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Lebenslauf des Johann Heinrich Pestalozzi

Hausarbeit 2000 15 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Gedanken von und über Johann Heinrich Pestalozzi

2. Kindheit in Zürich

3. Der Schüler und Student Pestalozzi

4. Vom politischen Rebellen zum Landwirt und die Bekanntschaft mit Anna Schultheß

5. Vom Landwirt zum Armenerzieher

6. Schriftstellerische Tätigkeit

7. Die Zeit der Französischen Revolution

8. Stanser Armenanstalt

9. Die „Methode“

10. Die Anstalten in Münchenbuchsee und Iferten

11. Rückkehr auf den Neuhof und die letzten Schriften

Literaturverzeichnis

1. Gedanken von und über Johann Heinrich Pestalozzi

„ Wir wurden nicht erzogen, das Gute zu thun; wir wurden nur erzogen, das Gute zu ahnden (ahnen) und über dasselbe zu traumen. Wir irrten uns alle.“[1] Diese Feststellung Johann Heinrich Pestalozzis konnte Frau Lavater 1807 in einem an sie adressierten Brief, von dem schweizer Pädagogen und Reformer, dessen Gedanken und Theorien als Wegbereiter der heutigen Grundschule zu verstehen sind, lesen. Bewundernswert ist daher, dass jemand, der solch eine Erziehung erlebte, es sich zur Lebensaufgabe machte, die Zustände der Welt, besonders die der arbeitenden Klassen zu verbessern. In Hermann Krüsis „Erinnerungen aus meinem pädagogischen Leben und Wirken“ von 1840 hält er seine Meinung fest, dass Pestalozzi bei gewöhnlichen Prüfungen für Schulamtskandidaten wohl überall durchgefallen wäre, dennoch hat aber gerade dieser Mann den europäischen Schulwagen umgekehrt und in ein ganz neues Geleise gebracht.[2] Adolf Diesterweg schreibt in „Pestalozzi. Ein Wort über ihn und seine unsterblichen Verdienste.“ 1845: Unter Pestalozzis Einfluss ist die „Schule aus einem finsteren Kerker und Zimmer eine Bildungsanstalt geworden.“[3] Wie es dazu kam, dass ein einzelner Mensch, die Institution Schule so weit verändern konnte, wird nirgendwo besser ersichtlich als in der Auseinandersetzung mit seinem Lebenslauf, der im Folgenden dargestellt werden soll.

2. Kindheit in Zürich

Am 12.1.1746 wurde Johann Heinrich Pestalozzi am oberen Hirschgraben in Zürich als Sohn des Chirurgen Johann Baptist Pestalozzi, der wiederum aus einer Familie kam, die zuvor jahrhundertelang dem Kaufmannsstand verbunden war, und dessen Frau Susanne Hotz geboren. Pestalozzis Verwandtschaft mütterlicherseits stammte aus dem Züricher Landgebiet, das unter der Verwaltung und dem starken Einfluß Zürichs stand. Diese Familie gehörte zu den wenigen aufstrebenden Familien der Schweiz damals, ihre Bildung wäre mindestens mit der der Stadtbürger gleichzusetzen gewesen, aber dennoch wurden ihnen die Bürgerrechte der Stadt Zürich verwehrt, zumal sie der Landbevölkerung angehörten und die gesetzgebende, die ausführende und die richterliche Gewalt nun einmal uneingeschränkt in den Händen der Stadtbevölkerung lag. Die Unterdrückung der Landbevölkerung führte logischerweise zu Unruhen und Aufständen, dennoch fügte sich die Familie ihrem Schicksal, zumindest bis zu den Revolutionsjahren. Im Jahre 1751, als der junge Johann Heinrich gerade einmal fünf Jahre alt war, starb sein Vater Johann Baptist Pestalozzi nach einer sehr bescheidenen Lebensdauer von nur 33 Jahren. Wie bereits erwähnt, war er von Beruf Chirurg, allerdings blieben seine beruflichen Erfolge eher bescheiden, so dass er auf Nebenverdienste angewiesen war, um seine Familie ernähren zu können. Mit seinem Tod ließ er seine Frau und drei von ursprünglich sieben Kindern in der Welt zurück. Fortan übernahm sein Vater, der Dorfpfarrer Andreas Pestalozzi die Vaterrolle für seine Enkel, aber die hauptsächliche Last der Erziehung lag dennoch bei der Mutter Susanne, zudem war ihr Einkommen noch äußerst gering, so dass Sparsamkeit angesagt war. Eine weitere Folge des frühen Verlustes des Vaters, die sich durch Pestalozzis gesamtes weiteres Leben wie ein roter Faden hindurchzog, ist die Tatsache, dass er ab seinem fünften Lebensjahr nur noch eine einseitige Erziehung genießen durfte, die dazu führte, dass er in allen Knabenspielen der Ungewandteste und überhaupt in seinem ganzen Benehmen sehr auffällig und komisch war, so dass er dem ständigen Spott seiner Schulkameraden ausgesetzt war. „...ich mangelte von meinem sechsten Jahre an in meinen Umgebungen alles, dessen die männliche Kraftbildung in diesem Alter so dringend bedarf. Ich wuchs an der Hand der besten Mutter in dieser Rücksicht als ein Weiber- und Mutterkind auf, wie nicht bald eins in allen Rücksichten ein größeres sein konnte. Ich kam, wie man bei uns sagt, jahraus jahrein nie hinter dem Ofen hervor.“[4] Angesichts solcher Erfahrungen rücken die Vehemenz der pädagogischen Zeitkritik Pestalozzis und seine Entschlossenheit, sich für die freiheitliche Erziehung des Kindes und für eine Verbesserung von Theorie und Praxis der Erziehung einzusetzen, in ein erhellendes Licht.[5]

3. Der Schüler und Student Pestalozzi

Zwischen 1751 und 1754 besuchte er die Elementarschule, eine sog. Hausschule in Zürich, bevor er sich dann bis 1757 einer humanistisch-klassischen Bildung in der 5-klassigen Lateinschule „Schola Abbatissana“ unterzog. Im Jahre 1757 wechselte er dann in die „Schola Carolina“, die renommiertere der beiden Züricher Lateinschulen. Etwa zur selben Zeit verlegte die Familie ihren Wohnsitz in das Haus „Zum roten Gatter“. Was die schulischen Leistungen Pestalozzis anbelangt, kann gesagt werden, dass sie teilweise sehr unterschiedlich waren, da er sich hin und wieder Fehler erlaubte, die sonst nicht einmal den schlechtesten Schülern unterliefen. Zwischen 1761-1763 führte Pestalozzi seine humanistische Schulbildung im „Collegium humanitatis“, einer Übergangsstufe zum „Collegium Carolinum“, die Hochschulcharakter besitzt und auf geistliche Berufe vorbereiten soll, fort. Bereits zu dieser Zeit bedauerte er seinen Hang, große Entwürfe zu fertigen, ohne deren Durchführbarkeit ausreichend zu bedenken und zu überprüfen. Diesen Vorwurf wird sich Pestalozzi in seinem Leben noch sehr oft machen, einige Male auch zu Unrecht, aber jedes Mißlingen wird immer wieder diesen Vorwurf hervorrufen. Betrachtet man aber die Unternehmungen seines Lebens genauer, so verdeutlicht sich, dass diese nicht so sehr an seiner mangelnden Qualifizierung, sondern eher an der Ungunst der Umstände scheiterten. In den Jahren zwischen 1763 und 1765 studierte Pestalozzi am Züricher „Collegium Carolinum“, verließ dies aber nach dem Ablegen des philologischen und des philosophischen Examens vorzeitig, ohne die anschließenden theologischen Jahreskurse zu besuchen, da er sich entschloss, nicht, wie geplant in den geistlichen Stand einzutreten, sondern statt dessen, das Studium der Rechte zu ergreifen. Etliche Pestalozzi-Biographien deuten den vorzeitigen Studiumsabbruch als sein erstes großes Scheitern, aber wenn man weiß, dass Pestalozzi die Vorliebe besaß, jegliches Scheitern in der Öffentlichkeit zu bekennen, dann verdeutlicht sich, dass es nicht zu ihm passt, wenn er dann die Gründe seines Scheiterns geheimhalten würde. Daraus folgt also, dass vom Scheitern an sich keine Rede sein kann, er hatte vielmehr einen positiven Entschluss gefasst und um diesen zielstrebig verwirklichen zu können, war er darauf bedacht, Umwege zu vermeiden. Maßgebliche Persönlichkeiten, die auf Pestalozzi während seiner Zeit am „Collegium Carolinum“ großen Einfluß ausübten, waren die Professoren J.J.Bodmer, J.J.Breitinger und J.J. Steinbrüchel, die aufklärerische Ideen vertraten und Kritik am derzeitigen Schulwesen übten.[6] Durch die Tatsache, dass zu viel Unsinniges und Unverstandenes von den Schülern auswendig gelernt werden soll, gelingt es der Institution Schule nicht, ihre Schüler lebendig für bestimmte Fachgebiete zu interessieren, kurz gesagt, sie forderten die heute selbstverständlich integrierte Komponente eines jeden guten Unterrichts, das selbstständige Denken. Ein Ausdruck der geistigen Strömungen, die sich Mitte der sechziger Jahre des 18. Jahrhunderts in Zürich ausbreiteten, war die Helvetische Gesellschaft zur Gerwe. Als Vater der Gesellschaft sieht sich Johann Jakob Bodmer, der wöchentlich einen Kreis seiner Schüler um sich versammelte, um seine vorwiegend an Rousseau und Montesquieu orientierten politischen und sozialen Vorstellungen preiszugeben. Die Gesellschaft zeichnete sich aus durch scharfe Kritik an politischen und gesellschaftlichen Zuständen, wie z.B. der Unterdrückung der Landbevölkerung und dem allgemeinen Sittenverfall. Pestalozzis literarische Erstlingswerke „Agis“ und „Wünsche“ spiegeln deutlich den Geist Bodmers wieder.[7] Sein Entschluss, sich der politischen Tätigkeit zuzuwenden, resultierte zum einen aus seiner Mitgliedschaft zur Helvetischen Gesellschaft, zum anderen beruht diese Entscheidung auch auf Erfahrungen aus der eigenen Familie. Wie bereits erwähnt, wurden der Verwandtschaft seiner Mutter keine Bürgerrechte zuerkannt, diese Entmündigung der Menschen, die ihm am nähesten standen, bedeutete für den Patrioten Pestalozzi eine große persönliche Belastung. Allerdings sind kaum Fakten über seine Vorstellung zu einer juristischen Ausbildung erhalten. Dagegen ist allerdings unstrittig bewiesen, dass er 1767 in eine politische Affäre verwickelt wurde, indem ihm nachgewiesen wurde, dass er jenem Kreis innerhalb der Helvetischen Gesellschaft angehörte, der sich unter der Führung J.K.Lavaters und J.H.Füßlis etabliert hatte. Dieser „Bund zum Schutze der Bedrückten, zur Ahndung des Unrechts“ war der Obrigkeit schon zuvor wegen seiner Zielsetzung, Missstände in Staat und Gesellschaft aufzudecken, negativ aufgefallen, somit war für ihn, wie für alle anderen Betroffenen auch, an keine staatliche Anstellung mehr zu denken.

[...]


[1] Liedtke, Max: Johann Heinrich Pestaozzi mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. S.7

[2] vgl. Liedtke, Max: Johann Heinrich Pestaozzi mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. S.175

[3] Liedtke, Max: Johann Heinrich Pestaozzi mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. S.175

[4] Liedtke, Max: Johann Heinrich Pestaozzi mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. S.13

[5] vgl. Friedrich, Leonhard: Johann Heinrich Pestalozzi. Ein Wegbereiter der Erlebnispädagogik? S.9

[6] vgl. Friedrich, Leonhard: Johann Heinrich Pestalozzi. Ein Wegbereiter der Erlebnispädagogik? S.25

[7] vgl. Lidtke, Max: Johann Heinrich Pestalozzi in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. S.21

Details

Seiten
15
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638143127
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v6824
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für Grundschulpädagogik und -didaktik
Note
1
Schlagworte
Lebenslauf Johann Heinrich Pestalozzi Konzeptionen Grundschule

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