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Demographische Entwicklung in Deutschland

Hausarbeit 2005 33 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Demographie
2.1 Aufgabe der Bevölkerungslehre
2.2 Demographische Zusammenhänge
2.3 Messung demographischer Bestände und Bewegungen

3. Geschichte der Bevölkerungswissenschaft
3.1 Johann Peter Süßmilch
3.2 Thomas Robert Malthus
3.3 Moderne Grundlagen

4. Historische Demographie

5. Bevölkerungsentwicklung in Westdeutschland bis 1989

6. Bevölkerungsentwicklung in der ehemaligen DDR

7. Modell des demographischen Übergangs
7.1 Der Erste demographische Übergang
7.2 Der Zweite demographische Übergang
7.3 Ursachen des Geburtenrückgangs
7.4 Lebenserwartung und Sterblichkeit
7.5 Wanderungen
7.6 Sozioökonomische Folgen der Massenwanderungen

8. Perspektiven der demographischen Entwicklung

9. Soziale Auswirkungen der demographischen Entwicklung
9.1 Auswirkungen auf die Rentenversicherung
9.2 Auswirkungen auf die gesetzliche Krankenversicherung
9.3 Auswirkungen auf die Pflegeversicherung

10. Zuwanderung als Problemlösung

11. Fazit

12. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Thema meiner Hausarbeit ist die demographische Entwicklung in Deutschland, mit dem Ziel, die Frage zu beantworten, welche Ursachen zum Bevölkerungsrückgang beigetragen haben und wie die demographischen Entwicklung sich in Zukunft fortsetzen wird. Zu Beginn meiner Hausarbeit möchte ich durch die Einleitung die Problematik der Bevölkerungsentwicklung verdeutlichen. Um weiter auf das Thema hinzuarbeiten werde ich dann die Theorie der Demographie und die Geschichte der Bevölkerungslehre erläutern. Im Anschluss daran wird die Bevölkerungsentwicklung der letzten Jahrzehnte und das Modell des demographischen Übergangs erörtert. Neben einem Ausblick auf die zukünftige Bevölkerungsentwicklung verdeutlicht der nächste Punkt die sozialen Auswirkungen der demographischen Entwicklung. Danach soll eine mögliche Alternative zur Lösung der Bevölkerungsproblematik in Form von Zuwanderung diskutiert werden. Könnte Zuwanderung die demographischen Probleme abmildern, ausgleichen oder sogar beheben? Welche Aspekte müssen im Kontext einer erfolgreichen Zuwanderungspolitik beachtet werden. Der Schluss soll die Antwort auf die Einleitungsfrage geben.

In vielen Teilen der Welt zehrt die Überbevölkerung an den Ressourcen einer Gesellschaft. Die Entstehung eines wirtschaftlichen Wohlstandes ist in diesen Teilen noch weit. Die Armut dort treibt junge Menschen in die Emigration. Anders als in den wohlhabenden Staaten Europas, denn hier schrumpft die Bevölkerung immer weiter. Dieser Trend schafft auch für Deutschland erhebliche Probleme. Berechtigte Angst vor einem „(aus-) sterbenden Volk“ herrscht nicht, eine erhebliche Veränderung der Bevölkerungs- und besonders Altersstruktur ist allerdings unvermeidlich.

2 Demographie

Demographie ist ein aus dem griechischen hergeleitetes Synonym für Bevölkerungs-

lehre (demos = Volk, graphien = beschreiben). Heute verstehen wir unter Bevölkerungswissenschaft oder Demographie im weiten Sinne die laufende Prüfung und Messung der Bevölkerungstrends, aber auch die Erforschung von Einstellungen und Vorurteilen, die sich mit der so wenig überschaubaren aber dennoch emotional trächtigen Bevölkerungsentwicklung verbindet. Sie beschäftigt sich also mit zwei Bereichen:

- mit der Bevölkerung an sich z. B. Messung, Prüfung von Wachstum und Bevölkerungsgröße. Es handelt sich hierbei um Fakten, die nicht falsch sein können.
- mit der Erforschung der Auswirkungen der Bevölkerungsentwicklung z. B.

Auswirkungen auf Rente, Arbeitsplätze, Politik oder Schule.

Das Bevölkerungswachstum und die Bevölkerungsstruktur werden von vier Faktoren, den demographischen Ereignissen, bestimmt:

- Geburten
- Einwanderungen
- Sterbefälle
- Auswanderungen

Geburten und Einwanderungen sorgen für den Zufluss, Sterbefälle und Auswanderungen verringern die Bevölkerung. Von den vier Ursachen der Veränderung ist die Geburtenzahl die weitaus wichtigste, da von ihr die übrigen drei auf elementare Weise abhängen. Jede Bevölkerungsweise definiert sich auf einer allgemeinen strukturellen Ebene durch das jeweilige quantitative Verhältnis von Sterblichkeit, Fruchtbarkeit und Zu- und Abwanderung. Es ist davon auszugehen, dass der strukturelle Zusammenhang der vier Faktoren durch soziale und ökonomische Prozesse bestimmt wird, auf deren weitere Gestaltung die Bevölkerungsweise zurückwirkt.[1] Zu- und Abwanderung sind in der Geschichte häufig wichtige Faktoren gewesen, um gefährliche Lagen der Bevölkerungsentwicklung (drohende Hungerkatastrophen etc.) zu umgehen oder zumindest abzumildern. Mit dem Verschwinden offener, dünnbesiedelter Welträume nimmt ihre Bedeutung jedoch ab. Wichtiger erscheinen die Sterbe- und Geburtenvorgänge. Sie sind für das Kulturwesen Mensch keine reinen Naturvorgänge mehr, sondern können durch Verhaltensstrategien gesteuert werden.[2]

2.1 Aufgabe der Bevölkerungslehre

Die Aufgaben der Bevölkerungslehre liegen in der Darstellung, Beschreibung und Prognose der Bevölkerung. Sie sollen helfen, Bevölkerungsfragen nüchtern zu analysieren, und politische Entscheidungen zur Beeinflussung des Bevölkerungsgeschehens auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Es soll eine Antwort auf die Frage, wie die Bevölkerungsentwicklung beeinflusst werden kann, geben.

Die Bevölkerungswissenschaft untersucht die Veränderungen nach biologischen, sozialen, ökonomischen und politischen Ursachen sowie ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Als weitere Aufgabe steht der Bevölkerungslehre die Entwicklung einer Bevölkerungstheorie gegenüber. Eine Theorie erklärt Zusammenhänge, ist wissenschaftlich und klärt die Frage nach dem „Warum?“. Eine Theorie wird nur als wissenschaftlich akzeptiert, wenn ihre Aussagen überprüfbar sind. Die Bevölkerungslehre richtet sich zuerst auf das quantitative Verhältnis von Zu- und Abgängen, stellt die demographische Situation dar, versucht daraus Ursachen freizulegen und künftige Entwicklungen abzuschätzen. Die Bevölkerungslehre hat die Aufgabe eine Aufstellung eines bevölkerungspolitischen Ziel-Mittel-Schemas zu fertigen.[3]

Es stellt sich die Frage, wozu Demographie überhaupt nützlich ist? Die unumgängliche Tatsache, dass die Menschen, die Bevölkerung im Mittelpunkt des Forschungsinteresses stehen, beantwortet beinahe schon die Frage nach dem „wozu“. Für jeden Menschen ist die Demographie nützlich, z. B. spielt sie bei politischen Fragen zur Sozialversicherung eine wesentliche Rolle. Für den Geschäftsmann ist es wichtig absehen zu können, wie hoch die Nachfrage nach seinen Produkten und das Angebot an Arbeitskräften ist. Angebot und Nachfrage werden nicht allein durch demographische Faktoren bestimmt, sie spielen aber dennoch eine wesentliche Rolle. Weiter hat die Bevölkerungsentwicklung einen Einfluss auf den Geschäftsgang eines Unternehmens, indem sie volkswirtschaftliche Faktoren, wie z. B. die Inflationsrate, mitbestimmt. Ganz wichtig ist herauszustellen, dass die Demographie für jeden Menschen eine bedeutende Rolle spielt. Sie tritt in viele Problemkreise ein, mit denen die Menschen in Zukunft konfrontiert sein werden.[4]

2.2 Demographische Zusammenhänge

Wird Versucht die komplexen demographischen Zusammenhänge etwas in eine begriffliche Ordnung zu bringen, dann können folgende drei Begriffgruppen zur Unterscheidung der Komponenten genannt werden: demographische Endgrößen, demographische Zwischengrößen und demographische Variabeln. Demographische Endgrößen sind das Endprodukt einer demographischen Analyse und gleichzeitig Ausgangspunkt für Analysen des Einflusses von Bevölkerungsentwicklung auf Wirtschaft, Gesellschaft oder Kultur. Zu diesen Endgrößen zählen unter anderem: Bevölkerungsgröße, Bevölkerungswachstum, Bevölkerungsstruktur, Bevölkerungsverteilung, Geburten, Sterbefälle oder Wanderungen.

Demographische Zwischengrößen sind analytische Hilfsmittel, um eine Verbindung zwischen den direkten Variabeln und den Endgrößen herzustellen. Zu den Zwischengrößen zählen alters- und geschlechtsspezifische Überlebenswahrscheinlichkeiten, alters- und geschlechtsspezifische Wanderungsziffern oder Fruchtbarkeitsziffern. Demographische Variablen haben Auswirkungen auf die Bevölkerung. Es werden dabei direkte von indirekten Variablen unterschieden. Direkte demographische Variablen sind biologische bzw. natürliche individuelle Variablen, welche direkt auf die Zwischengrößen einwirken. Zu den biologischen bzw. natürlichen Variabeln zählt z. B. die Stillphase, da während der Dauer des Stillens die Empfängnisbereitschaft herabgesetzt ist. Die individuelle Komponente wird auch als Verhaltensvariabel bezeichnet. Die Komponente spiegelt sich in den verschiedenen Heiratsmustern wider: Die Menschen in den Industriestaaten heiraten im Durchschnitt später als Menschen aus Afrika. Die Frage, in welchem Alter geheiratet wird, ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn davon ausgegangen wird, dass nur dann Kinder geboren werden, wenn heiratet wird. Heutzutage werden jedoch auch viele uneheliche Kinder geboren. Die Abtreibungen pro Lebensgeburten sind heute höher als früher. Je leichter die Möglichkeit zur Abreibung besteht, desto niedriger ist die Kinderzahl.[5]

Indirekte Variablen werden als solche bezeichnet, welche die direkten demographischen Variablen bestimmen. Darunter fallen die kulturellen Variablen, wie z. B. die kulturelle Akzeptanz von Verhütungsmethoden. Eine Kultur ist das Zusammenwachsen einer Gesellschaft, die durch Werte und Normen geprägt ist. Die Normen und Werte lassen sich durch viele Faktoren beeinflussen und unterliegen somit einem Wandel. Als weiterer Variablen lassen sich die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, politischen, natürlichen sowie technischen Variablen benennen.[6]

2.3 Messung demographischer Bestände und Bewegungen

Eine Bevölkerungstheorie ist in unserer Gesellschaft undenkbar ohne eine weitgehende Tatsachenforschung. Mit Hilfe der Statistik werden alle sozialen Massenvorgänge wahrgenommen.

Die demographischen Bestände werden mit Zittern gemessen. Darunter fällt die Geburten-, Fruchtbarkeits- und Sterbeziffer. Es sind Verhältnisausdrücke, die zwei voneinander verschiedene Massen aufeinander beziehen, die nicht Teilmassen an der Gesamtmasse sein können. Die Häufigkeit des Geburtenvorgangs wird in einer Bevölkerung allgemein als Fruchtbarkeit bezeichnet. Durch Kennziffern wird diese statistisch gemessen. Die bekannteste ist die Geburtenziffer, welche die Zahl der Geburten auf 1000 Einwohner angibt. Allerdings ist die Geburtenziffer keine ideales statistisches Maß für die Fruchtbarkeit, da sie von Geschlechtsgliederung, Altergliederung und Familienstandsgliederung abhängig ist. Deshalb wird eine weitere Kennziffer auf der Fruchtbarkeitsseite errechnet. Die Fruchtbarkeitsziffer gibt die Zahl der Geburten auf 1000 Frauen im gebärfähigen Alter an. Des Weiteren lassen sich auch Häufigkeiten der Sterblichkeit messen. Die Sterbeziffer gibt die Zahl der Gestorbenen auf 1000 Einwohner der mittleren Bevölkerung an.[7]

Als weiteres Maß wird die Quote herangezogen. Die Quote zeigt den Anteil, der bei Aufteilung eines Ganzen auf den Einzelnen oder eine Einheit entfällt, z. B. Frauenquote oder Arbeitslosenquote. Um Verhältnisausdrücke darzustellen werden Proportionen herangezogen, diese beziehen zwei Teilmassen aufeinander, z. B. Nichterwerbstätige zu Erwerbstätigen, um die Proportion von Erwerbstätigen zu verdeutlichen. Die Daten zur Erfassung demographischer Daten stammen aus Volkszählungen, Stichproben, Such- und Ereignisregister oder Umfragen. Bei der Messung von Bevölkerungsdaten wird zwischen Längs- und Querschnittsanalyse unteschieden. Bei der Längsschnittstudie wird eine bestimmte Gruppe über einen gewissen Zeitraum untersucht. Der Nachteil dieser Studie liegt in der Dauer sowie dem Kostenfaktor. Als Vorteil birgt er allerdings sein hohes Maß an qualifizierten Angaben. Bei der methodisch besseren Querschnittsanalyse werden verschiedene Gruppen zum gleichen Zeitpunkt untersucht. Diese Studie ist günstiger und schneller, allerdings ist sie nicht so aussagekräftig, da es Unterschiede zwischen den Personen gibt. Fehler bei den Erhebungen ergeben sich durch Erfassungsfehler wie Auslassungen oder Doppelzählungen. Weiter kann es zu Klassifizierungsfehler kommen (Geschlecht, Alter, Beruf). Eine Kontrolle erfolgt durch Nachzählen in Form von Stichproben, durch Vergleichen von Daten oder durch analytische Techniken.[8]

3 Geschichte der Bevölkerungswissenschaft

Die Bevölkerungswissenschaft lässt sich in vier große Fachgebiete einteilen: in die Theorie der Fertilität, der Mortalität, der Migration sowie aus Theorien, die die Struktur des Bevölkerungsbestandes zum Gegenstand haben. Die Anfänge der Bevölkerungswissenschaft reichen bis in die griechische und römische Antike zurück. Das folgende Zitat des griechischen Historikers Polybios aus dem 2. Jahrhundert vor Christus zeigt, dass nicht erst in der heutigen Zeit der Bevölkerungsrückgang durch die niedrige Fertilität begründet wird, sondern auch schon damals ein wesentlicher Faktor war.

„In der Zeit, in der wir leben, ist in ganz Griechenland die Zahl der Kinder, überhaupt der Bevölkerung in einem Maße zurückgegangen, dass die Städte verödet sind und das Land brachliegt, obwohl wir weder unter Kriegen von längerer Dauer noch unter Seuchen zu leiden hätten (...) weil die Menschen der Großmannssucht, der Habgier und dem Leichtsinn verfallen sind, weder mehr heiraten noch, wenn sie es tun, die Kinder, die ihnen geboren werden, großziehen wollen, sonder meist nur eins oder zwei, damit sie im Luxus aufwachsen und ungeteilt den Reichtum ihrer Eltern erwerben, nur deshalb hat das Übel schnell und unvermerkt um sich gegriffen. Wenn nur ein oder zwei Kinder da sind und von diesen das eine der Krieg, das andere eine Krankheit hinwegrafft, bleibt natürlich Haus und Hof verwaist zurück, und die Städte, ebenso wie ein Bienenschwarm, werden allmählich arm und ohnmächtig.“[9]

Bereits in der griechischen Antike beschäftigte sich der griechische Philosoph Platon mit demographischen Fragen. Er entwarf modern und aktuell ansprechende Darstellungen des Umweltproblems, der Zusammenhänge zwischen Bevölkerungswachstum, Entwaldung, Überweidung, Bodenerosion und anderen ökologischen Problemen.[10]

[...]


[1] Birg, H. (2004): Informationen zur politischen Bildung – Bevölkerungsentwicklung. Heft 282 – 1. Quartal 2004. München. S.4-5.

[2]

[3] Hauser, J. (1982): Bevölkerungslehre für Politik, Wirtschaft und Verwaltung. S. 18f.

[4] Ebd.:S. 19f.

[5] Kohlhammer, W. (1998): Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungspolitik in der BRD. S. 26

[6] Hauser, J. (1982): Bevölkerungslehre für Politik, Wirtschaft und Verwaltung. S. 21-25.

[7] Gehlen A./Schelsky H. (1955): Soziologie. Ein Lehr- und Handbuch zur modernen Gesellschaftskunde. Eugen Diederichs Verlag. S. 58-64.

[8] Hauser, Jürgen (1982): Bevölkerungslehre für Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Stuttgart: Haupt. 1982. S. 35-36.

[9] Felderer, B. (1983): Wirtschaftliche Entwicklung bei schrumpfender Bevölkerung. New York. S. 128.

[10] Birg H. (2004): Informationen zur politischen Bildung – Bevölkerungsentwicklung. Heft 282 – 1. Quartal 2004. München. S. 29-30.

Details

Seiten
33
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638586771
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v67945
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,3
Schlagworte
Demographische Entwicklung Deutschland Einführung Sozialstruktur Deutschlands

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Titel: Demographische Entwicklung in Deutschland