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Die Selbstdarstellung des Kaiser Traian

Hausarbeit (Hauptseminar) 2006 24 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Gliederung

1. Einführung und Fragestellung

2. Umfang und Bedeutung der Medien in der traianischen Selbstdarstellung

3. Die Programmpunkte traianischer Selbstdarstellung
3.1. Traian als Militärführer und Soldatenfreund
3.2. Traian und die Aufwertung der Provinzen
3.3. Traian und die Sorge um Rom und Italien
3.4. Herrschaftslegitimierung

4. Resümé

5. Literatur- und Abkürzungsverzeichnis

6. Quelleneditionen

1. Einführung und Fragestellung

Marcus Ulpius Traianus ist unumstritten als einer der erfolgreichsten Kaiser der römischen Geschichte anzusehen. Während seiner Regentschaft von 98 bis 117 n. Chr. konnte er durch militärische Erfolge, allen voran den Sieg über das Dakerreich,[1] das Imperium Romanum zu seiner größten Ausdehnung verhelfen. Gleichzeitig gelang es ihm, das Reich trotz seiner Grö-ße im Inneren zusammen zu halten und seiner Regentschaft eine nicht selbstverständliche Sta-bilität zu geben. Diese Konstanz zu gewährleisten, bedeutete, sich nicht nur auf politischer sondern auch auf repräsentativer Ebene angemessen zu verhalten. Die kaiserliche Selbstdar-stellung unterlag dabei einem Regelwerk, das im Grunde durch die zwitterhafte Stellung des princeps im Staat, vor allem aber in Rom, bestimmt wurde. Zum einen war der Kaiser dem Senat gegenüber zu Loyalität und Rechenschaftsablage verpflichtet, zum anderen war er auf das Heer gestützter Alleinherrscher. Dass in Politik und Umgangsformen die monarchischen Elemente seit der Einrichtung des Principats durch Augustus jedoch überwogen, war natürlich durchaus bekannt gewesen. Dennoch galt es, zumindest in den Repräsentationsformen den Schein zu wahren. Der Kaiser sprach, ausgenommen von Taten- beziehungsweise Rechen- schaftsberichten, nie über sich selbst.[2] Öffentliche Denkmäler wurden als Stiftungen des Se-nats oder anderen Institutionen proklamiert. Gleichzeitig war die Sonderrolle des princeps stets präsent, zum Beispiel durch Vergleiche mit Göttern oder ruhmreichen Vorgängern.

In dieser Arbeit sollen nun speziell die Aspekte der traianischen Selbstdarstellung dargelegt werden. Folgende Fragen sollen dabei wichtig sein: Inwieweit folgte Traian dem üblichen Kanon kaiserlicher Selbstdarstellung? Gibt es Unterschiede zu den Repräsentationsformen seiner Vorgänger? Traten neue Elemente hinzu? Gab es einen besonderen Adressatenkreis? Und welches Gesamtbild Traians ergibt sich aus seiner Selbstdarstellung?

Als Quellen stehen diejenigen zur Verfügung, die in der römischen Kaiserzeit als Medium der Repräsentation genutzt wurden. Dazu gehören neben Inschriften, Münzen und literarischen Werken vor allem Baudenkmäler, Porträts, Statuen und Reliefarbeiten. Wie schon erwähnt, galten gerade die öffentlichen Baudenkmäler und Kunstwerke offiziell als vom Senat gestif-tet, unterlagen aber dennoch meist dem Willen des Kaisers beziehungsweise wurden in sei-nem Auftrag erschaffen. Für die Zeit Traians sind sie, sowie auch die Münzen und Inschrif-ten in großer Zahl auf uns gekommen. Als literarische Quellen sind vor allem der Panegyrikus und die Briefe des jüngeren Plinius von Interesse, wobei auf diese und die unzähligen staat-lichen Inschriften nicht näher eingegangen werden soll, um den Rahmen nicht zu sprengen. Bezüglich einzelner Aspekte sollen sie aber dennoch herangezogen werden, da sich die Pro-grammatik der traianischen Selbstdarstellung natürlich medienübergreifend ergänzt, bezieh-ungsweise beeinflusst.

2. Umfang und Bedeutung der Medien in der traianischen Selbstdarstellung

Bevor im speziellen auf die Themen und Aspekte der traianischen Repräsentation eingegan-gen wird, sollen die verwendeten Medien kurz vorgestellt sowie deren Umfang und Bedeu-tung bei der Verbreitung des traianischen Herrscherbildes herausgestellt werden. Im Rahmen dieser Arbeit soll es dabei vor allem um die Medien gehen, die das Persönlichkeitsbild des Princeps mittels bildlicher Darstellungen weitergaben. Gängig für die Repräsentationskunst der römischen Kaiserzeit waren dabei Statuen, Porträtbüsten, monumentale, mit Reliefs ver-zierte Staatsdenkmäler und Bauanlagen sowie die in der jeweiligen Regierungszeit geprägten Münzen. Letztere waren ihres hohen Verbreitungsgrades wegen am massenwirksamsten und vielleicht gerade deswegen von Traian in unvergleichlich hoher Zahl hergestellt worden. Während seiner rund zwanzigjährigen Regierungszeit ließ er 760 Münztypen mit –varianten aufsetzen, dazu weitere Hunderte in den Provinzen und Städten des Ostens.[3] Traian übertraf damit die Zahl der augusteischen Münzprägungen um das doppelte, jene des Tiberius um das achtfache und jene des Claudius sogar um das fünfzehnfache. Unter den in ihrer Zahl und Vielfalt ebenfalls beachtlichen, rund 135 Themen der traianischen Münzen fanden sich vor allem die politischen Maßnahmen und Erfolge des Kaisers sowie dessen Tugenden und Eh-rungen. Negative Aspekte wurden, wie auch bei seinen Vorgängern, aus dem Darstellungs-kanon ausgeschlossen, ebenso wie die Porträts höherer und verdienter Beamter. Alles war auf den Kaiser konzentriert, weswegen auf den meisten Münzaverse nur das Abbild Traians zu sehen war. Porträts der kaiserlichen Familienmitglieder sind vergleichsweise selten zu fin-den.[4] Die Münzreverse trugen, wie in der Kaiserzeit üblich, relativ frei wechselnde Bilder der persönlichen Lieblingsgottheiten des Princeps, weiterhin Allegorien oder Symbole für be-stimmte Ereignisse und Maßnahmen, oder Darstellungen eigens initiierter Bau- und Kunst-werke.

Um das Verständnis der durch Götter, Allegorien und Symbolen ausgedrückten und damit eingegrenzten Bildersprache der Münzen für jeden, im römischen Reich vertretenen Kultur-kreis zu vereinfachen, war man um eine sehr konkrete Ausdrucks- und Kompositionsweise bemüht. Das gleiche gilt für die Schriftlegenden. Die Darstellungsarten der Münzbilder wa-ren stark typisiert und wurden ständig wiederholt, so dass ihre Bedeutung nicht immer wieder von neuem erschlossen werden musste.

Während politischen Botschaften jeglicher Art auf Münzen nur durch platzsparende Symbole und Allegorien Ausdruck verliehen werden konnte, die zudem der Gefahr der Missinterpreta-tion unterlagen, konnten auf den weitaus größeren Reliefs wichtiger Denkmäler und Gebäude relevante Aussagen und historische Ereignisse anschaulicher und detaillierter illustriert wer-den. Somit liefern sie damals wie heute einen sehr hohen Informationsgehalt. Als eindrucks-volle Beispiele traianischer Reliefs sind die Darstellungen am Bogen von Benevent, der an-lässlich der Fertigstellung der Via Traiani durch Traian errichtet wurde, die Anaglypha Traia-ni auf dem Forum Romanum in Rom und der sich um die, ebenfalls in Rom befindliche Tra-ianssäule wie eine Papyrusrolle windende Fries mit der Schilderung des Dakerfeldzuges zu nennen. Sie sollen später noch genauer betrachtet werden. Von allen, ursprünglich unter Tra-ian in Auftrag gegebenen und heute nicht mehr erhaltenen, reliefgeschmückten Staatsdenkmä-lern, stellen die drei genannten nur einen Bruchteil dar.[5]

Trotz der Möglichkeit, auf dem Medium des Reliefs ein weitaus umfangreicheres Darstel-lungsspektrum als auf den Münzen anzuwenden, musste auch hier eine allgemein verständli-iche Bildersprache mittels typisierter Ikonographie und Symbolik benutzt werden, wie noch zu sehen sein wird. Die Verbreitung der Bildaussagen über die Reliefs war im Gegensatz zu den Münzen weniger hochgradig, da sie standortgebunden waren. Die meisten waren in Rom konzentriert, so dass sie ein Großteil der Reichsbewohner nie zu Gesicht bekam. Nur die Münzen konnten durch Abbildungen auf den Rückseiten für die Verbreitung in alle Winkel des Reiches sorgen. Mit dem Bogen von Benevent und seinen Reliefs schuf Traian ein monu-mentales Staatsdenkmal außerhalb Roms, was vor ihm zwar auch durch andere Kaiser gesche-hen war, aber nicht mit einer derartigen Kunstfertigkeit und Bildqualität in Angriff genommen wurde. Die Errichtung eines in ihrer Qualität mit stadtrömischen Werken zu vergleichenden Denkmals in der Provinz bedeutete einen bemerkenswert neuen Schritt in der kaiserlichen Selbstdarstellung. Hinzu kam, dass die Bildaussagen des Beneventer Bogens ein vergleichs-weise großes Publikum erreichten, da sie den tausenden, auf der Via Traiani zwischen Rom und Brundisium hin- und herreisenden Menschen sichtbar war.

Die Präsenz Traians in den einzelnen Medien war in ihrer Stärke kaum mit der früherer Kaiser zu vergleichen. Für keinen anderen römischen Kaiser sind so viele gesicherte Abbildungen bekannt wie für ihn.[6] 12 Mal ist der Kaiser allein auf den historischen Reliefs des Beneventer Bogens abgebildet, rund 60 Darstellungen kann man an der Traianssäule zählen, millionen-fach erscheint er auf den Aversen der Reichsmünzen. Daneben nehmen die kaiserlichen Por-trätstatuen einen weiteren großen Teil ein. Aufgestellt auf Märkten, Platz- und Parkanlagen, in öffentlichen Gebäuden oder Heiligtümern vieler Städte des gesamten Reiches,[7] sowie in Pri-vathäusern und Militärlagern, erlangten sie einen ähnlichen Verbreitungsgrad wie die Mün-zen. Die Statuen konnten dabei in verschiedenen Provinzen ein verschiedenes Aussehen ha-ben. Da, wie die meisten Bewohner des Römischen Reiches, auch die mit der Herstellung be-auftragten Bildhauer in den Provinzen den Kaiser nie persönlich zu Gesicht bekommen hat-ten, wurden ihnen Kopien (vermutlich aus Gips) von Bildnissen geschickt, die der Kaiser nach eigenen Maßgaben und auch z. T. in Anpassung an regionale Vorstellungen gestalten ließ. Über einen bestimmten Habitus, Inschriften, bildliche Darstellungen auf Kleidung oder Rüstung sowie über die Verwendung wertvoller Materialien wurden diverse Imagebilder und politische Botschaften vermittelt. Zusätzlich konnten über die Einbindung der Statue in be-deutende Baukomplexe bestimmte Inhalte an die Reichsbewohner weitergegeben werden. Für die traianische Zeit ist als wohl beeindruckendstes Beispiel für das Zusammenspiel von Ar-chitektur und Kaiserbildniss das Traiansforum zu nennen. Sieben Statuen befanden sich auf der Platzanlage, 60 Mal war der Kaiser auf der ebenfalls in den Baukomplex integrierten Tra-ianssäule abgebildet, mehrere Male erscheint sein Bild auf den noch erhaltenen Platten des großen Schlachtenfrieses.[8] Durch die zentrale Lage und freie Zugänglichkeit des großen Fo-rums waren die politischen Botschaften für jede Bevölkerungsschicht erreichbar, wobei es fraglich ist, ob der Betrachter der zwischen zwei Bibliotheken eingezwängten und 100 Fuß hohen Traianssäule jedes Detail der Friese erkennen konnte. Womöglich sollte es aber wohl ausreichend sein, zu wissen, der siegreiche Dakerfeldzug Traians sei auf der Säule dargestellt.

Auf die sich in den einzelnen Medien wiederspiegelnden Konzepte und Programmpunkte der traianischen Selbstdarstellung soll im Hauptteil der Arbeit näher eingegangen werden. Zuvor aber sei noch vermerkt, dass Traian mit seinem Forum das letzte und gleichzeitig größ-te dieser Art in Rom errichten ließ. Caesar schuf als erster in Ergänzung zum Forum Roma-num eine Platzanlage dieser Art, welche mit der ganz auf seine Persönlichkeit ausgerichtete Bildprogrammatik und Konzeption, allen voran der Tempel der Venus Genetrix am Stirn-punkt des Forums, ein Zentrum der Herrscherrepräsentation bildete und zugleich Vorbildcha-rakter für die künftigen Kaiser hatte. Nach Caesar entstanden unter Augustus, Vespasian, Do-mitian und schlussendlich Traian aneinander angrenzende Kaiserfora nach Vorbild des Forum Iulium, wobei sich immer wieder Variationen und Weiterentwicklungen ergaben.[9] Das Fo-rum des Traian bildete dabei in Architektur, Ausstattung und Größe den Höhepunkt. Auf ein-zelne Aspekte soll ebenfalls später noch näher eingegangen werden.

[...]


[1] Ausführlich zu den Dakerkriegen: Strobel, Untersuchungen (1984).

[2] Z. B. die res gestae des Augustus.

[3] RIC II 234- 313

[4] Bsp. für Münzen mit der Kaiserfamilie bei: Kampmann, Münzen (2004 ), S.113-14.

[5] Z. B. zwei Triumphbögen u. die Tempelanlagen auf den traianischen Münzen, dazu: Strack, Reichsprägung ( 1931 ), S. 92ff., 114ff., 147ff.

[6] Dazu grundlegend: Gross, Bildnisse Traians (1940).

[7] Pekáry, Kaiserbildnis (1985), S. 42- 64.

[8] Es ist noch nicht eindeutig geklärt, wo der traianische Schlachtenfries innerhalb des Forums angebracht war; dazu: Strobel, Untersuchungen (1984), S. 32, Anm. 2.

[9] Zu den Kaiserfora: Köb, Stadtzentrum (2000), S. 203- 330.

Details

Seiten
24
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638605151
ISBN (Buch)
9783638672405
Dateigröße
610 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67791
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Geschichte, Kunst und Orientwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Selbstdarstellung Kaiser Traian Antike Weltenherrscher

Autor

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Titel: Die Selbstdarstellung des Kaiser Traian