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Beruht der Zusammenhang zwischen objektivem Ausländeranteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen auf Artefakten?

Diplomarbeit 2004 156 Seiten

Psychologie - Sozialpsychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit

2 Theorie: Stand der Forschung
2.1 Definition relevanter Begriffe
2.2 Theorien über den Einfluss variierender Ausländeranteile auf Fremdenfeindlichkeit und Herleitung der zentralen Hypothese
2.3 Empirische Befunde zu Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit und Herleitung der weiteren Hypothesen
2.3.1 Einflussgrößen der Demographie
2.3.1.1 Region (West- beziehungsweise Ostdeutschland)
2.3.1.2 Gemeindetyp
2.3.1.3 Geschlecht
2.3.1.4 Alter
2.3.1.5 Bildungskontext
2.3.1.5.1 Schulausbildung
2.3.1.5.2 Berufsausbildung
2.3.2 Einflussgrößen der Desintegration
2.3.3 Politische Einflussgrößen
2.3.4 Einfluss der Persönlichkeit
2.3.5 Einfluss des Intergruppenkontakts
2.3.6 Der gemeinsame Einfluss diverser Drittvariablen auf Fremdenfeindlichkeit...

3 Methode
3.1 Hintergrund des GMF-Survey und Untersuchungsanlass
3.2 Stichprobengenerierung
3.3 Stichprobengewichtung
3.4 Zeitlicher Rahmen und Durchführung der Interviews
3.5 Fragebogendesign
3.6 Beschreibung der Messinstrumente
3.6.1 Kriterium: Fremdenfeindliche Einstellungen
3.6.2 Hauptprädiktor: Ausländeranteil im Landkreis
3.6.3 Potentiell verzerrende Drittvariablen
3.6.3.1 Kategorie Demographie
3.6.3.1.1 Drittvariable Region
3.6.3.1.2 Drittvariable Gemeindetyp
3.6.3.1.3 Drittvariable Alter
3.6.3.1.4 Drittvariable Bildung
3.6.3.2 Kategorie Desintegration
3.6.3.2.1 Drittvariablen Relative Deprivation und Wirtschaftliche Desintegration
3.6.3.2.2 Drittvariable Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden
3.6.3.2.3 Drittvariablen Soziale Isolation und Generelle sozial-emotionale Desintegration
3.6.3.3 Kategorie politische Korrelate
3.6.3.3.1 Drittvariable Politische Einstellung
3.6.3.3.2 Drittvariablen des Nationalgefühls
3.6.3.3.3 Drittvariablen des Nationalstolzes
3.6.3.4 Kategorie Persönlichkeit
3.6.3.5 Kategorie Intergruppenkontakt
3.6.3.5.1 Drittvariable Möglicher Intergruppenkontakt
3.6.3.5.2 Drittvariable Tatsächlicher Intergruppenkontakt
3.7 Methodisches Vorgehen

4 Ergebnisse
4.1 Beschreibung der Stichproben
4.1.1 Gewichtete Gesamtstichprobe
4.1.2 Gewichtete Stichprobe A
4.1.3 Gewichtete Stichprobe B
4.1.4 Stichprobenverteilungen hinsichtlich demographischer Merkmale
4.2 Statistische Kennwerte und interne Konsistenzen der Messinstrumente
4.2.1 Statistische Kennwerte des Kriteriums Fremdenfeindliche Einstellungen
4.2.2 Statistische Kennwerte des Hauptprädiktors Ausländeranteil im Landkreis ..
4.2.3 Statistische Kennwerte der Variablen der Demographie
4.2.4 Statistische Kennwerte der Variablen der Desintegration
4.2.4.1 Relative Deprivation
4.2.4.2 Wirtschaftliche Desintegration
4.2.4.3 Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden
4.2.4.4 Soziale Isolation
4.2.4.5 Generelle sozial-emotionale Desintegration
4.2.5 Statistische Kennwerte der Variablen der Politik
4.2.5.1 Politische Einstellung
4.2.5.2 Nationalgefühl
4.2.5.3 Nationalstolz
4.2.6 Statistische Kennwerte der Persönlichkeitsvariable (Autoritarismus)
4.2.7 Statistische Kennwerte der Variablen des Intergruppenkontakts
4.2.7.1 Möglicher Intergruppenkontakt
4.2.7.2 Tatsächlicher Intergruppenkontakt
4.3 Überprüfung der Hypothesen
4.3.1 Prüfung auf Linearität des fokussierten Zusammenhangs
4.3.2 Zusammenhang zwischen Hauptprädiktor und Kriterium
4.3.3 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter Berücksichtigung von Drittvariablen
4.3.3.1 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter separater Berücksichtigung demographischer Drittvariablen
4.3.3.2 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter separater Berücksichtigung desintegrativer Aspekte
4.3.3.3 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter separater Berücksichtigung politischer Korrelate
4.3.3.4 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter der Berücksichtigung von Persönlichkeit (Autoritarismus)
4.3.3.5 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter separater Berücksichtigung von Intergruppenkontakt-Indikatoren
4.3.4 Zusammenfassung der bisherigen Ergebnisse
4.3.5 Einfluss des Hauptprädiktors auf das Kriterium unter simultaner Berücksichtigung aller beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen
4.4 Testung auf Unterschiede zwischen den Teilstichproben
4.5 Ergebnisse der Mehrebenenanalysen
4.6 Zusammenfassender Überblick aller bisher dargestellten Ergebnisse

5 Diskussion
5.1 Kritische Betrachtung der Befunde
5.2 Zu den Hypothesen
5.2.1 Hypothese 1. Zum erwarteten negativen Zusammenhang zwischen Ausländeranteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen
5.2.2 Hypothese 2. Zum Einfluss der demographischen Drittvariablen auf den fokussierten Zusammenhang
5.2.3 Hypothese 3. Zum Einfluss desintegrativer Aspekte auf den fokussierten Zusammenhang
5.2.4 Hypothese 4. Zum Einfluss politischer Korrelate auf den fokussierten Zusammenhang
5.2.5 Hypothese 5. Zum Einfluss der Persönlichkeit auf den fokussierten Zusammenhang
5.2.6 Hypothese 6. Zum Einfluss von Intergruppenkontakt auf den fokussierten Zusammenhang
5.2.7 Hypothese 7. Zum gemeinsamen Einfluss aller beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen auf den fokussierten Zusammenhang
5.3 Einschränkungen der Untersuchung und Ausblick

6 Literatur

Danksagung

Widmen möchte ich diese Diplomarbeit meinem Vater, Frank-Michael Jamrowski.

Er ist ein tapferer, intelligenter und sehr humorvoller Mensch, den ich unheimlich lieb habe. Zudem rettet er mich pünktlich zu Monatsanfang vor dem offiziellen Bankrott.

Bei Herrn Prof. Dr. Ulrich Wagner möchte ich mich dafür bedanken, dass er die Arbeit in kürzester Zeit durchgeschaut hat und seine Anmerkungen wertvoll waren. Als Anleiter versteht er es, zu einer selbständigen Herangehens- und Arbeitsweise hin zuführen.

Herrn Dipl.-Psych. Oliver Christ bin ich dankbar für die Unterstützung bei der Präsentation der Diplomarbeit. Zudem hat er als engagierter Mitarbeiter der AG etwas von seiner Zeit abgezwackt und mir eine Einführung in das Verfahren der Mehrebenenanalyse gegeben.

Frau Dipl.-Psych. Hinna Wolf vom Institut für Konflikt- und Gewaltforschung in Bielefeld war für Fragen stets offen. Zudem hat sie eine anschauliche Art, verzwickte Sachverhalte interessant zu vermitteln. Die Zusammenarbeit mit ihr habe ich als motivierend emp- funden.

Meiner Kommilitonin Kirsten Koffre danke ich nicht nur für ihren Sachverstand, sondern auch dafür, dass sie eine verdammt gute Freundin ist. Egal, ob es um Anregung, Diskussion oder Motivation ging, sie war immer da.

Meinem Hiwi-Kollegen Felix Eschenburg danke ich dafür, dass er mich in R eingearbeitet hat und jederzeit ansprechbar war. Sein Enthusiasmus für ungewöhnliche Software trieb mich zwar kurzzeitig in den Wahnsinn, erwies sich jedoch im Nachhinein als arbeits- erleichternd. Ja, ich werde OpenOffice behalten und nein, Linux kommt mir derzeit nicht auf den PC.

Unserem gemeinsamen Arbeitgeber Dr. Hans-Onno Röttgers danke ich für die Möglichkeit einer sehr flexiblen Arbeitszeitgestaltung. Er ist einfach der beste Chef von allen.

Meinen Freunden Katja MacPherson und Thomas Gröger danke ich dafür, dass ich meine Präsentation vortragen durfte sowie für Korrekturlesen und Diskussionen über Fremden- feindlichkeit.

Bei Herrn Langer möchte ich mich für seine kleinen italienischen Verhältnisse (sprich sein unschlagbares Organisationstalent) und wohltuende Menschlichkeit bedanken.

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Items der Skala "Fremdenfeindliche Einstellungen"

Tabelle 3. Einzelitem Alter der Teilnehmer

Tabelle 4. Einzelitem Schulbildung der Teilnehmer

Tabelle 5. Einzelitem Berufsausbildung der Teilnehmer

Tabelle 6. Einzelitems des Subtraktions-Index: Individuelle Relative Deprivation

Tabelle 7. Gesamtindex Relative Deprivation:Subtraktions-Index und Einzelitems

Tabelle 8. Einzelitems des Index "Wirtschaftliche Desintegration"

Tabelle 9. Items der Skala "Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden"

Tabelle 10. Items der Skala "Soziale Isolation"

Tabelle 11. Items der Skala "Generelle sozial-emotionale Desintegration"

Tabelle 12. Einzelitem Politische Einstellung

Tabelle 13. Einzelitem Nationalgefühl I

Tabelle 14. Einzelitem Nationalgefühl II

Tabelle 15. Einzelitem Nationalstolz I

Tabelle 16. Einzelitem Nationalstolz II

Tabelle 17. Items der Skala "Autoritarismus"

Tabelle 18. Items der Skala "Möglicher Intergruppenkontakt"

Tabelle 19. Items der Skala "Tatsächlicher Intergruppenkontakt"

Tabelle 21. Stichprobenzusammensetzung hinsichtlich demographischer Merkmale

Tabelle 22. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und Standardabweichungen: Skala "Fremdenfeindliche Einstellungen"

Tabelle 23. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems der Skala "Fremdenfeindliche Einstellungen"

Tabelle 24. Prozentuale Verteilung der 10 Kategorien des Gemeindetyps

Tabelle 25. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und Standardabweichungen: Gesamtindex "Relative Deprivation"

Tabelle 26. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem (3) des Gesamtindex "Relative Deprivation"

Tabelle 27. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem (4) des Gesamtindex "Relative Deprivation"

Tabelle 28. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem (5) des Gesamtindex "Relative Deprivation"

Tabelle 29. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und Standardabweichungen: Skala "Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden"..

Tabelle 30. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems der Skala "Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden"

Tabelle 31. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und Standardabweichungen: Skala "Soziale Isolation"

Tabelle 32. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems Skala "Soziale Isolation"

Tabelle 33. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und Standardabweichungen: Skala "Generelle sozial-emotionale Desintegration"

Tabelle 34. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems Skala "Sozial-emotionale Desintegration"

Tabelle 35. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem "Nationalgefühl I"

Tabelle 36. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem "Nationalgefühl II"

Tabelle 37. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem "Nationalstolz I"

Tabelle 38. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitem "Nationalstolz II"

Tabelle 39. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und Standardabweichungen: Skala "Autoritarismus"

Tabelle 40. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems Skala "Autoritarismus"

Tabelle 41. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und Standardabweichungen: Skala "Möglicher Intergruppenkontakt"

Tabelle 42. Darstellung der internen Konsistenzen, Mittelwerte und Standardabweichungen: Skala "Tatsächlicher Intergruppenkontakt"

Tabelle 43. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems Skala "Möglicher Intergruppenkontakt"

Tabelle 44. Antwortverhalten in Prozent: Einzelitems Skala "Tatsächlicher Intergruppenkontakt"

Tabelle 45. Ergebnisse der bivariaten Regressionen als Zusammenhangsmaß von Ausländeranteil und fremdenfeindlichen Einstellungen für alle Stichproben

Tabelle 46. Ergebnisse der bivariaten Regressionen als Zusammenhangsmaß von Ausländeranteil und fremdenfeindlichen Einstellungen für die Teilstichproben, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten

Tabelle 47. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung demographischer Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A)

Tabelle 48. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung demographischer Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B) 112

Tabelle 49. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung desintegrativer Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A)

Tabelle 50. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung desintegrativer

Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B)

Tabelle 51. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung politischer Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A)

Tabelle 52. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung politischer Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B)

Tabelle 53. Ergebnisse der multiplen Regression zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter Berücksichtigung der Autoritarismusneigung, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A)

Tabelle 54. Ergebnisse der multiplen Regression zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter Berücksichtigung der Autoritarismusneigung, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B)

Tabelle 55. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung der Einzelitems zum möglichen und tatsächlichen Intergruppenkontakt, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A)

Tabelle 56. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter separater Berücksichtigung der Einzelitems zum möglichen und tatsächlichen Intergruppenkontakt, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B)

Tabelle 57. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter simultaner Berücksichtigung aller beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe A)

Tabelle 58. Ergebnisse der multiplen Regressionen zum Einfluss von Ausländeranteil auf fremdenfeindliche Einstellungen: Unter simultaner Berücksichtigung aller beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen, getrennt nach west- und ostdeutschen Befragten (Stichprobe B)

Tabelle 59. Ergebnisse des Chi-Quadrat-Tests (Variablen Geschlecht und Region)

Tabelle 60. Gruppenstatistiken und Ergebnisse der Testung auf Mittelwertsunterschiede zwischen den Teilstichproben (Variable Alter)

Tabelle 61. Gruppenstatistiken und Ergebnisse der Testung auf Mittelwertsunterschiede zwischen den Teilstichproben (Variable Schulabschluss)

Tabelle 62. Ergebnisse der Mehrebeneanalysen mit fremdenfeindlichen Einstellungen als Kriterium an der Gesamtstichprobe (Gruppe der westdeutschen Befragten)

Tabelle 63. Ergebnisse der Mehrebeneanalysen mit fremdenfeindlichen Einstellungen als Kriterium an der Gesamtstichprobe (Gruppe der ostdeutschen Befragten) 132

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Das vollständig hierarchisch lineare Modell aus Snijders und Bosker

Abbildung 2. Subtraktions-Index: N = 1340

Abbildung 3. Subtraktions-Index: N = 1329

Abbildung 4. Wirtschaftliche Desintegration: N = 1315

Abbildung 5. Wirtschaftliche Desintegration: N = 1296

Abbildung 6. Politische Einstellung: N = 1308

Abbildung 7. Politische Einstellung: N = 1283

Hypothesenverzeichnis

Hypothese 1: Zusammenhang zwischen dem objektiven Ausländeranteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen

Hypothese 2: Zum Einfluss einzelner demographischer Drittvariablen auf den fokussierten Zusammenhang

Hypothese 3: Zum Einfluss einzelner desintegrativer Aspekte auf den fokussierten Zusammenhang

Hypothese 4: Zum Einfluss einzelner politischer Korrelate auf den fokussierten Zusammenhang

Hypothese 5: Zum Einfluss der Autoritarismusneigung auf den fokussierten Zusammenhang

Hypothese 6: Zum Einfluss einzelner Intergruppenkontakt-Indikatoren auf den fokussierten Zusammenhang

Hypothese 7: Zum Einfluss aller beziehungsweise einer Auswahl an Drittvariablen auf den fokussierten Zusammenhang

1 Einleitung

Die vorliegende Diplomarbeit knüpft an den Datensatz des GMF-Survey (2002) an. Unter anderem ist es das Anliegen dieser Repräsentativumfrage zu erfassen, ob Angehörige unterschiedlicher sozialer, religiöser und ethnischer Gruppen in Deutschland Anerkennung erfahren oder ob sie mit Abwertung konfrontiert sind. Abwertende bis feindselige Mentalitäten gegenüber Fremdgruppen werden im GMF-Survey über ein breit angelegtes Konzept erfasst. Dieses Konzept basiert auf verschiedenen Einzelelementen, die zu dem Syndrom der „ Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit “ (GMF) zusammengefasst sind. Das Konstrukt Fremdenfeindlichkeit stellt eines dieser Elemente dar und steht in Verbindung mit variierenden Ausländeranteilen im Fokus dieser Diplomarbeit.

Fremdenfeindlichkeit: Betrachtet man folgende Ergebnisse des GMF-Survey, so erschließt sich ein erster Eindruck über das aktuelle Ausmaß an Fremdenfeindlichkeit in der BRD: Knapp 60% der Befragten gaben an, dass sie in ihrer Umgebung Zeuge ablehnender Äußerungen über Ausländer wurden. Weiterhin vertraten fast 28% der Teilnehmer die Auffassung, dass Ausländer in ihre Heimatländer zurückgeschickt werden sollten, wenn die Arbeitsplätze knapp werden und mehr als 55% stimmten der Aussage zu, dass in Deutschland zu viele Ausländer leben (Wagner et al., 2002).

Ausl Änderanteil: Setzt man diese von breiten Teilen der deutschen Bevölkerung ge- tragenen Aussagen in Relation zu langfristigen Entwicklungstrends hinsichtlich vari- ierender Ausländeranteile in Europa, so wird die wachsende Rolle interethnischer Ver- ständigung deutlich: Die Abteilung für Bevölkerungsfragen der UNO-Hauptabteilung für Wirtschaftliche und Soziale Angelegenheiten (2000) prognostiziert, dass die Bevölkerung fast aller europäischen Länder ohne Zuwanderung sinken wird und die betroffenen Staa- ten deshalb auf „ Bestanderhaltungsmigration “ angewiesen sein werden. Der Begriff der Bestanderhaltungsmigration bezieht sich dabei auf die erforderliche Zuwanderungsrate aus dem Ausland, die gewährleistet, dass die Bevölkerung eines Landes nicht aufgrund niedriger Geburten- und hoher Sterblichkeitsraten abnimmt oder überaltert. Da es sich bei den im Folgenden genannten Zahlen um Prognosen handelt, ist allerdings zu beachten, dass die Geburtenrate in den nächsten Jahrzehnten wieder ansteigen könnte. Jedoch hal- ten die meisten Experten es für wenig wahrscheinlich, dass ein Niveau erreicht wird, wel- ches den arbeitsfähigen Anteil der Bevölkerung der betroffenen Länder in absehbarer Zu- kunft sichern könnte. Sollten also die vom heutigen Standpunkt aus notwendigen Zu- wanderungsbewegungen in Europa stattfinden, so könnten die nach 1995 einge- wanderten Personen und deren Nachkommen im Jahr 2050 einen beachtlich hohen Anteil an der Gesamtbevölkerung stellen. Dieser könnte in Deutschland bei bis zu 30% liegen.

Fremdenfeindlichkeit und Ausl Änderanteil: Befunde der Deutschen Shell Studie (2000) zeigen, dass insbesondere fremdenfeindlich eingestellte Jugendliche den Ausländeranteil an der Gesamtbevölkerung außerordentlich stark überbewerten. Weiterhin ist auffällig, dass generell viele Deutsche den Anteil ausländischer Mitbürger gravierend überschätzen. So veröffentlichte die Friedrich-Ebert-Stiftung (2000) die Ergebnisse einer Repräsenta- tivumfrage, in der über ein Drittel der Befragten bereits heute einen Ausländeranteil zwi- schen 11% und 20% vermuteten, rund ein Viertel der Teilnehmer diesen auf 21% bis 30% ansetzten und ein Zehntel angab, der Anteil an Ausländern liege bei 45%.

Tatsächlich liegt der gegenwärtige Ausländeranteil in Deutschland bei circa 10%, in Frank- reich bei circa 7% und in Großbritannien bei circa 4% (vergleiche Münz und Ulrich, 2000). Das bedeutet zwar, dass im Vergleich zu anderen großen europäischen Staaten in der BRD mit Abstand die meisten Ausländer leben, doch wie aufgezeigt wird die Anzahl bei weitem überschätzt. Als unbestritten gilt jedoch, dass Deutschland bereits heute ein Ein- wanderungsland ist. Die jährliche Zuwanderung nach Deutschland betrug 1998 circa 800.000 Personen bei einer Bevölkerungszahl von rund 80 Millionen und lag damit höher als die Rate des klassischen Einwanderungslandes Kanada (173.000 bei 30 Millionen Ein- wohnern).

Wie empirische Befunde belegen, wurde dieser Tatsache auf gesellschaftlicher und poli- tischer Ebene bisher wenig Rechnung getragen. Denn auch wenn sich in jüngster Zeit un- ter dem Druck der Wirtschaft und durch die Nachfrage nach bestimmten beruflichen Qualifikationen ein Umdenken andeutet, liegt Deutschland laut Analysedaten der Euroba- rometer-Studie (1997) in Hinblick auf fremdenfeindliche Einstellungen im Vergleich von 15 EU-Staaten an viert schlechtester Stelle (siehe dazu Wagner und van Dick, 2001).

1.1 Zentrale Fragestellung der vorliegenden Arbeit

Seit langem hält sich auf gesellschaftspolitischer Ebene die theoretische Annahme, dass diskriminierende Einstellungen gegenüber Fremdgruppen mit deren relativer Größe an- steigen. So veröffentlichte beispielsweise der Spiegel (Ausgabe Nr. 37) 1991 einen Leit- artikel mit dem Titel „ Einwanderungsland Deutschland", welcher sich kritisch mit der The- matik wachsender Fremdenfeindlichkeit bei steigendem Ausländeranteil auseinander setzte. Auf dem Titelblatt dieser Ausgabe war ein übervolles Schiff abgebildet. Diese mehr oder weniger implizite Botschaft des Titelblatts („ das volle Boot “ ) trifft im Kern eine häufig und besonders in Wahlkampfzeiten bemühte Behauptung: Fremdenfeindlichkeit sei die zwangsl Äufige Folge einer - durch zu viele Ausl Änder in der unmittelbaren Lebensumge- bung hervorgerufene -überfremdung (siehe dazu Friedrich-Ebert-Stiftung, 1998). In diesem Sinne forderte die NPD in ihrem Parteiprogramm 2003, dass „ Deutschland wieder deutsch werden muss “ und lädt weiterhin zu Demonstrationen mit dem Titel „ Heimreise statt Einwanderung - denn deutsche Kinder braucht das Land “ ein. Auf politischer Ebene wird die oben genannte Mutmaßung allerdings durchaus nicht nur von rechtsextremen Parteien wie der NPD propagiert.

Der Denkansatz des „ vollen Bootes “ spiegelt sich ferner in verschiedenen politikwissenschaftlichen und soziologischen Theorien wieder, die sich mit dem Zusammenspiel zwischen Ausländeranteil und ethnischen Vorurteilen beschäftigen. An dieser Stelle ist anzumerken, dass es national wie international kaum empirische Studien gibt, die diese beiden Variablen explizit in Verbindung miteinander betrachten.

Aus diesem Grund ist es das Ziel der vorliegenden Untersuchung, basierend auf den umfangreichen Daten des GMF-Survey 2002, den Zusammenhang zwischen dem Ausländeranteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen für Deutschland zu bestimmen. Dabei soll dem Faktum, dass eine statistische bivariate Korrelation sich bekanntermaßen durch verschiedene Arten von Drittvariableneffekten erheblich verändern kann, in der späteren Analyse besondere Beachtung geschenkt werden.

2 Theorie: Stand der Forschung

Der erste Schritt der Konzeptualisierung dieser Arbeit bestand darin, Literatur zum Thema Fremdenfeindlichkeit im Allgemeinen und zum Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und ethnischen Vorurteilen im Besonderen zu sichten. Darauf aufbauend werden in diesem Teil zu dieser Thematik bestehende Theorien exemplarisch kurz umrissen. Für jede der Theorien wird dargelegt, welche Annahmen sich aus ihr in Bezug auf den fokussierten Zusammenhang folgern lassen. Da sich die erste und zentrale Hypothese dieser Diplomarbeit besonders auf zwei der hier genannten Theorien stützt, wird diese zum besseren Verständnis im Anschluss an diesen Teil abgeleitet.

Bereits in der Einleitung wurde angemerkt, dass der im Fokus stehende Zusammenhang noch durch weitere Drittvariablen beeinflusst sein könnte beziehungsweise sogar ein Artefakt darstellt. Unter dem Begriff Artefakt versteht man landläufig fehlerhafte For- schungsergebnisse, die zum Beispiel durch Stichproben-, Interviewer-, Instrumenten- oder auch Situationseffekte entstehen können. In vorliegender Arbeit wird dieser Begriff im Sinne von Drittvariableneffekten verstanden, die es zu entdecken gilt. Damit eine möglichst präzise Aussage über den Zusammenhang getroffen werden kann, sollen deshalb eine Vielzahl potentieller Einflussfaktoren in den Analysen berücksichtigt werden. Voraussetzung dafür ist, eine sinnvolle Auswahl an in Frage kommenden Drittvariablen zu erzielen. Aus diesem Grund wird die vorhandene Literatur hinsichtlich bereits untersuchter Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit betrachtet. Zunächst sollen zum besseren Ver- ständnis weitere für diese Arbeit relevante Begrifflichkeiten geklärt werden.

2.1 Definition relevanter Begriffe

Der Begriff der Fremdenfeindlichkeit oder synonym auch der Ausl Änderfeindlichkeit ist weitgehend vage definiert (siehe auch Zick, 1997, Seite 34). Diese Uneindeutigkeit ergibt sich teilweise aus unklaren Definitionen bezogen auf die Frage, wer als Mitglied einer fremden Gruppe (Outgroup) und wer als Mitglied der eigenen Gruppe (Ingroup) betrachtet werden kann. So ist es beispielsweise denkbar, dass Zuwanderer der ersten Generation von Einheimischen als fremd wahrgenommen und beurteilt werden, während sich die nachfolgenden Generationen beispielsweise durch Assimilation rein äußerlich nicht mehr von der Ursprungsbevölkerung unterscheiden. So verfügen in der BRD zum Beispiel viele türkisch stämmige Personen über die deutsche Staatsbürgerschaft und sind bereits in der zweiten oder dritten Generation in Deutschland geboren. In der vorliegenden Arbeit bezieht sich der Begriff Fremdenfeindlichkeit primär auf andere Ethnien, die als Outgroup betrachtet werden könnten. In Anlehnung an die Konzeption des Syndroms der „ Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit “ wird davon ausgegangen, dass das Konstrukt Fremdenfeindlichkeit materielle als auch kulturelle Aspekte umfasst. Damit wird die Ablehnung ethnischer Fremdgruppen nicht nur als (vermutete) Konkurrenz um (knappe) Ressourcen von Arbeitsplätzen, Positionen und dergleichen interpretiert, sondern basiert ferner auf der Annahme der kulturellen Rückständigkeit (siehe Pettigrew und Meertens, 1995; Frindte, 1999; Wagner, van Dick und Zick, 2001).

Fremdenfeindlichkeit kann sich auf verschiedene Arten äußern, von ablehnenden Einstellungen und Vorurteilen bis hin zu diskriminierendem und gewalttätigem Verhalten gegenüber anderen ethnischen Gruppen. Der Begriff des Vorurteils wird häufig als negative Einstellungen gegenüber Minderheiten generell verwendet. So können Vorurteile sich zum Beispiel gegen Ausländer oder Menschen anderer Hautfarbe, Angehörige anderer Religionen, Homosexuelle, Behinderte und auch psychisch Kranke richten. In diesem Zusammenhang bietet sich folgende Definition an:

„… prejudice will be regarded as any or all of the following: the holding of derogatory social attitudes or cognitive beliefs, the expression of negative affect, or the display of hostile or discriminatory behaviour towards members of a group on account of their membership of that group. ” Brown (1995, Seite 8).

Brown verzichtet damit auf die von anderen Autoren vorgenommene Betonung, dass Vor- urteile „ falsch ”, „ irrational “ oder „ ungerechtfertigt “ sind (Allport, 1954; Jones, 1972; Wor- chel et al., 1988). Er begründet dies dadurch, dass Vorurteile einerseits nicht auf ihre objektive Richtigkeit überprüft werden und andererseits verschiedene Gruppen unter- schiedliche Ansichten darüber haben können, was angemessen, richtig oder falsch ist. Somit bietet Brown eine eher breite Auslegung des Begriffs, wobei dessen zentrales Merk- mal auf der Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe basiert. Ethnische Vorurteile können folglich als negative und diskriminierende Einstellungen gegenüber den Angehörigen von Gruppen fremder Herkunft verstanden werden. Die Zuordnung zu einer Gruppe erfolgt dabei über die nationale Herkunft, welche meist über den Namen, Akzent und das äußere Erscheinungsbild abgeleitet wird. An dieser Stelle ist wieder auf die Schwierigkeit einer eindeutigen Zuordnung zu Eigen- und Fremdgruppe hinzuweisen. Da sich diese Diplomarbeit mit Fremdenfeindlichkeit beschäftigt, wird der Begriff der Fremdenfeindlichkeit im Weiteren synonym zu negativ besetzten ethnischen Vorurteilen verwendet. Ferner ist anzumerken, dass sich das Konstrukt Fremdenfeindlichkeit in der vorliegenden Arbeit auf fremdenfeindliche Einstellungen und nicht auf tatsächlich ausgeführtes Verhalten bezieht.

Weiterhin lässt sich feststellen, dass die wenigen Studien, die sich vornehmlich mit den Auswirkungen variierender Ausländeranteile befassen, dies häufig in Verbindung mit dem Konstrukt Rassismus tun. Insbesondere Studien aus den USA erforschen meist rassistisch motivierte Vorurteile der weißen gegenüber der schwarzen Bevölkerung. Daher definieren viele dieser Studien die Zugehörigkeit zu der In- und Outgroup über die Hautfarbe. In Bezug auf Deutschland kann hingegen angenommen werden, dass allgemeinere ethnische Vorurteile häufiger vorkommen als rein rassistisch motivierte. Dies ergibt sich bereits aufgrund dem verhältnismäßig geringeren Anteil an dunkelhäutigen Personen in der BRD. In Deutschland richten sich fremdenfeindliche Einstellungen folglich häufiger gegen Gastarbeiter und deren Nachkommen (etwa aus der Türkei, dem ehemaligen Jugoslawien und Italien) sowie gegen Spätaussiedler (etwa aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und Rumänien), ergo überwiegend gegen andere Ethnien.

Durch die unterschiedliche Akzentuierung der Vorurteilsforschung im nordamerikanischen gegenüber dem europäischen Raum ergibt sich, dass für die vorliegende Arbeit auch Stu- dien herangezogen werden, die ausschließlich rassistisch motivierte Vorurteile untersucht haben. Deshalb soll an dieser Stelle zum besseren Verständnis versucht werden, die Be- griffe Fremdenfeindlichkeit und Rassismus voneinander abzugrenzen. In Bezug auf das Konstrukt Rassismus besteht ebenfalls keine allgemein akzeptierte Definition. Viele Kon- troversen über die Bedeutung des Wortes erklären sich aus verschiedensten weiten und engen Auslegungen. Eine recht verbreitete Definition bietet Memmi (1987):

„ Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tats Ächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Ankl Ägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen. “ Memmi (1987, Seite 164).

Diese gebräuchliche - jedoch sehr weite - Erklärung ermöglicht keine besonders präzise Abgrenzung der beiden Konstrukte. Da sich diese Arbeit auf den GMF-Survey 2002 stützt, soll daher eine Arbeitsdefinition dieser Konzeption verwendet werden. Das Konzept der „ Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit “ versteht Rassismus in einem enger gefass- ten und eindeutiger umgrenzten Sinn. Der Begriff wird hier definiert als Einstellungen und Verhaltensweisen von Personen, die auf der Grundlage einer konstruierten „ natürlichen Höherwertigkeit “ der Eigengruppe die Mitglieder fremder Herkunft abwerten. Folglich kann Rassismus als der Versuch interpretiert werden, eine auf biologischen Unterschieden fest gemachte Dominanz gegenüber „ unterlegenen “ Fremdgruppen auszuüben (vergleiche Hraba et al., 1989).

2.2 Theorien über den Einfluss variierender Ausländeranteile auf Fremdenfeind- lichkeit und Herleitung der zentralen Hypothese

In diesem Abschnitt werden insgesamt fünf Theorien beziehungsweise Sichtweisen umrissen, die sich mit der Thematik des Einflusses variierender Ausländeranteile auf ethnische Vorurteile beschäftigt haben.

Einer der ältesten Ansätze geht auf Moreno (1934) zurück, dessen Schülerin Criswell (1942) die bekannte, jedoch nur selten überprüfte „ Saturation-Point-Hypothes e konzeptuell formulierte. Diese geht von der Annahme aus, dass eine Mehrheit einen kleinen Anteil einer Minderheit problemlos assimiliert, die Überschreitung bestimmter Sättigungsschranken dagegen zu einer konflikthaften Spaltung der Gesamtgruppe führt. In Bezug auf den Zusammenhang zwischen der relativen Größe einer Fremdgruppe und ethnischen Vorurteilen würde dieser Ansatz demnach folgern:

„ Je höher der objektive Ausl Änderanteil, desto gr öß er ist die Gefahr, die obere S Ättigungs schranke zuüberschreiten und - aufgrund der konflikthaften Spaltung - desto gr öß er ist die Gefahr des Ansteigens fremdenfeindlicher Einstellungen. “

Wie bereits veranschaulicht, hält sich die Kernaussage des zumindest ab einem gewissen Punkt „ zu vollen Bootes “ dieser Hypothese beharrlich (siehe dazu auch Taylor, 1998, 2000; Quillian, 1996; Fossett und Kiecolt, 1989).

Von einer konträren Annahme hinsichtlich der Ursachen möglicher Spaltungsmechanis- men geht die „ Unterlegenheitstheorie “ (Gottlieb und Ten Houten, 1965) aus. Diese nimmt an, dass Minderheiten sich aufgrund ihrer zahlenmäßigen Unterlegenheit in einem Zu- stand der Identitätsbedrohung befinden. Um den inneren Zusammenhalt der Eigengruppe

- die Binnenkoh Äsion - zu stärken und so das Gefühl der Bedrohung zu senken, kann es laut dieser Theorie zu einer Absonderung der Minderheit von der Mehrheit kommen. Die Unterlegenheitstheorie prognostiziert als Folge einer solchen Entwicklung die Erhöhung von Ressentiments der Mehrheit gegenüber der Minderheit. Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen variierenden Ausländeranteilen und fremdenfeindlichen Einstellungen würde sich aus diesem Ansatz ableiten lassen:

„ Je geringer der objektive Ausl Änderanteil, desto gr öß er ist - aufgrund der durch den Bedro hungszustand hervorgerufenen Absonderung der Minderheit - die Gefahr des Ansteigens diskriminierender Einstellungen seitens der Mehrheit. “

In Hinblick auf die Unterlegenheitstheorie gibt es einige Befunde, die in ihrem Sinne inter- pretiert werden können. So ging zum Beispiel Dollase (2001) im Rahmen einer verglei- chenden Städtestudie aus dem Jahr 2000 der Frage nach, ob sich das interethnische Konfliktpotential in Schulklassen mit einem hohen Ausländeranteil erhöht oder erniedrigt. Es wurde ersichtlich, dass insbesondere in Hauptschulklassen mit geringem bis gar keinem Ausländeranteil die Kontaktablehnung seitens der deutschen Schüler höher aus- fiel, als in den Klassen mit größerem Anteil. Die Unterlegenheitstheorie würde dieses Ergebnis folgendermaßen interpretieren: Durch die wahrgenommene Bedrohung steigt in Klassen mit sehr geringem Anteil die Binnenkohäsion der, vorwiegend aus türkischen Schülern bestehenden, Minderheit enorm an und löst den oben beschriebenen Prozess aus.

Dieser Befund steht in Einklang mit dem nächsten zu nennenden Ansatz, der empirisch gut untermauerten „ Opportunit Ätstheorie “ (Hallinan und Smith, 1985). Diese basiert auf der These, dass die Menge positiver interethnischer Kontakte von den tatsächlich vor- handenen Interaktionsmöglichkeiten (der Opportunit Ät) abhängt. Des Weiteren sagt diese Theorie für Angehörige der Minderheitsgruppe eine höhere Anzahl positiver intereth- nischer Kontakte als für Angehörige der Mehrheitsgruppe vorher. Begründet wird diese Annahme folgendermaßen: Aufgrund ihrer Größe verfügt eine Mehrheit über eine geringe- re Binnenkohäsion, weswegen sie sich von der zahlenmäßig kleineren Minderheit weniger bedroht fühlt und problemloser in Untergruppen zerfällt. Dies wiederum kann zu einer stärkeren Koalition von Teilen der Mehrheits- mit der Minderheitsgruppe führen. Dieser Ansatz würde bezüglich des fokussierten Zusammenhangs demnach folgern:

„ Je höher die Opportunit Ät für tats Ächlichen Intergruppenkontakt - also je höher der objektive Ausl Änderanteil - desto höher die Anzahl positiver interethnischer Kontakte, insbesondere für die Minderheit. “ Und: „ Je gr öß er die Koalition von Teilen der Mehrheits- mit der Minderheits gruppe ausf Ällt, desto niedriger ist die Auspr Ägung von Fremdenfeindlichkeit. “

Bezüglich der für die Minderheit prognostizierten höheren Menge an positiven Kontakten fand die genannte Untersuchung von Dollase (2001) ebenfalls Bestätigung. Wie angeführt beurteilten deutsche Schüler ihre türkischen Mitschüler in Klassen mit geringerem Aus- länderanteil schlechter als in Klassen mit höherem Anteil. Türkische Schüler hingegen be- werteten ihre deutschen Mitschüler generell gut und berichteten über mehr Freund- schaften.

Die Opportunitätstheorie geht augenscheinlich von ähnlichen Annahmen aus wie die weitaus ältere „ Kontakthypothese “ (Williams, 1947; Allport, 1954). Diese stellt von allen genannten Ansätzen den am umfangreichsten untersuchten dar. Die Kontakthypothese wurde erstmals nach dem zweiten Weltkrieg formuliert, als sich in den USA die Men- schenrechtsbewegung gründete. Die grundlegende Annahme dieser Theorie ist, dass der unmittelbare Kontakt zwischen Angehörigen von Mehr- und Minderheiten Vorurteile redu- ziert. Gordon Allport postulierte in seinem Buch „ Die Natur des Vorurteils “ (1954) folgende optimale Bedingungen, unter denen Kontakt zwischen den Angehörigen unterschiedlicher Gruppen besonders günstige Auswirkungen auf den Abbau negativer Einstellungen hat:

- die Beteiligten verfügen in einer persönlichen Kontaktsituation über den gleichen Status,
- sie verfolgen gemeinsam dasselbe Ziel,
- sie versuchen dieses Ziel miteinander umzusetzen, anstatt zu konkurrieren,
- der Intergruppenkontakt wird durch Autoritäten (wie zum Beispiel durch Lehrer, Vorgesetzte und Politiker) unterstützt.

Im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen variierenden Ausländeranteilen und fremdenfeindlichen Einstellungen würde dieser Ansatz folglich ableiten:

„ Je mehr Möglichkeiten für tats Ächlichen Intergruppenkontakt - ergo je höher der objektive Ausl Änderanteil - desto höher ist die Wahrscheinlichkeit für tats Ächlich stattfindenden In tergruppenkontakt und desto niedriger ist die Auspr Ägung fremdenfeindlicher Einstellungen (insbesondere unter den optimalen Bedingungen). “

Vielfach replizierte empirische Studien bestätigen, dass sich fremdenfeindliche Einstellungen mit zunehmendem Intergruppenkontakt verringern (siehe dazu die Meta-Analyse von Pettigrew und Tropp, 2000). Betrachtet man allerdings Befunde zum Einfluss von Intergruppenkontakt auf Fremdenfeindlichkeit in Verbindung mit variierenden Ausländeranteilen, so liegen zumindest teilweise uneinheitliche Ergebnisse vor.

In Bezug auf Deutschland konnten Wagner et al. (2002) durch Strukturgleichungsmodelle basierend auf den Daten des GMF-Survey belegen, dass Intergruppenkontakt die unter- schiedliche Vorurteilsneigung von West- und Ostdeutschen mediiert. Demographische Daten zeigen diesbezüglich auf, dass der Ausländeranteil im Osten Deutschlands erheblich geringer ausfällt als im Westen (circa 2% versus circa 10%). Jedoch präsentieren eine Vielzahl repräsentativer Meinungsumfragen (Hoffmann-Lange, 1996; Deutsche Shell Studie, 2000) sowie bundesweite Kriminalstatistiken ein insgesamt höhe- res Ausmaß fremdenfeindlicher Einstellungen und Gewalttaten in Ostdeutschland. Die oben genannten Befunde sprechen für den - in diesem Fall durch den höheren Aus- länderanteil gegebenen - Einfluss von Intergruppenkontakt auf den Abbau von Fremden- feindlichkeit.

Andererseits belegen Studien aus den USA, dass ein prozentualer Anstieg der schwarzen Bewohner in einem Wohnbezirk gleichzeitig mit einer Erhöhung rassistisch motivierter Vorurteile der weißen Bevölkerung einhergeht. Mittels hierarchischer Regressionen überprüfte Taylor (1998; 2000) diese Befunde und fand, dass:

„ ...white negativity swells as the local black population share expands. “ Taylor (1998, Seite 512).

Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass hinsichtlich rassistischer Vorurteile der weißen gegenüber der schwarzen Bevölkerung in den USA ein regionales Süd-Nichtsüdstaaten- Gefälle besteht. Dabei ist die Vorurteilsneigung in den südlichen Bundesstaaten stärker ausgeprägt als im Rest des Landes. Oben genannte Autorin deckte diesbezüglich Folgendes auf: Unter der Kontrolle des prozentualen Anstiegs des Anteils schwarzer Ein- wohner in einem Wohnviertel reduzierte sich das Ausmaß der regionalen Unterschiede um über die Hälfte. Taylor fand weiterhin heraus, dass ein prozentualer Anstieg von Per- sonen asiatischer oder hispanischer Herkunft in einem Wohnbezirk nicht gleichermaßen zu einer erhöhten Vorurteilsneigung der europäisch stämmigen Einwohner führte. Es waren sogar gegenläufige Effekte zu verzeichnen. Nach Hood und Morris (1998) gilt dieses Ergebnis allerdings nur für legale Einwanderer und nicht für Personen, die sich illegal in den USA aufhalten.

Pettigrew (2003) kommt zu der Ansicht, dass die beschriebenen Divergenzen in der Vor- urteilsneigung der weißen Bevölkerung gegenüber den afroamerikanischen Einwohnern einerseits und den asiatischen beziehungsweise hispanischen Einwohnern andererseits jedoch eher fehlerhafte Ausnahmen bilden. Er führt an, dass der Anteil der asiatisch be- ziehungsweise hispanisch stämmigen Bevölkerung in der Konzentration generell wesent- lich geringer ausfällt, als der Anteil der Afroamerikaner. In Gegenden, in denen dies nicht der Fall ist, finden sich häufig ähnliche Muster der Vorurteilsausprägung wie in Bezug auf die schwarze Bevölkerung. Hood und Morris (1997) konnten in diesem Zusammenhang zeigen, dass europäisch stämmige Bewohner des Bundesstaates Kalifornien, welcher die höchste Personendichte mit asiatischem beziehungsweise hispanischem Hintergrund auf- weist, diesen gegenüber auch erhöhte Vorurteilswerte erkennen ließen.

Diese Ergebnisse stehen deutlich im Widerspruch zu den aus der Kontakthypothese abgeleiteten Annahmen hinsichtlich der Auswirkung eines hohen Ausländeranteils auf die Vorurteilsneigung. Und auch wenn sie den meisten Befunden der sozialpsychologischen Forschung in diesem Bereich widersprechen, so stehen sie doch mit einigen politikwissenschaftlichen und soziologischen Befunden in Einklang.

Pettigrew (2003) weißt dazu auf eine aktuell vielfach diskutierte Erklärungsmöglichkeit hin, die sich mit dem Phänomen der so genannten „ subjektiven Bedrohung “ befasst. Bezüglich ethnischer Vorurteile ist damit gemeint, wie eine Mehrheit - oder Teile dieser - die von ihr wahrgenommene Wahrscheinlichkeit einschätzt, mit Minderheiten in Konkurrenz um Arbeitsplätze oder andere Güter zu stehen. Fällt die Beurteilung hoch aus, kann es dazu kommen, dass die Mehrheitsgruppe sich von Minderheit bedroht sieht und eher zu Ressentiments neigt.

So sehen auch Stephan und Stephan (2000) in der, auf der Wahrnehmung der Bedrohung basierenden Intergruppenangst, eine denkbare Erklärung für die Abwertung von Fremden. Die Autoren unterschieden dabei verschiedene Aspekte von Bedrohung, von denen angenommen wird, dass sie zur Ausbildung von Vorurteilen beitragen:

- Gefühle der Bedrohung wichtiger kultureller Werte der eigenen Gruppe (symbolic threats),
- Gefühle persönlicher Bedrohung durch Mitglieder fremder Gruppen (intergroup an- xiety),
- Auswirkungen negativer stereotyper Erwartungen über die Mitglieder fremder Gruppen (negative stereotypes).

In Bezug auf die genannten Befunde von Taylor (1998; 2000) ließe sich nun folgern, dass subjektive Bedrohung und Intergruppenkontakt „ konkurrierende “ Einflussfaktoren auf ethnische Vorurteile darstellen. Betrachtet man Befunde auf aggregierter Datenebene aus den Vereinigten Staaten, so zeigt sich, dass in Gegenden mit einer niedrigeren Dichte an nicht-europäisch stämmigen Einwohnern der Einfluss von Intergruppenkontakt oft eine maximale Vorurteilsreduzierung ermöglicht. In Gegenden mit einer höheren Konzentration nicht-europäisch stämmiger Einwohner wäre es denkbar, dass erhöhte Bedrohungsgefühle die positiven Effekte des Intergruppenkontakts übertreffen.

Ein in diesem Zusammenhang interessanter Befund, der sich mit dem Phänomen der subjektiven Bedrohung befasst, stammt von Semyonov et al. (2003). Die Autoren prüften basierend auf den repräsentativen Umfragedaten des ALLBUS (1996) folgende Hypo- these:

„ Die subjektive Bedrohung durch eine Fremdgruppe mediiert den Zusammenhang zwischen der relativen Gr öß e dieser und fremdenfeindlichen Einstellungen “.

Nach Baron und Kenny (1986) stellen Mediatorvariablen einen generativen Mechanismus dar, durch die eine unabhängige Zielvariable in der Lage ist, einen Einfluss auf eine abhängige Variable auszuüben. Das bedeutet, während Moderatoren erklären, wann und unter welchen Bedingungen bestimmte Effekte auftreten, spezifizieren Mediatoren, wie und warum diese Effekte auftreten. In Bezug auf die oben genannte Annahme würde das bedeuten, dass die subjektive Bedrohung einen generativen Mechanismus darstellt, durch den die relative Größe einer Fremdgruppe überhaupt erst in der Lage ist, einen Einfluss auf fremdenfeindliche Einstellungen auszuüben.

Die Ergebnisse dieser Studie unterstützten allerdings nicht die bereits angedeutete Annahme, dass mit einem Anstieg des objektiven Ausländeranteils gleichzeitig die subjektiv wahrgenommene Bedrohung und somit fremdenfeindliche Einstellungen zunehmen. Interessanterweise konnten die Autoren jedoch einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem wahrgenommenen Ausländeranteil und der wahrgenommenen Bedrohung belegen. Der wahrgenommene Ausländeranteil mediiert den Zusammenhang zwischen der subjektiven Bedrohung und fremdenfeindlichen Einstellungen:

„ Je höher der subjektiv wahrgenommene Ausl Änderanteil, desto höher das subjektive Gefühl von Bedrohung und desto höher die Auspr Ägung fremdenfeindlicher Einstellungen. “

Diese Hypothese wurde durch die Daten signifikant bestätigt.

Pettigrew (2003) merkt weiterhin an, dass die beschriebene Logik der subjektiv wahrgenommenen Bedrohung in Verbindung mit Intergruppenkontakt einen lohnenden Forschungsansatz darstellt. Jedoch sei die konfligierende Wirkung beider Faktoren als Erklärungsmodell für das Entstehen fremdenfeindlicher Einstellungen zu vereinfacht. Seiner Meinung nach gestaltet sich das Zusammenwirken der beiden Prädiktoren besonders aus zwei - auf verschiedenen Ebenen anzusiedelnden - Gründen wesentlich komplexer: Zum einen durch den Einfluss von Variablen auf der Makroebene und zum anderen durch den Einfluss von Variablen auf der Mikroebene.

So ist bezogen auf die Ergebnisse von Taylor (1998; 2000) anzunehmen, dass diese möglicherweise durch auf der Makroebene anzusiedelnde Faktoren beeinflusst wurden, wie zum Beispiel durch die auch aktuell noch immer stattfindende (Rassen -) Trennung in den USA. Eine tragende Rolle könnte diesem Aspekt insofern beigemessen werden, als dass Segregation die Wirkmöglichkeiten des bedeutsamen und auf der Mikroebene anzu- siedelnden Faktors Intergruppenkontakt limitiert. Durch dieses Argument erscheint die ge- fundene unterschiedliche Vorurteilsausprägung der europäisch stämmigen Einwohner gegenüber der afroamerikanischen versus der asiatischen und hispanischen Bevölkerung nochmals in einem anderen Licht.

Die Relevanz der Verbindung beider Ebenen, der Makro- und der Mikroebene, soll an einem weiteren Befund verdeutlicht werden: Wagner und van Dick (2001) fanden auf aggregierter Datenebene, dass mit steigender Anzahl von Nicht-EU-Angehörigen in einem Land fremdenfeindliche Einstellungen unter den Einwohnern zunehmen. Auf den ersten Blick scheinen diese Ergebnisse die verbreitete Annahme des „ zu vollen Boots “ zu bestä- tigen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Aggregatdaten durch Zusammenfassung ent- stehen, also über Summierung und durch Bildung von Durchschnitts- oder Anteilswerten.

Die oben genannten Autoren trugen diesem Faktum Rechnung und konnten in selbiger Studie belegen, dass sich der Anteil von Nicht-EU-Ausländern in einem Land nicht automatisch auf die Vorurteilsneigung der Bevölkerung auswirkt. Besonders ungünstige Auswirkung auf fremdenfeindliche Einstellungen zeigte ein erhöhter Anteil von Nicht-EU- Ausländern vor allem dann, wenn die Befragten keinen unmittelbaren Kontakt zu diesen Gruppen hatten. Einen sehr viel geringeren Effekt zeigte die Zunahme des Nicht-EU-Aus- länderanteils, wenn die Befragten freundschaftlichen Kontakt zu Ausländern pflegten.

Diese Ergebnisse veranschaulichen im Sinne der Kontakthypothese, dass der aktive Um- gang mit Zuwanderern bestimmt, wie sich dieser im eigenen Überzeugungssystem nie- derschlägt. Weiterhin betonen sie die Notwendigkeit, dass künftige Forschung ihren Fokus auf die Verbindung zwischen der Mikro- und Makroanalyseebene richten sollte. Das be- deutet, dass auf aggregierten Daten basierende Befunde mit solchen auf individuellen Da- ten beruhenden verbunden werden müssen, um die Gefahr von Verzerrungen und Fehl- interpretationen zu minimieren.

Aus diesem Grund werden die Ergebnisse aus den in dieser Arbeit verwendeten Standardregressionen nochmals mittels Mehrebenenanalysen überprüft. Durch dieses Vorgehen wird berücksichtigt, dass der verwendete Datensatz - wie auch zahlreiche andere in der sozialwissenschaftlichen Forschung analysierte Datensätze - eine hierarchische Struktur aufweisen. Das statistische Verfahren der Mehrebenenanalyse erlaubt es, Daten unterschiedlichen Aggregierungsniveaus gemeinsam zu analysieren, also Daten von Individuen sowie Daten von den Kontexten, in denen diese Individuen leben.

Basierend auf den bisher angeführten Theorien und Befunden soll nun die erste und zentrale Hypothese der vorliegenden Diplomarbeit abgeleitet werden. Da die Kontakthypo- these am besten empirisch untermauert ist, wird in ihrem Sinne - als auch im Sinne der Opportunitätstheorie - eine negative Beziehung zwischen der objektiven Größe des Aus- länderanteils im Landkreis und den fremdenfeindlichen Einstellungen der Befragten ange- nommen. Konkret wird also vermutet, dass ethnische Vorurteile mit steigendem Pro- zentanteil an Ausländern (und den damit gegebenen Möglichkeiten zu Intergruppenkon- takt) sinken.

Hypothese 1:

Es besteht ein schwacher bis mittlerer negativer Zusammenhang 1 zwischen dem objektiven Aus- l Änderanteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen

2.3 Empirische Befunde zu Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit und

Herleitung der weiteren Hypothesen

Um untersuchen zu können, inwieweit der fokussierte Zusammenhang unter der Berück- sichtigung diverser Einflussfaktoren bestehen bleibt, bestand ein weiterer Schritt im Vorgehen darin, potentiell verzerrende Drittvariablen anhand vorliegender empirischer Be- funde zu identifizieren. Letztendlich erfolgte die Auswahl der für die spätere Analyse rele- vanten Drittvariablen in Abhängigkeit davon, ob die ausgewählten Konstrukte im GMF- Survey erfasst wurden.

Wie bereits geschildert, betrachten zahlreiche Studien aus dem Bereich der Vorurteilsforschung mögliche Einflussfaktoren nur hinsichtlich ihrer Wirkung auf Fremdenfeindlichkeit und nicht explizit in Verbindung mit variierenden Ausländeranteilen. Die in diesem Zusammenhang als wichtig erachteten Forschungsergebnisse und Implikationen für die vorliegende Arbeit werden im folgenden Teil dargestellt.

Da eine Fülle empirisch untersuchter Einflussfaktoren auf Fremdenfeindlichkeit bekannt ist, wird die Menge der einzelnen Drittvariablen in Kategorien gebündelt. Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit werden die verbleibenden Hypothesen im Anschluss an jede Katego- rie abgeleitet.

2.3.1 Einflussgrößen der Demographie

2.3.1.1 Region (West- beziehungsweise Ostdeutschland)

Hinsichtlich des regionalen Einflusses auf fremdenfeindliche Tendenzen wurde bereits darauf hingewiesen, dass sich im deutschen Raum wesentliche systematische Unter- schiede zwischen West- und Ostdeutschen zeigen. Wagner et al. (2003) werteten Daten basierend auf drei Studien (ALLBUS, 1996; Deutsche Shell Studie, 2000; eigene Studie der Autoren, 1992) aus und es zeigte sich übereinstimmend ein positiver Zusammenhang zwischen der Region (West- versus Ostdeutschland) und ethnischen Vorurteilen.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (1998) veröffentlichte in diesem Zusammenhang einen Bericht basierend auf den Daten einer repräsentativen Umfrage, dem ALLBUS (1996). Auch bei dieser Auswertung ergaben sich bedeutsame Unterschiede bezogen auf die geo- graphische Lage des Wohnorts in Verbindung mit fremdenfeindlichen Einstellungen: Die ostdeutschen Befragten wiesen durchschnittlich auch dann ein höheres Maß an Fremden- feindlichkeit auf, wenn Unterschiede des Alters, Geschlechts, Gemeindetyps sowie des Bildungsniveaus berücksichtigt wurden. Das heißt, Ostdeutsche mit vergleichbarer Bildung und ähnlichem Wohnumfeld ließen im Mittel stärkere fremdenfeindliche Tendenzen er- kennen als Westdeutsche.

Betrachtet man diese Befunde stellt sich die Frage, ob Fremdenfeindlichkeit in der BRD möglicherweise ein ostdeutsches Phänomen darstellt. Derzeit wird diesbezüglich eine Vielfalt denkbarer Erklärungen kontrovers diskutiert. Wagner et al. (2003) testeten in der oben genannten Untersuchung die Hypothese, dass der regionale Einfluss auf Fremden- feindlichkeit zu großen Teilen über bestehende Kontaktmöglichkeiten- beziehungsweise Erfahrungen aufgeklärt werden kann. Es wurde deutlich, dass sich unter der Berücksichti- gung des Einfluss von Intergruppenkontakt der bestehende positive Zusammenhang zwi- schen der geographischen Lage des Wohnorts und Fremdenfeindlichkeit erheblich ver- ringerte (von r = .16 auf r = .04). Das heißt, dass Ostdeutsche die direkten Kontakt zu Ausländern hatten, im Durchschnitt kaum fremdenfeindlicher eingestellt waren als West- deutsche. Die Autoren betonen weiterhin, dass die tatsächlichen Wahrscheinlichkeiten für Ostdeutsche, regelmäßige Begegnungen mit Ausländern zu haben, unter der Berück- sichtigung des regional unterschiedlich hohen Ausländeranteils erheblich geringer sind als für Westdeutsche.

Wie aus den angeführten Befunden erkennbar, besteht demnach für Deutschland insge- samt weder ein einheitliches Bild hinsichtlich des prozentualen Ausländeranteils noch hin- sichtlich fremdenfeindlicher Tendenzen. Es ist also anzunehmen, dass die spätere Analy- se einen engen Zusammenhang zwischen Region und Ausländeranteil ergeben wird. Da- her soll bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass eine getrennte Analyse des Zusammenhangs zwischen dem Ausländeranteil im Landkreis und den fremdenfeind- lichen Einstellungen der Befragten für West- und Ostdeutschland als sinnvoll und notwen- dig erachtet wird.

2.3.1.2 Gemeindetyp

Die im letzten Punkt angeführte Empirie zum Einfluss der Region illustriert, dass eine Voraussetzung für Intergruppenkontakt (und somit für ein geringeres Maß an fremden- feindlichen Einstellungen) tatsächlich vorhandene Interaktionsmöglichkeiten mit Aus- ländern sind. Diese Möglichkeiten hängen wiederum direkt mit dem objektiv vorhandenen Ausländeranteil zusammen. Die Drittvariable Gemeindetyp gibt Aufschluss darüber, ob eine Person in einem Kern- oder Randgebiet (also im städtischen oder im ländlichen Raum) lebt und beinhaltet Informationen über die Höhe der Einwohnerzahl dieses Ge- biets. Es kann demnach davon ausgegangen werden, dass der Gemeindetyp, ebenso wie die Region, als grober Indikator für die mit ihr zusammenhängenden Kontaktwahrschein- lichkeiten in Betracht gezogen werden kann.

Des Weiteren stehen raumstrukturelle Gegebenheiten, wie die Art und Größe des Gemeindetyps zudem in Verbindung mit dem schulischen - und damit einhergehend meist mit dem beruflichen - Bildungsniveau. In städtischen Gebieten liegt der Bildungsdurchschnitt in der Regel höher als in ländlichen Gebieten und zwischen dem Grad an Bildung und ethnischen Vorurteilen besteht ein empirisch belegter negativer Effekt. Da der Bildungskontext in vorliegender Arbeit jedoch eine eigene Kategorie von Drittvariablen darstellt, wird dieser Aspekt detailliert unter Punkt 2.3.1.5 erläutert.

Laut einer auf den ALLBUS-Daten (1996) basierenden Untersuchung der Friedrich-Ebert- Stiftung (1998), wiesen Personen die in größeren Städten leben, unter sonst ähnlichen Bedingungen (bezogen auf Alter, Geschlecht und Bildung) im Durchschnitt ein erheblich geringeres Maß an Fremdenfeindlichkeit auf als diejenigen, die in kleineren Gemeinden leben. Da in den meisten Großstädten der Ausländeranteil deutlich höher ausfällt als in ländlichen Gegenden, spricht dieser Befund tendenziell für den positiven Einfluss von In- tergruppenkontakt. Wetzels und Greve (2001) stellten fest, dass zwischen den Jahren 1996 und 1999 in Bezug auf die quantitative Verbreitung fremdenfeindlicher Einstellungen in der BRD keine Zunahme zu verzeichnen war, jedoch eine Verlagerung in ländliche Ge- biete stattfand. Laut den Autoren sei Fremdenfeindlichkeit kein - wie häufig vermutet - ty- pisches Großstadtphänomen, sondern im ländlichen Raum weit verbreitet (siehe dazu auch Deutsche Shell Studie, 2000).

Versucht man den Gemeindetyp in Relation mit Fremdenfeindlichkeit zu betrachten, in- dem man Städte und Gemeinden gegenüberstellt, darf das bereits erwähnte West-Ost- Gefälle hinsichtlich schwankender Ausländeranteile in Deutschland nicht unberücksichtigt bleiben. Laut Wetzels und Greve (2001), die fremdenfeindliche Einstellungen und Gewalt unter Jugendlichen untersuchten, schwankten die Anteile junger Migranten in deutschen Städten erheblich, zum Beispiel zwischen 1% in Leipzig und 42% in Stuttgart. Diese stark variierenden Ausländeranteile der Regionen sind - im Sinne der Kontakthypothese - auch als Hinweis auf die unterschiedlichen soziale Kontexte Jugendlicher zu interpretieren. Wie bereits aufgezeigt, dürfte ohne die Möglichkeit des unmittelbaren Kontakts ein Abbau von Vorurteilen schwerer sein und diese Annahme fanden die Autoren bestätigt. So zeigte sich, dass junge Deutsche in Leipzig im Mittel deutlich stärker fremdenfeindlich eingestellt waren als Gleichaltrige aus Stuttgart.

In Bezug auf den Zusammenhang zwischen dem Ausländeranteil in städtischen Gebieten und fremdenfeindlichen Tendenzen existieren noch weitere Einflussfaktoren. Zwar ist der Ausländeranteil besonders in westdeutschen Großstädten deutlich höher als auf dem Land und daraus folgernd bestehen höhere Wahrscheinlichkeiten für Intergruppenkontakt, doch ist auch hier der Einfluss von Makrovariablen nicht zu unterschätzen. Wie bereits un- ter Punkt 2.2 erläutert, können bezüglich des fokussierten Zusammenhangs auch Aspekte der „ Segregation “ - oder der „ Gettoisierung “ - von Bedeutung sein. An dieser Stelle soll die Bedeutung des Wortes Segregation kurz erläutert werden. Dieser Begriff wird häufig als räumliche Ungleichverteilung von Individuen nach bestimmten Merkmalen definiert. Die Ungleichverteilung kann sich auf sozial relevante Merkmale wie die Einkommensver- hältnisse als auch auf ethnische Merkmale wie beispielsweise die Hautfarbe von Per- sonen beziehen.

In diesem Zusammenhang beschäftigten sich Anhut und Heitmeyer (2000) in ihrem Buch „ Bedrohte Stadtgesellschaft “ mit der Frage nach den Auswirkungen gesellschaftlicher Desintegrationsprozesse auf soziale und ethnisierte Konflikte. Der Einfluss verschiedener Formen von Desintegration auf Fremdenfeindlichkeit stellt in dieser Arbeit ebenfalls eine eigene Kategorie von Drittvariablen dar und wird daher unter Punkt 2.3.2 ausführlich be- handelt. An dieser Stelle sei deshalb nur angemerkt, dass sich die Desintegrationsfor- schung primär mit Konflikten um knappe Ressourcen und umkämpfte Rangordnungen befasst.

Die genannten Autoren untersuchten eine Fülle von Fragestellungen in drei nordrhein- westfälischen Städten mit jeweils unterschiedlichen sozio-ökonomischen Belastungen. Das Hauptaugenmerk der Studie lag auf der wechselseitigen Interaktion deutscher und türkisch stämmiger Bevölkerungsgruppen und der vergleichenden Analyse der unter- schiedlichen Stadtteile. Basierend auf repräsentativen Umfragedaten deckten die Ergeb- nisse zunächst generell das Vorhandensein interethnischen Konfliktpotentials in diesen Städten auf. Es wurde deutlich, dass ein Konfliktmerkmal die wechselseitige Schuldzu- schreibung der Mehr- als auch der Minderheit an der individuell als schlecht wahrgenom- menen Situation ist. Anhut und Heitmeyer werten dies als Ethnisierung sozialer Probleme und als Hinweis auf eine wechselseitige Nichtanerkennung, die laut Autoren zu beidsei- tigen Abgrenzungsprozessen führt. Darüber hinaus illustrierten die Daten, dass bestimmte Desintegrationsaspekte in Kombinationen zu starkem Abwehr- und Abgrenzungsverhalten gegenüber anderen Ethnien führen. Informativ für die vorliegende Fragestellung ist, dass raumstrukturelle Ausgangsbedingungen wie ein erhöhter Ausländeranteil oder eine erhöh- te Arbeitslosigkeitsrate in den Stadtteilen zu keinen eigenständigen Effekten bezüglich der Zunahme von interethnischen Konflikten führten.

Alle unter diesem Punkt genannten Studien beziehen mehr oder weniger implizit den Einfluss des Gemeindetyps auf den Zusammenhang zwischen Ausländeranteil und Fremdenfeindlichkeit ein. Weiterhin stehen die Ergebnisse im Einklang mit der bereits formulierten zentralen Hypothese dieser Arbeit, dass ein negativer Zusammenhang zwi- schen dem objektiven Ausländeranteil und ethnischen Vorurteilen wahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird angenommen, dass der fokussierte Zusammenhang unter Berück- sichtigung dieser Drittvariablen an Höhe verliert beziehungsweise sogar verschwindet.

2.3.1.3 Geschlecht

In Bezug auf diesen Einflussfaktor stellt sich die Frage, ob zumindest ein Teil der individu- ellen Differenzen im Ausmaß fremdenfeindlicher Tendenzen auf geschlechtsspezifische Unterschiede hinweisen. Die Befundlage hinsichtlich dieser Drittvariablen ist insofern als homogen zu bezeichnen, als dass die gesichteten Studien insgesamt eine ähnliche Rich- tung aufweisen.

So konnte zum Beispiel die bereits genannte Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung (1998) im Mittel keine bedeutsamen Unterschiede zwischen Frauen und Männern in Bezug auf fremdenfeindliche Haltungen feststellen. Der ausgewiesene Koeffizient für die Variable Geschlecht scheint zwar darauf hinzudeuten, dass Frauen leicht fremdenfeindlicher als Männer eingestellt sind, jedoch ergaben sich unter Berücksichtigung weiterer Merkmale der Befragten keine signifikanten Differenzen. Ähnliche Ergebnisse erzielten auch andere Untersuchungen, die sich auf frühere Erhebungen im Rahmen des ALLBUS stützen (zum Beispiel Hill, 1993).

Die weiblichen Befragten des GMF-Survey 2002 wiesen hingegen im Mittel (zwar nur geringfügig, jedoch auf statistisch signifikantem Niveau) höhere Zustimmungsraten hin- sichtlich fremdenfeindlicher und rassistischer Einstellungen auf. Allerdings ist zu beach- ten, dass die befragten Frauen zugleich über ein geringeres Maß an interethnischen Kon- takten und Freundschaften berichteten als die befragten Männer. Weiterführende Analy- sen deckten auch in dieser Untersuchung auf, dass unter der Berücksichtigung von Kon- takterfahrungen die geschlechtsspezifischen Differenzen geringer ausfielen, ohne jedoch vollständig zu verschwinden. Es liegt also der Schluss nahe, dass anders als im Fall der Gewalt- und Straftaten - wo deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bestehen - Frauen im Mittel zwar leicht fremdenfeindlicher eingestellt sind, diese Differenz jedoch un- ter der Berücksichtigung weiterer individueller Merkmale verschwindend gering ausfällt (siehe dazu Wagner et al., 2002).

Direkte Untersuchungen zum Einfluss des Geschlechts auf den fokussierten Zusammen- hang konnten nicht gesichtet werden, da diese Variable meist eher der Kontrolle dient und somit selten als Hauptuntersuchungsgegenstand betrachtet wird. Ein gravierender Einfluss geschlechtsspezifischer Merkmale auf den fokussierten Zusammenhang er- scheint zwar wenig wahrscheinlich, ist jedoch nicht auszuschließen. Daher wird auch in dieser Arbeit das Geschlecht der Befragten als Kontrollvariable berücksichtigt.

2.3.1.4 Alter

Hinsichtlich des Einflusses von Alter auf fremdenfeindliche Einstellungen ist es nahe liegend, dass diese Drittvariable unter anderem in Beziehung zu unterschiedlichen Bil- dungschancen verschiedener Generationen steht. Die damit verbundenen Lerninhalte sind vermutlich - besonders in Deutschland - mit unterschiedlichen Leitvorstellungen verknüpft. Inwieweit sich die Bildung von Personen auf ethnische Vorurteile auswirkt, wird allerdings erst im nächsten Punkt eingehend erläutert. Es ist weiterhin ist anzunehmen, dass sich verschiedene Altersgruppen in unterschiedlichen sozialen Milieus bewegen und somit die Wahrscheinlichkeit, Kontakt zu Ausländern aufzunehmen für ältere Menschen limitierter sein könnte. Zudem wäre denkbar, dass bei einigen Menschen mit zunehmendem Alter eine abnehmende kognitive Flexibilität gegenüber ungewohnten „ Störungen “ des Alltags einhergehen könnte.

Anhand der Befundlage lässt sich zusammenfassend feststellen, dass weltweit konsis- tente Ergebnisse zum Einfluss von Alter auf Fremdenfeindlichkeit vorliegen (Friedrich- Ebert-Stiftung, 1998; Hood und Morris et al., 1997). Es zeigt sich ein positiver Effekt, was bedeutet, dass sich mit zunehmendem Alter die Vorurteilsneigung erhöht. Doch deuten die Ergebnisse der Metaanalyse von Pettigrew und Tropp (2000) darauf hin, dass das Alter der Teilnehmer sich unter Berücksichtigung direkter Kontakterfahrungen als un- erheblich erwies. Das bedeutet, dass ältere Menschen zwar im Mittel ein höheres Maß fremdenfeindlicher Einstellungen angaben, aber diejenigen die persönlichen Kontakt zu Fremdgruppen hatten, nicht fremdenfeindlicher eingestellt waren als befragte Studenten, andere Erwachsene und Kinder.

Aufgrund der vielfältig denkbaren Beziehungen zwischen Alter, Intergruppenkontakt und fremdenfeindlichen Einstellungen erscheint ein eigenständiger und deutlich verzerrender Einfluss des Alters auf den fokussierten Zusammenhang wenig wahrscheinlich. Das Alter der Teilnehmer soll daher, wie das Geschlecht, als Kontrollvariable in die Analysen einge- hen.

2.3.1.5 Bildungskontext
2.3.1.5.1 Schulausbildung

Dem schulischen Bildungsniveau kann bezogen auf fremdenfeindliche Einstellungen in zweierlei Hinsicht eine wichtige Bedeutung beigemessen werden: Einerseits dient es als Indikator für unterschiedliche Möglichkeiten, im Rahmen der Schulausbildung mehr oder weniger komplexe Wahrnehmungs- und Denkmuster zu erwerben sowie umfangreichere Kenntnisse über soziale und historische Zusammenhänge zu gewinnen. Andererseits dient es auch als Indikator für unterschiedliche Einkommenserzielungschancen. Damit verbunden sind wiederum, je nach Einkommen, ungleich hohe Wahrscheinlichkeiten in tatsächlicher oder vermeintlicher Konkurrenz mit Ausländern um Arbeitsplätze oder ande- re Güter zu stehen.

Zum Einfluss des schulischen Bildungsniveaus auf Fremdenfeindlichkeit liegen ebenfalls weltweit konsistente Befunde vor (zum Beispiel Pettigrew und Tropp, 2000; Wagner und van Dick, 2001). Diese gelten als die reliabelsten Ergebnisse in der Vorurteilsforschung und sie zeigen auf, dass ein beträchtlicher Anteil der beobachteten Unterschiede im Ausmaß fremdenfeindlicher Haltungen in einem deutlichen Zusammenhang mit Unterschieden des Bildungsniveaus steht. Es ergibt sich ein nahezu linearer negativer Effekt, das heißt, die Tendenz zu fremdenfeindlichen Einstellungen verringert sich mit zunehmendem Bildungsgrad. In diesem Sinne konnten auch Wetzels et al. (2000) anhand der Ergebnisse einer repräsentativen Schülerbefragung belegen, dass die Schulnoten stark fremdenfeindlich eingestellter Jugendlicher signifikant schlechter ausfielen.

Wagner und Zick (1995) konnten basierend auf repräsentativen Umfragedaten und expe- rimentellen Studien zeigen, dass die Vermutung, höher gebildete Personen könnten im Sinne von sozialer Erwünschtheit möglicherweise fremdenfeindliche Überzeugungen verschweigen, nicht zutrifft. Die Autoren deckten mittels pfadanalytischen Berechnungen Folgendes auf: Der negative Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Fremden- feindlichkeit wird bis zu einem gewissen Grad durch weitere Einflussfaktoren wie dem so- zialen Status, der relativen Gruppendeprivation, der wahrgenommenen Deckungsun- gleichheit bezogen auf Eigen- und Fremdgruppe, politischem Konservatismus sowie der Akzeptanz interethnischen Kontakts mediiert. So geht beispielsweise ein niedriges Bil- dungsniveau häufig mit einer geringeren beruflichen Qualifikation einher, weswegen ein enger Zusammenhang zwischen dem Grad an formaler Bildung und dem sozialen Status von Personen besteht. Doch auch unter Berücksichtigung aller genannter Variablen bleibt der Einfluss der Bildung auf Fremdenfeindlichkeit immer noch bis zu einem gewissen Grad bestehen und stellt somit mehr als ein Artefakt dar. In der Forschung werden verschiedene Ansätze hinsichtlich einer Erklärung dieses Phä- nomens verfolgt. So untersuchten beispielsweise Wagner und Schönbach (1984) die Annahme, dass der Einfluss des Bildungsniveaus auf die Vorurteilsneigung dadurch medi- iert wird, dass höher gebildete Menschen über eine besser ausgebildete kognitive Flexi- bilität- sowie Komplexität verfügen. Sie fanden diese Hypothese durch ihre Daten unter- stützt.

Hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen Ausländeranteil und fremdenfeindlichen Ein- stellungen stellt sich die Frage, inwiefern Bildung einen Einfluss auf diesen nehmen könn- te. Bereits unter Punkt 2.3.1.2 wurde darauf hingewiesen, dass in Bezug auf den Ge- meindetyp ein Bildungsgefälle zwischen Stadt und Land besteht. Am deutlichsten zeigt sich dieses Gefälle in Bezug auf Personen, die über ein hohes Bildungsniveau verfügen. Diesbezüglich ist zwar zu berücksichtigen, dass eine „ Bildungswanderung “ aus ländlichen Regionen in urbane Zentren besteht (beispielsweise durch in kleineren Gemeinden lebende Personen, die in Städten studieren), diese die vorhandenen Bildungsdifferenzen zwischen Stadt und Land jedoch nicht ausgleicht (siehe Achatz et al., 2000).

Die angeführte Empirie verdeutlicht, dass schulische Bildung sich wiederholt als ein äußerst relevanter Einflussfaktor auf fremdenfeindliche Einstellungen bestätigte. Wie aufgezeigt besteht zudem ein Zusammenhang zwischen raumstrukturellen Faktoren wie dem Gemeindetyp - welcher seinerseits eine Relation mit dem Ausländeranteil aufweist - und dem schulischen Bildungsniveau. Aus diesem Grund wird für die vorliegende Arbeit erwartet, dass der fokussierte Zusammenhang unter Berücksichtigung des Bildungsniveaus deutlich an Höhe verliert bis verschwindet.

2.3.1.5.2 Berufsausbildung

Wie im vorherigen Punkt erwähnt, kann das berufliche Bildungsniveau in Bezug auf fremdenfeindliche Einstellungen insofern eine Rolle spielen, als dass es einen Indikator für den sozialen Status von Personen darstellt. Die berufliche Ausbildung ist eng mit aktuellen Arbeitsmarkt- und Einkommenserzielungschancen verbunden.

Die Friedrich-Ebert-Stiftung (1998) überprüfte vor diesem Hintergrund die folgende Annahme: „ Je höher der erzielte Berufsausbildungsabschluss, desto geringer ist die sub- jektiv wahrgenommene Wahrscheinlichkeit mit Ausl Ändern um Arbeitspl Ätze oder andere Güter zu konkurrieren. “ Dieser Hypothese zufolge würde ein höheres berufliches Ausbil- dungsniveau erwartungsgemäß mit einem geringeren Maß an Fremdenfeindlichkeit einhergehen. Der erwartete Effekt bestätigte sich signifikant. Mit zunehmendem berufli- chen Qualifikationsniveau verringerte sich (unter Berücksichtigung von Unterschieden des Alters, Geschlechts und Wohnorts) die Vorurteilsneigung. Weiterhin wurde die Hypothese überprüft, dass Arbeitslosigkeit möglicherweise zu einem erhöhten Maß fremdenfeindli- cher Einstellungen führt. Jedoch konnte, ähnlich wie in vielen anderen Studien, anhand der Ergebnisse kein bedeutsamer Zusammenhang festgestellt werden. Da das berufliche Bildungsniveau und der soziale Status eng miteinander verknüpft sind, soll auch letzterer Einflussfaktor kurz erläutert werden.

Mögliche Zusammenhänge von Fremdenfeindlichkeit und sozialem Status werden kontro- vers diskutiert, doch laut weltweiten Studien (Allport, 1954; Eurobarometer, 1988) hängt der soziale Status negativ mit Vorurteilen zusammen. Das bedeutet, dass mit steigendem sozialen Status die Vorurteilsneigung sinkt. Wagner (1994) untersuchte basierend auf der „ Theorie der sozialen Identit Ät “ (Tajfel und Turner, 1979) eine mögliche motivationale Er- klärung des negativen Einflusses von sozialem Status auf Vorurteile. Tajfel und Turner nahmen an, dass Menschen eine positive Selbsteinschätzung anstreben und einen Teil ihrer Selbsteinschätzung (ergo ihrer sozialen Identität) aus einem Gefühl der Gruppenzugehörigkeit und den entsprechenden Bewertungen dieser Gruppe ableiten. Die Bewertung einer bestimmten Gruppe (zum Beispiel der Gruppe der Deutschen) ergibt sich dabei aus dem Vergleich mit anderen relevanten Gruppen. Diese Annahme impliziert ein innerpsychisch begründetes Abwertungsmotiv und in Bezug auf Deutschland könnte ge- folgert werden, dass eine stark ausgeprägte Identifizierung mit der Gruppe der Deutschen gleichzeitig mit der verstärkten Abwertung von Fremdgruppen einhergeht. Wagner (1994) untersuchte vor diesem Hintergrund die folgende Annahme: „ Für Per- sonen mit niedrigem sozialen Status besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, eine negativ besetzte soziale Identit Ät zu entwickeln als für Personen höherer sozialer Lage. “ Daraus folgernd kann es zum Bestreben kommen, die eigene Selbsteinschätzung anheben zu wollen. Niedrig sozial positionierte Individuen würden demnach eher Gefahr laufen, eine stärker ausgeprägte Identifizierung mit der eigenen Gruppe der Deutschen zu entwickeln, was mit Abwertung von Fremdgruppen einhergehen könnte. Die Befunde des Autors un- terstützen diese Hypothese.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass laut weltweiten Studien die beiden Einflussfaktoren formales Bildungsniveau und soziale Lage jeweils negativ mit Vorurteilen korrelieren. Im US-amerikanischen Raum wird der gemeinsame Effekt beider Einflussfaktoren auch als „ poor-white-racism-effect “ bezeichnet.

Die angeführte Befundlage zum Einfluss der demographischen Drittvariablen auf fremden- feindliche Einstellungen stellt die Basis für die Ableitung der zweiten Hypothese dar. Wäh- rend es sinnvoll erscheint, das Geschlecht und Alter der Befragten als Kontrollvariablen in die Analyse einfließen zu lassen, verdeutlichten die angeführten Studien, dass die Varia- ble Gemeindetyp als Indikator für Interaktionsmöglichkeiten mit Ausländern gelten kann. Des Weiteren erwies sich die Bildung (Schul- und Berufsausbildung) als relevanter Einflussfaktor auf ethnische Vorurteile, der seinerseits mit dem Gemeindetyp (und somit mit variierenden Ausländeranteilen) verknüpft ist. Aus diesem Beziehungsgefüge heraus wird daher Folgendes prognostiziert:

Hypothese 2:

Es wird angenommen, dass der erwartete negative Zusammenhang zwischen objektivem Ausl Änderanteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen sich unter Berücksichtigung ein- zelner demographischer Drittvariablen verringert bis verschwindet.

2.3.2 Einflussgrößen der Desintegration

Bevor auf den Einfluss von Desintegration auf Fremdenfeindlichkeit eingegangen wird, soll zunächst das theoretische Konzept näher erläutert werden. Nach Anhut und Heitmey- er (2000) sowie Anhut (2002) stützt sich die Desintegrationstheorie auf folgende Überle- gung: Viele der so genannten „ modernen “ Gesellschaften zeichnen sich laut Autoren durch eine zunehmende Gestaltbarkeit der Lebenswege von Menschen einerseits und eine abnehmende Berechenbarkeit der Lebensplanung andererseits aus. Dieser Sachver- halt kann bei einigen Personen dazu führen, dass sie in bestimmten Lebensbereichen Schwierigkeiten haben sich angemessen zu integrieren. Das Desintegrationskonzept be- zieht sich auf verschiedene theoretische Ansätze, die sich mit Ursachen für das Entstehen von Fremdenfeindlichkeit beschäftigen. Beispielsweise beinhaltet die Desintegrationstheo- rie den Gedanken der „ relativen Deprivation “. Diesem zufolge gelten besonders Personen als anfällig für fremdenfeindliche Tendenzen, die sich im subjektiven Vergleich mit anderen als ungerecht benachteiligt empfinden.

Weiterhin wird dieser Ansatz mit verunsicherungstheoretischen Erklärungen von Fremdenfeindlichkeit kombiniert. Bereits unter Punkt 2.2 wurde auf in diese Richtung ge- hende Konstrukte hingewiesen, wie beispielsweise dem Phänomen der subjektiven Be- drohung oder der Intergruppenangst. Diese Ansätze gehen unter anderem davon aus, dass speziell in ökonomischen Krisenzeiten in den Teilen der Bevölkerung, die objektiv benachteiligt sind oder sich subjektiv als solches empfinden, Ängste stark zunehmen. In- folgedessen kann es zu einer Ethnisierung ursprünglich sozialer Konflikte kommen, die als Strategie zur Stabilisierung der Persönlichkeit sowie der sozialen Position verstanden werden kann.

Darüber hinaus wird die Desintegrationstheorie noch durch konflikttheoretische Annahmen erweitert. Diese weisen auf die Relevanz von Rangordnungs-, Verteilungs- und Regelkonflikten in Bezug auf fremdenfeindliche Einstellungen hin. Die Autoren mer- ken allerdings an, dass die Desintegrationstheorie keinen Determinismus unterstellt, son- dern den Fokus vielmehr auf subjektive Deutungen von Personen, Problemgewichtungen und individuelle Verarbeitungsprozesse richte. Folgende drei Dimensionen - auf denen es es zu Integration beziehungsweise Desintegration kommen kann - werden unterschieden:

- Sozial strukturelle Dimension
- Institutionelle Dimension
- Sozial-emotionale Dimension

Es wird davon ausgegangen, dass für die individuelle Integration ein Gefühl der Zugehö- rigkeit beziehungsweise der Anerkennung auf allen drei Dimensionen wichtig ist. Wei- terhin wird vermutet, dass ein subjektiver Annerkennungsverlust mit der Gefahr einhergeht, die Akzeptanz bezogen auf die Gleichwertigkeit und das Recht auf Unver- sehrtheit anderen Gruppen gegenüber zu verlieren. Fremdenfeindlichkeit kann diesem Ansatz nach als eine Folge negativer Anerkennungsbilanzen interpretiert werden.

Endrikat et al. (2002) untersuchten basierend auf den Daten des GMF-Survey (2002), in- wieweit soziale Desintegration in Zusammenhang mit individuellen Einstellungen und Verhaltensweisen steht, die zu Abwertung, Abwehr und Diskriminierung führen. Es wurde die Hypothese geprüft, dass je höher der Grad an Desintegration in den unterschiedlichen Dimensionen, desto höher sei die Ausprägung gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit. Aus den konstruierten Dimensionen wurden verschiedene theoretische Kombinations- möglichkeiten abgeleitet, die qualitativ unterschiedliche Profile von Personen- beziehungs- weise Sozialgruppen darstellen.

Aufgrund der Fülle an Ergebnissen soll an dieser Stelle nur auf die für diese Arbeit rele- vanten Teile hingewiesen werden. So zeigte sich im Ost-West-Vergleich, dass stark des- integrationsgefährdete Kombinationsgruppen in Ostdeutschland überrepräsentiert sind. Dieser Befund deckt sich mit dem bereits unter Punkt 2.3.1.1 dargestellten Ergebnissen, dass für die Region Ost ein höheres Ausmaß an fremdenfeindlichen Einstellungen ge- funden wurde als für Westdeutschland. Laut Autoren weisen diese Resultate auf eine

- vor allem von Ostdeutschen - wahrgenommene sozial-gesellschaftliche Spaltung hin. Insgesamt deckten die Befunde von Endrikat et al. Folgendes auf: „ Je negativer die An erkennungsbilanzen aufgrund spezifischer Desintegrationsprobleme ausfielen, desto deutlicher waren die Auspr Ägungen von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und somit auch von Fremdenfeindlichkeit zu erkennen. “

Die Empirie zum Einfluss von Desintegration auf fremdenfeindliche Einstellungen stellt die Grundlage für die Ableitung der dritten Hypothese dar. Wie die angeführte Studie von Endrikat et al. (2002) sowie die unter Punkt 2.3.1.2 genannten Ergebnisse von Heitmeyer und Anhut (2000) belegen, können verschiedene desintegrative Aspekte einen deutlichen Einfluss auf ethnische Vorurteile nehmen.

Die Auswahl der für die spätere Analyse als wichtig erachteten desintegrativen Aspekte erfolgte in Abhängigkeit von den im GMF-Survey erfassten Konstrukten. Da es zu indivi- dueller (Des-)Integration auf jeder der drei genannten Dimensionen kommen kann, wurde darauf geachtet, möglichst verschiedene Aspekte aus allen Integrationsdimensionen einzubeziehen. Die Einschätzung der ökonomischen als auch der sozial-emotionalen Lage sowie die wahrgenommene Partizipation an politisch-gesellschaftlichen Prozessen stellen wichtige Punkte der Desintegrationstheorie dar. Aus diesem Grund wurden folgende Variablen ausgewählt: Relative Deprivation, Wirtschaftliche Desintegration (Arbeitslosigkeitserfahrungen) , Politisch-gesellschaftliches Machtlosigkeitsempfinden, So- ziale Isolation sowie Generelle sozial-emotionale Desintegration. Inwiefern diese Variablen im Einzelnen einen Einfluss auf fremdenfeindliche Einstellungen (und somit möglicher- weise auf den im Fokus stehenden Zusammenhang) nehmen, wird im Methodenteil bei den jeweiligen Drittvariablen direkt erläutert.

Explizite Studien zum Einfluss der Desintegration auf den Zusammenhang zwischen Aus- länderanteil und fremdenfeindlichen Tendenzen konnten nicht gesichtet werden. Nahe liegend in diesem Zusammenhang erscheint jedoch, dass insbesondere in Bezirken mit hohen sozio-ökonomischen Belastungen - sogenannten „ sozialen Brennpunkten “ - nicht nur Desintegrationsgefahren ansteigen, sondern zumeist auch der Ausländeranteil hoch ausfällt. Die Untersuchungen von Heitmeyer und Anhut (2000) gaben allerdings Hinweise darauf, dass ein erhöhter Ausländeranteil für sich genommen zu keinem Effekt bezüglich der Zunahme von interethnischen Konflikten führte, wohl aber verschiedene desintegra- tive Faktoren einen Einfluss zeigten. Aufgrund des komplexen Beziehungsgeflechts zwi- schen höheren sozio-ökonomischen Belastungen in einigen Wohnbezirken und den dar- aus resultierenden Desintegrationsgefahren einerseits und dem häufig erhöhten Aus- länderanteil in diesen Wohngebieten andererseits, wird daher in der dritten Hypothese von Folgendem ausgegangen:

Hypothese 3:

Es wird angenommen, dass der erwartete negative Zusammenhang zwischen objektivem Ausl Änderanteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen sich unter Berücksichtigung ein- zelner Drittvariablen der Desintegration verringert bis verschwindet.

2.3.3 Politische Einflussgrößen

In Hinblick auf den Einfluss von politischen Korrelaten auf fremdenfeindliche Einstellungen sind ebenfalls mehrere wechselseitige Wirkrichtungen denkbar. So besteht auf der poli- tischen Ebene die Gefahr, dass aus Gründen der Machterhaltung oder des Machtzu- wachses, der Nährboden für Fremdenfeindlichkeit geschaffen wird. Der in der Einleitung dargestellte Auszug aus dem NPD-Parteiprogramm 2003 illustriert, wie versucht werden kann, individuelle Einstellungen und Ängste von Bürgern zu politisieren. Dabei ist anzu- merken, dass durchaus nicht nur rechtsextreme Parteien diese Ängste nutzen, um sich über das Argument des „ zu vollen Bootes “ (welches direkt auf den Zusammenhang zwi- schen Ausländeranteil und Fremdenfeindlichkeit abzielt) Wählerstimmen zu sichern.

Auf der Individualebene kann hingegen angenommenen werden, das bestimmte Persönlichkeitsmerkmale dazu beitragen, dass einige Menschen eher für fremdenfeindliche Tendenzen anfällig sind als andere. In Hinblick auf das Zusammenwirken von politischen Korrelaten und ethnischen Vorurteilen existiert ein weitreichender Forschungszweig. Dieser Bereich der Forschung beschäftigt sich unter anderem damit, warum bestimmte Personen beziehungsweise Persönlichkeitstypen mit spezifischen politischen Präferenzen eher zu ethnischen Vorurteilen tendieren.

Bereits unter Punkt 2.3.1.5.2 wurde die Theorie der „ Sozialen Identit Ät “ (Tajfel und Turner, 1979) kurz umrissen. Empirische Befunde aus Deutschland bestätigen - vor dem Hin- tergrund dieses Ansatzes - die auf Fremdenfeindlichkeit bezogene Annahme, dass mit einer höheren Identifikation mit der Gruppe der Deutschen (beispielsweise über Stolz auf die Geschichte der eigenen Nation) eine verstärkte Abwertung von Fremden einhergeht (Blank und Schmidt, 1997; Otten und Mummendey, 2001). Bezieht sich die Identifikation dagegen auf demokratische und sozial-staatliche Leistungen in der BRD, so weisen die Befragten geringere Vorurteile gegenüber anderen Ethnien auf (Blank und Schmidt, 1997). Auch Heyder und Schmidt (2002; Daten des GMF-Survey 2002) bestätigen diese Ergebnisse. Strukturgleichungsmodelle legten weiterhin offen, dass Nationalismus (definiert als die unkritische und bedingungslos positive Bewertung der deutschen Nation) fremdenfeindliche und antisemitische Einstellungen verstärkt. Patriotismus indessen (definiert als nicht idealisierende, emotionale Bindung an Deutschland über Werte wie zum Beispiel die Demokratie) reduziert das Ausmaß solcher Einstellungen.

In Bezug darauf, welche Persönlichkeitstypen eher zu ethnischen Vorurteilen neigen, ist vor allem die Autoritarismusforschung zu erwähnen. Der Einfluss von Autoritarismus auf Fremdenfeindlichkeit stellt in dieser Arbeit eine eigene Kategorie dar und wird daher im nächsten Abschnitt (unter Punkt 2.3.4) ausführlicher behandelt. An dieser Stelle sollen deshalb nur Befunde in Zusammenhang mit politischen Inhalten erwähnt werden. Nach Duckitt (1989; 1992) neigen autoritäre Personen zu einer starken Identifikation mit der na- tionalen Ingroup, im vorliegenden Fall also der Gruppe der Deutschen. Autoritäre Per- sonen sind über die Identifikation mit der nationalen Ingroup hinaus auch dadurch ge- kennzeichnet, dass sie traditionelle, konservative Werte schätzen (Altemeyer, 1998; Du- riez und Van Hiel, 2002) und eher rechts-konservative Parteipräferenzen aufweisen (Van Hiel und Mervielde, 2002).

Die zuletzt genannten Autoren untersuchten die Parteipräferenzen autoritärer Persönlich- keiten in Belgien. Die dortigen politischen Strukturen sind annähernd vergleichbar mit denen Deutschlands, da es sechs große Parteien gibt die das politische Spektrum abde- cken. Die Autoren fanden, dass autoritäre Persönlichkeiten eher rechts-konservativ wäh- len. Der Zusammenhang mit der Christlich-Demokratischen Partei, welche traditionell ka- tholische Werte vertritt, lag bei r = .42 und der Zusammenhang mit der Präferenz für den Flamischen Block, der als extrem rechts einzuordnen ist und eine Anti-Migrationspolitik vertritt, bei r = .35. Nimmt man für Deutschland ein ähnliches Wahlverhalten autoritärer Persönlichkeiten an, so kann weiterhin vermutet werden, dass vor allem Vertreter der CDU/CSU als Autoritätspersonen einer nationalen, traditionellen Ingroup anerkannt werden. Die Ansicht, dass Ausländer eine Bedrohung für Deutschland darstellen, könnte von diesen Parteien - beabsichtigt oder nicht - durch parteipolitische Handlungen wie folgende genährt werden: Im Jahre 1999 geriet die CDU/CSU in die Kritik, da sie in ihrem Wahlkampf Unterschriften gegen die doppelte Staatsbürgerschaft sammelte. Weiterhin wurde ein von ihr eingebrachter Gesetzentwurf kontrovers diskutiert und inzwischen ver- abschiedet, der muslimischen Lehrerinnen das Tragen von Kopftüchern in Schulen ver- bietet, jedoch christliche Symbole und Kleidungsstücke von der gesetzlichen Regelung ausnimmt. Auch in dieser Kategorie erfolgte die Auswahl der als wichtig erachteten Drittvariablen auf Grundlage der bestehenden Empirie und in Abhängigkeit von den im GMF-Survey erfass- ten Variablen. Als Untersuchungsgegenstände wurden die politische Einstellung der Befragten sowie das Nationalgefühl beziehungsweise der Nationalstolz der Teilnehmer einerseits bezogen auf Deutschland und andererseits bezogen auf Europa ausgewählt.

Aufgrund der angeführten Befunde soll nun die vierte Hypothese formuliert werden. Es be- steht ein empirisch abgesicherter Zusammenhang zwischen bestimmten politischen Prä- ferenzen in Relation mit autoritären Persönlichkeitsmerkmalen und fremdenfeindliche Nei- gungen. Ebenso empirisch vielfach repliziert ist der Befund, dass Nationalismus Fremden- feindlichkeit verstärkt. Weiterhin stehen die genannten politischen Korrelate mehr oder weniger direkt auch in Beziehung zu Einstellungen gegenüber variierenden Ausländeran- teilen.

Hypothese 4:

Es wird angenommen, dass der erwartete negative Zusammenhang zwischen objektivem Ausl Änderanteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen der Teilnehmer sich unter Be- rücksichtigung einzelner politischer Korrelate verringert bis verschwindet.

2.3.4 Einfluss der Persönlichkeit

Eine große Anzahl von Studien hat sich mit verschiedenen Personenmerkmalen beschäf- tigt, die mit fremdenfeindlichen Einstellungen zusammenhängen. Ein in diesem Bereich sehr gut untersuchtes Konstrukt stellt die Autoritarismusneigung (Adorno et al., 1950; Alte- meyer, 1981) dar. Adorno et al. legten 1950 den Grundstein für die langjährige Forschung zum Autoritarismuskonzept. Ziel ihrer psychoanalytisch orientierten und umfangreichen Bemühungen war es, das „ potentiell faschistische Individuum “ (Adorno, 1973, Seite 1) zu untersuchen.

[...]


1 Anmerkung: In vorliegender Diplomarbeit wird (in Bezug auf bivariate Regressionsgewichte) von einem schwachen negativen Zusammenhang abß≥ -.10, einem mittleren negativen Zusammenhang abß≥ -.30 und einem starken negativen Zusammenhang abß> = - .50. ausgegangen.

Details

Seiten
156
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638586603
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67632
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Fachbereich Psychologie
Note
2,0
Schlagworte
Beruht Zusammenhang Ausländeranteil Landkreis Einstellungen Artefakten

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Titel: Beruht der Zusammenhang zwischen objektivem Ausländeranteil im Landkreis und fremdenfeindlichen Einstellungen auf Artefakten?