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Interviewstudie als Instrument der Primärerhebung zur Untersuchung der Berufsmotivation angehender Physiotherapeuten durchgeführt mit ausgewählten Schülern und Lehrern

Hausarbeit 2005 34 Seiten

Gesundheit - Physiotherapie, Ergotherapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Berufsmotivation
2.1. Begriffe und Theoriemodelle
2.2 Überblick über vorhandene Studien
2.3. Konsequenzen für die eigene Untersuchung

3. Methodik
3.1. Ziele und Fragestellungen
3.2. Vorgehensweise und angewandte Verfahren
3.3. Beschreibung der Stichprobe

4. Ergebnisse
4. 1. Darstellung der Ergebnisse
4.2. Diskussion
4.3. Methodenkritik

5. Zusammenfassung

Anhang

Kurzfragebogen zur Erfassung von Persönlichkeitseigenschaften

1. Einleitung

Der Beruf des Physiotherapeuten[1] gilt unter vielen jungen Menschen als einer der „Traumberufe“. Seit Jahren bewerben sich in unverändert hoher Zahl vor allem junge Frauen an den Berufsfachschulen für Physiotherapie, um diesen Beruf zu erlernen. Da an schulgeldfreien Einrichtungen die Anzahl der Bewerber die zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätze oft um ein Vielfaches übersteigt, sind hier meistens zusätzliche Auswahlverfahren zu durchlaufen.

Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Bedingungen des Mindestalters von 17 Jahren, dem mittleren Bildungsabschluss und dem Nachweis der gesundheitlichen Eignung müssen also zusätzlich weitere Kriterien erfüllt werden. Diese können je nach Schule sehr unterschiedlich sein: festgelegter Notendurchschnitt, Intelligenztests, schriftliche und praktische Prüfungen, Wartelisten etc.

Daneben finden meistens Gespräche statt, in denen die Teilnehmer des Auswahlverfahrens unter anderem über ihre Berufsmotivation befragt werden. Verständlicherweise stellen sich die Bewerber in diesem Rahmen höchstmotiviert dar und versuchen engagiert Ihre Berufswahl zu begründen.

Wer mit seinen Motiven und Leistungen überzeugen und einen der begehrten Ausbildungsplätze belegen konnte, wird bis zur Realisierung seines Berufswunsches weiterhin eine hohe Motivation für das Lernen aufbringen müssen. Im Lehrplan sind 2900 Stunden theoretischer und fachpraktischer Unterricht sowie 1600 Stunden praktische Ausbildung vorgeschrieben.[2] Oft müssen Inhalte gelernt werden, die nur sehr indirekt (oder gar nicht) mit dem späteren Behandeln von Patienten in Verbindung stehen und den Schülern fehlt die, für das Lernen von Fakten und Daten dringend benötigte emotionale Komponente.[3] So muss die ganze dreijährige Ausbildung von dem Willen getragen werden, bis zum Examensabschluss durchzuhalten, um dann den erwünschten sozialen Beruf ausüben zu dürfen.

Die spezifische Motivation, Physiotherapeut werden zu wollen, sollte also nicht nur ein wichtiger Beweggrund für die Berufswahl sein, sondern aus der Sicht des Lehrers auch die Grundlage bilden für eine dauerhafte Lernmotivation des Schülers. Sie ist damit von zentraler Bedeutung für die Ausbildung.

Weiterhin ist zu beobachten, dass viele Physiotherapeuten nach der Ausbildung nur kurz in ihrem Beruf arbeiten und eine hohe drop-out-Rate festzustellen ist. Offensichtlich erweisen sich die angegebenen Motive in der Berufsrealität als nicht tragfähig.

Aus diesen Gründen erscheint die Beantwortung folgender Frage besonders interessant:

Warum wollen junge Menschen den Beruf des Physiotherapeuten erlernen?

Zur Beantwortung dieser Fragestellung erfolgt eine Interviewstudie mit ausgewählten Schülern und Lehrern. Als Primärerhebung dient sie der Vorbereitung einer nachfolgenden Diplomarbeit zu diesem Thema, in der anhand einer Fragebogenstudie alle Schüler einer Berufsfachschule befragt werden sollen.

Im folgenden zweiten Kapitel wird nach einem Überblick über verschiedene Berufswahltheorien der Stand der Forschung beleuchtet. Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Methodik und beschreibt die angewandten Verfahren. In Kapitel vier werden die Ergebnisse vorgestellt und diskutiert. Im letzten und fünften Kapitel erfolgen eine Zusammenfassung des Gesamtergebnisses und ein Ausblick.

2. Berufsmotivation

2.1. Begriffe und Theoriemodelle

Aus psychologischer Sicht kann Motivation als umfassender Begriff erklärt werden, der sich auf das Ingangsetzen, Steuern und Aufrechterhalten von körperlichen und psychischen Aktivitäten bezieht. Ein Motiv bildet in diesem Zusammenhang die interne Bedingung für eine spezifische Verhaltensweise. Auch die Begriffe Ziel, Bedürfnis, Wunsch, Intention und Zweck bezeichnen handlungsverursachende Faktoren.[4] Als Einstellungen werden günstige oder ungünstige Stellungnahmen bezeichnet, die sich auf Objekte, Menschen oder Ereignissen beziehen können.[5] Im Gegensatz zu den Werten sind sie weniger stabil, da diese wie ein „System unserer Überzeugungen“ alles in unserem Leben erfassen und steuern können.[6]

Besonders der von HOLLAND mitgestaltete Person-Job-Fit-Ansatz betont, dass sich Personen dann in ihrer Arbeitsumwelt wohl fühlen und zufrieden sind sowie den optimalen Grad an Realisierung ihrer Talente und Fähigkeiten erreichen, wenn ihre Bedürfnisse, Interessen, Zielsetzungen, Werte und Motive denen anderer Personen in derselben Arbeitsumwelt entsprechen. Unter günstigen Bedingungen sind Berufsinteressen und Berufswahl somit Ausdrucksformen der Persönlichkeit. Darüber hinaus scheinen bestimmte Werte- und Motivstrukturen unter Personen in verschiedenen Berufsgruppen eher typisch oder untypisch zu sein .[7]

Auch ALLEHOFF weist darauf hin, dass nach dem eignungspsychologischen Ansatz jeder Mensch über bestimmte Persönlichkeitsmerkmale und berufsrelevanten Fähigkeiten verfügt, die ihn für einen Beruf optimal geeignet machen.

Er unterscheidet allein siebzehn Dimensionen der beruflichen Wertorientierungen, z.B. materielle Orientierung, Selbstverwirklichung, Prestige, Altruismus-, Kreativitäts-, Freizeit-, Risiko-, Kontaktorientierung usw.[8]

Nach dem Motivationsforscher Steven REISS bestimmen sechzehn Bedürfnisse und Werte unser Leben. Dabei gibt es keine – wie bei Maslow postulierte – Motivhierarchie,

sondern für jeden Menschen ein ganz individuelles „Motivprofil“. Außer den Motiven „Idealismus“ und „Anerkennung“, die keine genetischen Anteile haben, sind die anderen 14 Lebensmotive genetisch bedingt: Macht, Unabhängigkeit, Neugier, Ordnung, Sparen, Ehre, Beziehungen, Familie, Status, Rache, Romantik, Ernährung, körperliche Aktivität und Ruhe.[9]

Neben diesen persönlichen Wertvorstellungen und Motiven spielen aber noch viele andere Determinanten und Einflussfaktoren eine Rolle bei der wichtigen Entscheidung zur Berufswahl, die SEIFERT in einem Rahmenmodell veranschaulicht (Abbildung 1)[10]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Determinanten der Berufswahl (SEIFERT 1992, S.189)

SEIFERT weist auf die Komplexität der Phänomene und Prozesse der Berufswahl hin und konstatiert: „Bis heute ist es noch nicht gelungen, einen umfassende und allgemein anerkannte Theorie der Berufswahl und des beruflichen Werdegangs zu entwickeln.“[11]

Auch ALLEHOFF gibt zu bedenken, dass die Situation des „Durchwurstelns“ und der „Zufallswahl“ vorherrsche, bei der „außengesteuert“ eben der nächstbeste Beruf gewählt werde. Er verweist auf LANGE nach dem die Prämissen für eine idealtypische Berufwahlsituation so anspruchsvoll sind, dass eine solche in der alltäglichen Praxis überhaupt nicht angetroffen werde.[12]

Um dennoch eine kurze Übersicht über die verschiedenen Berufswahltheorien geben zu können, stellen SCHEDLER / WILLENPART die folgenden fünf Thesen von SEIFERT als Ausgangspunkt der klassischen Berufswahltheorie dar: „Demnach ist

1. jeder Mensch entsprechend seiner individuellen Persönlichkeitsmerkmale für einen Beruf optimal geeignet.
2. Die Berufsträger zeichnen sich durch bestimmte, berufsspezifische Begabungsschwerpunkte aus.
3. Berufserfolg und Zufriedenheit mit den gestellten Arbeitsanforderungen steigen mit der Größe des Übereinstimmungsgrads zwischen den Berufsanforderungen und den individuellen Eignungsmerkmalen.
4. Die Berufswahl ist ein wesentlich einmaliges, zeitlich begrenztes Erlebnis.
5. Die Wahl des Berufs ist ein ausschließlich bewusst-rationaler Entscheidungsprozeß der Zuordnung der subjektiven Voraussetzungen des Berufswählers zu dem am Arbeitsmarkt vorhandenen Berufsangebot, der durch das auswählende Individuum selbst geleistet wird.

Alle in der Folge erarbeiteten Berufwahltheorien sind im wesentlichen Erweiterungen oder entstanden in kritischer Abgrenzung zu den obengenannten Thesen.“[13]

Die ersten drei Thesen finden sich nach einer von SEIFERT vorgeschlagenen Klassifikation[14] in den „Zuordnungstheorien“ wieder: die differentialpsychologische Theorie von PARSON (1909), die Selbstkonzeptionstheorie von SUPER (1957,1981) und die Kongruenztheorie von HOLLAND (1985).

Die soziologischen Theorien (DAHEIM 1967, 1977 u.a.) legen den Schwerpunkt auf soziale Selektions- u. Zuweisungsprozesse.

Der vierten These stehen die so genannten „Entwicklungstheorien“ kritisch gegenüber, nach denen die Berufswahl als ein sich über Jahre hinweg erstreckender Entwicklungs-prozess verstanden wird: Laufbahnentwicklungstheorie von SUPER (1957, 1990) nach Vorarbeiten von GINZBERG (1951). Die fünfte These bildet die Basis für verschiedene „Entscheidungsmodelle“: VROOM (1964), JEPSEN & DILLEY (1974) u.a.

2.2 Überblick über vorhandene Studien

Da die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe ca. 1990 mit dem Aufbau von Studiengängen im Bereich Gesundheitswesen speziell in der Krankenpflege begann und erst zehn Jahre später die Physiotherapie erreichte, liegen noch keine Studien zu diesem Thema vor. Auch nach Durchsicht der verschiedenen Fachzeitschriften für Physiotherapie der letzten Jahre, fand sich keine für die Hausarbeit verwendbare Literatur. Für Pflegeberufe und die etablierten Studienberufe im sozialen Bereich findet sich eine Reihe von Untersuchungen zu diesem Thema:

Walter ging der Frage der Berufsmotivation von Pflegepersonen in Österreich nach (1991); Wöger führte eine Studie über die Motivation und Arbeitssituation des Krankenpflegepersonals durch (1994); Heimgartner befragte Studienbeginner im Bakkalaureatstudium Pädagogik zu Ihrer Motivation (2003); Casarano untersuchte die beruflichen Interessen und Erfolg im Psychologiestudium (2004).

[...]


[1] Im folgenden Text werden bei Personenbezeichnungen wegen der besseren Lesbarkeit grundsätzlich nur die männlichen Personen genannt; sie werden als Gattungsbegriffe verstanden, die stets auch die entsprechenden weiblichen Personen einschließen.

[2] Bayerisches Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst: Lehrplan für die Berufsfachschule für Physiotherapie, München, Verlag A. Hintermaier, März 1997

[3] Vgl. Spitzer, M.: Lernen: Gehirnforschung und Schule des Lebens, Heidelberg; Berlin: Spektrum, Akad. Verlag, 2002, S.160

[4] Vgl. Zimbardo, P.: Psychologie,5.Aufl.,Berlin,Heidelberg: Springer Verlag, 1992, S.344 ff.

[5] Vgl. Weinert, A.: Organisationspsychologie: Ein Lehrbuch, 4.Aufl., Weinheim: Beltz Verlag, 1998, S.131

[6] ebenda S. 126

[7] ebenda S. 128-129

[8] Vgl. Allehoff, W.: Berufswahl und berufliche Interessen, Göttingen, Toronto, Zürich: Verlag für Psychologie,1985, S. 35 - 59

[9] Huber, A.: Was treibt uns an:16 Lebensmotive in: Psychologie heute, 28.Jahrgang 2001, Heft 3, S.20-29

[10] Seifert, K.: Berufswahl und Laufbahnentwicklung in: Angewandte Psychologie: ein Lehrbuch /hrsg. von Frey, D., Weinheim: Psychologie Verlag, 1992 , S. 189

[11] Seifert K.: a.a.O. S. 189

[12] Allehoff, W.: a.a.O., S. 43

[13] Schedler, K. / Willenpart N.: Theorien der Berufswahlentscheidung, Wien: Offset-Schnelldruck:

Riegelnik, A., 1982 , S. 87

[14] Zusammengefasst nach Seifert, K.: a.a.O. S.189 - 199.

Details

Seiten
34
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638603973
Dateigröße
585 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67582
Institution / Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Abt. Leipzig – Leipzig
Note
1,0
Schlagworte
Interviewstudie Instrument Primärerhebung Untersuchung Berufsmotivation Physiotherapeuten Schülern Lehrern Diplom Physiotherapie

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Titel: Interviewstudie als Instrument der Primärerhebung zur Untersuchung der Berufsmotivation angehender Physiotherapeuten durchgeführt mit ausgewählten Schülern und Lehrern