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Johann Heinrich Pestalozzi und sein Lebenswerk

Hausarbeit 2007 22 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lebensgeschichte Pestalozzis
2.1. Kindheit und Jugend
2.2. Der Schüler und Student
2.3. Der Landwirt und Gründer der Armenanstalt Neuho
2.4. Der Schriftstelle
2.5. Der Armenerzieher in Stans
2.6. Der Schulmeister in Burgdorf und Münchenbuchsee (1799 –
2.7. Yverdon (1804 – 1825)
2.8. Letzte Lebensjahre (1825 –

3. Das Menschenbild in ausgewählten Werken Pestalozzis
3.1. Die Abendstunde eines Einsiedlers
3.1.1. Die Theorie der drei Lebenskreise
3.1.1.1. Drei äußere Lebenskreise
3.1.1.2. Zwei innere Lebenskreise
3.2. Lienhard und Gertrud
3.3. Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts
3.3.1. Der natürliche Zustand
3.3.2. Der gesellschaftliche Zustand
3.3.3. Der sittliche Zustand
3.4. Stanser Brief

4. Pestalozzis Ideen zur Erziehung und Bildung
4.1. Das System der formalen Bildun
4.1.1. Die Elementarmethode
4.1.2. Die Erziehungsmethod
4.2. Die pädagogische Aufgabe der Schule

5. Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

Anhang

Internetmaterial

1. Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit ist die Veranstaltung „Pädagogische Konzepte in der Geschichte der Erziehung“, die sich mit der Lebensgeschichte, den Werken und vor allem den pädagogischen Konzepten berühmter Pädagogen in verschiedenen Zeitabschnitten befasst, und einen Überblick über einzelne berühmte Erzieher, Lehrer und Umgestalter gibt, die einen großen Beitrag für die Entwicklung der Pädagogik geleistet haben und aus vielfältigen Gründen Wertschätzung verdienen. Einer von Ihnen ist der Schweizer Johann Heinrich Pestalozzi, dessen Pädagogik die deutsche Volksschule im 19. Jahrhundert und auch die Sozialpädagogik Anfang des 20. Jahrhunderts weitgehend beeinflusst hat. Seine Entwicklung und Denkweise möchte ich in der vorliegenden Arbeit vorstellen. Um diese nachzuvollziehen, halte ich es für wichtig, im folgenden zweiten Kapitel zunächst einmal seine Lebensgeschichte umfangreich darzustellen, denn nur einseitig betrachtet könnte man sie folgendermaßen beschreiben: „Vorzeitig von der Schule abgegangen, als Landwirt kläglich gescheitert, das Vermögen seiner Frau aufgezehrt, in der Beziehung zu seinem epilepsiekranken Sohn […] versagt, mit Mitarbeitern zerstritten, verarmt, in seinen Werken ein Utopist, verspottet als Träumer.[1] Doch dass es selbstverständlich auch eine andere Seite gibt möchte ich in den folgenden Kapiteln verdeutlichen.

Im dritten Teil meiner Arbeit setze ich mich intensiver mit vier ausgewählten Werken bzw. Schriften Pestalozzis auseinander: „Die Abendstunde eines Einsiedlers“, „Lienhard und Gertrud“, „Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts“ und den „Stanser Brief“. Bei einer näheren Betrachtung der Werke wird schnell deutlich, dass diese eng mit Pestalozzis Leben verknüpft sind, welches besonders durch die Französische Revolution und die Aufklärung geprägt wurde, und daher ohne tieferes Wissen über sein Leben nicht zu begreifen sind. Im vierten Teil behandle ich dann als Schwerpunkt die pädagogischen Grundgedanken zur Erziehung und Bildung von Johann Heinrich Pestalozzi, der über „Jahrzehnte als Begründer der Pädagogik und Propagandist einer allgemeine Bildung für alle Menschen“ galt, und erläutere in diesem Kontext das System der formalen Bildung – Pestalozzis Methode.[2]

2. Lebensgeschichte Pestalozzis

2.1. Kindheit und Jugend

Johann Heinrich Pestalozzi, der am 12. Januar 1746 in der Wohnung seiner Eltern am oberen Hirschgraben in Zürich geboren wurde „entstammt einer italienischen Kaufmannsfamilie, die seit Mitte des 16. Jahrhunderts in der Stadt Zwinglis wohnte, dort 1576 das Bürgerrecht erhielt und zu den ratsberechtigten Familien gehörte.“[3] „Die ersten Lebensjahre Pestalozzis waren von großen familiären Turbulenzen geprägt: Sieben Kinder wurden in etwas mehr als acht Ehejahren der Eltern geboren, wovon vier auch in diesen […] starben,“ und Pestalozzis Vater, Johann Baptist, der über eine zweckmäßige Lehre und nicht über ein Studium ein Chirurgus geworden war, starb 1751 mit 33 Jahren als Pestalozzi fünf Jahre alt war,[4] wodurch ein starker Einfluss weiblicher Erziehung durch seine Mutter Susanne geb. Holz, und eine treue Magd der Familie (Barbara Schmid) bedingt wurde, die nicht ohne Wirkung auf die Entwicklung des Jungen blieb.[5] Pestalozzi beschrieb später in seinen Briefen, dass er seine Jugendjahre als „gehütet wie ein Schaf, dass nicht außer den Stall darf“ empfunden, und sich in allen Erfahrungen und Entwicklungen eingeschränkt gefühlt habe, durch die der Mensch die ersten Grundlagen einer bürgerlichen Brauchbarkeit legt.[6] Pestalozzi glaubte außerdem, dass gerade seine Tendenz zu einem gewissen unkontrollierten inneren Antrieb und Unbekümmertheit durch die fehlende strenge, väterliche Erziehung und Zurechtweisung so überwiegen konnte, für die die Aufenthalte in der Dorfpfarrei seines Großvaters, Andreas Pestalozzi (1692 – 1769) in Höngg, einem Ort vor den Türen Zürichs, der sich nach dem Tod des Vaters in besonderer Weise der Familie seines Sohnes annahm, einen gewissen Ersatz darstellten.[7] Mit der Dorfpfarrei hängt eine zweite wichtige Erfahrung zusammen, die Pestalozzis späteres Verhalten stark beeinflusste.[8] Hier „konnte er gehäuft erfahren, wie besonders der Bauer und Tagelöhner“ zum einen „wegen der wirtschaftlichen Restriktionen daran gehindert war, seine Situation nachhaltig zu verbessern, und wie“ zum anderen „ein völlig unzureichendes Bildungssystem“ deren „Unselbständigkeit und Abhängigkeit noch verstärkte.“[9]

2.2. Der Schüler und Student

Der dritte Erfahrungsbereich, der Pestalozzis Lebensweg nachhaltig beeinflusste, war seine schulische Ausbildung, sowie die außerschulischen Handlungen in diesem Zusammenhang. Im Verlauf seiner Schullaufbahn besuchte er zwischen 1751 und 1765 alle Züricher Schulen die in der damaligen Zeit einem begabten jungen Stadtbürger kostenfrei offen standen. Dazu zählten die Elementarschule, die beiden Züricher Lateinschulen und das Collegium Carolinum.[10] Zunächst begann er dort mit dem Studium der Geschichte, der Alten Sprachen und der Philosophiekomma mit der Absicht, wie sein Großvater, Theologe zu werden, um sich daraufhin aber für das Jurastudium zu entscheiden. Während dieser Zeit übte sein berühmtester Lehrer Johann Jakob Bodmer (1698 – 1783), ein Schriftsteller und schweizerischer Professor für Geschichte, der weit über die Grenzen Zürichs und der Schweiz hinaus bekannt war, den nachhaltigsten Einfluss auf Pestalozzi aus.[11] Bodmer bewirkte, dass trotz des Argwohns der Obrigkeit Rousseaus Werke in Zürich eingeführt wurden, und verhalf Pestalozzi 1764 zur Aufnahme in die „Helvetische Gesellschaft zu Gerwe“ oder kurz „Patrioten“.[12] Die Mitglieder dieser Vereinigung waren Anhänger Bodmers, die die selbstherrliche Regierungsweise der herrschenden Klasse beanstandeten, und sich mit den alten und neuen gesellschaftlichen und politischen Werken bzw. Vorstellungen der Philosophen beschäftigten, mit dem Bestreben entsprechende politische Reformen vorzubereiten – „Reformen, die einen Ausgleich zwischen der Übermacht und dem Reichtum weniger Züricher Großbürger und der verarmten und unterjochten Landbevölkerung ermöglichen sollten.“[13]

2.3. Der Landwirt und Gründer der Armenanstalt Neuhof

Bereits im Jahr 1765 brach Johann Heinrich Pestalozzi mit 21 Jahren sein Studium ab, „da ihm der geistlicher Beruf zur Verwirklichung seiner sozialen und politischen Reformvorstellungen nicht als sonderlich geeignet erscheint,“[14] und begann eine landwirtschaftlichen Lehre bei Tschiffeli im bernischen Kirchberg, um später selbst auf dem Land zu leben und zu arbeiten.[15] Doch bereits nach einem halben Jahr hielt er seine Lehre für abgeschlossen und kehrte im Jahre 1769 mit dem Ziel nach Zürich zurück, dort mit Hilfe der Kenntnisse über die Grundzüge der neuzeitlichen Landwirtschaft, ein Unternehmen zu bewirtschaften, sich damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen und somit ein Beispiel für andere Landsleute zu sein. Darüber hinaus heiratet Pestaozzi im September des gleichen Jahres die acht Jahre ältere Anna Schultheß, eine Züricher Kaufmannstochter, und dass trotz des Standesunterschiedes und erheblicher Widerstände seitens ihrer Familie.[16] 1770 wird Annas einziges Kind geboren, ein Sohn mit Namen Hans Jakob, genannt Jacqueli zu Ehren Jean – Jacques Rousseaus, „in dessen Geist er auch erzogen – und verkorkst wird.“[17] Nach seiner Rückkehr aus Kirchberg erwarb Pestalozzi mit materieller Hilfe der Familie seiner Frau, ein wenig ergiebiges Grundstück in einem kleinen Dorf Namens Birr in der Nähe von Zürich, und errichtete dort einen Neuhof, auf dem er sein geplantes landwirtschaftliches Unternehmen betreiben wollte. Doch dieser Versuch scheiterte, und folglich wandelte er den Neuhof in den Jahren 1773 – 74 allmählich in eine Armenanstalt um, in der er zwischen 1774 und 1780 rund 40 bedürftige Kinder beherbergte.[18] Er entschloss sich nun für den Beruf des Erziehers, und versuchte durch die „Verbindung von Unterricht und Arbeit im Haus und auf den Feldern“, einen zweckmäßigen Lebensraum für mittellose Kinder zu schaffen, um sie auf ein Leben vorzubereiten, in dem sie ihre Armut aus eigener Kraft bewältigen könnten.[19] Darüber hinaus versuchte er die Herzen der Kinder zu erwärmen, und ihnen ein sittliches Leben in Wahrheit und Liebe zu ermöglichen. Aber auch mit der Armenanstalt scheiterte er 1780 ebenfalls, da er aufgrund von Missernten, „der Interesselosigkeit der staatlichen Behörden, die ihm jegliche finanzielle Unterstützung verweigern, und nicht zuletzt an der Bosheit der Kinder, die den gutmütigen Hausvater ausnützen und nach Strich und Faden hintergehen,“ in eine ökonomische Notlage getrieben wurde, sodass die Schulden nur mit dem Verkauf des Landes und durch die Unterstützung der Familie seiner Ehefrau beglichen werden konnten.[20]

2.4. Der Schriftsteller

Im Anschluss an diesen Misserfolg suchte Pestalozzi einen neuen Weg seine Familie zu Ernähren, und begann, wohl notgedrungen, während der Zeit von 1780 bis 1798 als ein sehr leistungsstarker Schriftsteller zu arbeiten. Es entstanden zahlreiche Werke. So veröffentlichte er z. B. 1780 in den Ephemeriden des Baseler Ratsschreibers Isaak Iselin seine Aphorismen „Abendstunde eines Einsiedlers“, in denen er seine pädagogische Bildungsidee hervorragend erfasste.[21] Es folgte sein Volksbuch Lienhard und Gertrud, von dem er den ersten Teil 1781, den zweiten 1783, den dritten 1785 und den vierten Teil 1787 veröffentlichte.[22] Außerdem verfasste er die Werke „Über Gesetzgebung und Kindermord“, „Nachforschungen“ und „Fabeln“.[23]

Während der Zeit auf dem Neuhof litt Pestalozzi immer mehr unter eigener Armut, Vereinsamung und dem generell dominierenden Urteil, dass seine Arbeiten unbrauchbar seien.

2.5. Der Armenerzieher in Stans

Im März 1798 marschierte die siegreiche französische Truppe in die Schweiz ein, verwüsteten den Kanton Unterwalden, und ließen den „Hauptort Stans in Flammen aufgehen.“[24] Nachdem ein Aufstand zum Zweck der Gegenrevolution in Unterwalden niedergeschlagen war, beauftragte die helvetische Regierung den nun schon über 50jährigen Johann Heinrich Pestalozzi, in der Gegend um Stanz zur Linderung der Not eine neue Heimat für die, infolge der Kriegswirren und -grausamkeiten, umherirrenden verwaisten und halbverwaisten Kinder zu schaffen, worin dieser die Chance sah, dadurch seinen Volkserziehungsplänen nachgehen zu können.[25] In den folgenden eineinhalb Jahren setzte er sich in seinem Armenerziehungshaus in Stans zusammen mit einer Magd für die ethische Erziehung von über 80 verwahrlosten Waisenkindern ein, die im Rahmen einer Lebensgemeinschaft und in Auseinandersetzung mit Alltagsproblemen geschehen sollte. Als aber im Juni 1799 die Franzosen wieder in Stans einrückten musste Pestalozzi seine Anstalt aufgrund des Krieges schließen, da in den Räumen des Klosters, die dem Waisenhaus zur Verfügung standen, ein Militärlazarett eingerichtet wurde.[26]

[...]


[1] Gudjons, Herbert: Pädagogisches Grundwissen. 2003. S. 86.

[2] Verein „Pestalozzi im Internet“: Dokumentation. 2005. www.heinrich-pestalozzi.de/de/dokumentation/index.htm.

(Stand: 03.11.2006).

[3] Liedtke, Max: Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827). In: Scheuerl, Hans (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik.

1991. S. 171.

[4] Verein „Pestalozzi im Internet“: Kindheit und Jugend in Zürich. 2005. http://www.heinrich-

pestalozzi.de/de/dokumentation/biographie/kindheit_und_jugend_in_zuerich/index.htm. (Stand: 03.11.2006).

[5] Vgl. Knoop, Karl: Einführung in die Geschichte der Pädagogik. 1999. S. 72.

[6] Vgl. Verein „Pestalozzi im Internet“: Kindheit und Jugend in Zürich. 2005. http://www.heinrich-

pestalozzi.de/de/dokumentation/biographie/kindheit_und_jugend_in_zuerich/index.htm. (Stand: 03.11.2006).

[7] Liedtke, Max: Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827). In: Scheuerl, Hans (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik.

1991. S. 171.

[8] Ebd.

[9] Liedtke, Max: Johann Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827). In: Scheuerl, Hans (Hrsg.): Klassiker der Pädagogik.

1991. S. 172.

[10] Vgl. Verein „Pestalozzi im Internet“: Kindheit und Jugend in Zürich. 2005. http://www.heinrich-

pestalozzi.de/de/dokumentation/biographie/kindheit_und_jugend_in_zuerich/index.htm. (Stand: 03.11.2006).

[11] Vgl. ebd.

[12] Vgl. März, Fritz: Klassiker christlicher Erziehung. 1988. S. 253.

[13] Ebd.

[14] März, Fritz: Klassiker christlicher Erziehung. 1988. S. 253.

[15] Vgl. ebd.

[16] Vgl. Ebd.

[17] Ebd.

[18] Vgl. ebd., S. 254.

[19] Vgl. ebd.

[20] Ebd.

[21] Vgl. Moog, Willy: Geschichte der Pädagogik. 1967. S.231.

[22] Vgl. ebd.

[23] Vgl. ebd.

[24] Ebd., S. 232.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. ebd.

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783638605595
ISBN (Buch)
9783638672429
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67868
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta
Note
1,7
Schlagworte
Johann Heinrich Pestalozzi Lebenswerk

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