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Die Standortentscheidung von multinationalen Unternehmen

Seminararbeit 2005 12 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung

2. Formen und Determinanten von MNE
2.1. Differenzierung von MNE nach ihrem Standort
2.3. Arten des Auslandsmarkteintritts

3. Die Analyse von vertikalen MNE
3.1. Das Modell von Ekholm & Hakkala
3.1.1. Technologie
3.1.2. Präferenzen der Hauhalte
3.1.3. Gewinnmaximierung der Firmen
3.2. Determinanten der Standortentscheidung
3.3. Zusammenhang der Effekte
3.4. Gleichgewichte
3.5. Wohlfahrt

4. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

In den letzten beiden Jahrzehnten wurde weltweit die Produktion verstärkt international. Diese Globalisierung von Unternehmen ist sehr gut an einem Anstieg von Direktinvestitionen ins Ausland und einem verstärkten internationalen Handel zu erkennen.

In dieser Hausarbeit wird analysiert, welche Determinanten die Standortentscheidung von multinationalen Unternehmen ("MNE") allgemein beeinflussen. Dabei wird insbesondere gezeigt, welche Vor- und Nachteile einer ausländischen Niederlassung bei der Entscheidung über einen Auslandmarkteintritt abgewogen werden müssen. Sollte es zu einem Auslandsmarkteintritt kommen, so kann zwischen verschiedenen Arten gewählt werden. Eine der bedeutendsten Eintrittsarten ist die der ausländischen Direktinvestition. Sie tritt besonders in Bereichen mit hoher firmenspezifischer Sachkenntnis auf, da diese Sachkenntnis ohne hohe Kosten an ausländische Niederlassungen transferiert werden kann.

Welches räumliche Gleichgewicht der Standorte sich bei vertikalen MNE ergibt, wird einem allgemeinen Gleichgewichtmodell analysiert. Als Rahmen wird ein 2-Länder, 2-Güter und 2-Produktionsfaktoren-Modell verwendet. Durch die Annahme verschieden großer Länder wird gezeigt, dass die Standortwahl maßgeblich von zwei Effekten abhängt: zum einen von externen Effekten der Forschung und Entwicklung, die dazu führen dass sich die Forschungs- und Entwicklungs-Abteilungen der verschiedenen MNE in einem Land konzentrieren. Zum anderen vom Homemarket-Effekt, der durch Skaleneffekte und Transportkosten entsteht und Anreize dazu gibt, die Produktion in einem großen Land anzuordnen. Durch die Verlagerung der Produktion ins große Land, kommt es zu einem Preisanstieg der benötigten Produktionsfaktoren für Forschung und Entwicklung. Diese wird dann aufgrund des Kostenvorteils ins kleinere Land verlagert.

Die Hausarbeit ist folgendermaßen gegliedert: Die Formen und allgemeinen Determinanten eines Auslandsmarkteintritts werden in Kapitel 2 dargestellt. In Kapitel 3 wird näher auf die Analyse von vertikalen MNE, insbesondere deren Standortentscheidung, eingegangen. Eine Zusammenfassung mit Ausblick auf die aktuelle Situation in Europa folgt abschließend in Kapitel 4.

2.Formen und Determinanten von MNE

2.1. Differenzierung von MNE nach ihrem Standort

Unternehmen können generell je nach Standort ihrer Niederlassungen in die Kategorien nationale und multinationale Unternehmen differenziert werden.

Bei nationalen Unternehmen findet die Produktion nur in einem Land statt. Im Gegensatz dazu sind bei MNE die Standorte der Niederlassungen auf verschiedene Länder verteilt. Die MNE können in zwei Organisationsformen unterschieden werden: horizontale MNE und vertikale MNE. In der bisherigen Literatur wurden diese beiden Formen oft getrennt voneinander analysiert. Erst in der letzten Zeit gibt es Bestrebungen dazu, beide Ansätze in einem Model (dem sog. "knowledge-capital model") zu vereinigen (vgl. Markusen, 1997).

Horizontale MNE sind Unternehmen, die ein gleiches Produkt in verschiedenen Ländern produzieren. Dabei werden lokale Märkte von einer jeweils inländischen Produktionsstätte bedient, anstatt durch Exporte. Zur Analyse von horizontalen MNE gibt es eine große Anzahl von Literatur – dies liegt wohl vor allem daran, dass ausländische Direktinvestitionen überwiegend horizontaler Art sind.

Bei vertikalen MNE wird ein bestimmtest Produkt nur in einem Land hergestellt. Die verschiedenen Teile des Produktionsprozesses werden dabei international so angesiedelt, dass die Unterschiede der Faktorpreise in unterschiedlichen Ländern entsprechend der Faktorintensität der Teilprozesse ausgenutzt werden. Obwohl die Analyse vertikaler MNE einen großen Teil der Existenz von MNE erklären kann, ist sie in der Literatur relativ schwach vertreten.

2.2. Vor- und Nachteile eines Auslandsmarkteintritts

Wenn Unternehmen vor der Entscheidung stehen, ob sie sich im Ausland niederlassen, müssen sie verschiedenste Determinanten beachten und zwischen den daraus resultierenden Vor- und Nachteilen abwägen. Dunning (1977) hat ein Methode eingeführt ("OLI" = ownership, location and internalization), mit der die Vor- und Nachteile eines Auslandseintritts analysiert werden können. Nach Dunning sind unter anderem Kosten nachteilig, die bei ausländischer Produktion zusätzlich auftreten (zum Beispiel Kosten die aus Kommunikation, Transport, kulturellen Unterschieden oder mangelnder örtlicher Kenntnis entstehen). Um sich trotz der Nachteile für einen Auslandsmarkteintritt zu entscheiden, müssten die Vorteile überwiegen. Die Vorteile können unter anderem in drei Bereichen bestehen: Eigentum, Standort und Internalisierung. Der Eigentumsvorteil kann in einem Produkt oder einem Produktionsprozess liegen, der dem ausländischen überlegen ist. Der Standortvorteil besteht darin, dass es für das Unternehmen billiger ist, in unmittelbarer Kundennähe im Ausland zu produzieren, anstatt im eigenen Land zu produzieren und den ausländischen Markt über Exporte zu bedienen (zum Beispiel aufgrund von Transportkosten, Zöllen oder Einfuhrquoten). Der Internalisierungsvorteil besteht unter anderem in Skaleneffekten, die bei einem integrierten Unternehmen auftreten können. Dies hängt allerdings von der Technologie, der Unternehmensführung, den internen und externen Abwicklungskosten und der Form der Informationen die transportiert werden müssen ab.

Generell treten MNE vermehrt auf, je höher Transportkosten oder Handelschranken sind oder je niedriger Investitionsschranken und Skalenerträge sind (Müller, 2002).

2.3. Arten des Auslandsmarkteintritts

Für einen Auslandsmarkteintritt stehen verschiedenste Arten zur Verfügung. Um die richtige Art zu wählen, muß ein Unternehmen die strategischen Entscheidungen treffen, welche Eigentumsordnung es für die Niederlassung wählt bzw. wie groß die eigene Kontrolle über die Niederlassung sein soll. Mit der Frage der Kontrolle steht in engem Zusammenhang, ob Eigenkapital über ausländische Direktinvestitionen eingebracht werden soll oder nicht. MNE haben generell ein Interesse daran, im Vollbesitz (oder zumindest im Mehrheitsbesitz) der Niederlassung zu sein, da dies für sie mehrere Vorteile hat. Als Beispiel sei nur der bessere Schutz von firmenspezifischer Sachkenntnis genannt.

In dem theoretischen Modell von Görg (2000) sind die Marktstruktur und die Wettbewerbsintensität die wichtigsten Determinanten bei der Wahl des Auslandsmarkteintritts. Horstman und Markusen (1987) analysierten die Wahl zwischen ausländischen Direktinvestitionen, Lizenzvergabe und Exporten.[1] Dabei bestimmen zahlreiche Einflussfaktoren wie Forschungs- und Entwicklungs-Intensität (F&E), Firmengröße und -diversifikation, Sachkenntnis, Auslandserfahrung, kultureller Abstand und die relative Höhe der Investition die Art des Eintritts.

Weltweit haben ausländische Direktinvestitionen einen großen Anteil bei Auslandsmarkteintritten und nehmen auch weiter zu.[2] Ausländische Direktinvestitionen werden nach Horstman und Markusen hauptsächlich aufgrund der Existenz von firmenspezifischem Vermögen (insbesondere Sachkenntnis über Maschinenbau, Management und Marketingerfahrung) getätigt. Diese Vermögenswerte können oftmals mit nur geringen Kosten an weitere eigene Niederlassungen weitergeleitet werden. Zum Beispiel können Montagepläne geliefert werden, ohne dass der Wert der ursprünglichen Firma geringer wird. Da sich bei unabhängigen Firmen die Kosten für diese Sachkenntnis verdoppeln würde, kann in einer Firma mit zwei Produktionsstätten und einer F&E Abteilung billiger produziert werden als in zwei unabhängigen Firmen mit jeweils einer F&E Abteilungen. Das Gesamtunternehmen hat also Skaleneffekte.

Ausländische Direktinvestitionen werden wiederum nach verschiedenen Formen unterschieden. Entweder es wird eine komplett neue Niederlassung gebaut (sog. "Greenfield Investment") oder ein Unternehmen schließt sich mit einem anderen zusammen bzw. übernimmt dieses (sog. Mergers & Acquisitions, "M&A"). Ein Markteintritt über Greenfield Investment wird bei einer hohen F&E-Intensität und einem großen kulturellen Abstand zwischen dem Heimat- und Gastland gewählt (vgl. Hennart und Park (1993), Kogut und Singh (1988)). M&A werden dagegen mit einer steigenden relativen Höhe des Investments im Vergleich zur Größe des investierenden Unternehmens begünstigt (Caves und Mehra (1986), Kogut und Singh (1988)). Gemäß dem United Nations World Investment Report (2001) beträgt der Anteil von M&A an allen weltweit durchgeführten ausländischen Direktinvestitionen 90 %.[3] Für M&A sprechen zum Beispiel, dass der ausländische Partner gute Kenntnisse über den Markt hat bzw. bereits über Produktionsstätten verfügt.

3. Die Analyse von vertikalen MNE

Wie bereits erwähnt, entstehen MNE hauptsächlich in Bereichen, in denen hohe Sachkenntnis erforderlich ist. Diese Sachkenntnis kommt unter anderem aus Forschung und Entwicklung (F&E). Eine besonders hohe F&E-Intensität ist bei Unternehmen in Hightech-Bereichen zu beobachten. Welche Standortentscheidungen sich in diesen Hightech-Bereichen für vertikale MNE ergeben, haben Ekholm und Hakkala (2004) in einem allgemeinen Gleichgewichtsmodel entwickelt. Da die verschiedenen Determinanten des Modells miteinander zusammenhängen, werden die Veränderungen des optimalen Standorts von Produktion und F&E durch numerische Simulationen bestimmt. Dieses Modell kann damit als Rahmen für die Standortfrage unter bestimmten herrschenden Bedingungen von Unternehmen verwendet werden.

Ausgangspunkt der Analyse war die Beobachtung (vgl. Abbildung 1), dass zwischen den Pro-Kopf-Ausgaben für F&E eines Landes und dem Anteil der Hightech Güter am gesamten Export eines Landes eine positive Korrelation besteht. Dies spricht generell für die Existenz von nationalen Firmen. Dagegen gibt es Länder wie Schweden oder Irland, die deutlich von diesem Trend abweichen. Das Modell zeigt, dass dies dadurch erklärt werden kann, dass MNE die Produktion möglichst nah an einen großen Markt platzieren, die F&E dagegen dorthin verlagern wird wo sie möglichst günstig ist.

[...]


[1] Die Definition von "ausländischen Direktinvestitionen" ist in der Literatur leider nicht eindeutig. Sie stimmen aber darin überein, dass ausländische Direktinvestitionen nur dann getätigt werden, wenn ein langfristiges Interesse eines Unternehmens an einer ausländische Niederlassung besteht.

[2] Die Zahl der ausländischen Direktinvestitionen ist laut World Investment Report 2001 im Jahr 2000 um weitere 18 % gestiegen.

[3] Diese Daten sind allerdings kritisch zu betrachten, da zum Beispiel die Zahlungen bei Übernahmen über mehrere Jahre verteilt sein können.

Details

Seiten
12
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638604765
ISBN (Buch)
9783656655022
DOI
10.3239/9783638604765
Dateigröße
497 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Konstanz
Erscheinungsdatum
2007 (Januar)
Note
2,0
Schlagworte
Standortentscheidung Unternehmen

Autor

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Titel: Die Standortentscheidung von multinationalen Unternehmen