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Arkas und Pylades - Helferfiguren im Drama 'Iphigenie auf Tauris"

Hausarbeit 2005 15 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Arkas und Pylades- Ein Vergleich der Helferfiguren
2.1 Der erste Auftritt im Stück
2.1.1 Arkas als Überbringer des Heiratsantrags
2.1.2 Pylades als Gefangener Thoas´
2.1.3 Vergleich der Ausgangspositionen
2.2 Die Figuren im Bezug auf ihre Helferrolle
2.2.1 Arkas im hierarchischen Verhältnis zu Thoas
2.2.2 Pylades als Freund Orests
2.2.3 Vergleich der Helferrollen
2.3 Die Figuren im Bezug auf Iphigenie
2.3.1 Arkas als Vermittler und Bote
2.3.2 Pylades als Retter und Gegenspieler
2.3.3 Vergleich der Figuren im Bezug auf Iphigenie

3 Beschreibungen der Helferfiguren in Sekundärliteratur
3.1 Funktionäre (nach Udo Müller)
3.2 Initiatoren der Handlung (nach Rüdiger Bernhardt)
3.3 Zweite Violinen (nach Theodor W. Adorno)

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Der griechische Philosoph Epikur (341-270 vor Christus) sagte einst:

Es ist weniger die Hilfe der Freunde die uns hilft, als das Vertrauen darauf, dass sie es tun werden.“[1]

Dieses Zitat Epikurs hängt meiner Meinung nach eng mit dem Thema dieser Hausarbeit zusammen. Im Drama „Iphigenie auf Tauris“ sind es die Figuren Orest und Thoas, die auf solch eine Hilfe vertrauen. Ob diese Unterstützung nun von einem Untertanen oder einem Freund kommt, sie ist vorhanden. Bei Orest ist es Pylades, der ihm als Freund zur Seite steht und ihn in Gefahrensituationen unterstützt. Thoas hat Arkas als seinen Vertrauten und Berater. Ob die Hilfe von Arkas und Pylades Thoas und Orest tatsächlich von Nutzen ist scheint fraglich. Doch nach Epikur ist das auch nicht entscheidend. Entscheidend ist, das das Vertrauen auf die helfende Hand gegeben ist und dieses Vertrauen ist in jedem Fall vorhanden und auch gerechtfertigt. Auf die Unterstützung von Arkas und Pylades wird gezählt. Deshalb haben diese Figuren eine besondere Bedeutung im Drama „Iphigenie auf Tauris“. Was diese besondere Bedeutung ausmacht und wie die beiden Helferfiguren charakterisiert sind, werde ich im Folgendem erläutern.

2 Arkas und Pylades- Ein Vergleich der Helferfiguren

2.1 Der erste Auftritt im Stück

Auffällig bei der Betrachtung des ersten Auftritts der Helferfiguren ist, dass dieser bereits alle wichtigen Charaktereigenschaften der Figuren zum Ausdruck bringt. Nach dem ersten Erscheinen von Arkas und Pylades weiß der Leser genau, welche Rolle den Beiden in diesem Drama zugeschrieben ist, nämlich die Helferrolle. Dies ist der Grund dafür, dass ich diese Textstellen genauer betrachtet habe, um die Figuren vorzustellen.

2.1.1 Arkas als Überbringer des Heiratsantrags

Arkas` erstes Erscheinen im Drama erfolgt bereits im ersten Aufzug im zweiten Auftritt. Zuvor passiert lediglich der Monolog Iphigenies, in dem der Leser ihre Heimatsehnsucht und Teile der Rahmenhandlung erfährt. Arkas ist nun die erste Person, die der Leser nach Iphigenie kennenlernt. Schon im ersten Satz dieses Auftritts wird klar, welche Rolle Arkas in diesem Drama hat. Mit den Worten „Der König sendet mich hierher“[2] (S.6 V.54) wird Arkas als Bote von König Thoas eingeführt. Im folgendem Gespräch mit Iphigenie geht Arkas auf Iphigenies Unmut ein. Er stellt fest, dass er und auch König Thoas schon seit Jahren auf ein vertrauliches Wort von ihr warten (vgl.S.6 V.68-70). Arkas zeigt sich im Bezug auf Iphigenies Heimatsehnsucht als verständnislos. Er kann nicht nachvollziehen, dass sich Iphigenie immer noch nach Griechenland sehnt und sich auf Tauris noch nicht richtig eingelebt hat. Arkas geht sogar noch einen Schritt weiter und wirft Iphigenie vor, undankbar zu sein: „Wenn du dich so unglücklich nennen willst, so darf ich dich auch wohl undankbar nennen.“ ( S.7 V.91-92) Arkas stellt sich mit dieser Aussage auf die Seite von Thoas und betont, Thoas Milde im Bezug auf Iphigenie. Dieser hat schließlich Iphigenies Wunsch zugestimmt, Blutopfer für die Göttin Diana abzuschaffen. Arkas versucht im weiteren Gespräch alles, um Thoas vor Iphigenie zu verteidigen. Vor allem versucht er aber auch, Iphigenie von der Hochzeit mit Thoas zu überzeugen: „Oh überlaß ihn nicht sich selbst! damit in seinem Busen nicht der Unmut reife und dir Entsetzen bringe, du zu spät an meinen treuen Rat mit Reue denkest“ (S.9 V.188-191) Ein Stück weit könnte man sagen Arkas erpresst Iphigenie. Er sagt ihr zwar nicht genau, was sie bei einer Ablehnung des Heiratsantrags erwarten könnte, deutet aber Schlechtes an. Arkas wird aber nicht nur als Gesandter Thoas` vorgestellt, sondern auch als eine Art Ratgeber von Iphigenie. Mit den Worten „Drum bitt ich dich, vertrau ihm, sei ihm dankbar, wenn du ihm weiter nichts gewähren kannst“ (S.10 V.207-208) „Bedenke, was du tust und was dir nützt“ (S.9 V. 156) versucht er Iphigenie von dem Ausschlagen des Heiratsantrags und den damit verbundenen Folgen zu bewahren. Arkas zeigt sich in seinem ersten Auftritt als eine Figur, der Iphigenie am Herzen liegt. Er ist betroffen von Iphigenies Ablehnung ihrer neuen Heimat und den Tauriern gegenüber : „Solang ich dich an dieser Stätte kenne, ist dies der Blick, vor dem ich immer schaudre“ (S6-.7 V.70-71) Arkas würde sich (auch für Thoas) wünschen, dass Iphigenie sich auf Tauris wohl fühlt und sich mit einem „frohen Blick“ (S.7 V.95) dankbar zeigt. Ihm ist dabei aber vor allem auch Iphigenies Lebensfreude wichtig: „Den edlen Stolz, dass du dir selbst nicht gnügest, verzeih ich dir, sosehr ich dich bedaure; er raubet den Genuß des Lebens dir.“ (S.8 V.118-119) Zusammenfassend kann ich feststellen, das Arkas als eine positive Figur in seinem ersten Auftritt vorgestellt wird, die sich um das Wohl anderer bemüht und vor allem dem König ergeben dient.

2.1.2 Pylades als Gefangener Thoas´

Die Figur des Pylades erscheint zum ersten Mal im Drama im ersten Auftritt des zweiten Aufzugs. Pylades und Orest befinden sich in Gefangenschaft Thoas`, der an den Beiden nach langer Zeit das erste Blutopfer vollziehen will. Pylades befindet sich im Gespräch mit Orest. Dieser sieht sich dem Tod nah und empfindet den Tod als Strafe für seinen Muttermord und als Erfüllung des Familienfluchs. Pylades hingegen hat noch nicht mit seinem Leben abgeschlossen: „Ich bin noch nicht, Orest, wie du bereit, in jenes Schattenreich hinabzugehn.“ (S.20 V.596-597) Er scheint optimistisch zu sein, da er auf die Götter vertraut: „Ich denke nicht den Tod, ich sinn und horche, ob nicht zu irgend einer frohen Flucht die Götter Rat und Wege zubereiten“ (S.20 V.601-603) „Apoll gab und das Wort“ (S.20 V.610-611) Auch im Bezug auf Orest und seinen Familienfluch der Tantaliden bleibt Pylades gelassen und vertraut auf die Götter: „Die Götter rächen der Väter Missetat nicht an dem Sohn“ (S.23 V.713-714) Allgemein wird Pylades in seinem ersten Auftritt als eine sehr optimistische Figur vorgestellt. Trotz Gefangenschaft und eigentlich Aussichtslosigkeit vertraut Pylades auf die Götter und erwartet einen guten Ausgang.

[...]


[1] Internetseite: http://msd.twoday.net/search?q=Hilfe , 18.02.2005 14.35h

[2] Zitiert wird im Folgendem Johann Wolfgang Goethe: Iphigenie auf Tauris. Stuttgart 1993.

Details

Seiten
15
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638603850
Dateigröße
442 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67564
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,3
Schlagworte
Arkas Pylades Helferfiguren Drama Iphigenie Tauris Goethe Iphigenie auf Tauris

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