein sollte, waren sie sich nicht einig und fanden sie nur in gewissen mathematischen Prinzipien beziehungsweise Elementen.[7] Für Thales, als einer der Ersten der diese Theorie vertrat, ist Wasser die erste Ursache alles Seienden. Aristoteles mutmaßt an dieser Stelle, dass Thales diese Schlussfolgerung wahrscheinlich aus der Beobachtung zog, dass die Grundlagen allen Lebens, wie zum Beispiel Nahrung und Samen, aus Feuchtem bestehen beziehungsweise entstehen. Anaximes und Diogenes betrachteten hingegen die Luft, Hippasos und Herakleitos das Feuer als vorzüglichste Ursache. Andererseits nahmen Philosophen wie Empedokeles einen kosmischen „Einheitsbrei“ an, der alles, was je entstehen könnte, in sich trägt, indem seine unterschiedlichen Bestandteile in verschiedenen Kombinationen zum Vorschein kommen. Empedokeles sah alle Elemente, Luft, Wasser, Erde und Feuer, als Bestandteile dieser Einheit, welche nach seiner Ansicht nicht entstehen oder vergehen, sondern durch ihre Trennung beziehungsweise Verbindung dem Seienden ursächlich sind. Aristoteles kritisiert daran, dass demnach aus Allem Alles in beliebiger Erscheinungsweise entstehen könnte, die Unbeliebigkeit der Natur also nicht beachtet wurde.

[...]


[1] Craemer- Ruegenberg 1980, S.41

[2] Bröcker 1987, S. 251

[3] Der gesamte Abschnitt bezieht sich auf Metaphysik Buch A Kapitel 3-9

[4] Metaphysik Buch A Kapitel 3, 983a 35ff.

[5] vgl. Craemer- Ruegenberg 1980, S. 29- 32

[6] Zu den Eleaten gehörten z. B. Permenides und Melissos

[7] Seidl 1995, S. 34

Details

Seiten
10
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638587389
ISBN (Buch)
9783638836227
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67551
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
1,0
Schlagworte
Aristoteles Ursachenlehre Kritik Aristoteles Auseinandersetzung Prinzipien Vorgängern Aristoteles Metaphysik

Autor

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Titel: Aristoteles' Ursachenlehre und die Kritik des Aristoteles in der Auseinandersetzung mit den Prinzipien seiner Vorgängern