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Die Auseinandersetzung um das Autonome Zentrum Wuppertal 1986 - 1990

Vordiplomarbeit 2005 69 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Die Entstehung der autonomen Bewegung
2.1 Die Protestbewegung der 70er Jahre
2.2 Die Neue Soziale Bewegung
2.3 Die Strukturen innerhalb der NSB und der Autonomen Szene
2.4 Die gesellschaftspolitische Bedeutung der Autonomen in der BRD
2.5 Der Begriff der ‚Jugendrevolte‘ in Bezug auf die Autonomen

3. Die autonome Szene in Wuppertal

4. Vorgeschichte des Autonomen Zentrums in Wuppertal
4.1 Das Kommunikationszentrum ‚das Haus e.V.‘
4.2 Das erste Autonome Zentrum in Wuppertal

5. Die Auseinandersetzungen um das Autonome Zentrum in Wuppertal und die verschiedenen Stationen 1986 - 1990
5.1 Uellendahler Straße 6a
5.2 Hochstraße 12 - Muno

6. Schluß

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang
Interview 1
Interview 2

1. Vorwort

In dieser Arbeit werde ich versuchen, die politische Auseinandersetzung um das Autonome Zentrum in Wuppertal zwischen 1986 und 1990 zu schildern. Ich habe diesen Zeitraum ausgewählt, da 1986 erstmals versucht wurde, ein Autonomes Zentrum in Wuppertal einzurichten und die Auseinandersetzungen 1990 mit dem gesicherten Bestehen der Einrichtung durch Abschluß eines Nutzungsvertrags endeten. Dazu möchte ich jedoch zuerst darlegen, wie es zur Entstehung der Autonomen Bewegung Anfang der 80er Jahre in der BRD gekommen ist und fange damit an, die politische Situation in West – Deutschland in den 70er Jahren und die Protestbewegung dieser Zeit zu charakterisieren. Darauf folgt eine Beschreibung der Entstehung und der Strukturen der Neuen Sozialen Bewegung und der Autonomen. Im Anschluß daran möchte ich in zwei kurzen Abschnitten versuchen darzulegen, welche gesellschaftspolitische Bedeutung den Autonomen in den 80er Jahren zukam und warum die Verwendung des Begriffs der ‚Jugendrevolte‘ in Bezug auf die Autonomen eher verfehlt ist. Danach folgt der Versuch, die Strukturen und Zusammenhänge der linksradikalen, autonomen Szene der 80er Jahre in Wuppertal zu beschreiben. Da das Autonome Zentrum in Wuppertal aus dem linken Kommunikationszentrum der 70er Jahre‚das Haus e.V. hervorgegangen ist, werde ich dann versuchen, die Geschichte dieses Vereins zu dokumentieren und wie es zur Idee des Autonomen Zentrums kam. Daran schließt sich eine chronologische Dokumentation der politischen Auseinandersetzungen und der einzelnen Stationen des Autonomen Zentrums von 1986 bis 1990 an. Zum Schluß versuche ich ein Fazit über die Entwicklung der Autonomen in einem größeren zeitlichen Zusammenhang zu ziehen, indem ich versuche, einen Bezug zwischen der autonomen Bewegung der 80er Jahre und der der heutigen Zeit herzustellen. In diesem Zusammenhang gehe ich auch kurz auf die Bedeutung der Militanz für die Szene ein.

Da sich die Literatur mit dem Thema ‚Autonome Bewegung‘ bis jetzt nur sehr wenig befaßt hat und meine Arbeit sich in weiten Teilen auf einen lokal sehr begrenzten Bereich der Autonomen Bewegung bezieht, war ich neben der Verwendung einer umfangreichen Sammlung von Wuppertaler Szene – Publikationen der 80er Jahre (Flugblätter, Aufrufe, Broschüren, Plenumsprotokolle etc.) auf die empirische Erhebung von Informationen angewiesen.

Dazu habe ich einen Leitfaden entwickelt und zwei qualitative Interviews mit Menschen geführt, die in den 80er Jahren in der linksradikalen Szene Wuppertals aktiv waren (Transkriptionen siehe Anhang). Des weiteren habe ich viele Informationen, die dieser Arbeit zu Grunde liegen aus zahlreichen informellen Gesprächen mit diversen Zeitzeugen, welche ich nicht schriftlich dokumentieren konnte gewonnen. Sowohl die Verwendung der Szene – Publikationen als auch der Informationen aus den Gesprächen wirft das Problem der Nichtbelegbarkeit der Quellen auf. Was die Publikationen der Szene Betrifft, von denen teilweise nur noch einzelne Exemplare existieren, können diese jedoch jederzeit auf Anfrage bei mir eingesehen werden.

2. Die Entstehung der autonomen Bewegung

2.1 Die Protestbewegung der 70er Jahre

Um die Entstehung der Bewegung der Autonomen in den 80er Jahren zu erklären, muß diese in einen größeren Gesamtzusammenhang gestellt werden, da sie sich, zumindest in Teilen, aus der Protestbewegung der 70er Jahre entwickelte und somit Teil eines kontinuierlichen Prozesses ist.

Die Weltwirtschaftskrise 1973/74 und der Kanzlerwechsel im Mai 1974 ließen viele junge Menschen erkennen, daß die gesellschaftliche Entwicklung in eine andere Richtung steuerte, „als es der Blickwinkel der optimistischen Ausgangslage von 1969 – 1972 erwarten ließ“. (Bacia / Scherer, 1981, zitiert nach Brand, 1993, 156) Die Reformpläne der sozial-liberalen Regierung schlugen fehl, da sich immer mehr herausstellte, wie sehr diese vom Wohlergehen der Wirtschaft abhängig waren.[1]

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer stieg in den 70er Jahren stark an, was vom deutschen Staat mit einer rigorosen Auslegung des Grundgesetzartikels 4, Absatz 3 („Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden.“) beantwortet wurde. So wurden viele junge Menschen nach einem oft Jahre dauernden juristischen Kampf mit großen psychischen und materiellen Belastungen zum Wehrdienst gezwungen. Dies führte zu einem nicht zu unterschätzenden Protestpotential unter den betroffenen männlichen Jugendlichen, zumal diese oft ihr Vertrauen in die Rechtsstaatlichkeit des politischen Systems der BRD verloren haben.[2]

Als Reaktion auf die Anschläge der linksextremistischen ‚Baader-Meinhof-Gruppe‘ wurde von Seiten der regierenden SPD mit Mitteln wie dem Radikalenerlaß (welcher z.B. zur Folge hatte, daß Lehrer, denen eine kommunistische Gesinnung nachgesagt wurde mit Berufsverbot belegt wurden), der Expansion des Polizeiapparates und der Entwicklung von suspekten, grundrechteinschränkenden Fahndungsmethoden geantwortet.[3] „Anscheinend verschmolz die SPD mit `dem Staat´ zu perspektivlosem Krisenmanagement, zum bürokratischen Verwalter der Macht und zur perfektionierten technokratischen Herrschaft, die sich sogar einen linken Alibi – Flügel zwecks Integration kritischer Meinungen leisten konnte. (...) Der Abbau klassischer personeller Herrschaftsverhältnisse brachte statt neuer Freiräume eine undurchschaubare technologische und hochbürokratische Realität, deren kalter Sachzwanglogik sich der einzelne total ausgeliefert fühlte. Die Regierenden konnten sich ihrer Mitverantwortung für die allgemeine Brutalisierung des politischen Klimas und für die obrigkeits­staatlichen Restaurationstendenzen nicht entziehen. Berufsverbote, der systematische Ausbau von nachrichtendienstlichen Informationssystemen, die militärische Aufrüstung der Polizei und die isolierenden Hochsicherheitstrakte der Strafanstalten wurden zu Inbegriffen staatlicher Gewalt.“ (Bacia / Scherer, 1981, zitiert nach Brand, 1993, 159)

Politische Vorhaben wurden vom Staat mit massiver Polizeigewalt durchgesetzt, denn er sah sich nicht veranlaßt, mehr Demokratie zu wagen und Partizipationsinteressen in demokratische Entscheidungsprozesse zu transportieren. Eines dieser Vorhaben war der nach der Ölkrise drastisch intensivierte Ausbau nukleare Energietechnik. Daran stießen sich viele Menschen und schnell wachsende Bürgerbewegungen machten gegen die Kernenergie mobil, da sie nicht an die ausschließlich zivile Nutzung glaubten und in dem bis heute nicht geklärten Problem der Endlagerung eine ökologische Bedrohung sahen. Atomkraftwerke waren für sie ein Synonym für verfehlte politische Zielsetzungen: Für das ungebremste Wirtschaftswachstum war Energiemaximierung unabdingbar, auch zum Preis der Zerstörung der menschlichen Lebensgrundlage. Die Anti-AKW-Bewegung hatte damit eine ökologische Ausrichtung und die Beschäftigung mit zu erwartenden Folgeschäden der Kernenergie nahm eine zentrale Rolle ein. Das erklärt, warum sich die Anti-AKW-Bewegung maßgeblich aus den Reihen der jüngeren Generation zusammensetzte, da es ja vor allem um ihre Zukunft ging. Daraus entwickelte sich an den (damals noch geplanten) Atomindustriestandorten Brockdorf, Grohnde, und Gorleben ein `Glaubenskrieg´ um Kernenergie und Umweltschutz in wessen Zuge viele junge Menschen ihren Glauben an die demokratische Legitimität des Staates verloren.[4]

Auf Grund der immer stärker eskalierenden gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei tat sich die Frage nach den Drahtziehern auf. Staatlicherseits verwies man auf das Umfeld der terroristischen ‚Rote Armee Fraktion‘ (RAF).

„Nachdem der Staat und wir alle in einer ungenauen, aber extremen Weise bedroht sind, erhöhen sich die Anforderungen für die Anerkennung als bona-fide-Mitglied der Gesellschaft. Es genügt nicht mehr, nicht für gewaltsame Aktionen zu sein, man muß sich laut und deutlich dagegen aussprechen, es genügt nicht mehr, den Staat und seine Verfassung als gegeben grundsätzlich zu akzeptieren (wobei über Details durchaus zu reden ist), man muß sie bedingungslos befürworten, wenn nicht gar lieben.“ (Steinert, 1979, zitiert nach Brand, 1993, 160)

Viele Junge Menschen wollten diesen Anforderungen nicht entsprechen, zumal es wenig Hoffnung gab, gesellschaftliche Reformen durchzusetzen und ohnmächtig durch das bei Demonstrationen oft zur Schau gestellte Gewaltmonopol des Staates.

Die Situation eskalierte 1977, als die Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer durch die RAF den ‚Deutschen Herbst‘ einläutete. Die immer weiter perfektionierte Terroristenjagd schuf ein Klima der Denunziation in der BRD welches dafür sorgte, daß Teile der Jugendgeneration als mögliche Sympathisanten des Terrorismus potentiell kriminalisiert wurden. Auch Intellektuelle und Schriftsteller wurden im Zuge der jetzt einsetzenden Hetzkampagne als Sympathisanten verdächtigt, eine inhaltlich – politische Auseinandersetzung war nicht mehr möglich.

Viele junge Menschen wurden sich der Widersprüche bewußt, welche die freiheitlich-demokratische Grundordnung auf der einen Seite und die immer raffinierteren, umfassenderen und Grundrechte antastenden Strategien auf dem Gebiet der inneren Sicherheit auf der anderen Seite in sich borgen.[5] Dieser Prozeß des Bewußtwerdens und die Einsicht, daß ‚der Marsch durch die Institutionen‘ und die Reformpolitik der SPD gescheitert waren mündete in einer tiefen politischen Ohnmacht und Frustration.

Doch dieser Zustand hielt nicht lange an, und schon bald zeichnete sich ab, daß viele junge Menschen anfingen, sich in der außerparlamentarischen Opposition aktiv zu engagieren. Als Wendepunkt gilt der ‚TUNIX – Kongreß‘ 1978 in Berlin, welcher aus Kreisen der Sponti – Szene organisiert wurde. Schon im Aufruf zu diesem Kongreß wurde deutlich, welche politischen Positionen vertreten wurden

„Wir haben genug von allem, von den öden Asphalt-Beton-Wüsten der Neubauviertel, von der waffenstrotzenden Präsenz und Gewalt des Polizeiapparats und davon, daß sie uns unsere Träume zerstören mit Peter Stuyvesant und Springers BILD und ihren immergleichen Fernseh-Shows, von der Coca-Cola-Karajan-Kultur.“ (zitiert nach Oltmanns, 1980, 61)

Die außerparlamentarische Opposition Anfang der 80er Jahre unterschied sich insofern von der 68er Generation, als daß diese Aversionen gegenüber gesellschaftspolitischen Theorien hegte. Es war auch nicht mehr ein Klassenbewußtsein, das zu Protesten gegen die herrschenden Zustände führte, sondern vielmehr individuelle Betroffenheit. Der Anspruch auf ein Klassenbewußtsein wurde sogar gleichgesetzt mit der Reproduktion der sozialen Realität. Natürlich war der Protest systemkritisch, aber die Auslöser waren weniger ideologischer Natur sondern hatten ganz reale, praktische Hintergründe. Er richtete sich gegen Umweltverschmutzung Datenmißbrauch oder die Diskriminierung von gesellschaftlichen Randgruppen. Die Entwicklung der BRD zum Leistungs-, Konsum-, und Wachstumsstaat wurde angeprangert, da viele die direkten Folgen zu spüren bekamen. Die polizeilichen und nachrichtendienstlichen Entwicklungen nach dem ‚deutschen Herbst‘ verursachten bei vielen Angst vor Szenarien wie in Georg Orwells Roman ‚1984‘. Spätestens seit dem Zustandekommen des von Bundeskanzler Helmut Schmidt mitinitiierten sogenannten ‚Nato-Doppelbeschluß‘ verbreitete sich die Angst vor einem nuklearen Schlagabtausch zwischen den Kontrahenten des ‚kalten Krieges‘ und seinen fatalen Folgen.[6]

Schon seit Anfang der 70er Jahre fand unter jungen Menschen ein immer stärker werdender Rückzug aus der bundesdeutschen Gesellschaft hin zu einer Alternativkultur statt. ‚Alternativ‘ bezieht sich in diesem Fall auf die Produktion und Reproduktion und auf die Formen des menschlichen Zusammenlebens. Die Alternativbewegung sah sich als Gegenbewegung zur technisch - industriellen Welt und versuchte, sich radikal von den Verhaltensweisen, Normen und Werten der restlichen Gesellschaft abzuwenden und möglichst autonom von ihr zu leben. Im Rahmen der Alternativbewegung kam es zu einer Vielzahl von Projekten wie Landkommunen, Kinderläden, autonomen Jugendzentren, genossenschaftlich geführten Manufakturen, alternativen Zeitungen, Frauen- und Männergruppen, Selbsthilfegruppen und Wohngemeinschaften. Die Initiativen hatten ihren Ursprung nicht mehr in den Universitäten, sondern auf der Straße und in den Stadtvierteln und drückten überwiegend einen Selbsthilfeanspruch aus. Die Aktivitäten der Alternativen zielten nicht mehr, wie bei der 68er Generation auf eine kommende Revolution hin, sondern darauf, die eigenen Lebensbedingungen in der Gegenwart zu verändern. Ihre Losungen sprachen für sich: „Lebensqualität statt Lebensstandard, Muße statt Wachstum, Solidarität statt Ellenbogengesellschaft, Mensch statt Maschine, Besinnung statt Leistung.“ (Brand, 1993, 171) Die Alternativen versuchten ihre Utopie von einer sozialen Gesellschaft direkt im eigenen Alltag umzusetzen.[7]

Anfang der 80er Jahre ergab eine Umfrage unter Jugendlichen, daß knapp 60% von ihnen ihre Zukunftserwartungen eher negativ einschätzten. 1972 gaben noch 60% der Befragten laut einer Allensbach - Erhebung an, daß sie der Zukunft positiv entgegen blickten. Jugendarbeitslosigkeit entwickelte sich schon seit Mitte der 70er Jahre zu einem immer ernstzunehmenderen Problem. Die Arbeitslosenzahl der unter 25jährigen schwankte von 1974 bis 1981 zwischen 158 000 und 375 000, wobei dies nur die offiziellen Angaben der Bundesanstalt für Arbeit sind.[8]

In dieser angespannten Lage sorgte die Konjunkturkrise von 1980 / 81 für eine weitere Zuspitzung der Situation. Es kam zur Sozialrevolte und eine Welle der Massenmilitanz, ausgehend von Zürich, Amsterdam, Freiburg, Hamburg und West-Berlin überrollte die BRD.

2.2 Die Neue Soziale Bewegung

In diese Zeit, 1980 bis 1983 ist die Entstehung einer neuen sozialen Bewegung (NSB) einzuordnen, aus der die Autonomen hervorgingen. Sie entwickelte sich aus dem Umfeld der Alternativbewegung, soweit in dieser noch ein gegenkultureller Ansatz vorhanden war und sie sich nicht gänzlich als alternative Nische in die kapitalistisch strukturierte Gesellschaft integriert hatte. Im Gegensatz zur klassischen sozialen Bewegung, als Prototyp wäre die Arbeiterbewegung zu nennen, welche durch zentralistische und bürokratische Großorganisationen geprägt war, ist die NSB eher als basisdemokratisch, dezentral, informell und bedürfnisbezogen zu charakterisieren.[9]

Die thematische Eingrenzung der einzelnen sozialen Gruppen (Anti-AKW-Bewegung, Häuserkampf, Startbahn-West, Friedensbewegung) wurde in dieser Zeit in teilweise erbittert geführten Auseinandersetzungen aufgehoben. Auch hier ging es nicht mehr um Begriffe wie ‚Klassenkampf‘, sondern qualitative Bedürfnisse, Partizipation und Mitbestimmung standen im Vordergrund. Bei der Zusammensetzung der NSB ist festzustellen, daß die Träger zu großen Teilen aus der Mittelschicht kamen, wobei der Begriff ‚Mittelschicht‘ in der Bewegung sehr umstritten war, da sein Gebrauch ja die Anerkennung von gesellschaftlichen Klassen implizierte. In den einzelnen, oft lokal organisierten Gruppen bildete sich ein sich selbst als militant verstehender Flügel heraus, die Autonomen, der vor allem von den jüngeren Menschen getragen wurde. Sie waren durch die in dieser Zeit vorherrschende ‚No-Future‘ - Haltung geprägt und suchten die Konfrontation mit der bürgerlichen Herrschaftsnorm um eigene Bedürfnisse zu artikulieren.[10] Der Begriff ‚Autonome‘ setzt sich in der BRD etwa ab 1983 durch. Zwischen 1981 und 1983 zeichnete sich innerhalb des linksradikalen, militanten Spektrums der NSB noch eine weiter Differenzierung ab. Nachdem die RAF 1981 ihr ‚Mai – Papier‘ veröffentlicht und eine neue Offensive begonnen hatte[11], solidarisierten sich viele Menschen aus der Szene mit ihr. Es entstand eine antiimperialistische Fraktion, die sogenannten ‚Antiimps‘. In diesen Gruppen entstand ein extrem dogmatisches Politikverständnis im Sinne der RAF, von deren in Haft befindlichen Kadern sie auch die Befehle und Handlungsanweisungen erhielten. Die Antiimps befaßten sich schwerpunktmäßig mit der Unterstützung der inhaftierten RAF – Mitglieder, insbesondere während den diversen Hungerstreiks. Ab 1985 gingen die Antiimps verstärkt militant gegen die fortschreitende Aufrüstung der BRD vor. In diesem Zusammenhang führten sie zahlreiche Sprengstoff- und Brandanschläge gegen militärische Einrichtungen aller Art durch. Bis zu diesem Zeitpunkt verlief die Trennungslinie zwischen Autonomen und Antiimps eher diffus, und es gab eine Menge inhaltlicher und personeller Überschneidungen. Auch die Infrastruktur der Szene(n) war die gleiche. Am 8.8. 1985 kamen bei einen Sprengstoffanschlag der RAF auf eine US – Basis in Frankfurt a. M. zwei Menschen ums Leben. Am selben Tag wurde auch in Wiesbaden der zuvor entführte amerikanische Soldat Edward Pimental von der RAF ermordet. Dieses Ereignis löste eine breite Distanzierung unter den Autonomen von den Antiimps, die diese Aktionen verteidigten aus, da sie diese Form der Politik nicht mit tragen wollten. Die RAF der 80er Jahre rekrutierte sich teilweise auch aus dem Umfeld der Antiimps, welche von Verfassungsschutz und dem Bundeskriminalamt als dritte bis vierte Ebene der RAF eingestuft wurden. Die Strukturen der Antiimps lösten sich etwa seit 1991, analog zum endgültigen Zerfallsprozeß der RAF auf. (Im Folgenden werde ich weiter über die ‚Autonomen‘ schreiben und nur an den Stellen zwischen Antiimps und Autonomen differenzieren, an denen es auf Grund eklatanter politischer Differenzen zwischen den beiden Strömungen notwendig erscheint, dies zu betonen)

Die Autonomen blieben beständig an das ‚Auf und Ab‘ der NSB gebunden. Sie waren keine politische Partei oder klar identifizierbare Gruppe, sondern tauchten eher als politische Tendenz bei den einzelnen gesellschaftlichen Konflikten auf. Die Autonomen waren mit ihren Strukturen diffus irgendwo zwischen Organisation und Bewegung einzuordnen. Es wäre jedoch falsch und verkürzt, die Autonomen lediglich als linksradikalen und militanten Arm der NSB zu beschreiben, da sie mit ihrer Theorie und Praxis weit über die inhaltliche und praktische Begrenzung der sozialen Bewegung hinausgingen, sie blieben aber dennoch beständig auf diese bezogen. Außerdem wiesen die Autonomen eine größere Kontinuität als die NSB auf, teilweise bis in die Gegenwart. Dennoch ist die NSB wohl als Ursprungs- und Basislager der autonomen Bewegung zu sehen, trotz der prinzipiellen Kritik an den teilweise bürgerlichen und legalistischen Vorstellungen der sozialen Bewegung.[12] Das politische Themenfeld, in dem sich die Autonomen bewegten, war (im Gegensatz zu dem Antiimps) groß, es reichte von emanzipatorischer Frauenarbeit über Anti – AKW Bewegung und Antifaschismus bis hin zu Solidaritätsaktionen für Mohawk – Indianer.

Einen starken Einfluß auf die Strukturen der Autonomen in der BRD hatte die italienische ‚Autonomia‘ der 60er und 70er Jahre. Das Theoriegebäude des dort vertretenen ‚Operaismus‘ thematisierte die Bedeutung des unqualifizierten Massenarbeiters in den militanten Fabrikkämpfen. Der ‚Operaismus‘ ist als eine der radikalsten Marx-Rezeptionen zu verstehen. Die Operaisten sahen nicht mehr die Vermittlungsorgane der traditionellen Arbeiterbewegung als bestimmend in den politischen Kämpfen, sondern die Arbeiter in den Fabriken und in den Stadtteilen selbst, an den Orten des alltäglichen Klassenkampfs. Der ‚Operaismus‘ wurde zeitgleich auch von den linksradikalen Kräften in der BRD aufgenommen und das in der Theorie auch vorhandene Moment der Negation alles Bestehenden und der Verweigerung gegenüber dem kapitalistischen System wurde, auch unter dem Einfluß der kritischen Theorie , auf den Reproduktionsbereich erweitert. Dies drückte sich z.B. in den Häuserkämpfen Anfang der 70er Jahre aus. Nachdem die operaistischen Ansätze in der BRD 1973 / 74 in Form der Niederschlagung der wilden Streiks und dem vorläufigen Ende der Häuserkämpfe gescheitert waren, wurde der Begriff der Autonomie in der neu entstehenden Alternativkultur und der NSB, besonders während der Sozialrevolte von 1981 erneut aufgegriffen und unabhängig von der politischen Praxis in den Fabriken in die individuelle Realität des Alltags übertragen. In den 80er Jahren gab es auch unter autonomen Gruppen weiterhin operaistische Theorieansätze, die versuchten die Ausbeutungssituation in Arbeitsverhältnissen zu thematisieren (was sich z.B. in Aktionen gegen Leiharbeit und Zeitarbeitsagenturen ausdrückte). Dieser Ansatz blieb aber in der theoretisch und thematisch weitgefächerten autonomen Szene marginal und wurde nicht im Sinne einer breiten Mobilisierung aufgegriffen. Es gelang nicht, wie auch Anfang der 70er Jahre, punktuelle Versuche der Organisierung einer Gegenwehr gegen das System der Lohnarbeit auf die Gruppe der lohnabhängigen Beschäftigten auszuweiten.[13]

2.3 Die Strukturen innerhalb der NSB und der Autonomen Szene

Das zentrale Medium der Verständigung innerhalb der NSB wurde, anders als die ‚Teach-ins‘ in den Universitäten der 60er und 70er Jahre, die ‚Vollversammlung‘, welche, abgegrenzt von der bürgerlichen Öffentlichkeit allen Engagierten und Interessierten den Raum bot, über ihre politischen Ziele und Bedürfnisse und die Form der Umsetzung zu diskutieren. Die ‚Vollversammlung‘ hatte im Gegensatz zu den Massen-‚Teach-ins‘ den Vorteil, daß sie aufgrund ihres meist wesentlich kleineren Rahmens einen viel intensiveren und interaktiveren Informationsaustausch ermöglichte. Außerdem war es wesentlich leichter, möglichst schnell auf aktuelle Geschehnisse und Situationen zu reagieren als es die oft schwerfälligen, trägen und monologartigen Versammlungen der 60er und 70er Jahre ermöglichten. Auch eher ‚schüchterne‘ und ruhige Menschen hatten die Möglichkeit, sich zu artikulieren.[14] Die Vollversammlung hatte den politisch-ideellen, basisdemokratischen Anspruch des Konsensprinzips, direktdemokratischer Entscheidungsstrukturen und der Vermeidung von Hierarchien. Entscheidungen sollten möglichst nicht delegiert und alle an ihnen beteiligt werden. Es gab jedoch Differenzen, was nun als die Basis der Basisdemokratie zu verstehen ist. Es gab auch Organisationsstrukturen, in denen auch rätedemokratische Elemente vorhanden waren, in denen die Basis nicht zwingendermaßen aus Einzelpersonen bestehen mußte, sondern durchaus auch aus Gruppen vertretenden Delegierten.[15] In der Praxis haben sich jedoch nie alle Aktivisten an diesen Selbstverwaltungsstrukturen beteiligt. Die meisten Entscheidungen wurden von einem harten Kern getroffen, der regelmäßig an den Plena teilnahm. Auch dieser Kern selber war keine homogene Gruppe und starken personellen und inhaltlichen Schwankungen unterworfen. Teilweise wurde den Plena ein Insider-Charakter vorgeworfen, da die getroffenen Entscheidungen und Diskussionen für Außenstehende nicht nachvollziehbar waren.[16] Auch bildeten sich auf den Versammlungen oft informelle Hierarchien, bedingt durch Alter oder längere Erfahrungen, aber auch durch rhetorische Überlegenheit einzelner.

Für die bundesweite Vernetzung der Bewegung wurden überregionale Deligiertentreffen eingerichtet. Nicht zuletzt die Schaffung solcher Strukturen verschaffte der NSB und den Autonomen einen hohes Organisations- und Mobilisierungspotential.

In vielen Städten in der BRD entstanden Anfang der 80er Jahre auch die ersten sogenannten ‚Autonomen Zentren‘, selbstverwaltete Räumlichkeiten, die von der Szene für Zusammenkünfte, Plena und kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte, Parties oder Discos jenseits von kommerzialisierter Kultur genutzt wurden. Sie spielten in der Infrastruktur der autonomen Bewegung eine sehr wichtige Rolle, da sie für viele Menschen als Anlaufpunkt und als Schnittstelle der Szene mit Außenstehenden fungierten. Diese selbstverwalteten Räumlichkeiten waren nicht zuletzt der ‚Träger‘ der Szene. „Die Szene entsteht, wenn man einander immer öfter an den dazu auserkorenen Orten über den Weg läuft. (...) Die Szene ähnelt dem Kaffeehaus des 18. Jahrhunderts, dem Salon des 19. Jahrhunderts, der Loge, den Gruppen und Schulen der Künstlerkreise, der kirchlichen Gemeinde, kurzum all den (in)formellen Institutionen, die die Erinnerung an das Ereignis mit einem Lebensstil verbinden, in dem das Versprechen der Wiederkehr kultiviert wird.“ (Agentur Bilwet, 1991, zitiert nach Roth, 2000, 147). Diese Zentren ähnelten

in ihrer Struktur den selbstverwalteten Jugendzentren und Kommunikationszentren der 70er Jahre und waren oft an alternative Wohnprojekte gekoppelt. Die Räume wurden entweder angemietet oder aber auch in vielen Fällen aus einem politischen Selbstverständnis heraus besetzt, was meistens wiederum eine Konfrontation mit der Staatsmacht nach sich zog. Diese infrastrukturellen Einrichtungen wurden häufig Ziel von staatlichen Repressionsmaßnahmen (z.B. Räumungen, Razzien, Observierung), da sie in der informell und teilweise konspirativ strukturierten Bewegung oft die einzig sichtbare Angriffsfläche boten.

2.4 Die gesellschaftspolitische Bedeutung der Autonomen in der BRD

Welche Bedeutung die autonome Bewegung für die gesellschaftspolitischen Konflikte der 80er Jahre hatte, läßt sich im Umkehrschluß auch an den staatlichen Reaktionen auf sie bemessen. So zielten z.B. die in den Jahren 1986 und 1988 verabschiedeten ‚Sicherheitsgesetze‘ mit ihren Ausweitungen von Straftatsbeständen (z.B. §129a: Störung öffentlicher Betriebe, Kronzeugenregelung usw.) und der Verschärfung des Demonstrationsrechts (Vermummungsverbot, passive Bewaffnung) genau auf die von autonomen Gruppen ausgeübten Formen der Organisierung und Militanz ab.

Die Autonomen eröffneten in den 80er Jahren den politischen Raum für die Diskussion sozial- und kulturrevolutionärer Ansätze, die zum großen Teil auf den in der außerparlamentarischen neuen sozialen Bewegung gemachten Erfahrungen beruhten und sie haben ein Überleben der noch aus der 68er Generation herrührenden revolutionären Tendenz in der gesellschaftlichen Wirklichkeit der BRD der 80er Jahre möglich gemacht.[17]

2.5 Der Begriff der ‚Jugendrevolte‘ in Bezug auf die Autonomen

Der von Soziologen und Journalisten im Zusammenhang mit der neuen sozialen Bewegung oft gebrauchte Begriff der ‚Jugendrevolte‘ ist nicht wirklich zutreffend, da die Jugendlichen und jungen Menschen nicht aufgrund ihrer Jugend revoltierten, sondern wegen ihrer politischen und sozialen Unzufriedenheit. Zudem verdeckt dieser Begriff die Tatsache, daß die NSB, und daraus resultierend auch die autonome Bewegung in Teilen an die Strukturen älterer linksradikaler Zusammenhänge anknüpfte und nur so, im Gegensatz zu den meisten anderen vorangegangenen ‚Jugendrevolten‘ eine Kontinuität von mehreren Jahren, teilweise bis in die Gegenwart entwickeln konnte. Ohne diese organisatorische und politische Verknüpfung wäre die Bewegung wohl in Form von sporadisch aufflackernder, zielloser Bandenmilitanz verpufft, anstatt einen kontinuierlichen, organisierten Kampf gegen Kernenergie, Startbahn-West oder Wohnungsleerstand führen zu können. Außerdem war die Bewegung nicht auf Menschen im Jugendalter beschränkt, sie umfaßte auch eine beträchtliche Zahl von Menschen, die das 30ste Lebensjahr bereits überschritten hatten. „Wenn die Autonomen als Jugendkultur bezeichnet werden, dann mag es auf der beschreibenden Ebene durchaus zutreffen, daß der Großteil der AktivistInnenn der autonomen Bewegung deutlich unter 30 Jahre alt ist, vor allem dort, wo sie medial im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen: bei Demonstrationen oder ähnlichen Anlässen, wenn es zu militanten Auseinandersetzungen (i.d.R. mit der Polizei) kommt. Allerdings bietet der im Zusammenhang mit den Autonomen meist genannte Begriff der „Jugendrevolte“ weder eine Erklärung für das inzwischen zwanzigjährige Bestehen dieser Bewegung, noch liefert er Ansatzpunkte, die über ein Verständnis der bloßen Erscheinungsebene hinaus gehen.“ (Roth, 2000, 144)[18]

3. Die autonome Szene in Wuppertal

Um die Wuppertaler autonome Szene der 80er Jahre zu beschreiben, ist es erforderlich, diese Dekade grob in mehrere Zyklen einzuteilen. Die erste Generation der Autonomen bildete sich etwa in den Jahren 1980 bis 1982. Sie bildete sich heraus über die antimilitaristisch motivierten Proteste gegen die Rekrutenvereidung in der Bundeswehrkaserne in Wuppertal Ronsdorf und diverse Hausbesetzungen. In dieser Zeit galt auch die Innenstadt von Wuppertal Elberfeld als zentraler Treffpunkt der Punks der Stadt. Durch den Erlaß neuer, kommunaler Verordnungen wurde es möglich, diese zu vertreiben, da der Aufenthalt in der Fußgängerzone nur noch dann gestattet war, wenn er dem Zweck des Konsums in den dort ansässigen Geschäften diente. Für viele Punks war die Empörung darüber der Anlaß, sich politisch zu organisieren. Wie groß der harte Kern dieser Szene war, läßt sich an den Plena ‚Arbeitskreis Umwelt‘ (AKU), eine der ersten Organisationsstrukturen der Autonomen in Wuppertal, ermessen. Die Zusammenkünfte fanden regelmäßig in der ‚börse‘ (s.u.) statt und wurden von ca. 100 bis 150 Menschen besucht. Für Wuppertaler Verhältnisse war dies eine enorm große Gruppe. 1983 bildete sich in Wuppertal die erste Antifa – Gruppe, anläßlich eines im Rahmen der Fußball –WM in Berlin stattfindenden Spiels zwischen Deutschland und der Türkei. Autonome Gruppen aus dem links – alternativen Stadtviertel Kreuzberg hatten bundesweit dazu aufgerufen, nach Berlin zu reisen, um ausreichenden Schutz vor Angriffen neofaschistischer Fußballfans bieten zu können.

Im gleichen Jahr beteiligten sich die Autonomen als Teil eines breiten Bündnis der NSB an den Protesten gegen die Volkszählung – mit Erfolg, die Zählung wurde wegen des zähen Widerstandes breiter Teile der Bevölkerung abgebrochen. Ebenfalls 1983 fand in Krefeld eine Demonstration anläßlich des Besuchs des amerikanischen Vize – Präsidenten Georg Bush statt. Schon im Vorfeld der Demonstration gab es verschiedene Auffassungen innerhalb der Szene bezüglich des taktischen Vorgehens. Während die Fraktion der Antiimps einen konfrontativen ‚Massenangriff anstrebte, sprachen sich die Autonomen für ein ‚Durchsickern‘ in kleineren Gruppen aus um die Staatsveranstaltung anzugreifen. Die Demonstration endete für die Bewegung in einem Debakel, da die Polizei eine gigantische militärische Übermacht präsentierte. Es kam zu vielen Verletzten und Festnahmen, die auch für einige Menschen aus Wuppertal zu mehrjährigen Haftstrafen wegen schwerem Landfriedensbruchs führten.[19] Die Ereignisse in Krefeld lösten in Wuppertal eine Art ohnmächtige Handlungsunfähigkeit aus. Auch kam es zu einer ersten Distanzierung der Autonomen von den Antiimps, da diese, im Gegensatz zu den Autonomen durch die Reflexion der Ereignisse nicht zu dem Schluß kamen, daß „ein Mißerfolg einer falsch eingesetzten politischen und praktischen Militanz dazu führen kann, das staatliche Kalkül von allgemeiner Einschüchterung und politischer Spaltung zu verstärken.“ (Geronimo, 1990, 133) Erst 1985 bildete sich eine neue Generation der Autonomen, ausgelöst durch die Organisation von Protesten gegen den in diesem Jahr in Bonn stattfindenden Weltwirtschaftsgipfel und die IWF Tagung. Auch der Tod von Günter Sare, der im Sommer 1985 bei einer Demonstration in Frankfurt a. M. von einem Wasserwerfer der Polizei überrollt wurde löste eine neue Welle der Militanz aus. Diese sich neu bildende Szene war mit ihren Ansichten wesentlich ernsthafter und ideologischer als die Szene der Jahre zuvor. Auch in Wuppertal schuf der 1985 von der RAF durchgeführte Mord an dem amerikanischen Soldaten Edward Pimental einen tiefen Graben zwischen den Autonomen und den Antiimps, die sich erst viel später, als auch die RAF Führung diese Aktion als falsch bewertete von ihr distanzierten. Das bedeutete jedoch nicht, daß es keine weiteren gemeinsamen Aktionen gab. Die Politik der Autonomen in Wuppertal war in dieser Zeit geprägt von der Idee des Widerstandes in den Metropolen. In diesem Zuge kam es ab 1986 zu einer Vielzahl von Brandanschlägen, z.B. auf Betriebe und Konzerne die als Zulieferer des Militärs fungierten. Ab 1986 war in Wuppertal der Kampf um ein Autonomes Zentrum ein zentrales Thema der Szene. Internationalismus drückte sich bei den Wuppertaler Autonomen vor allem durch eine breite Solidarität mit der Bevölkerung Nicaraguas aus. Viele reisten dorthin um aktiv beim Aufbau des Landes nach der Revolution zu helfen. Des weiteren war die Wuppertaler Szene in der zweiten Hälfte der 80er Jahre sehr technologiefeindlich eingestellt, wobei sich der Begriff der Technologie auf den Bereich der personenbezogenen Datenerfassung und – speicherung bezieht. In diesem Zusammenhang kam es zu Anschlägen auf Einrichtungen der Post, Forschungseinrichtungen und Firmen. Die Szene war auf jeden Fall als politisch undogmatisch zu charakterisieren. Es gab libertäre, anarchistische als auch kommunistische Elemente in der Politik der Wuppertaler Autonomen. Der harte Kern der Szene bestand zu dieser Zeit aus ca. 60 Personen. 1989, nach der vorerst gescheiterten Durchsetzung eines Autonomen Zentrums (s.u.) kam es in der Szene erneut zu einer Krise. Vor allem die starken staatlichen Repressionen im Zusammenhang mit der Zentrumsbesetzung führte dazu, daß sich viele aus der Szene zurückzogen. Erst der Golfkrieg 1991 führte wieder dazu, daß sich erneut eine starke autonome Szene in Wuppertal etablierte.

[...]


[1] Vgl. Volker Brand, 1993, 156

[2] Vgl. Volker Brand, 1993, 158

[3] Vgl. Volker Brand, 1993, 158

[4] Vgl. Volker Brand, 1993, 159-160

[5] Vgl. Volker Brand, 1993, 160-161

[6] Vgl. Volker Brand, 1993, 165-166

[7] Vgl. Volker Brand, 1993, 170-171

[8] Vgl. Volker Brand, 1993, 166-167, 157

[9] Vgl. Roland Roth, 2000, 141

[10] Vgl. Geronimo, 1990, 92-93, 96

[11] Vgl. Stefan Aust, 1998, 659

[12] Vgl. Geronimo, 1990, 203-204

[13] Vgl. Geronimo, 1990, 36-43, 204-205

[14] Vgl. Geronimo, 1990, 93

[15] Vgl. Roland Roth, 2000, 146

[16] Vgl. Roland Roth, 2000, 150-151

[17] Vgl. Geronimo, 1990, 204-205

[18] Vgl. Geronimo, 1990, 92

[19] Vgl. Geronimo, 1990, 132-133

Details

Seiten
69
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638608923
ISBN (Buch)
9783638711661
Dateigröße
716 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v68186
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1.0
Schlagworte
Auseinandersetzung Autonome Zentrum Wuppertal

Autor

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Titel: Die Auseinandersetzung um das Autonome Zentrum Wuppertal 1986 - 1990