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Aurea templa: Der Apollo-Palatinus- und der Apollo-Sosianus-Tempel in Rom

Hausarbeit 2005 14 Seiten

Archäologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Apollo- Palatinus- Tempel
2.1. Konzeption und Architekturrekonstruktion
2.2. Ausstattung

3. Der Apollo- Sosianus- Tempel
3.1. Grundriss und Architektur
3.2. Architektur- Dekoration und figürliche Ausstattung

4. Zusammenfassung

5. Quellen– und Literaturverzeichnis

Einführung

„In meinem 6. Konsulat habe ich im Auftrag des Senats 82 Göttertempel in der Stadt wiederhergestellt und dabei keinen ausgelassen, der zu dieser Zeit einer Erneuerung bedurfte“.[1]

Mit diesen Worten rühmt sich Kaiser Augustus für seine Bemühungen um die Sanierung der alten stadtrömischen Kultbauten im Jahr 28 v. Chr. Schon seit der späten Republik sprach man von der Notwendigkeit solcher Maßnahmen, denn die Wirren der Bürgerkriege und die damit verbundene Identitätskrise ließ bei vielen Römern den Wunsch laut werden, die Reli-gion der Vorfahren wieder aufleben zu lassen. Doch erst nachdem der junge Octavian und spätere Augustus durch den Sieg über Marcus Antonius im Jahre 31 v. Chr. die Machtver-hältnisse zu seinen Gunsten entscheiden konnte und zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Ruhe und Frieden in das zersplitterte Rom brachte, konnte ein systematisches Restau-rierungsprogramm Wirklichkeit werden.

Neben der Erneuerung der alten Tempel entstanden zahlreiche Neubauten, die in Pracht und Größe die traditionellen Tempel aus Tuff und Holz weit übertrafen. Aurea templa- goldene Tempel- wurden sie genannt und vor allem bei den Kultbauten für die persönlichen Götter des Princeps– Apollo, Mars Ultor und Venus – in den aufwendigsten Formen verwirklicht.

Wie genau sich die Pracht der neuen Tempel im einzelnen gestaltete, soll in dieser Arbeit anhand zweier frühaugusteischer Apollo-Tempel erläutert werden. Es handelt sich zum einen um das Apollo-Heiligtum auf dem Palatin und zum anderen um den Apollotempel des G.Sosius, der ihn anstelle des älteren Apollo-Medicus-Tempel auf dem Marsfeld wieder neu errichten ließ. Leider ergaben sich in der Forschung einige Schwierigkeiten bei der Rekonstruktion der Bauten, da bei beiden Tempeln, insbesondere beim Apollo-Palatinus-Tempel, die Überreste eher spärlich ausgefallen sind. Vor allem bei der statuarischen Ausstattung führte das zu unterschiedlichen Lösungsansätzen.

In dieser Arbeit soll zunächst ein grober Überblick über die gefundenen Reste der Tempel gegeben werden und die daraus entstandenen Rekonstruktionsmöglichkeiten vorgestellt werden. Dabei sollen besondere Elemente frühaugusteischer Tempelkunst aufgezeigt werden.

2. Apollo-Palatinus-Tempel

2.1. Konzeption und Architekturrekonstruktion

Nach dem Sieg von Naucholos über Sextus Pompeius im Jahre 36 v. Chr. gelobte Octavian, seinem Schutzgott Apollo einen Tempel zu errichten. Laut Sueton soll Apollo selbst den Ort des Tempels bestimmt haben, indem er einen Blitz neben das Haus des Princeps gerichtet hat.[2] Ocatvian hatte also vor, seine domus so eng mit dem Tempel zu verbinden, wie es sich zuvor in Rom keiner gewagt hatte. Vergleichbar wäre ein solches Konzept eher mit hellen-istischen Königsresidenzen wie auf dem Burgberg von Pergamon.[3] In diesem Sinne hätte Octavian sehr hoch gegriffen und einen autokratischen Herrschaftsanspruch deutlich werden lassen. Ein weiterer Sinnbezug kommt hinzu, wenn man bedenkt, dass die Wohnanlage mit dem Tempel in großer Nähe zur Romulushütte lag. Octavian, der sich selbst oft als Neube-gründer der Stadt bezeichnen ließ, wollte sich dadurch mit dem sagenhaften Begründer Roms gleichstellen.[4] Außergewöhnlich ist auch der Bauplatz des Tempels innerhalb des heiligen Bezirkes Roms – dem pomerium. Kultbauten anlässlich eines Sieges oder Triumphes römischer nobiles wurden seit der Mitte des 2. Jhrdts. v. Chr. immer außerhalb des pomeriums errichtet. Vor allem das Marsfeld war Standort vieler repräsentativer Tempel.

Am 9. Oktober 28 v. Chr. wurde der palatinische Apollo-Tempel feierlich eingeweiht. Über die Baugeschichte oder spätere Restaurierungen des Gebäudes ist aus den schriftlichen Quellen nichts bekannt. Es sind nur noch Überreste einer Erweiterungsmaßnahme am Unter-bau gefunden worden, die wahrscheinlich in die Regierungszeit des Nero fällt.[5]

Zwischen 1865 und 1870 hatte Pietro Rosa einen Teil des Apollo- Heiligtums ausgegraben und ihn zunächst für den Tempel des Iupiter Victor gehalten.[6] Dessen Bau datiert man in das 3. Jahrhundert. v. Chr. Die Grabungen von G. Lugli in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts ergaben aber, dass es sich um einen augusteischen Bau handle und im speziellen um den Apollo-Tempel. Man fand die Überreste einer großen Apollostatue und einen Teil des Türflügels mit der Darstellung eines delphischen Dreifußes, der als Symbol der Gottheit gilt. Zudem widerlegen unter dem Tempel gefundene Reste von republikanischen Häusern die Datierung vor die Regierungszeit des Augustus.

Das Apollo-Heiligtum steht auf einem typisch römischen hohem Podium zwischen dem Haus des Princeps und den Gesellschaftsräumen mit den Bibliotheken. Die Grabungen von Gianfilippo Carettoni brachten eine Rampe zutage, die den Tempel einst mit dem Wohnhaus des Augustus verbunden hatte.[7] Dieser Gang führte von der Portikus der Wohnanlage zum Platz direkt vor dem Tempel. Später, vermutlich nach Augustus Tod, wurde die Rampe zugunsten eines monumentalen Eingangs aufgegeben, der sich auf der gegenüberliegenden Seite des Tempels befand. Der Zugang wurde allerdings nie fertig gestellt.

Die Terrasse, auf deren nördlichem Bereich sich der Apollotempel befindet, umfasst ein Gebiet, das als area Apollinis bezeichnet wird. Es war eine Art heiliger Bezirk, der allein dem persönlichen Schutzgott des Augustus gewidmet war. Die Terrasse war mit Mauern aus opus quadratum versehen, die an der Frontseite den Palatin zum Tal des Circus Maximus hin abgrenzten.

Vom Tempel selbst ist nur noch der Fundamentkern aus opus caementitium in Tuff und Travertin erhalten. Ursprünglich war der Unterbau mit Tuffblöcken verkleidet, die das Gewicht der Cellamauern und die Säulen des Proanos trugen. Heute fehlen diese Außen-schichten, die wahrscheinlich bei Plünderungen gestohlen wurden. Mit einer Höhe, die dem Obergeschoss des augusteischen Wohnhauses entsprach, war der Tempel weithin sichtbar.

Lugli rekonstruierte den Grundriss des Tempels als hexastylen Pseudodypteros.

2.2. Ausstattung

Vom Dekor des Kultbaus fanden sich nur noch Reste des Marmorfußbodens sowie Säulen und korinthische Kapitelle. Man konnte anhand dieser wenigen Fragmente darauf schließen, dass der Tempel ganz aus lunensischem Marmor gebaut wurde.[8]

Im Bereich vor dem Tempel fand man außerdem unterschiedlich gut erhaltene und mit Reliefs verzierte Terrakotta- Platten, die höchstwahrscheinlich auch zur Ausstattung des Heiligtums gehörten. Leider ist unklar, an welchem Teil des Gebäudes sie angebracht wurden. Die wegen ihres Stils als Campana- Platten bezeichneten Funde haben verschiedene Größen und gehörten daher vermutlich unterschiedlich großen Friesen an. Die figürliche Darstellung der größeren Platten bezieht sich auf traditionelle Mythen und Themen aus dem Sagenkreis des Apollos sowie auf Kulthandlungen für die Gottheit. Ein Bild, was auch im Haus des Augustus zu finden ist, zeigt 2 Mädchen im eklektisch- frühklassischen Stil bei der Schmückung eines Baitylos, an dem die typischen Attribute Apollos hängen- Bogen, Köcher und Kithara. In der Gattung der sogenannten Campana- Platten ist dieses Bildthema neu und wurde erst durch Augustus eingeführt. Der Baitylos ist außerdem ein speziell in Apollonia benutzter Kultpfeiler zu Ehren des Apollo. Octavian verbrachte an diesem Ort einige Zeit seiner militärischen Ausbildung.

[...]


[1] Aug. res gestae 20

[2] Suet. Aug. 29

[3] P. Zanker, Der Apollotempel auf dem Palatin. Ausstattung und politische Sinnbezüge nach der Schlacht von Actium, in AnalRom Suppl. 10 (1983), S. 24

[4] P. Zanker, Der Apollotempel auf dem Palatin, S. 24

[5] G. Carettoni, Der Tempel des Apollo, in: Kaiser Augustus und die verlorene Republik, Ausstellungskatalog Antikenmuseum Berlin (Mainz 1988), S. 266

[6] F. Coarelli, Rom. Ein archäologischer Führer (Mainz 2000), S. 162

[7] G. Carettoni, Der Tempel des Apollo, S. 266

[8] F. Coarelli, Rom, S. 164; G. Carettoni, Der Tempel des Apollo, S. 265

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638606288
ISBN (Buch)
9783638773942
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68058
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Geschichte, Kunst- und Orientwissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Aurea Apollo-Palatinus- Apollo-Sosianus-Tempel Proseminar Kunst Kulutur Zeit

Autor

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